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Dein Geschichtspodcast mit Daniel und Solveig

FG066 - Heinrich Schliemann - Mit Dynamit nach Troja

12.03.2026 85 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge beschäftigen wir uns mit einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren der Archäologiegeschichte: Heinrich Schliemann. Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Suche nach dem historischen Troja – und mit spektakulären Grabungen, die ihm Ruhm, aber auch viel Kritik einbrachten. Wir sprechen über seinen ungewöhnlichen Lebensweg im 19. Jahrhundert, seine Begeisterung für antike Dichtung und darüber, wie aus dieser Leidenschaft eine der berühmtesten archäologischen Unternehmungen der Geschichte wurde.

Der ungewöhnliche Weg von Heinrich Schliemann

Zu Beginn der Folge schauen wir uns an, wie der Lebensweg von Heinrich Schliemann überhaupt zur Archäologie führte. Anders als viele Wissenschaftler seiner Zeit begann er seine Karriere nicht an einer Universität, sondern im Handel. Schliemann arbeitete zunächst als Kaufmann und war in verschiedenen Ländern erfolgreich. Durch seine Geschäfte gelang es ihm, ein beträchtliches Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig entwickelte er eine außergewöhnliche Begabung für Sprachen und brachte sich zahlreiche Fremdsprachen selbst bei. Diese internationale Erfahrung und seine finanzielle Unabhängigkeit ermöglichten es ihm später, sich ganz seiner neuen Leidenschaft zu widmen: der Suche nach den Schauplätzen der antiken Epen.

Die Faszination für Homer und die Welt der Ilias

Ein entscheidender Ausgangspunkt für Schliemanns archäologische Ambitionen waren die Werke des Dichters Homer. Besonders das Epos Ilias prägte seine Vorstellung von der antiken Welt. Während viele Gelehrte des 19. Jahrhunderts die Geschichten aus der Ilias vor allem als Mythologie betrachteten, war Schliemann überzeugt, dass sich hinter den Erzählungen reale historische Ereignisse verbergen könnten. Für ihn waren die Beschreibungen der Stadt Troja, des Trojanischen Krieges und der darin auftretenden Figuren nicht nur dichterische Erfindung, sondern mögliche Hinweise auf reale Orte und vergangene Kulturen. Diese Überzeugung sollte zum Ausgangspunkt seiner Grabungen werden.

Die Suche nach Troja

Im Mittelpunkt der Folge steht Schliemanns entschiedene Suche nach der sagenhaften Stadt Troja. Schließlich begann er mit Ausgrabungen an einem Hügel in der heutigen Türkei: Hisarlık. Dieser Ort war bereits zuvor von anderen Forschern als möglicher Standort der antiken Stadt diskutiert worden. Schliemann ließ dort großflächig graben, weil er überzeugt war, dass sich unter dem Hügel die Überreste von Troja befinden müssten. Dabei gingen er und seine Arbeiter mit großer Geschwindigkeit vor. Um schneller zu den vermeintlich ältesten Schichten vorzudringen, ließ Schliemann große Teile des Hügels abtragen. In der Folge sprechen wir darüber, wie dieses Vorgehen später zu massiver Kritik führte, weil dabei wichtige archäologische Schichten zerstört wurden. Die drastischen Methoden brachten ihm den Ruf ein, sich gewissermaßen „mit Dynamit nach Troja“ gegraben zu haben.


Der spektakuläre Fund des Schatzes des Priamos

Einer der bekanntesten Momente in Schliemanns Grabungen war der Fund eines Goldschatzes, den er mit dem trojanischen König Priamos in Verbindung brachte. Der Schatz bestand aus zahlreichen goldenen und wertvollen Objekten und machte Schliemann schlagartig weltberühmt. In der Folge sprechen wir auch darüber, wie Schliemann diesen Fund präsentierte und welche Rolle dabei seine Frau Sophia Schliemann spielte. Berühmt wurde ein Foto, auf dem sie den Schmuck trägt, der angeblich aus dem Schatz des Priamos stammt. Der Fund sorgte weltweit für Aufmerksamkeit, löste jedoch gleichzeitig auch Diskussionen über Datierung, Fundumstände und den Umgang mit den Artefakten aus. Mehr darüber erzählen wir in unserer NACHKLAPP-Folge für alle Unterstützer*innen auf Steady.

Weitere Ausgrabungen in Mykene

Schliemanns Interesse beschränkte sich nicht nur auf Troja. Wir sprechen auch über seine späteren Ausgrabungen in der antiken Stadt Mykene. Dort entdeckte er mehrere reich ausgestattete Gräber mit wertvollen Beigaben. Besonders bekannt wurde eine goldene Totenmaske, die Schliemann mit dem legendären Herrscher Agamemnon in Verbindung brachte. Auch hier zeigt sich, wie stark Schliemanns Interpretation der Funde von den homerischen Erzählungen geprägt war. Seine Ausgrabungen in Mykene trugen maßgeblich dazu bei, die bronzezeitlichen Kulturen Griechenlands stärker ins Blickfeld der Forschung zu rücken.

Zwischen Genie und Kritik

Zum Ende der Folge werfen wir einen Blick auf Schliemanns Vermächtnis. Einerseits trugen seine Grabungen entscheidend dazu bei, das öffentliche Interesse an der Archäologie zu wecken. Seine Entdeckungen machten die Welt der bronzezeitlichen Kulturen der Ägäis international bekannt. Gleichzeitig wird seine Arbeit bis heute kritisch betrachtet. Viele seiner Grabungsmethoden gelten aus heutiger Sicht als problematisch, weil durch das schnelle und teilweise zerstörerische Vorgehen wichtige archäologische Informationen verloren gingen. Trotz dieser Kritik bleibt Heinrich Schliemann eine zentrale Figur der Archäologiegeschichte – ein Mann, der mit großer Leidenschaft versuchte, die Welt der homerischen Epen mit der archäologischen Realität zu verbinden.

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Transkript

Manchmal muss man sich den Weg einfach freisprengen, Solveig. Durch den byzantinischen Kram hin zu den wahren antiken Schätzen.
Solveig
00:00:08
So, so.
Daniel
00:00:33
Hallo Solveig.
Solveig
00:00:34
Hallo Daniel.
Daniel
00:00:35
Ich bin sehr gespannt auf die heutige Folge, denn sie hat uns das Motto gegeben, unter das wir das ganze Jahr gestellt haben, die Männer mit Sprengkraft. Und ich glaube, heute geht es um die einzige Person, die im wahrsten Sinne des Wortes Sprengungen ausgelöst hat. Und das nicht im übertragenen Sinne, sondern mit Dynamit.
Solveig
00:00:53
Zumindest sagt man das ihm nach.
Daniel
00:00:56
Ach, es ist nur ein Gerücht?
Solveig
00:00:57
Nein, es ist kein Gerücht. Er selbst hat es nie gesagt, aber man kann das an den Grabungen erkennen.
Daniel
00:01:03
Ah ja, okay. Das klingt auf jeden Fall vielversprechend, aber bevor wir in das Thema einsteigen, erstmal herzlich willkommen euch allen und insbesondere denen, die vielleicht zum ersten Mal Flurfunkgeschichte hören, weil sie sich interessieren für die Person, deren Name wahrscheinlich in dem Titel auch vorkommen wird oder für die antiken Städten, die sie da freigesprengt hat. Und insbesondere begrüßen wir Lydia, David und Timo, die sich seit Hermann entschlossen haben, uns nicht nur zu hören und zu liken, sondern tatsächlich auch finanziell zu unterstützen. Vielen Dank an euch und alle anderen, die das regelmäßig tun und diesen Podcast hier möglich machen und insbesondere natürlich Solveigs Nebenprojekt, das auf unserem YouTube-Kanal mittlerweile online ist. Und leider wissen wir immer noch nicht, wie viele Klicks, Kommentare und dergleichen dort eingegangen sind, denn Solveig war einfach mal wieder wahnsinnig schnell fertig mit ihrem nächsten Skript. Sodass wir diese Folge viel schneller aufnehmen, als wir es ursprünglich geplant hatten. Und deswegen wissen wir auch nicht, falls noch andere Personen vielleicht mittlerweile bei Steady dazugekommen sind. Auch euch werden wir natürlich Danke sagen dann beim nächsten Mal. Und jetzt bin ich aber sehr gespannt. Natürlich, ich bin wieder in der schwierigen Lage, dass es wahrscheinlich um Griechen geht und antike Mythologie, wo ich mich so gar nicht ausruhe. Kenne, aber dafür wahrscheinlich heute auch wieder einiges lernen kann von dir.
Solveig
00:02:32
Nö, also wir werden uns heute sehr wenig mit Griechen beschäftigen. Wir werden vollständig im 19. Jahrhundert bleiben.
Daniel
00:02:37
Ach so, okay.
Solveig
00:02:38
Es geht ja um Heinrich Schliemann.
Daniel
00:02:40
Okay, aber ich dachte natürlich an Troja, aber im Prinzip diese Geschichte haben wir auch schon mal erzählt. Oder du hast sie schon mal erzählt in einer Extrafolge, die glaube ich als Kurzfolge gebrandet ist, aber dann auch eine Stunde dauert. Und du hattest mal diese Idee, dass wir so 15 Minuten Kurzfolgen machen und es hat irgendwie nicht geklappt. Sie wurden dann doch trotzdem immer wieder länger.
Solveig
00:02:59
Das Konzept haben wir sehr schnell verworfen, weil ich einfach nicht kurz kann. Also ich nehme mir vor, ich mache es schnell und dann dauert es doch anderthalb Stunden. Also es geht halt einfach nicht anders.
Daniel
00:03:06
Was immer noch nicht reicht für viele, die eine längere Bahnfahrt unternehmen müssen. Also macht ihr keinen Stress. Und 19. Jahrhundert bin ich natürlich voll dabei. Insofern, lass uns das in aller Ausführlichkeit angehen. Also die Lunte an der Sprengladung darf ruhig etwas länger sein und lange vor sich hin zündeln. Oder gehst du gleich in den großen Knall hinein?
Solveig
00:03:29
Nein, nein, nein. Es geht ja um Heinrich Schliemann. Also fangen wir auch mit ihm. Seiner Geburt im Grunde an. Und wir bewegen uns mit ihm zusammen quasi auf seinem langen Weg nach Troja. Ich weiß nicht, ob man das vielleicht zum Einstieg nochmal sagen sollte. Vielleicht auch so ein bisschen, wo ich auch herkomme mit Heinrich Schliemann. Es hat ja vor einigen Jahren, wann war das? Vier Jahre ist es mittlerweile her. Oh Gott, das sind vier Jahre. Hat es eine große Ausstellung gegeben vom Museum für Vor- und Frühgeschichte hier in Berlin. In der James-Simon-Galerie und im Neuen Museum. Das war zweigeteilt diese Ausstellung. Und für diese Ausstellung bin ich damals als Freiberuflerin auch ans Neue Museum gekommen und an die James-Siemann-Galerie. Das heißt, ich habe in der Schliemann-Ausstellung Führungen gegeben.
Daniel
00:04:15
Im Nachklapp letztes Mal hast du auch verraten, dass da deine Beschäftigung mit Hermann und den Germanen sogar einen Anteil hatte.
Solveig
00:04:21
Genau, ich wurde, man sah meine Arbeit zu Hermann und sagte, hey, dich möchten wir für Schliemann haben. Und so habe ich dann tatsächlich insgesamt zwei Jahre, war ich freiberuflich für die SMB tätig, was im Nachhinein doch nicht so schön war. Für die Staatlichen Museen Berlin. Genau, Staatlichen Museen Berlin. Und es war eine sehr schöne Zeit im Nachhinein, wenn man so drüber nachdenkt. Es waren auf jeden Fall sehr, sehr schöne Häuser, in denen ich arbeiten konnte.
Daniel
00:04:42
Man neigt ja zur Verklärung.
Solveig
00:04:44
Ja, aber ich war also, sagen wir es mal so, die Häuser und die Ausstellung waren sehr, sehr schön. Andere Dinge waren nicht ganz so schön.
Daniel
00:04:51
Ja, Freiberuflichkeit ist aber auch anstrengend.
Solveig
00:04:53
Genau, das war vor allem der Faktor. Und auf jeden Fall auch die Ausstellung war sehr, sehr gut. Und in dem Gedanken an dieser Ausstellung, das nochmal so ein bisschen zu reminiszieren, wird jetzt wahrscheinlich auch nochmal viel hochkommen. Und in der Ausstellung ging es eben auch mit Schliemanns Jugend los. Sie wurde damals wunderbar gespielt von Katharina Thalbach. Sie hat ja mittlerweile so einen neuen Karriereweg für sich aufgemacht, indem sie alte, grantige Männer darstellt.
Daniel
00:05:20
Friedrich den Großen kann ich mich daran erinnern.
Solveig
00:05:21
Genau, Friedrich der Große und jetzt war es eben Schliemann. Das hat sie sehr schön gemacht. Und ich habe so nochmal so ein paar Zitate auch aus der Biografie von Schliemann, die er ausgesucht. Er selbst angefangen hat zu schreiben, er ist dann drüber verstorben und seine Frau hat sie dann fertiggestellt. Und als ich ein paar Zitate rausgesucht hatte, hatte ich auch immer noch Katharina Thalmausstimme im Kopf, die das sehr schön präsentiert hat. Also das so ein bisschen zu Heinrich Schliemann und seiner Bewertung vielleicht auch hier in Berlin oder seine Würdigung hier in Berlin. Wie gesagt, diese große Ausstellung, das war sein 200. Geburtstag. Dafür gab es dann diese Jubiläumsausstellung. Deswegen gehen wir jetzt auch in das Jahr 1822, denn das ist ja sein Geburtsjahr.
Daniel
00:06:05
Ja, offensichtlich.
Solveig
00:06:07
Und der Werte, Herr Schliemann, ist in Neubuko geboren, aber in Ankershagen aufgewachsen.
Daniel
00:06:13
Wo sind diese Orte?
Solveig
00:06:15
In Mecklenburg-Vorpommern. Ich habe es noch mal nachgeguckt. Mit dem Zug sind es ungefähr drei Stunden von Berlin. Es ist schon weit im Norden von Mecklenburg, beziehungsweise wahrscheinlich mittig von Mecklenburg. Aber für uns gesehen weit im Norden.
Daniel
00:06:29
Die Frage ist ja eher, ob sich das lohnt, für uns einen Ausflug mal dorthin zu machen, so wie das bei Herrn Winkelmann in Stendal durchaus lohnenswert ist. Oder haben Sie da kein Museum in seinem Geburtsort?
Solveig
00:06:40
Doch, also in Ankershagen gibt es das Schliemann-Museum. Müsste man mal gucken, wie weit sich das lohnt. Er war ja nicht so lange in Ankershagen. Er war das fünfte von neun Kindern.
Daniel
00:06:50
Wow.
Solveig
00:06:50
Und es ist nicht so ganz so klar. In seiner Biografie kommt das nicht so durch. Er ist da sehr zurückhaltend, was sein Elternhaus angeht. Es gibt aber so gewisse Korrespondenzen unter den Geschwistern auch und mit anderen, die dann doch darauf hinweisen, dass der Vater vor allem sehr gewalttätig war und das Geld auch nicht unbedingt, also das Geld war recht knapp scheinbar, weshalb diese Kindheit auch ein bisschen schwierig gewesen ist. Er selbst schreibt in seiner Autobiografie über seine Zeit als Kind und vor allem über dieses Leben in Ankershagen, habe ich dir einmal einen Auszug mitgebracht. Das fand ich sehr bezeichnend, was er da zu erzählen weiß über seine Kindheit.
Daniel
00:07:30
In diesem Dorfe verbrachte ich die acht folgenden Jahre meines Lebens. Und die in meiner Natur begründete Neigung für alles Geheimnisvolle und Wunderbare wurde durch die Wunder, welche jener Ort enthielt, zu einer wahren Leidenschaft entflammt. Dicht hinter unserem Garten befand sich ein kleiner Teich, das sogenannte Silberschälchen, dem um Mitternacht eine gespenstische Jungfrau, die eine silberne Schale trug, entsteigen sollte. Außerdem hatte das Dorf einen kleinen, von einem Graben umzogenen Hügel aufzuweisen, Wahrscheinlich ein Grab aus heidnischer Vorzeit, ein sogenanntes Hühnengrab, in dem der Sage nach ein alter Raubritter sein Lieblingskind in einer solchen Wiege begraben hatte. Ungeheure Schätze aber sollten neben den Ruinen eines alten, runden Turmes in dem Garten des Gutseigentümers verborgen liegen. Oh, da hat er bestimmt dann schon mal nachgeguckt heimlich.
Solveig
00:08:19
Das weiß ich nicht, aber man merkt auf jeden Fall, er ist ein Kind der Romantik. Er ist ja in den 1820ern Kind und da ist natürlich diese Geschichten von dem Versteckten und den Feen und den Geistern natürlich groß.
Daniel
00:08:32
Von den Schätzen.
Solveig
00:08:33
Von den Schätzen und von den verborgenen mystischen Geschichten. Also ich finde, da merkt man schon richtig, wo er herkommt und wo er auch hin möchte, was ihn so reizt. Und er hat dann, zumindest so erzählt er uns das in seiner Autobiografie, die, wie gesagt, er sehr spät in seinem Leben angefangen hat zu schreiben, dass er 1829 zu Weihnachten ein Kinderbuch im Grunde bekommen hat, nämlich Weltgeschichte für Kinder. Und in dieser Weltgeschichte für Kinder war auch die Geschichte Trojas erzählt oder vom Trojanischen Krieg. Und es war so scheinbar eine Zeichnung drin von dieser brennenden Stadt. Und da erzählt er uns dann.
Daniel
00:09:12
Vater, du hast dich geirrt. Jener muss Troja gesehen haben. Er hätte es ja sonst hier nicht abbilden können. Mein Sohn, antwortete er, das ist nur ein erfundenes Bild. Aber auf meine Frage, ob dann das alte Troja einst wirklich so starke Mauern gehabt habe, wie die auf jenem Bilde dargestellt waren, bejahte er dies. Vater, sagte ich darauf, wenn solche Mauern einmal da gewesen sind, so können sie nicht ganz vernichtet sein, sondern sind wohl unter dem Staub und Schutt von Jahrhunderten verborgen. Nun behauptete er wohl das Gegenteil, aber ich blieb fest bei meiner Ansicht und endlich kamen wir überein, dass sich der einst Troja ausgraben sollte. Oh Gott, ist das süß. Hatte seinem Vater ein Versprechen gegeben.
Solveig
00:09:56
Sieben Jahre wusste er Bescheid, dass er es einst finden wird. Jetzt kann man natürlich darüber nachdenken, wie realistisch diese Geschichte ist, ob er das wirklich schon mit sieben Jahren gewusst hat. Man weiß es nicht, was in so Kinderköpfen vor sich geht, aber Schliemann hat gerne nicht unbedingt gelogen. Das ist ein bisschen zu hart, aber die Wahrheit ein bisschen schöner erzählt als sie.
Daniel
00:10:19
Na gut, das machen wir doch alle manchmal.
Solveig
00:10:21
Das machen wir alle manchmal, deswegen überlegen wir, es ist jetzt so die Frage, wie weit er sich hier vielleicht auch so ein bisschen inszeniert, so eine schicksalhafte Berufung vielleicht auch machen möchte, die er als Kind schon erfahren hat. Es wird noch ein bisschen dauern, bis er wirklich nach Troja das erste Mal kommen wird, denn zunächst einmal wird seine Mutter sterben und zwar während der Geburt des neunten Kindes und er wird. Jetzt hat der Vater sich gedacht, naja, also mit der Frau, also mit der Ehefrau hat er sich auch irgendwie Schwierigkeiten gehabt und sich nicht so gut mit der verstanden. Deswegen hatte er parallel schon eine Beziehung zu einer anderen Dame, mit der er sich besser verstanden hat. Und die holte er jetzt zu sich ins Haus, um jetzt nicht unbedingt in Ehe miteinander zu leben, sondern einfach dieser Beziehung da schneller habhaft zu werden. Jetzt ist leider Schliemanns Vater Pfarrer gewesen und der Gemeinde vor Ort hat es nicht so gefallen, also dass er nebenbei noch eine Geliebte hatte, das hat man stillschweigend ertragen.
Daniel
00:11:23
Aber die hat doch bestimmt nur das Haus sauber gehalten und so und sich um die Kinder gekümmert. Das war doch gar keine Beziehung.
Solveig
00:11:31
Also das hat man anders gesehen in Angershagen. Denn man hat tatsächlich ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn in Kraft getreten lassen oder begonnen, weil die Gemeinde sagte, das sind nicht die Werte, die wir vertreten als Gemeinde.
Daniel
00:11:43
Warum hat er sich einfach geheiratet? Das geht doch, wenn man da so evangelischer Pfarrer ist und Kinder hat.
Solveig
00:11:48
Das weiß ich doch nicht. Musst du Herrn Schlemann fragen. Auf jeden Fall hatte er rechtliche Schwierigkeiten und man hat dann die Kinder zu anderen Verwandten gegeben. Und auch Schliemann wird dann von seinem Onkel, glaube ich, großgezogen und wird dann auch nach Neustrelitz aufs Gymnasium geschickt, um dem Jungen eine Ausbildung zu ermöglichen. Aber weil der Vater ja mit seinem Amtsenthebungsverfahren zu tun hat und jetzt auch kein gesichertes Einkommen mehr hat, muss er tatsächlich recht schnell auch von diesem Gymnasium wieder runter, weil sie sich das Schulgeld nicht leisten können. Und stattdessen macht er dann eine Lehre und lässt sich dann in der benachbarten Gegend einmal zu so einem Handelsgehilfen ausbilden. Und entscheidet sich dann 1841, also mit 19, hier, das hat halt keinen Sinn in Mecklenburg, wir gehen woanders hin. Und er entscheidet sich dazu, nach Venezuela auszuwandern.
Daniel
00:12:39
Wow, das ist halt wirklich, ja, das würde mir auch als erstes einfallen.
Solveig
00:12:43
Genau, also da denkt er sich, ich gehe woanders hin. Jetzt ist natürlich die Frage, warum Venezuela?
Daniel
00:12:50
Warum nicht Brasilien?
Solveig
00:12:52
Ja, oder warum vielleicht nicht erst mal Berlin oder so. Und das hat damit zu tun, 1811 ist Venezuela unabhängig geworden von Spanien, war spanische Kolonie, jetzt ist man eigenständig. Aber tatsächlich schon während der ersten Kolonisationsphase im 16. Jahrhundert sind die, in Anführungszeichen, Deutsche nach Venezuela gegangen und haben dort so eine deutsche Enklave begründet. Und das ist von Karl V. Ermöglicht worden. Der hat nämlich einer Augsburger Handelsfamilie, der Welser, dort Gebiet gegeben. Denn die hatten ihm Geld gegeben, um seine Kaiserwahl durchzusetzen. Und er hatte jetzt natürlich nicht unbedingt das Geld, um es zurückzugeben, war. Also hat er gesagt, ja, hier in der neuen Welt könnt ihr Land haben. Und dieses Land wurde dann auch Klein Venedig genannt. Und da soll sich irgendwie auch der Name Venezuela her ableiten.
Daniel
00:13:51
Ach, okay.
Solveig
00:13:52
Und das heißt also, seit dem 16. Jahrhundert gibt es so deutschstämmige Venezuelesen. Ist das richtig?
Daniel
00:14:01
Venezuelaner.
Solveig
00:14:02
Venezuelaner. Und wahrscheinlich dadurch, dass es dort eben diese Siedlungstraditionen gibt, wandern tatsächlich vor allem in den 1840ern einige Deutsche aus nach Venezuela. Wahrscheinlich so ein bisschen wie die 48er, die dann in die USA ausgewandert sind, gibt es dann eben auch welche, die nach Venezuela auswandern. Und dort wird dann die Colonia do Tovar gegründet. Das ist nicht die Colonia Dignitat.
Daniel
00:14:28
Nee, offensichtlich nicht.
Solveig
00:14:30
Die ist anderswo, die sind Chile und auch später. Und diese Colonia Tovar gibt es scheinbar heute noch. Und ich habe da so ein bisschen mal bei YouTube reingeguckt. Die haben da tatsächlich so Schwarzwaldhäuser hingestellt. Und das heißt, es gibt dann da so ganz viele Touri, also ganz viel ist jetzt vielleicht übertrieben, aber es gibt eben so Touri-Videos bei YouTube. Wir fahren jetzt in die deutsche Siedlung in Venezuela. Und da wollte Schliemann eben auch hin, wahrscheinlich in diese deutsche Enklave, deutschen Aussiedler, die dort dann in Venezuela sind. Nach Ölgraben oder so. Und da kommt er aber nicht an. Das wäre dann vielleicht jetzt auch eine sehr kurze Geschichte gewesen, wenn er wirklich in Venezuela angekommen wäre. Er ist dort Händler geworden und Ende. Er reist nach Hamburg und will von Hamburg aus mit dem Schiff Dorothea nach Venezuela reisen. Aber es ist ein großer Sturm und es dauert dann auch ein bisschen, die sind dann auch in Hamburg noch eine Weile, weil der Kapitän sagt, wir können nicht ablegen bei diesem Sturm. Irgendwann weiß ich nicht, ob er dann die Geduld verliert oder ob die Reisenden ihm dann auch Druck machen. Wir haben jetzt aber Termin und wir wollen jetzt auch los, sodass sie dann fahren und in diesem Sturm kentern sie tatsächlich. Also sie kommen so bis in die Niederlande rein, Tetzel oder so heißt diese Insel, an der niederländischen Küste und da kentert das Boot.
Daniel
00:15:47
Aha, war toll.
Solveig
00:15:50
Und Schliemann steht dann da, dieser Insel. Er meint dann, er hätte dann Gott sei Dank seinen Koffer retten können, wo seine ganzen Empfehlungsschreiben drin waren. Den hat er dann so an sich, klammert er dann an sich und meint so, okay, Venezuela soll es nicht sein.
Daniel
00:16:05
Amsterdam.
Solveig
00:16:06
Dann ist es Amsterdam.
Daniel
00:16:07
Okay.
Solveig
00:16:08
Und er schreibt, und da bei diesem Bericht über diesen Sturm merkt man dann eben auch, dass er es mit der Wahrheit vielleicht nicht so ganz hält, wenn die Geschichte besser erzählt werden kann. Weil es gibt so verschiedene Erzählungen durch sein Leben hindurch, wie er diesen Sturm erfährt. Und es wird immer schlimmer und wilder und er wird immer heroischer. Und dann denken sie so, hm, weiß ich jetzt nicht. Auf jeden Fall, es geht jetzt für ihn nach Amsterdam, wo man so denkt, das hättest auch am Anfang, warum nicht gleich nach Amsterdam, warum Venezuela, aber gut, vielleicht hat er irgendwen gekannt, der wen kannt und gesagt hat, hier ist ein Job für dich. Und in Amsterdam wird er dann recht schnell von einer Handelsgesellschaft zum Korrespondent und Buchhalter eingestellt. Also er ist dann so ein bisschen Assistent der Geschäftsleitung, Muss dann da mit den Leuten reden. Und was Schliemann ja ausmacht, neben dem, dass er Troja gefunden hat, müssen wir mal gucken, was er da genau gefunden hat, ist ja, dass er so viele Sprachen konnte. Also das zeichnet ihn auch aus. Er hat sehr, sehr viele Sprachen gekommt. Und in dieser Amsterdamer Zeit fängt er damit an, Sprachen zu lernen. Und er hat dann auch, weil er so dafür bekannt war, die Schliemann-Methode entwickelt.
Daniel
00:17:18
Aha, das bin ich übergespannt.
Solveig
00:17:20
Wie man denn gut und schnell Sprachen lernt. Und er hat einen Handelscompany-Background, er ist ein sehr guter Kaufmann, das werden wir auch noch wissen. Er weiß, er zeigt auch schon früh, dass er ein gutes Gespür für den Verkauf hat, wie man sich selbst verkauft, wie man einen Waren verkauft. Und jetzt will er eben auch diese Schliemann-Methode verkaufen. Und wie er die beschreibt, habe ich dir auch einmal mitgebracht.
Daniel
00:17:43
Die einfache Methode besteht zunächst darin, dass man sehr viel laut liest, keine Übersetzung macht, täglich eine Stunde nimmt, immer Ausarbeitungen über uns interessierende Gegenstände niederschreibt, diese unter der Aufsicht des Lehrers verbessert, auswendig lernt und in der nächsten Stunde aufsagt, was man am Tage vorher korrigiert hat. So gelang es mir, in der Zeit von einem halben Jahre, mir eine gründliche Kenntnis der englischen Sprache anzueignen. Dieselbe Methode wendete ich danach bei dem Studium der französischen Sprache an, die ich in den folgenden sechs Monaten meisterte. Durch diese anhaltenden, übermäßigen Studien stärkte sich mein Gedächtnis im Laufe eines Jahres dermaßen, dass mir die Erlernung des holländischen, spanischen, italienischen und portugiesischen außerordentlich leicht wurde und ich nicht mehr als sechs Wochen gebrauchte, um jede dieser Sprachen fließend sprechen und schreiben zu können. Wow, sechs Wochen. Aber wie soll er jetzt damit Geld verdienen? Wie soll er das verkaufen?
Solveig
00:18:40
Genau, also ich will ihm das nicht absprechen. Jetzt kann man natürlich sagen, wenn man Englisch kann, wenn man Französisch kann, ist es vielleicht wirklich leichter, das Spanisch-Italienisch zu lernen, weil es ja alles romanische Sprachen sind. Auch das Niederländische ist ja so ein Zwischending zwischen Englisch und Deutsch.
Daniel
00:18:54
Käm aber heftig durcheinander. Ich habe das ja mit slavische Sprachen probiert und da kreuzt ständig die eine die andere irgendwie da quer.
Solveig
00:19:00
Das ist schon wirklich außerordentlich gewesen, dass er das konnte. Also der muss da wirklich ein sehr, sehr großes sprachliches Talent besessen haben. Nur zum einen, die sind sich ja eben sehr, sehr ähnlich. Also dass er mit denen erstmal anfängt, ergibt ja dann auch Sinn. Er hat das dann eben so aufgeschrieben, als die Schlemann. Also das, was er uns hier gerade, das ist aus seiner Autobiografie. Es gibt dann so ein kleines Heftchen, wo dann das genauso als Anleitung drinsteht. Und das konnte man dann verkaufen. Und das ist dann auch verkauft worden. Ich habe irgendwie gelesen, dass das teilweise heute noch irgendwie beim Sprachenlernen verwendet wird, was er da macht. Wenn man so ein bisschen drauf guckt, ich würde gar nicht mit klarkommen, aber ich bin auch komplett schlecht, was Sprachenlernen angeht.
Daniel
00:19:38
Der Spanisch jedenfalls ist nicht so da. Das ist ganz furchtbar.
Solveig
00:19:41
Und er scheint sehr auditiv gelernt zu haben. Also er sagt ja, erst mal vorlesen, selbst wenn ich es nicht verstehe, einfach überhaupt erst mal lesen, sich es anhören, dann Texte auswendig lernen und aufsagen. Und es gibt ja unterschiedliche Lerntypen. Und dieses auditive Sprachenlernen, das scheint ihn so besonders ausgemacht zu haben und für ihn ja auch sehr gut funktioniert zu haben. Wobei es dann später auch Leute gibt, die dann sich darüber lustig machen, wie er redet, dass er scheinbar dann doch sehr starke Akzente hatte.
Daniel
00:20:06
Wenn er das einfach so liest, wie er Deutsch lesen würde und es ihm keiner vorspricht oder so. Kommt ja darauf an, ob er jede Sprache in dem jeweiligen Land gelernt hat. Oder wenn er da in Holland sitzt und versucht, Portugiesisch zu lesen, dann klang das wahrscheinlich sehr komisch.
Solveig
00:20:19
Und wir wissen ja auch nicht, wer da sein Lehrer war. Und es gibt dann später, er lebt dann lange, kommen wir noch in Athen, wo er dann Griechisch spricht. Und über das Griechisch machen sie sich dann doch gerne lustig, dass er sehr steif und alt klingt, weil er vor allem wahrscheinlich Altgriechisch gelernt hat. Also es ist ja auch immer so ein bisschen schwierig. Es gibt sehr, sehr viele Menschen, die Schliemann auch zu Lebzeiten sehr schätzen. Und es gibt sehr, sehr viele, die ihn auch zu Lebzeiten schon nicht leiden können und die sich dann vielleicht auch einfach drüber lustig machen, wenn er komisch redet. Deswegen können wir das so nicht einschätzen, wie gut er wirklich sprechen konnte. Aber er zeichnet sich eben dadurch aus, dass er sehr, sehr schnell spricht. Und jetzt hast du ja schon gemeint, was bringt ihm das? Naja, er ist ja Korrespondent. Das heißt, er kann dann die Geschäftsgespräche führen in Amsterdam für die Handelskompanie und dann mit Händlern, die aus Frankreich kommen oder aus Portugal Handel treiben, kann er dann die Korrespondenz führen. Und das merkt er dann auch ganz schnell. Wie gesagt, er ist ein sehr guter Kaufmann, der weiß ganz genau, Marketing kann der super und Handel kann der super. Er merkt, es gibt russische Handelskontakte in Amsterdam. Und die Russen können kein Englisch. Und die Holländer oder Niederländer können kein Russisch.
Daniel
00:21:27
Aber in seiner Aufzählung war Russisch bis jetzt noch nicht dabei.
Solveig
00:21:30
Genau, da kommen wir ja jetzt dazu. Und das ist nämlich der Punkt, nachdem er diese romanischen Sprachen gelernt hat, merkt er eben, okay, ich habe scheinbar ein Talent dafür. Es ist niemand da, der Russisch kann. Es gab scheinbar so eine russische Bubble in Amsterdam und da ist Potenzial, dass wir abschöpfen können. Also entscheidet er sich dazu, Russisch zu lernen. Oh.
Daniel
00:21:52
Trotz aller meiner Bemühungen aber wollte es mir nicht gelingen, einen Lehrer des Russischen aufzufinden. Denn außer dem russischen Vizekonsul, der mir keinen Unterricht geben wollte, befand sich damals niemand in Amsterdam, der ein Wort dieser Sprache verstanden hätte. So fing ich denn mein neues Studium ohne Lehrer an und nahm meine alte Methode wieder auf, verfasste kurze Aufsätze und Geschichten und lernte dieselben auswendig. Da ich niemanden hatte, der meine Arbeiten verbesserte, waren sie ohne Zweifel herzlich schlecht. So engagierte ich einen armen Juden, der für vier Francs pro Woche allabendlich zwei Stunden zu mir kommen und meine russischen Deklamationen anhören musste, von denen er keine Silbe verstand. Hä? Aber ich verstehe, warum engagiert er den dann, wenn er das nicht versteht?
Solveig
00:22:38
Weil es scheinbar ging es darum, dass er ein nettes Gesicht braucht, das ihm freundlich zulächelt.
Daniel
00:22:43
Im Spiegel gucken.
Solveig
00:22:43
Ja, das hat scheinbar nicht so funktioniert.
Daniel
00:22:46
Ich verstehe aber auch nicht, wie kann er denn als erstes Aufsätze schreiben, um die dann zu deklamieren? Hat er einfach aus irgendwelchen Dokumenten random Wörter zusammengeschrieben?
Solveig
00:22:56
Ja, scheinbar. Also keine Ahnung.
Daniel
00:22:58
Man muss ja auch erstmal Kyrillisch lernen.
Solveig
00:23:00
Ja, er muss es ja nur sprechen.
Daniel
00:23:02
Ja, er möchte Aufsätze schreiben hier. Gleich als erste Methode. Ich schreibe jetzt mal einen Aufsatz auf Russisch und lese ihn mir selbst vor.
Solveig
00:23:09
Lernst du sofort, wenn du Russisch lernst, Kyrillisch oder lernst du es erstmal in lateinischen Buchstaben, dass du die Aussprache lernst?
Daniel
00:23:13
Also ich habe in der Schule, in der ich war, die einer bestimmten Pädagogik folgte, die ich jetzt nicht sage, sonst kriege ich hier Post von alle Zeiten der Welt, da gab es ab der ersten Klasse Russisch. Und da haben wir natürlich nicht geschrieben, sondern da haben wir, sagst du, die Schliemann-Methode. Wir singen Lieder und sprechen irgendwelche Gedichte auf und nach, ohne dass wir eine Ahnung haben, was wir da eigentlich tun. Aber das hat, glaube ich, schon so einen Effekt gehabt, dass man einfach von klein auf so ein Sprachgefühl entwickelt hat. Dass es nicht so schwerfällt, diese Sprache auszusprechen, weil es einem Vertrauter einfach ist.
Solveig
00:23:49
Und ich glaube, darum ging es auch, dass er es lernt zu sprechen und dabei in ein freundliches Gesicht guckt.
Daniel
00:23:55
Das ihn motiviert.
Solveig
00:23:56
Für vier Fron.
Daniel
00:23:57
Darf ich dich angucken beim Sprechen?
Solveig
00:24:00
Also so lernt er dann Russisch. Und 1846, also so knapp fünf Jahre ist er jetzt in Amsterdam, ist sein Russisch so ausreichend.
Daniel
00:24:11
Dass er tatsächlich… Als die engagierte Person, die kein Russisch konnte, hat gesagt, klingt gut.
Solveig
00:24:17
Nee, er hat dann ja diese Handelskontakte aufbauen können mit russischen Abgesandten und die finden ihn auch gut und sagen, pass auf, du kommst jetzt zu uns nach St. Petersburg und vertrittst deine Handelskompanie bei uns in St. Petersburg. Und scheinbar gefällt es Herrn Schliemann so gut in Sankt Petersburg, dass er schon ein Jahr später, 1847, sich in die Gilde der Großhändler eintragen lässt. Also er ist jetzt nicht mehr Korrespondent dieser Amsterdamer Gesellschaft, er arbeitet jetzt auch nicht mehr für seine russischen Verbindungen, die ihn überhaupt erst nach Sankt Petersburg geholt haben, sondern er hat jetzt seinen eigenen Laden aufgemacht im Grunde und hat seine eigene Handelskompanie und da hat er vor allem ein Händchen mit Indigo zu handeln. Also dieser blaue Farbstoff, der eben aus Ostasien kommt. Und er ist jetzt gerade dabei, so sein Imperium aufzubauen in St. Petersburg.
Daniel
00:25:08
Okay.
Solveig
00:25:09
Aber nach zwei Jahren erfährt er, dass sein Bruder Ludwig in Kalifornien gestorben ist. Also die Schliemanns sind auch so ein bisschen alle raus.
Daniel
00:25:16
Er ist nicht der Einzige, der da unterwegs ist.
Solveig
00:25:18
Er ist nicht der Einzige, der unterwegs ist. Und Ludwig hat eben in Kalifornien im Goldrausch sich versucht und ist dabei eben verstorben. Und jetzt muss Schliemann als ältester Sohn dorthin und die Geschäfte von seinem Bruder regeln. Und es ist jetzt auch nicht so leicht, in die USA zu kommen, vor allem auch nicht nach Kalifornien zu kommen. Also an die Ostküste kommst du noch mit dem Boot hin, aber Kalifornien ist ja auf der anderen Seite des Kontinents.
Daniel
00:25:42
Aber wenn er jetzt schon in Russland ist, kann er da auf der anderen Seite einfach lang.
Solveig
00:25:46
Weil es ist ja in St. Petersburg, da muss er ja immer komplett durch ganz Russland durch. Ich glaube, das ist länger.
Daniel
00:25:50
Die Eisenbahnstrecke ist noch nicht fertig.
Solveig
00:25:52
Nee, die ist noch nicht da. Und auf jeden Fall ist es auch sehr unterhaltsam, wie er nach Kalifornien kommt. Er muss nämlich den Panama-Kanal nehmen. Mit der Kutsche durch die USA ist auch noch nicht möglich. Eisenbahn ist auch noch nicht gebaut. Das dauert auch noch eine Weile. Und ich habe das immer sehr gerne verglichen, was so die Wege damals sind, um sich das auch so bewusst zu machen. Weil für die USA sind für uns natürlich heute klar, alles angeschlossen, Eisenbahn, Kutschen, was auch immer. Die sind da ja gerade noch. Heute noch, genau. Heute nicht mehr, aber so. Aber die sind ja immer noch mit dem Trek unterwegs nach Westen, so Going West und so weiter. Und wir haben in der gleichen Zeit ein bisschen früher die Donnerparty, so eine der großen Gruselgeschichten der frühen US-amerikanischen Westbewegung, die sind ein bisschen zu spät aufgebrochen und sind dann da in den Rocky Mountains, glaube ich, eingeschneit und mussten sich dann gegenseitig aufessen. Also das sind so die Gefahren damals, wenn man durch die USA hindurch möchte. Diesen Gefahren setzt sich Schlima nicht aus, indem er eben tatsächlich den Panama-Kanal passiert und dann eben von San Francisco nach.
Daniel
00:27:04
War mir jetzt aber auch nicht klar, dass der da schon existiert.
Solveig
00:27:07
Den gibt es schon und dann beschreibt er dann auch wie irgendwie Panama, es ist alles voller Fliegen und es ist heiß und er mag die Hitze nicht und fühlt sich unwohl.
Daniel
00:27:16
Ich kann aber froh sein, dass er damals nicht in Venezuela gelandet ist.
Solveig
00:27:19
Genau. Hätte er vielleicht nochmal so geguckt, ach nee, danke. So, also er kommt dann in Kalifornien an, regelt dann auch die Geschäfte von seinem Bruder und denkt sich so, naja, also wenn ich jetzt schon mal da bin, bleiben wir doch erstmal da und machen hier ein bisschen Kohle. Und er weiß natürlich ganz genau, wie man in einem Goldrausch reich wird, wie verdient man am meisten Geld.
Daniel
00:27:41
Indem man Versprechungen macht?
Solveig
00:27:43
Fast.
Daniel
00:27:43
Oder indem man die Ausrüstung verkauft?
Solveig
00:27:45
Ganz genau.
Daniel
00:27:45
Okay.
Solveig
00:27:46
Du wirst reich.
Daniel
00:27:46
Und übersetzen kann er auch noch nebenbei.
Solveig
00:27:48
Übersetzen kann er nebenbei, wie gesagt, in einem Goldrausch wirst du reich, indem du Schaufeln verkaufst. Und genau das macht er im Grunde. Er gründet eine Bank und verkauft Kredite an die Goldgräber über Schaufeln und über Jeans.
Daniel
00:27:59
Das können die doch nie wieder zurückzahlen.
Solveig
00:28:01
Scheinbar schon.
Daniel
00:28:01
Da findet doch wahrscheinlich nur einer von 100 nachher so genügend Goldklumpen, um das wieder auszulösen.
Solveig
00:28:07
Ich weiß nicht, also der Goldrausch in Kalifornien soll schon ziemlich groß gewesen sein. Er hat sich das gut bezahlen lassen und er hat da gut verdient. Also das ist tatsächlich so das erste Mal, wo er Geld macht. Dann hat er aber auch nach zwei Jahren die Schnauze voll. Dann denkt er so, ich habe jetzt hier mein ganzes Potenzial ausgeschöpft. Und 1952 kommt er dann nach Russland zurück und begründet in Moskau eine weitere Filialle. Also er ist dann in Sankt Petersburg und in Moskau hat er jetzt Filialen, um Indigo zu verkaufen. Und das ist ganz praktisch für ihn, denn 1954 bricht der Krimkrieg aus und da brauchen die jetzt Indigo.
Daniel
00:28:43
Ach so.
Solveig
00:28:44
Wofür brauchen die Indigo?
Daniel
00:28:45
Uniform?
Solveig
00:28:46
Ja.
Daniel
00:28:46
Jetzt ernsthaft?
Solveig
00:28:47
Ja, damit werden die Uniformen gefärbt. Und da denkt sich Schliemann auch wieder, naja, also womit verdient man in einem Krieg sehr, sehr gut?
Daniel
00:28:55
Waffen?
Solveig
00:28:56
Indem man Waffen verkauft. Und jetzt ist das ja so, der Krimkrieg bricht ja zwischen dem Osmanischen Reich und dem zaristischen Russland aus, um die Krim.
Daniel
00:29:06
Das ist auch mal eine Folge wert.
Solveig
00:29:08
Und auf jeden Fall sind jetzt die ganzen russischen Häfen blockiert mit Sieblockaden. Aber Schliemann weiß natürlich, ich bin ja kein russischer Bürger, ich bin ja preußischer Bürger und deswegen können seine Schiffe preußische Häfen anfahren, Königsberg und Memel. Da lässt er dann seine Schiffe hinfahren und dann über den Fußweg quasi, über den Landweg, werden dann die Güter aus Königsberg und aus Memel dann nach St. Petersburg transportiert. Weil Preußen ist ja im Krimkrieg neutral. Deswegen gibt es da keine Blockaden.
Daniel
00:29:44
Ein großes Thema in Berlin.
Solveig
00:29:47
Und dadurch wird er scheißenreich, weil er im Grunde, jetzt mal übertrieben, aber der Einzige ist, der da liefert. Und er bringt dann, wie gesagt, Indigo und achso, ich habe es tatsächlich sogar mitgebracht, das Zitat, wo er erzählt, was er macht.
Daniel
00:30:04
Meine glücklich verschont gebliebenen Waren verkaufte ich nun äußerst vorteilhaft, ließ dann den Ertrag wieder und wieder arbeiten, machte große Geschäfte in Indigo, Farbhölzern und Kriegsmaterialien, Salpeter, Schwefel, Blei und konnte so, da die Kapitalisten scheu trugen, sich während des Krimkrieges größere Unternehmungen einzulassen, beträchtliche Gewinne erzielen und im Laufe eines Jahres mein Vermögen mehr als verdoppeln. Da hat man ein Schwein gehabt.
Solveig
00:30:30
Kriegsgewinnler. Und es ist nicht nur der Krimkrieg, an dem er gut finanziert ist. Es ist vor allem der Krimkrieg, aber bei dem amerikanischen Bürgerkrieg war es ja auch. Er hat ja noch seine Connections.
Daniel
00:30:40
Hat er seine Bank noch offen gelassen.
Solveig
00:30:41
Hat er scheinbar seine Bank noch da und auch da kann er investieren, um seinen Profit zu maximieren.
Daniel
00:30:48
Ich wundere mich jetzt noch, das ist so eine ganze Geschichte. Wo ist denn jetzt das Versprechen an seinen Vater geblieben?
Solveig
00:30:53
Wir müssen erst mal Geld verdienen. Und da, ich hatte es schon angesprochen, Schliemann ist sehr, sehr gut im Marketing. Und da gibt es eben auch ein sehr berühmtes Bild von ihm, das auch in dieser Ausstellung so als Coverbild genutzt wurde. Und zwar ist das 1861 von ihm angefertigt worden. Das zeigt ihm im Schlittenmantel diesen dicken, schweren Pelzmäntel, die die in St. Peters strukturieren, wenn sie da mit ihren Schlitten durch die Stadt fahren im tiefsten Winter. Und das ist ein wirklich dicker Mantel, den er da trägt. Und er hat sich im August damit fotografiert. Jetzt kenne ich mich mit dem Klima in St. Peters nicht so aus, Aber ich vermute, dass das da im August auch nicht unbedingt das Klima ist, um in so einem Atelier sich in einem Pelzmantel fotografieren zu lassen.
Daniel
00:31:36
Ja, aber der Pelz, der schreit halt Geld. Ich bin fast adelig.
Solveig
00:31:41
Genau, er schreit, ich bin reich, ich bin hier in Russland ein guter Mann, ich bin Teil der Elite, der St. Petersburger Elite. Und er schreibt dann nämlich auch noch drunter, unter dieses Foto. Das schickt er seinen Freunden und Verwandten, schickt er allen dieses Foto.
Daniel
00:31:58
Das Gemälde doch, oder?
Solveig
00:31:59
Nein, das ist ein Foto.
Daniel
00:31:59
Das ist ein Foto? Ja, natürlich ist es ein Foto.
Solveig
00:32:02
Wir haben jetzt seit 20 Jahren die Fotografie.
Daniel
00:32:05
Ja, okay, aber bei dem Statusbedürfnis hätte ich ja schon ein Gemälde malen lassen. Und dann noch ein Foto machen vielleicht.
Solveig
00:32:11
Aber er wollte es ja verschicken.
Daniel
00:32:12
Ja, okay.
Solveig
00:32:13
Er ist mit dem Gemälde nicht so leicht.
Daniel
00:32:15
Das ist ja so eine Weihnachtsgrußkarte wahrscheinlich. Frohe Weihnachten und gucken Sie mal hier, die Geschäfte laufen.
Solveig
00:32:22
Geschäfte laufen. Und er soll dann eben unter dieses Foto oder im Brief, wo er dann dieses Foto mitgeschickt haben, eben drunter geschrieben haben, Mitglied der Ersten Gilde in St. Petersburg. Aber das ist nicht korrekt zu diesem Zeitpunkt.
Daniel
00:32:33
Okay.
Solveig
00:32:34
Denn der werte Herr Schliemann ist seit 1854 Mitglied der Ersten Gilde von Narva. Sankt Petersburg war ihm zu teuer. Und ich glaube, es war zu diesem Zeitpunkt auch, dass du gewisse Kontakte brauchst, um da reinzukommen. Also er war, glaube ich, Mitglied der zweiten Gilde. Also er war schon in St. Petersburg natürlich in der Handelsgilde eingeschrieben, aber er war halt nicht in der ersten Gilde. Und er ist aber in St. Petersburg und er ist ja ein Mitglied in der ersten Gilde. Fake it till you make it. Es ist nicht gelogen.
Daniel
00:33:07
Da wird sich keiner beschwert, wo kein Kläger, da kein Richter.
Solveig
00:33:10
Ja, und 1963 wird er dann Mitglied der ersten Gilde in St. Petersburg. Wie gesagt, man muss es nur richtig verkaufen, dann kommt der Erfolg auch zu einem.
Daniel
00:33:21
Glaublich.
Solveig
00:33:22
Und er wird langsam auch, also gerade so in den 60ern wird er wirklich müde, was so dieses Handelsgeschäft angeht. Ich meine, er hat ja auch mittlerweile alles erreicht. Er ist wirklich scheißenreich und er ist jetzt auch Mitglied der Ersten Gilde von St. Petersburg. Und es wurmt ihn massiv, dass er nicht die Anerkennung bekommt, die die russischen Händler bekommen.
Daniel
00:33:42
Ja, mich wundert ja, dass er da mit dem ganzen Geld und seiner Bedeutung, hat er es denn geschafft, dass man ihm mal einen Baron oder so verleiht? Oder irgendeinen schönen Ort?
Solveig
00:33:53
Nee, und der Zar lädt ihn auch nicht ein.
Daniel
00:33:55
Das ist krass. Also irgendwie muss ja da doch jemand auch auf den falschen Fuß getreten sein.
Solveig
00:33:59
Ja, oder vielleicht sagen sie halt dann doch, nee, also nur unter richtigen Russen und dieser preußische Einwanderer.
Daniel
00:34:04
Naja, aber Deutsche sind ja da im russischen Zarrenhof eigentlich immer ganz wohl gelitten.
Solveig
00:34:08
Ich weiß es nicht. Also irgendwie, dieser letzte große Erfolg wird ihm verwehrt. Also er kriegt irgendwie auch keinen, es gibt irgendwie so Belobigungsschreiben, die die alle haben für große Leistungen. Die hat er nicht bekommen. Er wird nicht eingeladen an den Zarenhof. Also das wurmt ihn dann schon. Dann hatten wir jetzt auch 1957 diese große Wirtschaftskrise, da ist er sehr gut durchgekommen, hat nicht viel Geld verloren, eigentlich so kaum was verloren. Aber so langsam denkt er sich auch, irgendwie habe ich jetzt alles geschafft. Es gibt jetzt nichts mehr hier in St. Petersburg, das Wetter ist jetzt auch nicht so geil und so. Und er reist dann, also er ist vorher schon mal ein bisschen durch die Welt gereist, auch glaube ich so ein bisschen auf Kururlaub, weil es ihm eben mit der Wirtschaftskrise auch gesundheitlich nicht so gut ging, dass man sagt, okay, fahr jetzt mal nach Odessa und hol dich da mal. Dann war er so ein bisschen unterwegs, kommt dann aber wieder zurück, macht nochmal ein bisschen Geld und 1964 geht er dann nochmal auf eine sehr, sehr große Studienreise und von der wird er nach Russland auch niemals wieder zurückkehren. Warum, werde ich später erzählen. Aber er reist jetzt erstmal los. Er reist nach Tunis, er reist nach Ägypten, er reist nach Indien. Er verbringt zwei Monate in China und ist damit tatsächlich auch einer der allerersten Westler, die eben nach China rein dürfen. Das ist ja gerade erst durch die Opiumkriege gezwungen worden, sich für den Westen zu öffnen. Und er ist dann wirklich einer der Ersten, der dort ist. Er schreibt dann auch nochmal ein Buch darüber, seine Zeit in China und Japan. Okay. Hat vielleicht aber auch damit zu tun, dass gerade in Japan...
Daniel
00:35:49
Dass er versucht hat, Japanisch zu sprechen.
Solveig
00:35:51
Also China war jetzt geöffnet, gezwungenermaßen und Japan hat sich so in Anführungszeichen freiwillig geöffnet, weil die Briten so meinten, ihr habt gesehen, was in China war, so würdet ihr das mit euch auch machen. Und da hat Japan dann gesagt, nee, okay, nach Yokohama dürft ihr rein. Und Schiemann der nun mal Schliemann ist, ist dann aber ständig von den Wegen irgendwie weggelaufen, auf denen er beduldet war und es hat dann immer so kleine Privatauslüge gemacht und scheinbar haben die Japaner dann ein bisschen Angst vor ihm bekommen, dass er da plötzlich auftaucht in ihrem Dorf oder ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nach seiner Zeit in China und in Japan geht es nach Nicaragua, nach Havanna, nach Mexiko. Also er macht wirklich so einmal um die Welt rum und 1866 kommt er dann nach Paris und bleibt dann auch in Paris. Und hier können wir jetzt überlegen, ob er nicht das erste Mal mit der alten Geschichte in Kontakt gekommen ist oder ob er sich jetzt 40 Jahre ….
Daniel
00:36:47
Erweckungserlebnis im Louvre.
Solveig
00:36:48
Ja, oder jetzt nochmal an das Versprechen erinnert, das er seinem Vater ja gegeben hat. Können wir mal. Auf jeden Fall mit 66, also Mitte 40, schreibt er sich in der Sorbonne ein, um Geschichte und Archäologie zu studieren. Das ist legitim, kann man ja nochmal im Alter nachholen.
Daniel
00:37:08
Jetzt wo er so in Frührente ist.
Solveig
00:37:09
Ja, er muss ja auch nicht mehr arbeiten, er hat genug Geld gemacht und er kann es dann aber scheinbar doch nicht lassen, denn in den 1860ern haben wir natürlich Napoleon III. Und Paris ist da jetzt gerade die Metropole, die Napoleon III. Ja auch nochmal komplett umgestalten lässt. Also die Stadtmauer wird abgerissen, diese ganzen mittelalterlichen Straßen weg, das wollen wir nicht haben.
Daniel
00:37:29
Diese schönen Alleen.
Solveig
00:37:30
Genau, jetzt wird die Champs-Élysées gebaut und all das, diese Riesenhochhäuser, also das, was ja Paris heute noch so schön macht, kommt jetzt alles in Fahrt und da kann Schliemann es da nicht lassen, noch ein bisschen zu investieren und noch so ein bisschen ein paar Häuserzeilen mitzunehmen und da Immobilien zu investieren. In dieser Zeit, wo er jetzt an der Sorbonne studiert, erreicht die Scheidung zu seiner Frau ein.
Daniel
00:38:01
Von Frau habe ich bis jetzt noch nicht wahrgenommen.
Solveig
00:38:03
Die habe ich jetzt noch nicht erwähnt, das kommt jetzt.
Daniel
00:38:05
Das ist so üblich in der Geschichtserzählung, dass die Frauen immer weg sind plötzlich.
Solveig
00:38:09
Ja, also man muss auch sagen, dass die Beziehung zu seiner ersten Ehefrau auch nicht wirklich leidenschaftlich war. Also die war genau das, wofür man sie hat.
Daniel
00:38:16
Auch ein Geschäft?
Solveig
00:38:17
Ein Geschäft. 1852, also als er da gerade war in St. Petersburg, also gerade auch aus den USA zurückgekehrt, war und gesagt hat, jetzt hier kommt das Imperium, hat er die Tochter von einem Petersburger Kontakt geheiratet. Also es ist einfach wahrscheinlich so, er hatte dann Bekannten, der meinte, hier ist meine Tochter.
Daniel
00:38:40
Zugang kriegen wahrscheinlich.
Solveig
00:38:41
Ja, ganz genau. Also darum ging es und das ist die Ich kann es ja gar nicht, Yekaterina Petrovna Lishina und mit ihr hat er drei Kinder. Das ist der Sergei, das ist die Natalia und die Nadesch da. Und diese Ehe war wirklich, also die haben parallel nebeneinander hergelebt. Also das kannst du dir nicht anders vorstellen. Sie war dann doch eine sehr russische Gesellschaftsdame, die dann auch in dem 16 Zimmer Apartment, das sie dann in St. Petersburg hatten, dann auch Hof gehalten hat und eingeladen hat und die Connections geschaffen hat, die Schliemann gebraucht hat, um eben in St. Petersburg überhaupt tätig zu sein. Aber ihm ging es auch wirklich nur um diese Kontakte, weil ihr Vater war einer der reichsten Männer in St. Petersburg und der war dann auch im Zarenhaus willkommen. Und da hofft man natürlich, dass man dann vielleicht auch mal beim Zaren vorsprechen darf. Ist ihm nicht passiert. Und Schliemann hat auch währenddessen im Grunde so doppelt gedatet, sagen wir es mal in Anführungszeichen. Also während er die Jekaterina umworben hat, hat er gleichzeitig noch die Sophie Hecker umworben. Und die zwei Damen, hätte man auch darauf kommen können, kannten sich, waren miteinander befreundet und haben auch mal miteinander geredet. Und als Sophie dann erfuhr von der Jekaterina, dass der Schliemann auch bei ihr geklopft hat, hat Sophie augenblicklich die Beziehung beendet und gesagt, niemals wieder mit dem. Furchtbar. Jekaterina wird sich wahrscheinlich eher gedacht haben, naja, ich bin jetzt halt auch schon 26 Jahre alt und es klopft sonst vielleicht auch niemand an. Also hat sie dann ja gesagt. Vielleicht hat der Vater auch nochmal Druck gemacht und gesagt, das ist ein guter Kontakt, den müssen wir uns... Und es wird dann, jetzt habe ich es nicht rausgeschrieben, aber es wird in der Isakskathedrale, ist das glaube ich, die große Kuppel, also die größte russisch-orthodoxe Kathedrale, die es in St. Petersburg gibt. Da wird natürlich dann auch standesgemäß geheiratet. Und das ist jetzt ein Problem für Schliemann.
Daniel
00:40:42
Weil er kirchlich geheiratet hat.
Solveig
00:40:45
Weil in der russisch-orthodoxen Vorstellung Scheidung nicht existiert. Und ich glaube, er hat dann in den USA die Scheidung eingereicht, wo es natürlich die Zivilehe gibt, wo die Scheidung akzeptiert ist. Und war dann nach US-amerikanischem Recht, ich glaube, er hatte sogar währenddessen auch schon noch das amerikanische Bürgerrecht bekommen, war amerikanischer Staatsbürger geworden, war jetzt geschieden von Nikatharina.
Daniel
00:41:07
Nikatharina ist auch die ganze Zeit da in Petersburg, die geht nicht mit zwischendurch auf Reisen und so.
Solveig
00:41:12
Die hat da gar keinen Bock drauf. Also sie mag das, dieses gesellschaftliche Ansehen zu haben.
Daniel
00:41:17
Da war sie zu dem Zeitpunkt auch selber ganz froh, dass der sich selbst beschäftigt.
Solveig
00:41:21
Ja, also es gibt dann irgendwie auch, also das erste Mal, wo er auf Reisen geht, da ist sie auch irgendwie hochschwanger mit der dritten Tochter. Und er meint dann irgendwie auch nur so, ja übrigens, ich fahre dann. Und sie so, ja, dann fahre. Also die haben, glaube ich, wirklich gar nicht miteinander. Also sie hatte auch überhaupt kein Interesse an den Themen, die ihn da interessiert haben. Wollte auch die Welt so nicht sehen, sondern sie wollte eben Gesellschaftsdamen in St. Petersburg sein. Und er geht dann eben, lässt sich dann auch scheiden, aber er finanziert die Familie auch weiter. Es ist jetzt nicht so, dass er einfach geht, sondern es gibt weiterhin das Geld. Also die Katharina kann auch weiterhin dieses Riesen-Apartment in St. Petersburg behalten. Da wohnt sie auch noch mit den Kindern drin. Also das ist jetzt nicht so, dass er dann einfach Tschüss sagt. Und, Ich hatte es angesprochen, Schliemann kommt nie wieder nach Russland zurück. Das hat mit dieser russisch-orthodoxen, geschlossenen Ehe zu tun.
Daniel
00:42:13
Okay. Ist das so strafrechtlich relevant?
Solveig
00:42:16
Ja, pass auf, das, was er jetzt tut, ist in Russland strafrechtlich relevant. 1869, also kurz nachdem er sich hat scheiden lassen, heiratet er nämlich wieder. Und zwar wieder eine Dame aus der Gesellschaft, die ihm hilfreich sein wird, nämlich die junge, 17-jährige Griechin Sophie Engastromenos. Die irgendwie er auch über so einen Geschäftsfreund kennenlernt. Also das ist auch, das heißt so, er soll irgendwie über eine Kontaktanzeige gesucht haben, jung, Griechin, gut aussehend und dann irgendwie so ein Kontaktfreund von ihm, mit dem er irgendwie auch schon Griechisch gelernt hat, hat dann gemeint, hier, ich hab doch meine Tochter, wie wär's mit der? Und er hat gesagt, alles klar, perfekt, großartig. Die kann Griechisch. Also die heiratet er jetzt und damit ist er nach russischer Auffassung Megamist. Und die Scheidung war jetzt, Egal für Russland, weil das zählt ja nicht. Aber dass er jetzt eine zweite Ehefrau hat, ist nicht tragbar. Und es gibt so diese Geschichte, die mir erzählt wurde. Ich fand sie sehr unterhaltsam. Ich kann es jetzt, aber ich habe es jetzt nicht nachprüfen können, ob es stimmt. Nachdem Schliemann seine großen Erfolge gefeiert hat, zu denen wir gleich kommen, soll er angeblich auch mal in Sankt Petersburg noch mal angefragt haben, ob er nicht doch mal kommen könne, weil er gerne das goldene Vlies der Argonauten finden würde. Und da soll er eine Antwort vom Zarenhof bekommen haben. Sollte er russischen Boden betreten, würde man ihn direkt mit der Eisenbahn nach Sibirien bringen, wo er ja als Bigamist hingehört.
Daniel
00:43:45
Okay, wow.
Solveig
00:43:46
Wie gesagt, ich weiß nicht, wie weit das stimmt, aber das ist wahrscheinlich der Grund, warum Schliemann das goldene Vlies nicht gefunden hat. Den Zar hat es ihm nicht erlaubt, einzuweisen. Aber wir gehen zurück ins….
Daniel
00:43:59
Ist das in Russland oder wie? Muss man das in Russland finden?
Solveig
00:44:01
Also Kolchis ist ja am Schwarzen Meer und das war zu der Zeit Teil des russischen Zarenreiches. Beziehungsweise hat er da suchen wollen.
Daniel
00:44:11
Inkognito, bis die Nachricht in Petersburg ankommt, dass er da unten in der Ukraine gelandet ist.
Solveig
00:44:17
Keine Ahnung. Auf jeden Fall, ich fand die Geschichte sehr unterhaltsam. Ob sie stimmt, kann ich dir nicht sagen. Wir gehen aber auf jeden Fall ins Jahr 1869 zurück, beziehungsweise bleiben wir da noch, denn es passieren noch andere Dinge in diesem Jahr für ihn. Sehr erfreuliche Dinge, wie zum Beispiel die Ehe mit der Sophia. Und eine weitere sehr erfreuliche Begebenheit für ihn ist, er ist ja an der Sorbonne eingeschrieben, hat dort jetzt auch drei Jahre studiert und hat eine Studienreise gemacht, nennen wir das so, nach Ithaka, um, wie er beschrieben hat, den Palast des Odysseus zu finden. Denn wir haben ja schon erfahren, für ihn sind diese antiken Geschichten tatsächlich passiert gewesen. Und die lassen sich seiner Auffassung nach historisch auffinden. Also fährt er nach Ithaka, um dort Odysseus' Grab und Odysseus' Haus zu finden. Er schreibt darüber auch ein Werk, nämlich das Werk Ithaka, der Peloponnes und Troja. Er ist dann auch schon so ein bisschen kurz in der Gegend, wo man damals Troja vermutete. Und reicht diese Arbeit in Rostock ein, an der Universität Rostock. Und die sagen, das ist hervorragend, damit promovieren wir dich zum Archäologen.
Daniel
00:45:22
Mit deiner Reisebeschreibung. Ich habe hier geguckt, ob da das Grab ist und da könnte vielleicht Troja sein. Da spaziere ich auch nochmal rüber. Und dann schreibe ich das ein bisschen blumig noch von meiner Kindheit was dazu. Und da kriege ich dann einen Doktor für.
Solveig
00:45:34
Ja, also er hat drei Jahre Studium.
Daniel
00:45:35
Der hat er doch bezahlt.
Solveig
00:45:36
Bestimmt. Bestimmt hat er da eine Spende. Ich weiß es nicht. Ich möchte nichts unterstellen. Aber nach drei Jahren Studium schaffst du auch nur im 19. Jahrhundert so schnell einen Doktortitel zu bekommen. Also ich muss da immer an mich denken. Ich habe elf Jahre studieren müssen und ich habe auch noch verteidigen müssen. Also das muss er alles nicht. Er kriegt das auch so in Absenz.
Daniel
00:45:57
Es gibt so Überflieger, die das schneller schaffen.
Solveig
00:45:59
Er war auch nie in Rostock eingeschrieben. Er hat das einfach denen geschickt. Die haben gesagt, okay.
Daniel
00:46:04
Hier hast du den Titel. Wer sind sie? Achso, da liegt noch ein zweiter Umschlag drin. Dankeschön. Bitteschön.
Solveig
00:46:10
Hier haben sie die Urkunde. Das ist das 19. Jahrhundert.
Daniel
00:46:14
Da reicht das auch einfach. Du bist der Erste, der da hinfährt und guckt, ist da das Graf von Odysseus. Ergebnis? Nein. Erforschung fertig.
Solveig
00:46:26
Er ist jetzt auf jeden Fall promovierter Wissenschaftler und er ist verheiratet mit seiner 17-jährigen Braut und jetzt im November verlässt ihn so ein bisschen das Glück, denn er kriegt Post von seinem Sohn Sergej, der ihm relativ nüchtern mitteilt, dass die zweite Tochter, die Natalia, an einer Knochenmarksentzündung verstorben ist. Also die ist so, ich glaube, so knapp zehn Jahre alt gewesen. Das ist eine sehr seltene Krankheit. Das ging irgendwie auch sehr, sehr schnell und man konnte auch nichts machen. Und er kriegt das jetzt, erfährt das jetzt. Und das ist so ein bisschen, das Gute kommt immer mit dem Schlechten. Und er hat jetzt zwei Erfolge für sich gehabt, aber muss dann eben auch erfahren, dass seine Tochter verstorben ist. Die neue Familie Schlemann, die alte Familie, lebt in St. Petersburg.
Daniel
00:47:10
Die griechische Familie.
Solveig
00:47:11
Genau, die griechische Familie. Die russische Familie ist in St. Petersburg die griechische Familie. Er soll mit Sophia auch nochmal zwei Kinder haben. Ich habe jetzt vergessen, den Sohn nachzugucken. Also die Tochter heißt Andromache und ich glaube, der Sohn hieß Agamemnon. Ich bin mir aber nicht sicher. Aber die werden auch schon so im homerischen Geist genannt.
Daniel
00:47:33
Damit das jetzt passt zum neuen Schliemann-Bild.
Solveig
00:47:35
Genau. Und 1871 siedelt die Familie eben nach Athen um, weil Sophia sich auch in Paris nicht so wohl fühlt. Das Klima ist vielleicht für sie jetzt auch nicht so angenehm und sie möchte halt einfach massives Heimweh. Sie will zu ihrer Familie zurück und da sagt Schliemann natürlich nach Athen. Mein Schatz, natürlich gehe ich mit dir nach Athen. Also Athen ist dahingehend auch so spannend. Also das muss man auch Schliemann wirklich lassen, dass ob er das aktiv gespürt hat oder ob er einfach Glück hatte, der ist immer in der richtigen Zeit am Ohr, also am richtigen Ohr. Da, wo gerade was los ist, ist er wirklich dann dabei. Also beim Goldrausch in Kalifornien, da in Sankt Petersburg, um da mega viel Geld zu machen und jetzt auch in Athen.
Daniel
00:48:19
In Paris noch, Immobilienhalle.
Solveig
00:48:21
Genau, also der ist wirklich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und Athen ist da eben auch nochmal so ein Punkt, denn das Königreich Griechenland ist ja auch noch verhältnismäßig frisch, also das ist jetzt gerade so eine Generation alt, in den 1830ern vom Osmanischen Reich unabhängig geworden mit einem Wittelsbacher als König an der Macht und damit öffnet sich Griechenland eben auch für die westlichen oder für die europäischen Wissenschaftler, Weil gerade so Griechenland war relativ abgesperrt, da kam man nicht einfach so rein. Und jetzt beginnt da auch so ein Boom nach Griechenland. Oder insgesamt öffnet sich das Osmanische Reich ja jetzt in dieser Zeit vermehrt. Dadurch beginnt dann ja auch der Orientalismus, wie er ihn nennt, in der Kunst. Also diese Begeisterung für das Fremde, für das Andere, das Exotische, was man da im Osmanischen Reich eben meint, finden zu können. Und da ist jetzt Athen auch so ein Hotspot tatsächlich. Und da kann man jetzt tatsächlich auf die Peloponnese gehen, man kann da in Sparta graben, man kann in Athen graben, man kann also all diese großartigen Orte aus der Kirche. Griechischen Geschichte jetzt erfahren. Und auch hier kann Schliemann dann jetzt seinen großen Traum erfüllen. Er war schon einmal in Troja, aber jetzt 1871 geht's richtig los. Also er ist jetzt ein gemachter Mann, er hat seine zweite Familie, er hat seine griechische Familie, er hat wahnsinnig viel Kohle und er sitzt in Athen und kann jetzt starten.
Daniel
00:49:52
Darf ich nochmal fragen, aber der hat jetzt nicht in Ithaka schon mal so eine Schaufel in die Hand genommen und selbst was ergraben. Der ist mehr so der Finanzier.
Solveig
00:50:01
Nee, nee, nee.
Daniel
00:50:02
Hier zehn Leute und guckt mal bitte, was da drin ist.
Solveig
00:50:05
Nee, also ich habe mir jetzt diesen Bericht in Ithaka nicht komplett durchgelesen. Ich habe so ein paar Auszüge mal gelesen. Aber ich glaube schon, dass der dann da allein unterwegs ist und schon mal ein bisschen gegraben hat.
Daniel
00:50:16
Okay.
Solveig
00:50:16
Weil ja niemand da ist, der ihn stoppt.
Daniel
00:50:18
Hat er bei Herrn Winkelmann vorher mal geguckt, wie man das richtig macht? Dass man da nichts kaputt macht?
Solveig
00:50:22
Er hat ja in der Sorbonne studiert. Also es ist ja jetzt nicht so.
Daniel
00:50:25
Und in Rostock.
Solveig
00:50:28
Also auch da, Natürlich Winkelmann hat es ein bisschen beschrieben, wie man es macht, aber wir sind hier jetzt auch gerade im Beginn überhaupt dieser wissenschaftlichen Archäologie. Also die Methoden dieser Zeit sind insgesamt noch nicht so erprobt, wie das heute der Fall ist. Man geht auch insgesamt damals nochmal ein bisschen anders vor, als wenn es heute mit vorgeht.
Daniel
00:50:48
Also in der Winkelmann-Ära ging es ja auch darum, vor allem so eine schöne Statue zu finden oder so, was da jetzt rechts und links an der Wand noch irgendwie bemalt ist oder so, ist dann eher zweitrangig.
Solveig
00:50:56
Und Tempel wurden, glaube ich, auch nicht ausgegraben oder so. Also nur, um an die Statue zu kommen. Und jetzt sind sie ja eher dabei, wirklich diese alten Städten zu ergraben und zu gucken, was da so los ist. Wie gesagt, Schliemann war vorher schon mal da, hat sich da ein bisschen umgeguckt. Also an der Westküste der heutigen Türkei war er unterwegs und bekommt im September 71 die offizielle Grabungserlaubnis, um in Hisarlik zu graben. Hat vorher aber auch schon ein bisschen angefangen. Also er nachdenkt so, ja, ja, die Genehmigung, die kommt dann schon, gar kein Problem, aber wir fangen auch schon mal an. Also er war auch ein bisschen ungeduldig, aber offiziell September 71. Jetzt ist natürlich die Frage, warum in Hisarlik und nicht anderswo. Und es ist tatsächlich seit 1716 gibt es europäischen Wissenschaftler, die sich überlegt haben, wo könnte Troja denn gelegen haben, wenn es diese Stadt wirklich gab. Weil Homer ist ja schon relativ... Ausführlich in seiner Beschreibung. Also er sagt dann, die Stadt liegt direkt am Wasser. Es gibt einen Fluss, es gibt mehrere Flüsse, aber vor allem beschreibt er den Fluss Skamanda. Und was diesen Fluss ausmacht, ist, dass der eine heiße und eine kalte Quelle hat, aus der er sich speist. Und da ist Homer sehr klar drin. Weshalb die Menschen eben meinten, okay, wenn Homer das so exakt beschreibt, muss er sich da auf irgendeinen Ort beziehen, den es wirklich gegeben hat. Und diesen Fluss Gamanda gibt es auch tatsächlich, zumindest sagt man das. Ich meine, bei Homer ist das nicht nur ein Fluss, das ist ein Flussgott, der auch aktiv in den Kampf mit eingreift und irgendwelche Helden dann ertränkt. Aber es gibt auch einen Fluss. Und dieser Fluss heißt, jetzt kommen wir zum Türkischen. Ich habe mir das bei Google einmal rausgeschrieben, wie man es richtig ausspricht. Du kannst es wie Schliemann praktizieren.
Daniel
00:52:41
Wie du denkst.
Solveig
00:52:42
Und dieser Fluss soll, laut Google, heißen der Karamenderis Cayu. Ich spreche nicht mal meinen eigenen Namen richtig aus. Also ihr könnt von mir keine Meisterleistung erwarten. Auf jeden Fall gibt es diesen Fluss, der eben auch einen türkischen Namen heute hat und in der Antike eben als Skamander beschrieben wurde. Und da schreibt jetzt Schliemann, als er dort ist.
Daniel
00:53:09
Ich gestehe, dass ich meine Rührung kaum bewältigen konnte, als ich die ungeheure Ebene von Troja vor mir sah. Deren Bild mir schon in den Träumen meiner ersten Kindheit vorgeschwebt hatte. Nur schienen sie mir beim ersten Blicke zu lang zu sein und Troja viel zu entfernt vom Meere zu liegen. Wenn Burnabashi wirklich innerhalb des Bezirks der alten Stadt erbaut ist, wie fast alle Archäologen, welche den Ort besucht haben, behaupten. Wie hätte Achill den Hektor dreimal um die Mauern dieser Höhe verfolgen können, deren Abhänge nach dem Skamanda kaum zu erklimmen sind? Bei der eingehenden Untersuchung der Gegend stellte sich heraus, dass es eine warme und eine kalte Quelle dort nicht gab. Also Bonabashi war Troja nicht. Wohl aber liegt nur eine Stunde vom Hellespont entfernt und von allen in Frage kommenden Punkten am weitesten dem Meere zuvor geschoben, der niedrige Hügel von Hisarlik. Der letzte Ausläufer des Plateaus, welcher die Täler zweier Flüsse trennt, wie sie die Ilias voraussetzt, des Kamandas und des Simois.
Solveig
00:54:11
Es ist schon aufgefallen, er ist an einem anderen Ort, er ist gar nicht in Hisarlik, sondern er ist in Bunarbaschi.
Daniel
00:54:17
Er ist so überwältigt, das ist die Stadt meiner Kindheitsträume. Und dann, äh, die ist aber zu lang und zu weit vom Meer.
Solveig
00:54:23
Weil, wie gesagt, es gibt seit 1716 immer wieder Wissenschaftler, die sich mit diesen Orten auseinandersetzen. Man sagt dann eben, man einigt sich, dass es Bunabashi gewesen sein muss. Und jetzt ist Schliemann da, geht mit seinem homerischen Vorstellung dahin und meint, nee, das geht ja gar nicht. Hier kann Achille ja nicht zehnmal drumherum gefahren sein. Das muss ein anderer Ort sein. Und da wendet er sich dann aktiv gegen die gängige Forschungsmeinung, sondern meint eben, nee, das muss Hisarlik sein, was scheinbar auf türkisch auch einfach nur irgendwie Königshügel oder so heißt oder Burkhügel. Und da geht er jetzt hin. Die Idee hat er nicht alleine gehabt, beziehungsweise die Idee hat ihm jemand erzählt, dass es Hisarlik gibt und dass das wahrscheinlich eher der Ort ist.
Daniel
00:55:09
Da gibt es aber noch Mauerreste oder da ist einfach nur ein Hügel?
Solveig
00:55:13
Da ist ein großer Hügel. Und 1857, also deutlich früher, als Schliemann jetzt da ist, hatte schon Frank Calvert, Den Gedanken, dass man eben nicht in Bunabashi suchen sollte, sondern eben in Hisarlik. Und Frank Calvert ist Amerikaner und hat 2000 Hektar von Hisarlik quasi erworben, um dort graben zu können. Aber es scheint, dass es ihm an Geld gemangelt hat, um da wirklich Arbeitskräfte zu bezahlen, um da Material bewegen zu können. Deswegen lag das erstmal brach und er ist dann eben innerhalb der Wissenschaft auch unterwegs gewesen und hat versucht, Leute dafür zu gewinnen. Und er hat Schliemann gewonnen. Also er hat Schliemann dann erzählt, es könnte Inga Hisalik sein. Und Schliemann hat das Geld. Schliemann kann die Arbeitskräfte bezahlen. Schliemann ist sehr gut im Marketing. Und damit wurden dann diese Funde, die später dort gemacht wurden, da wurde dann leider Frank Calvert vergessen. Auch seinsch. Aber das ist gar nicht mal Schliemanns Schuld, dass die Leute Frank Calvert vergessen haben.
Daniel
00:56:29
Der hätte doch ein Buch schreiben können.
Solveig
00:56:30
Ja, und man muss auch ehrlich sagen, dass Schliemann das hier über Frank Calvert in seiner Autobiografie, zumindest er selbst schreibt es glaube ich zu diesem Zeitpunkt nicht, also wir haben es schon gemerkt, es wechselt einmal vom Ich-Erzähler zum Er-Sie-Erzähler und da er ja gestorben ist, während diese Biografie geschrieben wurde, seine Frau, die fertiggestellt hat, vermute ich, dass ab dem Moment, wo es vom Er-Erzähler ist, dass Sophia das geschrieben hat. Aber in der Autobiografie steht folgendes.
Daniel
00:57:00
Der Boden des Hügels von Hisali gehörte und gehört noch heute fast zur Hälfte Herrn Frank Carvert, dem amerikanischen Konsul in den Dardanellen. Dieser hatte in einer seiner vielen gelegentlichen Grabungen im Gebiet der Troas festgestellt, dass erst der Verfall von Tempeln und größeren Bauten spätgriechischer und römischer Zeit die heutige Ausdehnung des Hügels bewirkt habe. Es war dadurch gesichert, dass hier die Stelle der späten Neugründung Ilions lag. Dass im Kern des Hügels die Burg des Priamos stecken könne, war die Überzeugung Calverts, welcher sich darin einigen vereinzelt gebliebenen Gelehrten anschloss.
Solveig
00:57:35
Also man zitiert ihn und man würdigt ihn für seine wissenschaftliche Leistung. Er wird dann halt später in der Marketingkampagne vergessen. Aber Schliemann hat zumindest, aber die Schliemanns haben...
Daniel
00:57:49
Aber ist der Calvert da schon tot oder weg? Oder warum hat er nicht selber ein bisschen sich promotet? Weiß nicht.
Solveig
00:57:55
Schliemann war einfach lauter. Der konnte das besser.
Daniel
00:58:00
Und spricht mehr Sprachen.
Solveig
00:58:00
Das spricht mehr Sprachen. Der hat einfach ganz genau, er hat auch die Kontakte gehabt. Ich glaube, Frank Calvert hatte auch die Kontakte einfach nicht, die Schliemann hatte. Und Schliemann kommt jetzt eben, 71. Und naja, wir haben ja jetzt schon deutlich gehört von ihm, dass es ihm darum ging, das homerische Troja zu finden. Und Frank Carver hat ihn informiert, naja, also dieser Hügel ist bis in die römische Zeit, wenn nicht sogar bis in die byzantinische Zeit, bewohnt gewesen. Also da ist laut, so für Schliemann, sehr viel Klumpatsch drauf. Und der muss jetzt weg.
Daniel
00:58:35
Oh Gott.
Solveig
00:58:37
Weil wir wollen ja.
Daniel
00:58:37
Wir wollen das richtige Troja finden.
Solveig
00:58:40
Nicht diesen spätgriechischen, römischen.
Daniel
00:58:42
Aber der weiß noch gar nicht, bis wohin er dann da muss.
Solveig
00:58:44
Ja, und er ist fest davon überzeugt, Und das große, das wahre, das richtige Troja, das wird ja ganz unten sein. Die Burg des Priamos, das ist ganz unten, wir müssen nach ganz unten. Und jetzt wollen wir auch ökonomisch arbeiten. Er ist Geschäftsmann und er will ökonomisch vorankommen. Und man möchte Geld sparen, man möchte Zeit sparen, man möchte auch Arbeit sparen, denn auch diese Arbeitskräfte, die da graben, sollen natürlich nicht unbedingt überbordend belastet werden.
Daniel
00:59:12
Die kosten ja Geld.
Solveig
00:59:13
Die kosten Geld. Wenn die krank werden, wenn sie ermüdet sind, ist alles nicht so hilfreich. Also sagt man, wir nehmen die sparsamende Methode, wir machen einen Sondierungsschnitt und man guckt erst mal, wie tief müssen wir denn unbedingt runter. Und sie finden dann einen Brunnen, dessen Schacht geht 17 Meter runter. Es sind dann aber insgesamt, wenn man so guckt, scheinen so 30 Meter müssen die in die Tiefe runter, um zum Steinboden runterzukommen. Also zum ursprünglichen Gebirge quasi, auf dem diese Stadt ursprünglich mal gebaut wurde. Das sind so knapp 30 Meter runter. Und jetzt entscheiden sich, wie gesagt, für diesen Sondierungsschnitt. Das heißt, wir machen einmal quer durch diesen Berg eine Schneise auf 30 Meter runter, um dann zu sehen, Um das richtige, das wahre historische Troja zu finden. Und das mit diesen Sondierungsschnitten, muss man auch Fairness halber sagen, ist in der Zeit noch völlig legitim. Das wird auch in der Wissenschaft, in der Archäologie als legitimes Mittel angesehen. Vielleicht jetzt nicht unbedingt bei 30 Metern runter. Aber es ist eben, er verstößt da jetzt nicht unbedingt gegen große Konventionen, dass er da sagt, naja, wir müssen da 30 Meter diesen Graben runter und einmal durch die Stadt durch. Und da hat er wahrscheinlich auch wirklich Dynamit genommen, um sich da ein bisschen einfacher zu machen. Wie gesagt, er selbst hat es nie geschrieben.
Daniel
01:00:42
Ich stelle mir trotzdem vor, wie Herr Schliemann da hinkommt und einfach mal so ein paar zusammengebundene Stangen Dynamit anzündet und in diesen Brunnen wirft.
Solveig
01:00:52
Er ist da eben sehr, sehr grob. Ich habe dir tatsächlich ein Bild mal mitgebracht von diesem sogenannten Schliemannsgraben, wie das heute auch genannt wird. Weil ich das doch sehr eindrücklich finde, wenn man sich das anguckt. Ich habe auch keinerlei Grabungserfahrung.
Daniel
01:01:05
Ernsthaft, so einen Querschnitt durch so eine komplette Hügel machen kann.
Solveig
01:01:08
Also ich war als Kind mal dort, aber die haben ja dann auch sehr, sehr viel mittlerweile ergraben, sodass ich glaube, dass dieser Schliemannsgraben auch nicht mehr so sichtbar ist, wie das hier auf dieser Zeichnung zu sehen.
Daniel
01:01:18
Ist. Das ist in der Mitte dieser Schnitt? Okay, wow.
Solveig
01:01:20
Das ist wirklich so einmal durchgefräst.
Daniel
01:01:24
Ja, ihr könnt das dann in die Shownotes sehen. Sehr beeindruckend.
Solveig
01:01:27
Man kann natürlich schon sehen, wenn du hier einmal stehst und durchgehst, dann siehst du natürlich die unterschiedlichen Geschichten. Aber alles, was hier drin lag.
Daniel
01:01:38
Verschiedene Eingänge da machen, je nachdem, wo du dann weitergraben möchtest.
Solveig
01:01:41
Ja, und so ist das ja auch gemacht worden. Nur alles, was eben in diesem Trichter, der jetzt entstanden ist, war, ist jetzt weg. Und wenn wir uns das angucken, das scheint natürlich auch nochmal so der zentrale Ort gewesen zu sein.
Daniel
01:01:53
Der Palast des Königs ist jetzt futsch.
Solveig
01:01:54
Also es ist jetzt nicht, dass das hier irgendwie an der Seite passiert ist, sondern einmal so wirklich mittig durch und man kann ja davon ausgehen, dass die wichtigsten Gebäude in der Mitte eines Ortes sind. Also es ist wirklich viel verloren gegangen, muss man ehrlich sagen. Aber Schliemann ist nach nur zwei Jahren, also er hat ja Ende, also offiziell September 71 angefangen, ein bisschen vorher schon, ein bisschen probiert, aber 73 verkündet er nun der Welt, er hat... Das homerische Troja gefunden. Sie sind unten angekommen und es ist dort. Er ist selbst ein bisschen enttäuscht, wie er auch erzählt. Also die Mauern sind ja schon ein bisschen klein. Also dass Homer so einer kleinen Stadt mit so mickrigen Mauern so einen Epos gewidmet hat, das verstehe ich jetzt auch nicht. Aber es ist auf jeden Fall da.
Daniel
01:02:41
Stand da ein Ortsschild rum oder warum ist er sich so sicher, dass das jetzt Troje ist? Weil es einfach da am Meer ist?
Solveig
01:02:47
Weil es da ist.
Daniel
01:02:47
Zwischen den Flüssen?
Solveig
01:02:48
Genau. Es ergibt tatsächlich auch Sinn. Also es wird ja auch heute davon ausgegangen, dass dieser Ort, das tatsächlich der Ort ist, den Homer beschrieben hat. Ob es da wirklich so einen Krieg gegeben hat, muss man dann nochmal überlegen. Aber es gibt auch Untersuchungen, dass das Meer tatsächlich zu der Zeit, wo dieser Krieg passiert sein soll, wenn er passiert ist, tatsächlich auch direkt dort war. Also das Wasser ist zurückgegangen, aber damals war der Wasserspiegel eben auf der Höhe. Also das passt, mit den Flüssen passt es. Wenn es denen wirklich Troja gab, dann muss das dieser Ort gewesen sein. Und er hat es gefunden. Er hat es gefunden. Jetzt ist das Problem mit diesen Mauern, die sind ja zu klein. Und insgesamt ist diese Stadt auch super klein. Also das ist wirklich auch ein bisschen enttäuschend. Und das muss, ich glaube, Schliemann selbst schon eingestehen. Aber auf jeden Fall später wird es definitiv bewiesen, dass Schliemann in seinem Eifer ein bisschen zu tief gegraben hat. Also wie die Zwerge in Moria, die auch zu tief gruben und den Ballrock erweckten, hat auch Schliemann ein bisschen zu tief gegraben.
Daniel
01:03:51
Wer kam da raus?
Solveig
01:03:52
Und er kam in einer Siedlungsschicht raus, die in das dritte Jahrtausend vor Christus datiert wird heutzutage. Also in die Zeit zwischen 2550 und 2200 vor Christus. Man geht davon aus, wenn es den Trojanischen Krieg wirklich gegeben hätte, also wenn wir davon einfach ausgehen, es gab diese Kampfhandlung, geht man heute davon aus, dass der so um 1180 vor Christus passiert ist. Also Schliemann ist im Grunde tausend Jahre zu tief. Ein bisschen zu tief. Und das erklärt eben auch, warum diese Mauer so klein ist und warum diese Stadt so klein ist. Denn dieser Ortis Salik ist eben über die Jahrtausende konstant bewohnt worden, die gesamte Bronzezeit hindurch. Und hat mal klein angefangen.
Daniel
01:04:36
Aber das heißt, er hat eigentlich das homerische Troja mit abgeräumt. Oh nein.
Solveig
01:04:40
Ja.
Daniel
01:04:40
Oh scheiße.
Solveig
01:04:41
Und man geht heutzutage, Troja wird ja weiterhin ergraben. Man geht von neun oder zehn Siedlungsschichten aus. Das hängt so ein bisschen davon ab, was man mitzählt. Und Schiemann ist auf Troja 2 runter. Aber das homerische Troja ist Troja 7. Also er ist da so brachial durch. Und wie gesagt, er ist ja auch mittendurch. Das heißt, dass...
Daniel
01:05:01
Ja gut, aber da muss ja links und rechts alle Schichten schön noch sein. Da kann man ja noch was rausholen.
Solveig
01:05:06
Aber es ist halt eben auch viel kaputt gemacht. Was ja eigentlich nicht sein Plan war. Und bei dieser Grabung, das ist ja dann auch so die große Nachricht, die er so an die Welt bringt, nicht nur, dass er Troja gefunden hat, er hat ja auch den Schatz des Priamos gefunden. Und da habe ich mich überlegt, was der Schatz des Priamos ist, das sparen wir uns für den Nachklapp auch.
Daniel
01:05:28
Achso, das ist aber fies. Wow, das haben wir aber noch nie gemacht. So ein Cliffhanger hier.
Solveig
01:05:36
Was den genau ausmacht, ob es der Schatz des Priamos wirklich ist. Da gehen wir im Nachklapp drauf ein. Für die, die es interessiert, es ist eben ein großer Schatzfund, den er findet. Goldgefäße, also Goldschmuck, Silbergefäße, Bronze. Es ist ein sehr, sehr großer Schatz, den er hier in Troja 2 findet. Und dadurch ist schon, glaube ich.
Daniel
01:05:56
Der ist schon auch bis heute so gelabelt.
Solveig
01:05:58
Der ist bis heute so gelabelt, aber wenn wir eben bedenken, dass Schliemann ja tausend Jahre zu tief gegraben hat.
Daniel
01:06:04
Ist es vielleicht doch eine andere Zeit.
Solveig
01:06:05
Wird es vielleicht doch nicht Priamus gehört haben.
Daniel
01:06:07
Und wenn doch der Palast wahrscheinlich in der Mitte des Ortes stand und jetzt von Liban weggesprengt wurde.
Solveig
01:06:12
Also es ist auf jeden Fall ein sehr großer Schatz. Wem er gehört hat, das werden wir nie beantworten können. Wem er heute gehört, das besprechen wir im Nachklapp.
Daniel
01:06:20
Das ist tatsächlich eine gute Story für den Nachklapp, den ihr natürlich alle hören könnt, wenn ihr einen Teil unserer Kosten übernehmt, die das Hosting verursacht und Grafik und Ton und Technik und das, was Zollberg alles jetzt noch für ihre Videoaufnahmen braucht. Und das macht ihr eben alles möglich, wenn ihr uns regelmäßig bei Steady unterstützt. Und dafür kriegt ihr als Dankeschön dann den Nachklapp zum Schatz des Priamos und alles, was sich da schon bislang bei uns so angehäuft hat an Altertümern. Und noch dazu kommt.
Solveig
01:06:50
Wie gesagt, also dem Schatz des Priamos wird es nicht gehört haben. Aber wo er heute ist und wem er heute gehört, das besprechen wir dann im Nachklapp. Wir bleiben weiter in Troja. Beziehungsweise wir gehen jetzt mit Stiemann aus Troja in die Welt hinaus. Denn er hat ja eben jetzt der Welt verkündet, ich habe es gefunden, ich habe diesen Schatz gefunden, der beweist, dass es wirklich Troja war, weil es ist ja der Schatz des Priamus. Tatsächlich in der Ilias wird auch erzählt, dass Priamus einer der reichsten Männer war, dass Troja eben eine sehr, sehr reiche, mächtige Stadt war und Priamus ist so einer der reichsten Männer seiner Zeit. Und deswegen passt es dann schon, dass wenn Schneemann eben fest davon überzeugt ist, hier das wirkliche homerische Troja gefunden zu haben, dann einen großen Schatz findet, dann bestärkt einen das natürlich in der eigenen Überzeugung. Schliemann selbst war später auch nicht mehr so überzeugt von seinem Schliemann-Graben. Er hat das dann tatsächlich auch bereut, weil ihm bewusst wurde, dass er wahnsinnig viel kaputt gemacht hat. Und hat dann später, er hat dann noch in Griechenland gegraben, da hat er das nicht mehr gemacht. Also schlimm genug, dass er es einmal gemacht hat, aber er hat daraus gelernt, das muss man ihm ehrenhalber sagen oder über ihn sagen, muss man ihm zustehen, dass er das nicht nochmal gemacht hat. Und ich hatte es schon angesprochen, diese Sondierschnitte waren damals tatsächlich nicht.
Daniel
01:08:07
Der Sondierschnitt klingt auch irgendwie so chirurgisch, aber das da, das ist ja ein Kanal, ein Panama-Kanal.
Solveig
01:08:13
Das ist wirklich einfach nur so ein Aufreißen. Genau, also das dazu. Jetzt ist das natürlich, ich habe es schon angesprochen, Schliemann hat nicht, also hat er mitgefunden, aber das, was er da unten gefunden hat, ist eben nochmal tausend Jahre älter gewesen, als er bislang gedacht hat. Und das muss man ihm, ob man möchte oder nicht, ob man Schliemann gut findet oder nicht, ob man ihn für einen Scharlatan hält oder für einen Genie zusprechen, dass er durch diese Funde tatsächlich ein Geschichtsbewusstsein auch innerhalb der Archäologie geschaffen hat und vor allem auch in Griechenland geschaffen hat, die über das 8. Jahrhundert vor Christus hinausging. Also wenn man sich heute mit Archäologie beschäftigt, wird man feststellen, dass die Archäologie zwei Disziplinen hat. Klassische Archäologie und prähistorische Archäologie. Und die klassische Archäologie setzt 800 vor Christus ein und geht dann bis in die byzantinische Zeit, bis in die römische Zeit. Alles davor fällt in die prähistorische Archäologie. Und das hat damit zu tun, dass man eben in der Archäologie der Meinung war, dass es vor 800 keine Kultur gab. Also 800 vor Christus. Erst wenn Homer anfängt zu schreiben erst wenn Hesiod anfängt zu schreiben dann lohnt es sich und alles davor ist halt Unfug und. Und dadurch, dass Schliemann eben diese Kunstgegenstände hervorgeholt hat aus dem dritten Jahrtausend, das sind wirklich auch sehr, sehr schöne Objekte, die sind auch so niedlich aus. Also wenn man sich diese anguckt, das sind so Kannen und dann haben die so zwei Henkel und es sieht so ein bisschen aus und dann haben die auch so Augen oben und so einen kleinen Schnabel und das sieht ein bisschen aus wie so ein tanzender Mensch oder so. Also sie sind super niedlich. Also da hat man tatsächlich auch schon ein Kunstverständnis gehabt, natürlich. Aber im 1900 wird dieser Gesellschaft jetzt eben auch ein Kunstverständnis zugesprochen. Und wenn wir das natürlich uns bewusst machen, die Griechen sind ja gerade dabei, ihr Nationalgefühl neu zu entwickeln, nachdem sie ja jetzt unabhängig geworden sind. Und da kommt ein Schliemann nach Athen und erzählt, schaut mal, ihr seid sogar noch älter, als ihr bislang geglaubt habt. Das finden die natürlich richtig geil. Und das muss man Schliemann eben lassen, dass er der Erste mit war, der diese Funde... Vermarktet hat und eben als wertvoll und erinnerungswürdig erklärt hat und den Leuten dafür auch ein Gefühl gegeben hat. Er hat dann, wie gesagt, weitergegraben in Tirnis, in Mykene, also vor allem in Griechenland und hat damit im Grunde, die hat er nicht begründet, aber er war, wie gesagt, einer der Ersten, der diese mykänische Kultur ergraben hat. Und diese mykänische Kultur wird eben auf die Zeit des 15. Bis 12. Jahrhunderts vor Christus datiert. Und da lässt sich im griechischen Raum an der Westküste Kleinasiens bis runter nach Kreta lässt sich so eine zusammenhängende Kultur nachweisen, weil die Keramik ist sich relativ ähnlich, die Architektur scheint sich sehr ähnlich zu sein. Es scheinen so Paläste gebaut gewesen zu sein, die mit sehr dicken Mauern gesichert waren. Und man geht dann davon aus, dass das eben so eine Kultur war, die über, ob das jetzt Könige waren oder ein zusammenhängendes Reich war, das kann man so jetzt auch nicht sagen, oder eben einzelne Königreiche, die in Kontakt miteinander standen. Aber es hat eben diese Palastanlagen gegeben, die das umliegende Land kontrollierten. Das gibt es in Athen, das gibt es in Mykene und das gibt es in Knossos auf Kreta. Und diese Kultur ist eben um 1200 vor Christus zerstört worden. Diese ganzen Palastanlagen sind alle so um diese Zeit herum gegründet. Kaputt gegangen und wurden auch nicht wieder aufgebaut. Also es ist ja normalerweise üblich, das ist ja auch in Troja 2 beispielsweise passiert, diese Stadt ist verbrannt und anschließend hat man auf dem Schutt, den man scheinbar zusammengekehrt hat, eine neue Stadt drauf gebaut und das ist hier nicht passiert. Also diese Paläste sind einfach verlassen worden, man ist weggegangen und diese Gebäude sind verfallen. Und irgendwann später hat man da wieder was drauf gebaut. Und wenn wir uns dann eben bewusst machen, dass ja man gemeinhin diesen Trojanischen Krieg um 1200 datiert, also vor Christus, dann kann das durchaus sein, dass das, was Homer eben im 8. Jahrhundert ja beschreibt, das derzeit ist die Ilias, dass es tatsächlich so einen großen Krieg gab, Konflikt gab, in dem diese Paläste zerstört wurden. Und das im kollektiven Gedächtnis, nennen wir es jetzt einfach mal, noch so drin war, dass Homer da seinen Trojanischen Krieg draus gemacht hat. Also ob da jetzt wirklich die Griechen gegen Trojaner gekämpft haben mit der Hilfe der Götter, weil Helena geraubt wurde, würde ich jetzt in Frage stellen. Aber offensichtlich hat es irgendwie nochmal so ein großes kriegerisches Ereignis gegeben, das in dieser Art und Weise literarisch verarbeitet wurde. Und das hatte ich ja schon bei Hermann in der letzten Folge angesprochen, dass die Römer ja auch in diesen Besiedlungskontexten denken. Also es ist ein Volk mit den Booten gekommen und hat dort ein neues Volk gegründet. Und das könnte auch eben sich auf die Kolonisierung der griechischen Kolonisierung beziehen, die im 6. Jahrhundert stattfand, wo Griechen kamen und die Etrusker miteinander verschmolzen haben. Wir haben griechische, also Syrakus ist ja eine griechische Stadtgründung, Neapel ist eine griechische Stadtgründung. Also dass das da auch noch in Erinnerung war, die Menschen kamen mit Booten und dann kam was Neues. Und hier auch, es gab einen großen Krieg und ich erzähle euch jetzt mal von diesem Krieg. Und den hat es tatsächlich historisch gegeben und wird dann in dieser Form erinnert. Und das Bewusstsein ist eben durch Schliemann gekommen. Bis dahin hat niemand diese Funde so eingeordnet, bis dahin hat sich niemand mit diesen Vorzeiten eben beschäftigt und das ist dann eben, was seine Arbeit ausgelöst hat. Also da so ein bisschen vielleicht auch zu seiner Ehrenrettung. Ja, er war um mehr verliebt. Er war grob in seinen Grabungen, aber trotzdem hat sein Vorgehen da Wissen kreiert und eine ganze Disziplin begründet, die sich dann auch mit Respekt diesen Zeiten widmet. Zum Ende von Schliemann noch. Der stirbt verhältnismäßig früh und unerwartet, nämlich am 26. Dezember 1890 in Neapel. Schliemann ist ein Workaholic, der ist getrieben von seiner Liebe für die Antike, von seiner Liebe das zu vermitteln und er leidet an einer chronischen Ohrenentzündung auf beiden Ohren. Und die ist so schlimm, dass er sich, ich glaube sogar in Deutschland, operieren lässt, damit das weggeht. Und die Ärzte sagen ihm so, und jetzt machst du bitte drei Monate Urlaub. Und er sagt, ja, später. Ich muss erst noch nach Neapel. In Neapel will er sich das Museum angucken und er will Pompeji sehen.
Daniel
01:15:09
Das klingt schon nach Urlaub.
Solveig
01:15:10
Ja, wenn er immer noch die kleine Spitzhacke in der Tasche hat. Er ist wirklich immer unterwegs gewesen. Das heißt irgendwie, dass er 50 Mal um die Welt gefahren sein soll mit den Kilometern, die er gemacht hat. Und er wollte eigentlich auch an Weihnachten zu Hause in Athen sein bei seiner Familie. Da gibt es einen Brief, dass er dann schreibt, so und ich bin dann auch an Heiligabend da. Aber diese Ohrenschmerzen werden einfach immer schlimmer dass er dann sagt, ich kann jetzt nicht ich kann nicht ins Boot und dann kommen sondern ich bleibe erst nochmal in Neapel und kuriere mich aus. Scheint er nicht gemacht zu haben. Auf jeden Fall ist er am 26. Dezember in Neapel unterwegs und bricht dort auf offener Straße zusammen und hat keine Papiere dabei. Und jetzt scheint er so ein alter, zottliger Mann gewesen zu sein. Also nicht zottlich, er war schon gut frisiert, aber seine Kleidung war scheinbar ein bisschen abgegriffen, weil er da nicht so viel Wert drauf gelegt hat scheinbar. Dass man ihn dann zwar ins Krankenhaus bringt, aber man ihn jetzt auch nicht so richtig ernst nimmt, weil man glaubt, das ist irgendwie so ein Tagelöhner und ein Herumtreiber, dass der da in seinen Lumpen rumlinnt, so völlig verfranst. Und irgendwie erst auf dem Weg ins Krankenhaus oder im Krankenhaus selbst gibt es dann irgendjemanden, der ihn erkennt. Das ist der große Wissenschaftler Schliemann, dem sollten wir dann vielleicht doch ein bisschen intensiver helfen. Aber das reicht nicht, er verstirbt dann tatsächlich im Krankenhaus in Neapel Und er wird dann einen Monat oder so später abgeholt, einbalsamiert nach Athen gebracht und dort dann auf dem ersten Athener Friedhof begraben. Das Grabmal hatte er vorher auch schon mit Ernst Ziller zusammen entworfen, so ein großer Architekt des 19. Jahrhunderts in Athen, so ein bisschen auch so einer der Nationalarchitekten, der so das moderne Athen geschaffen hat. Der hat auch die Villa von Schliemann in Athen entworfen und gemacht und jetzt hat er auch dieses Grab mal bekommen, da wird er dann später, das ist noch nicht fertig, als es dann fertig ist, wird er dort auch hineingelegt. Also er hat jetzt auch in Athen auch die Anerkennung in seinem Grab, die ihm seiner Meinung nach dann auch zusteht, hat er dann auch bekommen, diese Würdigung. Das war es einmal mit Schliemann.
Daniel
01:17:21
Aber das ist jetzt doch, finde ich, überraschend, da ich mich ja noch nie beschäftigt habe mit dessen Biografie. Bei dir kommt es jetzt wirklich so rüber, es ist einfach so eine Zweiteilung. Die erste Hälfte der Biografie ist der kapitalistische Schliemann und dann plötzlich entdeckt er seine Liebe zur Antike und fängt an, Troja zu suchen.
Solveig
01:17:36
Ja, so eine Midlife-Crisis.
Daniel
01:17:37
Und denkt sich hinterher aus wahrscheinlich, dass er das seinem Vater als Kind schon mal versprochen hat oder so. Ja, klar. Irgendwie so in ihm herangewachsen, ich muss Schätze finden. Woher kommt das dann plötzlich? Das ist ja so anders als bei Herrn Winkelmann, der irgendwie schon in seiner kleinen Dorfschule den Stendal, irgendwie antike Autoren frisst quasi und sich selbst altgriechisch beibringt. Bei ihm ist das ja irgendwie nicht so angelegt am Anfang, dass er da am Ende um die Welt reist und irgendwelche Grabungen vornimmt.
Solveig
01:18:05
Ja, also wir wissen nicht, wir können in seinen Kopf nicht reingucken, ob es wirklich schon als Kind angelegt war oder ob er dann irgendwie im Laufe seiner Midlife-Crisis diese Begeisterung entwickelt hat. Aber wir können eben sehen, dass er tatsächlich so einen Cut Anfang der 60er hat, wo er sagt, so jetzt was Neues. Er scheint aber auch insgesamt ein sehr umträglicher Mensch gewesen zu sein, der immer, der sich nicht mit dem zufrieden gegeben hat, was alle anderen hatten, sondern der immer mehr, mehr, mehr wollte. Und vielleicht hat er dann auch so eine gewisse Griechofilie entwickelt, auch das ist jetzt nicht überraschend in der Zeit, das entwickeln viele. Und dass er sich dann da irgendwie abgeholt fühlt.
Daniel
01:18:43
Und es hat mich dann auch überrascht, dass er dann in Neapel nicht im Pelzmantel rumläuft und ein bisschen schick sich auftritt. Vielleicht hat er sich da auch gewandelt und gesagt, so das ist jetzt alles egal.
Solveig
01:18:52
Nur noch für die Kunst.
Daniel
01:18:54
Ich möchte den Staub der Wüste hier, meine Grabungen, die Lava spüren.
Solveig
01:18:59
Vielleicht wollte er auch nochmal die Ästhetik abgreifen, also des Wissenschaftlers, der nur für die Kunst lebt.
Daniel
01:19:06
Genau, also das Bild des Archäologen auch geprägt, wie man sich gibt nach außen. Ja und es klang so ein bisschen durch, dass du jetzt am Ende sehr betont hast, man musste ihn dann doch auch würdigen. Hat sich das jetzt nur auf die Grabensprengung bezogen, dass er da erstmal so martialisch durchgegriffen hat oder gibt es da heute durchaus noch Diskussionen? Gab es im Rahmen dieser Ausstellung zum Beispiel da vielleicht auch heute noch Leute, die gesagt haben, Schliemann, das ist das Schlimmste, was hier passiert ist oder so?
Solveig
01:19:31
Ja, also das ist tatsächlich, also Schliemann ist, wie gesagt, der war schon zu seiner Zeit eine sehr zwiespältige Person. Die Wissenschaftler sahen auch in ihm immer so den Newcomer, den Reichen, der das jetzt hier nur als Hobby macht und den Dilettanten. Also dass dieser Graben ist, ich hatte es angesprochen, war ein legitimes Mittel, aber ich glaube nicht in dem Maße, wie er es gemacht hat. Und dann hat er ja auch noch diesen riesen Schatz gefunden. Also ich glaube, also nicht nur ich glaube, das sieht man auch in der Literatur wieder, dass das von Zeitgenossen auch so richtig, die waren auch richtig bitter. Dass er kommt dann da mit Mitte 40, spielt sich da auf und findet dann, wird dafür auch noch belohnt mit diesem riesen Schatz, den er da findet. Er findet nicht nur in Trojan einen Schatz, er findet auch noch in Mykene Schätze. Und das ist dann wirklich, ich glaube, die waren richtig bitter auch, ihm das zugestehen zu müssen. Die natürlich dann auch einen gewissen wissenschaftlichen Dünkel hatten. Und dann ist er aber wirklich auch jemanden, der sehr gut verkaufen konnte und der sehr gut Geschichten erzählen konnte. Und das muss man natürlich auch kritisch sehen.
Daniel
01:20:31
Wieso muss man das kritisch sehen, wenn man gut Geschichten erzählen kann?
Solveig
01:20:34
Wenn du Wissenschaft machst und ein bisschen an den Fakten drehst. Also du kannst von mir, also wir machen hier ja auch.
Daniel
01:20:41
Interpretation ist immer auch Teil der Wissenschaft.
Solveig
01:20:42
Wir erzählen Geschichten, aber wir schieben nicht in den Zahlen rum. Außer manchmal, wenn wir uns versprechen, aber nicht absichtlich. Und das muss man Schliemann schon lassen, dass er dann noch gewisse Geschichten... Geschönt hat. Also es gibt dann wirklich Artikel, dass er ein Lügner und ein Scharlatan war und nichts von dem, was er geliefert hat, brauchbar wäre und man auch aus moralischen Gründen nicht auf seine Funde und seine Beschreibungen zurückgreifen dürfe. Ja, der Diskurs wird dann immer recht schnell moralisch aufgeladen, aber, Deswegen habe ich das so ein bisschen, und da ging es eben auch in der Ausstellung drum, deswegen, ich fand, das war eine großartige Ausstellung, ich habe da sehr gerne gearbeitet, weil die das wirklich auch so sehr bemüht haben, das ihnen als Menschen zu zeigen und zu zeigen, wo sind die Schwierigkeiten und wo sind eben die Leistungen. Und für mich ist diese mykänische Kultur, da ein Bewusstsein zu schaffen, schon eine große Leistung gewesen, die er dort angestupst hatte. Er hat das jetzt nicht selbst alles alleine ausgegraben, aber überhaupt da ein Bewusstsein zu schaffen, da gibt es mehr und das ist auch erinnerungswürdig, finde ich schon sehr rühmenswert dann unter dem Aspekt. Aber wie gesagt, es gibt sehr, sehr viele, die sagen, er ist der weiße Kolonialprofiteur, der Kriegskapitalist, der Kriegsgewinnler.
Daniel
01:21:55
Also doch auch Sprengkraft im übertragenen Sinne.
Solveig
01:21:58
Sprengkraft im übertragenen Sinne. Und wie gesagt, es ist auch, und ich finde, es ist alles richtig. Es ist richtig, ihn als Kriegsgewinner zu sehen. Es ist richtig, ihn als Profiteur zu sehen. Und es ist aber auch gleichzeitig richtig zu sagen, er hat da wissenschaftliche Grundlagenarbeit gemacht. Also da sind wir dann wieder bei meinem Hauptpunkt. Menschen sind nochmal komplex und man kann nicht in Gut und Böse trennen, sondern wir haben gute Seiten und wir haben schlechte Seiten. Und das macht eben die menschliche Natur aus. Und unter diesem Aspekt muss man dann auch eine Ambiguitätstoleranz haben, dass ein Mann wie Schliemann durchaus auch gute Seiten hat.
Daniel
01:22:35
Okay, dann werde ich ihn ab sofort auch würdigend in Erinnerung behalten und nicht nur Herrn Winkelmann hier vielleicht gelegentlich zur Hand nehmen. Ich muss gestehen, ich habe diese Ausstellung verpasst, obwohl du dort tätig warst. Du hast mich nicht geführt.
Solveig
01:22:48
Ja, ich habe aber andere aus unserem Freundeskreis geführt. Du hattest keine Zeit.
Daniel
01:22:52
Oh, wahrscheinlich musste ich nach Stendal fahren. Weil ich auch nur die Dynamitsprengkraft im Kopf hatte und das ist niemand, wer soll das schon sein? Nun gut, zu meiner Schande. Aber vielleicht gibt es ja einen Katalog, in dem man noch blättern kann.
Solveig
01:23:07
Es gibt einen Katalog und du hast ja jetzt quasi von mir nochmal. Im Geiste habe ich dich geführt.
Daniel
01:23:12
Und ich möchte natürlich noch ein bisschen was Visuelles und Haptisches dabei haben. Und bin sehr gespannt darauf, jetzt von dir nach einer kurzen Pause noch mehr zu erfahren über den Schatz des Priamus. Ich glaube zu wissen, wo der sich aufhält. Was meinst du denn? Und wo man da eine Kopie vielleicht finden könnte. Ich meine, er ist da, findet er an einem passenden Ort. An dem, wo er da sein Reichtum größtenteils mit aufgebaut hat und dann leider nicht in die erste Gilde gelangt ist. Und hat sich allerdings die meiste Zeit eher hier in Berlin aufgehalten, dieser Schatz. Und ist da erst so in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Hermitage gelangt. Nee, ist nicht in der Hermitage.
Solveig
01:23:52
Ist nicht in der Hermitage.
Daniel
01:23:54
Also dann noch ein Grund mehr, den Nachklapp auch noch unbedingt mitzuhören. Und das können nicht nur Lydia, David und Timo, sondern natürlich noch mittlerweile ganz viele Leute, wie zum Beispiel Christina, Steffi, Kufi, Sophie, Christoph, Tobias, Beate, Sarah Solberg, Noemi, Henrike, Stefan, Aisha, Isabella, Silvia, Emma, Maike, Marte, Jojo, Cornelia, Anne, Vera, Dennis, Eva, Roland, Karolin, Matthias, Kerstin, Bettina, Klaus, Sascha, Vivien, Florian, Philipp, Claudia, Nina, Michael, Ann-Christin, Michaela, Sandra, Christina, Monika, Teresa, Stefan, Thomas, Wernert, Heike, Daniel, Alke, Anja, Stefan, Sabine, Genuf, Eva, Tom, Daniel, Es ist, glaube ich, Monika, Mika, Alexandra, Corinne, Katrin und Katrin und Jan und Hermann und Julia und Leon, Monika und Marianne und natürlich wir beide und ich freue mich da drauf. Macht's gut und bis bald.
Solveig
01:24:40
Tschüss.
Daniel
01:24:41
Ciao. Grabt irgendwas aus in eurem Garten.
Solveig
01:24:45
Aber nicht irgendwo anders, nur in eurem Garten.
Daniel
01:24:47
Macht viele Sondierungsschnitte.
Solveig
01:24:48
Nein, das ist illegal in Deutschland. Bitte nicht.
Daniel
01:24:52
Nicht im Garten graben?
Solveig
01:24:53
Im Garten schon, im eigenen Garten ja, aber nicht bitte mit der Sonde durch den Wald laufen.
Daniel
01:24:57
Okay, aber ich nehme eine Schaufel und suche mir einen Garten. Gucken, wie viele Meter man runterkommt. Wie viele tausend Jahre unter meinem Garten abfalllieben.
Solveig
01:25:07
Bitte lass das die Profis machen.
Daniel
01:25:09
Okay, na gut.