Willkommen bei Flurfunk Geschichte

Dein Geschichtspodcast mit Daniel und Solveig

FG063 - Irgendwas mit Bismarck | Eisen und Blut

15.01.2026 72 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wir starten das neue Jahr mit einem echten Titanen der deutschen Geschichte. In dieser Folge widmen wir uns einer Figur, die bis heute polarisiert wie kaum eine andere: Otto von Bismarck. Ob als „Schmied des Reiches“ verehrt oder als „Brecher des Friedens“ verdammt – wir schauen uns an, wie preußische Machtpolitik schließlich einen kleindeutschen Nationalstaat schuf.

Projektionsfläche und Politikum

Wir steigen ein mit der Frage, warum Bismarck eigentlich heute noch so präsent ist. Während er für manche noch immer (oder wieder) eine Ikone ist, die jedes Denkmal verdient, sehen andere in ihm die „Ursünde“ der deutschen Nationalstaatsgründung durch Blut und Eisen und den Beginn eines Weges über Kolonialismus zu Hitler und Völkermord. 

Der Wendepunkt: 1866 statt 1871

In dieser Folge lenken wir den Blick weg vom Gründungsjahr des Kaiserreiches 1871 und fokussieren uns stattdessen auf das eigentliche Schicksalsjahr: 1866. Spätestens im zweiten Teil werden wir diskutieren, warum dieses Jahr als der wahre Wendepunkt gelten muss, an dem die Weichen für ein kleindeutsches Reich unter preußischer Führung gestellt wurden. Es ist die Geschichte einer angeblichen Vision Bismarcks, der über drei Etappen – die sogenannten Einigungskriege – führte.

Verfassungskonflikt und die Rolle des Königs

Ein zentrales Thema ist der Preußische Verfassungskonflikt. König Wilhelm I. wollte sein Heer reformieren, das liberale Parlament verweigerte das Geld. In dieser verfahrenen Situation holte Wilhelm den „letzten Bolzen der Reaktion“ – Bismarck – als Ministerpräsidenten, der bereit war, den Willen des Königs auch ohne genehmigten Haushalt durchzusetzen. In diesem Zusammenhang hält Bismarck die berühmte "Eisen-und-Blut"-Rede vor dem Budgetausschuss des Parlaments.

Strategische Allianzen und diplomatisches Kalkül

Wir beleuchten auch das geschickte (und skrupellose) Spiel auf dem diplomatischen Parkett. Ob es die „gütliche Einigung“ mit Österreich über die Verwaltung der Elbherzogtümer war oder das geheime Militärbündnis mit dem jungen Königreich Italien, um Österreich in einen Zweifrontenkrieg zu zwingen – Bismarck nutzte jede Gelegenheit, um Preußens Macht auszubauen. 

Hast du Lust, mit uns am 15. März in die Ausstellung „Roads Not Taken“ im Deutschen Historischen Museum zu gehen? Dann melde dich jetzt per Email an:

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Weiterer Podcast
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Transkript

Daniel
00:00:00
Heute sprechen wir über den Titan der deutschen Geschichte, allerdings unter dem Titel Irgendwas mit Bismarck. Und diesen Titel hast du, liebe Solveig, dir explizit so gewünscht. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, also was ich empfinde dabei ist, also irgendwas mit Bismarck, ist es dir egal, was wir mit Bismarck machen? Ist Bismarck dir egal, Solveig?
Solveig
00:00:24
Erstens ja. Und zweitens spielt das darauf an, dass es gewisse Gruppen in Deutschland gibt, denen es einfach nur darum geht, dass Bismarck da ist. Und es ist egal in welchem Kontext, Hauptsache wir haben Bismarck und dann sind sie glücklich.
Daniel
00:00:39
Okay, und deswegen haben wir heute… Und deswegen haben.
Solveig
00:00:41
Wir irgendwas mit Bismarck.
Daniel
00:00:42
Alles klar. Alles klar. Ja, hallo Solveig.
Solveig
00:01:08
Hallo Daniel.
Daniel
00:01:09
Es ist schön, dass du da bist. Und ja, wie ihr gerade vernommen habt, es geht heute um irgendwas mit Bismarck, das du dir so gewünscht hast. Und natürlich euch willkommen allen in der Runde und ein frohes neues Jahr. Und ich hoffe, ihr werdet nicht gleich erschlagen von diesem nationalen Thema, das wir hier offenbar heute auf dem Schirm haben. Wir hatten ja schon mal Preußen und da muss ich mich gleich entschuldigen. Ich habe vor Weihnachten in der letzten Folge, als wir noch in der heiligen Stadt Trier weilten, allen versprochen, es kommt zwischen den Jahren. Oder als erstes im neuen Jahr nochmal unser Lieblingsgast, apropos Preußen, nämlich das wandelnde Preußen-Lexikon, Michael. Wo ist Michael? Michael ist nicht da und tatsächlich, wir haben es terminlich nicht hingekriegt. Also das liegt jetzt auch an mir, ein bisschen an meinem mangelnden Organisationstalent, dass ich, bevor ich mit Michael den Termin richtig klar gemacht habe, Michael entschieden hatte, er macht mal einen Ausflug und es war dann einfach nicht da an dem Wochenende, wo ich mir das ausgedacht hatte. Und eigentlich dachten wir auch, heute kommt Micha noch später vorbei, dass wir das dann heute nachholen können, aber jetzt haben wir eine Krankmeldung gekriegt. Also wir können euch noch nicht sagen, wann diese Folge mit Micha tatsächlich dann kommen wird und wir dann dort nochmal einen ganz speziellen preußischen Fall uns angucken. Aber das Thema und die Person, um die es heute geht, ist ja auch sehr speziell preußisch, womöglich. Aber doch auch deutsch und national und deutschnational. Und deutschnational. Ja, wir gucken mal, ob das so stimmt, was du dir da überlegst. Ja, mich würde schon interessieren, was für Gruppen hast du da vor Augen und was hat das mit diesem Titel zu tun und überhaupt, da du ja als Medievistin, auch wenn du dann schon mal die Mittelalter-Romantik dir angeguckt hast und wir auch immer wieder, was die Frauen angeht im 19. Jahrhundert, mit dir zusammen gewandelt sind und durch deine Führung. Aber mich würde natürlich schon interessieren, was du, die du jetzt nicht so ganz im 19. Jahrhundert immer so gerne drin steckst, mit Bismarck eigentlich verbindest.
Solveig
00:03:15
Doch schon, aber halt nicht mit Bismarck, verbringe ich gerne meine Zeit. Wir hatten das ja schon mal besprochen, dass du mehr den Preußen-Schwerpunkt hast und ich mehr den Habsburg-Schwerpunkt. Das heißt also, im 19. Jahrhundert bewege ich mich lieber südlich Europas und nicht... Im Nordosten.
Daniel
00:03:34
Okay. Aber was ist denn, was beim Schlagwort Bismarck, was würdest du denn jetzt erwarten, also was muss ich denn liefern heute, damit du sagst, so, Bismarck ist abgehakt?
Solveig
00:03:45
Also da bin ich ja ganz offen. Für mich ist einfach irgendwas mit Bismarck ist, wir müssen ihn auf jedes Denkmal draufpacken, wir müssen irgendwo immer nochmal ihn erwähnen, wir müssen immer nochmal sein Bild zeigen, werden wir auch im nächsten Monat nochmal einen Verweis haben. Und ja, also für mich ist Bismarck, also er selbst ist glaube ich gar nicht mal das Problem, wie so häufig, sondern eher das, was aus ihm gemacht wird. Und ich weiß jetzt nicht, wie politisch wir sein möchten, aber es gab vor einer Weile mittlerweile, das war glaube ich während Corona, hat die heute schon einen sehr schönen Parteitag zusammengeschnitten, wo heftig darüber diskutiert wird, wie stark eine Partei in unserem politischen Spektrum sich doch auf Bismarck bezinnen möchte oder nicht. Und das hat einem zu diesem Zeitpunkt aktiven Parteivorsitzenden den Kopf gekostet, weil er sich vermeintlich despektierlich über Bismarck geäußert habe.
Daniel
00:04:36
Okay.
Solveig
00:04:37
Und seitdem hängt mir das so im Kopf.
Daniel
00:04:42
Oha.
Solveig
00:04:42
Es kann auch heute noch politische Karrieren zerstören, scheinbar.
Daniel
00:04:45
Gut, dass ich das nicht vorhabe.
Solveig
00:04:47
Ja, wenn man sich schlecht über Bismarck äußert.
Daniel
00:04:51
Und dann bin ich schon wieder gespannt, was ihr so für Kommentare später habt. Da muss ich aufpassen, was ich sage, aber das Ja, eigentlich tue ich das ja nie. Das ist mir egal und dafür lese ich gerne alles, was ihr dann später dazu zu sagen habt und wie ihr euch zu Bismarck positionieren möchtet. Ich bin nicht ganz sicher, welche Partei und welchen Parteitag du jetzt gerade meinst. Ist das irgendwie an mir vorbeigegangen? Es hat einem Parteivorsitzenden den Kopf gekostet, dass er sich negativ über Bismarck geäußert hat.
Solveig
00:05:16
So hat die Heute-Show zusammen geschnitten und sich so polemisch darüber lustig gemacht.
Daniel
00:05:21
Es ist ja dann im äußeren rechten Spektrum?
Solveig
00:05:23
Genau.
Daniel
00:05:24
Weil es gäbe ja durchaus auch eine Partei dann eher im linken äußeren Spektrum, die würde natürlich gerne alle Bismarck-Denkmäler vielleicht einreißen. Ja, eben. Denn das ist ja auch jemand, der gerne besprüht wird und wo man sich dann fragt, müssen wir das eigentlich wie in Hamburg jetzt nochmal renovieren oder wenn wir es schon renovieren, können wir es dann nicht irgendwie verunstalten dauerhaft, um unser Problem mit diesem Mann, das zumindest ein Teil offenbar der Gesellschaft hat und dem entgegensteht, was der andere Teil irgendwie feiert, verwirklichen möchte. Dazu können wir vielleicht später dann nochmal kommen. Aber schon zu Bismarcks Lebzeiten auf jeden Fall war das nicht so ganz klar, wie man ihn einordnet. Es gibt die Bismarck-Hasser und es gibt die Bismarck-Verehrer. Vielleicht die Verehrer, er war damals zu seinen Lebzeiten am Beginn seiner politischen Karriere eher in der Minderheit. Also die Schlagworte, das mit dem Titan der deutschen Geschichte war jetzt eher meins, dass er da so herausragt, zumindest als eine Persönlichkeit, die letztlich Deutschland, so wie wir das heute kennen und in der staatlichen Form doch sehr wesentlich mitgeprägt hat. Die, die ihn da weniger begrüßt haben, als er plötzlich so das große Rampenlicht betrat und die Bühne betrat und das Licht auf ihn schien, da bezeichneten ihn manche als Brecher des Friedens, als Mörder des Rechts, Verräter deutschen Landes und Henker Schleswig-Holsteins. Ja, und tatsächlich hat natürlich nicht Zollwerk sich das Thema gewünscht für heute, oder warst du es? Nein, du warst es nicht. Du hast dir den Titel gewünscht.
Solveig
00:06:56
Ich habe meinen Titel gewünscht.
Daniel
00:06:56
Irgendwas mit Bismarck. Tatsächlich war es meine Idee, ich möchte etwas machen zu 1866.
Solveig
00:07:04
Ja.
Daniel
00:07:05
Und das liegt daran, dass wir ja auch noch einer hauptbewerbschlichen Tätigkeit nachgehen. Und ich vollführe die immer noch an dem Ort, wo wir einesmalst gemeinsam tätig waren. Allerdings in einer Ausstellung, die du nur als Besucherin erlebt hast und die demnächst zu Ende geht. Und zwar im Deutschen Historischen Museum, die Ausstellung Roads Not Taken. Und da geht es um verschiedene Wendepunkte der deutschen Geschichte. 14 an der Zahl. Vielleicht möchte ich noch sagen, es ist eine sogenannte Autorenausstellung. Im Grunde zeigt nicht das Deutsche Historische Museum, so war jetzt hier die deutsche Geschichte, guckt es euch an, sondern man hat einen Historiker eingeladen, der eine Idee hatte, nämlich so gewissermaßen, ja, da gibt es ja dieses Schlagwort der kontrafaktischen Geschichte. Also was wäre, wenn, ist dann immer so der Anfang. Das ist dann Dina und er hat gesagt, es wäre vielleicht doch mal interessant, an bestimmten Wendepunkten deutscher Geschichte zu gucken, welche anderen Optionen denn damals eigentlich so auf dem Tisch lagen. Also es ist jetzt nicht so, wie es dann gerne in Filmen und Romanen und Serien passiert, was wäre, wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte und dann wie in A Man in a High Castle irgendwie Japaner und Deutsche die USA untereinander aufgeteilt haben. Das ist auch ganz interessant, sich anzugucken, aber führt einen doch jetzt in der historischen Erkenntnis nicht unbedingt weiter, sondern es geht, oder er hat ganz bewusst diese Ausstellung auch nicht genannt, was wäre, wenn… Sondern es hätte auch anders kommen können. Und das ist natürlich eigentlich erstmal banal. Also es ist glaube ich schon allen klar, dass es immer verschiedene Optionen gibt. Und wenn man über sein eigenes Leben nachdenkt, denkt, an der Stelle hätte ich mich vielleicht doch anders entscheiden können. Aber wenn es um Geschichte geht, dann gucken wir meistens so zurück auf das große Ganze. Wir drehen uns quasi um und gucken zurück und dann sieht das halt so aus, als wäre das so eine logische Abfolge von Ereignissen. Es musste eins irgendwie zum nächsten führen und dann gibt es halt irgendwie scheinbar auch so ein Ziel, auf das die Geschichte hinausläuft. Und spätestens bin ich das Ziel, weil ich bin ja der Endpunkt, ich gucke zurück auf die Geschichte und dann fällt es halt schwer, sich vorzustellen, dass es auch hätte anders sein können. Und er geht zurück von 1989 ausgehend dann in die Geschichte um 150 Jahre. Das Finale des Ausstellungsrundgangs ist dann das höchst bedeutsame Jahr 1848. Das mir ja sehr nahe liegt mittlerweile. Und soweit ich mich erinnern kann, die Ausstellung lief jetzt schon drei Jahre, waren die Kritiken in den überregionalen Tageszeitungen und den Medien sehr positiv. Und es gab allerdings eine Anmerkung, die glaube ich öfter kam, nämlich wo ist denn 1871 eigentlich? Also die Gründung des deutschen Nationalstaates. Diese Jahreszahl sucht man in dieser Ausstellung als Wendepunkt deutscher Geschichte vergebens. Stattdessen gibt es eben das Jahr 1866 als das Entscheidungsjahr. Und das würde ich dann heute gerne nochmal in den Mittelpunkt stellen und weil das ja eben auch mit Bismarck besonders verknüpft ist und da sind wir mittendrin in den sogenannten Drei Einigungskriegen. Der erste war 1864 gegen Dänemark und das wissen natürlich alle, die nicht nur Flurfunk Geschichte hören, sondern womöglich auch Flurfunk Paulskirche. Der jetzt schon länger pausiert, dass es schon 1848, 1849 und noch darüber hinaus sogar Auseinandersetzungen gab um Schleswig-Holstein und man Schleswig aus den Fängen des dänischen Raubstaates befreien wollte. Und dann zwei Jahre später gibt es den nächsten Krieg und da geht es gegen Österreich aus unserer Perspektive.
Solveig
00:10:44
Und Hannover habe ich letztens gelernt.
Daniel
00:10:46
Und Hannover, ja.
Solveig
00:10:47
Hannover hat sich mit Österreich verbündet.
Daniel
00:10:49
Da gucken wir gleich nochmal auf die Details. Wer, warum, gegen wen und überhaupt. Und welche Rolle spielt eigentlich Bismarck? Und natürlich dann das große Finale 1870-71 gegen den alten Erbfeind Frankreich. Und dann gab es also das Kaiserreich und das Ziel der Geschichte war erreicht. Für alle, die dann damals das Berliner Zeughaus besucht haben, als es noch die Rummeshalle war, wurden dann aber alle Siege erzählt bis genau zu diesem Moment. Und Bismarck neben Kaiser Wilhelm dann als der große Reichsgründer überhöht. Und durch diese Kriegsgründungsgeschichte ist dann auch ein bestimmter Eindruck geblieben, der, glaube ich, auch eher im linken politischen Spektrum vor allem dann so einen Schatten werfen lässt.
Solveig
00:11:30
Blut und Eisen.
Daniel
00:11:32
Blut und Eisen ist das Stichwort, das hier auch sehr bald auftauchen wird. Aber ja, dass es so eine Entwicklung da eingesetzt hat, von Bismarck zu Hitler. Ist auch nochmal so ein Stichwort über den deutschen Sonderweg, den man dann dort gesehen hat.
Solveig
00:11:50
Ich dachte, da geht es mit Luther los.
Daniel
00:11:51
Da können wir gerne vielleicht später nochmal gucken, wo wir da einsetzen könnten, wenn es denn überhaupt sowas gibt. Das führt aber vielleicht jetzt am Anfang hier noch zu weit. Auf jeden Fall schon damals sehen natürlich viele so eine Ursünde, dass dieses Reich durch einen Krieg entstanden ist. Und noch eine prominente Gestalt aus dem Jahr 1848 hat das in Reime gefasst. Nämlich ein gewisser Georg Herweg. Er hat ein Epilog zum Krieg gedichtet. Vereinigt stehen Süd und Norden. Du bist im rumgekrönten Morden das erste Land der Welt geworden. Germania mir graut vor dir. So und das alles können wir jetzt dem Herrn Bismarck anlasten. Für die anderen natürlich ist er der Schmied des Reiches und in seinen Erinnerungen, die er dann, als er schon in Rente war, zwangsverrentet wurde von Wilhelm II. Ab 1890 und dann in Friedrichsruhe sich gedacht hat, so jetzt schreibe ich mal alles auf, wie ich mir das so erinnere oder ich vielmehr möchte, dass die Welt an mich sich erinnern soll, da behauptet er natürlich, das war alles ein großer Plan von Anfang an. Ich habe mir das überlegt, ich werde Ministerpräsident, ich baue die Armee aus, dann machen wir die Dänen platt, dann machen wir die Österreicher, schmeißen wir raus und am Ende müssen wir noch die Franzosen bezwingen und dann kann ich endlich das Reich bauen, was ich mir so erträumt habe und das ist eigentlich auch so mit ein paar Abstrichen, je nachdem wie hoch der Grad der Verehrung ist, das Bismarckbild, das dann sehr lange und vielleicht doch fast bis in unsere Zeit tradiert wird.
Solveig
00:13:21
Ich möchte einmal sagen, nichts geht über ein gutes Vision Board.
Daniel
00:13:26
Ich mag ja auch Mythen. Ich mag ja auch gerne Zitate von Leuten, die sie nie gesagt haben. Ob es um Kuchen geht oder um die Bischöfe in Frankreich, die sagen, der Herrgott wird schon die Seinen erkennen oder dergleichen. Es trifft ja dann meist doch irgendwie so einen Kern, auch wenn es vielleicht die Leute so tatsächlich nie geäußert haben. Und jetzt habe ich schon von Flurfunk Paulskirche gesprochen, auch das ist nochmal, eigentlich muss ich mich da entschuldigen, es gibt vereinzelt Menschen, die dann sagen, wann geht es denn da eigentlich mal weiter, da ist schon über ein Jahr lang Pause gewesen und ich darf vielleicht auch verraten, demnächst macht Zollwerk hier vielleicht mehr Folgen als ich. Und dann habe ich wieder ein bisschen mehr Freiheit, nebenbei auch mal Flurfunk-Paulskirche zu einem guten Ende zu führen. Aber da lohnt es sich tatsächlich in Ergänzung zu dem, über das wir heute sprechen, auch die letzte Folge von Oktober vorletzten Jahres mittlerweile, sich nochmal anzuhören, als Deutschland Österreich ausgeschieden hat. Denn das wird heute nochmal passieren, allerdings zu einem anderen Zeitpunkt und endgültig. Tatsächlich ist es auch deshalb schade, dass bei Fluff und Paulskirche ich das noch nicht zu Ende geführt habe. Denn es gibt nach der Paulskirche als solcher und dieser Märzrevolution und dem Versuch zum ersten Mal ein deutsches Reich zu gründen, dann tatsächlich auch nochmal einen preußischen Versuch. Denn am Ende, Spoiler, sorry, hat es ja nicht geklappt.
Solveig
00:14:51
Was?
Daniel
00:14:52
Ja, weil Friedrich Wilhelm IV diesen Mittelalter-Fimmel hatte. Eigentlich auch lieber einen Habsburger Kaiser gesehen hätte, der dann in einer gotischen Kathedrale gekrönt wird von den Kurfürsten oder den anderen Fürsten des Reiches. Auf jeden Fall sollten die Fürsten das Reich gründen und dann den Kaiser bestimmen und nicht irgendein so ein dahergelaufenes Parlament. Und deswegen hat er es dann nochmal versucht, mit den Fürsten einen Vertrag zu schließen über eine deutsche Union und im Prinzip das Gleiche zu machen. Das war vor allem auch dann unterstützt von einem... Ehemaligen Abgeordneten der Paulskirche, allerdings ganz rechts außen, Café Milani, dem Herrn von Radowitz, der sagt, wir machen jetzt dieses kleine Deutschland unter preußischer Führung, denn darauf wird es sowieso irgendwie langfristig mal hinauslaufen. Die Österreicher müssen einfach jetzt mal raus, solange sie sich da nicht von den Ungarn und den slawischen Völkern trennen wollen, können wir sie nicht gebrauchen. Und das ist die sogenannte Erfurter Union und natürlich fand Österreich das dann nach wie vor irgendwie nicht so schön. Also erstens findet Österreich natürlich, wir sind doch hier die Vormacht in Deutschland, im Deutschen Bund und die Preußen, diese Emporkömmlinge, was nehmen die sich eigentlich raus? Die sind ja noch nicht mal auf gleichem Rang eigentlich wie wir, Entschuldigung. Und da kommt es dann nochmal zu einem Konflikt, der tatsächlich kurz vor einem Kriegsausbruch stand. Und da ist die Schmach von Olmütz auf preußischer Seite das entscheidende Schlagwort, wo dann am Ende letztlich auch unter Kriegsdrohung Preußen sagen muss, nein, sorry, es war nur eine Idee. Wir machen alles wieder so, wie es vorher war und halten uns erstmal zurück. Und das musste man quasi unter der Andrung eines möglichen Krieges den Österreichern dann in die Hand versprechen, beziehungsweise auch auf einem Dokument unterzeichnen, in der Punktation von Olmütz. Aber wie gesagt, später in Preußen war es nur die Schmach von Olmütz. Und tatsächlich gab es auch ein Mini-Gefecht. Das wusste ich gar nicht, das habe ich jetzt erst gelesen in der Vorbereitung. Und zwar hat sich das Ganze entzündet an einem Verfassungskonflikt in Hessen-Kassel. Wer kennt es nicht? Also das Kurfürstentum Hessen, was ja auch ein komisches Relikt ist, also dass die sich dann ab 1806 immer noch Damals konnten sie es noch Kurfürsten nennen, in dem Moment, wo das Reich eigentlich untergeht. Und diesen Titel dann auch in Wien irgendwie behaupten beim Kongress und sagen, wir sind das Kurfürstentum Hessen. Man nennt es auch Hessen Kassel, weil es gibt ja noch zwei andere, Hessen Nassau und Hessen Darmstadt. Und auf jeden Fall da möchte der Kurfürst Steuern durchsetzen, die das Parlament ihm nicht gewähren möchte. Neue Steuern und das macht er einfach per Notverordnung. Und dann steht der Parlament gegen Monarch und auch die Justiz sagt, sorry, aber wir haben eine Verfassung und der Herrscher muss sich an die Verfassung halten. Und das geht sogar so weit, dass das Militär auch die Gefolgschaft verweigert, weil sie sagen, wir haben auf die Verfassung geschworen. Das ist ziemlich krass eigentlich, sowas wird in Preußen nicht passieren. Und dann Österreich möchte dann die Bundesexekution verhängen, also innerhalb des Deutschen Bundes, wenn da irgendwo was nicht funktioniert oder so parlamentarisch, aufrührerisch, revolutionär anmutet, dann ist ja der Hauptzweck eigentlich des Deutschen Bundes für Ruhe sorgen. Und Österreich als Vormacht beantragt dann eben die Durchsetzung, also die Bundesexekution. Aber noch damals zu diesem Zeitpunkt gibt es noch diese Unionsverträge und Hessen-Kassel hat diesen Vertrag über die Deutsche Union mit Preußen unterzeichnet. Das heißt auch Preußen kann sagen, Entschuldigung, aber Deutscher Bund kennen wir gerade nicht. Wir haben hier unsere eigene Union und Hessen-Kassel gehört dazu und deshalb marschieren die da auch hin nach Hessen und sagen, Entschuldigung, das ist unser Land. Und auf jeden Fall treffen bei dem kleinen Ort Bronzell österreichische und preußische Soldaten aufeinander. Das ist jetzt keine Heere, sondern so Truppenteile, die da schon mal vormarschiert sind, um da Aufstellung zu nehmen oder bivakieren oder was auch immer. Und es kommt zu einem kleinen Gefecht, bei dem tatsächlich fünf österreichische Schützen fallen und auf preußischer Seite ein Pferd.
Solveig
00:18:53
Das arme Pferd.
Daniel
00:18:54
Ja, das ist der Schimmel von Bronzell, der... Im 20. Jahrhundert auch in das Wappen der Stadt dann aufgenommen wird. Und das heißt, zu der Schmach von Olmütz gesellt sich dann die Schlacht von Bronzell, das so ein bisschen natürlich man sich lustig macht darüber, was die Preußen hier versucht haben, da durchzusetzen. Und danach ist klar, es geht alles wieder zurück. So wie es vor der Revolution war, den Status versucht man jetzt wieder herzustellen. Und Bismarck versucht das dann zu rechtfertigen, dass man jetzt hier leider Olmitz unterschreiben müsste und der Schimmel das einzige Opfer geblieben ist in der Schlacht von Bronzell. Da hält er eine Rede als Mitglied des Landtages damals in Berlin und sagt, es ist leicht für einen Staatsmann von dieser Tribüne donnernde Reden zu halten und es dem Musketier, der auf dem Schnee verblutet, zu überlassen, ob sein System Sieg und Ruhm erwirbt oder nicht. Es ist nichts leichter als das, aber wehe dem Staatsmann, der sich in dieser Zeit nicht nach einem Grunde zum Kriege umsieht, der auch nach dem Krieg noch stichhaltig ist. Und das heißt, für ihn ist eigentlich wichtig der staatliche Egoismus. Also wir müssen gucken, was gut für den Staat ist. Und das Heer gehört nicht dem Parlament, so wie das da in Hessen-Kassel irgendwie offenbar gesehen wurde, sondern in preußischer Tradition, das Heer gehört dem König und folgt dem Wort des Monarchen. Und die Ehre besteht letztlich im Gehorsam gegenüber dem König. Und nicht darin, dass Preußen überall in Deutschland den Don Quixote spiele. Ich suche die preußische Ehre darin, dass Preußen sich von jeder schmachvollen Verbindung mit der Demokratie entfernt halte. Ja, hört auf zu träumen.
Solveig
00:20:43
Träumst schon wieder.
Daniel
00:20:44
Ja, und das kam offenbar gut an, denn Bismarck bekommt dann seinen ersten richtigen Job. Also er ist ja so ein Landjunker. Er war weder ein guter Student. Ich bin noch gar nicht sicher, ob er sein Studium eigentlich überhaupt erfolgreich abgeschlossen hat. Ich glaube, ja. Aber Armeekarriere, das war auch nicht so seins. Also er ist da so ein bisschen zwangsweise quasi die ersten Schritte gemacht. Und dann aber sobald er konnte, die Armee wieder verlassen. Aber ja, gehorsam dem König gegenüber und so weiter.
Solveig
00:21:12
Natürlich.
Daniel
00:21:13
Läuft er dann auch gerne in Uniform rum später, weil das macht man halt so in Preußen. Auf jeden Fall kam das gut an hier, seine Rede. Und er wird dann Gesandter beim Bundestag. Der Bundestag ist also nicht das Parlament, das wir heute kennen in Berlin. Sondern der Bundestag ist, ja man könnte sagen, so eine Art Ministerrat des Deutschen Bundes, also wo dann die Gesandten der jeweiligen deutschen Regierungen hinkommen, um gemeinsame Beschlüsse zu treffen, wo es meistens darum geht, wie können wir irgendwie die Presse verbieten oder besser zensieren. Und kontrollieren, was an den Unis gelehrt wird und so weiter. Und gerade jetzt in dieser Zeit 1851 folgend, als Bismarck da hinkommt, das ist so die Die-Reaktions-Ära. Wir drehen alles zurück, was sich da in der Revolutionszeit verbreitet hat. Und ja, Bismarck, wie gesagt, hatte bis jetzt nicht so die große Karriere Chancen eigentlich. Er wird auch als versoffener Student beschrieben von seinen Gegnern und als pommerscher Schweinetreiber. Und der vertritt jetzt das Königreich Preußen eben beim Deutschen Bund. Und er selber stellt es so dar an seine Frau Johanna, das ist der wichtigste Posten unserer Diplomatie. Mag er natürlich auch so sehen. Es ist auf jeden Fall für ihn bis jetzt der wichtigste Posten, den er innehatte. Und ja, es geht da immer um diese gesamtdeutschen Fragen und die ganzen Kooperationen oder eben auch nicht mit den anderen deutschen Staaten, und er sagt, der Herr hat es gewollt und das dient auch dazu, Johanna zu überzeugen, den Schweinehof zu verlassen, also die Landgüter hinter sich zu lassen und mit ihm umzuziehen nach Frankfurt, denn seine Frau war da nicht so begeistert davon. Aber wenn es der Herr will, dann soll man sich dem natürlich nicht entgegenstellen.
Solveig
00:22:54
Also wahrscheinlich eher ihr Herr als der Herr.
Daniel
00:22:57
Ja, das allerdings.
Solveig
00:22:58
Der Herr hat es gewonnen.
Daniel
00:23:00
Genau. So und jetzt geht es darum, vor allem auch beim Deutschen Bund dieses Verhältnis zu Österreich zu glätten und die Schmach von Olmütz nicht auf sich sitzen zu lassen. Also das hat tief gesessen damals. Und er hat auch diesen Anspruch, wir müssen dieses Verhältnis irgendwie wieder hinbiegen mit denen. Aber dann hat er doch den Eindruck, als er da in Frankfurt ankommt, also die Österreicher sind intrigant unter der Maske Burschikosa Bonomi, verlogen, stehlen Akten, selbst die redlichsten unter ihnen, spielen, huren und suchen uns bei kleinen Formalien zu übertölpeln, worin bis jetzt unsere einzige Beschäftigung besteht. Und dann berichtet er ein paar Jahre später, 1855 nach Berlin, ich war gewiss kein prinzipieller Gegner Österreichs. Als ich herkam, vor vier Jahren. Aber ich hätte jeden Tropfen preußischen Bluts verleugnen müssen, wenn ich mir eine auch nur mäßige Vorliebe für das Österreich, wie seine gegenwärtigen Machthaber es verstehen, hätte bewahren wollen. Also da ist es vorbei. Und er kommt auch menschlich wohl nicht klar mit dem österreichischen Gesandtengraf Thun und denen, die ihm dann nachfolgen. Also er kann einfach den Typen nicht ausstehen.
Solveig
00:24:06
Die klauen ja auch seine Akten.
Daniel
00:24:08
Und das ist halt blöd, weil das färbt dann auch darauf, auf wie man das ganze Land betrachtet und vielleicht die Politik, die es verdient. Und er zeigt das mit so diplomatischen Signalen, dass er auch findet natürlich, Preußen geht nicht zurück ins Glied und erkennt das an, dass Österreich immer noch die Vormacht sei und alles alleine entscheidet. Und bis zu dem Punkt, wo Bismarck da ankam beim Deutschen Bund und wenn die Minister sich an ihren Tisch gesetzt haben, da hat immer nur der österreichische Gesandte seine Jacke ausgezogen oder hat hensärmelig da gesessen, wie es dann heißt. und dabei auch noch eine Zigarre geraucht. Ja, stell dir mal sich vor, das machen eigentlich nur die Linken. Aber hier ist es quasi das Vorrecht des österreichischen Gesandten gewesen, sich so lässig bei Tisch zu geben in den Verhandlungen. Und was passiert jetzt natürlich?
Solveig
00:24:53
Jetzt sieht Bismarck seine Jacke aus.
Daniel
00:24:55
Jetzt sieht Bismarck seine Jacke aus und Bismarck steckt sich eine Zigarre an. Und ich stelle mir auch noch vor, wie sich dann so ein Humpen hinstellt.
Solveig
00:25:02
Und die Füße auf den Tisch.
Daniel
00:25:03
Möglich das auch noch. Also es ist natürlich ein bisschen lächerlich irgendwie, aber gleichzeitig verstehen natürlich alle, was damit gemeint ist. Und dass das offenbar eine neue Haltung ist, die hier einzieht, ist jetzt mal den Österreichern zu zeigen, wir sind mindestens so viel wert wie ihr. Umgekehrt hat aber auch der Vertrag, den man da in Olmütz geschlossen hat, auch den gedachten Eintritt des Gesamtösterreichs in den Deutschen Bund verhindert. Weil die Österreicher hatten das ja unter Fürst Schwarzenberg, auch das könnt ihr euch bei Fluffung Paulskirche dann nochmal anhören, anzwischen auch gesagt, also wir kommen ja ganz gerne in das Deutsche Reich, aber dann bitte alle. Also auch die Ungarn, auch die Kroaten, auch die Slowenen, auch die Tschechen sowieso, die Italiener, alles was noch so an Österreich mit dran hängt damals und mit dazu gehört. Und die haben gesagt, ja, dann kommen wir eben als Ganzes und ihr kümmert euch bitte auch dann darum, wenn die Ungarn mal wieder Probleme machen oder die Italiener. Und da haben natürlich die anderen deutschen Staaten jetzt sehr wenig Lust drauf. Und Bismarck schreibt aus Frankfurt noch an Leopold von Gerlach, das ist so ein sehr prominenter Vertreter der superkonservativen Kamaria, die damals um Friedrich Wilhelm IV. Herrscht, mehr oder weniger offiziell. Meistens sind die eher so im Hintergrund und sorgen dafür, wer Minister wird und beeinflussen den Monarchen. Dem schreibt er Ende 1853. Unsere Politik hat keinen anderen Exerzierplatz als Deutschland. Schon unserer geografischen Verwachsenheit wegen. Und gerade diesen glaubt Österreich dringend auch für sich zu gebrauchen. Für beide ist kein Platz nach den Ansprüchen, die Österreich macht. Also können wir uns auf die Dauer nicht vertragen. Wir atmen einer dem anderen die Luft vor dem Munde fort. Einer muss weichen oder gewichen werden. Bis dahin müssen wir Gegner sein. Das heißt aber nicht unbedingt, dass man jetzt einen Krieg führen muss. Das ist eigentlich gar nicht jetzt vorgesehen, sondern es würde schon absolut reichen, wenn man einfach mal klar die Interessenssphären, das ist ja auch ein schöner Begriff, der heute wieder auftaucht, wer wo welche Interessenssphären für sich sieht und eigentlich ist es allgemein scheinbar anerkannt worden. Dass eben im Norden Deutschlands, dass die Interessenssphäre Preußens ist, etwa bis zum Main überraschenderweise. Und um den Rest kann sich dann Österreich kümmern. Also da wäre man durchaus vielleicht bereit gewesen, das einfach mal aufzuteilen.
Solveig
00:27:25
Und was sagen die, die da wohnen?
Daniel
00:27:27
Die müssen sich damit abfinden. Die können dann beim Deutschen Bund protestieren oder so. Es geht ja nicht um Annexion. Es geht nur so, also in Hessen-Kassel kümmern wir uns und Bayern kümmert ihr euch. Also natürlich die Bayern finden das vielleicht auch nicht so dolle.
Solveig
00:27:42
Ich glaube, die Bayern würden sagen, das schaffen wir schon alleine. Vielen Dank.
Daniel
00:27:47
Das spielt tatsächlich auch eine Rolle natürlich, dass sie das immer wieder sehr vehement sagen. Wir kümmern uns bitte um uns selber. Auf jeden Fall, dieser Gegensatz zwischen Preußen und Österreich führt natürlich auch dazu, dass so dieses Grundsystem, das da in Wien noch geherrscht hat und dieses Grundverständnis zwischen den beteiligten Monarchen, dass wir eine heilige Allianz bilden, die dann für immer so das christliche Artenland im Frieden erhält. Das wird natürlich jetzt langsam, oder nicht nur langsam, sondern auch dann bald sehr plötzlich Makulatur, spätestens als der Krimkrieg ausbricht. Und die ehemaligen Partner der heiligen Allianz sich dann doch als Feinde wieder gegenüberstehen. Und Bismarck hat eben auch ganz klar mehr Sympathien für Russland als Partner, als konservativen Partner, als gegen dieses komische Österreich. Das auch zwar konservativ ist, aber eben doch zerstückelt ist letzten Endes oder so viele Nationen in sich birgt und immer Probleme verursacht und vor allem im Krimkrieg eben auch sich mit dem Westen dann doch eher anfreundet. Apropos Westwind, es gibt in Frankreich auch einen neuen Herrscher. Die Franzosen machen ständig Revolution und kriegen dann irgendwie als Ergebnis, das ist was völlig anderes dabei raus. Also 1848, damals ging es ja im Februar auch in Frankreich los, bevor das dann im März zu uns rüber geschwappt ist und im Ergebnis gibt es in Frankreich einen neuen Präsidenten. Der sich auf das Volk beruft und dann ähnlich wie sein Onkel entscheidet, das Volk will mich offenbar dauerhaft an der Spitze sehen, also werde ich doch einfach Kaiser. Das ist Louis-Napoleon Bonaparte oder auch Napoleon III. Und tatsächlich trifft noch Prinz Wilhelm, also der jüngere Bruder von FE IV, auch Napoleon III mal 1857 in Baden-Baden, um mal so abzuchecken, wie sind die denn jetzt eigentlich mittlerweile so drauf, Das kommt nicht so gut an in der Hauptstadt. Und schon 1853 hatte die sehr prominente konservative Berliner Kreuzzeitung, die heißt eigentlich anders, die heißt Nationalzeitung, aber hat das Eiserne Kreuz als Logo und deswegen hieß die einfach von Anfang an immer Kreuzzeitung. Die hat schon gegen Napoleon III. Gewettert und mit dem darf man auf keinen Fall irgendwas gemeinsam machen. Und grundsätzlich denkt Bismarck das auch, ist aber als Diplomat doch eher auf der Linie, man muss es ja nicht immer allen gleich sagen, dass man die nicht leiden kann. Man kann ja dann vielleicht noch, verbaut sich ja vielleicht auch Chancen. Und da sagt er dann in Bezug auf diesen Presseartikel gegen Napoleon, es wäre gewiss ein großes Unglück, wenn wir uns zu Frankreich hinneigen wollten. Aber warum man diese Überzeugung aller Welt auf die Nase zu binden braucht, weiß ich auch nicht. Wenn wir auch, wie ich hoffe, nie mit französischem Winde segeln wollen, so erfordert doch die notwendige Rücksicht auf etwaige Unverschämtheiten von anderer Seite her, dass wir die Schiffe wenigstens nicht öffentlich verbrennen. Und tatsächlich ist er zwischendurch auch mal auf der Schiene, dass man auch mit Frankreich irgendwie kooperieren könnte tatsächlich. Aber was eben umgeht seit spätestens 1848, ist vor allem das Gespenst des Nationalismus. Das heißt, das wird man nicht mehr los. Diese Idee, die sich gerade auch in Deutschland bahnbricht und auch in Teilen Österreichs, namentlich den Teilen, in denen man eigentlich eher Italienisch spricht, die werden jetzt gleich relevant. Und Bismarck denkt sich dann zwischendurch auch, vielleicht sollte man sich auch mal mit den Liberalen irgendwie so ein bisschen arrangieren und da so ein paar Ideen aufgreifen, damit man dann für anderes, was man durchsetzen möchte, vielleicht mehr Zuspruch erhält. Vor allem, wenn es vielleicht um Militär geht und finanzielle Kräfte, die man sammeln braucht. Und man kann auch seine Feinde mal umarmen. Hauptsache, es gibt dann vielleicht zum Beispiel das militärische Ziel, das man erreichen möchte. Auf jeden Fall findet er, und das finde ich auch wieder bemerkenswert, ähnlich wie beim Wiener Kongress, dass man da von Restauration spricht und es wird alles so schön wie früher. Und gleichzeitig räumt man einfach in Europa auf und entkrönt andere Fürsten und sagt, das ist jetzt meins, das ist deins, das ist da. Und im Grunde sieht man das in Berlin damals genauso. Er findet, man muss überhaupt keine Rücksicht nehmen auf den ganzen unhistorischen, gott- und rechtlosen Souveränitätsschwindel der deutschen Fürsten. Also insofern kann man da locker seine Interessenssphären einfach mal aufteilen. Was interessiert uns der Kurfürst von Hessen-Kassel oder der Großherzog von Baden? Die müssen sich halt dann bequemen, das zu tun, was wir für richtig halten. Also das System der Solidarität unter den Fürsten, das was für FE4 groß hält und eigentlich auch sein kleiner Bruder Wilhelm noch, ist für ihn eine gefährliche Fiktion. Also da muss man pragmatisch mit umgehen. Der Staatsegoismus ist wichtig, Preußen ist wichtig. So und jetzt gibt es aber eine neue Ära in Preußen, weil nämlich FE4 immer kränker wird, Schlaganfälle bekommt, irgendwann noch nicht mehr sprechen kann und das eigentlich seit 1858 und dann vor allem ab 59 sein kleiner Bruder für ihn übernimmt, erstmal befristet und dann dauerhaft als Prinzregent die Regierung führt und Wilhelm, Zu diesem Zeitpunkt, man denkt das immer nicht so, aber Wilhelm ist damals eigentlich eher so ein bisschen bei den Liberalen eingestellt. Das ist ja der Kartettschenprinz, der 1848 erstmal schön bei den Barrikaden aufgeräumt hat und dann später in Baden nochmal und dann Rastatt die letzten Hort der Revolution beseitigt hat. Gegen Demokraten helfen nur Soldaten, hat ihm sein Bruder ja noch zugerufen. Und er musste ja sogar zeitweilig mal nach London gehen für ein halbes Jahr, bis die Stimmung hier in Berlin sich wieder beruhigt und es nicht gleich einen Aufstand gibt, wenn man ihn auf der Straße sieht. Aber scheinbar hat er dann in London eben auch erfahren, das ist vielleicht gar nicht so schlimm mit so einem Parlament und irgendwie kann man damit schon umgehen und es ist nicht gleich die Monarchie bedroht. Und irgendwie scheint er da so eine gewisse Offenheit entwickelt zu haben, sodass sich, wie es immer so ist bei so einem Regierungswechsel, sich liberale Hoffnungen mit dem neuen Monarchen verbinden und er erfüllt die auch erstmal. Und dazu gehört auch, dass man diesen als hochkonservativ verschrienen Bismarck, der auch alles dafür getan hat, dass dieses Bild erstmal erhalten oder überhaupt entsteht, jetzt passt er gerade nicht mehr da rein, denn Wilhelm guckt eher auf die sogenannte englische Partei und deswegen muss der Bismarck weg, da aus vom Bundestag in Frankfurt und dann sagt man, dann geh doch in das Land, was du so magst, geh nach St. Petersburg als unser Gesandter und er empfindet das schon so als Strafversetzung. Eigentlich ist ja nicht schlecht, Gesandter beim Zaren zu sein. Ich glaube, er hat sich dann am Ende da auch ganz wohl gefühlt. Merkt natürlich auch, Mist, ich habe das falsche Pferd gesetzt jetzt gerade und kümmert sich dann nicht nur da vor Ort um die Diplomatie, sondern schreibt auch regelmäßig Denkschriften, die jetzt ein bisschen in die andere Richtung gehen plötzlich und sagt, guck mal hier Willem, ich kann das auch. Ich muss mich gar nicht so weit wegstecken. Ich mache doch alles, was du willst.
Solveig
00:34:32
Ich kann das auch. Ich komme wieder zurück, kein Problem.
Daniel
00:34:36
Ich wäre auch gerne mal wieder in Berlin. Und vielleicht bin ich auch ein guter Minister oder am besten sogar gleich Ministerpräsident. Was hältst du denn davon?
Solveig
00:34:42
Finanzen kann ich auch.
Daniel
00:34:43
Schau mal. Also während Bismarck da erstmal nach St. Petersburg unterwegs ist, Gibt es im Österreich-Krieg 1859, kommt die große Niederlage. Es ist der andere große Prozess einer Nationalstaatswerdung im Gange, nämlich auf dem italienischen Stiefel. Und da gibt es eben noch größere Teile, die Lombardei und Venezien, die eben noch zum Kaiserreich Österreich gehören und jetzt von Sardinien-Piermont beansprucht werden. Nämlich der italienische Staat, der glaubt, er sei dazu berufen.
Solveig
00:35:19
Das ist auch immer die Savoia.
Daniel
00:35:20
Italien zu einigen. Das ist ein Interessensbereich. Ja, wir als Sizilien-Freunde sehen das alles auch etwas anders. Darüber können wir vielleicht im Sommer nochmal sprechen. Über den italienischen Bismarck vielleicht. Beziehungsweise damals sieht man es eher andersrum. Man fragt sich dann später, könnte Bismarck ein neuer Kavur werden? Das ist nämlich der Herr, der sich da in Italien einen Namen macht.
Solveig
00:35:44
Die Savoia waren ja tatsächlich im 13. Jahrhundert mit Sizilien nicht verbündet, aber die Savoia sollten Heinrich III., dem König von England, bei der Eroberung Siziliens assistieren.
Daniel
00:35:58
Du musst gar nicht so weit zurückgehen. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg bekommt Savoia in Sizilien, weiß aber gar nicht, was sie damit anfangen sollen und tauschen es dann mit den Habsburgern gegen Sardinien. Und deswegen ist er dann König von Sardinien geworden und die Habsburger sind dann aber auch nicht so lange in Sizilien geblieben. und andere Geschichte.
Solveig
00:36:14
Aber deswegen haben sie wahrscheinlich dann auch das bekommen. Also diese Savoia, die haben irgendwie tatsächlich schon seit langer Zeit irgendwelche Sizilien-Connections.
Daniel
00:36:24
Und geben das dann am Ende größten Teil ihres Landes an Frankreich ab, um dann da Italien zu bekommen. Auf jeden Fall ist das auch in Deutschland dann natürlich ein großes Thema. Und es gibt das Schlagwort, der Rhein wird auch am Po verteidigt.
Solveig
00:36:39
Interessenssphären.
Daniel
00:36:40
Ja. Und man hat so ein bisschen Sorge, denn Italien, also Savoyen, noch Sardinien-Pimont, kann das ja nicht alleine. Sie haben ja einen großen Unterstützer, der ja findet, er ist die neue Vormacht in Europa und entwickelt sich auch langsam dazu, nämlich Napoleon III.
Solveig
00:36:59
Achso, ja, okay.
Daniel
00:37:00
Also unser Erbfeind mobilisiert.
Solveig
00:37:03
Über den Rhein kommt er.
Daniel
00:37:04
Und deshalb mobilisiert auch Preußen seine Truppen. Für den Fall der Fälle mal am Rhein. Also zum Po gehen sie nicht, sondern ganz konkret haben die ein bisschen Schiss, wenn die Franzosen da ihre Truppen mobilisieren. Vielleicht laufen die nicht am Ende in die falsche Richtung. Aus Gewohnheit quasi, aus alter Gewohnheit nochmal. Und deswegen, ja. Und mobilisiert letztlich der Deutsche Bund eigentlich, also gar nicht mal Preußen, sondern der Deutsche Bund mobilisiert die Bundestruppen, aber stellt sie eben unter den Oberbefehl Wilhelms, dass sie da am Rhein aufpassen, dass sie in die richtige Richtung laufen. Und es gibt damals tatsächlich relativ viel Vergleiche mit einem bevorstehenden oder so diese Vorstellung, es droht ein neuer 30-jähriger Krieg. Also es geht natürlich auch um konfessionelle Fragen. Die Österreicher, die Katholiken, komischerweise natürlich die Franzosen ja eigentlich auch und die Italiener, aber die Preußen sind dann der andere große Pol. Und irgendwie schwimmt da alles langsam zusammen von einem Konflikt in den nächsten. Und in diesem gleichen Jahr 1859 gibt es einen Artikel in der katholischen Presse, wo dann schon das wieder auf Deutschland aber bezogen wird. Die Reichsidee war nie nationalistisch, heißt es dort, oder nie politisch, sondern immer religiös. In ihrer Neujahrsbetrachtung von 1859 schreiben die historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland. Der vielgelästerte Ultramontanismus ist es, der die heilige Flamme der germanischen Staatsidee vor den Wasserströmen der Zeitphilosophie gerettet und auf dem Altar der Kirche gepflegt hat. Also das geht hier um die Unterstützung Österreichs natürlich. Dass man sich doch jetzt dauerhaft den Österreichern wieder hinwenden müsste, die jetzt da um ihre Existenz und ihre Vorherrschaft kämpfen. Das geht aber schon eine ganze Weile, denn ein paar Jahre vorher gab es eine anonyme protestantische Schrift, die das etwas anders sieht. Wollt ihr daher mehr ultramontan als deutsch-national sein, so wundert euch dereinst nicht, wenn in zerrissener Zeit der evangelische Zeitgeist auch wieder die freie Errungenschaft mit seinen Gleichgenossen zu verteidigen weiß, Gott bewahre uns Deutsche vor dieser Schande. Auf euch komme sie dann, wenn ihr sie schon einmal durch euren Starrsinn und euren moralisch sittlichen Irrtümer heraufbeschworen habt. Das nochmal so als Anknüpfung an die Epoche, über die wir in unserer letzten Folge geschrieben haben. Deswegen musste ich das jetzt kurz noch mal mit reinbringen, was dort so verhandelt wird in der letzten Zeit. Und auch 1859 gibt es ein interessantes Zitat von einem gewissen Jakob Veneday. Du reagierst gerade nicht, weil Flurfung Paulskirche eben schon so lange zurückliegt, die letzte Aufnahme. Das ist eine Person, von der wir schon ein, zwei Reden mal gelesen haben damals. Ein Abgeordneter in der Nationalversammlung, auf der linken Seite eher des Parlaments, der sagt, um Frieden wieder auf Menschenalter möglich zu machen, das ganze Deutschland zu den Waffen gegen die Macht, die ohne Krieg und Ruhm nicht bestehen kann. Gemeint ist Frankreich. Der Bayer, der Sachse, der Schwabe, der Franke sollten im Zorn aufspringen und dem Preußen zurufen, hierher, hilf! Dort hetzt der Napoleonide seine afrikanischen Hunde gegen den Österreicher. Afrikanische Hunde? Wunderbar, die Herrschaften, die Demokraten, die auf der linken Seite des Hauses sitzen. Und so ist es nun mal damals, dass sie Nationalismus auf ihre Fahne geschrieben haben und gerne auch mal rassistisch abgleiten.
Solveig
00:40:37
Offensichtlich.
Daniel
00:40:39
Und sagen, wir müssen jetzt alle zusammenstehen, um den Franzosen vom Rhein fernzuhalten und den Österreichern beizustehen. Und das Blut aller deutschen Stämme auf den Schlachtfeldern des kommenden Krieges zusammengeflossen, gemeinsam die deutsche Erde getränkt, gemeinsam das deutsche Banner geweiht hat. Das nochmal als Erinnerung an den Ton vieler Reden der Linken in der Paulskirche. Wir betonen das nur, weil es einfach so ungewohnt ist für unsere politischen Zuordnungen, an die wir uns gewöhnt haben mittlerweile. Bismarck guckt sich das alles aus der Ferne an in Petersburg und gibt sich eher etwas politikmüde und sagt, ich gehe lieber auf der Neva Schlittschuh laufen. Tatsächlich zeigt aber eben auch diese Mobilmachung unter dem preußischen Oberbefehl am Rhein, dass das irgendwie gar nicht so gut funktioniert, gerade alles. Wir wissen gar nicht, wie wir die dahin transportieren sollen. Die haben alle unterschiedliche Befehlstöne und keine Ahnung was. Auf jeden Fall, das klappt nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Und der neue Kriegsminister Rohn sagte, wir müssen das dringend reformieren. Wir müssen da was tun, wir brauchen Geld dafür. Die Leute müssen länger dienen, also nicht nur zwei Jahre, sondern besser drei Jahre, damit wir die ordentlich trainieren können und dann uns auch genügend Truppen zur Verfügung stehen. Es sollten überhaupt auch ein paar mehr werden. Und diese olle Landwehr, die hat ja damals schön gegen Napoleon gekämpft, aber so richtig können wir mit denen auch nichts anfangen. Wir brauchen mehr offizielle, vernünftige Regimenter. Und das erregt dann doch Widerspruch. Nicht nur in dieser dreijährigen Dienstzeit, das finden natürlich vor allem die fortschrittlichen Liberalen doch ein bisschen viel. Warum muss man da so lange zum Militär und warum müssen so viele sein? Bei vielen aber auch diese Landwehr, das ist ja so dieser Mythos, der damals entsteht, der Kampf gegen Napoleon und das Volk in Waffen und alle auf Ruf des Königs um Hilfe an meine Nation und dann greifen alle zu den Waffen und kämpfen freiwillig gegen Napoleon. Und seitdem gab es ja so eine Art Wehrpflicht, dass man immer Landwehrregimenter neben diese regulären gestellt hat. Und das ist so eigentlich das Symbol dieses Befreiungskrieges und damit natürlich auch der Idee dieser deutschen Nation, die sich dann so verbreitet hat. Und das jetzt quasi abschaffen zu wollen oder nur noch so einen Rest von denen so symbolisch da mitlaufen zu haben, das sind viele unerträgliche Vorstellungen eigentlich. Da kommt es eben zu einem oder zu dem großen Verfassungskonflikt in Preußen, um diese Heeresreformen. Weil eben, dass die liberale Mehrheit des preußischen Parlamentes sagt, auf gar keinen Fall geben wir euch Geld dafür. Das machen wir nicht. Und am Anfang sagen sie noch, okay, wir geben euch jetzt mal befristet Geld, dass ihr weiter arbeiten könnt, aber wir sprechen nochmal darüber, bevor wir hier den Haushalt wirklich dann beschließen. Und dann geht das so anderthalb Jahre ganz gut, immer so halb so befristet. Aber wir reden nochmal über dieses Thema oder wir geben euch Geld für das, aber das noch nicht. Da sprechen wir dann nochmal drüber. Und irgendwann reicht es aber, denn jetzt hat Preußen einen neuen König. Der Willem mittlerweile ist nicht nur mehr Prinz Regent, sondern König. Verabschiedet sich auch zunehmend von dieser neuen Ära, die man da am Anfang noch so spüren konnte. Und sagt so, beim Heer hört der Spaß auf. Weil das ist nun mal ganz klar, das ist mein Heer. Und wenn ich sage, ich möchte, dass die drei Jahre dienen und wenn ich sage, ich möchte Geld für das und das und ich möchte, dass diese Landwehr jetzt mal zu richtigen Soldaten wird beziehungsweise ersetzt wird dadurch, dann ist das so. Fertig. Und dann habt ihr mir das Geld zu geben. Das Parlament sagt, nee, Entschuldigung, für das Geld sind wir verantwortlich. Wenn du Geld brauchst, dann tust du bitte das. Änderst du bitte deine Reformvorhaben so, wie wir uns das vorstellen, dann können wir das auch finanzieren. und dann gibt es da einfach einen Patt und das geht hin und her, Und es gibt einfach keine Lösung, weil die einen sagen, ja, wir müssen doch mal einen Kompromiss suchen. Dann sagt der Willem, auf gar keinen Fall, schmeiß ich raus, neuer Minister. Der sagt, ja, ich setze das durch, dann geht er ins Parlament und sagt, nee, hat doch nicht geklappt, vielleicht sollten wir doch mal, vielleicht doch zwei Jahre statt drei Jahre. Und der Willem sagt, nein, auf gar keinen Fall, raus. Und das kriegt der Bismarck natürlich mit. Das ist sein Tätersburg. Ich kann übrigens, also ich würde ja alles tun, was Majestät verlangen. Ich rede nicht mit denen oder ich rede mit denen oder ich rede zu denen und werde das durchsetzen. Alles, was Majestät wünschen, bekommt ihr von mir.
Solveig
00:45:06
Ich ziehe erstmal meine Jacke aus, zünde mir die Zigarre an und dann schauen wir.
Daniel
00:45:10
Ja, genau. Und dann nur der Willem offenbar schon ein paar Leute verheizt hat. Beziehungsweise die, die noch da sind irgendwie.
Solveig
00:45:16
Die wollen auch nicht mehr.
Daniel
00:45:17
Die wollen nicht mehr oder halten einfach die Fresse mittlerweile, weil sie wissen, also die sind nicht kompromissfähig. und unser König ist eigentlich nicht kompromissfähig. Und dann sagt sich der Willem, dann nehme ich doch den, der mir verspricht, dass er meinen Willen durchsetzt. Und seine Frau rastet quasi aus.
Solveig
00:45:32
Wer ist denn jetzt Bismarcks Frau?
Daniel
00:45:33
Nee, die Frau von Willem, die Königin, spätere Kaiserin Augusta. Die schreibt, als dann rauskommt, dass Willem womöglich den Bismarck holen will. Den hat sie sich von früher noch gemerkt, aus der 48er Zeit, als er da mit seinen Bauern nach Berlin marschieren wollte, um den König zu befreien. Nur um Gottes Willen, den nicht zum Minister. Es ist eine ganz falsche Rechnung zu glauben, dass ein Mann wie Bismarck unserem Land dienen kann, der gewiss alles wagt und der Schrecken aller ist, weil er keine Grundsätze hat. Ja, der hat sich ja schließlich schon mal ein paar Mal verbogen, Hauptsache Karriere. Und Bismarck weiß aber auch, offenbar brauchen die mich jetzt, weil sie keinen mehr haben, der da will. Jedenfalls hat er den Eindruck und sagt, nee, also nur Minister ist mir ein bisschen zu wenig. Also wenn, dann bitte alles. Ich möchte Premierminister, also Ministerpräsident werden und die Außenpolitik mache ich auch alleine. Und dann sagen sie, nee, dann geht doch erstmal nach Paris.
Solveig
00:46:29
Leider nein, leider gar nicht.
Daniel
00:46:31
Du kannst mal wieder ein bisschen näher zu uns rankommen. Du musst dann nicht mehr in Petersburg sitzen, aber gut, wir probieren es dann doch nochmal mit jemand anderem. Geht wohl doch erstmal als Gesandter nach Paris und gucken mal, was der Napoleon so macht.
Solveig
00:46:43
Man kann ja weiter Französisch reden, das ändert sich ja an der Sprache nichts.
Daniel
00:46:46
Er fährt nicht nur nach Paris, er fährt da zwischendurch auch mal nach London zu einer Konferenz und trifft da Benjamin Disraeli im Juli 1962. Und er wird später, 20 Jahre später von einer anderen anwesenden Person kolportiert, dass Bismarck zu ihm gesagt habe, meine erste Sorge wird sein, mit oder ohne Hilfe des Landtages die Armee zu organisieren. Dann werde ich den ersten besten Vorwand ergreifen, um Österreich den Krieg zu erklären, den Deutschen Bund zu sprengen, die Mittel- und Kleinstaaten zu unterwerfen und Deutschland unter Preußens Führung eine nationale Einheit zu geben. Da hat Bismarck angeblich schon den Plan scheinbar. Im Juli 62, so, jetzt werde ich das und dann mache ich das und dann mache ich das und dann mache ich das und dann sind wir Deutschland. Ja, also das ist wohl auch ein Text, den jemand erst 20 Jahre später... Sich erinnert hat.
Solveig
00:47:33
Bismarck hatte einen Vision Board. Das hat er sich ganz klar hingesetzt, das erreichen wir.
Daniel
00:47:39
Naja, aber nachträglich.
Solveig
00:47:40
Ja, ich weiß.
Daniel
00:47:43
Bismarck sitzt 1890 folgende zwangsverrentet in seinem Landgut und überlegt sich, was war mein Plan eigentlich?
Solveig
00:47:50
Ich hatte einen Vision Board.
Daniel
00:47:55
Und angeblich hat dann Disraeli später zu anderen gesagt, take care of that man, he means what he says. Also pass auf den auf, der meint, was er sagt. Und in seinem Urlaub im August 62, endlich, als er gerade im Golf von Biscaya schwimmt, mit seiner Geliebten, Jekaterina Orlova.
Solveig
00:48:16
Die hat er noch mitgenommen aus Petersburg?
Daniel
00:48:18
Scheinbar. Nur hat er jetzt so einen Hang zu russischen Adligen. Da ereilt ihn der Ruf. Das ist dann auch später so ein bisschen verklärt. Herr Bismarck ist da im Urlaub und dann sein Freund, der Kriegsminister Rohn, schreibt ihm, der König droht mit Rücktritt oder Abdankung. Kommen Sie jetzt schnell, Gefahr im Verzuge, beeilen Sie sich. Periculum in mora de péché vu, soll der Originaltext sein, den Rohn ihm da per Telegram geschickt hat. Also alles hängt an Bismarck.
Solveig
00:48:47
Wir brauchen dich.
Daniel
00:48:49
Auf jeden Fall ist es jetzt so weit, dass Wilhelm sagt, okay, dann holt ihn halt. Der hat ja immer behauptet, er kann das durchsetzen, dann soll er es halt versuchen. Und am 22. September 1962 ist endlich Bismarck tatsächlich preußischer Ministerpräsident. Also seine Maximalforderung wird jetzt erfüllt. Außenminister darf er auch noch gleich mitmachen. Und wir können vielleicht später womöglich im Nachklapp nochmal darüber spekulieren, wie das eigentlich gewesen wäre. Von wegen es hätte auch anders kommen können, wenn Wilhelm seine Drohung ernst gemacht hätte und einfach abgedankt hätte und seinen Sohn vielleicht… Ich würde gerade sagen.
Solveig
00:49:22
War der schon da? War der schon alt genug?
Daniel
00:49:24
Der war schon alt genug, ja. Also Wilhelm ist ja auch schon über 60.
Solveig
00:49:27
Stimmt.
Daniel
00:49:28
Er ist ja nur der jüngere Bruder von FE4 und war ja gar nicht dafür vorgesehen, jemals zu herrschen, sondern so klassisch Zweitgeborener mit Militärkarriere.
Solveig
00:49:37
Leute, ich hatte mich hier auf ein entspanntes Leben eingestellt.
Daniel
00:49:41
So ein paar hübsche Siege gegen Franzosen.
Solveig
00:49:43
Ich dachte, ich bin der coole Sohn, der einfach nur kommt und gut aussieht.
Daniel
00:49:48
Ja, jetzt muss er sich drum kümmern. Auf jeden Fall ist er eben schon ein älterer Herr eigentlich. Und insofern ist der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Friedrich III., da auch schon im besten Mannesalter.
Solveig
00:49:59
Hätte er das mal gemacht.
Daniel
00:50:00
Ja, das können wir ja später nochmal diskutieren dann. Das würde jetzt, glaube ich, hier zu weit führen, inwiefern es eine englische Alternative vielleicht hätte geben können.
Solveig
00:50:07
Wäre nicht so leise gewesen, der Kaiser.
Daniel
00:50:09
Das stimmt natürlich, das klingt jetzt aber ein bisschen gemein. Solveig spielte darauf an, dass er dann, als Friedrich dann endlich soweit war, der Wilhelm den Platz dann geräumt hat oder abberufen wurde vielmehr. Dass dann leider Friedrich eben auch schon so krank war, dass er nicht mehr sprechen konnte und nur 99 Tage tatsächlich geherrscht hat. Also Bismarck, frisch im Amt, sagt, ich setze das alles durch. Wir lösen den Konflikt, indem wir ihn eskalieren.
Solveig
00:50:34
Ich würde sagen, gehen wir einfach richtig eskalieren.
Daniel
00:50:37
Und er geht ins Parlament. Er hält gar nicht eine Rede vor dem ganzen Parlament, sondern es geht ja vor allem ums Geld, also vor dem Budgetausschuss des Parlaments. Und das ist eine Rede, die sehr viele Menschen befremdet. schon damals, und so eine schlechte Stimmung macht, dass man schon Angst haben muss, oder er eigentlich Angst haben musste, dass er eigentlich nach den paar Tagen schon wieder entlassen wird. Der Redetext im O-Ton, den gibt es gar nicht, sondern immer nur in den Berichten von anderen, also quasi so als Mitschrift, aber eben auch nicht stenografiert, sondern nur so vom Inhalt her. Und das ist eben die berühmte Rede, auf die du schon angespielt hast, wo er sagt, nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden. Das ist der große Fehler von 1848-49 gewesen, sondern durch Eisen und Blut. Und da fällt jetzt einigen so die Kinnlade runter.
Solveig
00:51:28
Entschuldigen Sie bitte.
Daniel
00:51:29
Entschuldigen Sie, wir sind das Parlament. Sie reden gerade mit Abgeordneten, von denen sie Geld haben möchten und sagen, Majoritätsbeschlüsse ist nicht, sondern nur Eisen und Blut. Und da waren etliche Liberale doch sehr entsetzt, wie unter anderem auch Ludwig August von Rocha, der dann sagt, mit der Verwendung dieses Mannes ist der schärfste und letzte Bolzen der Reaktion von Gottes Gnaden verschossen. Also er ist eigentlich ein bisschen optimistisch, weil er sagt, das ist jetzt der Gipfel. Aber mehr Leute wie den haben die jetzt auch nicht mehr. Also Leute, freut euch. Morgen fliegt der raus und dann kommt jemand anders, der uns besser passt. Ist so die Hoffnung offenbar von Herrn von Rochau gewesen. Und Max von Forkenbeck, der spätere Oberbürgermeister von Breslau und Berlin, wertet den Auftrag Bismarcks als Regieren ohne Etat. Säbelregiment im Innern, Krieg nach außen. Ich halte ihn für den gefährlichsten Minister für Preußens Freiheit und Glück.
Solveig
00:52:22
So.
Daniel
00:52:23
Und man könnte jetzt Bismarcks Politik als Mut zur Lücke bezeichnen. Jedenfalls ist es die sogenannte Lückentheorie, die Bismarck dann erstellt und sagt, ja für den Fall, dass die Regierung Geld braucht wie für eine Heeresreform und das Parlament sie nicht bewilligt und wir keinen Haushalt haben, da gibt es eben keine Regelung in der Verfassung. Dieser Fall ist gar nicht vorgesehen in unserer Verfassung und das heißt, im Zweifel entscheidet die Regierung. So ist seine These und so läuft es dann jetzt. Und das heißt, wir machen einfach weiter, als wäre nichts passiert und die im Parlament können da unter sich diskutieren im Zweifel und sich dann irgendwann überlegen, ob sie uns zustimmen. Also wir leben jetzt quasi in Preußen im permanenten Verfassungsbruch, während Österreich sich gerade einen Namen gemacht hat, nachdem sie von Italien geschlagen wurden und offenbar unter dem Zwang standen, sich jetzt mal neu zu organisieren, seit 1861 tatsächlich eine Verfassung hat. Das heißt, das liberale Deutschland wendet sich mit Schrecken von Preußen ab und der Blut- und Eisenrede hin zu Franz Josef.
Solveig
00:53:27
Ja, das kann ich verstehen.
Daniel
00:53:29
Ja, du, weil du den nett findest und die siehst sie. Aber die gucken natürlich drauf, Mensch, sogar Österreich hat jetzt eine Verfassung. Und das heißt, alle, die national denken und liberal sind, denken jetzt, Mensch, vielleicht doch Österreich. Und Österreich sagt, ja, seht her, kommt zu uns oder lasst uns führen. Wir könnten doch den Deutschen Bund reformieren und ihn unter unsere Fittiche wieder richtig nehmen. Und es gibt dann mehrere Versammlungen, Konferenzen über mögliche Reformen des Deutschen Bundes. Den Gipfelpunkt ist dann 1863 erreicht, als Franz Josef und die österreichische Regierung einladen zu einem Fürstentag nach Frankfurter Main in die Kaiserstadt. Sollen sich doch alle Fürsten versammeln und diesen neuen deutschen Bund aus der Taufe heben, wo es vor allem darum geht, ja wir kooperieren mehr und Österreich sagt uns, was wir tun sollen.
Solveig
00:54:27
Wie früher.
Daniel
00:54:28
Wie früher. Und natürlich denkt sich Bismarck und am Ende natürlich auch Wilhelm. Ich glaube, da fahren wir nicht hin. Das ist nicht das, wie wir uns das eigentlich gedacht hatten. Also vom 17. bis zum 1. September 63 findet tatsächlich dieser Fürstentag statt in Frankfurt am Main. Es kommen nicht alle Fürsten und eben auch nicht der König von Preußen. Und Bismarck kommentiert das später. Ja, der König von Sachsen erwartete unseren Herrn schon, um ihm in aller Liebe die österreichische Schlinge um den Hals zu werfen. Und er kontert das dann und sagt, ja, wir würden ja schon auch eine Reform des Deutschen Bundes begrüßen. Aber diese komische Delegiertenversammlung, die ihr da vorgesehen habt, dass also die Regierungen irgendwelche Leute wieder dann nach Frankfurt schicken zu so einem Bundestag, das finden wir irgendwie nicht mehr zeitgemäß. Wir finden, es sollte ein Parlament geben, das direkt vom deutschen Volk gewählt wird, sagt der Bismarck. Da denken sich die Liberalen auch, aha, wie kommt der denn jetzt auf sowas, als würden wir das ernst nehmen, wenn der sowas sagt, also das ist natürlich von ihm nur so vorgeschoben und gesagt, guck mal. Wir hätten ja gerne ein direkt gewähltes Parlament. Also was diese Österreicher da wollen, was soll das denn sein? Liebt lieber wieder uns. Die meisten lassen sich natürlich nicht davon beeindrucken. Er sagt es dann später auch nochmal vor allem, dass seine Taktik war, den Österreichern etwas, Zitat, schwarz-rot-gold unter die Nase zu reiben.
Solveig
00:55:53
Das hat so ein bisschen was von so einem Scheidungsstreit, wo es um die Kinder geht. Also wir geben euch ja das zu Weihnachten.
Daniel
00:56:00
Aber die Kinder sind sozusagen die liberal-national-Eingestellten und so ein bisschen geht es natürlich auch auf, weil sich dann zunehmend spalten in die, die sagen, ja vielleicht ist die preußische Regierung dann doch der wichtige Ansprechpartner für uns und die anderen sagen immer noch auf gar keinen Fall. Also entsteht an den Preußen auch diese national-liberale Partei. Kurze Zeit später, die dann eben so die Liberalen sind, die sich dann eben von Bismarck hier haben gewissermaßen beeindrucken lassen oder verführen lassen mit seinen angeblichen direkt gewählten Parlamenten und dergleichen. Gleichzeitig aber gibt es eine Konvention mit dem Zaren, als dann nämlich in Polen, die Polen nochmal versuchen, irgendwie frei zu sein und frei zu werden und nicht mehr Teil des russischen Reiches zu sein. Und dann in Posen das auch langsam so ein bisschen mal kurz wieder aufbrodelt und dann machen der Zar nämlich und Preußen einen Vertrag und sagen, also wir kümmern uns gegenseitig darum und wenn wir da mal jemanden verfolgen müssen auf euer Staatsterritorium, das ist dann auch okay. Also wenn da irgendwelche komischen Russisch-Polen nach Posen fliehen, dann dürfen russische Soldaten hinterher reiten und die ein-cashen. Das kam natürlich dann wieder nicht so gut an, bei denen die noch so die alte Nationalgefühl von 1848 in sich fühlten. Als man ja einstmals auch für einen selbstständigen polnischen Staat gekämpft hat.
Solveig
00:57:21
Noch ist Polen nicht verloren.
Daniel
00:57:23
Eben. Das heißt, da hat er sich das dann gleich wieder verschenkt mit seinem Verzug. Da gibt es auch eine schöne Beschreibung dafür, das sei eigentlich die Ursünde der Reichseinigung dann später gewesen, dass die unter anderem auf Kosten der Polen erfolgt sei und die Liberalen dann letztlich das mitgemacht haben. So, aber wir müssen vielleicht nochmal eben zurück. Dieser erste sogenannte Einigungskrieg ist ja immer noch nicht gegen Österreich. Also das schwelt einfach nur im Hintergrund, sondern komischerweise... Da, wo es zum ersten Mal knallt, seit Wien, mal abgesehen von der Krim natürlich, also hier in unseren Breiten, war seit dem Wiener Kongress alles ruhig und alles wurde nur beim Bundestag ausgefochten, mit Hemdsärmelchen oder nicht. Und jetzt plötzlich versucht der König von Dänemark, Schleswig wieder zu einem Teil seines Staates zu machen. Er ist zwar der Herzog von Schleswig, aber das war ja eigentlich getrennt und irgendwie nervt es die Dänen, weil in Schleswig ja so viele Dänen leben. Die sagen, wir wollen aber Teil von Dänemark sein, also bitte nehmen doch mal Schleswig auf. Und dann entbrennt da wieder ein neuer Streit, der vorläufig geschlichtet wird in London. Schon 1852 unterzeichnen da alle Beteiligten ein Protokoll, das eben sagt, nein, es bleibt bei dieser Personalunion und es gehört der Krone Dänemark, ja. Und Christian der Neunte unterschreibt es dann auch und das heißt auch dann, es soll in diesem Haus bleiben und man sagt, ihr... Werde dauerhaft dort herrschen, aber bitte respektiert da diese Besonderheiten. Dann gibt es aber eben diese neue Gesamtstaatsverfassung für Dänemark und ignoriert einfach dieses Protokoll, was man da einstmals unterschrieben hat. Und das heißt, es gibt eben eine Bundesexekution gegen Schleswig-Holstein. Und die Hoffnung, die es dort in Schleswig-Holstein eigentlich gibt, ist, dass es, man macht das in so einer Erbfolgestreit quasi daraus und sagt, als dann der dänische König stirbt und da der Neue sagt, ich unterschreibe jetzt diese neue Verfassung und Schleswig ist ab sofort dauerhaft dänisch und einfach nur ein Teil unseres Landes, dann sagen die Schleswig-Holsteiner, nee, aber bei uns hat jemand anders geerbt. Nämlich der Herr aus Sonderburg-Augustenburg, der sogenannte Augustenburger Kandidat und wir machen jetzt mit dem weiter. Wir sind jetzt ein freies Herzogtum Schleswig und Holstein. Und der Deutsche Bund tatsächlich mit der Mehrheit der Stimmen beschließt die Bundesexekution gegen Holstein und Lauenburg, die nämlich Teil des Deutschen Bundes sind, im Sinne für den Augustenburger Thronprätendenten Friedrich VIII., so nennt er sich. Wird aber im Endeffekt nur in Schleswig-Holstein als solcher bezeichnet. Und Österreich und Preußen finden das irgendwie doof, weil die finden nicht, dass Schleswig und Holstein jetzt ein selbstständiger neuer Mittelstaat werden müssen mit einer neuen Dynastie, sondern eigentlich würden wir uns gerne selbst darum kümmern. Und das heißt, an dem Beschluss des Deutschen Bundes vorbei... Beschließen die einfach, wir marschieren los und kämpfen gegen Dänemark und befreien Schleswig-Holstein und machen dann mit denen, was wir für richtig halten. Und über diesen Krieg in Schleswig-Holstein müssen wir jetzt nicht in aller Ausführlichkeit sprechen. Das ist ziemlich schnell erledigt. Das Einzige, was die Preußen stört, ist, dass irgendwie die Österreicher alle Siege für sich einheimsen. Ja, die sind da echt unter Druck gesetzt und sagen, so lasst uns doch bitte noch was übrig.
Solveig
01:00:30
Ich möchte auch mal gewinnen.
Daniel
01:00:31
Und das, was dann in Preußen nachher groß gefeiert wird, ist halt der Sturm auf die Düppler-Schanzen.
Solveig
01:00:36
Haben wir doch besprochen.
Daniel
01:00:37
Das haben wir nicht besprochen.
Solveig
01:00:38
Die Düppeler Schanzen haben wir aber in gar keinen Fall besprochen.
Daniel
01:00:41
Wir haben ja den Flur von Paulskirche nur über den Krieg von 1848 gesprochen. Da gab es vielleicht auch schon Schanzen in Düppel und das Daneberg. Aber da wurde Friedrich Wilhelm ja mehr oder weniger zurückgepfiffen von den Großmächten. Die sind aber hier alle so abgelenkt, dass sie sich da gerade nicht drum kümmern können. Die haben teilweise ihre eigenen Probleme zu Hause, zum Beispiel die Engländer. Das spielt dann später nochmal eine Rolle. Sind da eher mit sich selbst beschäftigt, beziehungsweise sagen, wenn die Preußen und die Österreicher das irgendwie unter sich ausgeregelt kriegen, bitteschön. Weil die sagen natürlich, sie kämpfen für das Londoner-Protokoll, um diese Regelung von damals zu erhalten. Da kann die Londoner natürlich schlecht sagen, ja, lass das bitte. Unter ihrem Protektorat, so geregelt worden. Also das ist dann irgendwann schnell erledigt und danach läuft eigentlich alles auf eine gütliche Einigung hinaus. Wie gesagt, die Interessenssphären. Ihr macht Schleswig, wir machen Holstein. Ihr dürft ein paar Schiffe da in Kiel unterbringen. Also eigentlich scheint irgendwie alles gut zu sein. Aber gleichzeitig kriegen die das in der Zeit nicht hin, zwischen Österreich und Preußen den eigentlich erwünschten Handelsvertrag irgendwie abzuschließen. Dann ist die Stimmung wieder ein bisschen schlechter. Österreich denkt sich dann doch, ach vielleicht ist der Augustenburger ja doch nicht so schlecht, weil eigentlich, was sollen wir hier eigentlich in Holstein? Das ist eben doch recht weit weg von unseren Erblanden. Hier gibt es gar nichts. Wäre aber auch doof, das jetzt einfach den Preußen zu geben. Also vielleicht können wir es doch den Augustenburger da machen lassen. Oder vielleicht könnten wir Gebiete tauschen. Die Hohen und Zollern geben uns ein bisschen was von Schlesien zurück und dafür können sie dann ganz Schleswig-Holstein behalten. Wie wäre das denn eigentlich? Und Bismarck sagt, also Entschuldigung, das geht auf gar keinen Fall, aber wir könnten es euch ja vielleicht abkaufen. Und da sagt Franz Josef, also Land abkaufen ist irgendwie ein bisschen unehrenhaft. Wo kommen wir denn da hin? Tauschen ist natürlich viel besser. Tauschen mit Schleswig-Holstein. Aber abkaufen ist ganz unehrenhaft.
Solveig
01:02:26
Adel arbeitet nicht mit Geld. Das ist so merkantil.
Daniel
01:02:29
Ja, dabei hätten sie das dringend nötig gehabt, weil nämlich Österreich straight in einem Staatsbankrott unterwegs ist, insbesondere seit man da in Italien Probleme hatte und von Schleswig-Holstein kann man jetzt auch nicht so viel erwarten. Also eigentlich, ich hätte es genommen und mir das ordentlich versilbern lassen, da das Holstein und damit erstmal meinen Haushalt irgendwie saniert. Nein, die Stimmung ist mittlerweile so schlecht und irgendwie spüren alle schon so diese schlechten Vibes, dass da diese andere Frage, die man jetzt mal kurz begraben hatte unter dem gemeinsamen Kriegszug gegen Schleswig-Holst oder gegen Dänemark vielmehr, doch vielleicht wieder aufscheint und Wien eigentlich schon anfängt auszurechnen, was denn vielleicht so ein Krieg gegen Preußen kosten könnte. Beziehungsweise, wenn man den dann gewinnt, weil was soll Preußen schon gegen Österreich ausrichten können, wie viel Reparationszahlung man erwarten könnte, um dann damit vielleicht den eigenen Haushalt sanieren zu können. Und das heißt, es dauert nicht so lange. Schon im Sommer 65, ein Jahr, nachdem man noch gemeinsam da oben unterwegs war. Suchen die jetzt Geld zur Vorbereitung ihrer... Künftigen Mobilisierung. Und da haben die Österreicher natürlich deutlich größere Probleme. Jemanden zu finden, der ihnen Geld gibt, wohl wissend, dass die eigentlich nichts mehr haben. Während die Preußen dann ziemlich schnell irgendwie ein paar Anleihen zusammenkriegen. Also es gibt auch so ein bisschen Kampf, wenn die Preußen hören, die Österreicher verhandeln mit dieser Bank gerade, dann sagen die Preußen, wir hätten übrigens auch gerne Geld und wir können uns das auch leisten, wieder zurückzuzahlen. Dann sagt die Bank ja bitteschön. Und die Österreicher gucken dann so ein paar Mal irgendwie in die Röhre, weil auch das Geld weg ist. Das heißt, im Sommer 65 ist Preußen schon durchfinanziert für den noch nicht beschlossenen, aber doch irgendwie offenbar kommenden Krieg, während die Österreicher immer noch auf der Suche sind. Und gleichzeitig gibt es eine Teilungsvereinbarung, die man dann unterzeichnet in Bad Gastein im August 65, dass man eben sagt, okay, Holstein geht jetzt an Österreich, Schleswig eben an Preußen. Aber Kiel, eigentlich ist das österreichisches Territorium, aber da hatten die Preußen vorher schon so Militärschiffe geparkt und sagen, nee, nee, aber Kiel behalten wir schon. und dann natürlich auch noch ein bisschen Sicherheitsabstand drumherum. Also die haben da schon auch wieder einen Fuß drin. Und außerdem brauchen wir Militärstraßen, damit wir dann nach Schleswig kommen. Also es gehen dann durch Holstein, durch das österreichische Territorium, auch noch mehrere preußische Militärstraßen. Und sie kaufen Launburg ab.
Solveig
01:04:54
Und das geht dann doch?
Daniel
01:04:55
Dann geht es dann doch.
Solveig
01:04:55
Städte dürfen kaufen.
Daniel
01:04:57
Also es ist ja auch ein Territorium, ein Mini-Territorium da oben im Norden, kostete 2,5 Millionen Taler. Aber sie scheinen eben doch nicht zufrieden zu sein. Mit dem Ganzen. Und deswegen, ja, Österreich mittlerweile muss sogar in Frankreich vorstellig werden, dem alten Kriegsgegner. Und französische Banken sagen dann irgendwann gegen entsprechend hohe Zinszahlungen, ja, 90 Millionen Euro. Könnt ihr von uns kriegen. Und im November 65 ist der Deal durch. Und gleichzeitig sagt Österreich, ja diese Augustenburger, das war doch eben gar nicht so schlechte Idee eigentlich. Und es gibt damals Demonstrationen für den angeblichen Herzog von Schleswig-Holstein aus dem Hause Augustenburg. In Holstein im Januar 66 gehen da Menschen auf die Straße und die Preußen sehen das von Schleswig aus und von Berlin aus. und sagen, wie kann denn das sein, dass da so eine nationalistische Demo bei euch in Holstein stattfindet und ihr macht nichts dagegen. Und dann sagen die Österreicher nur, ja, aber ihr wollt doch diese liberale Politik da letztens durchsetzen und jetzt beschwert ihr euch bei uns? Was soll denn das? Also schon auch eine gezielte Provokation an die preußische Seite. Und im Februar daraufhin beschließt der Kronrat in Berlin, wir müssen jetzt nochmal Vorbereitungen treffen. Offenbar wollen die, dass das Ganze eskaliert. während Österreich tatsächlich auch schon Truppen nach Böhmen entsendet. Und Herr Moltke reist dann im April kurz nach Italien, um klarzumachen, wie wäre es denn, Leute, ihr habt ja immer noch nicht alles bekommen, was ihr haben wolltet. Venezien ist ja immer noch Österreich, also wir hätten kein Problem damit, wenn das Italien wird. Und könntet ihr nicht bitte Österreich angreifen, wenn wir dann von oben kommen? Und da sagen die Italiener, wir wollten euch gerade genau darum bitten. Perfektes Match.
Solveig
01:06:40
Ja, das gleich war.
Daniel
01:06:41
Lass uns diesen Deal machen. Dann machen die ein befristetes Geheimbündnis. Und die Italiener fangen dann auch sofort an, mobil zu machen. Und dann die Österreicher natürlich auch. Und dann sagt Preußen, ja, also wenn die jetzt hier alle loslegen, wir dürfen nicht die Letzten sein. Und auch Preußen mobilisiert. Und das heißt, dass jetzt die große Entscheidungsschlacht womöglich über Deutschlands Schicksal passiert. Bevor steht. Aber da wir jetzt schon so lange miteinander gesprochen haben, würde ich sagen, wir teilen diese Folge nochmal wieder in alter bewährter Tradition. Denn es gibt auch viele, die gesagt haben, unsere Mehrteiler finden sie besonders schön. Und nachdem diese Vorgeschichte zu dieser Entscheidung, die uns jetzt bevor steht, doch etwas länger wieder geworden ist, möchte ich gerne mir nochmal Zeit nehmen und dir irgendwas mit Bismarck in die Verlängerung gehen zu lassen und darüber hinaus euch einzuladen, dieses und vielleicht auch andere Themen mal vor Ort anzuschauen im Deutschen Historischen Museum in der Ausstellung Roads Not Taken oder es hätte auch anders kommen können. Das könnt ihr natürlich immer alleine, wann immer ihr wollt tun. Noch bis zum 22. März läuft diese große Schau. Aber wir dachten uns, vielleicht ist es ja auch viel schöner, wenn wir das einfach mal gemeinsam tun. Und zwar habe ich mir einen Tag ausgeguckt und zwar den 15. März. Es ist ein Sonntag und ich denke 15 Uhr wäre vielleicht eine gute Zeit, um gemeinsam ins Museum zu gehen. Und natürlich vor allem, fänden wir es einfach ganz toll, euch vielleicht mal kennenzulernen oder einige von euch. Bitte kommt nicht alle auf einmal, das wäre vielleicht dann doch ein wenig viel, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir so vielleicht 30 Leute gemeinsam mitnehmen könnten in die Ausstellung und ich mache eine kurze Führung, wohl auch eine längere Führung womöglich, 1866 und vielleicht auch 1848, ich denke, da komme ich nicht dran vorbei. Das müsst ihr dann mitnehmen, also das wäre ganz toll, wir würden uns sehr freuen, wenn ihr Lust hättet, uns kennenzulernen. Mal in echt zu treffen und gemeinsam noch dieses Thema in der Ausstellung anzuschauen. Also 15. März, 15 Uhr ist der Termin, den wir euch dafür anbieten. Und um sicherzugehen, dass jetzt nicht doch tausende Menschen plötzlich da vor der Tür stehen, bitten wir euch aber, uns das zu sagen, wenn ihr dann kommen möchtet. Also schreibt doch dann bitte am besten eine E-Mail. Ich habe jetzt kein Abfrageportal eingerichtet. Wir gucken jetzt einfach mal, wie das kommt, wie groß der Zuspruch ist. Schreibt uns bitte eine E-Mail an kontakt.de. Flurfunk-geschichte.de Die steht natürlich auch in den Shownotes, da müsst ihr dann nur draufklicken und sagen, ich bin dabei. 15. März werden wir dann euch erwarten und vielleicht kommen ja Corinne oder Katrin oder Katrin ohne Haar oder Jan oder Hermann oder Julia, die uns in letzter Zeit bei Steady neu unterstützen wollten und es weiterhin tun. Genauso wie Christina, Steffi, Kofi, Sophie, Christoph, Tobias, Beate, Sarah Solveig, Charlotte, Noemi, Henrike, Stefan, Aisha, Isabella, Silvia, Emma, Maike, Marte, Jojo, Cornelia, Anne, Vera, Dennis, Eva, Roland, Karolin, Matthias, Kerstin. Außerdem auch Bettina, Klaus, Sascha, Vivien, Florian, Philipp, Claudia, Nina, Michael, Ann-Christin, Michaela, Sandra, Christine, Monika, Teresa, Stefan, Thomas, Bernhard, Heike, Daniel, Elke, Anja, Stefan, Sabine, Genuf, Eva, Tom, Daniel, Tino, Monika, Mika und Alexandra. Alexandra, vielen, vielen, vielen Dank dafür. Und wir wünschen euch und natürlich euch allen, die ihr vielleicht neu dazugekommen seid bei dieser Folge, weil ihr irgendwas mit Bismarck interessant fandet, nochmal ein frohes neues Jahr. Und ihr werdet dann in Kürze, es wird nicht einen Monat dauern, ihr habt jetzt sowieso schon so lange warten müssen, bis wir dieses neue Jahr einleiten, werdet ihr in Kürze auch Teil 2 dazu hören. Und dann sehen wir, wie Deutschlands Schicksal sich entwickelt. Und der Schmied des Reiches oder der Schweinehirte, je nachdem wie ihr ihn betiteln möchtet, sich dann weiterhin macht und was dann am Ende dabei rumkommt. Bis dahin, macht's gut, bis bald.
Solveig
01:11:02
Tschüss.
Daniel
01:11:02
Ciao. Wie bist denn du heute so textlos?
Solveig
01:11:08
Weil ich heute nicht dran bin.
Daniel
01:11:11
Ich fühle mich so gestresst.
Solveig
01:11:12
Völlig entspannt. Ganz gelassen.
Daniel
01:11:17
Du bist überhaupt nicht gewöhnt normalerweise. Kommst du und packst deine Zettel aus. Und dann bin ich ganz gespannt.
Solveig
01:11:24
Heute bin ich ganz gespannt.