Willkommen bei Flurfunk Geschichte

Dein Geschichtspodcast mit Daniel und Solveig

FG067 - Kaiser Wilhelms große Liebe: Elisa Radziwill

09.04.2026 77 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge widmen wir uns einer Beziehung, die weit über eine private Romanze hinausging und als Sinnbild für das komplexe Verhältnis zwischen Deutschland bzw. Preußen und Polen gelesen werden kann. Wir untersuchen die Begegnung zwischen dem preußischen Prinzen Wilhelm I. und der polnischen Adeligen Elisa Radziwiłł und gehen der Frage nach, welche historischen Weichenstellungen durch das Scheitern dieser Verbindung möglicherweise verpasst wurden. 

Eine Fortsetzung unserer Reihe zu preußischen Frauen

Mit dieser Folge löst unser Gast Michael ein Versprechen ein, dass er in einer früheren Folge gegeben hat. Denn schon im Rahmen unseres Frauenjahres war Michael bei uns zu Gast und hat uns von preußischen Königinnen erzählt. Im zweiten Teil ging es damals dann um morganatische Ehen und Mätressen. Heute geht es um eine Ehe, die eigentlich die Chance hatte, Staatsräson und wahre Liebe zu vereinen. Am Ende aber doch nicht sein durfte. 

Das Haus Radziwiłł: Macht und europäische Verflechtung

Zunächst sprechen wir über die Bedeutung des Hauses Radziwiłł. Wir stellen fest, dass diese Familie keineswegs zum niederen Adel gehörte, sondern als eines der einflussreichsten Geschlechter im polnisch-litauischen Raum agierte. Mit ihrem enormen Grundbesitz und ihren bedeutenden Residenzen, wie dem Palais Radziwiłł in der Berliner Wilhelmstraße oder dem heutigen Präsidentenpalast in Warschau, waren sie über Jahrhunderte eng mit den europäischen Dynastien verwoben. Wir beleuchten in diesem Zusammenhang auch die politische Struktur Polens als Adelsrepublik mit Wahlkönigtum, die in deutlichem Kontrast zum preußischen Herrschaftsverständnis stand.

Die Hürde der Ebenbürtigkeit und das System der Gutachten

Der entscheidende Wendepunkt der Geschichte liegt in der Frage der Ebenbürtigkeit der Radziwiłł mit den Hohenzollern. Wir stellen dar, wie sich mit dem Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Königswürde die Maßstäbe für standesgemäße Ehen verschärften. Trotz ihres historischen Ranges galten die Radziwiłls plötzlich nicht mehr als gleichrangig mit den Hohenzollern. Wir diskutieren, wie dieser neue dynastische Standesdünkel durch insgesamt 22 juristische Gutachten, unter anderem durch den Geheimrat Friedrich von Raumer, untermauert wurde. Sogar eine Adoption Elisas durch den Zaren Alexander I. oder einen preußischen Prinzen wurde in Betracht gezogen. 

Politische Dimensionen und historische Folgen

Abschließend betrachten wir die langfristigen Folgen dieser Entscheidung vor dem Hintergrund der Heiligen Allianz. Wir sehen die verbotene Ehe als Beispiel für ein starres politisches System, das keine Abweichungen zuließ, insbesondere da Preußen nach dem Wiener Kongress in ein fragiles internationales Gleichgewicht eingebunden war. Die Geschichte von Wilhelm und Elisa bleibt für uns daher mehr als eine Liebesgeschichte; sie ist ein aufschlussreiches Fallbeispiel für die harten Grenzen des dynastischen Denkens und die vertanen Möglichkeiten in den preußisch-polnischen Beziehungen.

Kontakt und Unterstützung

Dir gefällt Flurfunk Geschichte? Wir freuen uns über eine nette Bewertung oder eine Nachricht von dir.
Du kannst uns über ko-fi unterstützen: https://ko-fi.com/flurfunkgeschichte
Oder auch regelmäßig durch eine Mitgliedschaft auf Steady: https://steady.page/de/flurfunk-geschichte
Für deine regelmäßige Unterstützung bedanken wir uns mit einer Bonus-Folge "Nachklapp" zum Thema der aktuellen Folge.
Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de
Flurfunk Geschichte liefert Euch weitere Hintergrundinfos bei Facebook, Instagram, twitter und threads.

Weiterer Podcast
Willst du noch mehr von uns hören? Dann folge den Ereignissen und Debatten in der ersten deutschen Nationalversammlung bei Flurfunk Paulskirche: https://flurfunk-paulskirche.letscast.fm

Transkript

Daniel
00:00:00
Wir sprechen heute über die Liebe, Solveig, über eine Liebe, die nicht sein darf, nämlich die Liebe zwischen Deutschland und Polen. Eigentlich sprechen wir darüber, welche Chancen wir vielleicht vertan haben damals, als Prinz Wilhelm eine junge polnische Adelige traf. Hallo Solveig.
Solveig
00:00:44
Hallo Daniel.
Daniel
00:00:45
Schön, dass du da bist. Und ich darf es gleich am Anfang sagen, es handelt sich um die oft schon angekündigte und dann aber schon ein bisschen totgeschwiegene Folge, wo nicht nur Solveig hier ist, sondern auch Hallo Micha.
Michael
00:01:00
Hallo Solveig, hallo Daniel.
Daniel
00:01:01
Und es handelt sich nämlich um eine Fortsetzung von zwei Folgen, die wir vor über einem Jahr mal vorweihnachtlich aufgenommen haben. Noch als Teil des Frauenjahres, als wir über Herrscherinnen oder zumindest die Gattinnen von preußischen Herrschern gesprochen haben in der ersten Folge davon und im zweiten Teil über die morganatischen Ehen oder illegale Verhältnisse oder auch offizielle Mätressen dieser preußischen Könige. Und wir dann eher so am Rande über eine mögliche Liaison gesprochen haben und zwar nicht nur eine Liebschaft, sondern eine mögliche Ehe zwischen dem späteren Kaiser Wilhelm und einer polnischen Adligen. Und da hatte Micha damals versprochen, wir treffen uns nochmal. Und es hat ein bisschen gedauert. Das hat verschiedene Gründe. Aber heute wird es soweit sein, dass wir mehr darüber erfahren, wie wir an deutsch-polnischen Heirat kommen. So ganz knapp vorbeigeschlittert sind. Aber bevor wir dahin einsteigen, alle, die das direkt wollen, nutzen bitte unsere Kapitel. Vorher müssen wir noch über den Elefant im Raum sprechen. Denn für euch natürlich jetzt schon länger her und für uns eigentlich auch, ist der Moment, als Solveig auf den Veröffentlichen-Button klickte und zum ersten Mal ein Video veröffentlichte, nämlich über die Barbaren, die bei Netflix zwei Staffeln hinter sich gebracht haben. und das im Zusammenhang stand auch ein bisschen mit unserer Hermann und Deutscher Geist Folge. Und wir aber bei der letzten Folge noch nicht wussten, als wir über Schliemann sprachen, den du einfach so schnell fertig hattest, wie das eigentlich laufen wird bei YouTube. Und wie ist es denn, Solveig? Bist du zufrieden? Wie ist das Video angekommen?
Solveig
00:02:54
Das fragst du mich jetzt. Also an sich ist das Video, glaube ich, sehr gut angekommen, also für unsere Verhältnisse.
Daniel
00:03:01
Entschuldige bitte, du untertreibst schon wieder. Es ist nicht an sich gut angekommen, es ist sehr gut angekommen. Vielen Dank an euch alle da draußen, die ihr das Video bereits geguckt habt und so viel kommentiert haben und so viele Liebe-Sachen geschrieben haben, dass sie eigentlich mit der Serie überhaupt nichts anfangen können, aber bei dir hört sich das gerne an und dass es überhaupt fantastisch ist. Und ja, natürlich, du hättest hier...
Solveig
00:03:26
Hunderttausend Klicks gewünscht. Genau, viral gegangen.
Daniel
00:03:29
Aber das war nicht zu erwarten.
Solveig
00:03:31
Nein, natürlich nicht.
Daniel
00:03:32
Die Hauptsache ist, das ist bei euch gut angekommen. Wir wissen aber auch, dass noch unmöglich alle, die uns abonniert haben, dieses Video noch nicht gesehen haben können. Also wenn ihr es noch nicht gesehen habt, dann schaut doch bitte mal da drauf. Denn verbrieft von anderen. Es ist selbst dann interessant, wenn man mit dieser Netflix-Produktion ansonsten nicht so viel anzutragen weiß. Oder sie gesehen hat und ablehnt. aber dann erklärt bekommt von Zollweig, woran das eigentlich liegt und dass das auch gut begründet ist.
Solveig
00:04:01
Und weil wir darüber gesprochen haben, ich habe eben nochmal in die Google Analytics, in die YouTube Analytics geguckt, was man niemals tun sollte, weil das einfach nur deprimiert. Aber da vielleicht noch ein kleiner Hinweis, weil YouTube uns sagt, dass die meisten Menschen nach so knapp 20 Minuten das Video ausmachen. Das ist exakt der Moment, wo es meiner Meinung nach spannend wird, weil eigentlich ging es mir in diesem Video um die Besprechung der zweiten Staffel und weniger um die erste Staffel. Deswegen haltet dadurch... Und da nutzt die Kapitelfunktion und springt vor bis zu Staffel 2, weil dann wird es unterhaltsam. Die ersten 20 Minuten sind ein bisschen, aber dann wird es gut. Ich verspreche es euch. Haltet durch.
Daniel
00:04:42
Also ich finde es von Anfang an gut. Ich finde auch gut, dass ich auch ein bisschen was lesen durfte. Ansonsten war ich ja völlig unbeteiligt an diesem Geschehen, weil das ist ja das Vollwerksding. Wenn ihr da mehr über die Entstehungszusammenhänge wissen wollt, dann könnt ihr das in unserem Nachklapp euch anhören. Da gibt es eine extra Folge zu. Den bekommt ihr allerdings nur als Dankeschön, wenn ihr uns regelmäßig unterstützt bei Steady. So wie viele das offenbar hören wollten. Weiß natürlich nicht, ob es daran liegt oder an Hermann oder an Schliemann. Auf jeden Fall in unserer Runde sind neu dabei Michaela, Erik, Stefan, Carolina, Kirsten, Sophie, Ingo, Christina, Astrid, Franziska, Markus und Luis. Vielen Dank für eure Unterstützung, dass ihr diesen Podcast möglich macht. und auch Solveig's neue Lampe, die das kommende Video noch besser ausleuchten wird, denn da hat Solveig, so viel darf ich vielleicht verraten, heute schon abgedreht. Ist der Wahnsinn. Allerdings müsst ihr noch ein bisschen warten, bis dieses Video dann inhaltlich auch passt zu den Folgen, die wir in den nächsten Monaten planen.
Solveig
00:05:51
Im Sommer, ihr könnt euch schon mal auf den Sommer freuen.
Daniel
00:05:54
Je wärmer es wird, desto näher seid ihr am Erscheinungstermin. Und außerdem wollen wir uns auch bedanken bei allen, die Mitte März mit uns das Deutsche Historische Museum besucht haben und sich meine, ich glaube zweieinhalbstündige Führung reingezogen haben. Das war nicht so geplant, aber ich konnte einfach nicht aufhören, bevor der Gong erschallte und wir dann einfach zum Gehen aufgefordert wurden. Und ja, wir waren vielleicht ein bisschen verschämt am Anfang. Es war ungewöhnt für uns, euch direkt von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.
Solveig
00:06:26
Man kann auch nicht von zwei Ostwestfalen erwarten, dass sie jetzt extrovertiert sind.
Daniel
00:06:30
Ich bin kein Ostwestfaler, mit Verlaub.
Solveig
00:06:33
Entschuldigung.
Daniel
00:06:33
Kurz vor der rheinländischen Grenze.
Solveig
00:06:35
Von zwei Westfalen erwarten, dass sie extrovertiert auf Menschen zugehen.
Daniel
00:06:40
Ich hoffe trotzdem, dass euch das gefallen hat. Zumindest wurde schon an uns herangetragen, ob man sowas nicht öfter machen könnte. auch unabhängig von Museumsbesuchen mal sich trifft, so in echt als Mensch, in Fleisch und Blut und nicht nur über diese merkwürdige Form der Übertragung. Auf jeden Fall haben wir uns wahnsinnig gefreut über die Zahl von euch, wie nett ihr alle wart. Und es tut mir ein bisschen leid, dass ich das so ausgereizt habe bis zum Gong, und auch nicht mehr alle so lange bleiben konnten, weil manche noch eine längere Rückfahrt hatten und dafür auch weit angereist sind im Zweifel. Und nächstes Mal suchen wir uns eine Möglichkeit, wo man anschließend wenigstens nochmal, Ordentlich zusammensitzen kann und ein bisschen quatschen kann. Aber wir fanden es toll und wir haben uns sehr gefreut. Vielen Dank, dass ihr da wart. Und für alle, die jetzt einfach nicht konnten oder zu weit weg waren, wir irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werden wir sowas nochmal in Angriff nehmen. Auf jeden Fall. Ja, und heute bleiben wir im 19. Jahrhundert, weil irgendwie alles, was mit Sprengkraft zu tun hat, scheinbar im 19. Jahrhundert zu verorten ist. Und jetzt auch nochmal verstärkt in Preußen. Angefangen haben wir das Jahr ja mit Bismarck. Irgendwas mit Bismarck, hat sich das voll gewünscht. Wobei wir dann zugeben müssen, jetzt gerade virulent geradezu in Historikerkreisen ist ja eine dicke Biografie, die hier, ich muss es gestehen, immer noch nicht ganz durchgelesen, den Tisch ziert. Von Jan Markert, der nochmal klar macht, es war am Ende doch alles Kaiser Wilhelm und gar nicht der Bismarck. Der kann man sich schon denken, oft vollzogen hat, was der Herrscher sich wünscht. Micha rümpft ein bisschen die Nase. Da diskutieren wir aber heute bitte nicht drüber. Sondern heute geht es tatsächlich so oder so. Auf jeden Fall. Um diesen Wilhelm, der später Kaiser wird. Und da muss ich sagen, lieber Herr Markert, das Buch ist mir zu politisch. Wo ist die Liebe? Wo bleibt die Liebe? Da gibt es nur einen Absatz, wo die Elisa, um die es eben auch heute gehen wird, Elisa Radjiviu, die potenzielle Kaiserin, vielleicht später mal, ja nur so am Rande, erwähnt wird. Und deswegen haben wir uns hier Micha eingeladen, weil Micha kennt alles an Informationen, Geschichten, was sich so in den Hinterzimmern der preußischen Schlösser so angehäuft hat, aus seiner langjährigen Tätigkeit dort. Und wir brauchen keine historischen Quellen, wir brauchen einfach nur das überlieferte Material. Auch wenn da vielleicht andere Deutungen heute mit dazukommen müssten. Nein, das wollen wir gar nicht. Wir wollen Romantik.
Solveig
00:09:11
Wir wollen die Liebe.
Daniel
00:09:12
Und sogar Solveig ist gefühlsmäßig auch dabei, glaube ich, heute. Wobei Preußen um 19. Jahrhundert sonst nicht so attraktiv auf dich wirken. Das sind auch mal so Unterstellungen.
Solveig
00:09:24
Als ob ich bis 19. Jahrhundert nicht mögen würde.
Daniel
00:09:25
Das sind keine Unterstellungen, das sind Erfahrungen, die ich geschöpft habe. Nicht zuletzt aus der letzten Aufnahme mit Micha, der damals schon hier mit mir am Tisch saß, während du relativ unbeteiligt online verbunden zugeschaltet warst. Aber natürlich haben wir es dir auch ein bisschen schwer gemacht, dich da zu Wort kommen zu lassen.
Solveig
00:09:45
Ich wäre auch immer zeitversetzt.
Daniel
00:09:47
Das ist auch noch so ein Problem gewesen. Heute sind wir aber alle an einem Tisch. Und wir gehen so ungefähr erstmal wahrscheinlich um die Jahrhundertwende 1800, als die Protagonisten, um die es heute geht, das Licht der Welt erblickten. Und zumindest beim Wilhelm wissen, glaube ich, alle, wer die Eltern sind. Über die haben wir schon ausführlich gesprochen. Es ist die Luise, die preußische Madonna, die offenbar nicht ganz so keusch war. Denn Wilhelm ist nicht das einzige Kind. Früher kam schon Friedrich Wilhelm auf die Welt. Und sie muss mit Friedrich Wilhelm III offenbar ja auch ganz glücklich gewesen sein. Zumindest sind sie sich öfter nahe genug gekommen, dass noch ein reicher Kindersegen hinterher folgte. Und ja, woher diese Familie Radziweu kommt, da vertrauen wir jetzt ganz dir. Wer ist diese Familie und warum kommt sie da in den Dunstkreis des preußischen Königshauses?
Michael
00:10:43
Also die Familie Ratzewil, ich sag's auf deutsch, wahrscheinlich in der falschen Aussprache, das möge man mir verzeihen, aber das Palais Ratzewil in Berlin ist halt ja ein ganz wichtiges in der Wilhelmstraße gewesen. Die Ratzewil, das hast du schon mal erzählt, hatten ja viele Schlösser, viele Burgen ganz verteilt, hauptsächlich in Polen natürlich.
Daniel
00:11:05
In Litauen.
Michael
00:11:06
In Litauen, ganz genau. Unter anderem hatten die auch ein Palais in Warschau, das heute der Amtssitz des Staatspräsidenten ist. Also durchaus ganz wichtig. Die haben das Anfang des 1990s an den polnischen Staat auch verkauft. Aber daraus wird dann erst der Amtssitz des Stadthalters und dann später an den polnischen Staat und an den dann ja auch russischen. Also 1818 war es schon russisch, genau. Und das ist Amtssitz und heute, wie gesagt, das ist der Staatspräsidenten von Polen. Und die Familie gehört zu den großen neuen Familien Polens tatsächlich.
Daniel
00:11:42
Was heißt denn neu in diesem Kontext?
Michael
00:11:45
Also es gab tatsächlich Fürstenfamilien oder Adelsfamilien und dazu gehörten die Ratsiewels, die schon 1515 auch in den Reichsfürstenstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben worden sind. Und viele wissen, dass ja Polen war eine Republik, die also ihren König ja ab einem bestimmten Zeitpunkt ja wählte.
Daniel
00:12:03
Also wir halten fest, es war eine Republik, die aber über einen König verfügte.
Michael
00:12:06
Ganz genau.
Daniel
00:12:07
Also ein Wahlkönigtum eigentlich, wo die Wählerschaft halt ein bisschen umfassender war als im Heiligen Römischen Reich.
Michael
00:12:14
Und man eigentlich in dieser sogenannten Republik die Titel des Heiligen Römischen Reiches nicht führte. Die Razzivis waren eine Ausnahme, also die durften das führen.
Daniel
00:12:23
Wie ist das überhaupt passiert, weißt du das, dass die dann, welchen Stand, Reichsfürstenstand im Reich bekommen haben?
Michael
00:12:29
Also es hat sicherlich mit den engen Verbindungen, also auch mit der, in der Zeit also auch zu tun. Die haben immer wieder auch in deutsche Familien also eingeheiratet, einschließlich in das Haus der Pfalz. Die haben geheiratet, ganz besonders auch mit den Hohenzollern. Das ist schon im 16. Jahrhundert. Eine Tochter Johann Georgs des Kurfürsten von Brandenburg-Sophie heiratet tatsächlich einen Razzivill. Und auch der dritte Sohn des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg heiratet eine Razzivill. Da hatte man noch keine Königswürde, da war man noch nichts Besonderes an der Stelle. Und Friedrich Wilhelm, der große Kurve, setzt ja immerhin auf diese Verbindungen. Bei den Landerwerbungen und späteren Bestrebungen des Kurfürsten geht es ja immer darum, die Lehnsuheit über gewisse Gebiete abzuschütteln oder die Macht gerade in den Grenzregionen zu festigen als Ergebnis des Dreißigjährigen Krieges. Und deshalb ist es eben Johann Moritz von Nassau-Siegen, der ja in The Hague, in Den Haag, das Maulitzhaus, kennt heute jeder, da hängt das Mädchen mit dem Perlomoring von Vermeer in diesem Gebäude. Natürlich, Johann Moritz war auch Stadthalter für die Westindische Company in Brasilien. Recife kennen die meisten, also als im Brasilien Fußball-Weltmeisterschaft waren und das Stadion Recife war eine Gründung Johann Moritz von Hassan Siegen, der übrigens auch die Vorlagen für die Anlagen von Potsdam geliefert hat. Also wirklich diese berühmte breite Straße, die ja parallel zur Havel entlangläuft und die Straße, die in die Stadt hineinführt, das entspricht der Anlage von Recife oder Mauritstadt, wie es damals hieß, in Brasilien. Und ähnlich verfährt der Große Kurfürst also auch in den zu gewinnenden Regionen im östlichen Teil.
Daniel
00:14:22
Gucken wir vielleicht nochmal kurz für alle, die da jetzt nicht ganz so firm sind. Also der große Kurfürst, als er das Amt antrat, der war im Prinzip noch Lehnsnehmer der polnischen Krone. So ist es um Preußen ging. Also nicht das große Preußen, was man so auf den meisten Karten so als diesen fetten blauen Balken im Norden Deutschlands sich vorstellt, sondern dieser kleine, relativ kleine Flecken um damals Königsberg herum war und das hat er offiziell besessen, weil es ihm die polnische Krone erlaubte. Und das wollte er aber doch ändern bei erstbester Gelegenheit.
Michael
00:14:52
Genau, und das hat er 1660 im Frieden von Oliver auch umgesetzt tatsächlich. Da geht die polnische Lehnshoheit verloren.
Daniel
00:15:00
Weil er zwischendurch mal ganz geschickt so zwischen Polen und Schweden und er dann noch so sich verkriegte.
Michael
00:15:05
Und Frankreich und dem Kaiser und so weiter. Und er hergewechselte.
Daniel
00:15:08
Wer gibt mir mehr.
Michael
00:15:09
Genau, war man auf einmal, nicht auf einmal, aber nach längeren Warnungen. Der Weg war ja eher lange, auch kluge Heiratspolitik der Hohenzollern. Darüber haben wir schon mal gesprochen, dass eben der vier angeheiratet worden ist. Preußen, also Ostpreußen gehörte mit dazu. Und 1660 gelingt es tatsächlich im Frieden von Oliver, es zu einem unabhängigen Herzogtum zu machen, weil die polnische Lehrenzuhalt geht verloren und der große Kurfürst wird ein unabhängiger Fürst im Herzogtum Preußen außerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Und das ist natürlich die Grundlage für seinen Sohn später, nämlich außerhalb des Heiligen Römischen Reiches, die sie Königswürde also dann zu gönnen, so kann man es ja wirklich mal sagen. Auch daran, wie gesagt, sind die Ratzivils nicht ganz unbeteiligt. Also das spielt immer eine Rolle. Und jetzt hat man aber die Königswürde. Und von diesem Zeitpunkt an sind solche Leute wie die Ratzivils, obwohl sie zu den ältesten polnisch-ditauschen Familien gehören, nicht mehr ebenbürtig, nicht mehr standes.
Daniel
00:16:07
Egal, wie groß dein Schloss ist.
Michael
00:16:08
Egal, wie groß dein Schloss ist. Auch wenn du einer der größten Großgrundbesitzer des Landes bist und über weite Gebiete verfügst und über Palais überall, ist es kein Grund sozusagen, dass du Standes bist. Also dieser Dünkel, der mit der Königskrone kommt, führt aber nicht dazu, dass gar nicht mehr geheiratet wird. Das findet schon da statt. Also der jüngste Bruder des Königs Friedrichs II., Friedrichs des Großen, Ferdinand, seine Tochter, die auf den schönen Namen Luise hört, die heiratet in Liebe, aus Liebe, den Fürsten Anton von Gassiwil.
Daniel
00:16:41
Ist das nicht der Ferdinand, der auch in dem Palais residiert, in dem heute ein Staatsoberhaupt?
Michael
00:16:47
Man sieht also, diese Familie verbindet also Palais.
Daniel
00:16:50
Schloss Bellevue.
Michael
00:16:51
Ja, Schloss Bellevue, ganz genau. Ferdinand, also die alte Lederfabrik, eine hohenottische Lederfabrik. Das ist nämlich der Seitenflügel, der zur Spree-Seite geht.
Daniel
00:16:58
Das ist jetzt vielleicht doch nicht so doll.
Michael
00:16:58
Der ist nicht so doll und der wird dann tatsächlich von Baumann, einem niederländischen, den Sohn eines niederländischen Architekten, der im hohenländischen Viertel in Potsdam, das Baumannhaus auch zu empfehlen war, zu besuchen im hohenländischen Viertel. Ausgebaut zu einer Residenz für den jüngsten Bruder Friedrich II. Jetzt haben wir also eine Familie sozusagen und beide liefern also die Palais für die Staatspräsidenten der jeweiligen Länder. Das wäre eine schöne Verbindung vielleicht.
Daniel
00:17:26
Ich habe es nicht vor Augen, aber ich würde sagen, wahrscheinlich ist das Radjewil-Palais ein bisschen dicker als Belle-Sue.
Michael
00:17:33
Tatsächlich ist es tatsächlich. Ja, aber wie gesagt, diese Ehe Luise von Preußen, eben die Nichte Friedrich II., muss dafür für sich und ihre Kinder auf die Thronfolge verzichten. Also die scheidet also aus, weil eben nicht ebenbürtig. und natürlich auch zu einem Zeitpunkt als auch mit der also auch im Nachgang und die sind natürlich gern gesehene Gäste auch bei Friedrich Wilhelm II sind da auch am Hofe, weil der Fürst Razzivill eine Leidenschaft teilt, die auch der Bruder von Luise hat, nämlich Prinz Louis Ferdinand von Preußen, nämlich das sind Musiker und Komponisten und das passt natürlich wunderbar auch zu Friedrich Wilhelm II, der selber ja weniger Komponisten, also wir haben keine überlieferten wirklichen Stücke von ihm, Aber der natürlich ein bekladeter Schillist gewesen ist, für den komponiert worden ist. Also wir sind da auch in so einer ganz tollen Zeit. Also toll nicht so schön, weil es kommt die napoleonische Besetzung, die französische Besetzung. Aber im Ergebnis daraus natürlich auch so eine Geisteswelt, die da zusammenkommt.
Daniel
00:18:38
Aber es ist ja auch, da ich würde je nachdem aus welcher Perspektive vielleicht sogar von Verrat sprechen, dass der König von Preußen ja da so einen Separatfrieden damals in Basel geschlossen hat und den anderen Verbündeten gesagt hat, jetzt könnt ihr euch alleine um die Franzosen kümmern.
Michael
00:18:52
Damit ich mich um Polen kümmern kann.
Daniel
00:18:54
Da gab es ja auch so zehn Jahre, damit ich mich alleine um die Radziwil kümmern kann und die jetzt auch in meinen preußischen Staat mit inkorporieren kann. Wir teilen da den Rest von Polen jetzt auch nochmal untereinander auf. Aber für den Berliner Hof bedeutet das ja auch so zehn Jahre erstmal Ruhe. Während der Rest Europas sich da weiter bekriegt, machen die Preußen erstmal Cello-Konzerte.
Michael
00:19:16
Genau. Und auch sehr erfolgreich. Und der König stirbt. Und wir wissen ja, dass der Nachfolger Friedrich Wilhelm III ja diese Friedenspolitik fortsetzen will, er möchte ja gar nicht in den Krieg und zu den Personen, die eigentlich ihn immer wieder dazu drängen, gehört ja seine eigene Frau, also Luise also auch. Und Luise ist nicht alleine, also wirklich so eine Frauenpartei kann man wirklich so sagen, zu der gehört auch eben Luise Ratzewir, die geborene preußische Prinzessin und Marianne von Homburg, die mit Wilhelm dem älteren verheiratet ist, auch über die haben wir schon gesprochen. Und das ist schon so eine, also Napoleon hat ja über Luise gesagt, eben die blutrünstige Amazone und da ist die nicht alleine, ja, also an dieser Stelle. Und ganz ehrlich ist bei den Radciwils natürlich immer auch die Idee dann, vielleicht nicht bei Anton selber, aber auch bei seinen Brüdern, also die Eigenständigkeit Polens zu unterstützen und auch vielleicht unter Preußens Ägide da was möglich zu machen. Also wieder um Polen da auch wieder unabhängiger zu machen oder in irgendeiner Form als Staatswesen zu etablieren. Das ist natürlich im Interesse des preußischen Staates und auch im Nachgang wissen wir, ist das durchaus nicht gefragt. Also möchte keiner wirklich vorstellen.
Daniel
00:20:27
Die Radjewische scheinen sich da jetzt auch gut mit arrangiert zu haben.
Michael
00:20:31
Ja klar, die haben also auf allen Seiten gekämpft. Also der Anton, der Chef des Hauses, der ist also sehr an den preußischen Hof gebunden, aber es gibt eben auch Brüder, die durchaus auch in der napoleonischen Armee kämpfen und auch die französische Idee mit unterstützen und auch mit Kosciuszko zusammen unterwegs sind. Also das ist durchaus schon, also die polnisch national sind. Das kann man schon so sagen. Die sprechen miteinander.
Daniel
00:21:02
Diese Familienfeiern abfallen.
Michael
00:21:04
Dazu kommen wir gleich, weil das wird natürlich zum Problem. Das wird in dieser Auseinandersetzung ein Problem. Unsere beiden Protagonisten sind ja, wenn man so will, einmal der zweitälteste Sohn, eben Wilhelm von Preußen und eben eine Tochter aus dem Hause Ratzewill, Elisa, die ist sechs Jahre jünger als Wilhelm. Wilhelm ist ja 1797 geboren, sie im Oktober 1803. Übrigens bei den Eltern von Lisa ist es anders. Die preußische Prinzessin Luise ist fünf Jahre älter als ihr Mann. Das deutet auf viele Dinge hin. Das ist eine 37-Jährige. Dass es denen wirklich ernst war. Denen war es wirklich ernst. Die war 37 Jahre glücklich miteinander verheiratet. Und der reiche Kindersegen, das vereint sie ja vielleicht mit dem preußischen Königshaus und der preußischen Königsfamilie. Es spricht wahrscheinlich auch dafür und auch eine enge, tiefe Freundschaft mit Königin Luise. Zwischen Luise und Luise bestand also eine wirklich Freundschaft. Und als es darum ging, 1806, nach der Niederlage von Neonhardt-Auerstedt, also Luisa hatte ihren Bruder verloren, der ist als einziger preußischer Prinz ja in diesen Auseinandersetzungen gefallen. Und sie gehen also gemeinsam auf die Flucht. Also die fliehen gemeinsam, also auch mit den Kindern. Das heißt, also die kannten sich wirklich, Elisa und Wilhelm, die kannten sich wirklich von Kindheitstagen an.
Daniel
00:22:23
Also gemeinsam traumatisiert?
Michael
00:22:25
Ja, die haben gemeinsam erlebt. Die Flucht nach Memel. Hat viele Dinge miteinander verbunden, also auch schon seit frühester Kindheit.
Daniel
00:22:34
Aber fern wir jetzt ein, also wieso muss dann bitte die Luise und der Friedrich, also die Preußens Luise und Friedrich Willem da in dem Rathaus in Memel ihr Dasein fristen, wenn sie doch eigentlich bei dem Onkel Razzivio, der hätte doch bestimmt auch ein hübsches Palais um die Ecke gehabt.
Michael
00:22:50
Das ist eine sehr gute Frage. Waren die nachher nicht mehr so gut auf den zu sprechen? Naja, die haben sich also auch zurückgezogen und waren wahrscheinlich auch zu nah dran an den Preußen. Ich weiß nicht genau, wie da die Verhältnisse dann also tatsächlich auch waren. Die kehren auch 1809 gemeinsam mit dem Königspaar nach Berlin zurück.
Daniel
00:23:08
Wahrscheinlich war das hier diese pro-napoleonische polnische Verwandtschaft.
Michael
00:23:12
Genau, das ist wahrscheinlich der Hintergrund, der da eine Rolle spielt. Und dann sehen die sich auch erstmal eine Weile nicht, also die sind nicht jetzt, also die kennen sich, die Familie Ratzewill geht unter anderem eben Waluise von Preußen, also die Fürstin Ratzewill, gehen nach Bad Freienwalde in das Schloss der alten Königin, was später dann vom AEG-Gründer Rathenau übernommen wird.
Daniel
00:23:36
Auch schon mal drüber gesprochen.
Michael
00:23:37
Und da gehen die also hin. Also die sind in Bad Franball. Also gar nicht so weit weg von Berlin eigentlich. Und irgendwann ist so, und es ist so, Sind wir in den 1820er Jahren, wird also klar, dass sich da was so entsponnen hat zwischen den beiden. Also dass das so eine Beziehung da gibt. Luise wissen wir, also die preußische Königin ist bereits tot. Es sind halt also eben Marianne von Homburg und auch eben Luise von Ratzewill, die da in den Familienkreisen wieder sehr aktiv werden. und deshalb sieht man sie auch häufiger. Und da bereits geht es also schon los. Also um 1820 ein fleißiges Briefeschreiben vor allen Dingen. Die Briefe sind 1911 veröffentlicht worden.
Daniel
00:24:20
Zwischen wem? Unseren beiden Kandidaten?
Michael
00:24:22
Zwischen, genau.
Daniel
00:24:22
Willner und die Elisa.
Michael
00:24:24
Eigentlich die Briefe von Elisa sind also da.
Daniel
00:24:27
Aber wo sind die sich denn dann zwischendurch mal begegnet?
Michael
00:24:30
Die sind sich immer mal wieder, das ist so eine Sache, weil natürlich jetzt sind wir genau an dieser Stelle angekommen, von der wir schon sprachen, dass diese Familie Razzivill nicht durchgängig in Preußen beliebt war. Das hat damit, wie gesagt, mit der Parteinahme auch von Napoleon zu tun, auch mit Kosciuszko und so weiter, auch dieser polnische Nationalgedanke. Und so ist es nicht verwunderlich, dass das also den obersten Polizeichef Preußens auf den Plan ruft, der sich jetzt, der also das mitbekommt, also es wird ruchbar, dass Prinz Wilhelm und diese Prinzessin Razzivill sich also treffen und jetzt fragt man schon nach, was ist es denn mit dieser komischen polnischen Adelsfamilie da. Und 1820 wird jetzt also schon darüber spekuliert, Ob dann das, was dann dahinter steckt, ginge das überhaupt? Wäre das überhaupt möglich, diese Eheschließung? Und es wird ein erstes Gutachten erstellt und da wird das schon als Miss-Ehe klar und deutlich definiert im Laufe der Gutachten und es werden über 22 Gutachten sein, die man immer wieder heraufbeschwört. Am Ende dieser Gutachten steht immer Miss-Ehe und man stuft die Familie Ratzigweil sogar zum niederen polnischen Adler, um damit zu begründen. Also man sozusagen negiert diese Verwandtschaft oder diese Verbindung, die ja bestand durchaus. Und es gibt auch kritische Stimmen natürlich, die sich dagegen stellen.
Daniel
00:26:04
Ja, bevor wir da jetzt nochmal so schauen, gleich so in diese ganz spannende Gutachterei nochmal einsteigen und diese Rangdiskussion. Ich bin noch hängen geblieben bei diesem Punkt, die sind in Bad Freienwalde und der Willem ist doch hier in Berlin. Und dann sprachst du davon, dann fangen die plötzlich an Briefe zu schreiben oder sehr viele Briefe zu schreiben. Und jetzt kennen sie sich schon und wollen heiraten womöglich. Mir fehlt noch so ein bisschen die Verbindung, an welchem Punkt die Kinder kommen zurück, haben vielleicht mal gespielt in Ostpreußen zusammen, dann sitzen die da in Bad Freidenweide. Wilhelm hat doch schon längst vergessen, dass es die gibt. An welchem Punkt fangen die denn an, sich wieder quasi zu begegnen und überhaupt Zuneigung zueinander zu empfinden.
Solveig
00:26:44
Daniel möchte die Liebe.
Michael
00:26:45
Ja, und zwar ist es tatsächlich wirklich das Jahr, es ist im Juni 1820 und zwar anlässlich des Geburtstages des Fürsten Ranzibel, fahren die nach Schloss Freienwalde. Und bei dieser Gelegenheit tatsächlich kommt man sich auch wieder näher und knüpft an diese Geschichte an. Deswegen beginnt auch dann in diesem Jahr 1820 halt dieser Briefverkehr.
Daniel
00:27:12
Das war es jetzt.
Michael
00:27:13
Genau. Also wie gesagt, es ist, Also Familienfest, also man fährt da hin, man ist ja verwandt, also es ist ja eine geborene preußische Prinzessin.
Daniel
00:27:24
Und dann offenbar wurden die Briefe immer intensiver, dass es dann sogar den Polizeipräsidenten auf den Plan rief.
Michael
00:27:31
Ganz genau und man darf auch nicht vergessen natürlich, die Stellung des Fürsten Anton Ratzivil wird eine ganz wichtige, denn es wird im Zuge des Wiener Kongresses ja das Großherzogstum Posen gebildet und er wird zum Generalleutnant und zum preußischen Stadthalter des neuen Großherzogstums berufen. Er bekommt eine ganz herausragende Stellung nochmal. Und es ist wahrscheinlich auch so eine Idee des preußischen Staates, da jemanden einzusetzen, der ganz nah an dem polnischen Leben dran ist oder zu diesem polnischen Bevölkerung Bezug hat, also zumindest zu dem Adel, ob er es zur Bevölkerung hat, Können wir anzweifeln, aber zumindest zu der ehemaligen Adelsrepublik, die ja sich da vernachlässigt führt. Parallel wissen wir ja, wird ja dann von russischer Seite ja eben auch mit Warschau eine Hauptstadt etabliert, in der traditionell dann sogenannte Vizekönige eingesetzt werden, die in der Regel also Großfürsten, russische Großfürsten sind. Das spielt auch nochmal in dieser Familiengeschichte natürlich eine ganz große Rolle, weil das tatsächlich auch zur Absetzung nachher von Anton führt. Also es hat auch politische Dimensionen am Ende, die nicht unwichtig sind. Aber erstmal steht diese Liebesgeschichte tatsächlich.
Daniel
00:28:46
Du bist sofort jetzt zu diesem polizeilichen Ding gekommen, als wenn das irgendwie so, oh, die schreiben da mit so Napoleoniden.
Michael
00:28:55
Das vermuten ja irgendwelche Leute.
Daniel
00:28:57
Aber ich meine, das ist ja eigentlich, das hast du gerade schon betont, alles innerhalb der königlichen Familie. Das ist ja immer noch ein Cousin.
Michael
00:29:04
Ja, ja, klar.
Daniel
00:29:05
Und eigentlich ist das doch, da hat sich doch niemand einzumischen. Also wenn der Willem plötzlich auf die Idee kommt, Mensch, die Elisa, das könnte die sein, die ich brauche, die ich möchte, dann fragt er doch direkt den Papa oder nicht?
Michael
00:29:15
Naja, das Problem war, dass Willem von diesem Gutachten nichts wusste. Also der ist davon ausgegangen. Der ist davon ausgegangen, alles ist in Ordnung.
Solveig
00:29:24
Mein Briefgeheimnis ist sicher.
Michael
00:29:26
Genau. Und tatsächlich ist es, wie gesagt, ja, das ist wirklich schon so, dass also viele Leute sich auch nicht gefragt werden und auch sich nicht für befähigt finden. Also der Außenminister von Bernstorff, der sagt, so eine Frage müssen wir dem König stellen, ob die eben wird oder nicht. Und die hatte man dem König aber noch gar nicht gestellt. Und es dauert auch ziemlich, aber es geht eine ganze Weile hin und her zwischen den beiden. Also wie gesagt, manchmal reist man, man begegnet sich, dann bauen die ja, wie gesagt, weitere Schlösser, dazu gehört, dass die Familie ins Hirschberger Tal geht, da sind ja mehrere Schlösser, wo es dann also ganz enge Verbindungen gibt. Auch die nach Bayern dann führen. Das hat dann wieder, wie gesagt, mit dem schon erwähnten Friedrich Wilhelm, mit dem späteren Friedrich Wilhelm IV. und seiner Frau zu tun, der übrigens Parteigänger seines Bruders ist. Also der hatte ja sich selber auch eine katholische Frau ausgesucht und dachte so, also wenn ich mein Glück haben darf, muss der auch sein Glück haben.
Daniel
00:30:20
Und seinen Vater dann später auch.
Michael
00:30:22
Ja, aber viel, viel später.
Daniel
00:30:24
Die Fürstin Lignitz ist ja auch katholisch.
Michael
00:30:26
Ja, genau. Ist so eine katholische Phase in Preußen. Ja, scheinbar, wo man, ja. Aber man wirklich, also ein Hauptgrund tatsächlich ist der Punkt, dass man sehr früh erkannt hat, Hufeland als Arzt hat es ja festgestellt, dass diese Ehe zwischen Friedrich Wilhelm und Elisabeth von Bayern wahrscheinlich kinderlos bleiben wird und damit also logischerweise das Erbe an Wilhelm übergeht. Und damit war klar, dass so eine Ehe nicht in Frage kommt. Also das wäre also unterstandes Gemüt. Und dann mischt sich, dann mischen sich ja alles.
Daniel
00:30:56
Das wissen die doch damals noch.
Michael
00:30:57
Ja, das Mischen, doch, das wussten die schon. Das war schon klar.
Solveig
00:31:00
Die sind doch noch jung.
Daniel
00:31:03
Der Friedrich Wilhelm ist doch auch noch ganz frisch da verliebt.
Michael
00:31:05
Die erste war nicht dümmer als heute.
Solveig
00:31:09
Das konnte man ärztlich feststellen damals.
Michael
00:31:11
Konnte man ärztlich feststellen. Man mischt sich, also wird sich auch ordentlich eingemischt. Also es mischt sich nachher die mecklenburgische Verwandtschaft mit ein, die durch Luise ja bestand. Ganz extreme Einmischung kommt natürlich vom Borussischen Zahnhof. Also Charlotte, die älteste Tochter von Luise, hatte ja 1817 den Nikolaus geheiratet, den Großfürsten und auch da gab es ja diese Problematik. Also da haben wir genau diese Aufstellung. Wir haben das Jahr 1825, Alexander der Erste stirbt. Konstantin ist der Thronfolger, der ist Vizekönig von Polen, also der sitzt in Warschau, ist unstandesgemäß verheiratet und es kommt zum Dekabristenaufstand in St. Petersburg, dessen Ergebnis ja am Ende dann also die Intronisation Nikolaus I., also Nikolaus I. wird intronisiert, die Offiziere rebellieren in Petersburg.
Daniel
00:32:04
Aber das heißt ja, der Konstantin hat ja vorher verzichtet. Die haben es keinem gesagt.
Michael
00:32:08
Die haben es nur keinem gesagt.
Daniel
00:32:08
Das heißt, die in Petersburg haben nur gehört, der Alexander ist tot, jetzt lebe Kaiser Konstantin und dann kommt plötzlich der Nikolaus.
Michael
00:32:16
Und dann haben die gesagt, das stimmt fast nicht. Also das ist ja diese große Verwirrung, aber das ist ja auch genau dieser Punkt. Und man möchte natürlich möglichst da nicht noch mehr Unruhe schaffen.
Daniel
00:32:30
Ich hatte tatsächlich nur so ein bisschen, Also es gibt ja, wie gesagt, ich habe auf meinem Tisch ja nur Wilhelm I oder jetzt gerade insbesondere Friedrich Wilhelm IV Biografien liegen, wo das dann natürlich auch nur so am Rande vorkommt. Aber die betonen eigentlich, dass die hatten den allen guten Mut zugesprochen. Also dass eher so der Vater eigentlich eine gute Idee fand und eigentlich auch der Zar, ich weiß nicht, ob es doch noch der Alexander oder schon der Nikolaus waren, dann gesagt haben, ja Kind, eigentlich sind die doch ganz okay. Wir tun alles dafür, dass ihr glücklich werdet.
Michael
00:33:03
Ja, nö. Also wie gesagt, der Polizeipräsident, das ist Karl Albert von Kamms, der ist vor allem für die Demagogenverfolgung verantwortlich und da geht es dann tatsächlich um diese Frage. Und das Dossier hat den schönen Titel Pro Memoria über die Standeswidrigkeit der Ehe eines königlichen Prinzen von Preußen mit der Prinzessin Razzivill.
Daniel
00:33:27
Ja gut, das ist doch sachlich erstmal.
Michael
00:33:29
Das ist erstmal ganz sachlich, aber wie gesagt.
Daniel
00:33:32
Das ist ja das, was wir klären wollen.
Michael
00:33:33
Das ist genau, was wir klären wollen. Und wie gesagt, da kommt unter anderem auch zur Sprache in diesem Dossier, wie sich die Razzivills verhalten haben. Also die Geschwister von Anton.
Daniel
00:33:44
Die werden doch nicht irgendwas von Freiheit und Einigkeit Deutschlands erzählt haben.
Michael
00:33:49
Nee, nee, so Quatsch haben die erzählt, die war eine Unabhängigkeit Polens. Doch wie schlimmer. Doch wie schlimmer, ja.
Daniel
00:33:54
Aber doch nicht unsere Anton-Archiveus.
Michael
00:33:56
Anton nicht, aber seine Geschwister. Er hatte ja noch Brüder und die, wie gesagt, die waren durchaus Parteigänger dieser Sache. Und es war diese Familie per se suspekt. Also so ein sachlich preußischer Beamter, Demagogenverfolger, der sitzt da und denkt sich so, was ist das jetzt so? also Polen, das geht schon mal gar nicht und dann auch katholisch und dann und die sitzen direkt bei uns mit am Tisch also das ist eine königliche Familie ja also das haben die scheinbar ausgeblendet also ich weiß nicht wie das er war aber wie gesagt man muss immer dazu sagen dass diese Elisa natürlich eine besondere die war wirklich hübsch, das war eine ganz wunderschöne junge Frau und dadurch dass man eben Mitglied der kirchlichen Familie war wie gesagt, Willem wusste davon anfänglich überhaupt nichts also dem war das überhaupt gar nicht bekannt was da eigentlich hinter den Kulissen also stattfand und auch der Kaiser Also der Vater? Auch der Vater, beide nicht.
Daniel
00:34:44
Okay.
Michael
00:34:44
Ja, also die haben da, wurde richtig, also irgendwann, wie gesagt, ich habe ja erwähnt, dass der Bernsdorf sagte, also jetzt müssen wir mal den König fragen.
Daniel
00:34:51
Gehen die da hin und sagen, Majestät, wir haben da übrigens mal ein paar Gutachten erstellt für den Fall, dass ihr Sohn die Begegnung ist.
Solveig
00:34:55
Über die privaten Briefe, die ihr Sohn mit einer Frau getauscht hat, die wir eigentlich nicht hätten lesen dürfen.
Michael
00:35:00
Ja, genau. Ja, also ich weiß nicht genau, wie das ist. Die haben ja einen Eigenverantwort. Das ist ja die Stein-Stund-Hardenberg-Stund-Form. Irgendwann war die Mutter von Lisa auch mit Hardenberg und von Stein und so weiter befreundet. Führte auch einen Salon eine ganz lange Zeit, wo Humboldt unter anderem zu Gast war. Also das ist schon, ich würde nochmal auf diesen Kreis einfach auch kommen. Aber es gibt halt eben auch durch die Reform natürlich die Eigenverantwortlichkeit der Ministerien. Und das bedeutet, die haben auch nicht immer nur auf kündlichen Befehle, sondern die haben auch schon vorgearbeitet. ganz korrekt.
Daniel
00:35:37
Nur sicher gehen.
Michael
00:35:39
Und dann, wie gesagt, kommt es tatsächlich dazu. Also man sieht sie ja auch in der Öffentlichkeit. Und zwar gibt es 1821 1821 gibt es, also da lebt Alexander noch, da wird zu Ehren von Charlotte im Berliner Schloss mit etwa 3000 Gästen wieder mal Theater gespielt. Ist ja sehr beliebt in der Zeit. Schinkel hat ja das Fest der Weißen Rose unter anderem und der Bruder von Luise am Neuen Palais abgehalten, so Ritterspiele, die da stattfinden. Und dann geht man auch sehr in die Romantik und es gibt diese Geschichte von Nala Ruk. Also das nimmt ja Bezug auf Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth. Also eben diese Geschichte, dass eine Prinzessin soll also einen Prinzen heiraten. Das spielt alles in Indien, natürlich, weit weg und exotisch. Und dieser Prinz reist als Bettler, also der Prinzessin entgegen und die Prinzessin verliebt sich also in den Bettler und muss sich dann entscheiden zwischen der Liebe und dem, was von ihr erwartet wird und entscheidet sich für die Pflicht wie es in Preußen also üblich ist, Und auch wenn es ein Märchen ist aus Indien und wird dafür belohnt. Natürlich, weil als sie sich für die Pflicht entscheidet, ist klar, löst sich alles auf und so weiter. Und bei diesem Stück spielt Elisa auch mit und zwar spielt sie eine Peri oder Pari, so ein Mischwesen zwischen Engel und Mensch, der auf die Erde kommt, so ist es in den Vorstellungen, um also Gutes zu tun. Und damit macht sie also natürlich einen großen, riesengroßen Eindruck. Das findet also in Berlin auch statt. Schinkel ist natürlich dran beteiligt. Das Stück selber stammt von Thomas Moore. So ein englischer Schriftsteller. Und Robert Schumann schreibt dazu auch eine Overtüre. Also es gibt auch Musik dazu. Und der Berliner Maler Wilhelm Hänsel hat das Bühnenbild entworfen, hat die Kostüme entworfen und er malt auch Elisa. Und dieses Bild gibt es heute noch in Zwickau im Robert-Schumann-Haus. kann man sich also dieses Bild aus dem Lala-Rug-Zyklus anschauen. Es gibt auch beispielsweise, als Geschenk ist es dann gemacht worden bei der KPM-Teller, die also mit diesen Bildern aus diesem Märchen auch verziert sind. Eine ganz hübsche Geschichte einschließlich im wunderschönen Schloss Charlottenhof im Park von Sanssouci gibt es also die Bilder, wo eben Charlotte, also Alexandra Fjodorovna, wie sie mittlerweile heißt, als Lala-Rug also auch zu sehen ist.
Daniel
00:38:12
Wir sprechen von der Schwester von Wilhelm, Friedrich Wilhelm, spätere Könige, die den Nikolaus gehalten hat.
Michael
00:38:20
Und ab 1825 dann russische Zaren ist ja. Und wie gesagt, das spielt natürlich eine große Rolle, weil man überlegt natürlich auch, geht er weiter in der Überlegung. Und bei dieser Gelegenheit sieht natürlich auch Friedrich Wilhelm III. sie und dann denkt er sich, okay, jetzt müssen wir irgendwas machen, weil die Frage auch an ihn herangetragen wird. und dann sagt man halt, wir treffen uns jetzt mal alle im Hirschberger Tal. Familientreffen, gucken wir alle zusammen, da gucken wir uns die mal an.
Daniel
00:38:47
Mit Gutachten?
Michael
00:38:48
Mit, erstmal noch ohne Gutachten, also es werden weiter Gutachten geschrieben.
Daniel
00:38:52
Aber die können ja dann nicht alle negativ sein. Wenn es so viele sind, dann müssen doch nochmal...
Michael
00:38:57
Ja, der Geheimrat Raumer, der ja sozusagen auch am Hof sehr viel zu tun und zu sagen hat, Der wird innerhalb kurzer Zeit nochmal drei Gutachten erstellen lassen, die alle ein Ergebnis haben. Also diese Ehe geht überhaupt nicht gut. Und jetzt passiert aber das, was wahrscheinlich, also es geht ja immer hin und her. Und es gibt sogar schon Heiratsangebote für Elisa aus Schweden. Also der Prinz Oskar von Schweden, der hat scheinbar nicht so eine Probleme mit der ganzen Geschichte. Wahrscheinlich, weil sie Bernadotte sind. Ja, das ist so nirgends.
Daniel
00:39:29
Könnte sich selber freuen, wenn sie jemand haben würde.
Michael
00:39:31
Ein paar heiraten, der wahrscheinlich vom Stand ja noch ein bisschen in die Höhe geht. Also auch dieses Angebot gibt es tatsächlich. Aber die beiden, sobald sie sich sehen, versucht man die natürlich mal auseinander zu bringen, dass sie sich nicht sehen, dass der da nicht hinreisen darf. Dann schreibt man sich wieder. Wilhelm schreibt oft nicht direkt an sie, sondern schreibt also an die Mutter, also an seine Tante. Und die reicht dann den Brief also weiter und so weiter. Und es ist wirklich alles nicht schön und man darf nicht vergessen, dass natürlich die Familie das natürlich mitbekommt. Und natürlich diesen tief beleidigt. Die sind absolut verständlich. Verständlicherweise.
Daniel
00:40:09
Entschuldige, ich muss ja nochmal klammern, du sprachst davon, was sind die Reichsfürsten stand seit dem 16. Jahrhundert?
Michael
00:40:14
Ja, 1515.
Daniel
00:40:14
Und du hast auch den Wiener Kongress schon angesprochen. Und ich meine natürlich, die haben ja kein Land besessen in dem Sinne, dass sie da regierendes Haus waren. Das ist wahrscheinlich der Knackpunkt, um den es geht. Aber die Reichsfürsten werden ja vom Wiener Kongress in diese neue, wie heißen die denn, diese neue Schicht aufgenommen, die dann grundsätzlich als standesgemäß angesehen werden. Plus, Es ist auch noch die eigene Verwandtschaft, also aus der eigenen Familie. Und das kann die alles, deswegen brauchen die wahrscheinlich 22 Gutachten, um die trotzdem rauszukriegen.
Michael
00:40:45
Genau, das ist sozusagen die Sache. Und jetzt kommt noch eine Sache dazu. Also die Familie Ratzsiewel zieht aus Berlin auch weg oder auch aus Abbreitfernweide. Ab 1823 sitzen die in Posen halt im dortigen Stadthalterpalais und sind jetzt dort hauptsächlich und ab und zu mal im Hirschberger Tal. Also die sind immer wieder unterwegs. und jetzt wird vom König eine Kommission einberufen werden. Das ist wirklich ein Geschmäckle. Die Familie ist tief beleidigt und das wollen die auch gar nicht. Die wollen gar nicht durch eine Kommission beurteilt werden.
Solveig
00:41:20
Schmönen Sie bitte?
Michael
00:41:20
Also bitte, unsere Familie, unser Stamm, was wollt ihr eigentlich von uns? Und natürlich kommen noch Erschwerende hinzu, dass die Fürstin Razzivine eine preußische Prinzessin ist. Top sozusagen. Ja, also, das ist halt so, hat es bei euch jetzt irgendwie so, geht es doch irgendwie so? Und man möchte diese Kommission eigentlich nicht wirklich, ja, also weil man irgendwie so, also man vergrätzt sie damit und man schafft da Unruhen und das ist ja immer alles, wie gesagt, das hat immer dann auch an irgendeinem Punkt auch eine politische Dimension.
Daniel
00:41:48
Ja.
Michael
00:41:49
Ja, klar. Ja, und jetzt passiert also im Februar 1825, fährt Wilhelm nach Posen und die verloben sich heimlich.
Solveig
00:41:59
Ah.
Daniel
00:41:59
Oh mein Gott.
Michael
00:42:00
Also es kommt so weit und jetzt Jetzt pass mal auf, jetzt ist ja das Schöne, der König, also der König selber, nachdem dieses Treffen da auch stattgefunden hatte, nachdem sie sich da im Hirschberger Tal getroffen hatten, versucht jetzt irgendwie, durch irgendwelche Wege, also das noch zu umgehen. Jetzt überlegt man, was könnte man machen und man denkt, Adoption wäre doch eine Idee. Also wenn jetzt irgendjemand vom hohen Stand sie adoptiert. dann müsste das doch gehen. Jetzt werden irgendwie alle angefragt.
Solveig
00:42:30
Aber Ihre Mutter ist preußische Prinzessin gewesen.
Michael
00:42:34
Das zeigt doch wie grotesk, diese ganze Geschichte.
Solveig
00:42:36
Wer soll sie denn adoptieren?
Michael
00:42:38
Jetzt kommt es, genau. Wer soll sie adoptieren? Und es gibt Ablehnungen. Man überlegt sogar, ob man die Habsburger fragt. Das ist auch keine so wirklich gute Idee. Und dann fragt man den Zaren, der tatsächlich, zu dem Zeitpunkt ist es noch, Alexander I., und der sagt, also wir lösen solche Sachen nicht mit Adoption. Das war ja, wie gesagt, in einer eigenen Familie das eigene Problem. Konstantin, wir haben es gerade gesagt, war ja ein ähnliches gelagertes Problem. Und jetzt kommen wir auf noch eine viel famosere Idee. Man nimmt August von Preußen. August von Preußen ist tatsächlich einer der Unverheirateten. Der hat, glaube ich, elf uneheliche Kinder und so weiter. Also es wird immer schlimmer. Also alle Vorschläge, die gemacht werden, werden immer schlimmer.
Solveig
00:43:22
Aber wieso ist der besser als ihre Mutter?
Michael
00:43:26
Das ist ja die Frage. Das wird auch nicht gemacht. Die lehnen die auch ab. Erst mal sagen sie, überlegen sie, ob das vielleicht eine Möglichkeit wäre, die dann aber, um dem Kind was Gutes zu tun, könnte man das machen. Und jetzt kommt on the top. Die Sache wird immer dramatischer. Was ich da so sage, spinnt oder spielt es gar nicht. Erst mal kriegt Willem jetzt mit, dass überhaupt, also mit dieser Kommission, die Einbrüge, kriegt er mit, dass überhaupt ein Gutachten existiert. Und auch der ist natürlich vollkommen, was soll das jetzt? Und er kriegt eine Schützung von Friedrich Wilhelm IV., also noch von seinem Bruder, dem Kronprinzen. Der sagt, wir müssen irgendeine Lösung finden. Irgendwie müsste es ja gehen. Und jetzt kommt aber unsere liebe Charlotte, also Alexandra Fjodorowne und sagt, nee, nee, nee, Kinder. Das geht sowieso nicht. Das sind zwei unverheiratete preußische Prinzen, der Prinz Karl und der Prinz Wilhelm. Das geht nicht so unnatürlich. werden die mit unseren Verwandten verheiratet. Und das sind die beiden schönen Prinzessinnen aus dem Hause Sachsen-Weimar und Eisenach. Prinzessin Marie und Prinzessin Augustin. Und jetzt werden die nach Weimar geschickt. Und was passiert? Karl verliebt sich in Marie. Und der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach sagt, die können ja gerne heiraten.
Solveig
00:44:47
Das ist nicht standesgemäß.
Michael
00:44:49
Also das ist ein regierendes Fürstenhaus. Also Marie und Karl dürfen heiraten. Aber nur, wenn Willem Augusta heiratet.
Daniel
00:44:57
Oh nein.
Michael
00:44:58
So, jetzt haben wir also die Situation, wir haben wieder eine Liebesehe eigentlich. Und das ist halt dieser Punkt, wo ich dann über den Charakter von Willem auch nachdenke. Der hätte ja einfach, was ich mal sagen konnte, ihr könnt mich alle mal. Also es gab ja andere Vorbilder auch.
Daniel
00:45:13
Der hat sich schon verlobt.
Michael
00:45:14
Ja, der hat sich schon verlobt. Und dann wird ein für alle Mal festgelegt, also gesagt, nee, also das passiert nicht. Und 1827 findet dann die Hochzeit statt zwischen Karl und Marie, die heiraten also tatsächlich. Und Wilhelm wird gesagt, also egal was passiert, diese Ehe mit der Razziville kannst du dir in die Haare schmieren. Also die passiert nicht, die wird nicht stattfinden. Und der verlobt sich 1828 mit Augusta. Also die Verlobung wird gelöst, der schreibt also an seine Tante und wir bleiben Freunde und so weiter und so fort. Und die Situation wird nicht besser und 1829 heiratet Willem dann Augusta.
Daniel
00:45:56
Dann habt ihr bestimmt so richtig Bock aufeinander.
Solveig
00:45:58
Aber jetzt muss man.
Michael
00:45:59
Zieht euch mal die Sache jetzt, es wird ja noch besser. Irgendwie hattet ihr doch noch eine Dimension. Also Charlotte, die dafür verantwortlich ist, die dafür verantwortlich ist, dass diese Ehe also auch nicht zustande kommt, also sich ja sozusagen darauf drängt, dass also die Nachkommen von Maria Pavlovna, der russischen Großfürstin, dort in das preußische Königshaus wieder einheiraten. Die schenkt ihrem Bruder ein Miniaturbildnis von Elisa.
Daniel
00:46:26
Ja, guck mal, du bist nicht ganz so traurig. Hast du noch dabei?
Michael
00:46:28
Genau, hast du noch dabei. Und es hat angeblich auf seinem Schreibtisch bis zu seinem Tode immer gestanden. Ist ja für die Frau auch toll, oder? Super geil, wenn du wenn du genau weißt, also der liebt dich überhaupt nicht. Vor August, da wurde es auch nicht so schön. Du musst ihn ja, der nimmt dich jetzt mal ab. Der hat sich das beide in dem Falle nicht ausgesucht. Aber die Ehe zeigt das ja auch sehr deutlich.
Solveig
00:46:51
Ja gut, aber wenn man seine Kinder auch in Theaterstücken mitspielen lässt, in denen erzählt wird, du musst aber auch der Pflicht Vorrang geben und dann wirst du belohnt werden, dann ist klar, dass sie das machen. So werden die erzogen.
Michael
00:47:01
Ja, so ist das. Und jetzt passiert natürlich wieder noch, Jetzt kommen wir wieder auf die politische Ebene nochmal. Und zwar 1830 gibt es ja den Aufstand in Polen. Und im Zuge dieser Geschichte wird der Fürst Razivel von allen seinen Ämtern enthoben. Also die Familie wird sozusagen mehr oder weniger...
Daniel
00:47:20
Weil er das nicht in den Griff hatte.
Michael
00:47:21
Weil man auch vermutet, dass die... Also weil er seine, wie sagt es? Seine eigene Familie. Und so weiter und so fort. Und zu polenfreundlich.
Solveig
00:47:29
Bist du?
Michael
00:47:30
Er ist zu polenfreundlich. Und er verliert seine Ämter und stirbt kurz darauf. Also das verkraftet er nicht so ganz. Die ganzen Kinder, es gibt ja mehrere Kinder. Das ist auch wieder so eine Geschichte. die ich wieder so phänomenal finde. Wenn man ins Schloss Charlottenhof kommt, wie gesagt, jedem zum Besuch empfohlen, dieses Kleinod eines Schlösschens, wie hieß es mal so schön in der Ausarbeit, das Diminitiv um einer römischen Aristokratenresilienz. So kann man es nennen. Oder man nennt es einfach nur Hübsches.
Daniel
00:48:00
Von Friedrich Wilhelm IV, also später Friedrich Wilhelm IV, eigenhändig entworfen.
Michael
00:48:04
Genau, also es gab ein Landhaus da schon. Und er hat es gemeinsam mit Schinkl umgebaut und hat also aus diesem Landhaus so ein kleines, hübsches Schlösschen gemacht. Das ist nicht nach Charlotte, nicht nach seiner Schwester benannt, sondern nach der Vorbesitzerin. Und da sind ganz viele Erinnerungsstücke. Ich habe schon von diesen Nahle-Rucksachen gesprochen. Es gibt ein wunderschönes Nähkästchen, wo die Initialen der Kinder von Luise und ihrem Mann sind mit ihren Ehepartnern. Also ganz phänomenal. Und, und jetzt kommt es, es gibt auf dem Schreibtisch von FE4, also von dem Vierten, gibt es einen Lichtschirm aus Gusseisen. Also wir sind bei Schinkel bei diesen wunderschönen Gusseisensachen. Und jetzt dürfte er dreimal raten, wer da in Medaillons wohl zu sehen ist.
Solveig
00:48:48
Elise.
Michael
00:48:49
Auch die ganze Familie Ratzibbel.
Daniel
00:48:52
Aha.
Michael
00:48:53
Also Anton und seine Frau und ihre Kinder. Also das ist wirklich dann, das sind so. Also das sind acht gusseisernde Medaillons, die die Familie Ratzivill auch nochmal zeigt. Also nicht nur Wilhelm hatte sozusagen bei sich die Elisa stehen als Miniaturbildnis, sondern Friedrich Wilhelm IV. hatte die ganze Sippe Ratzivill bei sich zumindest im Charlottenhof auf dem Schreibtisch stehen. Also man sieht auch diese Sache, auch Elisa, diese Kinder, muss man dazu sagen, sterben in relativ kurzer Zeit, die sind alle sehr krank. Und Elisa kümmert sich dann um ihren Bruder und steckt sich wahrscheinlich mit dem Dorf auch an. Und stirbt dann am 27. September 1834 in Bad Freienwalde. Und es gibt dann eine Büste von Christian Daniel Rauch, der sie auf dem Totenbett zeigt. Und damit endet also auch diese ganze Geschichte sozusagen.
Solveig
00:49:43
Hätte man das gewusst, hätte man sie doch einfach heiraten lassen können. Nach vier Jahren wäre doch der Zauber rum gewesen.
Michael
00:49:49
Man weiß es nicht so ganz genau. Es gibt natürlich so einen Nachgang immer solcher Geschichten. Ich meine, wenn wir im 20. Jahrhundert dann sind, dann sagen wir uns immer so, das gehört doch verfilmt. Das ist doch eine schöne Sponzette. Es gibt eine Verfilmung. 1938 ist die gemacht worden.
Solveig
00:50:07
Von der Kufa. Die ist im Giftschrank.
Michael
00:50:11
Das ist doch viel schöner, viel besser. Es geht ja nur um diese Liebesgeschichte tatsächlich. Es spielen alle mit, die immer mitspielen sozusagen bei diesen Geschichten in dieser Zeit.
Solveig
00:50:20
Heinrich George?
Michael
00:50:22
Nee, diesmal nicht.
Daniel
00:50:23
Seine Liebesgeschichte.
Solveig
00:50:25
Seine Liebesgeschichte.
Michael
00:50:26
Marika Rück. Nee, aber die Richtung stimmt schon. Wir nennen mal den Namen einer tschechischen Schauspielerin. und zwar die Geliebte von Josef Goebbels spielt. Also die Hauptrolle spielt Elisa Razzivill. So 1938 ist genau die Zeit, wo sich die liebe Magda dann beim Führer beschwert darüber, dass diese Beziehung endlich mal enden muss. Und auch diese Liebe sozusagen nicht stattfindet. Und deshalb ist dieser Film zwar fertig.
Daniel
00:50:57
Tut mir jetzt weniger leid.
Michael
00:51:00
1938 verschwindet, also weil man Und dieses Thema nicht noch massiver, also die Schauspieler ist ja weg dann, verschwindet also auch dieser Film 1938 wirklich im Giftschrank. Also der wird nicht gezeigt, der ist fertig.
Daniel
00:51:11
Aber heute darf man ihn sehen.
Michael
00:51:13
1950 hat er dann Premiere.
Solveig
00:51:16
Hat man dann auch nicht dazu gesagt.
Michael
00:51:18
Dass das ein Nazi-Film ist. Kommt dann ins Kino tatsächlich nochmal und dann wird diese Liebesgeschichte also nochmal verbraten. Und die Familie Ratzivill natürlich, deren Bedeutung ist ja nicht verloren gegangen. Stanislav Ratzivill heiratet Lee Bouvier. und wer ist Libouvier?
Solveig
00:51:35
Weiß ich nicht.
Daniel
00:51:35
Wir gucken beide ratlos.
Michael
00:51:37
Ist die Schwester von Jackie Kennedy Onassis.
Daniel
00:51:40
Aha.
Michael
00:51:41
Ja, also die Dynastie ist kein gekröntes Haupt. Kein gekröntes Haupt, aber so eine Schadenshaupt. Ja, und so eine Dynastie. Also man heiratet, wird also Schwager des amerikanischen Präsidenten dann auf diese Weite, also von Donald Kennedy. Auch die Bouviers sind ja eine durchaus nicht unbedeutende Familie in Amerika gewesen, spielen eine große Rolle. Aber es ist eine Ehe, die 1974 dann auch geschieden wird. Aber die Lee Ratzivil, die rockt dann so durch die, ich glaube, die ist auch im Umfeld von Andy Warhol dann zu finden und so weiter. Also das ist schon auch nochmal eine spezielle Geschichte.
Daniel
00:52:19
Haben die denn ihre Vermögen rechtzeitig in Sicherheit?
Michael
00:52:22
Die haben teilweise eine Familie im Jahr. Also die haben auch nicht nur in Brune, auch in Frankreich dann Sachen gehabt. Und wie wir es ja vermuten, also in die Vereinigten Staaten sind sie auch gegangen. Und ich nehme nicht an, dass sie zu den Armenfamilien gehören in diesem Fall. Wie gesagt, das schlägt sozusagen Wogen oder Bögen bis in die Gegenwart und in die nächsten Dramengeschichten, Liebesgeschichten und dynastischen Sachen der neuen Welt, wenn man so will, also mit hinein. Also spielt schon, die Familie spielt dann noch zumindest im 20. Jahrhundert eine Rolle.
Solveig
00:52:56
Aber würdest du dann sagen, dass diese, was war das denn jetzt, diese Gutachten vor allem darum gingen, dass man die Polen nicht in der Familie haben wollte? Weil so klingt es halt ein bisschen.
Michael
00:53:06
Ich denke, es spielt eine große Rolle. Also wenn man ja auch, wenn man gerade sagt, Das ist ein niederer polnischer Adel. Dann macht es das schon.
Daniel
00:53:14
Glaube ich. Wer hat denn überhaupt ein niederer polnischer Adel?
Michael
00:53:17
Das ist einfach das, ich glaube, das ist...
Daniel
00:53:18
Sogar Reichsadel.
Michael
00:53:19
Ja, also ich meine, das sind, und das sagen Leute, die amtsanige sind, also praktisch die, die sozusagen zum Dienst anwählen werden. Die erlauben sich dieses Urteilen. Und wahrscheinlich, vielleicht war es irgendwann so ein Selbstläufer. Also wenn da schon so und so viele Gutachten vorlagen, die alle sagen, das geht nicht, das geht nicht, das geht nicht, und dann auch dann noch Russland interveniert und so weiter, dass man dann wahrscheinlich einfach, das ist ja nicht das letzte Mal. Also ich meine, es gibt ja eine ähnliche Geschichte, diese Einmischung Russlands. Das haben wir ja bei der Schwester von Wilhelm II. tatsächlich auch, bei Viktoria, die ja den bulgarischen Fürsten heiraten soll, den Sandro. Und es ja auch nicht funktioniert, weil Russland sich halt einmischt, weil es ja dann zu diesem Konflikt kommt zwischen Bulgarien und Russland, die sich sehr unabhängig entwickeln wollen und dann Russland also da einschreitet. Also das bleibt ja irgendwie so, was vielleicht auch sehr deutlich zeigt, in welchen politischen Machtgeflechten auch das preußische Königshaus steckt. Sodass die also nicht frei entscheiden konnten und sagen, wir machen das, die mussten Rücksicht nehmen. Das könnte man, das ist ja auch eine Bismarck-Folge, also auch. Welche Rolle spielt Bismarck eigentlich natürlich? Auch mit dem System der Verträge, die man miteinander schließt. Und deswegen immer so am Ende, ich meine, das gipfelt am Ende, das wissen wir alle im Ersten Weltkrieg, wo diese Familien, die alle miteinander verwandt sind ja eigentlich, Krieg gegeneinander führen. Und aber auch klar ist, dass diese Familien an sich gar keine Rolle mehr spielen. Die haben ja gar nichts mehr zu sagen. Also man kann ja Christopher Clark für seine Wilhelm II Biografie, die politische Biografie ja nur dankbar sein, der das einfach mal aufklamüsert hat. Und also auch diese Idee von Friedrich III., der ja der Sohn Wilhelms I. ist, der liberale Kaiser, der hätte keine Chance gehabt. Die hätten den verfassungstechnisch ausmanövriert, zumindest im Reich. Im Preußen hätte er vielleicht das eine oder andere verbessern können, aber doch nicht auf Verfassungsebene im Reich. Und das ist immer so, was so ein bisschen wegfällt. Vielleicht sind da ja gerade so eine Liebesgeschichten.
Solveig
00:55:26
Ich meine, du sagst jetzt mit Russland, aber Russland kommt ja erst später auf den Plan. Also es ist ja vorher schon, wenn sie dann erzählen, nee, Elisa soll dann von irgendeinem anderen preußischen Prinz adoptiert werden, aber ihre Mutter ist preußische Prinzessin, ja, sie hat auf die Thronfolge verzichtet, aber sie ist trotzdem Blutsprinzessin. Also es ist ja absurd dann zu meinen, nee, dann soll sie den vom anderen, also es ist ja offensichtlich, dass die das verhindern wollen. Also man hat wirklich so das Gefühl, wie du das sagst, wir haben zwar diese Familien und wir haben, die sind zwar Könige und blablabla, aber die wirklichen Entscheidungen trifft eben die Beamtenschaft und die wollen die Polen nicht haben, aus Deutschland. gründen. Und deswegen fangen sie an, da irgendwie dem Stein in den Weg zu legen. Und dann kommen dann irgendwann die Russen und intervenieren. Aber das wäre ja auch vorher nicht gelaufen.
Michael
00:56:14
Aber wie gesagt, was du auch sagst, es läuft ja auch für die Familie dann eben nicht gut. Also der Vater wird ja auch kaltgestellt.
Solveig
00:56:21
Nicht mal Friedrich der Dritte darf da mitentscheiden. Also eigentlich als Patriarch der Familie ist es an ihm, das zu entscheiden und nicht an irgendwelchen Beamten, die Gutachten erstellen.
Michael
00:56:30
Und das ist immer die Frage und deswegen bin ich mir ganz so sicher, wie der Einzelne sich ja wirklich positioniert für seinen Bruder als Friedrich Wilhelm, der spätere Friedrich Wilhelm IV. Und Wilhelm, der zieht sich dann auch zurück, der sagt, ich kann ohne sie nicht leben und der ist wichtig, der Lebensinhalt und sie ist ja so toll, aber der verlobt sich sogar und löst da diese Verlobung. Was bedeutet das für eine Frau im 19. Jahrhundert? Ja, das geht. Verlobung kann man nicht.
Solveig
00:56:59
Das ist jetzt noch nicht das Problem.
Michael
00:57:01
Aber trotzdem ist es schon so, es hat schon einen Makel. Nein, das ist es nicht mal.
Solveig
00:57:06
Aber das Problem ist, dass er offensichtlich, das finde ich ja so spannend, dass du das mit diesem Theaterstück, das ist ja wirklich, die lernen, die Pflicht geht vor. Und da merkt man, dass der Druck auf ihn kommt und dass eben auch das Beamtentum da, also dass die zwar Könige sind, aber trotzdem da dem Willen folgen müssen.
Michael
00:57:23
Genau, und wenn ich das so, also das ist ja ein Charakter auch, das zeigt auch einen Charakter, auch Wilhelms des Ersten.
Solveig
00:57:29
Weiß ich gar nicht, ob das den Charakter zeigt, das zeigt einfach die Zwänge in denen, die sich bewegen müssen.
Michael
00:57:33
Ja, genau, also wie gesagt, das sind einmal private. Aber ich denke, das kann man aufs Politische durchaus auch übertragen. Also dass man sich diesen politischen Zwängen unterwirft. Und deshalb, und jetzt kommen wir doch mal vielleicht zu diesem, was du sagtest, zu der Biografie von Willem I. Kann ich mir nicht vorstellen, dass der wirklich agiert hat. Also wirklich in dem Sinne, sondern dass wirklich die treibende Kraft jemand anders war, nämlich Bismarck. Vielleicht in allen Verständnissen mit Willem I.
Solveig
00:58:01
Ja, aber ich glaube wirklich, dass der...
Michael
00:58:03
Aber trotzdem gibt es ja jetzt nicht den kleinen Willem I.
Daniel
00:58:06
Mit dem Kaiser-Vergleich.
Solveig
00:58:08
Nein, und es gibt auch, denke ich mal, wirklich einfach Spielregeln, an die sich halten müssen. Und wir müssen auch beachten, die französische Revolution ist nur nicht lange her. Es steht auch, wir sind im Vormärz zu diesem Zeitpunkt, es steht auch im Raum, dass es da eine Revolution gibt und dass sie dann doch gewisse Zwänge haben, vor allem auch als Prinzen. Und ich kann mir sogar vorstellen, da kenne ich mich jetzt gar nicht aus, aber mein Gefühl ist so ein bisschen, dass seine Schwester Charlotte ihm dann auch dieses Bild schenkt, nicht um ihm eins reinzudrücken, wie es vielleicht so rüberkommt, so edgy beige, ich habe dir deine Liebesheirat versaut, sondern so ein bisschen auch als Entschuldigung. Klar, also das ist so gut.
Michael
00:58:43
Die beiden, das muss man auch vorhin nochmal sagen, dieses Verhältnis, es ist genauso, wie du sagst, also Charlotte schenkt ihm dieses Bild, um den Schmerz vielleicht ein bisschen zu lindern, also auch als Erinnerung, denn die beiden haben ein sehr, sehr enges Verhältnis miteinander und also solange Charlotte lebt, nicht nur, dass Charlotte ja immer häufig hier zu Besuch ist, aus verschiedenen Anlässen, Sondern es gibt auch einen sehr regen Briefwechsel zwischen Wilhelm und Charlotte. Also den gibt es die ganze Zeit. Es gibt keinen so intensiven Briefwechsel zwischen Friedrich Wilhelm und Wilhelm. dem vierten, dem späteren von Wilhelm Vierten und Charlotte.
Daniel
00:59:19
Das war seine Lieblingsschwester.
Michael
00:59:21
Ja, aber die Bindung also an Wilhelm war größer. Man sieht es auch in dem Schwester.
Daniel
00:59:28
Wenn ich preußischer König bin und mir die Charlotte ständig schreibt, wie der Nix schon wieder sauer auf mich ist, weil ich da zu nett zu den Revolutionären bin, dann würde ich auch sagen, lass mich mal in Ruhe.
Michael
00:59:39
Das ist ja genau das, was Solveig gerade auch gesagt hat, diesen Zwängen, den man ausgesetzt ist. Also das ist ja, da kommt ja wirklich immer von Nikolaus kommt ja immer diese Mahnung, denkt daran, was Papa gesagt hat. Also in der Mahnung des eigenen Vaters, den ja Nikolaus der Ersten nicht hatte, nimmt der Friedrich Wilhelm den Dritten sozusagen als Vater an. Und das ist die heilige Allianz, die nach dem, nach diesen, wie du sagst, nach Französischer Revolution, nach napoleonischer Zeit, nach Wiener Kongress versucht, das wieder zu restaurieren, was da war. Und die jetzt 1825, ja, also wir haben es gerade beschrieben, der Dekabristenaufstand, 1830 ticken die da in Polen aus. Dann ist die Vormärzgeschichte, natürlich, die haben Angst. Die haben ganz einfach Angst, dass ihr Köpfchen rollt.
Solveig
01:00:26
Frankreich kann auch bei uns passieren.
Michael
01:00:28
Frankreich kann auch bei uns passieren. Und da wirft man sich natürlich auch. Deswegen gibt es ja dann auch diese Reformen mit Fachministerien, mit Fachleuten, die sich um diese Dinge kümmern. Die so berühmt, wie wir immer so, wie da sind die Revolutionen von oben. Aber das spielt eine Rolle. Und es spielt natürlich am Ende, ins Private hinein, weil die sind nicht privat.
Solveig
01:00:49
Ja, genau, das wollte ich auch gerade sagen.
Michael
01:00:50
Sie sind nicht privat. Sie sind Herrscherfamilien und die haben eine Pflicht, wie du sagst, sie haben Pflicht, Zwänge, die sind nicht privat. Also wenn man sich das immer so vorstellt, das habt ihr ja schon in vielen Sachen, dann geht Maria Stewart auf die Flucht und Lisa wird die Erste, muss sie irgendwie unterbringen. Ja, dann muss man ein großes Schloss aussuchen, weil die mit 50 Leuten kommen.
Solveig
01:01:12
Die im Trost sind.
Michael
01:01:13
So geht es den sämtlichen die sind ja nie allein und die sind nicht privat, es gibt kein privates und wenn wir von diesen Briefen, dass das also da gibt es eine Geheimpolizei und das macht natürlich von der Königsfamilie nicht halt, die müssen genauso überprüft, da muss genauso zu deren Sicherheit natürlich, darum geht es ja, also und zur Sicherheit des Staates natürlich also auch und diese Argumentation zu sagen naja, Friedrich Wilhelm IV. und seine Frau die werden keine Kinder kriegen, du bist sozusagen sagen, in der Pflicht, die muss dafür sorgen und es muss natürlich dafür gesorgt werden, dass die Thronfolge eine standesgemäße Thronfolge letztendlich auch ist.
Daniel
01:01:48
Er hat doch noch zwei Brüder, kann doch noch jemand anders sein. Dann kann man über Konstantin sagen, nee, danke.
Michael
01:01:52
Du kannst ja nicht Gottes Willen außer Kraft setzen. Gott hat ihn an diese Stelle gesetzt.
Daniel
01:01:58
Und dann wählt er halt den Karl aus, also nächstes.
Michael
01:02:00
Nee.
Solveig
01:02:02
Also wenn es zu lange weitergereicht wird, ist es irgendwann auch albern, dann nimmt es auch keiner mehr.
Daniel
01:02:06
Sich verwässert. Dann verwässert es sich auch. Weil offenbar die nachgeborenen Prinzen sind ja auch nicht so richtig standesgemäß, wenn die Kinder kriegen.
Solveig
01:02:13
Haben wir ja jetzt gelernt.
Michael
01:02:16
Also ich denke auch, das ist ein ganz, und wie gesagt, deswegen habe ich das nochmal gesagt, auch mit diesem Privaten, also der Charlottenhof zum Beispiel ist ja schon was scheinbar Privates. Wenn man sich die gesamte Gestaltung anguckt und auch die Porzellanmedellions, die im Altar, also in diesem Eingangsbereich von der Gartenseite sind, oder die eigentlich Haupteingangsseite sind, da sind ja neben den Familienmitgliedern auch die wichtigsten Leute des preußischen Staates mit verewigt worden. Und damit macht man es ja auch deutlich. Also auch in diesem scheinbar privaten, kleinen Häuschen. trotzdem die Politik und alles, was da eine Rolle spielt, ihren Einzug. Und trotzdem ist es halt dieses, ich finde halt in dieser Form dieses Nähkästchen oder auch dieses Lichtschirms aus Gusseisen, wo dann ja doch die alle da sind und alle präsent sind irgendwie so. Dann auch wieder hat es auch wieder so, ja, irgendwann rettet sich das rüber und wie du sagst, eben auch, dass Charlotte dann dieses Miniaturbild schenkt und es bleibt da immer stehen und Augusta findet es wahrscheinlich nicht komisch, aber nimmt es hin, akzeptiert es einfach.
Solveig
01:03:22
Die wird den jetzt auch nicht heiß geliebt haben.
Michael
01:03:25
Nein. Und man muss auch nicht vergessen, die ist 1834 tot. Also was willst du gegen eine Tote?
Solveig
01:03:33
Ja, da kann hast du eh verloren.
Michael
01:03:35
Aber es ist eben eine spannende Geschichte halt einfach auch, weil was ja so ein bisschen so komisch da, Liebesgeschichte, die da kommt, hat ja, wie wir gerade in der Diskussion festgestellt haben, macht ja Dimensionen auf.
Solveig
01:03:48
Ja, ich finde das so spannend, weil das zeigt ja auch einfach, wir haben die Aufklärung hinter uns. Wir haben die bürgerlichen Revolutionen dabei und der Adel verliert einfach immer mehr Macht. Und sie wissen, und das ist ja auch bei Franz Josef das Thema, ich kann nur meine Krone retten, wenn ich ihr Spiel mitspiele. Also es ist nicht mehr das Spiel der Adeligen, es ist das Spiel des Bürgertums.
Daniel
01:04:08
Ja, die müssen diesen besonderen Nimbus irgendwie erhalten. Ja, der ist weg. Der ist real nicht mehr da, aber die versuchen halt, diese Regeln werden immer strenger, um diese Distanz irgendwie zum normalen Volk aufrecht zu halten.
Solveig
01:04:22
Immer bürgerlich, stell dir doch mal vor, jemand hätte Ludwig XIV. gesagt... Die und die darfst du nicht heiraten.
Daniel
01:04:28
Ja, eben. Ja, das meine ich. Bei Ludwig der Vierzehnte, da brauchst du nicht drüber nachdenken. Wenn er das will, dann ist es so. Bei denen aber jetzt nicht mehr. Weil es gibt jetzt nicht mehr so einen großen Unterschied zu den gutbürgerlichen Industriellen oder wer doch da jetzt irgendwie eigentlich gerade top ist. Das heißt, ich muss ja irgendwas kodifizieren, wo ich sagen kann, aber wir sind immer noch was anderes.
Solveig
01:04:46
Genau, aber das wollte ich ja sagen. Also der Abstand wird schmaler. Der Adel wird immer bürgerlicher, auch in seinem Verhalten. Guckt dir doch irgendwie Prinz Albert und Queen Victoria an, wenn sie da ihren Tannebaum ins Haus holen. Also sie werden immer bürgerlicher, die haben keine Mätressen mehr öffentlich, weil man sich auch da der Sexualmoral des Bürgertums anpasst. Also das sieht man hier eben, wie das, also ich würde sagen, wir sind hier noch in der Anfangszeit, aber das fängt jetzt hier an.
Michael
01:05:13
Das fängt da an auf jeden Fall. Das hat ja auch natürlich, was wir auch nicht vergessen haben, es hat ja auch eine Öffentlichkeit. Also das, womit man im 18. Jahrhundert ja gar nicht so zu kämpfen hatte, beginnt ja jetzt durch die Journale, auch selbst durch die eigenen initiierten Salons. Also in den Salons wird das ja weitergetragen. Also die sind ja sozusagen selber, die gehen ja auch dahin. Also sie sind der Teil dieses Spiels sozusagen und kennen es aber nicht. Das erleben wir ja heute auch, dass man mit Medien zu tun hat auf einmal, mit denen man sich nicht auskennt und sich dann auf einmal furchtbar schrecklich wundert, wie man diese Sachen missbrauchen kann und wie die benutzt werden also auch. Und da sind die im 19. Jahrhundert nicht anders dabei.
Solveig
01:05:52
Ja, auch das muss man lernen.
Michael
01:05:53
Ja, auch das muss man lernen, man muss mit dem Umgang damit lernen. Das wird diskutiert, das wird besprochen, das geht rum und so weiter. Und man setzt sich da und das ist halt mit dem Nimbus, was du sagtest, dieses Besondere geht verloren, die sind ja einfache, normale Menschen. Die sind ja eigentlich gar... Und das ist, was gesagt hat, das aufrechtzuerhalten, gerade nach den Erfahrungen, die gerade aufrechtzuerhalten haben, Solche Dinge, sich zu verbürgerlichen, das spielt alles mit da hinein. Und da sind die schon in so einem ganz schönen Feld. Man kann eigentlich nur auf eine Miene treten, egal was du machst. irgendwie. Und deswegen ist das auch verständlich, warum da auch von bestimmten Seiten eben dieses Beamtentum, sage ich mal, oder dieser Staatsadligen da, so vehement da, dafür gesorgt wird, dass das gar nicht passiert. Wie sagt Wilhelm, kriegt es erst gar nicht mit, dass es darum geht. Friedrich Wilhelm III. wird dann irgendwann mal gefragt, ist sie mich verwirrt darüber? Will er eine Kommission einsetzen? Das hört sich anders an als im Bundestag. Wir haben ein Problem.
Daniel
01:06:59
Und Kettküsse.
Michael
01:07:00
Das ist mir meine Kommission ein, ich kann das ja mal klären.
Solveig
01:07:03
Schreiben mit 22 Gutachten.
Michael
01:07:06
Also ich meine, das ist ja auch so, der hätte ja auch als Familienvater einfach sein, kann ich entscheidend, das jetzt machen. Und das passiert aber nicht.
Daniel
01:07:12
Wer hat denn eigentlich die Hohheit über das Haus gesetzt? Er könnte doch am Ende sagen.
Michael
01:07:16
Das reicht.
Solveig
01:07:17
Adelig ist, wenn ich entscheide, wer adelig ist.
Daniel
01:07:21
Die hat ja genug Adel gehabt.
Michael
01:07:22
Also die Frage stellt sich doch gar nicht. Und das Hauptproblem ist ja, was du auch schon gesagt hast, die sind zwar Reichsfürste, also im Stand von Reichsfürsten, aber haben keine, Und doch, die haben kein Territorium regiert. Die haben kein Territorium im Heiligen Reich.
Daniel
01:07:38
Sie besitzen zwar viel, aber sie regieren es nicht. Sie regieren es nicht.
Michael
01:07:41
Ganz genau. Oder nicht in dem Sinne, wie das vielleicht erwünscht ist. Und ich meine, das Hausgesetz der Rundsvollein ist bis heute so.
Solveig
01:07:47
Ja, aber das wird doch jetzt auch dran gelegen haben, dass das Polen sind. Also wenn sie da aus Belgien irgendwen geholt hätten, da hätte doch auch keiner was getan.
Michael
01:07:52
Ja, wer weiß. Also garantiert hat es damit zu tun, dass natürlich es auch keine, ich sag's mal so, es keine polnische Lobby gab. Also es gab keine polnische Lobbyers und die waren überall, egal wo, also die waren ja aufgeteilt unter drei, also Österreich, Russland und Preußen. Und die hatten nirgendwo eine Lobby. Die haben nirgendwo irgendwie...
Solveig
01:08:13
Es herrscht ja aber auch eine massive Polenfeindlichkeit.
Michael
01:08:16
Absolut.
Daniel
01:08:16
Das würde ich so glaube ich in der Zeit noch nicht so stark unterschreiben. Also ich glaube, wenn dann durch den Eindruck, dass das Herzogtum Warschau halt Feindesland war und im Grunde spielt es glaube ich gar nicht mehr so eine große Rolle vielleicht, weil natürlich jetzt nach dem Wiener Kongress, also bei, FE2 war ja so zwei Drittel des Landes irgendwie auf polnischem Gebiet und das ist ja jetzt meistens weg. Jetzt haben sie ja in Wien nur eigentlich den kleinsten Restteil bekommen, also dieses Großherzogtum Posen. Und da geht es natürlich dann schon um Kontrolle, aber dann ist es natürlich auch nicht mehr so der Nimbus. Ich glaube, bei FE2 wäre das auch noch anders gelaufen. Also erstens ist es noch vor dieser Verbürgerlichung, das wäre jetzt ja doch noch eher so ein Ende-Barock- Herrscher, der hätte sich wahrscheinlich eher durchgesetzt, zumal dann gesagt hätte, so ich möchte mit dem polnischen Teil meines Landes mich verbinden. Sich dann die da auszugucken, der wäre vielleicht ein bisschen offener gewesen.
Michael
01:09:08
Könnte gut sein, weil der ist ja schon da unterwegs, der heiratet ja morganatisch. Seine Liebschaften, seine Mätressen sind Schauspielerin, sind Tänzerin und so weiter.
Daniel
01:09:18
Und du bist ja Königin aus, so im Zweifel.
Michael
01:09:20
Ja, genau. Und wie gesagt, die Geschichte haben wir ja darüber gesprochen, in einem der Fälle, die dann nach Stettin geht. Ich bin übrigens vor ein paar Tagen durch Stettin mal gefahren und es war sehr schön, weil ein Freund und Kollege postete irgendwas, die Vergessene. und ich sage, nein, mein Lieber, vor zwei Tagen bin ich da nur, ich habe sehr an sie gedacht.
Daniel
01:09:39
Wenn ihr euch jetzt fragt, warum geht es denn jetzt, dann müsst ihr nochmal in die Folge, ich weiß nicht, welche Nummer sie hat. Die zweite auf jeden Fall. Also die zweite der Hohenz-Holland-Frauen von Dezember 24.
Michael
01:09:49
Also es verbindet sich ja da auch ganz viel und es spielt ja auch eine große Rolle und ich denke, das sind spannende Themen, weil es eben diese Frage aufwirft, was ist denn wirklich so, der Hintergrund, aber ich denke, dass es schon eine Ablehnung Polens auf jeden Fall dahinter steht, ob es jetzt so eine Also massive Polenfeindlichkeit. Aber zumindest wollte man es nicht sozusagen ins Königshaus zurückkommen. Das Aushiraten aus dem Königshaus in so eine polnische Magnatenfamilie, das mag ja ganz schön sein, das sieht ja auch ganz gut aus. Und da ist ja auch eine Prinzessin ordentlich versorgt, denn die hat wahrscheinlich mehr Geld gehabt als alle ihre Verwandten. Soll ich auch mal hingegangen. Ja, in dem Falle. Also auch, muss man auch nicht vergessen, sie ist ja die Tochter des jüngsten Sohns des Königs und der Königin.
Daniel
01:10:32
Da bleibt nicht viel hängen.
Michael
01:10:34
Ja, da bleibt nicht viel hängen, ja. Also Schloss Bellevue gerade.
Daniel
01:10:37
Was war Schloss Bellevue vorher? Was hast du gesagt? Eine Lederfabrik. Ja, schön.
Solveig
01:10:41
Oder von Hugenotten.
Michael
01:10:42
Von Hugenotten, ganz genau.
Daniel
01:10:44
Ja gut, das stört jetzt die Hohensonne.
Michael
01:10:45
Also der Flügel, der hat zum Wasser. nicht zu sprechen, steht das Wort.
Solveig
01:10:48
Das waren Franzosen.
Michael
01:10:50
Also wie gesagt, aber es...
Solveig
01:10:52
Wir sind doch am Beginn der Franzosen-Meinschaft.
Michael
01:10:55
Ich hoffe, ich konnte so ein bisschen da so ein bisschen Einblick geben in so eine sehr amüsante, also vielleicht nicht ganz amüsante Geschichte, aber hochbrisante Geschichte. Weil ich denke auch immer noch, also man scheint ja so weit weg zu sein und dann stellt man doch immer wieder fest, es gibt ja doch Punkte so, die einen bewegen oder die eine Rolle spielen und die, ja wie gesagt, von den Zwängen, die da aufgeworfen werden und so weiter, die immer noch aktuell eigentlich sind.
Daniel
01:11:19
Und die sehen immer noch so eine verpasste Chance.
Michael
01:11:21
Ja.
Daniel
01:11:22
Aber wahrscheinlich FE3, erstens ist es ja nicht so entscheidungsfreudig gewesen, um sich durchzusetzen gegenüber anderen, die offenbar vermeinungsmächtig waren.
Michael
01:11:31
Ja.
Daniel
01:11:32
Und ja, vielleicht war es auch nicht mehr so ein Anliegen mit den, sagen wir mal jetzt, bisschen fies, so Restpolen in Posen, sich da jetzt so, familientechnisch nochmal zu verbinden, war vielleicht nicht so ein drängendes Anliegen mehr und dann irgendwie, wenn die Charlotte sich Weimar wünscht.
Solveig
01:11:49
Kriegt sie halt Weimar.
Michael
01:11:51
Also man sieht es, ich habe gerade erzählt, dass ich auch unterwegs war und fünf Tage in Kolberg war und da warf sich mir diese Frage natürlich auch so ein bisschen auf. Also wie ist das so, da kam man in so eine private Sammlung, wie ich da herausfand, die im alten Rathaus, von Schinkel entworfen übrigens. Dann so in drei Räumen, vier Räumen die Geschichte der Stadt Kolberg zeigt und ich kam da so rein und wurde empfangen und da so eine Dame, die dann meinte, ach, Sie sprechen Deutsch? Ich sage, ja. Naja, die Beschriftungen sind alle auf Deutsch. Und die Dokumente können Sie sowieso lesen, die sind ja Deutsch. Und, ach, Sie wissen, Kolbeck war doch eine deutsche Stadt. Und wahrscheinlich hat er irgendwie ein bisschen was anderes erwartet. Und zu diesen Dokumenten, die dort ausgestellt waren, übrigens in einer ganz schrecklichen Sammelsurie, aber es war ja so eine Messie-Sache, also tolle Objekte, wo man hätte was mitmachen können. Und da unter anderem eine Urkunde, die war auf Deutsch und auf Polnisch. und diese Urkunde, der deutsche Text war leider abgedeckt, also ich konnte auch nicht entdecken, worum es da geht, das war nur der polnische zu sehen, ausgestellt von Friedrich Wilhelm IV. 1840 in das Schloss Sonsus. Also wo ich dann so dachte, okay, also es gibt ja scheinbar schon auch ein Bewusstsein dafür, dass es da eine polnische Bevölkerung gibt, also durchaus, auch wenn die relativ, wenn man die Einwohnerzahlen auch in Kolberg sieht, zu der Zeit relativ gering ist. Also wir reden davon bei einer Einwohnerschaft von knapp 30.000 oder so. von 5.000 oder 6.000 Katholiken sozusagen, polnische Katholiken, die da eingetragen sind. Und dass trotzdem aber da ein Bewusstsein, der scheinbar da ist, also dass es ja nicht ganz ausgeblendet ist irgendwie so, deswegen diese Frage der Polenfeindlichkeit, ich glaube, das kommt später dann wirklich nochmal, als diese nationalen Sachen noch stärker gegeneinander. Aufeinanderstoßen dann. Und auch eben, ja, also dass es durchaus bewusst war, dass es es gibt und dass es da ist. aber eben keine Auswirkung hat auf die Politik, also die Heiratspolitik oder das Zugeständnis dann zu sagen, okay, dann klar ist ja auch ein Teil, könnte man ja auch machen irgendwie so, um dann die Bevölkerung die man da zugewonnen hat also es hat Friedrich der Zweite ja auch gemacht, die Hedwigs Kathedrale steht nicht umsonst da am Forum Friderazanum, Triumphbogen, Oberung Schlesien aber auch als eben eine katholische Kirche, eine katholische Kathedrale, die der Schutzheiligen Schlesiens gewidmet ist. Um damit zu sagen, auch die gehören dazu. Wie die dann dazu gehören, wie die behandelt werden, ist da nochmal eine andere Frage. Man zeigt es aber doch, man macht es sehr deutlich.
Daniel
01:14:29
Also jedenfalls hat der FE4 offenbar kein Problem mit Katholiken. Das steht fest. Der baut sogar katholische Kirchen fertig. Auch wenn es viel Geld kostet. Große Kirchen. Hätte kein Problem mit einer katholischen, polnischen Frau für seinen Bruder und sucht seinem Vater sogar noch eine katholische Gräfin aus.
Michael
01:14:49
So ist es.
Daniel
01:14:50
Davon könnt ihr auch noch mehr erfahren in der damaligen Folge. Jetzt erstmal vielen Dank, Micha, dass du dir diese Zeit genommen hast, am Ende eines für dich sehr langen Arbeitstages. Meine große Frage ist natürlich, hättest du noch 10, 15 Minuten für den Nachklapp? Das ist immer so noch das kleine Extra- Dass wir hier Michaela, Erik, Stefan, Carolina, Kirsten, Sophie, Ingo, Christina, Astrid, Franziska, Markus, Luis und allen anderen gerne noch anbieten wollen. Nur so ein kleines bisschen extra Preußen. Ich habe da noch eine Geschichte oder eine Frage, an die ich mich so ein bisschen erinnere, die würde ich dich da gerne nochmal fragen.
Michael
01:15:23
Ja, sehr gerne.
Daniel
01:15:25
Dankeschön, danke Solberg, dass du Preußen mitmachst.
Solveig
01:15:28
Ja, muss ich ja.
Michael
01:15:30
Das ist ja Preußen und Polen in dem Fall.
Solveig
01:15:33
Wird zur Frage, aber als Samaten treten die nicht mehr auf, ne?
Daniel
01:15:36
Im 19. Jahrhundert?
Solveig
01:15:38
Ja, ich wollte ja nur fragen.
Daniel
01:15:39
Du meinst ja mit diesen Fellmützen und Mänteln? Ja, das sieht super.
Solveig
01:15:41
Das ist mein Lieblingsstyle.
Daniel
01:15:43
Da könntest du mal ein Video über diese Segel machen.
Solveig
01:15:45
Über die Samarthen, über die Netflix-Serie.
Daniel
01:15:49
Die feierst du doch.
Solveig
01:15:49
Nee, die ist ja gut, deswegen.
Daniel
01:15:51
Kannst du mal ein Video machen über Segel.
Solveig
01:15:52
Die gut sind? Nein, nein, nein, so funktioniert das Internet nicht.
Daniel
01:15:55
Also so sollten wir uns jedenfalls Elisa Radjewimo nicht vorstellen.
Solveig
01:15:59
Nein, schade, ich liebe diese Mäntel auch, ich liebe das.
Michael
01:16:02
Also ich denke, dass die schon mal bei bestimmten Gelegenheiten auch dann in ihre Trachten verkleiden die sich dann.
Daniel
01:16:08
Bestimmt nicht in Berlin auf dem Ball. Oder in Bad Freienwald.
Solveig
01:16:11
Aber in Petersburg machen die da.
Daniel
01:16:13
Da vielleicht eher. Oder in Warschau wahrscheinlich.
Michael
01:16:15
Oder in Posen sein als Stadthalter. Das kann schon sein.
Daniel
01:16:18
Bevor dann das Finis Polonie. Das ist nochmal ein anderes Thema. Können wir dem auch nochmal irgendwann in einer Extra-Folge widmen. Dankeschön an dich und Dankeschön an euch alle. Macht's gut, bis bald.
Solveig
01:16:28
Tschüss.