FG007 - Ukraine | Kosake gegen Zar
27.04.2022 70 min
Zusammenfassung & Show Notes
Daniel und Solveig setzen ihre Erzählung ukrainischer Geschichte fort. Nach einer kurzen Erinnerung an den Vertrag zwischen den Kosaken und dem russischen Zaren und das womoglich zugrundeliegende Missverständnis erzählt Daniel heute vom Hetman Ivan Mazepa, der versucht, wieder ein geeintes und unabhängiges Hetmanat zu schaffen. Dafür lässt er sich mit Karl XII. von Schweden ein und wendet sich im nordischen Krieg gegen seinen früheren Freund und Altersgenossen Zar Peter den Großen. Doch das Bündnis mit den Schweden gefällt selbst den meisten Kosaken nicht.
Unter der großen (und deutschen) Zarin Katharina II. hört das Hetmanat dann auf zu existieren. Die kosakische Elite hat letztlich nichts dagegen im russischen Adel aufzugehen.
Derweil erobert und kolonisiert Katharina die Schwarzmeerküste und lädt dazu Siedler aus aller Herren Länder ein. So wird die neue Hafenstadt Odessa zur Multi-Kulti-Metropole. Eine Stadt, die auch mit dem Liebhaber der Zarin – Potemkin – verbunden ist. Den haben Daniel und Solveig nur am Rand erwähnt, weil er mal eine eigene Folge verdient!
Im neunzehnten Jahrhundert werden Ukrainer von Russen wahlweise romantisiert oder als Barbaren betrachtet. In jeden Falle seien sie ein Teil des slawisch-russischen Körpers, der nicht abgetrennt werden dürfe. Solche Trennungswünsche werden vor allem Mitgliedern der Kiewer Kyrill-und-Method-Gesellschaft unterstellt. Ihre Mitglieder beschäftigen sich mit ukrainischer Geschichte und Kultur. Darunter auch der ukrainische Nationaldichter Taras Ševčenko, der für seine Aktivitäten mit mehrjähriger Verbannung bestraft wird.
Taras gegenüber steht Puschkin als russischer Nationaldichter. Obgleich beide für ein goldenes Zeitalter der Literatur stehen, unterscheiden sie sich grundsätzlich in ihrer Herkunft, ihrem Schaffen und ihrer Rezeption. Die ukrainische Sprache gilt vielen als bloßer Bauerdialekt und wird durch die russische Regierung schließlich aus dem öffentlichen Leben verbannt. Nur in einerm Teil der Ukraine, dürfen Ukrainer sich verwirklichen – auch wenn sie dort Ruthenen heißen: in Galizien. Das gehört seit den Teilungen Polens zu Österreich.
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#Frühe_Neuzeit #Ukraine #Russland #Zar #Kosaken #Puschkin #Mazepa
Transkript
Daniel: Die Ukraine wird aus ihrem Grabe auferstehen und wird
erneut alle ihre slawischen Brüder aufrufen
und diese werden ihren Ruf hören und das
Slawentum wird sich erheben und es wird kein
Zar, kein Zarewitsch, keine Zarin,
kein Pan, kein Bojar, kein Leibeigener und
kein Sklave mehr da sein, weder in Russland, noch
in Polen, noch in der Ukraine. Die
Ukraine wird eine unabhängige Republik in einer
Union der Slawen sein.
Hallo Sonv.
Solveig: Hallo.
Daniel: Damit es ist schön, dass wir wieder
zusammen sitzen und
dass wir nicht nur irgendwie den Computer einschalten
und das irgendwie technisch in Ordnung geht, sondern dass wir vorher noch
einen Kaffee trinken können und.
Solveig: Zwischendurch mal bisschen uns austauschen können über andere
Dinge.
Daniel: Genau. Und dann natürlich
unser Thema fortsetzen, das wir schon lange versprochen haben
und das bedauerlicherweise auch immer noch genauso aktuell
ist wie damals.
Fühlt sich schon sehr lange an, eigentlich vor
kurzem gewesen, dass wir zum ersten
Mal unser Programm über den Haufen geworfen
haben, um über die Geschichte der Ukraine
zu sprechen. Und natürlich hat sich
einiges getan in der Zwischenzeit, in den aktuellen
Ereignissen und sind noch größere
Schrecken in den Nachrichten
gewesen, als man sie erwartet hätte oder für möglich
gehalten hätte. Und ähnliche Schrecken
begleiten uns natürlich aber auch schon in der
verschiedenen historischen Auseinandersetzungen, um
die es auch heute noch gehen
wird. Denn wir haben ja beim letzten Mal
sozusagen die große Zeit der
Ukraine schon abgehandelt und hinter
uns gelassen mittlerweile. Und wir
kommen heute sozusagen von deinem
Lieblingsthema guckt mich
unverständlich an. Ich meine natürlich
jetzt den Zeitraum Mittelalter, auch wenn wir gelernt haben,
dass das eine räumliche
Dimension hat, hin zu meinem Lieblingsthema,
nämlich der frühen Neuzeit
und dem neunzehnte Jahrhundert.
Und vielleicht erinnerst du dich an
den Pakt, mit dem wir mehr oder weniger letztes
Mal geendet haben.
Solveig: Da kann ich mich tatsächlich noch dran erinnern und an das Missverständnis
auch an diesen sehr schönen Brief, der geschrieben wurde.
Daniel: Genau, der Brief der Saporurga
Kosaken an den Sultan,
der sie eigentlich aufgefordert hatte, mit
ihm zu kämpfen oder sich ihm zu unterwerfen. Und dann haben sie
viel Spaß gehabt, dabei einen Brief zu schreiben.
Aber wir gehen sozusagen noch mal ein paar Jahre zurück zu
dem Moment, wo die Kosaken sich eben
dem russischen Zaren
zugewandt hatten. Das war ja auch ein längerer
Prozess natürlich, aber es gab dann diese
Vereinbarung in der
ukrainischen Stadt Periaslaw
im Jahre
1654,
wo eben unter dem Hetman Bogdan
Chmelnick ein Treueeid
geleistet wird dem russischen Zaren.
Sie bleiben frei und dürfen selbst nach
ihren eigenen Regeln leben, stellen sich aber
vor, allem jetzt militärisch in den Dienst des Zaren.
Umgekehrt verspricht der Zar auch sie zu beschützen.
Und vielleicht erinnert ihr euch und du dich,
dass die Kosaken erwartet hatten, dass der
Zar jetzt auch eine Art von Eid darauf leistet.
Auf Diese Vereinbarung musst du dann doch zur Kenntnis
nehmen, dass Russland
sie natürlich als Vasall betrachtet und
dort eben der Zar durchaus keinen Grund sieht,
jetzt auch irgendeine Form von Eid zu leisten.
Solveig: Wobei man sagen muss, dass es eigentlich beim
Lehnseid schon auch zum guten Ton gehört, dass auch der
Lehnsherr verspricht, sollte man
erwarten, dass man sich dran hält. Also deswegen, ich kann
nicht verstehen, dass die Gesagten da ein bisschen irritiert waren.
Daniel: Die sind halt so westlich beeinflusst und kennen das aus den
westlichen Gegebenheiten
und erwarteten jetzt diesen Schutz
Eid sozusagen. Ja, der kam nicht.
Nun, wie geknickt die jetzt wirklich waren,
kann ich dir jetzt nicht sagen. Und euch?
Es geht auch erstmal gut. Also im Grunde
funktioniert das erstmal so, wie man sich das
überlegt hatte.
Gleichwohl ist dieser Akt
eben auch sehr unterschiedlich in der Wahrnehmung, vor allem von
heute, wenn man zurückblickt. Also für Russland war das
die Wiedervereinigung,
dass das Kleinrussland jetzt zum
Großrussland sozusagen wieder zurückkommt,
nachdem es da von anderen Völkern
unterdrückt war oder sich verirrt
hatte. Und aus der ukrainischen
Perspektive, der nationalen Geschichtsschreibung, ist es
natürlich der Moment, wo man sich den Falschen an den
Hals geworfen hat und seine Freiheit
verloren hat. Und ja, es gab eine
große Jahr Feier für diesen Akt von
Pereaslav im Jahr
1954.
Damals war Khrushchev
der Mann im Kreml. Und vielleicht hast du eine Ahnung, was
er der Ukraine aus Anlass dieser Jahr Feier
geschenkt hat.
Solveig: Teigtaschen.
Daniel: Oh mein Gott. Zollwald hat sich entschlossen, heute die
russischen Klischees zu bedienen.
Solveig: Nein, man muss sagen, dann hat mir
in Vorbereitung ein Zitat vorgelesen und das ist hängen geblieben.
Und da ging es um Teigtaschen.
Daniel: Genau, die kommen später noch in Teigtaschen und andere
Spezialitäten. Er hat die Krim
verschenkt. Ach ja. Israel gehörte nämlich die
Krim zur russischen sowjetischen
Republik, föderativen Republik.
Und das war dieser Feiertag, 300 Jahre
Periaslav, die Vereinbarung zwischen dem
Zaren und den Kosaken. Das war der
Anlass, die Krim der
ukrainischen Sowjetrepublik zu beantworten.
Was natürlich 1954 völlig
wurscht ist, wem jetzt da die Krim, welcher
Sowjetrepublik die Krim zugehört. Und das wird
natürlich dann erst viel später zum
Politikum in unseren Tagen.
Ja, und für die Polen ist dieser
Bogdan Schmelnicki sozusagen auch der Totengräber Polen
Litauens, denn er hat sich natürlich mit dem Zaren gemein.
Gemacht, um dann eben gegen Polen zu kämpfen
und das ganze Hetmanat für sich
zu gewinnen. Es gab ja diese Teilung entlang des Dniepr,
entlang des Flusses, in die linksufrige und die
rechtsufrige Ukraine. Also links
ist im Osten, rechts. Ich muss auch mal überlegen, in welche Richtung der
Dnjepr fließt. Linksufrig ist die
östliche Ukraine, rechtsufrig ist die
westliche Ukraine. Ja, es gab ja
dann wieder eine Teilung nach
diesem russisch polnischen Krieg. Genau, eben
entlang dieser alten Trennungslinie. Also zwei
Hetmanate, eins das Polen
untersteht und das eben das mit dem
Zaren verbunden ist. Und bei den
Polen wird sozusagen direkt wieder inkorporiert, alles
ist wie früher. Und in der
linksufrigen dürfen die halt noch eine Weile
ihre Freiheiten ausleben.
Nichtsdestotrotz sind eben viele dann ausgewandert, das hatten wir letztes Mal auch
schon erwähnt, in die sogenannte Sloboda Ukraine.
Also heute würde man, also wenn von Donbass
die Rede ist, dann ist das die Region, die damals sozusagen neu
besiedelt wird von den Kosaken, die es in Polen nicht
aushalten oder dass irgendwie mit dem Zaren die
Vereinbarung nicht so gut
finden. Ja, und dann gibt es noch einen
ganz entscheidenden Schritt
eigentlich, der schon darauf
hindeutet, auf eine Herabstufung eigentlich dieser
Region oder des Hetmanats, nämlich dass
1686 auch der Metropolit
von Kiew, der bislang
Konstantinopel unterstand, jetzt dem
Patriarchen von Moskau untergeordnet
wird. Und damit ist ja wohl alles klar, denn die
Orthodoxie ist ja nun das entscheidende Bindeglied
bei all diesen Geschichten. Und
nichtsdestotrotz können die Kosaken noch eine Weile ihre Freiheit
aufrechterhalten, denn sie sind einfach
wichtig für das Militär, für
Russland im Kampf gleich mit mehreren
Großmächten an mehreren Fronten, mal
gleichzeitig, mal kurz nacheinander.
Polen wurde schon genannt, dann die Osmanen
sind natürlich da unten bei den Kosaken ganz wichtig
als Grenzlinie und potenzieller
Feind immer wieder. Und es gibt noch einen
ganz entscheidenden Player und noch runzelt
Solberg mit der Stirn.
Einstmals kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass das eine
europäische Großmacht war.
Komm, die hat ja halb Deutschland in Schutt und Asche gelegt im siebzehnte
Jahrhundert.
Solveig: Die Osmanen hast du schon.
Daniel: Die Osmanen habe ich schon, genau.
Solveig: Im siebzehnte Jahrhundert.
Daniel: Im siebzehnte Jahrhundert, jähriger Krieg.
Solveig: Ach, die Schweden.
Daniel: Ja, die Schweden. Ach ja, die
Schweden, die regieren dann nämlich
unangefochten im Norden. Und das soll nicht mehr
so bleiben, findet Russland. Und da gibt es
vor allem einen Mann, der sich das vorgenommen hat, da was
dran zu ändern an der Vorherrschaft der Schweden,
nämlich z.
Peter der Große. So, decís,
was verbindest du mit Peter dem Großen? Was hast du da für ein Bild
vor Augen?
Solveig: Tatsächlich verwechsel ich ihn immer mit Peter II.
Daniel: Peter II.
Solveig: Bzw. Den, oder ist es Peter der Dritte? Nee, ist Peter
III.
Daniel: Du meinst den, den Katharina.
Solveig: Ich komme mit den Petern immer durcheinander.
Daniel: Peter II. Also keine Ahnung. Mit dem
verbinde ich wiederum ehrlich gesagt gar nichts.
Solveig: Ne, ich muss auch gestehen, aber das liegt nicht nur an mir, dass ich
die durcheinander bringe als
Ausrede. Es ist vor ein paar Jahren eine Serie
erschienen, die heißt the Great, wo es um
Katharina geht, die nur sehr
lose nach eigener Aussage an den historischen
Ereignissen arbeiten. Und die haben tatsächlich aus Peter dem Großen und Peter
II. Eine Figur gebracht.
Daniel: Was? Nicht wahr?
Solveig: Ja, also er wird immer Peter der Große genannt, ist aber eigentlich Peter der.
Daniel: Zweite oder der dritte, meinst du?
Solveig: Ja, genau, der dritte.
Daniel: Okay. Das hätte, glaube ich, Peter nicht mit sich machen lassen. Der
Original Peter.
Solveig: Nur deswegen bin ich verwirrt. Nur
deswegen.
Daniel: So, der kämpft nämlich auch über ein Jahrzehnt da im Norden,
um das Baltikum, die Schweden von der
Ostsee möglichst weit von Russland
zurückzudrängen, von den russischen Küsten und die
russisch dominierten Küsten zu
erweitern. Und Peter kommt
1689 auf den
Thron, liefert sich dann über lange Zeit
eben kriege mit den Schweden. Und als es dann geschafft
ist, 121, übernimmt er
auch noch einen neuen Titel oder verleiht sich
selbst einen neuen Titel. Ab sofort nennt sich der russische
Zar nämlich auch Imperator,
was ja eigentlich ein bisschen doppelt gemoppelt ist.
Solveig: Eben, wollte ich gerade sagen, Zar ist.
Daniel: Ja schon, aber wahrscheinlich wusste keiner mehr, was Zar eigentlich zu bedeuten
hat und woher das kommt. Und dann besser
nochmal sagen, die
klassische westliche Version, denn Peter hat ja
sowieso für eine Neuorientierung gesorgt und
wahrscheinlich war im Zar einfach zu russisch. Das hat
da im Westen keiner verstanden, was das soll. Oder man hatte da bestimmte
Vorurteile, die man damit verbunden hat. Und
Imperator klang dann einfach geiler
und war akzeptabler und dann wusste man sofort die
anderen Imperatoren, mit
wem sie es da zu tun haben. Beziehungsweise der eine
noch ist es nur.
Solveig: Wobei in Japan haben wir ja auch.
Daniel: Ja, okay. Und Russland hat, kennt halt noch kaum.
Solveig: Keine Verbindung zu dem Zeitpunkt.
Daniel: Das ist denen egal, ob da jetzt auch jemand sich so nennt.
Solveig: Aber war Peter auch der, der die Bärte abgeschnitten hat?
Daniel: Genau, das ist der, der diese radikalen Reformen
macht und sagt, wir müssen jetzt so werden wie die, weil die sind
irgendwie besser, moderner,
schneller und wir müssen das auch
machen, damit wir damit auf einem
Level mitspielen können. Und dann ist er halt
ziemlich bei der Umsetzung
dieser Refor, sprich den Leuten auf
der Straße die Bärte abzuschneiden und
nachher dürfen sie sie behalten, wenn sie extra Steuer zahlen, glaube ich,
das war dann die Alternative. Hilft auch bei der Kriegführung, vor
allem die Sondereinkünfte. Aber da kann man sich
jetzt auch schon vorstellen, dass der, der jetzt irgendwie alles da in Russland
plötzlich auf Vordermann bringen will, Russland in die erste Liga
führen will, unter die europäischen Großmächte,
entsprechend alles straffen will, seine Macht ausbauen will, auch im
Land jetzt aneinander gerät mit
den Teilen seines Reiches, die eigentlich eben auch
über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügten
und es gewohnt waren, ihre Dinge selbst zu
regeln. Und
zwei Jahre bevor Peter zar wird,
gibt es einen Hetman,
also das Oberhaupt des Hetmanats, also wir sprechen über die
linksufrige Ukraine natürlich, und der hieß
Ivan Mazepa. Und Iwan
Masepa war hochgebildet, hat in
Kiew studiert. Wir sprachen ja letztes Mal auch darüber, dass sozusagen
alle Geistesgrößen an der kiewer
Akademie studiert haben oder vorher an dem Kollegium
dort. Außerdem war er auch noch in Warschau im
Jesuitenkolleg und Page am
Hof von Jan Kazimir, dem
polnischen König. Das allerdings nur bis
zu dem Moment, wo man ihn mit
der Ehefrau eines
polnischen Hochadligen erwischt hat,
in einem intimen Moment.
Und dann hat man da in Polen nicht gefackelt,
so geht das nicht. Und man
hat ihn tatsächlich nackt, rücklings auf einen
Pferderücken gebunden und das Pferd dann
freigelassen, bis der arme
Ivan Masepa dann ordentlich zugerichtet
war. Und dann hat der Polen tatsächlich auch den
Rücken gekehrt, wieder Richtung
Hetmanat und ist dann da aufgestiegen, bis man
ihn eben zum Hetman gewählt hat,
wie gesagt 1687.
Und eigentlich kommt er
ganz gut mit Peter klar. Man sagt sogar, dass sie
befreundet gewesen seien. Auf jeden Fall kämpfen sie
zusammen, schlachten gegen die
Türken erfolgreich. Und
im nordischen Krieg, wo Polen
natürlich auch seine Chance gesehen hatte, dann wieder gegen Russland Land zu
gewinnen, läuft es dann genau umgekehrt,
nämlich dass es Ivan Masepa gelingt, mit Zustimmung
von Peter, dann den polnischen Teil der
Ukraine wieder zurückzugewinnen. Und es gibt also
jetzt zum ersten Mal wieder ein großes,
vereinigtes Hetmanat mit
einem selbstbewussten Hetman an der Spitze,
sozusagen eine Generation mit Peter, der sich
gerade seine neue Residenz in
Petersburg bauen lässt.
Und gleichzeitig aber in diesem Krieg gegen die
Schweden, da müssen die Kosaken zum ersten Mal sozusagen
weg von zu Hause, die Ärmsten.
Also die sind es gewöhnt, sich irgendwie mit den Polen
anzulegen, die Osmanen sind irgendwie auch kein Thema, da
weiß man genau, wo man ansetzen muss. Aber jetzt werden die
plötzlich da an die nördlichen Fronten
verfrachtet, dürfen sich nicht mal selbst
befehligen, sondern unterstehen dann irgendwelchen russischen
Generälen oder Generälen deutscher Herkunft. Da gibt es nämlich ganz
viele Baltendeutsche in Russland Karriere
machen und die benutzen die mehr
oder weniger als Kanonenfutter, weil sozusagen die alten
kosakischen Reiter dann irgendwie den schwedischen
Truppen doch ziemlich unterlegen sind.
Und plötzlich damit verlieren sie aber natürlich auch diesen Nimbus,
dass sie diejenigen sind, die man braucht zur Verteidigung
des Landes, das sind die unschlagbaren,
die unsere Grenzen schützen und so weiter. Das
funktioniert nicht mehr. Und irgendwie
sind sie dann so ein bisschen unten durch. Aber jetzt
hatte der Ivan ja Mazepa ja seine ganze
SED Manat von Peter oder mit
Peters Zustimmung erobert und
will das auch behalten. Ihm ist aber auch
klar, dass Peter jetzt eben seine Reformen startet und das
mit den kosakischen Freiheiten wahrscheinlich schwierig wird. Also
guckt er sich doch mal um, wer ihm denn garantieren
könnte, dass es jetzt so schön bleibt, wie es
mal kurz war. Und da denkt er sich,
vielleicht ist das mit der Freundschaft mit Peter doch nicht so toll,
laufen wir doch mal über zu den Schweden.
Solveig: Ja, ich hatte jetzt mit Osmanen
gerechnet.
Daniel: So weit wird er wahrscheinlich nicht gehen. Keine Ahnung.
Es ist noch der Krieg gegen Schweden im Gange. Also
am Anfang sozusagen merken die, kriegen die halt mit, dass sie jetzt
nicht mehr so richtig gebraucht werden. Die Rußen kriegen mit, dass sie es nicht so
richtig bringen, da wo es drauf ankommt.
Also im Laufe dieses Krieges gegen die Schweden entscheidet
sich dann Masepa, einen Pakt mit Karl
XII. Von Schweden einzugehen. Das war ein.
Und die Antwort folgt sofort. Die
Rußen marschieren ein in
Baturin, das war sozusagen die Residenz von
Mazepa, das ist in der nördlich von Kiew,
eine kleinere Stadt, und ermorden
dort mehr oder weniger sämtliche
Einwohner, inklusive Frauen,
Kindern. Ja, das hat sozusagen jetzt doch
ungeahnte aktuelle Bezüge.
Und lassen einen neuen
Hetman wählen, sozusagen einen
Gegenhetmann, wenn wir das mit Papst und Gegenpapst
vergleichen. Also es gibt jetzt zwei Hetmane
mit unterschiedlichen Loyalitäten. Und Mazepa
hat natürlich Karl XII. Damit gelockt, dass er ihm, ich
glaube, Mann versprochen hat.
Solveig: Hat er die?
Daniel: Die hat er nicht wirklich. Also die hätte er
womöglich gehabt, wenn alle loyal zu ihm
gestanden hätten.
Solveig: Jetzt hat er sie nicht mehr.
Daniel: Jetzt hat er sie nicht mehr, jetzt gibt es ja den anderen Hetman.
Und irgendwie finden doch wahrscheinlich die meisten, also
die breite Bevölkerung im Hetmonat
protestantische Schweden doch jetzt nicht so wahnsinnig
sympathisch im Vergleich zu den orthodoxen Brüdern aus
Russland. Und jetzt haben sie auch noch gesehen, was das
russische Heer anstellt mit illoyalen.
Und ja tatsächlich
folgen Masepa nur 7000
Saporosa kosaken.
Solveig: Da war Karl enttäuscht wahrscheinlich.
Daniel: Da war Karl sicher enttäuscht. Die ser habe
ich jetzt nicht wahrgenommen, also müssen wir noch mal Biografie von
Karl nachgucken, wie er da genau reagiert hat, das
weiß ich nicht so genau. Und am Ende waren es sogar glaube ich nur
3000 Kosaken, die in der entscheidenden Schlacht von
Poltava im Juni 109
gegen die Rußen antreten, zusammen mit den
Schweden. Und ja, es ist eine
verheerende Niederlage, denn
es ist nicht nur so, dass jetzt nur 3000
Kosaken mit Masepa dahin gezogen sind und
mit den Schweden zusammenkämpfen, sondern auf der russischen
Seite kämpfen halt alle anderen
Kosaken unter ihrem neuen Hetman Ivan
Skoropatski. Das ist dann sozusagen dann auch der
Gewinner natürlich des Ganzen, denn Marcepa muss
dann fliehen zusammen mit Karl II. Karl
ii. Verkrümmelt sich dann, der
zwölfte Karl XII. Verkrümelt sich dann wieder nach
Hause. Marcepa ausgerechnet
findet Zuflucht in den Territorien des osmanischen Reichs.
Siehst du, siehste ja, lebt aber auch nur noch bis September. Also
da musste er da sozusagen die Situation nicht mehr
nachhaltig klären.
Solveig: Waren eine Option.
Daniel: Ja durchaus. Es ist ja auch damals, man
muss sich das vielleicht auch immer so klar machen, weil
wenn wir heute so davon sprechen, ja dann kämpfen die
Schweden gegen die Rußen und so weiter, dass wir dann immer
so ein nationales Loyalitätsgefüge
uns vorstellen. Ich bin Schwede, ich kämpfe für Schweden.
Nein, das tue ich nicht. Ich
bin vielleicht Finne oder norweger oder
Däne oder weiß der Geier was, aber ich lebe
in einem Territorium, das zum
Königreich Schweden gehört oder mit ihm verbunden ist
und ich habe, ich selbst habe im
Zweifel Loyalitätsverpflichtungen einem Herrn
gegenüber, der wiederum dann dem König
gegenüber und umgekehrt, wie ich gerade schon erwähnt habe,
sind da deutsche Generäle sozusagen
deutsche, also ethnische deutsche würde man jetzt so
sagen, baltendeutsche, die dann
ganz selbstverständlich zum russischen Adel dazu zählen und
russische Truppen befehligen. Und
das ist überhaupt kein Loyalitätskonflikt.
Solveig: Ja, weil Nationalismus eben noch kein Thema
ist. Also das muss man glaube ich immer noch mal
betonen, dass die nicht in
Nationalitäten denken, sondern in
Abhängigkeitsgedanken. Und selbst da
hatte ich glaube ich auch schon mal erzählt, in der Mittelalterfolge selbst, da sind
sie dann auch immer erst mal auf sich selbst
bedacht. Also das sieht man jetzt bei deinem Hettmann auch sehr
schön. Er agiert mit den Personen, die ihm
am zielversprechend oder am vielversprechend sind. Und
sobald der Zar eben nicht mehr das
leistet, was man haben möchte, geht man halt zum anderen.
Er hat sich jetzt leider verhoben, aber das ist
eben völlig normal für die Zeit und hat jetzt nichts damit zu tun, dass dieser
Hetmann jetzt irgendwie hinterlistig und
schlecht agiert hätte, sondern für die war das halt so.
Das war auch moralisch überhaupt nicht verwerflich.
Daniel: Genau. Man würde auch genauso gut irgendwelche Rußen wahrscheinlich in der preußischen
Armee finden, die im Krieg gegen Preußen, gegen
Russland preußische Truppen befehligen. Von wegen Stichwort
hinterlistig. Du kannst dir aber vorstellen, dass die russische
Perspektive
genau das sehr betonen würde, wie
hinterlistig der agiert hat. Dass das nur der
Verrat überhaupt sein Freund Peter,
der das ganze Hetman hat überlassen hat.
Und dann fällt er dem in den Rücken.
Und das hält sich sogar noch so auch im
im sowjetischen Russland ist Marsepan die
absolute Unperson, also der
immer als Verräter und Zögling der
Jesuiten beschrieben wird.
Solveig: Wie sie die Jesuiten immer reinbringen. Ich weiß, das
geht, aber die
Jesuiten.
Daniel: Sind immer die Bösen. Jesuiten wollen die macht.
Solveig: Immer sind es die Jesuiten.
Daniel: Ja gut, aber er war tatsächlich auf dem Jesuitenkolleg, das
lässt sich nicht bestreiten. Er war Page am Hof des
polnischen Königs. Also der ist einfach von den Polen
verzogen. Was soll man da
erwarten? Ja, und dann kannst du dir aber vorstellen, dass
natürlich auch es da wieder Jubiläen
gab später diese Schlacht von Polta, weil
dann wieder 300 Jahre her, im Jahre 2000,
neunte. Ja. Und ich glaube, da
war der Präsident der Ukraine, Juschchenko, wenn ich das richtig weiß
im Kopf. Das ist der, auf den dieses Giftattentat,
der so entstellt war nachher
im Wahlkampf schon. Und
schon ein Wunder war sozusagen, dass er es überhaupt wieder auf die Beine geschafft
hat und dann tatsächlich auch noch die Wahl gewonnen
hat. Das ist der, mit dem Russland sozusagen sich auseinandersetzen
muss darüber, wie, in welcher Form man dieser Schlacht von
Poltava gedenkt. Man
hat zu keiner gemeinsamen
Feier sich durchringen können und
zu einer gemeinsamen Interpretation des Ganzen.
Es wurde auch geplant, ein Denkmal dort zu errichten für
Mazepa seitens der Ukraine. Das
stieß natürlich auch auf wenig Begeisterung. Es wurde
dann auch erstmals wieder hinten angestellt und dann erst
2016
unter Poroschenko. Dem war es dann
wurscht, dem hat es dann sicher in den Kram
gepasst nach den Ereignissen
von 2014. Jetzt stellen wir den
Marsepa da mal auf,
um ein Symbol zu setzen. Ja, aber schon damals hat der
Juschchenko einen neuen ukrainischen Orden
nach Masepa gewidmet
und verliehen. Nach diesem
Verrat ist natürlich klar, jetzt könnt ihr das vergessen
mit euren Freiheiten da, die habt ihr
verwirkt, selbst wenn jetzt die Mehrheit
dem gewünschten hätte, man Skoropatzki gefolgt
ist. Aber nichtsdestotrotz, in Moskau wird ein
kleinrussisches Kollegium installiert,
das sozusagen überwacht, was da unten passiert
und die Strukturen langsam
überarbeitet. Und ja,
als Goropatzky 122 stirbt, gibt es dann
natürlich auch erstmal keine Wahl eines neuen Hetmanns,
sondern das wird jetzt anders im russischen Sinne
verwaltet da unten. Es gibt später noch
einen letzten Hetmann, der gewählt wird
und das ist Kyrillo oder russisch
Kirill Rozumowski.
Sagt dir nichts, sagt den meisten wahrscheinlich nichts, ist aber
tatsächlich, kennt man heute Razumowski
als eine der wichtigen
Adelsfamilien in Petersburg
dann später und stammen aber eben
aus einer Kosakenfamilie, die
dann aufgestiegen sind in Petersburg. Und vor
allem ist es dem Bruder von diesem Kyrillo gelungen, dem
Oleksi, als Sänger,
die Aufmerksamkeit der Zarin Jelisavieta
Petrovna, also der Tochter von Peter dem Großen,
zu erlangen und auch
in ihr Bett zu gelangen, dauerhaft.
Man sagt sogar, dass sie eine morganatische Ehe
womöglich geschlossen haben, also geliebte waren sie auf jeden
Fall. Und der Oleksi, der hat dann eben dafür gesorgt, dass ein
jüngerer Bruder Kirillo dann doch noch mal
Hetmann werden darf da unten, zumindest
diesen schönen Titel noch mal bekommen darf.
Man hat sich dann aber später doch noch mal anders überlegt, da war die
Sowjeta dann schon weg, kam eine andere Zarin, über
die wir später noch sprechen, und die dann das Ganze
aufgelöst hat. Also die gesagt, mit Hetmann ist jetzt Schluss.
Wobei den Razumowskis ist da nichts passiert. Also
die waren ordentlich russifiziert, gehörten jetzt zu dem
imperialen russischen Adel, hatten ihren Stand in
Petersburg und der Kirillo durfte dann halt kein
Hetmann mehr sein, aber wurde dann natürlich
Generalfeldmarschall und hat ein paar Güter bekommen, dass er sich
wohlfühlt und ein Auskommen hat. Also war ihm dann
sicher auch wurscht, halt einen Titel
verloren, dafür aber ein schönes Leben weiter gehabt.
Und ja, seine Söhne machen auch weiter Karriere. Ein Sohn
ist später sogar beim wiener Kongress
als Bevollmächtigter
des russischen Reiches anwesend, der Andrej
Razumovski. Genau, wenn ihr euch
erinnert und du hatte ich ja letztes mal sehr
betont, dass sozusagen
die russische Geistesbildung im
siebzehnte Jahrhundert eigentlich nur möglich war, dank der
Gelehrten, die man aus Kiew importiert hat und auch die
kirchlichen Reformen, dass
man sozusagen den Rußen erstmal griechisch beigebracht hat und wie man das
original richtig liest und übersetzt, das wieder in
Ordnung bringt, was sie da zwischendurch irgendwie alles falsch gemacht
hatten. Jetzt dreht sich das so ein bisschen
um, jetzt ist Russland sozusagen geistig
ukrainifiziert worden,
aber je länger die sozusagen jetzt
unter der Zarenherrschaft sind,
desto mehr passen sich natürlich auch an, suchen die
Karriere in Petersburg, verstehen
sich so ein bisschen irgendwo dazwischen, zwischen Ukrainer und
Ruße. Und das was jetzt so an
aufklärerischen Ideen nachher kommt, das geht dann mehr von
über Kiew nach Petersburg oder Moskau, so ein
eben schon umgekehrt kommt aus dem Westen nach Petersburg
und wird dann sozusagen weitergereicht an die
kiewer Akademie und die Universitäten, die dann
später gegründet werden. Und Peter,
der schneidet nicht nur Berte ab, sondern es
gibt dann unter den ganzen Reformen, die er da
durchführen lässt, eben auch noch mal eine radikale Kirchenreform,
denn er will ja uneingeschränkte Macht, also er
will wirklich Selbstherrschaft
ausüben in Russland und
sowas wie ein Patriarch ist da eher
hinderlich. Also Das Patriarchenamt wird
unter Peter dem Großen abgeschafft und
ein neues kirchliches System
installiert. Der allerhöchste oder allerheiligste
Synod ist sozusagen jetzt das Oberhaupt der russisch
orthodoxen Kirche. Und diese
Strukturen werden eben auch von einem, wie könnte
es anders sein, ukrainischen Gelehrten und
Mönch Feofan
Prokopowicz durchgeführt, ein ganz
wichtiger Berater Petersilie, vor allem in
diesem Bereich, der wird später noch Erzbischof
von Nowgorod und der verfasst eben das Statut für
den allerheiligsten Synod und betont die
absolute Macht des Herrschers.
Ironie der Geschichte, es ist ausgerechnet ein
Ukrainer, der ideologische Basis dafür liefert, dass
jetzt der Zar eben Selbstherrscher und uneingeschränkte
Macht genießt. Was
ich meinte ist noch mal wichtig, dass sozusagen der Moment, wo sich das ganze
dreht und modern gesagt, neudeutsch
würde man sagen, dass die Ukraine sozusagen brain drain
ausgesetzt ist, also dass die gut
ausgebildeten Köpfe verlassen das
Land, weil natürlich das Zentrum, da wo man Karriere machen
kann, an anderen Orten
liegt. Ja und jetzt sprach ich schon
kurz, ohne den Namen zu nennen, von der anderen
Zarin, die mit dem Hetmanat gar nichts mehr
anfangen konnte und zwei Jahre nachdem sie die Herrschaft eben angetreten
hat, dann 1604
und oh Gott, jetzt komme ich durcheinander hier glaube ich
1664, das Hetmanat eben abgeschafft
hat und den Rasomowski da auf seine Güter
geschickt hat. Und das ist natürlich niemand
geringeres als unsere
Katharina oder wie wir sie
nennen, Sophie auguste Friederike von Anhalt
zerbst. Ja, das junge Kind,
das da erfolgreich verheiratet
wurde an den petersburger
Hof und dann noch viel
erfolgreicher ihre Ehe beendet
hat, um dann
dank ihrer Verbündeten im russischen Adel
selbst die Herrschaft anzutreten als
Katharina II. Oder bei uns heißt sie meistens auch
Katharina die Große, so wie die Serie, die du geguckt
hast, the Great. Obwohl ich bin ehrlich
gesagt überzeugt, dass ich in Russland nie die
große gehört habe. Also da wird die immer nur nummeriert.
Solveig: Also ich glaube, das ist so ein.
Daniel: Ding, was wir irgendwie.
Solveig: Ich habe mal, als ich klein war, gab
es so eine, auch eine Katharina Verfilmung mit Catherine
Zeta Jones.
Und da wird gesagt, dass die Franzosen damit
anfangen, also dass die Franzosen sie catherine
le grand nennen, weil sie die.
Daniel: Aufklärerischen französischen Ideen übernimmt wahrscheinlich.
Solveig: Also und vor allem interessant, dass sie eben le
Grand, also der Große, Katharina der Große
und nicht die große. Und in dem Film wurde
das zu erwähnen. Ich weiß jetzt aber nicht, ob das stimmt, aber das
würde zumindest Sinn ergeben. Gendergeschichte oder
zumindest wo auch diese, warum wir sie so nennen und die Rußen sie so
nicht nennen.
Daniel: Aber allerdings muss ich auch sagen, bei Peter eigentlich im Grunde auch, ich glaube,
da kommt es eher noch vor, dass man den großen
tatsächlich auch nennt im Gespräch. Aber meistens
wird auch da nur nummeriert. Vielleicht mögen die die Beinamen nicht so
gerne oder sich abtrainiert, als
das nicht so opportun war, groß zu nennen.
Solveig: Ja, gerade die, die immer so Beinamen haben, deswegen.
Daniel: Ja, aber es ist mehr so, also
es war eigentlich immer nur, also der erste,
also der große. Kaum gehört,
habe ich meistens gesagt.
Solveig: Aber was ich ja auch ganz interessant finde, dass ja auch ihr
Ehemann von Katharina ja auch nicht
war.
Daniel: Ja, Halbrusse.
Solveig: Halbrusse.
Daniel: Also der war ein Neffe
von der Ekaterina Petrovna,
also ein Sohn von Anna Petrovna und die hatte eben
eingeheiratet nach Holstein Gotthorb.
Solveig: Da war ich nämlich, ich war letztes Jahr in Kiel und
da haben sie nämlich sein Geburtshaus.
Also es ist ja so ein kleines Häuschen.
Daniel: Ich war noch nie in Kiel.
Solveig: Das ist so ein kleines Backsteinhäuschen.
Daniel: Fährst du öfter zu Wasser?
Solveig: Ja, aber es war auch das erste Mal, als ich in Kiel war. Und Kiel ist
jetzt, Entschuldigung, aber
unterwältigend.
Daniel: Nicht so schön wie Goslar.
Solveig: Nicht so schön wie Goslar.
Nicht so schön wie, wie,
nein, aber sie haben da ein Denkmal für ihn aufgestellt
und das ist ganz schick, weil
sie haben da einen Thron, also aus Bronze ist
das, glaube ich, so, und der ist leer und Peter
steht so daneben und man kann sich dann als Tourist
auf seinen Thron setzen.
Daniel: Boah, ist das fies. Der wird ja sozusagen dauererniedrigt,
dass quasi die Position seiner Frau übernimmt.
Solveig: Ja, ich weiß auch nicht, ich fand es auch ein bisschen gemein, wobei dann die
Beischrifttafel ist dann schon so, ja, aber also
Katharina hat ihn ganz schlecht dastehen lassen, aber eigentlich war
der gar nicht so schlecht. Und also
sie halten da schon, er.
Daniel: War doch ein bisschen zurückgeblieben.
Solveig: Ja, aber meinen sie, das sei so nicht gewesen? Das wurde ihm alles
unterstellt, das war alles Propaganda.
Der hat ganz tolle Reformen
ange.
Aber das finde ich eben ganz schön, auch noch mal
bringe ich das rein, weil wir gerade auch so von Nationalismus gesprochen
haben. Also wir sehen, wie
international da auch die Herrscherhäuser selber sind, dass
wir jetzt eine deutsche Zahl, also
eine deutsche, sie hat sich selbst
als Anhaltinerin verstanden, aber die jetzt eben nach
Russland geht und.
Daniel: Dort Zarenherrschaft übernimmt, ist jetzt auch so ein bisschen,
also die kommt ja aus.
Solveig: Tschetin, nein, aus der Familie meine
ich, aus dem Hause Anhalt.
Und ihr Ehemann ist halt
auch halb als
Holsteiner und die sind jetzt, also.
Daniel: Der ist, glaube ich, gefühlt 100 % Holstein, wahrscheinlich,
weil seine russische Mutter muss natürlich ihre Identität
auch ein Stück weit hinter sich lassen, wenn sie da
einheiratet. Aber es ist dann schon sozusagen nicht
mehr so viel russisches im russischen Zarenhaus.
Sie beide sind jetzt Romanovs, also eigentlich offiziell heißt
die Dynasty, gucken einen Rußen immer ganz
entgeistert an, wenn man ihnen dann sagt, dass
eigentlich die Dynastie hat dann seitdem auch Holstein
Gotthorb oder wenn man gutmeinend ist, dann
Romanov, Holstein Gotthorb.
Solveig: Eigentlich sind die Romanos vorbei.
Daniel: Romanos sind eigentlich ausgeschlossen, mehr oder weniger.
Gut, eigentlich musstest du ja für die weibliche Erbfolge plädieren,
dann spielt natürlich die Mutterschaft der Anna
Petrovna schon eine Rolle.
Solveig: Bei den Peter, aber in der Zeit
leider nicht mehr.
Daniel: Also wenn es darauf ankommt, spielt es eigentlich keine Rolle. Aber es ist natürlich
trotzdem, er ist der russische Zar und sie ist die russische Zarin. Und
das Entscheidende ist halt, dass seine Frau bildungshungrig
war, die kleine Katharina sich
sofort rangeschmissen hat und
russisch gelernt hat, Bücher verschlungen
hat und entsprechend ambitioniert war und eben
auch besser ankam bei den
höfischen Adligen, die mit Peter
irgendwie nicht so richtig warm wurden, der viel zu preußisch
war für ihren Geschmack, sind halt.
Solveig: Diese Norddeutschen, diese
Schleswiger.
Daniel: Ja, deswegen ist natürlich auch nicht klar. Achso, ja,
weil die haben sich ja wohl auch
körperlich nicht so nahe gestanden, also
konnten da auch schlecht irgendwie
Einverständnis finden. Und
natürlich auch Spekulationen über den
Nachfolger Paul, wessen Kind er eigentlich wirklich ist.
So wie es natürlich sowieso viele wilde Geschichten
gibt, wie Katharina sich da so ausgelebt
hat während ihrer Herrschaftszeit, von
denen sicher einige wahr sind und einige vielleicht auch ein bisschen übertrieben.
Auf jeden Fall hatte sie diverse Liebhaber. Einer ist
ganz wichtig für die Ukraine, Herr
Patchomkin heißt er eigentlich. Wir sagen meistens
Potemkin. Ich kenne ihn als Potomkin,
Potjomkin, wenn man schreibt.
Das Problem ist immer, also wenn man das auf den Namen auf
Deutsch schreibt, dann steht da Potemkin.
Aber tatsächlich ist das O, wenn es nicht betont wird,
im russischen wird es wie A gesprochen.
Und dieses E würde man, wenn man jetzt in
der russischen Grundschule das lernt, dann noch
Pünktchen drüber machen. Das ist dann immer, also ein betontes
E sozusagen wird zum Jo. Also
deswegen ist es der Patjomkin, ein Liebhaber
von Katharina, der die
Aufgabe erhält, sich
um die neu gewonnenen Gebiete
im Süden zu kümmern. Und
damit ist gemeint, was bis jetzt
noch relativ unbewohnt
wahlweise umkämpft war, nämlich die Küste
am schwarzen Meer, die
unter Katharina erobert wird vom osmanischen
Reich und dem Kanat der
Krim Tataren. Meine
Fresse, das Kanat der
Krimtataren, das zu den Osmanen dazu
zählte. Genau, die kommen jetzt weg. Also es ist
ja jetzt sowieso eine Periode, wo Russland quasi ununterbrochen
Krieg mit den Türken führt. Ich glaube, wir haben so das Gefühl, mir ist
langweilig, was können wir tun? Ach, lass uns mal wieder Krieg
mit den Türken führen. Aber hier ist
es natürlich ganz entscheidend, dass jetzt
da neue Territorien gewonnen werden,
inklusive der Krim. Das passiert bis
174, 183 kommt
die Krim dazu. Und diese
Territorien werden sozusagen als Gouvernement
Neurussland in das russische
Zarenreich kooperieren.
Und dort werden auch neue Städte
gegründet und sowohl das Land als auch die Städte
gewissermaßen dann neu besiedelt. Die
herausragendste Gründung ist eigentlich Odessa, die
wichtigste Hafenstadt der Ukraine im Jahre 104
und neunzigste. Und in
Odessa gibt es bis heute auch oder wieder
einen Katharinenplatz. Man kann sich
natürlich vorstellen, dass in der Sowjetunion den
Imperatoren jetzt nicht so viel gedacht
wurde, aber nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion dann so ein paar historische Bezüge
wieder repariert wurden und
Zarendenkmäler wieder restauriert oder neu aufgestellt
wurden und so. Von der unabhängigen
Republik Ukraine wurde in
Odesa oder der Stadt Odessa dann natürlich wurde
auch nach einigen Diskussionen dann das Denkmal für
Katharina, das da vor
Sowjetzeiten schon mal stand, wieder errichtet,
um eben der Gründerin von Odessa zu
gedenken. Und man konnte in den
Aufnahmen der jüngsten Zeit, die
aus Odessa dann schon mal gezeigt wurden, als man sich auf
mögliche Angriffe vorbereitete, konnte
man auch sehen, dass auch die
Katharina in Odesa mit Sandsäcken umgeben
wurde, um sie zu beschützen.
Nichts geschieht. Und ja, Odessa
ist das perfekte Beispiel für diese
neue Besiedelung, denn das ist
weder richtig ukrainisch noch richtig russisch,
sondern da kommen jetzt Leute von überall her und
auch gewollt Leute von überall her, denn so viele hat man natürlich
selber gar nicht. Das sind Griechen, das sind Armenier, das sind natürlich
viele Rußen, die dorthin ziehen, weil sie da Land bekommen,
auch russische Adelige, die da Güter verliehen bekommen und natürlich
Bauern mitbringen und so weiter. Viele jüdische
Händler, die sich in den Städten ansiedeln oder die eben auch
oft in der Verwaltung, Stadtverwaltung oder
Gouvernementsverwaltung eine Rolle spielen.
Und viele Deutsche,
das kennen wir schon von Katharina, dass sie für mehrere
Regionen Deutsche eingeladen hat, ihnen Privilegien
gegeben hat, versprochen hat, dafür, dass sie
sich in Russland ansiedeln. Da sind besonders bekannt
die Wolga, sogenannte Wolgadeutschen,
aber es gibt eben auch die
Schwarzmeerdeutschen, also die dort
sich entlang des schwarzen Meeres
angesiedelt haben, in Neurussland eben genauso auf
Einladung von Katharina. Also ich denke,
das ist wirklich ein faszinierender Kulturraum, wenn man da zwischen
1000 801900 spazieren
geht in den Promenaden von Odessa und anderen Städten, dann hat man
sozusagen ganz Europa im Kleinen
zusammengefasst und ein sprachen Wirrwarr
geherrscht, den man sich heute eben
leider so nicht mehr vorstellen kann.
Und das natürlich weniger wegen der aktuellen Ereignisse, sondern
vielmehr deswegen, worüber wir dann nächstes Mal
sprechen, was im 20. Jahrhundert dort
angerichtet wird.
Ja, aber Katharina rechtfertigt jetzt natürlich auch all das,
was dort geschieht, vor allem als Wiedervereinigung
dieser alten Territorien mit Russland.
Also das, was früher schon mal
benutzt wurde, dass die Brüder
jetzt endlich wieder nach Hause zurückgekommen sind, das findet
Katharina jetzt genauso. Vor allem, was immer
hilft, ist der Hinweis auf den orthodoxen Glauben der
Menschen vor Ort und die jetzt endlich dann auch
alle wieder vereint unter ihrer Krone
sind. Und da meinst du natürlich jetzt nicht unbedingt die neurussischen
Gebiete mit, sondern es gibt noch eine andere Stelle,
wo Katharina sich lammt
Polen exaktement.
Wir kommen nämlich auch in das Zeitalter der polnischen
Teilungen und das heißt, dass jetzt eben
alle Ruße wieder
vereint sind. Also das
Kleinrussland, Belarus,
also Weißrussland und das
Großrussland. Also jetzt ist sozusagen die
Idee, jetzt sind wir alle wieder vereint. Es gibt nur einen
Teil, den haben die anderen gekriegt.
Solveig: Einen anderen Teil von Polen.
Daniel: Den anderen Teil von Polen, ja. Ich meine nicht Posen, der spielt sozusagen
keine Rolle. Oder Westpreußen.
Ja, erstmal was die Preußen dann kriegen, sondern
Galicien.
Solveig: Genau, ich würde gerade sagen, das was die Österreicher kriegen.
Daniel: Ja, Galicien, was wir letztes Mal schon besprochen hatten, was so für die
ukrainische Nationalgeschichtsschreibung ganz wichtiger
Link eigentlich ist zwischen Kiewer Rus und
modernerer Ukraine, dass sozusagen das über
Galicien hervor existiert hat.
Galicien wird jetzt österreichisch, aber es
wird dann damit auch noch wichtig für die
ukrainische
Nationalidentitätsbildung,
wie auch immer man es nennen möchte.
Ansonsten wird jetzt alles schön aufgeteilt in Gouvernements.
Also von ehemaliger Selbstverwaltung ist keine
Rede mehr, sondern jetzt ist klar, alles ist
Teil der russischen Verwaltung.
Gleichzeitig setzt jetzt etwas auf von russischer Seite,
nämlich Neuentdeckung der Ukraine. Und ich
würde es bezeichnen als russische Romantik.
Nicht weil die Burgen bauen, machen die vielleicht
auch. Also man findet schon so auch so neogotischen
Kram zum Teil in Petersburg und andernorts, ne,
aber so, dass die gebildeten
Schichten, die adligen
Schichten, die neuen, vielleicht nicht ganz so
ausgeprägten industriellen Schichten, die
jetzt entstehen, blicken
auf diese idyllische
Bauernlandschaft,
wo dieser Freiheitsgeist ja noch
innewohnt. Bauern, die aber ein
einfaches Leben führen und den man sich
irgendwie. Das ist sozusagen das, wohin wir doch, was wir bewahren
müssen. Die Flucht
des Städters in die Natur,
da ist noch das das richtige Leben.
Solveig: Das haben die Franzosen auch gemacht.
Daniel: Ja, das machen wir doch alle. Aber eigentlich will
natürlich keiner dahin und auch nicht da bleiben, weil dann doch nach
drei Tagen nicht mehr weiß, was ich machen soll, wo man
irgendwie keine Lust hat, das nächste Buch zu lesen.
Solveig: Und weil Kühe melken auch tatsächlich anstrengend ist.
Daniel: Fürchter auch. Aber es ist so, also das, was so an
Adjektiven kommt, ist dann natürlich einfache Menschen. Sie sind
moralisch rein und verdorben, sie sind ehrlich, sie sind
treu, sie sind freundlich, sie sind
gastfreundlich vor allem. Und sie sind auch
religiös fromm im guten Sinne.
Solveig: Die gute alte Welt.
Daniel: Ja, die gute alte Welt verkörpert im ukrainischen
Bauern, im kleinrussischen
Bauern. Ukrainisch möchte man nicht mehr so gerne
sagen, man betont natürlich jetzt
kleinrussische Bauer.
Gleichzeitig geht damit aber natürlich so eine gewisse
Herablassung einher, denn wir sind natürlich
die zivilisierten Städte, die gebildeten, die
großdenkenden. Ja, und wir sehen halt jetzt, dass wir
nicht mehr sind, aber im Grunde auch nicht sein
wollen. Aber wir können es eben
überhaupt wahrnehmen, wie ihr seid und euch beschreiben.
Und mit den positiven
Momenten, die ich gerade aufgezählt habe, verbindet sich natürlich dann
eben auch das Klischee oder die
Wahrnehmung von Rückständigkeit und dann noch
verbunden mit Trägheit und Faulheit.
Das wäre die andere Seite der Medaille dieses
Ganzen. Grundsätzlich aber zu Beginn des
neunzehnte Jahrhunderts von russischer Seite so einen
positiven Blick auf die. Nach Kleinrussland,
muss man jetzt sagen, wenn es um diese
klein russische Folklore geht, das ist
okay, das ist sozusagen Teil der
höheren russischen Kultur in dieser
Region. Aber in dem Moment, wo
Ukrainer politische Ziele nach
Selbstverwaltung,
gewissen Formen von Unabhängigkeit
innerhalb des Zarenreiches
formulieren, das geht natürlich nicht.
Solveig: Sie sind ja auch klein. Sie können nicht denken, sie brauchen.
Daniel: Wir hatten ja letztes mal geklärt, warum die klein sind, dass es
nichts damit zu tun hat.
Solveig: Nein, ich meine klein in ihrem Denken, weißt du, weil sie ja so
nahezu einfach Menschen sind. Die brauchen jemanden,
der sie anleitet. Man muss ja ihre
Unschuld bewahren. Wenn man ihnen die gleiche Bildung zukommen
lässt, verlieren sie das ja.
Daniel: Also die geistige Elite des Landes fragt sich dann aber
auch, wir sind natürlich schon besser, das ist klar.
Besser als die. Aber wer sind wir? Wo kommen
wir her? Wo wollen wir hin? Grundfragen
teilen sich jetzt vermehrt.
Und da kommen wir auch noch mal zurück zu deiner
Epoche,
denn es kommt zu einem, wie heißt
es, Normanismusstreit.
Kannst du dir vorstellen, was damit gemeint ist, wo wir
herkommen, der
Normanismusstreit? Denn wir
hatten ja diese Gründungsmythos.
Solveig: Genau. Ich würde mir vorstellen, dass es Unterschiede gibt.
Was ist in der Normierung? Also was ist
unser Gründungsmythos? Da wird es wahrscheinlich Unterschiede geben.
Daniel: Es gibt ja diese spezielle Art von Normanen, die da zu dem
Gründungsmythos der kiewer Rus
zählen.
Solveig: Ich war bei Normierung, nicht bei Norman.
Daniel: Entschuldige, das liegt an meiner falschen Betonung.
Es gibt einen Normannenstreit.
Solveig: Ach so, ja, genau.
Daniel: Über die Normanen und die Rolle der Normanen.
Solveig: Die keine Normanen sind.
Daniel: Die keine Normanen sind, okay. Die
Varega. Aber es waren eben
deutsche Historiker, die da um 100 betonen,
dass eben die Varega gekommen sind und die
Kiewerus gegründet haben und
die russischen Intellektuellen
ganz an vorderster Front. Lomonossow fährt aus
der Haut. Wie kann denn sowas sein?
Da gab es natürlich vorher schon was
und wir sind nicht irgendwie von anderen
gegründet worden. Und ja,
Peters Refor mit diesem radikalen Blick nach
Westen sorgt natürlich auch dafür, dass man
zum Teil nicht ganz nachverstehen kann, was soll das eigentlich?
Also sind wir denn gar nichts? Also dass
sozusagen Russland überfremdet wird, so eine Tendenz gibt
es. Stichwort irgendwie die
Baltendeutschen, die da viel übernehmen
oder viele Ämter innehaben. Und eben auch andere
Nationalitäten, modern gesagt, die da
eben eine Rolle spielen innerhalb des russischen Reiches. Und wo
sind denn jetzt eigentlich die Rußen?
Solveig: Wir sind jetzt nämlich auch in einer Zeit, wo
Nationalität ein Thema wird, wo man da nämlich darauf achtet.
Daniel: Genau. Und da ist jetzt für Russland irgendwie die
große machen wir das weiter wie
Peter? Also ist das große Modell,
das wir brauchen, ist das das, was im Westen
oftmals funktioniert, aus
der Sicht, die das befürworten, die sagen, wir brauchen mehr,
wir brauchen mehr von Peter, wir müssen dahin, wo der
Westen ist, also die sogenannten Westler
und die anderen, die um Gottes willen,
Russland ist etwas eigenes, eine eigene
Kultur. Und das sind die
sogenannten Slavophilen. Was glaubst du,
ist besser aus ukrainischer Sicht?
Solveig: Ich würde spontan sagen, die Slavophile.
Daniel: Wieso?
Solveig: Weil man sich auf das Slawisch sah.
Also weil ich mir weniger vorstellen kann, dass
einem Ukrainer, der dem vielleicht auch am ukrainischen
Nationalgedanken liegt, westlicher Bezüge
helfen würden, in dem Zusammenhang, was wir jetzt
darüber gesprochen haben. Also ich würde eher erwarten, dass ein Ukrainer, wenn er
die ukrainische Identität hochhalten
möchte, mehr auf die slawische Vergangenheit geht,
als jetzt zu sagen, wir waren mit dem Westen verbunden. Das hilft
ihnen, glaube ich, weniger.
Daniel: Ach so, okay.
Solveig: Aber habe ich jetzt das falsche gesagt?
Daniel: Ne, erstens gibt es natürlich überhaupt gar nichts falsches
zusammen.
Solveig: Ich meine, eigentlich sind sie alle Westler.
Daniel: Na gut, wir haben natürlich sehr betont, dass es sozusagen diese
Verbundenheit mit Westeuropa gibt, von der
Kiewerus, von Galicien. Also spielt
natürlich eine Rolle. Man könnte sagen, so die Hinwendung zum Westen, das hilft
doch der Ukraine. Aber natürlich gibt es auch
diese Kontamination. Das ist ja der polnische.
Solveig: Genau, das dachte ich jetzt nämlich. Wenn man sich zu stark auf den Westen bezieht,
kommt ja dann könnte ja auch alle Polen sein. Und das wollen sie ja sicherlich auch
nicht.
Daniel: Wir sind auch Slawen, die Polen auch, aber die sind halt
katholisch, sind halt andere Slaven. Wir sind ja die
Orthodoxen, die Orthodoxie. Also im
Grunde muss man sagen, es ist völlig wurscht,
ihnen hört keiner zu. Also ob das jetzt
Slavophile sind oder Westler, ist viel die Ukraine völlig
egal. Es kommt immer Mist raus.
Also die Slavophilen, die halten eben
groß diesen slawischen Körper,
der besteht jetzt sozusagen aus dieser Dreieinigkeit vor allem von
Weißrussen, Kleinrussen, Großrussen, das ist ein Körper,
da kann man nicht irgendwie ein Teil von abtrennen, dann der Rest
funktioniert nicht mehr. Also das muss alles
eins bleiben. Also jetzt aus Sicht
von neu entstehenden
Nationalgefühlen in der
Ukraine ist es Mist, funktioniert
Mist. Und bei den
Westlern, die sagen natürlich, die Ukraine, die
hatte sowieso überhaupt gar keine Kultur, dann müssen die erstmal die
russische höhere Kultur richtig
adaptieren, bevor man sie sich dann
weiterentwickeln können.
Beziehungsweise wenn
der westliche Nationalstaat, der
da im neunzehnte Jahrhundert entsteht und
das Modell schlechthin ist, wir denken an die große
französische Nation als Vorbild, dann
haben wir sozusagen eine Ethnie
in ihrem Gebiet, das die einen
Staat beansprucht. Und das würde ja
da für Russland auch gelten. Also dass Russland sozusagen
ein ethnisches Ganzes ist in einem
Staat. Also unabhängige ukrainische
Ideen hilfen da nicht, kannst du
vergessen. Man muss allerdings auch dazu
sagen, dass selbst die, die jetzt so
wieder so ukrainisches, wieder
selbstbewusste auftreten als Ukrainer, um
das jetzt sozusagen modern nationale
Ideen formulieren, eine ukrainische
Nationalgeschichte beginnen zu
schreiben, auch nicht unbedingt die
Loslösung jetzt vom russischen Reich gefordert
hätten. Das ist vielleicht mal vorgekommen, aber die meisten wollten einfach
mehr Autonomie innerhalb dieses
Reiches und jetzt nicht irgendwie plötzlich davon
marschieren. Also die hätten jetzt auch nicht
gesagt, dass wir uns fitze frei
kämpfen müssen mit einer Revolution oder so. Genau.
Wollte mal ein Zitat dazu sagen
zu den Westlern. Das muss ich mal gerade noch mal
raussuchen, die richtige Seite wieder aufschlagen.
Es gibt nämlich übrigens noch einen ganz berühmten
ukrainischstämmigen russischen
Poeten, Schriftsteller
Nikolai Gogol, der sich auch damit
auseinandergesetzt hat, wie viel er eigentlich Ukrainer ist und wie viel
er Ruße ist und
bei dem diese ukrainischen Figuren
vom Lande eine große Rolle spielen in seinen Erzählungen.
Und natürlich haben sich Literaturkritiker auch mit
Gogols Darstellungen
beschäftigt. Und es
gab dann einen
Kommentar von einem gewissen
Visarion Belinski
und der äußert sich dann eben auch über die
Ukraine und die Bedeutung der Ukraine. Und er sagt
dann, die Geschichte Klein
Russlands ist ein Nebenfluss, der in den großen Fluss
der russischen Geschichte mündet. Indem es
endgültig mit dem blutsverwandten Russland zusammengeflossen
ist, hat sich für Kleinrussland die Türe zur
Zivilisation, zur Aufklärung, zur Wissenschaft
geöffnet, von denen es bisher sein
halb wilder Charakter unüberwindlich
getrennt hat. Also das ist der Westler
mit seinem Blick auf die Ukraine. Und am
Ende sagt er dann auch noch, ach, diese
Chachli, sie sind wirklich Hammel und
spielen die
Liberalen im Namen der Haluschki und
Wareniki mit Schweinespeck. Und da sind wir noch mal bei
den Spezialitäten, auch wenn jetzt vielleicht diese
Namen nicht allen etwas sagen, aber es geht vor allem um
Klöße, um Teigtaschen und um Speck. Und das
ist das Klischee, das bis heute sich
in den Köpfen der meisten Rußen auch erhalten hat, wenn
es um die Ukraine geht. Und Chachli sozusagen
dann die die abwertende Bezeichnung
für Menschen der Ukraine, die hier
auch verwendet wird von einem intellektuellen
in Bezug oder animiert bei der Lektüre von
Gogol. Jetzt blicken wir aber tatsächlich noch mal auf
Kiew, wo sich eben zum ersten
Mal Menschen zusammentun
in einer Gesellschaft, die sich mit
rheinischer Geschichte, Kultur beschäftigt,
und zwar die Gesellschaft der heiligen Kirill und
Method. Die hattest du, glaube ich, erwähnt in unserer ersten
Ukraine Folge. Und
da gibt es zwei wichtige Vertreter. Vor
allem ist das zum einen der Historiker
Mikola
Kostomarov. Ich muss gestehen, dass ich
diesen Namen auch jetzt erst in diesem Zusammenhang
erfahren habe. Also Nikolai würde man
ihn, glaube ich, bei Wikipedia finden, da ist er dann russisch
und da muss ich dir gleich auch noch was vorlesen. Und
dann der vielleicht etwas bekanntere Taras
Chefchenko. Sagt ihr das was? Der Nachname, aber
ich spontan wäre mir
das auch nicht eingefallen. Also Shevchenko ist sozusagen der ukrainische
Nationaldichter und auf den komme ich
gleich noch mal zurück. Aber von dem
Kostomarov, da müssen wir noch mal reingucken, weil das
ist der, der sozusagen gewissermaßen so eine Vorstellung
von ukrainische Geschichte
entwickelt hat und von dem eben
das Zitat stammt, das ich
eingangs vorgelesen habe, nämlich
dass die Ukraine aus ihrem Grabe wieder auferstehen
wird. Und der aber eben auch betont, die Ukraine wird eine
unabhängige Republik in einer Union der Slawen
sein. Also selbst die wollen
irgendwie diesen Zusammenhalt der slawischen
Völker gerne behalten. Und
und ja, das ist die Katharina,
die kommt bei ihm natürlich ganz schlecht weg,
aber auch nicht, weil sie russin ist, sondern weil sie natürlich die
deutsche Zarin Katharina ist.
Eine bekannte Hure, eine Gottlose und Mörderin ihres
Ehemannes, machte dem Kosakentum und der
Freiheit ein Ende, heißt es
in seiner Darstellung dieser geschichtlichen
Epoche, über die wir heute gesprochen
haben.
Beide werden
bestraft dafür, dass sie sich
da akademisch mit ukrainischer
Geschichte beschäftigen.
147 wird dieser Zirkel
offiziell aufgelöst und man versteht jetzt im
russischen Geheimdienst Inlandsgeheimdienst,
der für den Zaren das Land zusammenhalten soll,
dass solche Art von Vereinigungen,
die sich irgendwie mit ukrainischer nationaler
Identität beschäftigen, auch gefährlich sind
und deswegen kommen die weg.
Also der Kostbare darf künftig nicht
mehr innerhalb der Ukraine
lehren, der kriegt noch Jobs
kurzzeitig dafür in Petersburg, aber jetzt nicht ganz so
schlimm, verliert er dann aber bald wieder,
doch wieder anfängt irgendwie falsche Dinge zu erzählen, ist
er den Job auch los, lebt dann aber von seinen Bühnen,
also dem geht es noch ganz gut. Der Taras Shevchenko,
der dann zum national ukrainischen Dichter
aufsteigt, der muss 10 Jahre in die Verbannung als
einfacher Soldat nach Kasachstan.
Und weil der so bedeutsam
ist, würde ich kurz noch über den
sprechen. Vor allem, weil wir wieder so
ein Gegenpart haben, so wie bei Mazepa und
Peter dem Großen, gibt es hier halt
so in dieser Epoche auf der einen Seite Shevchenko und
auf der russischen Seite Alexander
Puschkin. Genau,
Puschkin, den kennen wir doch alle.
Solveig: Oder den kenne sogar ich, den kennen.
Daniel: Wir alle, aber Shevchenko, hä, wer soll das
sein? Und ähnlich ist sozusagen
dieses Verhältnis auch innerhalb
der russisch ukrainischsprachigen
Gegenden. Also natürlich Puschkin liest man in
Russland, Puschkin liest man in der Ukraine,
Shevchenko liest man in der Ukraine.
Ich glaube in Russland wahrscheinlich eher weniger,
obwohl man jetzt ohne Probleme auch auf
russisch bekommen kann und er zum Teil auch selbst auf russisch
geschrieben hat natürlich. Nichtsdestotrotz ist da die
Wahrnehmung dann doch wieder sehr unterschiedlich, aber auch zwei sehr
unterschiedliche Typen. Was sie beide eint, ist, dass
sie im Grunde überhaupt
erst die Literatursprache oder die hohe
Literatursprache ihrer Länder,
ihres Volkes, wie auch immer man es sagen möchte,
geschaffen haben letzten Endes durch ihr
literarisches Werk. Wobei eben Puschkin
ja aus einer Adelsfamilie stammt
und mit Mama und Papa natürlich französisch gesprochen
wurde. Also russisch hat er nur dank seiner Amme gelernt, gehört
immer so zum Mythos um Puschkin dazu.
Und dann schaffte er es aber seiner russischen
literatur jetzt überhaupt eine russische
literatur überhaupt zu begründen.
Während Shevchenko ein Leibeigener
war, der von seinem
Herrn Ausbildung bekommen
hat, und zwar zum Maler. Er durfte nach Petersburg
und Malerei studieren und wurde
dann freigelassen. Ich kenne jetzt seine Biografie nicht gut genug, um
zu sagen, was genau seinen Herrn
dazu bewogen hat, ihm diese Karriere zu
ermöglichen und dann die Freiheit zu geben überhaupt, falls
jemand irritiert ist. Also Leibeigenschaft ist Anfang des
neunzehnte Jahrhunderts in Russland noch gang und
gäbe und gut, auch in
unseren Breiten wird sie da gerade erst abgeschafft
und hat auch erstmal nicht so direkte Konsequenzen. Man darf sich
nicht mal vorstellen, dass jetzt Leibeigenschaft ist abgeschafft
und von heute auf morgen sind alle frei und leben im
Wohlstand, sondern mussten die Bauern sich dann freikaufen und
den Herrn entschädigen und so weiter. Und
in Russland ist das erst
1861 der Fall,
dass die Leibeigenschaft tatsächlich abgeschafft wird.
Also kann da deswegen Shevchenko immer
noch in dieser Situation geboren,
dann aber daraus sich herausgearbeitet.
Und beiden ist gemein, dass sie
durchaus die herrschende Ordnung
kritisieren, im Sinne sozusagen der Selbstheilungs
autokratie des Zaren. Aber
Puschkin verzeiht man das, der muss halt raus aus
Petersburg eine Weile, aber nicht weiter weg. Aber
Shevchenko muss dann dafür, dass er da Kirillo Method
Gesellschaft sich über ukrainische Geschichte ausgetauscht hat,
10 Jahre eben in die Verbannung gehen.
Die populärste Strafe im russischen Reich, Leute von dem
einen ans andere Ende zu verbannen.
Und für beide stehen sinnbildlich auch noch
ihr Schaffen natürlich. Also
Shevchenko ist ein berühmtes Gedicht, der Traum,
das vor allem jetzt die Herrschaft des Zaren
angreift, während Puschkin ein
Poem geschaffen hat über Poltava, die
Schlacht von Poltava, da wo Masepa so
ein klägliches Ende gefunden hat. Und das gefällt natürlich dem
Zaren, also der ist auf dem aufsteigenden
Ast. Später wird das auch noch, Tschaikowski
schreibt noch eine Oper drüber, also da kommt der
Masepa groß raus, aber im schlechten Bilde. Und
Puschkin natürlich auch. Und überhaupt, die russische
Literatur startet jetzt richtig durch. Wer kennt nicht Tolsti,
Dostojewski und all die
anderen Schriftsteller des neunzehnte Jahrhunderts in
russischer Sprache, die heute so zur Welt
Literaturkanon zählen, während
Shevchenko dann doch nur die
interessiert, die sich mit der Ukraine beschäftigen. Und
überhaupt ist es aber eben auch ein Symbol
dafür, dass eben die Ukraine
doch eben auf dem absteigenden Ast ist, durch die
Bestimmungen der russischen Regierung.
Denn in dieser Zeit, wo das alles
geschieht, wird dann eben auch das
ukrainische als Schulsprache
verboten. Also man kann an Universitäten kein
Ukrainisch mehr sprechen, in
Veranstaltungen lernen sowieso nicht oder da sich über
ukrainische Literatur irgendwie Gedanken
machen und Geschichte. Also viele lernen
sozusagen ihre Muttersprache gar nicht. Also wenn ich Karriere machen
möchte, wenn ich irgendwie aufsteigen möchte, wenn ich kommunizieren möchte
mit der Herrschaftsklasse, dann muss
ich russisch können und dann natürlich auch schreiben und
lesen lernen. Und ukrainisch
ist sozusagen keine Schrift
Literatur Sprache, also in
schlechter Verfassung. Also deswegen sticht Shevchenko in
seiner Bedeutung da auch so heraus,
da wo das überhaupt möglich ist.
Das ist dann der einzige Teil der Ukraine, der nicht zum
russischen Reich gehört, nämlich dann
Galicien. Also da kann man jederzeit
ukrainisch sprechen, studieren. Es gibt
Schulen, in denen man ukrainisch
lehrt und auf ukrainisch
lehrt und wo dann sich dieses
Nationalbewusstsein dann auch viel stärker
entwickelt. Und auch das merkt man heute, glaube ich, auch noch in der
Ukraine, dass eben dort am meisten auch tatsächlich ukrainisch als
Muttersprache immer Verwendung
gefunden hat, während sozusagen dem Neurussland,
aufpassen, also ihr versteht, was wir jetzt meinen, diese historische
Region Neurussland, das was unter Katharina
dazu gekommen ist, den ganzen
Neubesiedlungen, dann tatsächlich eben auch heute
mehrheitlich russischsprachiger
Raum ist. Ja und zu diesem
Abschnitt, zu diesem
Gegensatz zwischen Puschkin und
Taraschevchenko, nochmal ein
Zitat von einem Literatur
Nobelpreisträger Josef
Brodsky, der
ja offenbar ein Problem hatte mit der neuen
Unabhängigkeit der Ukraine. Jedenfalls hatte da im
Jahre 1992
sich zu geäußert
in einem Schmähgedicht
mit dem Titel auf die Unabhängigkeit
der Ukraine. Und
damit sagt er, dass die auch die Chochli, das sind
ja eben Verräter wie Mazepa, da gibt es auch noch so ein Wort
Massepiste, also sozusagen die
verräterischen Ukrainer, dann benutzt man den Namen
Masepa tatsächlich, oder diese
negative Bezeichnung, dass sie mal
mit den Schweden sozusagen im Bett landen, dann wieder mit den
Ganse, das sind wir,
die Deutschen. Und dass die Ukraine ein Volk der
Stickereien und Teigtaschen seien. Zudem jetzt noch
Kürbisse sind da noch eingefallen, auch noch
mal als besonderes Element. Und am Ende
sagt er, auf dem Totenbett werdet ihr röcheln, an
den Rand der Matratze gekrallt, die Ferse von
Alexander und nicht das Geschwätz von
Taras. Also das ist nämlich auch noch
entscheidend. Aus russischer Sicht ist ukrainisch,
deswegen Geschwätz, natürlich keine
Sprache, sondern das ist ein
Dialekt, das ist schlechtes Russisch,
beeinflusst von polnischen,
schlecht gemacht worden. Und das ist
natürlich auch die Rechtfertigung, warum man das als offizielle Sprache in
Schulen, Universitäten eben entsprechend nicht
benutzen darf. Also lange durfte man
Gedichte veröffentlichen auf ukrainisch, aber ansonsten durften
keine Texte auf ukrainisch publiziert werden.
Und dann später, vor allem nach dem
polnischen Aufstand, wird dann auch sozusagen noch
mal der Rest, was auf ukrainisch möglich war, gleich mit
Verboten, weil das ja eben hier so polnisch alles
infiltriert ist. Überhaupt sind diese
ganzen nationalen
Bewegungen, die da auf ukrainischem Gebiet
stattfinden, nur eine große polnische
Intrige gegen Russland.
Und nachdem man sich dann auch mit Österreich schlechter
versteht, gibt es dann auch noch eine österreichische
Intrige, nämlich da
sozusagen, wo das ukrainische eben tatsächlich
zugelassen ist und wo man
nicht nur öffentliche Vorträge auf ukrainisch halten darf, sondern auch
Theaterführungen besuchen darf und wo
sozusagen, ja die österreichische Form, nämlich die
Routinen sozusagen eine anerkannte
Nation innerhalb des österreichischen
Kaiserreiches sind im
Königreich Galicien. Und
vielleicht enden wir einfach mit diesem kurzen,
positiven Schlusswort. Man kann
vielleicht noch dazu sagen, dass es ja
dann auch noch so eine kleine Revolution gab in Russland
1905,
wo erstmals auch eine Duma, also ein Parlament
mit jetzt nicht besonders ausufernden Kompetenzen
geschaffen wurde. Aber da gibt es sozusagen dann noch mal
eine kurze Phase, wo in der
Ukraine das nationale Leben
aufblüht und natürlich man auch Vertreter
in die Duma nach Petersburg
entsendet. Aber diese
Kompetenzen werden natürlich bald wieder eingeschränkt und
erst 1917
mit der Februar und dann Oktoberrevolution wird es
wieder interessant werden. Aber ihr seht
schon, das Kapitel war jetzt doch wieder überraschend lang
und Solvak ist langsam ermüdet, glaube
ich.
Solveig: Alles gut.
Daniel: Und wir werden das dann nochmal
eine extra Folge machen, um über den nächsten
Abschnitt zu sprechen und
vor allem jetzt dann sicher über das erste Mal, dass die
Ukraine als Staat
Selbstständigkeit erlangt und
wie sie dann in der Sowjetunion
aufgeht und welches Schicksal ihr
dann blüht. Und für
heute entlassen wir euch mit
diesen Gedanken an Westler und
Slavophile. Und vielleicht
lest ihr ruhig ein Gedicht von Puschkin. Es
hat jetzt persönlich nichts gegen Puschkin einzuwenden und
gegen russische Literatur überhaupt, die verdient immer eine
große Leserschaft. Aber vielleicht
suchen wir uns alle vereint mal ein Gedicht von
Shevchenko, einfach mal aus
Interesse für
die ukrainische Perspektive und für
das, was es ihn gekostet hat, solche Sachen zu
publizieren. Und
dann schauen wir uns beim nächsten Mal
die revolutionären Ereignisse
an. Und natürlich gilt wie immer, dass wir
uns über eure Rückmeldung freuen und
Kommentare jeglicher Art, entweder über unsere
Website oder über Facebook und Twitter.
Und solltet ihr vergessen haben, wie wir heißen, wir sind Fluff und
Geschichte. Und unter diesem Namen findet ihr uns
auf diesen Plattformen oder eben direkt bei
Flurfunk Geschichte. Oder ihr
schreibt uns eine e Mail, das geht auch an
Kontakturfunk
Geschichte. De
Solveig. Daniel, möchtest du auch noch was
sagen?
Solveig: Ja, du hast so viel jetzt so
schönes erzählen können.
Ich bedanke mich an alle, die uns
zugehört haben. Und ja,
freuen ist immer so ein komisches Wort, wenn es um die
Themen geht, die uns jetzt bevorstehen. Aber
ich erwarte den dritten Teil
unserer kleinen Ukraine
Geschichte, der ganz gewiss kommt.
Daniel: Auch wenn ihr vielleicht wieder dann etwas Geduld
haben müsst, bis
er in der Playlist erscheint. Genau,
bis dahin erfreut euch an
unseren bisherigen anderen Themen
und macht's gut.
Solveig: Bis dann.
Daniel: Ciao.