FG068 - Von Gottes Gnaden: Friedrich Wilhelm IV.
30.04.2026 134 min
Zusammenfassung & Show Notes
Friedrich Wilhelm IV. lehnte 1849 die Kaiserkrone ab – und gab damit einer ganzen Generation den Korb. Aber warum? Daniels Lieblingspreußenkönig bekommt endlich seine eigene Folge – zur Freude des einen, zum leisen Leid der anderen: Solveig findet die Hohenzollern bräsig, jedenfalls deutlich weniger unterhaltsam als die Habsburger. Zusammen schauen wir diesmal tief in Briefe, Reden und private Notizen – von der Kindheit im Exil bis zur Revolution 1848 – und fragen: Was hat diesen Mann geformt? Und was war ihm am Ende wichtiger als die Kaiserkrone?
Die Folge ist eine Doppelfolge mit Flurfunk Paulskirche, Folge 11: Erwählter Kaiser der Deutschen. Dort geht es um die Ereignisse von 1848 aus der Perspektive der Nationalversammlung.
Kindheit im Exil und stete Ermahnungen
Friedrich Wilhelm IV. wird 1795 geboren. Seinen zwölften Geburtstag erlebt er im Exil in Memel – Napoleon hat Preußen besiegt, die Familie ist geflohen. Der Kronprinz überrascht seine Mutter mit einem kleinen Geschenk. Königin Luise antwortet mit einem Brief, der Druck aufbaut: Preußens Größe sei dahin, der Vater unglücklich – und von ihm, dem Kronprinzen, erwarte sie Fleiß, Gehorsam und Opferbereitschaft. Auch sein Erzieher und sein Vater mahnen in dieselbe Richtung: Gehorsam, Ordnung, Opfer. Den Hang zum Zeichnen und zur Kunst soll er bitte zurückstellen.
König des Friedens
Mit dem Tod Friedrich Wilhelms III. 1840 besteigt Friedrich Wilhelm IV. den Thron. Er amnestiert die Demagogen – die Brüder Grimm dürfen nach Berlin, Arndt zurück nach Bonn. Liberale Geister schöpfen Hoffnung. In seinen Huldigungsreden – zuerst in Königsberg, dann in Berlin – betont er die Verbindung von Volk und König und seine Verantwortung vor Gott. Dabei tut er etwas Neues: Er tritt als erster König in der preußischen Geschichte vor die Menschen und hält eine Volksansprache – fragt sein Volk nach einem „ehrenfesten Ja" und bekommt es von tausenden Stimmen zurück. Der schönste Satz dieser Rede, so findet zumindest Daniel, ist der verklausulierte Friedensappell: Wem der Sinn nicht nach einer sogenannten glorreichen Regierung steht, der fasse Vertrauen zu mir. Er will kein zweiter Friedrich der Große werden, sondern ein friedvoller Patriarch.
Der göttliche Draht
Novalis hat es formuliert, Friedrich Wilhelm hat es gelebt: Die Monarchie beruht auf dem Glauben an einen höher geborenen Menschen. Die Konstitution besteht aus der Verantwortung des Monarchen vor Gott – nicht aus einem Stück Papier. Dazu kommt eine mystisch-sakrale Überzeugung, die Friedrich Wilhelm selbst gegenüber seinem Freund Bunsen formuliert: Es gebe Dinge, die man nur als König wisse – nicht weil man den Schlüssel zu Papas Aktenschrank bekommt, sondern weil der Heilige Geist auf mystische Weise eingibt, was das Volk braucht. Das klingt für heutige Ohren befremdlich. Für Friedrich Wilhelm war es der Kern seiner Identität.
Der Dom der Einheit
Als Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm 1815 seine Hände in den Rhein getaucht und sich drei Kreuze auf die Stirn gezeichnet. Der Kölner Dom – seit Jahrhunderten Bauruine, Baukran inklusive – wird für ihn zum Symbol deutscher Einheit und konfessionellen Friedens. Als König fördert er 1840 den Dombauverein, gibt 50.000 Taler und legt 1842 den Grundstein – mit Metternich und Erzherzog Johann gegenüber, die mindestens genauso viel geben wollen, damit bloß kein falscher Eindruck preußischer Vorherrschaft entsteht. Seine Rede zur Grundsteinlegung bewegt alle – der preußische König geht dem Erzbischof auf der Estrade entgegen, dessen Vorgänger sein Vater noch in die Festung Minden gesperrt hatte. Doch der neue König scheint einen Hang zum Katholizismus zu haben und bietet dem Papst – ganz ernst gemeint – Schloss Brühl als Exilresidenz an, als die Revolution von 1848 den Kirchenstaat bedroht.
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zur Eröffnung des " Vereinigten Landtags" am 11. April 1847
Bankrotterklärung
Im Laufe des Revolutionsjahres 1848 scheint sich der König mit einer neuen - konstitutionellen - Identität anzufreunden. Doch am 12. Oktober 1848 streicht die preußische Nationalversammlung mit 217 zu 134 Stimmen die Worte „Von Gottes Gnaden" aus dem Verfassungsentwurf. Der Abgeordnete Schulze-Delitzsch vergleicht die Formel mit einer bankrotten Firma, die man nicht ins neue Geschäft hinübernehme. Was die Mehrheit für eine leere Floskel hält, ist für Friedrich Wilhelm der Kern seines Selbstverständnisses – und das Ende seiner Kompromissbereitschaft. Das Ministerium wird entlassen, General Wrangel rückt in Berlin ein, die Nationalversammlung wird aufgelöst. Aus eigener Machtvollkommenheit oktroyiert Friedrich Wilhelm seinem Land dann doch eine Verfassung – im Wesentlichen das, was die Versammlung erarbeitet hatte, aber eben von ihm gegeben, nicht erkämpft. Mit „Von Gottes Gnaden" im Titel und später redigiert. An Kaiser Franz Joseph schreibt er 1854: Er habe eine „miserable, französisch-moderne Konstitution" beschworen, aber sein Wort sei heilig.
Weltbild als Architektur
Nach 1848 ist Friedrich Wilhelm nach Aussage von Zeitgenossen nicht mehr der Alte. In architektonischen Entwürfen versucht er weiterhin sein Weltbild festzuhalten. Sein bleibendes Vermächtnis ist die Potsdamer Parklandschaft mit Friedenskirche und Schloss Charlottenhof. 1857 erleidet er Schlaganfälle, sein Bruder Wilhelm übernimmt. Am 2. Januar 1861 stirbt er in Sanssouci und wird in der von ihm selbst geplanten Friedenskirche in Potsdam beigesetzt. Sein Herz liegt gesondert bei seiner Mutter im Mausoleum Charlottenburg.




Gruft in der Friedenskirche mit den Sarkophagen Friedrich Wilhelms IV. (vorne) und Königin Elisabeths (dahinter)
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Transkript
Es wird heute nochmal ein bisschen romantisch und wir gehen nochmal in das 19.
Jahrhundert und es geht auch um die Liebe, allerdings um eine ganz andere Form,
die Liebe eines Vaters zu seinen Kindern oder zu den Menschen und während ich
mich vorbereitet habe auf diese heutige Folge, musste ich an ein Zitat denken
aus einer ganz anderen Zeit.
Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen.
Na, ich liebe doch, ich setze mich doch dafür ein.
Hallo Solveig.
Hallo Daniel.
Schön, dass wir schon wieder zusammen sind und es schon wieder um Preußen geht.
Ich weiß, du findest das gerade nicht so schön, fürchte ich.
Langsam ist auch gut.
Aber ich hoffe, ihr da draußen, ihr mögt es. Und heute geht es um eine absolute
Lieblingsperson von mir.
Nämlich um den preußischen König Friedrich Wilhelm IV.
Über andere muss man überhaupt nicht reden. Schon gar nicht über seine Brüder. Auch nicht über denen,
Der wird heute auch quasi gar nicht vorkommen, sondern nur dieser eine Beste
unter den preußischen Königen.
Und Solberg hat aber gerade, während der Knopf noch nicht gedrückt war,
oder vielleicht doch, vielleicht hat er es dann hinterher nochmal gesagt,
du findest ihn total langweilig.
Ja.
Wie kann denn das sein?
Weil der so langweilig ist.
Und die Hohenzollern sind ja alle zu bräsig.
Ja, bräsig bürgerlich.
Immer nur die Sissi und der Franz Josef.
Ja, die hatten wenigstens auch mal ein bisschen, die haben was abgeliefert.
Als hätten die Hohenzollern nichts abgeliefert. Ich bitte dich.
Wir werden heute nochmal erleben, was hier Friedrich Wilhelm IV.
Alles abliefert und vor allem auch natürlich, welche Erwartungen so in ihn gesetzt wurden.
Und natürlich müssen wir am Anfang auch sagen, definitiv Spoiler-Alert.
Und falls ihr euch noch überraschen lassen wollt vom Ausgang der ganzen Geschichte,
dann solltet ihr vielleicht jetzt hier erstmal stoppen.
Und sofern ihr das noch nicht kennt, unseren anderen Spin-Off-Podcast euch anhören,
nämlich Flurfunk Paulskirche.
Und just in diesen Tagen, nach einer längeren Pause, Bedenkzeit, sagen wir mal so,
ist dort auch eine Folge erschienen, in der es darum geht,
wie dieses erste gesamtdeutsche Parlament in der Paulskirche in Frankfurt am
Main, die Nationalversammlung, sich entschlossen hat, dann am Ende zusammen
mit Parlament und freien Wahlen etc.
Pp. doch auch aber einen Kaiser zu wählen. und dann aus verschiedenen Gründen
eben auf jenen Friedrich Wilhelm IV. kam.
Und man sich dann aufmachte nach Berlin und ihm das dann vortrug,
dass er also erwählter deutscher Kaiser sei und er damit aber aus verschiedenen
Gründen nicht einverstanden war.
Und ich würde ja fast sagen, wenn wir beim Thema unseres Jahres bleiben,
der Männer mit Sprengkraft, dann ist das auf jeden Fall ein...
Sprengungsmoment, zumindest was die Hoffnungen einer ganzen Generation betrifft,
hatte die in diesem Moment da quasi eine Granate reingespringt.
Aber vielleicht liegen ja noch andere Potenziale da drin.
Und vor allem hat mich immer interessiert, warum sagt er dort nein?
Und einfach nur zu sagen, das ist ja nicht von Gottes Gnaden.
Das ist natürlich nicht falsch, aber auch vielleicht ein bisschen billig.
Weil es gibt ja genug Könige, die auch, was weiß ich, König der Belgier heißen
und wahrscheinlich trotzdem noch von Gottes Gnaden.
Und der in Großbritannien hat auch nichts mehr zu sagen, ist aber immer noch
von Gottes Gnaden König.
Aber ihm muss da irgendwie noch ein bisschen mehr dahinter gelegen haben an
Vorstellungskraft, was das alles bedeuten könnte.
Und das späte 19. Jahrhundert, als es dann endlich einen deutschen Nationalstaat
gab und einen Kaiser Wilhelm und dann diverse Historiker sich berufen fühlten,
jetzt eine Nationalgeschichte zu schreiben, die eben auch ein Ziel hatte,
auf das alles hinaus lief.
Da kannst du dir schon denken und ihr euch, dass der Friedrich Wilhelm Nummer 4 da nicht so gut wegkam.
Und ich werde am Ende nochmal da Beispiele für sagen.
Nur am Anfang ein gewisser Herr Treitschke sagte, dieser König war ein Romantiker,
der sich in die Formel der Vergangenheit verliebte, während die Gegenwart nach Taten schrie.
Wenn Herr Treitschke das sagt.
Denn Herr Treitschke das sagt. Herr Treitschke hat sich das allerdings nicht
ausgedacht mit dem Romantiker auf dem Thron. Das haben schon Zeitgenossen sich
überlegt. Also er hatte da eine gewisse Prägung scheinbar.
Und ich möchte aber nochmal vom Ende her einsteigen.
Denn eben sagte ich ja, da kommt diese Deputation aus Frankfurt, trägt ihn das vor.
Sagt Majestät, nehmen Sie die Wahl an. Und er sagt nee und verkleidet das so in ganz nette Worte.
Leider nein, leider gar nicht.
Leider nein, nee, das sagt er ja gar nicht mal. Er sagt, ich denke nochmal drüber nach.
Und sag ihnen dann Bescheid. Es ist aber trotzdem verständlich,
dass da wahrscheinlich nichts draus wird.
Und ein paar Tage später schreibt er auch seiner Schwester Charlotte einen Brief.
Und da muss er ja kein Blatt vor den Mund nehmen. Da kann er gleich sagen, was er denkt.
Kannst du dich noch erinnern, wer die Charlotte ist?
Seine Schwester.
Seine Schwester, das habe ich ja gerade gesagt.
Die Zarenfrau.
Genau, die Zarenfrau. Ja.
Die Gattin des Zaren Nikolaus, der Gendarmeuropas.
Und deswegen kommen da immer so besorgte Briefe von der Charlotte zwischendurch,
wenn ihr Bruder scheinbar zu nett zu Revolutionären ist.
Und scheinbar wollte er wiederum ihr dann versichern, dass er absolut gar nicht
nett sein wird, damit der russische Zar sich beruhigen kann,
dass jetzt auch in Preußen wieder Ruhe einkehrt.
Und da schreibt er ihr dann, dir will ich aber ein beherzigenswertes Wort sagen
und du kannst es verstehen.
Gedenke der Bösen sieben Jahre von sechs bis dreizehn.
Sie auf ihren Anfang und sie auf ihr Ende. Welch unermesslicher Schatz von heilsamer
Demütigung und von heilbringendem Dank gegen Gott, der alles so wohl gemacht hat, das, glaub mir,
hab ich von Papa geerbt, das Beugen unter das Kreuz, voll Mut und Hoffnung und
den Mut, die Gelegenheit zum Umschwung zu ergreifen, sobald der Herr sie uns zeigt.
Ja, wenn ich sie nur finde, steh ich da mit offenen Augen und Mund und angehaltenem
Atem und solch ein Augenblick ist der gegenwärtige.
Du hast die Abfertigung der Frankfurter Menschen, Esel, Hund,
Schweine und Katzendeputation gelesen.
Sie heißt auf grob Deutsch, Messieurs, ihr habt mir ganz und gar nicht das Recht,
das Allermindeste zu bieten.
Bitten, so viel ihr wollt. Geben? Nein.
Denn dazu müsstet ihr in Besitz von irgendetwas zu Gebendem sein.
Und das ist nicht der Fall.
Darum seid so gut und wacht auf, wenn eure Besoffenheit es zulässt.
Die Sache en question mache ich mit meinesgleichen ab. Doch das noch zur Wegzehrung.
Werdet ihr unnütz, so renne ich euch, das heißt innere Feinde,
so gut als äußere um und dumm.
Aber verstehst du, geliebteste Charlotte, in dieser notwendigen Hindeutung liegt auch eine Gefahr.
Die nämlich, dass durch irgendeinen unvorhergesehenen Umstand eine so große
und so gewichtige Mehrheit sich für meine unselige erbliche Wahl vereinigt,
dass ich nicht mehr widerstehen kann.
Das aber muss vor allem vermieden werden. Das finde ich dann doch interessant am Ende.
Macht er sich eher mehr Sorgen um sich selbst, dass die dann irgendwie doch
so viele Leute in so Bitten und Fragen kommen, dass er dann doch noch Ja sagen könnte.
Und wahrscheinlich bereitet er hier noch etwas vor, wo wir dann später nochmal,
vielleicht nächstes Jahr, in Flur von Paulskirche dann nochmal darüber sprechen,
wie er sich nämlich dann nochmal vorgestellt hat, wie es dann doch klappen könnte.
Aber jetzt bleiben wir erstmal bei ihm.
Und seine Absage, die doch ein bisschen drastisch jetzt gerade klang,
die Hunde, Schweine und die Tiere, er da noch mit reingebracht hat in diese Deputation.
Also vielleicht doch nicht ganz so romantisch, wie Herr Treitschke ihn hier
gerade noch beschrieben hat.
Und er fängt ja den Brief an an die Charlotte mit den bösen sieben Jahren.
Und das ist ja noch nicht so lange her, dass wir hier mit Micha saßen.
Und ich denke sogar du, die du Preußen nicht magst und die Hohenzollern,
hast eine Vorstellung davon, was er meint mit den bösen sieben Jahren, oder?
Was ist denn jetzt heißen?
Gar nichts. Ich versuche dich da noch mal so ein bisschen mit reinzuholen.
Das ist ja die napoleonische Zeit.
Ja, und da haben wir...
Das weiß ich auch ohne Preußen.
Ich weiß, weil in unserer Folge, die jetzt schon länger zurückliegt,
über Napoleon und Luise...
Hast du die ganzen Briefe der Königin vorgetragen und das ganze Leid,
das sie dort tragen musste als preußische Madonna-Mutter unter Schmerzen.
Zollberg verdreht schon wieder die Augen, weil sie mit Madonnen-Figuren nicht
so viel mehr anfangen kann.
Die werde ich auch mit Luise nicht sagen.
Auch mit Luise. Wir werden hier nicht eins werden, aber heute musst du halt da durch.
Du trägst jetzt das Leid. Auf jeden Fall ist klar, das ist Preußens schwere
Zeit, wo sie kurz davor waren, quasi von der Landkarte vielleicht zu verschwinden.
Und vermutlich nur auf Zusprache des russischen Zaren überhaupt noch bleiben durften.
Auf jeden Fall müssen sie aus Berlin fliehen.
Wir hatten schon auch bei, als Micha in der letzten Folge hier war,
hatte ich mal so halb scherzhaft gemeint, dass da der Wilhelm und die Elisa
gemeinsam traumatisiert wurden als Kinder.
Das trifft ein Stück weit ganz sicher auch auf Friedrich Wilhelm zu.
Und der muss natürlich noch die ganze Last tragen dessen, dass er der Erstgeborene
ist. Und dass vielleicht auf ihn dann noch viel mehr dann zukommen wird.
Vielleicht müssen wir noch kurz sagen, wann er überhaupt geboren ist.
Er ist nämlich 1795 auf die Welt gekommen.
Das ist just das Jahr, über das wir auch letztes Mal schon einmal kurz gesprochen
haben, als nämlich Preußen da so einen Separatfrieden gemacht hat,
in dem Ersten Revolutionskrieg gesagt haben, also wir kümmern uns jetzt lieber
um die Polen und annektieren da noch ein bisschen was und der Rest Europas kann
sich da um diese Revolution in Frankreich kümmern.
Also die ersten Kindheitsjahre waren da eher unbeschwert und man hat sich diese
Schellokonk-Konzerte angehört. Aber dann kommt eben alles anders.
Und seinen zwölften Geburtstag, den erlebt er schon im Exil in Memel am östlichsten
Zipfel des Reiches und hat sich was überlegt,
damit die Mama ein bisschen bessere Laune kriegt und es nicht so schwer ist
für sie, machte ihr ein Geschenk.
Schreibt er einen kurzen Brief darüber, womit er sie überraschen möchte. Finde ich ziemlich süß.
Dass er einen Brief schreiben muss.
Ich weiß nicht, ob sie da vielleicht gerade unterwegs war oder er wollte einfach
zeigen, dass er etwas gelernt hat.
Meine Möge, du solltest, dass ich auf meiner Weihnachtszeit eine gute Nacht
wünsche, in einer foreign Sprache, die ich gelernt habe, ohne dich zu wissen,
in order zu machen, wenn du, wenn du, ein bisschen Spaß und Überraschung hast,
und zu geben, meine Möge, meine Möge.
Ist das nicht süß? Das ist wirklich süß.
Ja, und dann einen Tag später oder zwei antwortet die Mama.
Die wieder mit dieser furchtbaren Sprache.
Mit den Engländern haben die ja nicht so ein Problem, hat ja nicht Französisch
geschrieben, Gott sei Dank.
Und ich dachte, du bist ja gewöhnt, die Luise zu lesen. Sag uns doch mal,
was Mama geantwortet hat.
Sie schreibt ja wirklich auf Deutsch zurück.
Ja, sie schreibt auf Deutsch zurück, natürlich.
Aber das gibt es öfter auch, dass die Kinder dann in einer Fremdsprache schreiben
vom Lehrer. Du hast vielleicht auch vom Lehrer eine Hausaufgabe aufgegeben. so.
Ich bin überzeugt, guter Fritz, dass der gestrige frohe Tag in jeder Hinsicht
ein wichtiger Tag für dich war.
Aus der ersten Kindheit bist du nun heraus und ernstes Nachdenken tritt nun
an die Stelle von mancher Spielerei.
Unter traurigern Umständen hast du noch keinen Geburtstag gefeiert.
Preußens Größe ist dahin.
Dein Vater recht unglücklich durch das Elend, welches sein Volk ohne seine Schuld
leidet. Der Staat aufgelöst und verarmt.
Viel, ja und endlich viel wird es wieder kosten. Kräfte, Nachdenken,
fester Wille und Aufopferung jeder Art, um das wieder aufzubauen,
was zehn Monate Krieg vernichtet.
Muss nicht der so natürliche Wunsch in jedes guten Brust erwachen,
alle seine Kräfte aufzuwiegen, um den Ganzen zu helfen und zu nützen?
Der Kräfte hat, wendet sie an und nützt es schon, der sie erwerben kann,
um einmal zu nützen, bilde sie mit Anstrengung und Fleiß aus und dieses ist
der heilige Entschluss, den ich von dir, lieber Fritz, gewiss erwarte.
Als zärtlicher Sohn wirst du gewiss deinen Fleiß verdoppeln,
um recht gut, recht ausgezeichnet zu werden, um deinen guten Vater,
wenn er etwas von dir verlangt, mit Tätigkeit und Liebe beizustehen und durch
dein Gehorsam den übrigen guten Beispiel vorauszugehen.
Denn bloß durch strenges Gehorchen kann man Großes hervorbringen und unterziehen
sich die Ersten diesen strengen Gehorsam, dürfen die anderen nicht klagen und
so wirst du dem König und Vaterland viel leisten.
Ja, danke Mama für deine Geburtstagsglückwünsche.
Wollte dir doch nur zeigen, dass ich Englisch kann.
Wirklich. Ich könnte auch einfach sagen, das ist aber toll, Junge,
da freue ich mich aber. Nein.
So viel zur Madonna übrigens.
Wir haben ja schon zehn Jahre Krieg und vielleicht musst du das von deinem Papa
übernehmen und jetzt streng dich mal ein bisschen mehr an und vor allem sei gehorsam.
Das war auch ein Stichwort, das wir mit Micha in der letzten Folge nochmal ganz
klar hatten, als sie dann sogar in Theaterstücken, das den Kindern nochmal nahe
gebracht haben, dass das die Haupttugend in Preußen ist. Sei bitte gehorsam.
Ja, danke Mama.
My dearest Mama.
Ja, wirklich. Wir bleiben noch kurz im Exil und bei der Luise,
solange sie noch da ist. Das wird ja nicht so lange sein, tatsächlich.
Denn sie schreibt später nochmal, das war ja der zwölfte Geburtstag.
Wir gehen zwei Jahre weiter zum vierzehnten Geburtstag.
Hat den Krieg immer noch nicht gewonnen.
Der Krieg ist immer noch nicht gewonnen. Immerhin ist sie, glaube ich,
in Königsberg zurück zu dem Zeitpunkt. Also wieder ein bisschen näher ran nach Berlin.
Vergleich zum Memel. Und da schreibt sie an ihren Vater nach Mecklenburg-Strelitz,
wie es denn so den Kindern geht und wie die sich so machen.
Unsere Kinder sind unsere Schätze. Und unsere Augen ruhen voll Zufriedenheit und Hoffnung auf ihn.
Der Kronprinz ist voller Leben und Geist. Er hat vorzügliche Talente,
die glücklich entwickelt und gebildet werden.
Er ist wahr in allen seinen Empfindungen und Worten und seine Lebhaftigkeit
macht Verstellung unmöglich.
Er lernt mit vorzüglichem Erfolg Geschichte und das Große und Gute zieht seinen
idealischen Sinn an sich.
Für das Witzige hat er viel Empfänglichkeit und seine komischen,
überraschenden Einfälle unterhalten und sehr angenehm.
Er hängt vorzüglich an der Mutter und er kann nicht reiner sein, als er ist.
Ich habe ihn sehr lieb und spreche oft mit ihm davon, wie es sein wird,
wann er einmal König ist.
Unser Sohn Wilhelm, erlauben Sie, erwürdiger Großvater, dass ich Ihren Enkel
nach der Reihe Ihnen vorstelle, wird, wenn mich nicht alles trügt, wie sein Vater.
Einfach, bieder und verständig. Auch in seinem Äußeren hat er die meiste Ähnlichkeit
mit ihm. Nur wird er, glaube ich, nicht so schön.
Besonders wohltätig ist es dem Kronprinzen, dass er das Unglück schon als Jüngling
kennenlernt. Er wird das Glück, wenn, wie ich hoffe, künftig für ihn eine bessere
Zeit kommen wird, umso höher schätzen und umso sorgfältiger bewahren.
Ja, das ist einer der bekanntesten Briefe, diese Charakterisierung ihrer Kinder.
Also sie spricht natürlich auch über die anderen Kinder, das habe ich jetzt
mal weggelassen. Den Wilhelm habe ich noch reingenommen, damit klar ist, der ist nicht so hübsch.
Und wie Geist, genau. Also das, was du dir unter Hohenzollern offenbar abgespeichert hast.
Aber dafür ist der Friedrich Wilhelm eben geistreich und interessiert sich sehr
für Geschichte und unterhält sie mit Geschichten. Und es ist ein sehr bekannter
Brief, wahrscheinlich einer der bekanntesten, weil es eben da so schön um die Kinder geht.
Die Herausgeberin, die Gräfin Malbrodkirch, die hat allerdings dazu kommentiert,
dass sie offenbar nicht ganz überzeugt ist, ob der echt ist.
Also scheinbar gibt es die Urschrift nicht mehr, sondern eben nur in verschiedenen
Editionen taucht es halt mal auf.
Sie hat es ja auch abgedruckt. Also nehmen wir es mal als Wort der Königin.
Aber von wegen geistreich und interessiert sich sehr für Geschichte,
da kommt dann schnell auch zum Tragen, dass offenbar Friedrich Wilhelm sich
ein bisschen zu viel in Fantasiegebilden verliert und in Geschichten,
die er erfindet oder findet irgendwo,
ja nur sein Erzieher, der findet das nicht so toll und ermahnt ihn dann,
er soll doch mal bitte, da ist er dann schon zurück und ein junger Erwachsener,
Soll doch bitte nicht vergessen, was mit dem Gehorsam ist und vor allem der Opferbereitschaft.
Da muss man auch schon mal Leidenschaften für aufgeben können,
vor allem für die Rolle, die ihm bevorsteht.
Und da würde ich gerne auch nochmal was mitnehmen auf den Weg.
Ich bin auch der Lehrer.
Du bist auch der Lehrer, du bist heute alles, was nicht der König ist.
Tugend fordert Kämpfe mit sich selbst, Entbehrungen und Aufopferungen.
Tugend fordert Kraft, die Kraft, seine Neigungen der Pflicht zu unterordnen.
Und diese Kraft veredelt sich in Religiosität, wenn Liebe zu dem unendlichen,
ewigen Wesen dieselben uns verleiht und eingibt.
Nun frage ich Sie, mein Teuerste, ob Sie diese Tugend zeigen und ausüben,
ob Sie Ihre Neigungen bekämpfen und aufopfern, sobald das Höhere es erheischt,
ob Ihre Liebe zu Gott in Taten übergeht.
Greifen Sie in Ihren Busen und nennen Sie mir die Neigung, die der Tugend von
Ihnen als Opfer gebracht worden wäre. Ich fürchte, Sie verstummen.
Sie haben die Neigung, sich ausschließlich, wenn sie sich selbst bestimmen,
nur mit der Kunst und namentlich mit dem ewigen Zeichen zu beschäftigen.
Diese Neigung überwiegt alle anderen.
Wann haben sie ihr, ich will nicht sagen entsagt, sondern nur weniger nachgegeben und nachgelegt?
Es kann ihnen nicht entgehen, dass zu ihrer künftigen Bestimmung Ordnung höchst
notwendig, dass Ordnung die Seele einer guten Regierung sowie des Weltalls ist.
Also Mama gibt ihm Gehorsam bei, Erzieher betont nochmal Gehorsam und Ordnung
und Opferbereitschaft.
Vergiss mal deine Leidenschaften und denk an die größere Aufgabe.
Fehlt jetzt sozusagen noch einen Mahner.
Der Papa.
Der Papa.
Und der Papa schreibt, als er einmal schwer krank ist, 1827,
und denkt, vielleicht werde ich das hier nicht mehr schaffen.
Schon mal ein Testament, ein privateres Testament. Und ich glaube,
er schreibt sogar zwei Versionen auch damals schon.
Eins, das eher öffentlich auch verbreitet werden könnte. Aber vor allem das
Testament, wo er seinen Kronprinzen, seinen Sohn direkt anspricht.
Und, das wird wichtig, es auch unterzeichnet.
Auf dich, mein lieber Fritz, geht die Bürde der Regierungsgeschäfte mit der
ganzen Schwere ihrer Verantwortlichkeit über.
An dir ist es nun, meine gerechten Hoffnungen und die Erwartungen des Vaterlandes
zu erfüllen, wenigstens danach zu streben.
Deine Grundsätze und Gesinnungen sind mir Bürger, dass du ein Vater deiner Untertanen sein wirst.
Hüte dich jedoch für die so allgemein um sich greifende Neuerungssucht.
Hüte dich vor unpraktischen Theorien, deren unzählige jetzt im Umschwunge sind.
Hüte dich aber auch zugleich für eine fast ebenso schändliche,
zu weit getriebene Vorliebe für das Alte.
Denn nur dann, wenn du diese beiden Klippen zu vermeiden verstehst,
nur dann sind wahrhaft nützliche Verbesserungen geraten.
Verabsäume nicht die Eintracht unter den europäischen Mächten,
so viel in deinen Kräften zu befördern, vor allem aber möge Preußen,
Russland und Österreich sich nie voneinander trennen.
Ihr Zusammenhalten ist als der Schlussstein der großen europäischen Allianz zu betrachten.
Die direkte Ermahnung jetzt vom Papa und der Auftrag, in welche Richtung er weitermachen soll.
Offenbar ist dem Vater auch aufgefallen, dass er sich gerne in Vergangenheiten versenkt.
Also das ganz Alte ist nicht so gut, aber bitte auch nicht so viel von dem Neue.
Was ist denn dieser neue Kram, den er da meint?
Das Revolutionäre, Bürgerliche.
Ja gut, Bürgerliche, das ist ja selber mit der Luise. Hermelin und Gold haben
die jetzt auch nicht mehr so genossen.
Republikanische.
Das ist doch nicht gleich das ganz schlimme Wort. Tatsächlich erst drei Jahre
nachdem Friedrich Wilhelm III.
Dieses eher private Testament an den lieben Fritz aufgezeichnet hat,
kommt mal wieder eine Revolution in Frankreich.
Im Juli 1830 war es.
Und schon hat man gleich wieder das Trauma aufgefrischt.
Und alle erinnern sich an den Schrecken der französischen Revolution und was
alles damit dran war und wessen Köpfe da alle so gerollt sind und was es noch
alles mit sich brachte und dieses Exil und die Flucht und das gebrochene Herz,
an dem angeblich die Königin in jungen Jahren verstarb und ihre Kinder zurückgelassen hat.
Und Friedrich Wilhelm spricht von dem verpesteten Zeitgeist, vom Sündenpfuhl Paris,
von Satans finsteren Heerscharen, die um sich greifen und das gekrönte Verbrechen
in Gestalt von Louis-Philippe Orléans.
Pfui.
Denn diese Revolution geht ja eigentlich ganz nett aus. Nur nicht für die Original-Bourbonen,
für den Hauptstamm der Königslinie, sondern der Nebenstamm arrangiert sich quasi
mit dem neuen Zeitgeist.
Und das führt dazu, dass der Ludwig der 18. war es, glaube ich,
der letzte, oder Karl der 10.
Nee, Karl der 10.
Ich komme immer durcheinander. Auf jeden Fall muss der dann das Land verlassen.
Wahrscheinlich nach England. In der Zeit gehen immer alle nach England.
Wenn sie es zu Hause nicht mehr aushalten oder nicht mehr erwünscht sind.
Ja gut, aber gefallene Franzosen vielleicht schon. Ich weiß es aber auch ehrlich
gesagt nicht, wo er hin ist.
Also der arrangiert sich eben mit dem Zeitgeist und wird dann der sogenannte
Bürgerkönig oder König der Franzosen.
Und das bleibt natürlich auch immer so eine Story bei den gekrönten Häuptern, die da drauf gucken.
Also erstens, wie kann er nur? Was für ein Verrat?
Und die meisten finden es ja dann auch ganz okay, dass der dann 1848 in der
Revolution dann auch wieder die Krone verliert.
Oder wie Friedrich Wilhelm angeblich gegenüber der Kaiserdeputation,
wahrscheinlich abends da bei dem Abendessen, das sie noch beim Kronprinzen hatten,
ihnen dann gesagt haben soll, Louis Philipp hat die Krone verloren,
wo er sie gefunden hat. Nämlich auf einer Barrikade.
Konnte ja nichts werden.
Ja. Und zeitgleich greift auch noch die Cholera um sich. Und was soll das schon
sein, wenn nicht eine Strafe?
Ja, natürlich. Ja, und da fallen auch noch einige bekannte Leute aus der zweiten,
dritten Reihe in diversen Regierungen und Generalitäten zum Opfer.
Also da musste ordentlich bezahlt werden.
Und ein paar Jahre später macht sich der Hausminister des Hauses Hohenzollern,
der Herr von Wittgenstein, Gedanken.
Es wäre doch Zeit, dass der König jetzt nochmal ein offizielles Testament verfasst.
Ab 1838 arbeitet er da an einem Text und versucht dem König das immer so ein
bisschen hier so, gucken Sie mal.
Der König hat das offenbar auch gelesen und ein paar Randbemerkungen gemacht.
Aber, und angeblich war die Fürstin Lignitz schuld, die sich Sorgen um ihren
kranken Mann machte, hat die Herrn Wittgenstein halt nicht mehr ständig zu ihm gelassen.
Also auf jeden Fall, sie soll angeblich schuld sein, dass der König dann 1840
im Juni verstirbt, ohne dieses offizielle Testament unterzeichnet zu haben.
Frauen.
Was natürlich trotzdem im Raum ist, weil alle zumindest in der Familie das kennen.
Und da hat Friedrich Wilhelm nochmal ganz klar gesagt, also das hier mit Verfassung
und dieser ganze Quatsch, bitte nicht. Auf keinen Fall, nie werden wir das tun.
Und eigentlich hatte er mal was anderes versprochen. Also als es noch so drängte
unter dem Druck von außen, dass wir unser Land reformieren müssen,
da hat ihm Herr Hardenberg zweimal im Abstand von fünf Jahren ein Gesetz zur Unterschrift gegeben.
Und das hat er auch unterzeichnet, wo er versprochen hat, es wird hier so eine
ständische Vertretung, so eine Art Landtag, womöglich sogar ein Parlament und
eine Verfassung für Preußen geben.
Das hat er dann später vergessen, wo ihm dann Herr Metternich auch wahrscheinlich
mehrfach gesagt hat, das brauchen wir jetzt nicht mehr. Und das hat er jetzt
hier nochmal betont da drin. Das steht jetzt so im Raum.
Und tatsächlich haben offenbar viele Angst, dass dieser Kronprinz Friedrich
Wilhelm, der nunmehr seit dem 7.
Juni 1840, seitdem sein Vater im Kreise der Familie verstorben ist, Friedrich Wilhelm IV.
Geworden ist, dass der jetzt womöglich auf die Idee kommen könnte,
irgendwelche Verfassungen zuzugestehen
oder ständische Vertretungen einzuladen. Das ist schon skurril.
Also es gibt tatsächlich auch Briefe von Wilhelm, wo der sehr besorgt ist.
Der soll mal hier schön sich an das Testament halten von Vater und die Finger
davon lassen und wir brauchen das nicht.
Also offenbar gab es da die Angst, dass der Friedrich Wilhelm irgendwie zu liberal
werden könnte und diese neuen Ideen da ihn doch beeinflusst haben könnten.
Und tatsächlich regt er auch zu solchen Hoffnungen an.
Denn es gibt Amnestie für die Demagogen.
Da bist du jetzt sehr skeptisch.
Wie wir gelernt haben in der vorletzten
Folge, eigentlich im Grunde die Assistentin von Herrn Metternich.
Das würde ich so jetzt nicht unterschreiben, aber ich würde trotzdem sagen,
dass die Demagogen nicht unbedingt die besten Ideen hat.
Mit welchen Ideen wäre es denn okay, die zu amnestieren?
Wenn sie den Antisemitismus sein lassen.
Okay, Franzosenhass geht noch?
Nee, aber ich kann auch nicht zu viel verlassen.
Ja, aber ich fürchte, das kann man leider so differenziert, geht man damals damit nicht um.
Also meistens geht es um die Professoren, die damals alle ihre Lehrstühle verloren
haben. insbesondere die aus anderen Gründen in Göttingen, wie zum Beispiel die
Grimms und der Herr Dahlmann, die dürfen jetzt nach Berlin kommen.
Das heißt, die Brüder Grimm kommen nach Berlin und werden hier an der Humboldt-Universität
begrüßt oder damals an Friedrich-Willemts-Universität.
Aber eben auch der Herr Arndt, der also nicht nur Franzosen hasst,
sondern durchaus auch andere Gruppen, der darf in Bonn wieder seinen Lehrstuhl bekommen.
Und das hat natürlich aber vor allem bei den liberalen Geistern damals so die
Erwartung geweckt, Mensch, da ist jetzt aber jemand König, da blüht jetzt demnächst,
kommt uns eine neue Zeit entgegen.
Das hat natürlich dann dem Willem und anderen da so ein bisschen Angst eingejagt,
was der Bruder hier wohl alles noch tun könnte.
Und womöglich dann doch dieses Verfassungsversprechen, das der Vater damals
gegeben hat, jetzt einlösen könnte.
Weil das Testament, was quasi ein neues Hausgesetz geworden wäre.
Hat er ja nicht unterschrieben. Also im Grunde muss er sich ja nicht daran halten.
Aber es sind halt diese handschriftlichen Anmerkungen da dran vom Vater.
Also offenbar war er schon einverstanden, aber er hat es ja nicht unterschrieben.
Also im Grunde muss er jetzt wieder alleine entscheiden, in welche Richtung
das Ganze jetzt gehen soll.
Aber erstmal muss er offiziell noch König werden. Natürlich ist er das sofort
mit dem Tod des Vaters. Aber es gibt eben so ein Ritual.
Man fährt in die beiden Haupt- und Residenzstädte, beziehungsweise man muss
in die eine fahren von der anderen.
Nämlich zuerst in die Krönungsstadt der preußischen Könige.
Und das ist eben nicht Berlin. Das ist Königsberg. Gekrönt wird nicht,
das hat nur der Allererste gemacht.
Aber es gibt sogenannte Huldigungsfeiern. Also Vertreter der Stände kommen ins Schloss.
Und leisten ein Treueid gegenüber den Monarchen.
Und das machen sie im September in Königsberg. Interessanter ist und größer
ist es natürlich dann im Oktober in Berlin.
Und zwar zu seinem Geburtstag, 15. Oktober.
Gleich zweimal. Einmal drinnen im Rittersaal, im Weißen Saal.
Für die entsprechend ausgezeichneten mit von im Namen in der Regel. Und einem Titel davor.
Und anschließend nochmal draußen.
Und das sind besondere Texte. Die, glaube ich, sehr nochmal Aufschluss geben
für alles, was danach kommt.
Also im Grunde sagt er da, wie er so drauf ist und worauf es ihm ankommt.
Und da muss niemand hinterher sagen, dass er jetzt enttäuscht ist oder so.
Also erstmal im Rittersaal.
Es war früher herkommen, dass die Stände der deutschen Lande ihre Erbhuldigung
nicht eher leisteten, als bis die Huldigungsassekuranzen eingegangen waren.
Ich will mich gleichsam dieser Sitte anschließen.
Ich weiß zwar und ich bekenne es, dass ich meine Krone von Gott allein habe,
und dass es mir wohl ansteht, zu sprechen, wehe dem, der sie anrührt.
Aber ich weiß auch und bekenne es vor Ihnen allen, dass ich meine Krone zu Lehn
trage, von dem Allerhöchsten Herrn, und dass ich ihm Rechenschaft schuldig bin
von jedem Tage und von jeder Stunde meiner Regierung.
Wer Gewährleistung für die Zukunft verlangt, dem gebe ich diese Worte.
Eine bessere Gewährleistung kann weder ich noch irgendein Mensch auf Erden geben.
Sie wiegt schwerer und bindet fester als alle Krönungseide, als alle Versicherungen
auf Erz und Pergament verzeichnet, denn sie strömt aus dem Leben und wurzelt im Glauben.
Wem von ihnen nun der Sinn nicht nach einer sogenannten glorreichen Regierung
steht, die mit Geschützdonner und Posaunenton die Nachwelt ruhmvoll erfüllt,
sondern wer sich begnügen lassen will, mit einer einfachen, väterlichen,
echt teutschen und christlichen Regierung,
der fasse Vertrauen zu mir und vertraue Gott mit mir, dass er die Gelübde,
die ich täglich vor ihm ablege, segnen und für unser teures Vaterland ersprießlich
und segensreich machen werde.
Gehorsam.
Da steckt natürlich Gehorsam drin. Da steckt aber auch viel Liebe drin.
Wobei, die Liebe kommt gleich. Wenn man nach draußen geht, wo die normalen Leute
sind, dann kommt ganz viel Liebe.
Ich habe gerade sehr viel Gehorsam gegenüber Gott gehört.
Gehorsam gegenüber Gott? Er hat gesagt, er hat seine Krone zu lehnen.
Ja, was bedeutet das?
Das bedeutet, dass er die zurückgeben muss am Ende.
Und dass er dafür gehorsam sein muss.
Er sagt, dass es eine Gewährleistung ist. Das Wort Gehorsam taucht hier nicht
einmal auf. Hier taucht sehr viel Glaube drin auf.
Gott taucht hier auf, dass man keine Eide braucht eigentlich,
weil wir alle vor Gott uns Rechenschaft später abzulegen haben.
Und vor allem taucht hier etwas auf, das ihn, glaube ich, auszeichnet vor allen
anderen und das wird er nicht einhalten können.
Er möchte Frieden. Ich finde es schon witzig.
Dass er… Gott.
Naja, also der schönste Satz eigentlich da drin, der einfach nur sehr verklausuliert
ist, ist, wem von Ihnen nun der Sinn nicht nach einer sogenannten glorreichen
Regierung steht, der fasse Vertrauen zu mir.
Also ich werde nicht glorreich sein. Ich werde nicht, wie Friedrich der Große,
um der Ehre willen und damit ich in die Geschichtsbücher komme,
einfach mal in Schlesien einmarschieren.
Nee, ich möchte bitte hier in Frieden mit euch zusammen leben.
Und Gott sagt uns, wie das geht.
Es gibt vor allem einen Biografen, der es sehr stark gemacht hat,
dass es eben so der Frieden für ihn so das Allerwichtigste war.
Frieden und natürlich Harmonie.
Das Problem ist dann, wenn das andere Leute nicht so sehen, dann wird es halt
dann am Ende doch nicht mehr so friedlich. Aber das ist doch mal ein anderes
Thema. Erstmal, ist doch schön.
Warum?
Gut, du bist ja auch keine Ritterin, du bist ja da gar nicht drin. In dem Rittersaal.
Wir beide, wir würden natürlich draußen stehen. Mit so ein paar anderen tausend Leuten im Regen.
Ich stehe nicht im Regen, dann gehe ich heim.
Die Leute sind geblieben. Auch Herr Humboldt und die Grimms stehen draußen auf
der Tribüne. Ja, auf der Tribüne.
Da haben sie noch ein Ding über den Kopf.
Du, es gibt ewig lange Listen, wer von den ganzen Gewerken, die ganzen Innungen,
was die alle dabei hatten, welcher Handwerksmeister wo gestanden hat, sein Wahnsinn.
Und es ist überhaupt etwas komplett Neues und das erste Mal in der preußischen
Geschichte, dass ein Monarch nach draußen geht und eine Rede an sein Volk hält.
Im feierlichsten Augenblicke der Erbhuldigung meiner deutschen Lande,
der edelsten Stämme des edelsten Volkes und eingedenk der unaussprechlichen
Stunde zu Königsberg, die sich jetzt wiederholt,
rufe ich zu Gott, dem Herrn, er wolle mit seinem allmächtigen Amen die Gelübde
bekräftigen, die eben erschollen sind, die jetzt erschallen werden,
die Gelübde, die ich zu Königsberg gesprochen, die ich hier bestätige.
Ich gelobe, mein Regiment in der Furcht Gottes und in der Liebe der Menschen
zu führen, mit offenen Augen, wenn es die Bedürfnisse meiner Völker und meiner
Zeit gilt, mit geschlossenen Augen, wenn es Gerechtigkeit gilt.
Ich will soweit meine Macht und mein Wille erreichen, Friede halten zu meiner
Zeit, wahrhaftig und mit allen Kräften das edle Streben der hohen Mächte unterstützen,
die seit einem Vierteljahrhundert die treuen Wächter über den Frieden Europas sind.
Die Worte, das ist jetzt hier aus dem Bericht noch die Bemerkung,
die Worte des Königs fanden in dem jubelnden Zuruf der Menge einen freudigen Widerhall.
Hier nicht im Raume. Ich will vor allem dahin trachten, dem Vaterlande die Stelle
zu sichern, auf welche es die göttliche Vorsehung durch eine Geschichte ohne
Beispiel erhoben hat, auf welcher Preußen zum Schilde geworden ist für die Sicherheit
und die Rechte Deutschlands.
In allen Stücken will ich so regieren, dass man in mir den echten Sohn des unvergesslichen
Vaters, der unvergesslichen Mutter erkennen soll, deren Andenken von Geschlecht
zu Geschlecht im Segen bleiben wird.
Aber die Wege der Könige sind tränenreich und tränenwert.
Wenn Herz und Geist ihrer Völker ihnen nicht hilfreich zur Hand gehen,
Darum, in der Begeisterung meiner Liebe zu meinem herrlichen Vaterlande,
zu meinem in Waffen, in Freiheit und in Gehorsam geborenen Volke.
Die letzten Worte sprachen Seine Majestät mit erhobener Stimme und kräftigem
Akzent, worauf ein rauschender, langhallender Jubelruf ausbrach,
der erst auf wiederholtes Winken Seiner Majestät nachließ.
Richte ich an Sie, meine Herren, in dieser ernsten Stunde eine ernste Frage.
Können Sie, wie ich hoffe, so antworten Sie mir im eigenen Namen,
im Namen derer, die Sie entsendet haben, Ritter, Bürger, Landleute und von den
hier unzählig gescharrten alle, die meine Stimme vernehmen können, Ich frage Sie,
wollen Sie mit Herz und Geist, mit Wort und Tat und ganzem Streben,
in der heiligen Treue der Deutschen, in der heiligeren Liebe der Christen,
mir helfen und beistehen, Preußen zu erhalten, wie es ist,
wie ich es soeben der Wahrheit entsprechend bezeichnete, wie es bleiben muss,
wenn es nicht untergehen soll?
Wollen Sie mir helfen und beistehen, die Eigenschaften immer herrlicher zu entfalten,
durch welche Preußen mit seinen nur 14 Millionen den Großmächten der Erde gesellt
ist, Nämlich Ehre, Treue,
Streben nach Licht, Recht und Wahrheit, Vorwärtsschreiten in Altersweisheit
zugleich und heldenmütiger Jugendkraft.
Wollen Sie in diesem Streben mich nicht lassen noch versäumen,
sondern treu mit mir ausharren, durch gute wie durch böse Tage.
Oh, dann antworten Sie mir mit dem klaren, schönsten Laute der Muttersprache.
Antworten Sie mir ein ehrenfestes Ja.
Dieses Ja ertönte mächtig von allen Seiten des Kopf-an-Kopf-gefüllten Platzes
und man konnte mit dem Ausdruck der vieltausendstimmigen Antwort deutlich die
Entschiedenheit und Wärme wieder vernehmen, mit welcher die Frage an das Volk gerichtet war.
Die Feier des Tages ist wichtig für den Staat und die Welt.
Ihr Ja, aber war für mich. Das ist mein Eigen.
Das lasse ich nicht. Das verbindet uns unauflöslich in gegenseitiger Liebe und
Treue. das gibt Mut, Kraft, Getrostheit, das werde ich in meiner Sterbestunde nicht vergessen.
Ich will meine Gelübde, wie ich sie hier und zu Königsberg ausgesprochen habe,
halten, so Gott mir hilft.
Zum Zeugnis hebe ich meine Rechte zum Himmel empor.
Vollenden Sie nun die hohe Feier und der befruchtende Segen Gottes Ruhe auf dieser Stunde.
Es ist ein Dialog mit dem Volk.
Ach, du bist überhaupt nicht, jetzt zeig doch mal ein bisschen Begeisterung, Mensch.
Es ist das erste Mal, dass ein König rausgeht und eine Ansprache an die Menschen
draußen hält. Und dann fängt er auch noch an, mit denen sich zu unterhalten.
Er hat ja erstmal ein Eid von denen verlangt.
Das ist eine Frage-Antwort-Spiel, aber immerhin.
Das ist eine ziemlich normale Akklamationsrede.
Das ist nicht normal. Er spricht von Wärme und Liebe und gegenseitiger Treue,
unauflöslich, verbunden.
Und alle Zeitgenossen betonen wirklich, wie gut er reden konnte.
Und spontan und rausgegangen ist.
Und man sagte, wir sind jetzt quasi übergegangen vom hochseligen König zum rätseligen König.
Das ist jetzt auch gemein.
Ist auch gemein, aber es fiel scheinbar auf, dass er ganz gerne geredet hat.
Und was man ihm eben so sagen muss in seinem merkwürdigen Verständnis,
was hier auch teilweise ausgedrückt wird, nicht so richtig, weil es natürlich
immer noch den Ritualen folgt, solche Erhuldigungsfeiern.
Aber was im Nachhinein zumindest so in all seine Äußerungen hineingedeutet wird,
ist, dass er einerseits, wenn die Absolutismus kritisch war,
also mit altem Absolutismus aller Sonnenkönig, Hätte der auch nicht mehr so wahnsinnig viel zu tun.
Denn das war für ihn auch ein Despotismus quasi als Gegenstück zum Despotismus der Massen.
Es ist auch Despotismus offensichtlich, wenn natürlich ein König quasi seinen
ganzen Willen einfach immer nur vollstrecken lässt.
Das war ihm eigentlich zuwider, sondern er möchte einen harmonischen Ausgleich.
Er möchte mit dem Volk gemeinsam den Weg beschreiben.
Also Herrscher und Stände. Als guter Patriarch. Volksner voll Vertrauen. Vertraut euch mir an.
Aber ich entscheide dann.
Ja, natürlich, weil er hat ja da Zugriff und mehr Informationen als wir.
Dazu kommen wir gleich noch, weil er hat da direkt Kontakt.
Und an einen gewissen Theodor von Schön hat er im Dezember 1840 gesagt oder geschrieben.
Und weil die Herrschaft mein väterliches Erbteil, mein Patrimonium ist,
darum habe ich ein Herz zu meinem Volke.
Darum kann ich und will ich unmündige Kinder leiten, entartete Züchtigen,
mündigen Wohlgeratenen aber an der Verwaltung meines Guts teilgeben.
Ihnen ihr eigenes Patrimonium anweisen und sie darin vor Dieneranmaßung schützen.
Ganz genau.
Was heißt das ganz genau?
Das ist ganz klassisches patriarchales Denken.
Okay.
Deswegen muss er ja auch so gehorsam gegenüber Gott sein. Das ist der Einzige, der über ihm steht.
Ja, und das ist aber auch unsere Versicherung.
Dass er uns wie unmündige Kinder behandelt.
Nein, dass er nicht willkürlich nach seinem eigenen Zwecke vorgeht,
sondern in unserem Sinne.
Wie der Vater für die Kinder. Dafür müssen wir ihm auf Gott vertrauen.
Ja, na gut. Auf jeden Fall ist klar, Konstitution brauchen wir nicht.
Das ist jetzt keine Überraschung.
Das ist der Punkt zwei. Also Absolutismus, so wie in Frankreich, sowas ist bäh.
Konstitution ist bäh. Das ist Papier in der Wisch und totes Pergament.
Das hilft uns nicht weiter.
Das Einzige, was uns hilft, ist unsere Verantwortung vor Gott.
Also er hat so eine gewisse Königsmystik, sagt man. Stärker offenbar,
als sein Vater das hatte. Sondern vielleicht in den Auswirkungen ist das alles ähnlich.
Nur in seinem Selbstverständnis ist das nochmal ein bisschen krasser.
Sagen wir es mal so, es ist ungewöhnlich für die Zeit. Ich kenne das aus anderen
Epochen, diese Darstellung.
Okay, wo würdest du das denn eher denn hinpacken? Ja, okay, das passt ja zu
Ihnen. Der mag ja Geschichte.
Also das Papsttum tritt so auf und die Kaiser treten ähnlich auf.
Bei dem Papst, zu dem komme ich später auch nochmal. Vielleicht hat er seine
katholische Frau ihn beeinflusst.
Das haben wir auch schon öfter mal besprochen in den anderen Hohenzollern-Folgen.
Die Besonderheit dieser Eheschließung, die da zwischendurch stattgefunden hat,
dass er eben eine bayerische Gattin an seiner Seite hat. Vielleicht hat die ihm da was mitgebracht.
Vielleicht hat er auch viel Bibel gelesen.
Das hat er auf jeden Fall.
Da steht das auch so drin.
Das tun allerdings in der Regel alle Hohenzollern-Monarchen,
weil sie ja auch der Kirche vorstehen in ihrem Land.
Aber vielleicht hat er mehr Alttestament gelesen als Neues Testament. Das kann auch sein.
Ja. Auf jeden Fall, Kirche ist nochmal ein besonderes Thema.
Und insbesondere in der protestantischen Kirche in Preußen hat er da auch ein
paar Fragen zu klären, die wir heute nicht so ganz eingehen werden,
weil es ist mir zu kompliziert.
Bei den Katholiken ist das alles immer viel einfacher. zu verstehen, worum es da geht.
Was aber wichtig ist, er hat eine besondere Beziehung zu Gott.
Er hat eine Gabe der Erleuchtung.
Er bekommt eine mystische, sakrale Inspiration.
Und er schreibt an seinen, man könnte fast sagen, besten Freund,
den späteren preußischen Gesandten in London, der bevor er in Rom ist und ihn
damals als Kronprinz auch Rom gezeigt hat. Das ist der Herr Bunsen.
Es gibt Dinge, die man nur als König weiß, die ich selbst als Kronprinz nicht
gewusst und nun erst als König erfahren habe,
Und damit meint er nicht, dass er jetzt den Schlüssel zu Papas Aktenschrank
bekommen hat und die Akten durchgelesen hat, wo dann die Geheiminformationen
über Aliens oder sonst was drin liegen. Nein.
Die Taube hat ihm ins Ohr geflüstert.
Es kommt quasi die Taube von oben, der Heilige Geist, der ihm ab und zu sagt,
eingibt auf mystisch-sakrale Weise, was das Volk braucht und was jetzt die richtige
Antwort ist auf die Fragen der Zeit.
Und deswegen wird er bis an sein Lebensende, beziehungsweise solange es ihm
möglich war, gesundheitlich, auch immer wieder sich versuchen einzumischen.
Du hast ja letztes Mal schon betont, dass in Preußen zu dem Zeitpunkt eigentlich
längst Minister und Beamte da viele Dinge selbstständig regeln.
Und der König dann doch eher mal aufpassen muss, dass er auch alles mitkriegt, was die so tun.
Und das funktioniert bei ihm, dann wird es sehr schwierig, weil er halt ständig
sagt, Entschuldigung, ich bin der König, ich bin der mit der Inspiration von
oben und ich entscheide jetzt, es geht jetzt da oder da lang.
Und da müssen diverse Regierungen immer versuchen, da dann doch wieder zu pragmatischer
Politik zurückzufinden manchmal.
Mischt er sich dann halt gerne nochmal wieder ein und macht sich natürlich auch
immer wieder angreifbar.
Also diese Rolle, die dann Könige zunehmend in der Zeit eigentlich übernehmen, nämlich dass...
Die Regierung verantwortlich ist und das Parlament die entlässt,
wenn was ist oder so und der König eher repräsentiert oder für das Volk spricht
oder für sie da ist und sie sieht,
das macht er eben so nicht, sondern er ist der Vater, er muss sich kümmern um
alles und dann ist er aber eben auch verantwortlich dafür und kriegt dann halt
auch alles ab, wenn es halt nicht so wahrgenommen wird, wie er das gesehen hat.
Entschuldigung, aber man hat diesem armen Jungen von Anfang an beigebracht,
dass er seine Hobbys und seine Interessen nicht leben darf, weil er in Gehorsam
für den Staat leben muss.
Und jetzt will er für den Staat in Gehorsam leben, jetzt ist es auch wieder nicht recht.
Ja, aber nicht so.
Auf jeden Fall hat er, und da gehen wir nochmal kurz in seine Jugend zurück,
bei seiner Konfirmation.
1813, ich weiß nicht, in seinem Tagebuch, in seinem Konfirmandenbuch,
was man auch immer dazu kriegt.
Er hat geschrieben, Gott richtet mein Tun schon in dieser Welt,
durch die Unruhe meines Herzens, wenn ich sündige.
Ich weiß, was es heißt, der Erlösung und Heiligung zu bedürfen und daran zu
glauben und welchen unendlichen Trost und welche wahre, heilige,
selige Freude dieser Glaube gewährt, hat er später an den Erzieher nochmal geschrieben,
den du vorhin gelesen hast und der ihm gesagt hat, Junge, hör mal auf rumzuspinnen.
So, aber quasi das Geworfensein vor Gott und die Rechenschaft und der direkte
Kontakt, das ist ihm sehr bewusst und das glaubt er voll und da sind wir mitten
in der politischen Romantik.
Wie es ein anderer Preuße unter einem Künstlernamen mal formuliert hat,
Agibesanovalis, hat über seine Vorstellung von Königtum das folgende geschrieben.
Das ist eben das Unterscheidende der Monarchie, dass sie auf den Glauben an
einen höher geborenen Menschen, auf der freiwilligen Annahme eines Idealmenschen beruht.
Die Monarchie ist deswegen echtes System, weil sie an einem absoluten Mittelpunkt
geknüpft ist, an ein Wesen, was zur Menschheit, aber nicht zum Staate gehört.
Der König ist ein zum irdischen Fatum erhobener Mensch.
Man kann sich für eine Konstitution nur wie für einen Buchstaben interessieren.
Die Konstitution der Monarchie ist der Charakter des Regenten.
Ihre Garantie ist sein Wille.
Konstitution ist, wenn man so will, die göttliche Inspiration im Monarchen.
Ja, das klingt alles sehr romantisch und gefühlvoll.
Aber unser Aufklärungsgott hat auch gesagt, der Monarch, auf den kann man nicht
verzichten. Nämlich Immanuel Kant.
In seiner Schrift vom ewigen Frieden, just aus dem Geburtsjahr Friedrich Wilhelms 1745,
hat er gesagt, man hat die hohen Benennungen, die einem Beherrscher oft beigelegt
werden, die eines göttlichen Gesalbten, eines Verwesers, des göttlichen Willens
auf Erden und Stellvertreter desselben,
als grobe, schwindlich machende Schmeicheleien oft getadelt.
Aber mich düngt ohne Grund.
Weit gefehlt, dass sie den Landesherrn sollten hochmütig machen,
so müssen sie ihn vielmehr in seiner Seele demütigen, wenn er Verstand hat,
welchen man doch voraussetzen muss.
Und es bedenkt, dass er ein Amt übernommen habe, was für einen Menschen zu groß
ist, nämlich das Heiligste, was Gott auf Erden hat, das Recht der Menschen zu verwalten.
Also wenn Immanuel Kant das sagt.
Das ist ja auch ein Königsberg.
Stimmt, ja, der möchte natürlich auch seine Stelle behalten.
Also egal, ob mit dem Aufklärer oder mit einem Der-Romantiker schlechthin,
der König muss sein und der Kontakt mit Gott ist gegeben.
Und ja, Friedrich Wilhelm stellt letzten Endes immer wieder auch Reden unter
das Motto, nicht nur, dass er und sein Haus Gott dienen wollen,
sondern dass nicht ich, sondern der Herr soll in Preußen regieren.
Durch mich.
Durch ihn durch. Und das wird nochmal verstärkt durch ein Ereignis,
über das wir damals in unserer lange zurückliegenden Revolutionsfolge mal gesprochen haben.
Erinnerst du dich, dass der, jetzt habe ich vergessen aus welcher Stadt er kam,
ein Ex-Bürgermeister, der unzufrieden war, versucht hat den König zu erschießen?
Der Heinrich Ludwig Tschech, da gibt es auch ein Spottlied, das ich damals zitiert
habe, wo es heißt, dass er durch den Rock ins Unterfutter der Königin geschossen hat.
Und auf jeden Fall ein paar Schritte vom König entfernt hat er geschossen,
aber nicht so getroffen, dass es dem König geschadet hätte, sondern die Kugel
ist quasi an ihm abgeprallt.
Friedrich Wilhelm Vier schreibt über dieses wieder mal traumatisierende Ereignis
wahrscheinlich an seinen besten Freund Bunsen.
Die Rettung würde ich für ein Wunder halten, würdig, denen der Heiligen Schrift
an die Seite gestellt zu werden. Wäre ich nicht der Gegenstand desselben.
Die Kugel, auf kaum einen Fuß weit abgeschossen, zerriss alle Kleidungsstücke.
Ich aber habe auch nicht das allerleiseste gefühlt.
Und die Kugel ist machtlos von dem Brustbein in den Wagen gerollt.
Verstummen und anbeten ist meine Losung.
Gott hat ihn gerettet. Es ist ein Wunder geschehen.
Und was ich damals nicht wusste, was mir jetzt erst untergekommen ist,
dass einer meiner persönlichen Lieblingskomponisten, nämlich ein gewisser Felix
Mendelssohn-Bartoldi,
daraufhin eine Motette komponiert hat, die er später in das Oratorium Elias
eingebaut hat und die wir uns jetzt anhören werden.
Mit dem Text aus einem Psalm. Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.
Und ich glaube, es war dann im Oktober, womöglich wieder zum Geburtstag seiner
Majestät, dass das in Berlin dann aufgeführt wurde und damit die Rettung vor
dieser Kugel gewürdigt wurde.
Preußische Romantik vom Feinsten. Mendelssohn auch nicht so dein Ding.
Okay, so, das Attentat war 1844. Wir gehen aber nochmal wieder in das Jahr zurück,
dieses Regierungsantritt.
Denn es gibt eigentlich gleich diverse Aufgaben und Krisen, die dieser frischgebackene,
nicht mehr ganz so junge König zu bewältigen hat. Die werden wir nicht alle besprechen.
Aber in einer kommen wir nicht vorbei, nämlich die Rheinkrise.
Was ist die Rheinkrise? Kannst du dich erinnern? Nein, gar nicht.
Die Rheinkrise haben die Franzosen eigentlich nur vom Zaun gebrochen,
weil sie in der Orientkrise den Kürzeren gezogen haben.
Sie wollten Ägypten unterstützen im Freiheitskampf gegen das Osmanische Reich,
weil sie dann dachten, dann kriegen wir da schönen Einfluss und die Engländer können mal sonst wo hin.
Können sie verpissen.
Aber das ging nach hinten los. Und sie mussten einen Rückzieher machen.
Und dann wollte die französische Öffentlichkeit. Aber Kompensation für diese nationale Schmach.
Und dann kam man auf so eine alte Idee.
Elsass-Lothring?
Elsass-Lothring haben die ja sowieso. Aber der Rhein. Der Rhein muss die Grenze
setzen. Frankreich muss bis zum Rhein gehen. Auf der ganzen Länge.
So wie damals bei Napoleon. Das ist doch noch gar nicht so lange her.
Und so wollen wir das wiederhaben. Und dann gibt es ein Aufwallen in Deutschland, diese Franzosen.
Können sie es wagen, schon wieder einen Fuß an den Rhein zu stellen?
Und Nikolaus Becker in Bonn dichtet einen der berühmtesten Verse aus dieser Zeit.
Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein, ob sie wie gierige Raben
sich heiser danach schreien. Solang in seinem Strome noch fest die Felsen stehen,
solang sich hohe Dome in seinem Spiegel sehen.
Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein, bis seine Flut begraben
des letzten Manns gebein.
Also ehrlich gesagt, ich komme ja damit klar, wenn man den reinbesingt.
Aber nicht so.
Ich finde es auch schön, wenn hohe Dome sich spiegeln im Wasser.
Selbst wenn sie nicht fertig gebaut sind.
Aber ich weiß nicht, warum die das alle immer so geil finden,
dass sie alle sterben wollen.
Bis seine Flut begraben, des letzten Manns gebein. Das ist ja richtig positiv
für die Zukunft. Das ist wie die Nebelungentreue.
Wir gehen alle gemeinsam in den Tod. Yeah.
Das haben wir damals schon darüber diskutiert. Ich verstehe es nicht.
Diese Todessehnsucht, wahrscheinlich gehört das auch mit zur Romantik.
Das ist dann die schwarze Romantik, dass wir alle sterben wollen.
Ja, für den deutschen Geist.
Ja, für mein intensives Gefühl des Schmerzes und des Leids und dass ich alles erdulden muss.
Und am Ende sterbe ich dann an einem gebrochenen Herz. Das ist halt auch Romantik.
Nee, das ist auch vor allem deutscher Nationalismus.
Ja, und eben mit viel Gefühl.
Gegen den Franzosen.
Ja, dafür gibt es Tausend Thaler von Friedrich Wellem IV. Für jeden Tod ein
Franzosen? Nein, für das Gedicht. Schön gemacht, bitteschön.
Und einen goldenen Becher von Ludwig von Bayern.
Gott sei Dank.
Aber es ist nicht der Einzige. Ein gewisser Max Schneckenburger dichtet die
Wacht am Rhein. Natürlich.
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.
Das wird dann ab 1870 quasi Nationalhymne.
Offiziell gibt es gar keine, aber wenn man was singen möchte,
dann bitte konnte man das wählen.
Und Herr Amt fühlt sich natürlich auch berufen.
Da sitzt ja in Bonn und schreibt das Kriegslied gegen die Welschen und brauset
der Sturmwind des Krieges heran und wollen die Welschen ihn haben,
so sammle mein Deutschland dich stark wie ein Mann und bringe die blutigen Gaben
und bringe das Schrecken und trage das Grauen von all deinen Bergen aus all
deinen Gauen und klinge die Losung zum Rhein übern Rhein,
all Deutschland in Frankreich hinein. Gott, furchtbar.
Weh. Haben die Deutschen das
schön gemacht dann später. Bringen das Schrecken und tragen das Grauen.
Hinein.
Überall hinein.
In die Welt hinein.
Herrlich.
Eintraut.
Aber jetzt müsst ihr gar nicht so sagen, das sind ja alles die Deutsch-Nationalen
und die ganz Rechten. Und das ist ja alles ganz furchtbar. Also richtig national.
Von den Rechten habe ich nie gesprochen.
Ich meine ja auch nicht dich. Ich meine das, was wir dann heute damit assoziieren.
Aber die treuen Hörer von Flurfunk Paulskirche wissen, die wahren Nationalisten
sitzen gar nicht rechts in der Bank, sondern ganz weit links.
So wie vielleicht Georg Herweg, einer der demokratischen Dichter,
die gerne zitiert werden heute, wenn es um den demokratischen Aufbruch in Deutschland
um 1848 herum geht, wo solch ein Feuer noch gedeiht und solch ein Wein noch Flammen speit.
Da lassen wir in Ewigkeit uns nimmermehr vertreiben.
Stoßt an, stoßt an, der Rhein, und wär's nur um den Wein, der Rhein soll deutsch verbleiben.
Herab die Büchsen von der Wand, die alten Schläger in die Hand,
sobald der Feind dem welschen Land den Rhein will einverleiben,
haut Brüder mutig drein, der alte Vater Rhein, der Rhein soll deutsch verbleiben.
Ich finde jetzt nicht unbedingt qualitätsmäßig die beste deutsche Poesie.
Dann versteht man, warum Heine dann sein Rheingedicht geschrieben hat.
Ich weiß gerade nicht, wie es heißt.
Sein Rheingedicht?
Ja, hat er doch.
Der hat auch, glaube ich, über Herweg und die haben sich auch mal getroffen
und so. Ich bin aber nicht sicher, ob er den so voll ernst genommen hat.
Ich finde es auch interessant, dass wir Krieg jetzt führen sollen.
Wer ist denn um den Wein? Hauptsache der Rhein ist dort, herab, die Büxen.
Er hat dann komischerweise auch nochmal so ein kleines Gedicht angeblich.
Ich konnte es nicht so richtig verifizieren, aber es wird ihm zugeschrieben.
Im Zweifel hat er gesagt, Friedrich Willem, du bist der Stern,
auf den man schaut. der letzte Fürst, auf den man baut.
Also selbst für diesen demokratischen Revoluzzer ist damals in der Rheinkrise,
wenn es sein muss, gegen die Franzosen geht, ist sogar der Friedrich Wilhelm in Ordnung.
Und noch im Ausklang dieser Rheinkrise wird hier noch ein Lied gedichtet.
1841. Ein Dichter, der in Preußen nicht wohl gelitten war und raus musste auf
eine Hochseeinsel, die damals in britischem Besitz sich befand.
Und dort dichtete er Deutschland, Deutschland über alles. Über alles in der Welt.
Vom Rhein?
Vom Rhein ist da gar nicht die Rede.
Nee?
Vom Rhein ist da gar nicht die Rede. Da kommt Einigkeit und Recht und Freiheit,
deutsches Vaterland, Blühe und so weiter.
Der macht doch von der Oder bis zur...
Ja, nee, von der Oder, das wäre ja jetzt eine aktualisierte Version vielleicht.
Vom Rhein bis zur Oder. Von der Memel bis zu was.
Von der Mars bis an die Memel, von der Edge bis an den Welt.
Das sind die Grenzen, die damals der Deutsche Bund tatsächlich hat.
Also das sind die für Hoffmann von Fallersleben, die aktuellen Grenzen dessen,
was man als Deutschland versteht. Das könnte man quasi updaten,
aber gut, das Lied ist einfach durch spätere Generationen jetzt derart in Verruf
geraten, dass wir das alles mit ganz anderen Dingen verbinden.
Aber diese letzte Strophe, Einigkeit und Recht und Freiheit,
so als Motto für die deutsche Revolution sieben Jahre später,
das passt immer noch ganz gut und da steckt auch nichts Böses drin,
kein Franzosenhass, kein Antisemit, kann man benutzen.
Auch nur diese Passage.
Na, gar nicht. Also Hoffmann vom Fallersleben, der hat offenbar mit Franzosen
jetzt nicht so wahnsinnig viel am Hut. Die haben ihn nicht gestört,
er war ja jetzt auch weit weg.
Aber zumindest war der Anlass offenbar, jetzt hier nochmal zu sagen, so wie wär's denn?
Wenn wir uns einfach alle zusammenschließen, dann können die Franzosen so viel
vom Rhein reden, wie sie wollen, würden sie es eh nicht trauen, sich da zu holen.
Aber ja, tatsächlich wird darüber nachgedacht, ob man nicht die Armee mobilisieren
sollte für den Fall des Falles, dass die Franzosen das ernst meinen.
Und Friedrich Wilhelm IV schreibt im General von der Gröben,
Deutschland war seit den Otonen und Hohen Staufen nie so einig wie jetzt.
An meinem deutschen Herzen und Willen zweifelt wenigstens wohl keiner.
Aber ich glaube, an der Einheit unter den Otonen und Tod staufen würde ich schon zweifeln.
Frag mal die Sachsen.
Metz und Straßburg belagern, dann getrost vorwärts gehen und schreien wie Gideons
Scharen. Hier ist das Schwert des Herrn.
Wo ist denn der Friedefürst geblieben?
Das ist der Alte Testament, sag ich doch.
Achso, ja dann bist du der Rachegott. Aber wenn es um den Rhein geht,
dann ist Friedrich Wilhelm halt auch voll dabei.
Denn da war schon als Kronprinz, hat er seine erste Rheinlandreise,
seine Tournee quasi unternommen und sich Burgruinen angeschaut.
1815 war er unterwegs. Ich weiß nicht, ob mit dem Bunsen oder mit wem auch immer.
Und das ist, glaube ich, ein sehr kurzer Text jetzt hier, aber mit den meisten
Ausrufezeichen, die es gibt.
Also er ist bekannt dafür, dass er in privaten Korrespondenzen gerne mehrere
Ausrufezeichen verwendet hat. Normalerweise mindestens drei.
Das kann sich aber auch steigern.
Also wie gesagt, Sommer 1815 sind sie da unterwegs im Rhein-Main-Gebiet und
im Juni schreibt er der göttliche Rhein.
Ich habe meine Rechte in den Strom getaucht und mir drei Kreuze auf die Stirn gezeichnet.
Und einen Monat später, da wird es aber noch besser. Auf dem Rhein, drei Ausrufezeichen.
Unterhalb der Trümmer des alten Schlosses Hammerstein begonnen. Diese Seligkeit hier.
Wir schiffen nach Köln, um von dort nach Bülow zu ziehen.
Oh Dio, dies ist die schönste Gegend von allen deutschen Landen.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, ich glaube zehn.
Ausrufezeichen. Mir ist's wie ein Traum. Dieser Rhein, wie er vom Berge grazios
aussieht Welch ein Strom, drei Ausrufezeichen Nach dem Jordan und Ganges und Nil der Erste der Welt.
Drei Ausrufezeichen Wenn man hier aus dem preußischen Plattenland kommt.
Ja, der Rhein ist nicht die Oder oder die Spree.
Oder nicht mal die Elbe.
Die Elbe finde ich schon eindrucksvoll. Die fließt auch ordentlich und die wird
auch mal größer und wieder kleiner.
Aber im Vergleich zum Rhein ist auch die Elbe.
Ja, aber trotzdem so Spree und Havel. Also Havel ist ja ganz hübsch,
aber die Spree sieht halt aus wie so ein Kanal. Da bewegt sich auch gar nichts.
Da sieht er auch mal Hügel.
Da spiegelt sich auch nichts.
Hügel gibt es hier auch nicht.
Ja, Hügel, Wein, Burgruinen, Dome.
Das gibt es hier nicht. Nö.
Und überhaupt der Rhein. Jetzt entdecken alle nochmal den Rhein.
Der war nie verschollen. Der hat sich nicht versteckt.
Der war nie verschollen und der hatte natürlich auch schon mal so eine Hochphase,
als die Franzosen das letzte Mal da waren.
Ich glaube, darum geht es eher.
Genau, darum geht es eher, dass man sich da nochmal dran erinnert, wie das damals so war.
Und dass eigentlich seit den Befreiungskriegen man sich gedacht hat,
es gibt doch eigentlich kein schöneres Denkmal für die Freiheit und Befreiung von den Franzosen.
Als den Kölner Dom. Und überhaupt ist der Kölner Dom...
Warum? Warum? Was haben die Franzosen mit dem Kölner Dom zu tun?
Weil die Franzosen gar nichts. Die sind ja weg, Gott sei Dank.
Aber sie hatten noch nie was mit ihm zu tun.
Das heißt doch, der Rhein gehört uns.
Aber die waren in Mainz.
Da ist eine römische Metropole, die gehört uns.
Da gibt es antike Schätze. Und auf diesen antiken Schätzen eine Metropole des
Mittelalters, die Heiligen Drei Könige und den Ausdruck deutscher Baukunst.
Wir haben doch Augsburg, da steckt doch sogar Augustus drin, der erste Kaiser.
Der Kölner Dom ist das Denkmal unserer Befreiung.
Warum?
Und die Gotik ist Ausdruck deutscher Baukunst, das sagt dir Friedrich Schlegel.
Aber der hat nicht recht. Wir haben es vorhin noch, bevor wir hier auf Aufnahme
gedrückt haben, extra rausgesucht, aber wir lassen es jetzt einfach mal so stehen.
Friedrich Schlegel, der sogar katholisch wird, weil er so romantisch ist,
dass ihm das Herz aufgeht bei katholischer Liturgie und katholischen Domen,
hatte mit seiner Frau, wahrscheinlich in Köln glaube ich sogar,
In der Ruine.
In dem nicht fertigen Haus.
In dem nicht fertigen Haus ist er zur allein selig machenden Mutterkirche wieder zurückgekehrt.
Ja, da sprichst du natürlich das Problem an. Es handelt sich um eine Ruine.
Es ist schon ein paar Jahrhunderte her, dass da zum letzten Mal ein Handwerker
irgendeinen Stein bemeißelt hat.
Zur Franzosenzeit war das eh ein Stall, glaube ich, oder ein Lager.
Und ja, ein Teil des Chores, glaube ich, kann man nutzen. Da ist so ein Behelfsdach drüber.
Das benutzen die, glaube ich, als
Kathedrale. und der Rest verfällt dann einfach so langsam vor sich hin.
Aber der Baukran.
Ja, der wäre noch da.
Das ist das Denkmal. Das ist das Wahrzeichen Köln.
Vielleicht ist das auch ein mystisches Zeichen, dass dieser Baukran seit dem
Mittelalter da irgendwie durchgehalten hat und nicht verfault ist zwischendurch.
Daran erkennt man Köln in allen Zeichnungen, der Baukran.
Ja, und an der Ruine, an der Bauruinen.
Ja, Kran.
Und es gibt aber jetzt vermehrt, also nicht nur Herr Schlegel entdeckt den Dom
für sich, sondern jetzt alle, die irgendwie national antifranzösisch gestimmt
sind, sagen Gotik, warum auch immer.
Sei Gotik, also wirklich Ausdruck deutscher Säle. Wir haben die Gotik zur Vollendung verbracht.
Nein.
Es geht hier nicht darum, was kunsthistorisch vielleicht angebracht wäre.
Es geht um Gefühl, Intuition.
Aber wie schon das Internet uns vor zehn Jahren erklärte, Facts don't care about your feelings.
Okay, aber Aber wie wir auch jetzt seit geraumer Zeit wissen,
man kann ja alternative Fakten schaffen. Und da sind die sehr erfolgreich in dieser Epoche.
Und manchen ist es vielleicht auch einfach egal, die wollen einfach nur diesen
Dom fertig kriegen, weil er einfach so schön ist. Oder er könnte so schön sein.
Und jetzt, wo wir doch die Pläne auch wieder gefunden haben.
Das heißt, wir haben einen Originalplan aus dem 13. Jahrhundert,
der dir zeigt, wie diese Türme aussehen sollten.
Und wir müssen es einfach nur zu Ende bauen. Im Original. Das ist dann nicht
mal Neogotik. Das ist ja noch nach dem Originalbauplan.
Das sind ja nicht mehr die...
Das ist nicht die Kirchenguste, die hier irgendwelche Backsteindinger auf dem Gudam hinsetzt.
Das sind ja nicht mal die mittelalterlichen Techniken.
Nee, das ist ja noch besser, weil dann wird der Dachstuhl auch schneller fertig,
weil man dann einfach den Eisenguss hochziehen kann.
Und dann zeigen wir nochmal, wie innovativ die Preußen nämlich jetzt sind.
Und wie modern. Und was alles möglich ist.
Der Baukran ist 500 Jahre alt.
Gleich auf die Bauausstellung bringen vorher. So, und ein gewisser,
ehrlich gesagt, die Kölner und Belgier und wer alle damit zu tun hat,
sollen mir verzeihen, bitte.
Sulpis Boissere heißt der Kunsthistoriker aus einer vermögenden Familie und
entsprechend auch Kunstsammler aus Köln, der sich dann,
erklärtermaßen zum Ziel setzt, ich will diesen Dom fertig kriegen und damit
allen auf die Nerven geht, bis sie sagen, ja ist gut, ich gebe dir Geld.
Und er trifft schon 1813 den Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Frankfurt,
kurz bevor er hier seine Rechte in den Rhein tunkt und sich damit bekreuzigt,
erklärt er dem schon, wie schön der Dom ist.
Und 1814 führt er ihn auch durch die Domruine.
Und beide sind ganz bewegt davon und Friedrich Wilhelm vergisst das nicht.
Und Bosseret sagt dann auch, dass der Ausbau der rheinischen Kathedralkirche
ein Symbol werden möge für die deutsche Einheit und den Frieden unter den Konfessionen.
Ja, und das ist so ein Ding, da hat er schon sofort was getroffen beim Kronprinzen
mit Frieden unter den Konfessionen, weil Harmonie und Einheit,
das ist bei ihm eben auch so ein bisschen, und da sind wir dann doch bei diesem
Kirchenthema in Preußen,
Da gab es ja den Versuch unter seinem Vater schon, diese Teilung in Lutheraner
und Kalvinisten, das einfach mal durch königliche Autorität zu beenden.
Also wenn man in die Berliner Hofkirche geht, also den Dom, an den Säulen,
die die Kuppel tragen, da steht an einer Säule Johannes Calvin und dann auf
der anderen Säule steht Martin Luther.
Und die Hugenotten drehen sich wahrscheinlich alle im Grabe um,
aber Friedrich Wilhelm III. hat gesagt, nein, ihr seid jetzt uniert,
versteht euch bitte wieder.
Und wenn das nicht so ist, dann sorge ich dafür,
dass ihr Probleme kriegt. Und es gibt nämlich natürlich dann auch Abspaltungen
von Lutheranern, Alt-Lutheraner, die sagen auf gar keinen Fall,
was haben wir mit den Galvanisten zu tun.
Und da ist dann Friedrich Wilhelm genauso, also der Alte Friedrich Wilhelm,
genauso wenig nett zu den Alt-Lutheranern, wie er zu den Katholiken damals ist.
Denn auch da werdet ihr euch noch daran erinnern, womöglich,
dass wir letztes Jahr gewissermaßen zum Abschluss unseres heiligen Jahres nach
Trier gepökelt sind, mental.
Zum Heiligen Rock und es um die ganzen Wirren in Köln und Trier und Münster
ging. und wie damals der preußische Staat mit der katholischen Kirche umgesprungen ist.
Aber Boissere hat jetzt den richtigen Mann getroffen.
Der wünscht sich Harmonie und Einheit und Gottes Liebe für alle.
Und solange wir nur gute Christen sind, dann ist es auch in Ordnung.
Der treibt eben gute Lobbyarbeit und das heißt schon seit 1823 tatsächlich mit
diesem Einheitsdenkmals-Befreiungsidee finanziert der preußische Staat,
dass man zumindest mal diese Bauruine wieder in einen einigermaßen passablen Zustand bringt.
Zumindest dafür zu sorgen, dass sie nicht weiter verfällt.
Von Weiterbau ist noch nicht so richtig die Rede, aber zumindest können wir
jetzt da mal so die Bäume rausreißen, die da mittlerweile sich vervielfältigt haben im Gemäuer.
Und womöglich erinnerst du dich noch daran, wo das alles drin gegipfelt ist,
dann diese Unterdrückung der Katholiken? Ja.
Die vor allem in Köln für viel Aufsehen dann gesorgt hat.
Wenn es geht um den Kölner Erzbischof, der sich damals geweigert hat,
Gefolgschaft zu leisten, den Bedingungen der preußischen Regierung,
ein gewisser Droste Fischering.
Weißt du noch, wo er geendet ist? Kannst du dich erinnern?
Man hat ihn doch quasi aus seiner Wohnung gezerrt und in die Festung Minden gebracht.
Ach so, ja, sterben.
Ja. Und jetzt ist aber Friedrich Willem König. Da haben wir damals auch schon
kurz drüber gesprochen.
Sobald Friedrich Wilhelm drankommt, sind die alle wieder frei.
Er darf nicht zurück. Also man einigt sich da drauf. Er muss da nicht in der Festung bleiben.
Ich habe keine Ahnung, wo er hin ist. Wahrscheinlich nach Münster, nach Hause.
Aber er ist frei. Also er bleibt offiziell der Erzbischof von Köln.
Aber er darf da halt nicht wieder hin, sondern es gibt den Co-Adjutor Johannes von Geißel.
Der ihn da vertritt. Aber das ist man ja auch gewohnt in Köln.
Dass der Co-Adjutor...
Nee, dass der Bischof nicht da ist.
Die Kölner sind ja wahrscheinlich auch oft ganz dankbar, wenn der Bischof nicht da ist.
Den haben sie ja, weiß nicht, im 13. Jahrhundert rausgeschmissen.
Gut, aber jetzt sind wir ja im 19. Jahrhundert und der Bischof ist Symbol eines
Freiheitskampfes und Identitätskonfliktes hier.
Auf jeden Fall unter Friedrich Wilhelm IV. ist der Moment gekommen,
dass man nicht nur die Pflänzchen aus dem Gemäuer reißt, sondern es vielleicht
auch Zeit ist, endlich dieses deutsche Bauwerk zu Ende zu bringen.
Und zum 4. September 1842 wird das große Dombau-Fest.
Verkündet, um den wiedergewonnenen Friedensbund zwischen Staat und Kirche zu besiegeln.
So wird es vom Bischof angekündigt.
Und eigentlich, das ist nämlich das Interessante, so Volksfestivitäten oder auch Staatsfeste.
Das ist eigentlich eher was, was so die französische Revolution angefangen hat.
So Mai-Fest, Freiheitsfest, Weintrinken in Hambach und politische Redenschwingen-Fest,
Bücher verbrennen von Leuten, die wir nicht mögen, auf der Wartburg-Fest.
Das sind eigentlich nicht so Dinge, die der preußische Staat bislang gebilligt
hätte oder geschweige denn mit organisiert hätte.
Und jetzt aber, sagt sich der König offenbar, vielleicht eine gute Idee,
wir benutzen das und geben euch eine andere Botschaft dann mit,
mit dem, was wir da feiern.
Damit Dombauarbeiter überhaupt dauerhaft angestellt werden können,
braucht es da einen Arbeitgeber, der offiziell ist.
Und das heißt, schon 1840, kurz nachdem er den Thron bestiegen hatte,
lässt Friedrich Wilhelm IV.
Es zu, dass sich in Köln ein Dombauverein gründet, der dann 1841 von ihm bestätigt
wird und er das Protektorat übernimmt über die neue Baustelle und gibt ihm 50.000
Taler Startgeld. So, jetzt fangen wir an.
Damit, wenn ich dann nächstes Jahr komme, dass man eine Hand da reintippen kann. Ja, genau.
Oder einen Grundstein eben legen kann zum Weiterbau, dass das auch ein bisschen
schöner ausschaut. Das ist ein bisschen aufräumend.
Und dann müssen die halt warten. Die hätten vielleicht auch sofort gerne den Grundstein gelegt.
Aber er sagt, nee, ich bin erst nächstes Jahr da, Wenn ich dann im Rheinland
zu den Herbstmanövern unterwegs bin, dann bin ich sowieso da und dann komme ich vorbei.
Und dann machen wir das mit dem Dombau-Fest.
Und nicht nur er kommt, sondern andere deutsche Fürsten haben dann schon das
Gefühl, es kann jetzt aber nicht sein, dass hier nur der preußische König so
diese Nationalkathedrale ist.
Beginnt und für sich reklamiert, sondern das ist ein gesamtdeutsches Projekt
und vor allem ein Staat fühlt sich ja damals berufen, wenn es um gesamtdeutsche
Fragen geht, dann bleiben wir ganz bestimmt nicht außen vor.
Und das heißt, es kommen noch zwei Gäste.
Nämlich der Fürst Metternich und der Erzherzog Johann.
Noch ohne das Amt, das er ein paar Jahre später erst antritt.
Also Ferdinand ist es damals ja noch. Kaiser Ferdinand offenbar hat keine Lust,
die Hofburg zu verlassen und so eine lange Fahrt zu machen.
Also stattdessen schenkt er seinen Onkel Womöglich das auch.
Auf jeden Fall, sagt Metternich auch sofort, also wenn Friedrich Wille 50.000
Dollar gibt, Startgeld.
Dann müssen wir 100 geben.
Na, dann geben wir mindestens das Gleiche. Dass es nicht nachher heißt,
die Preußen sind hier vorneweg. Nein, wir sind auf jeden Fall dabei.
Und der Wiener Nunzius sagt dann dazu auch, dass alle öffentlich erkennten,
dass Österreich wohl wisse, aber niemals dulden werde, dass Preußen sich auch
dieser Gelegenheit bediene, um sich an die Spitze der anderen Staaten des Deutschen
Bundes mit Ausschluss Österreichs zu setzen, wenn Österreich nichts oder wenig beisteuere.
So, lassen uns nicht unterbuttern, geben mehr Geld als ihr.
Der Dombauverein hat gesagt, okay, warum nicht? Aber der Dombauverein und der
Bischof müssen jetzt ein Programm ausarbeiten für diese Festivität.
Und da hat vor allem der Bischof Geißel dann doch ein bisschen Schiss,
dass die Preußen das jetzt übernehmen und dann eben so ein Staatsakt halt machen
wollen. Nein, es ist unsere Kathedrale.
Es geht hier um eine Kirche.
Und als man an ihn herantritt und sagt, lass uns jetzt bitte ein Programm ausarbeiten,
dann sagt er, wir haben bereits ein Programm und es ist bereits gedruckt, seit 250 Jahren.
Und erläutert durch Abbildungen. Sein Titel heißt Pontificale Romanum. Vielen Dank.
Weil die große Angst ist.
Dass der Papst kommt.
Nein, der Papst, da hätte jetzt Herr Geißel kein Problem damit, wenn der Papst kommt.
Sondern, dass wenn der preußische König das finanziert, oder wesentliche Teile
davon finanziert, dass er dann nachher sagt, dann lasst dir aber bitte diese
Hälfte für die Protestanten.
Weil es gibt ja Teile Deutschlands, ich glaube manchmal kommt es sogar bis in
unsere Zeit noch vor, dass Kirchen einfach geteilt werden und dass sogenannte
Simultandome oder Simultankirchen benutzt werden von beiden Konfessionen.
Und das möchte der Erzbischof auf gar keinen Fall, dass sowas hier passiert.
Und deswegen sagt er, nee, nee, nee, nee, wir machen das ja alles nach schönen,
nach Pontificale Romanum.
Und auch bei der Urkunde, die wir in den Grundstein da versenken,
da bitte wird nicht der König als Gründer genannt, so wie der Dombauverein das
dann vorschlägt, Rex Primum Lapidem Posuit.
Nein, er sagt dann oder berichtet dem Nontius über das, wie er das dann sieht.
Ich hielt den Herren entgegen, dass nicht der König es sei, der den Grundstein
lege, da seine Majestät keinerlei Titel dafür habe, indem er weder Eigentümer
des Domes noch mit einem kirchlichen Charakter ausgerüstet sei,
um eine solche Funktion auszuüben.
Weiter führte ich aus, das fragliche Dokument müsse in dem üblichen kirchlich-historischen
Stile abgefasst werden und dieser kirchliche Gebrauch verlange,
dass vor allem des regierenden Papstes, als des Oberhaupts der ganzen Kirche
darin Erwähnung geschehe, dann des Königs als des Protektors und Wohltäters
des Domes, endlich des wirklichen Erzbischofs Droste Fischering.
Ich hatte meine Gründe, darauf zu bestehen. Einige dieser Herren hätten gar
gern den König als den erscheinen lassen, welcher eigentlich den Dom gründe und baue.
Sie konnten dann eines Tages die Eigenschaft eines Gründers und Erbauers zu
ihren Gunsten geltend machen und sich darauf berufen, der König sei es,
der diesen Teil des Domes erbaut und dazu auch den Grundstein gelegt habe.
Derselbe sei demnach Eigentum des Königs und er könne daher den Gebrauch für
seinen Kultus in Anspruch nehmen und seinen protestantischen Untertanen den
Mitgebrauch gestatten.
Ich dachte mir, Prinzipi ist Obster.
Respike Finem. Jetzt musst du nochmal helfen. Ich habe mir die Übersetzung nicht hingeschrieben.
Mach mal. Prinzip ist obster et Respike Finem.
Beachte die Institution und das Ende.
In meinem Kopf habe ich noch drin, während den Anfängen bedenke das Ende.
Wäre dann so die landläufige Übersetzung.
Also, lass mal schön die Finger hier raus. Und FW4 überraschenderweise sagt
aber sofort, ist alles okay. Machen wir, kein Problem.
Ich finde sowieso, das sagt er jetzt glaube ich so nicht, aber das steckt dann
dahinter, ich finde katholische Liturgie sowieso toll.
Das ist alles so schön alt und so schön bunt. Und die singen so schön.
Ich finde das ganz toll, ich komme. und ich gucke mir das alles an.
Und dann heißt es aber plötzlich, nee, er möchte dann doch nicht am Pontifikalamt teilnehmen.
Und da ist nicht ganz klar, wieso. Aber der Verdacht liegt nahe,
dass Herr Metternich ihm gesagt hat, nee, nee, nee, nee, mach das mal nicht.
Das kommt komisch an, wenn du da kommst. Dann sind ja deine Protestanten sauer.
Und wenn du dich da nicht hinkniest bei der Wandlung, dann sind die Katholiken
hier sauer. Also besser, du kommst nicht.
Und schön, hat sich Herr Metternich dann auch gedacht, dann sehen die Kölner,
ich komme und der Erzherzog, Dann sehen die Kölner nämlich, wer ist hier der
katholische Patron eigentlich?
Das ist gedacht so, ja.
Die Kölner kriegen das aber mit, dass der König da abgesagt hat.
Und dann sind die Kölner dann schon sauer. Und dann sagt der König,
na, das war alles nur Missverständnis.
Das war der Metternicht.
Natürlich, das war der Metternicht.
Er ist dann halb schuld.
Aber ich dachte, nein, nein, nein, nein, ich wollte doch sowieso kommen, habe ich doch gesagt.
Und wir machen dann beides. Also geht dann erstmal in die evangelische Kirche
und danach komme ich zum Pontifikalamt.
Alles gut, wir machen das durch. Und das eigentlich Spannende ist natürlich, kommt die Königin.
Weil Königin war mal katholisch.
Sie ist jetzt schon.
Und das war ein großes Thema. Da gibt es nochmal einen extra Aufsatz,
habe ich gesehen, 60 Seiten.
Was der Vatikan damals bei dieser Hochzeit sich gedacht hat und wie man das
alles verabredet hat zwischen Bayern und Preußen und so, dass sie ja katholisch bleiben darf und so.
Aber von Anfang an, damit der Friedrich Wilhelm III überhaupt zustimmt,
hat sie ihm schon in die Hand versprochen, ich werde doch evangelisch werden.
Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann hat es sich vollzogen und war jetzt
schon eine ganze Weile evangelisch und hat auch nicht den Anschein gemacht,
als wäre sie da jetzt traurig.
Michi hat damals in der Folge bei preußischer Königin sogar betont,
sie hat mal dem Papst ins Gesicht gesagt, es ist viel schöner evangelisch zu sein.
Also mein Mann sagt mir, was der wahre Glaube ist. Brauche ich keinen Papst für.
Und jetzt natürlich schon interessant, wenn die jetzt mitkommt nach Köln,
was macht die denn dann eigentlich? Die werden auf jeden Fall natürlich begrüßt
vom Erzbischof vor dem Dom.
Das Domkapitel ist da, es gibt eine kurze Ansprache, aber man lässt das Weihwasser weg.
Das könnte ja komisch ankommen, nicht dass man mit dem Weihwasser dem König
da erwische und den Weihrauch lassen sie auch weg. Ja, da war bestimmt traurig.
Das hat mich so gefragt.
Hätte sich bestimmt mal gerne beweihräuchern lassen. Aber nee,
das ist halt katholisch, deswegen lässt man das weg, damit es nicht irgendwie komisch ankommt.
Und dann kommt der Moment im Dom bei der Messe, wo es halt so einen gravierenden
Unterschied gibt zwischen Katholiken und evangelischen Christen.
Was man immer beobachten kann, wenn bei Hochfesten dann mal die ganze Familie
gemeinsam womöglich zu Weihnachten in die eine Kirche geht oder in die andere Kirche.
Und dann immer ein Teil der Familie gerade nicht weiß, was jetzt Sache ist und
was man jetzt machen muss.
Und das passiert dann meistens, wenn irgendwelche evangelischen Christen in
katholischen Kirchen bei der Liturgie sind, weil...
Es gibt keinen Keks für uns.
Ich kommentiere das nicht weiter. Ich dachte eigentlich, dein Vater hätte schon
Sorge gehabt, dass du während unseres heiligen Jahres konvertierst womöglich.
Aber sie hat sich heute vorgenommen, möglichst anti mit mir umzugehen.
Also vor allem geht es ja doch darum, dass Katholiken auch gerne mal her niederknien.
Das kommt, glaube ich, in evangelischen Kirchen eher selten vor.
Und man tut das natürlich auch in bestimmten liturgischen Momenten,
zum Beispiel bei der Wandlung, wo es zwar äußerlich vielleicht noch Brot und
Wein ist und vielleicht sogar danach schmeckt, aber eben theologisch auf gar
keinen Fall mehr ist, sondern Leib und Blut Jesu Christi, da soll man gefälligst niederknien.
Und deswegen auch noch extra gebimmelt, damit man das mitkriegt.
Gut, man kann nicht erwarten, dass der König von Preußen niederkniet,
Aber er bleibt stehen und neigt das Haupt.
Das heißt, es kommt gut an. Die Protestanten können zufrieden sein.
Er hat sich nicht da zum Knecht gemacht, dieser katholischen Institution.
Die Katholiken können aber zufrieden sein. Er hat da Respekt gezeigt.
Und die Königin hat sich hingekniet und bekreuzigt.
Und schlägt sich dann auch noch dreimal an die Brust.
Also die tut so, als wäre sie nie evangelisch gewesen.
Sie ist rückfällig, sage ich das.
Sie ist rückfällig. Wahrscheinlich ist die ganze Zeit nur Scheinevangelisch.
Auf jeden Fall, das kommt natürlich sehr gut an.
Bei den Kölnern zumindest. Wie das Zuhause in Berlin nachher betrachtet wurde,
ehrlich gesagt, weiß ich nicht. Aber jetzt sind wir ja in Köln und da kam das gut an.
Jedenfalls, sagt Herr Geißel, bekundete die ganze Art, wie Königin und König
bei dieser Gelegenheit sich benahmen, öffentlich eine große Achtung für die
katholische Religion und nach dem Beispiel des königlichen Paares bezeigten
diese Achtung auch die übrigen Herrschaften.
Unter allen Umständen ist es immerhin etwas, dass all diese hohen Herren sich
in der Lage fanden, einer Kirche öffentlich ihre Achtung zu bezeigen,
die man vor vier Jahren tot und begraben glaubte, zum Nimmerauferstehen.
Und Metternich kommentiert das Ganze ein bisschen nüchterner und sagt,
das Hochamt war schön, aber die Musik zu lang.
Ein Dreiviertelstunde, finde ich gar nicht so schlimm für so ein Hochamt.
Pontifikalamt, das kann auch gerne mal länger dauern.
So und dann gehen alle wieder raus zu der Grundsteinlegung, die ist auf der
Südseite des Domes. Und da kommen 30.000, 40.000 Leute.
Für die hatte man auch extra Tribünen gebaut, da sitzt aber kaum jemand,
weil die Eintritt verlangt haben.
Die können keine Lust, den Eintritt zu bezahlen. Die verteilen sich da auf die
diversen Treppen, da müssen sie sich da den Weg bahnen.
Der König kommt barhäuptig, ergreift den Hammer und dann, wie es so üblich ist,
soll man dreimal auf den Grundstein einprügeln, bis er fest sitzt.
Aber der Redselige hält nochmal eine kurze Ansprache.
Meine Herren von Köln.
Es begibt sich Großes unter ihnen. Dies ist, sie fühlen es, kein gewöhnlicher Prachtbau.
Er ist das Werk des Brudersinnes aller Deutschen, aller Bekenntnisse.
Wenn ich dies bedenke, so füllen sich meine Augen mit Wonne Tränen und ich danke
Gott, diesen Tag zu erleben.
Hier, wo der Grundstein liegt, dort, mit jenen Türmen zugleich,
sollen sich die schönsten Tore der ganzen Welt erheben.
Deutschland baut sie. So mögen sie für Deutschland durch Gottes Gnade Tore einer
neuen, großen, guten Zeit werden.
Alles Arge, Unechte, Unwahre und darum Undeutsche bleibe fern von ihnen.
Nie finde diesen Weg der Ehre das ehrlose Untergraben der Einigkeit deutscher
Fürsten und Völker, das Rütteln an dem Frieden der Konfessionen und der Stände.
Nie ziehe jemals wieder der Geist hier ein, der einst den Bau dieses Gotteshauses,
ja den Bau des Vaterlandes, hemmte.
Der Geist, der diese Tore baut, ist derselbe, der vor 29 Jahren unsere Ketten
brach, die Schmach des Vaterlandes, die Entfremdung dieses Ufers wandte derselbe
Geist, der gleichsam befruchtet von dem Segen des scheidenden Vaters,
des letzten der drei großen Fürsten vor zwei Jahren der Welt zeigte,
dass er in ungeschwächter Jugendkraft da sei.
Es ist der Geist deutscher Einigkeit und Kraft.
Ihm mögen die Kölner Domforten Tore des herrlichsten Triumphes werden. Er baue, er vollende.
Und das große Werk verkündet den spätesten Geschlechtern von einem durch die
Einigkeit seiner Fürsten und Völker, großen, mächtigen, ja den Frieden der Welt
unblutig erzwingenden Deutschland.
Von einem durch die Herrlichkeit des großen Vaterlandes und durch eigenes Gedeihen glücklichen Preußen.
Von dem Brudersinne verschiedener Bekenntnisse, der inne geworden,
dass sie eines sind, in einem einigen göttlichen Haupt.
Der Dom von Köln, das bitte ich von Gott. Rage über diese Stadt,
rage über Deutschland, über Zeiten reich an Menschenfrieden,
reich an Gottesfrieden bis an das Ende der Tage, Unterbrechung durch lauten Jubelruf.
Meine Herren von Köln, ihre Stadt ist durch diesen Bau hoch bevorrechtet vor
allen Städten Deutschlands.
Und sie selbst hat dies auf das Würdigste erkannt.
Heute gebührt ihr dieses Selbstlob.
Rufen Sie mit mir und unter diesem Rufe will ich die Hammerschläge auf den Grundstein tun.
Rufen Sie mit mir das tausendjährige Lob der Stadt, Alav Köln.
Kam gut an. Das glaube ich. Kam gut an.
Herr Geißel hatte eigentlich auch eine Rede vorbereitet, die hält er dann auch.
Es dauert noch ein bisschen. Der Präsident vom Zentralen Domverein auch noch.
Es regnet wieder. Der Jubel ist nicht mehr so groß danach.
Der Präsident vom Zentralen Dombauverein, der Stadtrat von Wittgenstein,
interessanterweise, sagt dann noch, Ja, wir wollen bauen in Demut und Gottergebenheit,
damit wir dem Herrn eine würdige Wohnung bereiten.
Wir wollen bauen ein Volk von Brüdern und die Liebe zum Vaterlande und den Brudersinn
in unseren Herzen nähren bis zur Vollendung, damit das Gotteshaus auch ein Tempel
deutscher Eintracht sei.
Wir wollen daran bauen mit unserem Könige, damit es ein Denkmal sei des herrlichen
Bandes der Liebe und des Vertrauens, welches jemals Fürst und Volk umschlang.
Sie wissen auch schon, was Sie zu sagen haben, damit es gut ankommt bei seiner Majestät.
Und dann bittet Friedrich Wilhelm den Bischof noch zu sich herauf auf die Estrade,
auf die Tribüne da und geht ihm auch noch die Hälfte des Weges entgegen.
Der preußische König geht dem Erzbischof von Köln, dem Vertreter des Erzbischofs
von Köln, entgegen, dessen Kollegen sein Vater vor ein paar Jahren noch in die
Festung Minden hat absperren, wegsperren lassen.
Das macht schon ein bisschen Eindruck. Alle haben Tränen in den Augen nach den
Berichten. Selbst Fürst Metternich ist erschüttert.
Wie damals 1813, 15.
Allerdings bemängelt Herr Metternich dann wieder, dass nur sechs Katholiken
unter den Ehrengästen waren. Dafür die ganzen Kölner, stelle ich nicht so an.
Das sind ja nicht alles Katholiken.
Geisel ist, naja fast. Und Geisel ist dann auch, also der Erzbischof,
Vertreter, ist dann auch nicht so ganz zufrieden.
Also ist so ein bisschen pikiert, ob diese Rede seiner Majestät des Königs.
Hast du eine Vorstellung warum? Ist dir da irgendwas übel aufgestoßen?
Warum?
Brudersinn der Konfession.
Ja.
Königlicher Traum nennt er das. Modern würde man sagen, es ist ihm alles ein wenig zu ökumenisch.
Und weil dieser König halt, der mag halt alle Christen irgendwie.
Und hat jetzt die Angst, also der Nuncius schreibt dann auch noch dazu,
zu dem was hier vorgegangen ist.
Also FW3 hat die Kirche verfolgt, FW4 will die alle zusammenlegen.
Was ist schlimmer?
Das weiß man auch nicht so genau. Auf jeden Fall spielt es dann noch eine große
Rolle. Jetzt kriegt man ja das ganze schöne Geld.
Regelmäßig vom preußischen Staat überwiesen. 50.000 jährlich und dann nochmal
on top ein bisschen was. Gleichzeitig sammelt der Dombauverein natürlich ständig Spenden.
Und offiziell muss man dann auch noch festlegen, wer baut jetzt was.
Also was baut der Bauverein mit seinem Geld? Und was wird mit den königlichen
Überweisungen gebaut? Und dann streiten die sich tatsächlich.
Bekommen die den Nordturm oder wir den Südturm? oder bauen wir das Kirchenschiff
oder bauen wir da, weil immer noch diese Angst im Hintergrund ist,
dass der König irgendwann sagt, hier Simultankirche und ich habe das gebaut
und da gehen jetzt die Evangelien rein.
Und ja, man einigt sich dann, der König baut die teurere Südseite.
Der Dombauverein baut die Nordseite und den Nordturm bauen alle gemeinsam.
Und das gilt bis 1865, danach dürfen alle alles bauen. Dann muss man das nicht
mehr genau ausweisen, welche Mittel wohin geflossen sind.
Ja, und diese Idee oder diese Angst, der König könnte dann am Ende alle irgendwie
zusammen da legen, das hat für ihn auch seinen Grund.
Und an Herrn Bunsen hat Friedrich Wilhelm 1840 geschrieben.
Ich erkenne in einer jeden Kirche, welche die drei alten Symbole bekennt,
eine katholische Kirche.
Also in dem Sinne der griechischen Originals, eine allumfassende Kirche.
In jeder, welche die apostolische Verfassung bewahrt hat, eine apostolische.
In jeder, welche über den Symbolen die Autorität der Heiligen Schrift und Kraft
derselben als Hauptsymbolung gleichsam die Rechtfertigung allein durch den Glauben
voranstellt, eine evangelische.
Und endlich nur in der Kirche, deren Lebenselement gläubige Liebe ist,
eine christliche Kirche.
Die Gesamtheit der bezeichneten Kirchen auf Erden bilden die heilige katholische
und apostolische streitende Kirche des Herrn, die wir im Symbol bekennen,
der Beruf der evangelischen Abteilung derselben ist, die rechtgläubige Liebe
zu pflegen und zu offenbaren.
Also da kann ich schon verstehen, dass Herr Geißel, wenn er das so mitgekriegt
hat, sich gedacht hat, bitte nicht so viel Ökumene.
Und die Sympathie von Friedrich Wilhelm zum Katholizismus fand ich in einem
anderen Punkt nochmal bezeichnend.
Denn 1848, als es mit der Revolution losgeht, da ist ja nicht nur Deutschland
auch besonders betroffen, sondern auch ein anderer Staat oder langsam sich herausbildender
Staat, nämlich das spätere Königreich Italien.
Das ist ja der erste Versuch, so etwas dort auch quasi zu schaffen.
Und da gibt es vor allem ein Opfer, das ist der Papst, Der Kirchenstaat bedroht
wird von der Revolution.
Unterschreibt ihm Friedrich Wilhelm in dieser Situation.
Mit tiefer Betrübnis habe ich von den Ereignissen Kenntnis erlangt,
die eure Heiligkeit dazu gezwungen haben, für einige Zeit ihren Staat zu verlassen,
um sich vor den Forderungen entfesselter Leidenschaften in Sicherheit zu bringen.
Sollten die Beschlüsse der Vorsehung und der Lauf der Ereignisse die glückliche
Rückkehr hinausschieben oder Eure Heiligkeit bewegen, Italien zu verlassen,
würde ich es begrüßen, wenn Eure Heiligkeit bereit wäre, ein Asyl in meinem Lande anzunehmen.
In allen Schichten der Bevölkerung wird sie auf Gefühle hoher Verehrung stoßen,
die Euren hohen Tugenden und edlen Opfern, die sie sich auferlegt haben, zu verdanken sind.
Ich erteile sofort Befehle, damit Schloss Brühl, das nahe der antiken Metropole
Köln gelegen ist, instand gesetzt wird.
Eure Heiligkeit kann über diesen Besitz als souverän verfügen.
Ich bitte den Ausdruck meiner Gefühle hoher Verehrung und vollkommener Wertschätzung
als erhabener Kirchenfürst und als Heiligkeit entgegenzunehmen von ihrem ergebenen
Friedrich Wilhelm von Preußen.
Kommen Sie doch nach Köln. Es ist eine antike Metropole, es ist fast wie zu Hause.
Was soll ich denn in Brühl?
Da hat doch früher schon der Bischof seinen Palast gehabt.
Das ist aber eher so ein Barockbau.
Naja, Gott. Der Vatikan auch. Gutes Renaissance und alles möglich.
Aber guck mal, du hast ja antike Straßen, mittelartige Kathedrale,
bauen wir dir gerade neu auf.
Darum geht es im Katholizismus nicht.
Und du kannst da als souverän sogar herrschen. Wir machen so ein Mini-Vatikan
in Brühl für dich. Komm zu uns.
Hat der Pius gesagt, vielen Dank, ist aber nett.
Ich denke drüber nach. Genau.
So, das war nicht das letzte Dombaufest, meine Liebe. Kannst du dir vorstellen, wann das nächste war?
Wir bleiben in diesem Jahr 1848 ausgerechnet.
Findet nochmal ein Dombaufest statt. Also gerade hatte man die Grundsteinlegung
gefeiert und jetzt feiert man nochmal die Grundsteinlegung, nämlich die Originalgrundsteinlegung.
600 Jahre Kölner Dom.
Das wird vom 14. bis 16. August gefeiert und diesmal ist es noch politischer
und noch ein bisschen schwieriger, weil jetzt kommt wieder der Erzherzog Johann
auch vorbei, aber diesmal hat er einen neuen Titel.
Er ist nämlich der Reichsverweser. Er ist quasi der Ausdruck dessen,
was die Revolution da schon vorsieht, in Gestalt zumindest der Nationalversammlung.
Von der kommt natürlich auch eine Deputation, angeführt von Heinrich von Gagern,
damals noch der Präsident dieser Nationalversammlung.
Und angeblich kriegen die gar nicht so viel Jubel, wie sie erwartet hatten,
weil die meisten Leute sind eigentlich nur zum Bahnhof gegangen,
weil Friedrich Wilhelm kommt.
Weil den mögen die Kölner, seitdem er da letztes Mal die tolle Rede gehalten
hat, ist er da wirklich sehr en vogue und für ihn ist das natürlich auch so ein Test.
Ich fahre jetzt mal raus ins Land und gucke, ob die Leute mich noch mögen und
in Köln offensichtlich ja, die mögen ihn noch.
Und zwar mehr als den Erzherzog Johann, der wird zwar auch bejubelt,
aber vor allem hier die Leute aus der Nationalversammlung dachten schon,
dass sie ein bisschen mehr abkriegen würden und nicht ausgerechnet der König von Preußen.
Auf dem Südturm hat man damals eine riesige Fahne platziert,
ist auch schön in Stichen dargestellt, auf der Protektori steht,
also dem Protektor, dem Schutzherrn des Domes.
Und gibt da noch ein kleines Gedichtchen, Salve Protektori, hultvollen Blicke
sie auf unseren Bund, der Stolz des Königs Wort.
Ich bin des Domes Hort, dir Lob sinkt fort und fort mit Herz und Mund. Herrlich.
Und Friedrich Wilhelm sagt, die Einheit Deutschlands liegt mir am Herzen,
sie ist ein Erbteil meiner Mutter.
Der Reichsverweser versucht auch was, sagt, wir wollen Gott den Herrn bitten,
dass er uns die Kraft dazu verleihe, dass nur alle mit gleichem Eifer und tatkräftiger
Ausdauer daran arbeiten,
dass felsenfest wie ihr Dom erstehe ein einiges, ein großes,
ein glückliches Deutschland.
Und auch FP4, meine Herren, um recht gute Freunde zu sein, ist es notwendig,
dass man sich von Angesicht zu Angesicht kennt.
Deshalb freut es mich wahrhaft, sie hier gesehen zu haben. Seien Sie überzeugt,
dass ich nie vergessen werde, welch ein großes Werk zu gründen Sie berufen sind.
Und er spricht jetzt nicht über den Dom, sondern an die Delegierten der Nationalversammlung.
Welch ein großes Werk Sie zu gründen berufen sind, wie ich überzeugt bin,
dass Sie nicht vergessen werden, dass es in Deutschland Fürsten gibt und ich
zu diesen gehöre. Entschuldigung.
Wollen wir nicht zu links werden.
Ja, passt mal bitte auf. Das Café Melani sollte gehört werden.
Also wer sich jetzt da wundert, es lohnt sich da nochmal einen Floh von Paulskirche reinzuhören.
Auf jeden Fall, alle können in diesem Jahr irgendwas mit dem Dom verbinden.
Und sei es nur die deutsche Einheit, für das das dann ein Sinnbild ist.
Und die Katholiken sind froh, dass ihr Dom wieder da ist. Der Bischof freut
sich, der König freut sich, dass ihm alle zujubeln.
Die Nationalversammlung möchte Deutschland ein Projekt bauen.
Herrlich. Nur die Demokraten.
Die versuchen so eine Gegenaktion, treffen sich woanders und wollen irgendwie
Leute ablenken von dem Ganzen.
Und einer von ihnen, nämlich Georg Wert, sagt dann später,
vorüber war die große kölnische Domfaß, bei der all die hohen Herren mit den
schönsten Phrasen im Munde, aber den Groll im Herzen, unter dem Jubel des törichten
Volkes all die feinen Pläne ersannen,
welche bald in den standrechtlichen Erschießungen Wiens, in der Oktroyierung
der preußischen und österreichischen Verfassung und in dem lächerlich Werden
der Frankfurter Versammlung so vortreffliche Früchte tragen sollte.
Das hat er im Nachgang geschrieben.
Das hat er im Nachgang geschrieben. Da weiß er ja schon, dass Robert Blum erschossen
wird in Wien und dass es in Preußen eine Verfassung geben wird,
die nicht die Nationalversammlung dort vor Ort erlässt.
Ich möchte natürlich nicht nochmal jetzt alles wieder von vorne erzählen.
Du musst keine Angst haben.
Dafür gibt es ja schon eine Folge noch aus ziemlich unserer Anfangsphase und
mehrere Folgen Flurfunk Paulskirche, wer jetzt die ganzen Ereignisse des Jahres
1848 nochmal nachverfolgen möchte.
Wichtig ist noch ein Punkt, an den wir nochmal zurückkehren,
denn damit da am Rhein überhaupt mal einen Zug fahren kann, braucht man viel Geld.
Muss der RE6 gebaut werden.
Muss unter anderem der RE6 gebaut werden, wobei nach Köln konnte man glaube
ich ja dann schon mit dem Zug fahren tatsächlich,
denn auch die Kaiserdeputation hat den Zug ja ab Köln nach Berlin dann genommen
und ist mit dem RE6 und der S1 vor allem dann von Minden über Buckeburg nach
Hannover gefahren vielleicht.
Aber die Rheinstrecke gab es noch nicht.
Und für die weiteren Ausbau der Infrastruktur braucht man, das ist uns durchaus
ein Thema, das uns auch nahe ist, relativ viele finanzielle Mittel.
Und ich sprach ja am Anfang von dem Verfassungsversprechen, das der Papa Friedrich
Wilhelm III. damals gegeben hat.
Und dann nochmal die zweite Urkunde ihm hinterherkam.
Wo ihm damals der Staatsminister Hardenberg reingeschrieben hat,
also wenn neue Schulden gemacht werden müssen, wenn es Kredite braucht,
dann müssen allgemeine Landstände einberufen werden.
Und ja, bis 1847 hat der preußische Staat es ausgehalten, ohne neue Schulden
durchzukommen, weil man es natürlich auch auf jeden Fall vermeiden wollte,
diesem Gesetz Folge zu leisten. Aber jetzt ist es soweit, es muss sein.
Und ja, Friedrich Wilhelm Vier war ja in dem Geruch, in dem Verruch,
zumindest bei seinem Amtsantritt, da auch gar nicht so große Probleme womöglich mitzuhaben.
Und jetzt ist der Punkt gekommen, an dem er tatsächlich einen Vereinigten Landtag einberufen muss.
Also in den Provinzen gibt es durchaus ständische Versammlungen.
Aber die jetzt alle nach Berlin zu rufen, zu einem gemeinsamen Vereinigten Landtag, das ist eben neu.
Das hat es noch nie gegeben und die brauche jetzt aber, damit sie tun,
was er von ihnen verlangt.
Bitte gebt mir Geld, damit ich mein Land weiter ausbauen kann.
Und da stellt er dann eben auch nochmal deutlich klar, dass das die einzige
Aufgabe ist, die sie hier haben.
Ich habe das damals in der Folge vorgelesen, deswegen, ich werde jetzt hier
nur einen Absatz nochmal vorlesen, weil es so schön ist.
Und nochmal klar macht, worum es ihm geht und was um sein Staatsverständnis
ist und von seinem Amt und von dem des Vereinigten Landtages.
Edelherren und getreue Stände. Es drängt mich zu der feierlichen Erklärung,
dass es keiner Macht der Erde je gelingen soll,
mich zu bewegen, das Natürliche, gerade bei uns durch seine innere Wahrheit
so mächtig machende Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles,
konstitutionelles zu wandeln.
Und dass ich es nun und nimmermehr zugeben werde,
dass ich zwischen unseren Herrgott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes
Blatt gleichsam als eine zweite Vorsehung eindränge, um uns mit seinen Paragrafen
zu regieren und durch sie die alte heilige Treue zu ersetzen.
Zwischen uns sei Wahrheit.
In meiner Monarchie steht keiner der drei Stände über dem anderen oder unter dem anderen.
Sie stehen alle in gleich wichtigen Rechten und in gleich geltenden Ehren nebeneinander.
Ein jeder in seinen Schranken, ein jeder in seiner Ordnung.
Das ist mögliche und vernünftige Gleichheit. Das ist Freiheit.
Die Rede ist deutlich länger, aber ich glaube, das sind so zwei zentrale Punkte,
wo wir eigentlich mitten wieder zurückgeworfen sind,
sieben Jahre, in die Huldigungsfeier und all die Visionen, die er da schon hatte
und schon früher wahrscheinlich der Mutti den einen oder anderen Aufsatz aus
der mittelalterlichen Geschichte mitgegeben hat, so stellt er sich die Gleichheit vor,
dass die Stände nebeneinander sind und ihn als Vater beraten und jetzt natürlich
das tun, was die Pflicht von ihnen verlangt.
Aber bitte nicht mehr, nicht, dass ihr auf die Idee kommt, euch hier für ein
permanentes Parlament zu erklären oder dergleichen, was dann aufkommt.
Und man muss sagen, natürlich, die meisten, die da hingekommen sind, dachten was anderes.
Jetzt wird Preußen ein modernes Staatsgefüge erhalten.
Schon ein bisschen was von Gaslighting auch.
Ein bisschen was?
Von Gaslighting, so wir wollen doch nicht zusammen, wir wollen das,
wir brauchen doch das gar nicht.
Das hättet ihr ja, dass ihr unter diese Idee gekommen seid, das brauchen wir doch gar nicht.
Wir sind doch alle gleich untereinander, brauchen doch kein Papier.
Ich bin ein bisschen Gleicher.
Leg das doch mal weg.
Mhm.
Ja, und damals ist ein nicht ganz unbekannter Schweizer Historiker in Berlin
tätig, der das Ganze kommentiert. Er heißt Jakob Burkhardt.
In den letzten drei Monaten ist dir viel vorgefallen. Ich war auf großer Schnitzer
von Seiten der Regierung gefasst, aber nicht auf eine so kolossale Inkapazität,
wie sie beim Landtagsabschied zutage getreten ist.
Man hat allen möglichen guten Willen, Kenntnisse, auch Loyalität,
aber daneben romantische Ideen und sehr vielen Dilettantismus.
Man hätte gerne gemalte Stände gehabt, nicht wirkliche.
Man wäre sehr erbaut gewesen, wenn die Herrenkurie nicht aus eiserner Ritterlichkeit
und Ergebenheit bestanden hätte, wenn die Ständekurie hübsch beim Leisten geblieben
wäre und sich nicht in Politik gemischt hätte.
Es hätte genügt und allgemein Enthusiasmus verbreitet, wenn man eine relativ
so gutartige Kammer ohne irgendein Versprechen bloß mit einem freundlichen Worte
aufrichtig oder nicht verabschiedet hätte.
Aber man steckt voller Theorien und vorgefasster Meinungen, man fingiert sich ein gemaltes Preußen.
Und ich habe hier noch etwas mitgebracht, das auch zeigt, wie diese Rede dann
bei vielen angekommen ist.
Es ist nämlich eine Karikatur, die daraufhin erschienen ist und Friedrich Wilhelm
bei der Eröffnung des Landtages zeigt.
Vielleicht kannst du mal kurz mit deinen Worten beschreiben, was da zu sehen ist.
Also wir haben Friedrich Wilhelm IV. auf seinem Thron. Neben ihm sind zwei Trommeln.
Auf der einen ist eine Narrenkappe und ein Steckenpferd, so heißt es, ne?
Ja.
So eine kleine Peitsche, was Kinderspielzeug ist in der Zeit.
Dann haben wir noch eine kleine Trompete, also alles zu Kinderspielzeug.
Und wir haben die Massen der Bevölkerung, der preußischen Bevölkerung.
Ja, davon gehen wir mal aus.
Alle sehr schön in Fraktzylinder uniformiert. Wir haben sogar eine Frau dabei
und zwei Kinder. Also es sind alle da.
Und FW4, er bricht sich im Strahl über sein Volk.
Und es sind auch ein paar kleine Gegenständige in diesem Erbrochenen,
aber man erkennt es nicht so richtig.
Also das sind wahrscheinlich seine Worte, die so auf sein Volk niedergehen.
Vielleicht so einige Dinge, die er noch in dem Redetext erwähnt,
den ich jetzt nicht vorgelesen habe.
Aber ich finde es sehr eindrücklich, wenn das so die Wahrnehmung ist bei denen,
die sich da ein bisschen mehr vorgestellt haben. Also nicht nur,
dass man enttäuscht ist, nein.
Man fühlt sich von Friedrich Wilhelm vollgekotzt.
Also es ist wirklich so zweigeteilt. Es gibt gewissermaßen so einen Himmel, wenn man so will,
wo der Thron ist, der gleichzeitig ein Redepult ist mit dem etwas komisch geformten
preußischen Adler und einem Zeichen für Weisheit, Gott, was auch immer.
Nämlich das Auge im Dreieck, das aber hier falsch rum ist.
Und dann, wie du gesagt hast, Der König erbricht sich auf die Masse des Volkes,
die unten sich befindet.
Auch außerhalb des Bildes.
Einige beobachten ihn. Also ganz deuten kann ich es auch nicht,
was jetzt diese Reaktionen sind.
Aber es ist auch ein Veteran, dem ein Bein fehlt, also der eine Prothese trägt.
Und ja, offenbar ist es nicht das, was sich man sich gewünscht hätte,
jedenfalls vom preußischen König, wie er jetzt das Volk anders vielleicht wahrnehmen könnte,
als in seinem ständischen Verständnis von Restaurationen des Mittelalters,
so wie er sich vorstellt, wie das vielleicht mal war unter Otonen und Hohenstaufen,
als Deutschland angeblich so geeint und groß war.
Gut, dass er die Saalier, die hat er schon absichtlich weggelassen.
Mhm. So und ja, in Flurfung Paulskirche und damals natürlich auch in unserer
Revolutionsfolge, da haben wir natürlich auf das große Ganze geblickt,
weil das interessiert uns heute ja natürlich Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland.
Aber es gibt ja parallel eben dann auch die preußische Nationalversammlung,
die dort tagte hauptsächlich, wo heute das Gorki-Theater sich befindet unter den Linden.
Das darf man denen glaube ich nicht sagen.
Ich glaube, die wissen das, oder? Also der damaligen Sing-Akademie,
da wo Felix Mendelssohn-Bartoldi unter anderem diese schon abgespielte Motette
vielleicht aufgeführt hat damals und auch die Matthäus-Portion von Bach wiederentdeckt
hat und zu neuer Popularität verholfen hat etc.
Das übernimmt diese Nationalversammlung als Tagungsort, bevor sie dann von da
ins Schauspielhaus ausweicht und dann am Ende der Gewalt durch General Wrangel
in den Brandenburger Dom,
da wo Micha heute zu Hause ist und dann aber da schon den Weg keiner mehr findet
und das dann das Ende dieser Versammlung ist. Aber am Anfang sollen die natürlich...
Durchaus auch noch, vielleicht nicht mit Wertschätzung betrachtet durch die
Regierung, aber immer wieder in Zusammenarbeit.
Das heißt, die Regierung nimmt auch teil.
Sie kommt in die Versammlung und hört sich alles an und nimmt Stellung zu den Gesetzesvorlagen etc.
Und es gibt einen Historiker, ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr,
aus welchem Aufsatz ich mir das rausgesucht hatte, der behauptet, dass der 12.
Oktober 1848 quasi mindestens so wichtig ist wie der 18.
März, an dem in Berlin die Barrikaden gebaut wurden. Denn am 12.
Oktober wird der erste Titel der preußischen Verfassung zur Abstimmung gebracht.
Also man ist eigentlich relativ weit.
Man hat einen Grundrechtskatalog, alles schön fertig und jetzt geht es mehr
so um die formalen Sachen.
Und der erste Titel, das ist im Grunde einfach das, was auf dem ersten Blatt
oben drüber steht, bevor dann der eigentliche Verfassungstext kommt.
Und mit einer Abstimmung von sieben zu fünf Stimmen schlägt die Zentralabteilung,
also quasi der Ausschuss aller Fraktionen, vor, den folgenden Entwurf zu übernehmen.
Wir, Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen,
tun kund und fügen zu wissen, dass wir mit den nach dem Wahlgesetz vom 8.
April 1848 gewählten und demnächst von uns zusammenberufenen Vertretern unseres
getreuen Volkes die nachfolgende Verfassung vereinbart haben,
welche wir demnach hierdurch verkünden. Wie klingt das für dich?
Ja, gut.
Könnte auch Friedrich Willem womöglich damit leben.
Denn da steht ein wichtiger Punkt drin, der ihm wichtig ist und den er ernst
nimmt und nicht nur als Floskel, sondern mit allem unterfüttert,
über das wir heute schon gesprochen haben.
Von Gottes Gnaden, König von Preußen.
Die Mehrheit dieses Ausschusses rechtfertigt sich jetzt erstmal vor dieser doch
eher linksdominierten preußischen Nationalversammlung dafür,
dass sie das hier beibehalten wollen.
Die hat sich dagegen für die Beibehaltung jener Worte entschieden,
weil darin nur ein durch Jahrhunderte geheiligter Gebrauch ohne jede praktische
Bedeutung zu erblicken sei.
Und die Besorgnis der Erinnerung an Absolutismus umso weniger begründet erscheine
als gerade die Verfassungsurkunde, an deren Spitze diese Worte stehen,
die Rechte des Volkes auf das Bestimmteste anerkenne und ausspreche.
Also lasst uns das da draufschreiben, weil es hat eh keine praktische Bedeutung mehr. Genau.
Da kann man sich schon denken, wenn das Protokoll der König in die Finger kriegt,
dann allein das könnte schon problematisch werden.
Dann wird es sich um die Ohren gehauen.
Ja, also das ist doch nur...
Dann kommen natürlich viele linke Abgeordnete, die sagen, Entschuldigung,
aber das, was ihr euch da in eurem Ausschuss überlegt habt, das ist ungeheuerlich.
Das können wir doch in unserer heutigen, modernen Zeit, bei dem,
was wir alles erreicht haben, mit den ganzen Toten, die uns die Revolution gekostet hat.
Und dann kommt ihr mit so einer absolutistischen Formel, mit so einem Inkonstitutionalismus.
Andere sagen, das sei Gotteslästerlich geradezu, jetzt Gott hier in die Verfassung
noch reinzunehmen, der ist mit anderen Dingen beschäftigt.
Der hat Wichtigeres zu tun.
Und das Beste und auch schlecht zu leugnen, auch das Volk sei von Gottes Gnaden und nicht nur der König.
Das ist richtig.
Also wenn schon, dann müssten beide da rein.
Wir sind alle von Gottes Gnaden.
Sehr schön fand ich den Abgeordneten von Daniels. Vornamen werden im Protokoll
leider nicht genannt und ich hatte jetzt ehrlich gesagt keine Lust für jeden
Einzelnen nochmal zu recherchieren. Keine Angst, da komme ich so viele.
Drei Sachen habe ich mir rausgesucht, weil ich sie doch bemerkenswert fand.
Also der Abgeordnete von Daniels sagt, was die Benennung von Gottes Gnaden betrifft.
So blicke ich noch einmal in die graue Vorzeit zurück.
Keiner unter allen jenen Königen der Vandalen, Gepiden und so weiter führte
die Benennung von Gottes Gnaden.
Und doch waren es eben diese Könige, welche über Sklaven herrschten.
Attila hieß die Geißel Gottes.
Von Gottes Gnaden ist er nicht genannt worden.
Der ist allerdings ein Befürworter, weil er sagt Friedrich Willem,
kann man gut von Gottes Gnaden nennen, weil er eben kein Attila sei und kein Dispot.
Ich stelle mal eine quellenkritische Anmerkung.
Ja, bitteschön, natürlich.
Wir wissen nicht, wie die sich selber genannt haben, weil wir keine Quellen
von denen haben. Wir wissen nur, was über sie gesagt wurde.
Das ist eine politische Rede in einem...
Das ist mir schon egal.
Attila hieß die Geißel Gottes. Von Gottes Gemaden ist er nicht genannt worden.
Der vom Papst nicht.
Ja, den gab es auch nicht. Weil der Kaiser in Wien eigentlich haben wir in der
Nebelungen-Folge von dir gelernt.
Attila, ja.
So, dann kommt der Abgeordnete Siebert. Meine Herren, ein freies Volk kann sich
nur von einem Fürsten regieren lassen, den es selbst mit der königlichen Macht
bekleidet und auf den Thron gerufen hat, von dem herab er nur allein den Willen
des Volkes zur Geltung bringen soll.
Meine Herren, ich möchte wohl wissen, welche Begriffe diejenigen von der Gottheit
haben, die im Ernst daran glauben, dass der liebe Gott unter einer bestimmten
Zahl seiner Geschöpfe eines erwählt, um es zum Vormund über die anderen zu bestellen.
Ich wage es dreist zu behaupten, dass solcher Aberglaube keine Ahnung von der
unendlichen Größe des Wesens, das wir Gott nennen haben,
des Wesens, das von Ewigkeit her die Ewigkeit geordnet hat, der große Baumeister der Welten,
lässt durch die Kräfte der Natur alle menschlichen Geschöpfe gleichberechtigt
aus dem Schoße der Erde hervorgehen, und so nach steht es fest,
dass alle Menschen gleichberechtigte Erdenbürger sind.
Daraus folgt ferner, dass wenn der preußische Staat aus 16 Millionen Menschen
besteht, der König nur ein 16 Millionstel Teil der Bevölkerung ausmacht,
wie eben ein jeder Tagelöhner ein 16 Millionstel der Bevölkerung bildet.
Wenn aber die 16 Millionen Menschen wenige einen aus ihrer Mitte mit der königlichen Würde bekleiden,
wenn 16 Millionen weniger einem erklären, dass der eine es nur sein soll,
der das Volk regieren soll, so frage ich sie, ob ein solcher König sich nicht
königlicher fühlen muss,
der in dem Bewusstsein auf dem Throne sitzt, dass sein Thron getragen wird von
dem Willen des Volkes als jener, der sich einbildet, seine Krone von oben herab
empfangen zu haben, eine Ansicht, die kein vernünftiger Mensch mit ihm teilen wird.
Schon sehr basisdemokratisch.
Sehr basisdemokratisch. Und was hat der Herr wohl einen Hintergrund,
der vom großen Baumeister der Welten spricht?
Das klingt doch arg nach Freimaurerei, würde ich mal sagen.
Aber es klang jetzt doch ein sehr bisschen wenig nach Bibel.
Ja gut, das Wesen, der Baumeister, das passt natürlich auch zum Dombaufest.
Aber ich glaube, das geht es ihm hier nicht mehr.
Nein, aber auch die Vorstellung, dass Gott niemals eine Person erwähnen würde,
um sie anderen Personen vorzustehen, da gibt es ein paar.
Natürlich, aber das ist ja das, was sie abschaffen wollen.
Wer überhaupt das Gott niemals gewollt hätte.
Da muss ich widersprechen. Wenn er Freimaurer ist und eigentlich nur vom göttlichen
Wesen spricht, dann hat er da eben auch mal etwas andere Vorstellungen.
Es ist nicht der Herr Geißel, der hier spricht, der übrigens Abgeordneter in
Frankfurt in der Nationalversammlung war, der Bischof in Köln.
Aber die Berliner sind halt anders drauf. Das ist sozusagen der linke Teil,
das sind die Handwerksgesellen, die können auch nach der Arbeit mal kurz ins
Gorki-Theater gehen und dann noch ein bisschen über Politik diskutieren.
Das ist nicht so weit weg wie Frankfurt, wo ich irgendwie alles hier zurücklassen muss für ein Jahr.
Also da ist so ein bisschen die politische Ausrichtung ein wenig anders.
So, zuletzt bringe ich hier noch den Abgeordneten Schulze-Delitz zu Wort,
der sagt, ich hätte eigentlich gewünscht, dass gar keine Diskussion über die
Frage eingetreten und sogleich darüber abgestimmt worden wäre.
Da aber einmal diskutiert ist und viele Redner dafür aufgetreten sind,
Denn so glaube ich doch, dass ein Gesichtspunkt übrig ist, über welchen die
Redner bis jetzt sich noch nicht verbreitet haben.
Man pflegt, wenn ein Handlungshaus bankrott geworden ist, die Firma nicht in
das neue Geschäft hinüberzunehmen.
Nun glaube ich, dass in der Geschichte des Absolutismus mit der alten Firma
von Gottes Gnaden vollständig bankrott gemacht habe.
Der Gesellschafter, die Gottesgnade, welche einstehen musste für seine Verpflichtungen,
scheint sich aus dem Geschäfte ganz zurückgezogen zu haben. Ich rate daher,
wir nehmen die alte bankrotte Firma nicht in das neue Geschäft hinüber.
Das ist tatsächlich etwas, das werden die konservativen Kamaria-Freunde,
die Herren von Gerlach, den König umgeben und sehr stark beeinflussen,
ohne ein offizielles Amt zu begleiten in der Regel.
Das genau diese Stelle ist das, was sie nachher auch hervorheben werden.
Also dass man jetzt hier von Gottes Gnaden als bankrotte Firma bezeichnet.
Und mit den Leuten soll man jetzt hier eine Verfassung vereinbaren.
Das ist ja wohl eine Ungeheulichkeit. Ja und dann der Präsident teilt das Ergebnis
der Abstimmung mit. Das Resultat der Abstimmung ist folgendes.
Die Frage ist von 217 Abgeordneten bejaht, von 134 Abgeordneten verneint,
51 Abgeordnete haben gefehlt.
Es sind also nach dieser Abstimmung die Worte von Gottes Gnaden gestrichen.
Oh ja. Immerhin bei der zweiten Abstimmung das König von Preußen ist geblieben.
Der Vorschlag war natürlich auch noch, König der Preußen zu nehmen,
um es auf die Bürger zu beziehen und nicht mehr auf das Land.
Das ist nochmal eine extra Debatte gewesen.
Das finden die meisten dann doch eher albern. König von Preußen kann er bleiben,
aber Gottes Gnaden ist gestrichen, sorry.
So, und ich meine, was für Idioten mit Verlaub.
Also ich verstehe ja, dass in der Zeit, wo sie jetzt gerade sich ihre Freiheit
mal kurz erkämpft haben und eigentlich schon spüren, es könnte auch gleich wieder
vorbei sein, dass denen sowas ideologisch wichtig ist, dass man von Gottes Gnaden da streicht.
Aber wenn sie doch selber sagen, dass es keine praktische Bedeutung hat.
Aber das sind halt Hardliner.
Das sind Hardliner, die sich damit alles verbauen. Ich könnte doch mal ein,
zwei Reden von dem König gehört haben, den ich ja offenbar nicht bereit bin,
jetzt zu enthaupten oder ins Exil zu schicken oder dergleichen.
Die wollen ja mit dem zusammen das irgendein noch irgendwie einbinden.
Und dann weiß ich doch, was dieser Mann denkt. Das hat er in jeder Rede,
baut er das ein, damit es auch wirklich alle verstehen.
Aber es wird ja nicht für immer er sein.
Es wird nicht für immer er sein, aber der ist nun mal der Mann,
auf den es jetzt ankommt, dass er am Ende sagt, ja, das ist okay.
Und dann gönnt man ihm nicht mal dieses Gottes Gnaden da drin.
Weil sie in 30 Jahren Angst haben, dass es ihnen auf die Füße fällt.
Was soll ihnen denn da auf die Füße fallen? Sie haben doch da Grundrechte,
sie haben das allgemeine Wahlrecht drin stehen.
Was wollen die denn noch? Lass ihm doch das Gottes Gnaden da drin.
Es geht ums Prinzip.
Ja, und das Prinzip hat verhindert, dass diese Verfassung jemals das Licht der Welt erblickt.
Aber das ist ja häufig so.
Und auch die Regierung, die reagiert ein bisschen schwach, muss man sagen.
Nur der Innenminister Eichmann, der tritt kurz auf und sagt,
das Gottesgnaden ist Eigentum der Krone und es schadet niemanden und die haben
nicht das Recht daran irgendwas zu ändern.
Das ist der Titel des Königs und der König entscheidet, ob er den führt oder
nicht und da gehen die nochmal so drüber hinweg,
und da kann man jetzt sagen, also der König war bis dahin in der Revolution
in Berlin ja doch eher, erstmal hat er sich angepasst, hat seinen Kopf geneigt
ist auf den Balkon gekommen und hat seinen Hut gezogen vor den Gefallenen,
dann ist er noch mit schwarz-rot-gold durch die Straßen geritten,
Dann ist er nach Köln gefahren und hat gesagt, komm mal der tolle Dom,
ich baue die deutsche Einheit.
Und jetzt guckt er sich die ganze Zeit ziemlich apathisch das an,
was da im Gorki-Theater Singakademie damals verhandelt wird von denen.
Aber ab dem Punkt plötzlich gibt es, so sagt es ein Historiker,
einen Handlungsschub bei Friedrich Wilhelm, der hier halt sieht,
dass die mit frecher Hand und Zunge die unantastbaren Rechte ihres Königs und
Herren angetastet haben.
Dann lasst ihm doch das von Gottes Gnade, Herr Gott, nochmal.
So, und natürlich auch alle, die irgendwie konservativ denken und fühlen in
Preußen, fühlen sich jetzt hier angegriffen.
Ja, mittlerweile gibt es ja nicht nur linke, demokratische Clubs,
sondern auch konservative Vereine und Zeitungen.
Die kriegen jetzt mal so einen richtigen Zulauf von allen, die die Krone hier in Gefahr sehen.
Und der Herr Blasius, der das Leben Friedrich Willems IV.
Vor allem so aus so einer etwas psychologischeren Perspektive angeschaut hat,
der hält fest, man kann im Laufe seines Lebens zwar viele neue Identitäten hinzugewinnen,
Aber seiner Meinung nach keine ablegen. Das heißt, Friedrich Wilhelm war eigentlich
so auf dem Weg, sich schon so ein bisschen als konstitutioneller König da so
ein bisschen einzuleben und sich selbst quasi zu verbriefen,
dass es vielleicht doch gar nicht so schlimm ist.
Aber jetzt hat es sich erledigt.
Weil das Gottes Gnaden wegnehmen, das geht halt nicht. Konstitution,
das tote Pergament, wenn es sein muss, okay, nehme ich mit dazu.
Aber Gottes Gnaden wegnehmen, das lasse ich nicht zu.
Aber das ist ja jetzt auch wieder ein Prinzip, da hätte er auch einlenken können.
Ja, aber das ist ja nur ein Prinzip, auf dem sein ganzes Selbstverständnis fußt.
Seit er ein kleiner Junge war und die Mama ihm Geburtstagsbriefe geschrieben hat.
Und bei den anderen basiert es darauf, es nicht mehr zu haben.
Ja gut, na dann.
Geht's halt nicht.
Geht's halt nicht. Dann bist du halt wie Herr Geißel, der irgendwie den Brudersinn
in den Konfessionen auch nicht möchte. Da ist der König halt anders.
Der reicht dir die Hand schon längst und die schlagen ihn einfach ab. Ja, quasi.
Und die Gerlachs, die habe ich bis jetzt eben nur einmal erwähnt,
aber die sind wichtig, aber ich mag die nicht, deswegen spreche ich nicht so viel von denen.
Ich habe von denen auch noch so einen Zeitungsartikel mitgebracht,
aber den lassen wir jetzt einfach mal weg.
Klar ist, die bauen da voll drauf auf, ihre ganze Strategie,
den König jetzt nochmal klarzumachen. So, wir gehen jetzt nie wieder einen Schritt
mit denen. Ab jetzt wird reagiert.
Das heißt, die Reaktion bricht sich Bahn.
Das Ganze ist hier Mitte Oktober passiert. 16.
Oktober tritt das Ministerium von Herrn Pfuhl zurück. Herr Pfuhl war auch jemand,
der sich sagte, eigentlich ist das gar nicht so schlimm mit den Bürgerrechten
und Wahlen und so. Wir können uns da irgendwie schon arrangieren.
Das war quasi so der Versuch mit diesem Minister, ja, eine irgendwie geartete
Zusammenarbeit zu schaffen.
Jetzt muss der gehen. Die Gerlachs haben eben rausgemobbt. Der König ist jetzt
auch überzeugt, das war eindeutig der falsche Weg.
Man ruft den Herrn Grafen Brandenburg an, von dem man weiß, mit dem können wir
jetzt reinhauen. Und dann kommt die ganze andere Geschichte,
die euch wieder bei Flurfunk Paulskirche anbietet.
Relativ kurzen Folge über General Wrangel zum Beispiel anhören könnt.
Und der König erklärt dazu an das Ministerium, ich erkläre dem Staatsministerium,
dass ich mir das Abschneiden meiner Ehre vor Gott nicht gefallen lasse.
Es entehrt mich vor mir selbst und allen meinen Untertanen. Es ist meine Abdikation.
Es greift meine Religion, meinen Glauben, mein Bekenntnis an,
für welche ich mit Freuden mein Leben opfere.
Da hat ihm sein Erzieher doch gesagt, er soll doch mal ein paar Leidenschaften
mal sein lassen. Man könnte es auch anders überzeugen vielleicht.
Aber nein, das ist so ich glaube, das ist deutlich geworden,
der Kern wo er sich hier angegriffen fühlt und dann ist es im Grunde auch das
Ende des fortschrittlichen Teils der Revolution in Preußen.
Ab jetzt regiert die Reaktion, die werden nach Brandenburg verlegt da kommen
nicht mehr viele an und dann wird diese Nationalversammlung komplett aufgelöst
und dann passiert ja etwas sehr Merkwürdiges,
Was ich damals auch betont habe, der König sagt, dann mache ich das selber.
Das heißt, aus meiner Machtvollkommenheit von Gottes Gnaden kann ich euch,
mein Volk, natürlich so eine Verfassung schenken.
Oder wie es dann von der gegnerischen Seite betont wird, oktruieren.
Was aber heißt, er nimmt im Grunde auch da diese doch ziemlich linke,
freiheitliche Verfassung und sagt, bitteschön, ihr bekommt sie von mir.
Später. Erstmal ist die so.
Ohne Gottes Gnaden.
Mit Gottes Gnaden natürlich, um Gottes Willen, sonst hätte es ja keinen Sinn gemacht.
Aber der eigentliche Verfassungstext, so die Freiheitsrechte,
alles wie das formuliert ist, das ist im Wesentlichen das, was die eigentlich wollten.
Sogar mit allgemeinem Wahlrecht am Anfang und dann passiert natürlich das,
was du jetzt gerade schon andeutest, es wird nochmal überarbeitet in den nächsten zwei Jahren.
Und so lange dauert es auch, bis er dann tatsächlich den Eid auf diese Verfassung schwört.
Aber auch das muss man sich vorstellen, der eigentlich immer vom Toten Pergament
gesprochen hat und es wird sich nie hier so ein Blatt Papier zwischen uns drängen.
Der geht hin und hält dann nochmal eine Rede, bevor er den Eid leistet,
die fast identisch ist mit dieser Rede von der Huldigungsfeier,
nämlich das Ja, sagt zu mir Ja.
Das greift er nochmal auf und sagt, ich sage Ja zu euch.
Und das ist ein heiliger Eid, den ich nicht brechen werde. Und das erklärt er
auch seinem Neffen gegenüber, 1853 brieflich, dem österreichischen Kaiser Franz Josef.
Euer Majestät wissen, dass die falschen Ansichten mich gezwungen hatten.
Eine miserable, französisch-moderne Konstitution zu beschwören. Vier Ausrufezeichen.
Enfant, es ist geschehen und mein Wort ist heilig. Und ich brech es nicht.
Ich kann, ich darf und ich will aber gerade mit der Hilfe der beschworenen Gesetze
aus demselben herauskommen.
Wenn Gott mir beisteht, was ich hoffe, so ersetze und töte ich die französischen
Ideologien durch echt deutsche ständische Einrichtungen.
Er kann es nicht lassen. Solange wir aber noch unter der französischen Konstitution
kränkeln, brauchen wir und vor allem bei den Befreiungsakten von derselben der Majoritäten.
Ja, das wird sich auch nicht mehr ändern.
Ja, vielleicht wo auch Franz Josef so seine Ideen her hatte.
Er hat sich vor seinem Onkel beeinflussen lassen. Ich glaube,
die Österreicher waren da konservativ genug.
Der hatte ja auch noch andere Probleme mit dabei. Der hat ja auch eine Verfassung erlassen.
War auch sehr unwillig.
Sehr unwillig und mit einem Parlament, wo dann viele Nationalitäten und Sprachen,
ohne Übersetzer kommunizieren sollten.
Er hat sich immer noch als in Gottes Aufgabe gesehen.
Ja, das auf jeden Fall. Und natürlich auch Friedrich Wilhelm wird,
anders als er das hier beschwört, so richtig da nicht mehr rauskommen.
Preußen wird ein Verfassungsstaat bleiben. Er hält Wort.
Das mit dem allgemeinen Wahlrecht, das kann man nochmal ändern.
Das wird dann bis 1918 in Preußen ein Drei-Klassen-Wahlrecht bleiben.
Und natürlich insofern, dass Preußen da ein ungeheures Stimmenübergewicht hatte,
wird es auch dann die Reichspolitik stark beeinflussen.
Aber es ist ein Verfassungsstaat. Er hat geschworen und er wird es nicht brechen
und auch seine Nachfolger nicht, auch wenn dann sein ein kleiner Bruder Wilhelm,
da man ein paar Jahre lang Stunk macht und das Parlament einfach ignoriert,
weil es ihm da das Heer nicht finanzieren wollte.
Das könnt ihr euch in der Irgendwas mit Bismarck-Doppelfolge nochmal anhören,
falls ihr die noch nicht kennen solltet.
Und im Grunde hat ein ganzes Staatsordnungsgefüge der junge Friedrich Wilhelm
als Kronprinz 1817 schon in einem Briefroman an seine Schwester Charlotte ihr quasi zum Abschied,
geschrieben ist. Ein Fragment ist nicht ganz zu Ende geschrieben.
So eine Traumwelt in der ein Prinz und Prinzessin und es gibt einen Aufstand,
der aber dann quasi von Engeln niedergeschlagen wird, damit die Ordnung wieder hergestellt wird.
Also das ist versetzt in so eine exotische Dschungellandschaft.
Nach die Königin von Borneo heißt es.
Aber im Grunde ist es das Heilige Römische Reich, wie er sich das erträumt.
Mit Ruhe und Ordnung und Frieden und wo das Volk in kindlicher Liebe an seinem Herrscherhaus hängt.
Eine ausgeklügelte Etikette dafür sorgt, dass jeder seinen Rang in einer fraglos
hingenommenen Hierarchie einnimmt,
in der die Architektur organisch sich in die Natur einfügt und die Hauptstadt
eine Vielzahl von Treppen und Terrassen hat und damit auch einen Spiegel der
gesellschaftlichen Hierarchie darstellt.
Und bei Architektur und organisch sich einfügen, da kommen wir vielleicht noch
kurz zu dem Thema, was Friedrich Willem, glaube ich, bis heute so hinterlassen hat.
Nämlich, wenn man Potsdam besucht vor allem, dann muss ich ganz klar sagen,
das sind einfach die schönsten Gebäude, die es da gibt.
Vor allem, wenn man sich vielleicht keinen großen Italienurlaub gerade leisten
kann, aber in 20 Minuten mit der S-Bahn von Berlin nach Potsdam,
das geht immer und dann ist da Italien und Terrassen und Treppen und Kirchtürme,
die sich in Gewässern spiegeln.
Zum Beispiel die Friedenskirche, die auf seine Initiative hin dort errichtet
wird und gerade im Revolutionsjahr ihren Abschluss findet und quasi ja sein Hauptversprechen war,
den Frieden zu erhalten und keine glorreiche Regierung anzustreben.
Das ist so in Stein gehauen, die Vision, wie offenbar sein Borneo oder sein
Siam, nämlich das kleine Schlösschen Charlottenhof, von dem Michael das letzte
Mal schon berichtet hat, das auch schon angedeutet ist.
Und ja, grundsätzlich nach der Revolution ist er aber doch ein ziemlich gebrochener Mann.
Also verlegt sich dann sehr viel aufs Zeichnen und aufs Planen seiner architektonischen Visionen.
Da zumindest kann er alleine mitbestimmen, wie das Ganze dann aussehen soll
und die Ordnung bestimmen, in der es entsteht.
Und ja, so ein bisschen diese traurige Stimmung würde ich dir gerne auch nochmal mitgeben.
Oder euch aus einem Abschiedsbrief, den er geschrieben hat.
Und zwar an den Herrn Radowitz, der ist in der Fluchtpunkt Paulskirche auch
schon mal untergekommen und der wird da nochmal vorkommen.
Weil er dann nochmal versucht, so ein bisschen was zu retten von dieser Nationalidee
und der preußischen neuen Rolle, die Preußen vielleicht in Deutschland spielen könnte.
Und dann aber auch, ja, das nicht klappt, weil Österreich das nicht will.
Das haben wir in der ersten irgendwas mit Bismarck-Folge auch schon mal besprochen,
wo dieser eine Schimmel ums Leben kommt.
Bei Bromzell und die Österreicher sagen, lasst es bitte mit dieser anderen Union,
sonst kriegen wir Probleme.
Und ja, da muss eben der Herr Radowitz, der für diese Union stand,
gehen. und da schreibt ihm Friedrich Wilhelm nochmal einen rührseligen Brief.
Als der hochselige König geendet hatte, war ich so traurig, weint ich so viel,
dass ich, um den Kopf oben zu behalten und meines Amtes leben zu können,
auf allerhand Versuche von Gedanken kam.
So versuchte ich einmal, um mir Trost und Mut zu geben, mir so recht tief ins
Gemüt zu rufen, nun, da bist du ja König.
Die Folge des Versuches war ein unerträglich brennender, geistiger Schmerz,
das ich ablassen musste, wie den Finger vom heißen Metall.
So versuchte ich heute, von Schwermut überwunden und zertreten wie damals,
mich aufzurichten, indem ich mir selbst zurief, nun bedenke doch,
den Frieden hast du sicher.
Und wie damals war der Gedanke für mich gerade der alleruntragbarste und ich
musste ablassen. Und doch gehöre ich, wie wenig Menschen zu den Friedfertigen.
Aber ach, das habe ich erfahren, das Ehrgefühl kann auch den Frieden zur Qual
machen. Drei Ausrufezeichen.
Nur Gottes Frieden nicht. Gott sei gelobt.
Zumindest daran kann er sich noch festhängen. Und das wird auch so bleiben,
auch zum Unmut anderer Teile in der Regierung oder in der Familie,
dass er sich im Krimkrieg da so durchlaviert und nicht wirklich Stellung bezieht.
Aber insofern, wenn man es positiv formulieren will, da noch ein paar Jahre
Frieden für Preußen rausholt.
Und Schliemann eine große Karriere ermöglicht.
Ja, auch das. Ja, natürlich.
Auf jeden Fall ist er, und das sagen viele Zeitgenossen nach 1948,
einfach nicht mehr der Alte. Der ist gebrochen.
Er ist jetzt quasi wirklich durchtraumatisiert und von Angst beseelt und zieht
sich zum Teil zurück. Zum Teil bei allem, was die aktuelle Politik betrifft,
scheint er sehr reizbar zu werden, immer wieder sehr unentschieden.
Schwankt so zwischen Sturm und Schwäche und Apathie.
Oder wie Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha meinte, dann fiel er körperlich
in sich zusammen, fuhr mit der Hand über die schweißbedeckte Stirn und sein
Antlitz nahm den Ausdruck Tiefenverfalls an.
Das Ende der Geschichte werden wir vielleicht irgendwann anders uns nochmal
anschauen. Was wahrscheinlich bekannt ist, ist, dass er dann krank wird.
Ab 1857, also er kriegt offenbar mehrere Schlaganfälle,
dann geht es ihm mal wieder besser, dann wird es wieder schlimmer,
dann gibt es Wortfindungsstörungen und es wird dann relativ schnell klar auch,
er kann selbst eigentlich nicht mehr die Regierungsgeschäfte führen und dann
übernimmt der kleine Bruder Wilhelm erstmal für drei Monate und dann wird das
immer wieder verlängert,
bis dann schon ein Jahr lang er eigentlich der Prinzregent ist und dann,
ja man sagt so, solange er noch unterschreiben kann selbst.
Soll das jetzt dauerhaft machen und dann macht er aber nochmal eine Italienreise.
Ich glaube, das werden wir dann irgendwann mal so als Sommerfolge vielleicht uns nochmal angucken.
Wer hat ja dann mehrfach auch Italien besucht und da Briefe geschrieben,
voller Begeisterung, die dann vielleicht ein bisschen optimistischer sind als
das, was wir uns hier heute angeguckt haben.
Aber das heißt auch, am Ende stirbt er 1861, am 2.
Januar, und wird dann eben in der Friedenskirche in Potsdam,
seiner Lieblingskirche, die er selbst sich geplant hat, beigesetzt.
Und er hat natürlich auch im Testament schon geschrieben, was dann auf seinem Grabstein steht.
Meine Ruhestätte soll die Friedenskirche sein, und zwar vor den Stufen,
die zum Heiligen Tisch führen, so dass einst die Königin zu meiner Rechten ruht.
Gerade über meiner Ruhestätte flach, ohne Erhöhung über das Pflaster der Kirche,
soll ein Ablongum in weißem Marmor, ähnlich der beiden Platten im Mausoleum
zu Charlottenburg, angebracht werden, auf welchem in Metall oben das Monogramm
Christi dann die Inschrift stehen soll.
Hier ruht in Gott seinem Heilande in Hoffnung einer seligen Auferstehung und
eines gnädigen Gerichts, allein begründet auf das Verdienst Jesu Christi unseres
allerheiligsten Erlösers und einigen Lebensweiland und so weiter und so weiter.
Und dann wurde es natürlich ergänzt, König Friedrich Wilhelm IV., geboren den 15.
Oktober 1795, gestorben den 2.
Januar 1861 und,
21. Jahre seiner glorreichen Regierung.
Wie das Wort da reingekommen ist, wüsste ich dann doch auch noch gerne.
Denn das hat er von Anfang an gesagt.
Glorreiche Regierung will er nicht, weil das heißt Krieg. Und Krieg passt nicht
in sein harmoniebedürftiges Weltbild.
Aber Regierung ist auch schon... Regierung, ich dachte, es stellt sich eher an Regierung.
Gut, er ist ja der Regent.
Weil es müsste ja Herrschaft sein.
Ich glaube, das ist aber ein normaler Text, der ist nicht so ausgefallen,
aber dass da glorreich steht, finde ich, da hätten sie aber nochmal seine Huldigungsrede
vorher lesen sollen, dass es eigentlich genau das ist, was er nicht wollte.
Und er ist der einzige Hohenzoller, den ich kenne, wo es eine getrennte Bestattung
gab. Weißt du, was das ist?
Ja, da sind die Organe woanders als der Körper.
Genau, in dem Fall das Herz vor allem. Und hast du eine Idee,
wo das Herz wohl gelandet ist?
In Italien.
Nein, der hat vielleicht auch schön gewesen. Sein Körper ist ja quasi in Italien,
in der Friedenskirche in Potsdam. Das ist ja sein kleines Italien.
Im Kölner Dom.
Auch das eine interessante Idee, aber nein, das Herz wurde beigesetzt bei seiner
Mama im Mausoleum in Charlottenburg.
Bei der Königin Luise. Da ist die Urne mit dem Herzen.
So und kommen wir zum Abschluss nochmal zurück zu der Beurteilung,
die dann spätere Historiker getroffen haben.
Wir haben am Anfang schon ein Beispiel genannt von Herrn Treitschke und nachdem,
wie du jetzt so ein bisschen gehört hast, was Friedrich Wilhelm so bewegte oder
eben auch nicht, was könnte da wohl das Urteil von Herrn Treitschke sein?
Was war Friedrich Wilhelms Problem?
Warum er im Sinne einer zielgerichteten Geschichte auf die deutsche Nation etc. es zu nix gebracht hat.
Ja, weil er sich auf das Gottesgnadentum fokussiert hat.
Ja, das ist dann quasi der sichtbare Teil jetzt am Ende gewesen.
Aber grundsätzlich, sagt Herr Treitschke, es war eine weiche,
weibliche Natur, die wohl in Ekstase geraten, aber nicht fest zupacken konnte.
Er blieb Zeit seines Lebens, der ewige Jüngling, der mit Ideen spielte,
statt mit der harten Realität der Macht zu rechnen.
Ja, ich hatte vergessen, dass es Heinrich von Treitschke ist und kein ernstzunehmender Historiker.
Ja, genau. Leider haben sehr lange Zeit viele Leute ihn als ernstzunehmender Historiker gesehen.
Und er wird natürlich auch regelmäßig immer noch zitiert, wenn es um diese Epoche
geht, weil er der Zeitgenosse ist und dann noch so ein bisschen….
Wenn er einfach ein alter, garstiger Mann war.
Der Texte geschrieben hat, die ich nicht zitieren möchte. Das könnt ihr,
glaube ich, alle verstehen, nachdem ihr,
hoffentlich, wahrscheinlich nicht zum ersten Mal die Flur von Geschichte hört
und schon viele Folgen mitbekommen habt, vielleicht von Zollweig,
was das eigentlich bedeutet, wenn jemand von der weiblichen Natur spricht und
wie das gemeint ist. Die in Ekstase gerät.
Gott sei Dank hat er nicht hysterisch gesagt.
Ja, ich kann es gerade sagen. Ein Wunder, dass er nicht Hysterie gesagt hat.
Ich habe das meinen, der aber.
Den anderen Kommentar finde ich dann schon wieder treffender.
Er sagt dann noch, Auch seine Reden waren wie glänzende Raketen,
die einen Augenblick den Himmel erhellten, um dann als kalte Kohle zur Erde zu fallen.
Er redete sich um seine Autorität.
Wie Heinrich von Dreitsch.
Ja, das auch. Und Herr Siebel, gleiche Epoche, anderer Historiker,
sagte noch, Friedrich Wilhelm IV.
Besaß die gefährliche Gabe, sich selbst über seine Absichten zu täuschen.
Er hielt seinen Stasien für Treue gegen Gott und seine Unentschlossenheit für Demut.
Ja, es sind harte. Harte Urteile, die die Nationalhistoriker… Das ist der deutsche nationale Geist.
Der duldet keine weibische Schwäche.
Jetzt könnte ich mir schon wieder irgendwo hinbeißen, weil ich vergessen habe,
mir Herrn Ranke hier noch einzukopieren.
Ja, den liefert vielleicht nochmal nach, dann im Nachklapp womöglich,
den ihr ja hören könnt. Und wenn ihr zu unseren ganz treuen Hörern gehört,
die diesen Podcast hier überhaupt erst möglich machen durch ihre finanzielle Unterstützung.
Und da sind neu hinzugekommen Kira und Katja. Vielen Dank dafür.
Und außerdem bekamen wir auch nochmal besondere Unterstützung über Kofi.
Das ist die andere Plattform, wo man das nicht unbedingt regelmäßig machen muss,
sondern einfach, wenn man gerade das Gefühl hat, so das war eine tolle Folge
und ich möchte mehr davon.
Und da bekamen wir nochmal einen extra Energieausgleich, so hat es sie bezeichnet,
von Christina, die uns auch noch regelmäßig unterstützt.
Und ich glaube, sie bezieht sich damit darauf, dass sie bei der Führung mitgemacht
hat, damals im Museum, die halt doch ein bisschen länger war.
Und außerdem vielen Dank Roland, auch für deine Unterstützung. Herzlichen Dank dafür.
Und das heißt, euch hören wir vielleicht dann bald gleich nochmal im Nachklapp.
Eine Sache muss ich hier noch nachtragen.
Es gibt nämlich im 19. Jahrhundert noch ein Domfest.
Noch ein?
Ja, da habe ich jetzt aber keine Quellen dabei, keine Angst.
Ich möchte es nur vergleichen mit den beiden Domfesten, über die wir gesprochen haben.
Insbesondere natürlich mit dem
ersten, denn es gibt noch das Domfest zur Fertigstellung der Kathedrale.
Und das Fest läuft unter ganz anderen Vorzeichen. Das ist nämlich 1880.
Da kommt dann der kleine Bruder Wilhelm und hat wahrscheinlich noch Bismarck im Schlepptau.
Und beide zusammen oder wer auch immer jetzt da den Aufschlag gegeben hat,
hatten sich ja doch auch zwischendurch da mehrere inländische Feinde ausgeguckt.
Und das heißt, wir sind da mitten im Kulturkampf, in dem also jetzt der deutsche
Kaiser nach Köln kommt, um den Dom einzuweihen.
Der Erzbischof, das ist dann damals Paulus Melchers, wurde abgesetzt auf Grundlage
des Kanzelparagraphens. und weil er seine diversen Strafbefehle nicht bezahlen
wollte, hat man ihn dann festgesetzt als Ersatz.
Das Domkapitel wird nicht beteiligt an den Vorbereitungen dieses Domfestes.
Es ist quasi ein reiner Staatsakt.
Der Dankgottesdienst findet in der evangelischen Trinitatis-Kirche statt.
Die Katholiken können dann nebenbei ihren eigenen Gottesdienst da im Dom ein
bisschen feiern. Dann kommt der Kaiser.
Die Begrüßungsrede für den Kaiser muss zur Genehmigung vorgelegt werden,
damit auch ja keine falschen Sachen gesagt werden.
Und zum Abschluss singen alle gemeinsam nun danket alle Gott.
Und jetzt werden wahrscheinlich wieder alle singen, ja und? Und so ein schönes
Lied, oder wenn man es überhaupt kennt.
Aber das ist so der evangelische Schlager schlechthin und der Preußenschlager schlechthin.
Also das haben schon die Soldaten in der Schlacht von Leuten gesungen unter
Friedrich dem Großen, als sie überraschenderweise gewonnen hatten.
Nun danket alle Gott, dass es immer das, was kommt, wenn der König irgendwas Schönes gemacht hat.
Oder der Kaiser in dem Fall. Aber nichts, was Katholiken damals auch nur im
Entferntesten über die Lippen käme.
Und deswegen hat auch der Zentrumspolitiker Julius Bachem damals,
sehr populär in Köln, empfohlen, man solle doch bitte würdige Zurückhaltung
halten bei diesen Festivitäten.
Und da hat sich der Klerus dran gehalten. Der kommt quasi gar nicht zu diesem Fest.
Allerdings die Kölner haben natürlich Bock irgendwie zu feiern,
wenn es da was Gratis gibt zwischendurch.
Und es gab tatsächlich sogar eine Anzeige damals in der Kölner Zeitung,
zur würdigen Zurückhaltung 200 Fenster zu vermieten,
damit man da sich quasi ohne Eintritt für die Tribünen zahlen zu müssen,
oben an so einem Fenster mit gutem Blick dann anschauen kann.
Also die Kölner haben einfach gefeiert.
Auch wenn es eigentlich hätte würdige Zurückhaltung geben sollen.
Ja, das ist ein ganz anderer Geist, in dem das Jahrhundert dann endet.
Und da muss man so sagen, dann doch lieber Friedrich Wilhelm.
Ist traurig war auch nicht mehr da.
Eingeladen anwesend.
Also Österreich war dann auch nicht mehr da. Stimmt, natürlich.
Der Franz Josef ist nicht gekommen oder wer auch immer der Staatsminister zu dem Zeitpunkt war.
Es war eine etwas andere Stimmung. Also ich wäre dann lieber 1842 dabei gewesen.
Da war irgendwie das Ganze ein bisschen launiger.
So, die Folge ist natürlich hier auch deutlich länger geworden,
als es eigentlich geplant war.
Nichtsdestotrotz wird es den Nachklapp geben. Der fällt dann vielleicht ein
bisschen kürzer aus, weil wir schon ziemlich viel jetzt hier hatten.
Und wir freuen uns, wenn ihr dabei bleibt. Es war, glaube ich,
jetzt für längere Zeit erstmal die letzte Folge, die das 19.
Jahrhundert betrifft, oder?
Ja.
Okay. Also es gibt noch andere Epochen und andere Regionen womöglich der Welt,
in die wir nochmal schauen.
Ich muss sagen, Entschuldigung, ich war noch am Lernachdenken.
Ich will nichts Falsches versprechen.
Das heißt ja nicht, dass nie wieder 19. Jahrhundert kommt, aber ihr müsst jetzt
keine Angst haben, das ist nicht das Hauptthema des Jahres. Das war jetzt mit FW4 vorerst.
Zumindest in diesem Podcast.
Wer mehr braucht und beim Leiden zuhören möchte, kann dann weiter Flurfunk Paulskirche
folgen. Das müsst ihr extra abonnieren, bitte.
Und auf jeden Fall zur Ergänzung natürlich die aktuelle Folge,
die dann aus der anderen Perspektive quasi, die nach Berlin kommen und da auch
nochmal ihre Hoffnung auf diesen Mann setzen mit einem Missverständnis letzten Endes.
So, ich hoffe, wir haben kein Missverständnis zwischen uns und von uns zu euch.
Es ist toll, dass ihr uns hört. Vielen Dank dafür. Nochmal vielen Dank an Kira und Katja und bis bald.
Tschüss.
Ciao.
Unsere Kinder sind unsere Schätze. Und unsere Augen rollen voll Zufriedenheit und...
Was?
Gilt es nicht, dass die Augen voll Zufriedenheit rollen?
Oh nein, das dauert jetzt noch eine Stunde.
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