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Dein Geschichtspodcast mit Daniel und Solveig

FG070 – Ptolemaios und das Erbe Alexanders

18.06.2026 123 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie wird man eigentlich König eines Reiches, mit dem man weder verwandt ist noch ursprünglich etwas zu tun hatte? Solveig nimmt uns mit zu Ptolemaios I., einem von Alexanders Feldherren, der nach dessen Tod nicht nur Ägypten an sich riss, sondern auch den einbalsamierten Leichnam Alexanders kurzerhand vereinnahmte – und so die langlebigste aller Diadochendynastien schmiedete. 

Diese Folge ist zugleich der Auftakt zu einem kleinen Ptolemäer-Schwerpunkt: Während wir hier mit dem ersten Ptolemäer beginnen, endet Solveig auf YouTube mit der letzten Ptolemäerin. Ihr kommendes YouTube-Video widmet sich Kleopatra und ihrer Rezeptionsgeschichte – also der Frage, was spätere Jahrhunderte aus ihr gemacht haben und was das über uns selbst verrät. Unbedingt jetzt schon abonnieren und reinschauen!

Von Makedonien bis Indien: Alexander der Große

Ohne Alexander lässt sich Ptolemaios nicht erzählen – „am Anfang war Alexander", wie Solveig sagt. Makedonien galt den übrigen Griechen lange als halbbarbarischer Außenseiter: Königsherrschaft statt Polis, ein schwer einzuordnender Dialekt und die Unsitte, den Wein unvermischt zu trinken. Erst Philipp II. machte daraus durch Militärreformen eine Großmacht und versprach einen Rachefeldzug gegen die Perser. Nach seiner Ermordung 336 v. Chr. übernahm sein Sohn Alexander mit rund 20 Jahren.

Alexander besiegte das Heer von Dareios III. in den Schlachten bei Issos (333) und Gaugamela (331), ließ sich im Orakel von Siwa als Sohn des Ammon begrüßen und zog bis an den Indus. Wichtig ist Solveig dabei: Die schiere Größe des Reiches war weniger eine eigene Leistung als das Ergebnis der Übernahme des bestehenden persischen Satrapien-Systems – oft genügte es, wenige Statthalter für sich zu gewinnen. In seinen letzten Jahren band Alexander persische Eliten ein und übernahm persisches Hofzeremoniell wie die Proskynese, was bei den Makedonen auf erheblichen Widerstand stieß und in der Massenhochzeit von Susa (324) gipfelte.


Alexander starb 323 v. Chr. in Babylon, erst etwa 32 Jahre alt – ob durch Krankheit, Erschöpfung oder Gift, ist bis heute unklar. Solveig stellt bewusst zwei Quellen nebeneinander: Diodor, der das Ende dramatisch zuspitzt (samt der berühmten, wohl erfundenen Szene, in der Alexander das Reich „dem Stärksten" vermacht), und den nüchterneren Arrian, der als zuverlässigster Alexander-Historiker gilt.

Die Diadochen und der Griff nach Ägypten

Nach Alexanders Tod blieben nur nominelle Könige – sein nachgeborener Sohn Alexander IV. und sein Halbbruder Philipp III. –, während die Diadochen je eine Satrapie verwalteten. Ptolemaios griff früh und gezielt nach Ägypten: ein außerordentlich reiches Land, das durch seine Geografie – nur ein schmaler Zugang über den Sinai – leicht zu verteidigen war. Während sich die übrigen Diadochen um den Rest balgten, hielt er sein Kerngebiet kontinuierlich.
Die Idee vom geeinten Großreich zerbrach rasch: Alexander IV. und Roxane wurden um 310 ermordet, beim Diadochenfrieden 311 bekam jeder, was er hielt, und ab 306/305 ließen sich die Diadochen nacheinander zu Königen ausrufen – bezeichnenderweise nicht mit Krone, sondern mit dem schlichten Diadem. Zur Legitimation beriefen sie sich auf das „speergewonnene Land" und zunehmend direkt auf den rasch vergöttlichten Alexander.

Der geklaute Leichnam

Ptolemaios' genialster Schachzug war wörtlich zu nehmen. Alexanders einbalsamierter Körper sollte in einem prunkvollen Goldwagen zur Oase Siwa überführt werden; Ptolemaios zog dem Zug entgegen, übernahm den Leichnam und leitete ihn kurzerhand nach Ägypten um – zunächst wohl nach Memphis, schließlich nach Alexandria. Damit verankerte er seine Herrschaft im Erbe Alexanders. Über das Mausoleum (das Sema) kamen über Jahrhunderte regelrechte Pilgerströme – bis hin zu Caesar und Augustus. Das Grab ist heute verschollen.


Alexandria: Leuchtturm, Bibliothek und Kulturpolitik


Ptolemaios baute Alexandria zum Zentrum der hellenistischen Welt aus: den Leuchtturm (Pharos), eines der Sieben Weltwunder, die Bibliothek von Alexandria mit dem Museion als Forschungsstätte und das Serapeion. Mit dem Serapis-Kult schuf er eine Gottheit, die ägyptische und griechische Vorstellungen verband. Die Herrschaft blieb dennoch klar griechisch geprägt: Ägypter waren von Verwaltungsämtern ausgeschlossen.

Eine erstaunlich langlebige Dynastie

Von allen Diadochenreichen hielten sich die Ptolemäer am längsten: knapp 300 Jahre. Die später übernommene Geschwisterehe ordnet Solveig ein – sie wurde wohl überwiegend repräsentativ geführt. Erst mit Kleopatra VII. endete die Dynastie in römischer Abhängigkeit.
Darüber legt sich eine größere Frage, die Solveig und Daniel offen diskutieren: Erzählen wir uns die Antike zu gern als großen, dramatischen Niedergang? Am Beispiel der Bibliothek von Alexandria – deren populäre Brandgeschichte heute als fragwürdig gilt – wird deutlich, dass vieles in der Geschichte nicht mit einem Knall, sondern langsam geschieht. Und ob etwas „Niedergang" oder bloß Veränderung ist, entscheidet oft erst der Rückblick.

Verwandte Folgen & mehr
Diese Folge ist Teil unseres Ptolemäer-Schwerpunkts. Im Nachklapp für unsere Steady-Unterstützer:innen wird es außerdem um die besondere Beziehung zwischen Alexander und Hephaistion gehen.


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Transkript

Daniel
00:00:00
Du hast eine sehr schöne Nase, Solveig.
Solveig
00:00:04
Die ist ein bisschen lang.
Daniel
00:00:05
Die ist ein bisschen lang. Ich finde, die ist optimal. Die Nase. Die muss ja wirklich schön gewesen sein. Es geht heute offenbar nicht um Nasen. Na gut. Hallo Solveig.
Solveig
00:00:42
Hallo Daniel.
Daniel
00:00:44
Die Nase ist das Einzige, was mit dem Thema einfällt, das du heute offenbar behandeln möchtest. Wobei mir bewusst ist, dass es nicht um die eine schönste in Stutenmilch badende und langnasige Königin von Ägypten geht, sondern um eine ganze Dynastie, die du uns glaube ich näher bringen möchtest.
Solveig
00:01:08
Den Dynastiebegründer.
Daniel
00:01:10
Den Dynastie begonnen, also einen.
Solveig
00:01:11
Einen.
Daniel
00:01:12
Ach so, okay.
Solveig
00:01:13
Beziehungsweise sagen wir es mal so, es geht heute darum, wie diese Dynastie begonnen hat und deren Ende behandeln wir dann in einem anderen Kontext.
Daniel
00:01:23
Aha, von dem wirst du gleich noch ganz viel berichten.
Solveig
00:01:26
Hoffentlich.
Daniel
00:01:26
Ich bin schon sehr aufgeregt. Und vorher aber natürlich willkommen euch allen zu dieser neuen Folge von Flurfunkgeschichte. Und diesmal begrüßen wir insbesondere Katrin, Janina, Jörg, Maria, Johannes, Claudia, Stefanie, Matze und Corinna, die uns seit Oedipus oder vielleicht auch schon ein bisschen früher auf Steady unterstützen. Und Maria, wenn ich es richtig im Kopf habe, ist die gleiche Person, die uns auch eine E-Mail geschrieben hat.
Solveig
00:01:55
Hast du die auch bekommen? Ja, die habe ich auch bekommen.
Daniel
00:01:57
Die war sehr schön, allein schon der Betreff. Schön, dass es euch gibt. Wir finden das auch sehr schön, dass es dich gibt, Maria. Und überhaupt euch alle, die ihr uns hört. Und Maria hat dann auch gesagt, sie hat uns erst kürzlich entdeckt. Und sofort unterstützt. Und hat jetzt nicht nur etliche Stunden, wie sie sagt, viele weitere Stunden Flurfunkgeschichte noch vor sich. Guck mal, die kann das ganz neu hören. Die hat es noch nie gehört. Wahnsinn. Und da muss ich doch gleich nochmal nachgucken. Es ist ja auch schon wieder ein Jahr rum, seit ich das letzte Mal die Statistik so angeguckt habe, was das angeht. Maria, es stehen dir bevor. Ich weiß ja natürlich nicht, wie weit du schon bist. Aber alle, die uns gerade vielleicht zum ersten Mal hören, hätten noch die Chance, jetzt ganz frisch quasi die letzten vier Jahre Flurfunk-Geschichte nachzuhören. Und da kann man nonstop mittlerweile vier Tage, zwei Stunden Flurfunk-Geschichte hören. Und wenn es unbedingt sein muss und ihr das wirklich wollt, so wie Maria auch, dann gibt es ja noch Flurfunk-Paulskirche. Für die, die sich so richtig mal mit parlamentarischen Diskussionen zur Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigen möchten. Die Fluffung Paulskirche umfasst mittlerweile auch 13 Stunden. Und unser Nachklapp, den wir allen zur Verfügung stellen, die uns regelmäßig bei Steady unterstützen, das sind tatsächlich mittlerweile auch sage und schreibe 12 Stunden, die man sich da anhören kann. Und da gab es bei der letzten Nachklapp-Folge tatsächlich zwei Kommentare, die gesagt haben, das ist mir hier zu viel Bonus mittlerweile.
Solveig
00:03:29
Aber es ist doch nur einer pro Folge.
Daniel
00:03:31
Es ist nur eine pro Folge und ich glaube, es ist natürlich jetzt bei Spotify-Feed, sieht man alle Folgen in der Abfolge. Immer die reguläre Folge und den Nachklapp und dann ist natürlich, sieht das sehr viel bonusmäßig aus. Aber ich möchte nochmal betonen, der Bonus ist einfach ein Dankeschön für alle, die uns unterstützen. Unsere regulären Folgen, so wie diese, werdet ihr jetzt und immer da kostenfrei natürlich hören können. Und da sollte sich bitte niemand ausgeschlossen fühlen, wenn dazwischendurch noch die rosa Cover auftauchen mit Bonus davor. Das ist einfach so ein Nebenaspekt zu dem aktuellen Thema, das wir quasi noch nachschieben und wo eher ungeplanter Maßen die ein bisschen länger geworden sind auch in der Regel, insbesondere letztes Mal, weil du dir das so vorgenommen hattest, einfach einen, komplexen Themenbereich nochmal dahin zu verschieben. Aber ja, im Grunde. Ist es immer nochmal eine kleine Vertiefung oder eben ein Seitenaspekt, den wir da anschauen und wie gesagt einfach unser Dankeschön, für eure großzügige Unterstützung, die hier das Hosting finanzieren und vielleicht mal ein neues Mikro demnächst oder, anderes Equipment, das vielleicht Zollwerk insbesondere braucht, da sie ja neuerdings sich auch filmt, während sie uns ein Thema nahe bringen möchte. Und da wird es heute auch ein bisschen vielleicht noch drum gehen, was euch da noch davor steht, denn es wird immer wärmer in der Jahreszeit und das haben wir schon angekündigt. Je wärmer es wird, desto näher rückt eine neue Video-Veröffentlichung.
Solveig
00:05:07
Wir zeichnen uns ja immer vorher auf, deswegen können wir jetzt nicht versprechen, wie das Wetter jetzt gerade ist.
Daniel
00:05:13
Ja gut, also generell jahreszeitlich wärmer, warm genug sollte es sein. Ende Juni.
Solveig
00:05:19
Ende Juni.
Daniel
00:05:20
Ja. So, was ist denn jetzt hier mit dem, was du tatsächlich nasenfrei präsentieren möchtest? Nasenfrei sind die nicht.
Solveig
00:05:27
Die haben schon Nasen gehabt.
Daniel
00:05:28
Ja.
Solveig
00:05:29
Wie weit jetzt ihre...
Daniel
00:05:30
Einfach immer nur Asterix im Kopf, ich bin halt eher so populär drauf.
Solveig
00:05:33
Ja, ich weiß auch gar nicht, wie sie auf die Nase gekommen sind.
Daniel
00:05:36
Wahrscheinlich, weil dem Sphinx, der Sphinx, die fehlt.
Solveig
00:05:39
Ja, wahrscheinlich so. Ja, wir sprechen heute über, ja du hast es schon angesagt, ich habe es dir auch so angekündigt. Du hast immer die Ptolemäer gesagt. Ja, ich weiß, ich habe dich gerügt, obwohl du nur das getan hast, was ich gesagt habe.
Daniel
00:05:51
Mehr Infos habe ich ja nicht.
Solveig
00:05:54
Also wir sagen mal so, dieser Monat dreht sich um mehrere Ptolemäer, aber heute geht es erstmal um den ersten Ptolemäer. Und das ist Ptolemaios der Erste. Und später geht es noch um die letzte Ptolemäerin, meine vorletzte.
Daniel
00:06:08
Okay, das klärst du dann später.
Solveig
00:06:09
Und diese Folge ist tatsächlich mal ein Wunsch gewesen, beziehungsweise in Teilen. Es hat sich ja jemand mal, ich habe natürlich vergessen, wer es ist, weil Namen sind für mich auch nur Illusionen. Auf jeden Fall, jemand hat sich vor einiger Zeit die Diadochen gewünscht.
Daniel
00:06:25
Die Diadochen. Das sind nicht die Ptolemäer?
Solveig
00:06:28
Ne, doch.
Daniel
00:06:28
Achso, okay. Achso, das sind diese geduldete Könige, die dürfen noch ein bisschen König spielen in römischen Provinzen.
Solveig
00:06:37
Nein, also ja, aber Ptolemaeus ist einer der Diadochen.
Daniel
00:06:40
Also bei Diadochen heißt es doch, dass es innerhalb des großen römischen Reiches ist?
Solveig
00:06:46
Nein.
Daniel
00:06:46
Nein, okay.
Solveig
00:06:47
Also ja, aber nein.
Daniel
00:06:48
Okay, dann mach doch einfach weiter.
Solveig
00:06:51
Die Römer sind erst später.
Daniel
00:06:52
Okay.
Solveig
00:06:53
Sind Griechen.
Daniel
00:06:54
Ja.
Solveig
00:06:55
Und die Diadochen haben was mit einer Person zu tun, die auch ein Großreich geschaffen hat und zwar von den Römern.
Daniel
00:07:02
Ich glaube, das ist die Person, über die wir, ich wollte gerade sagen, gelästert haben, aber du hast ja nicht gelästert, sondern über die andere Leute gelästert haben, dass sie für den Untergang der griechischen Kultur letztlich verantwortlich war, indem sie da orientalische Dinge hineingefügt hat. Aber gleichzeitig das größte Reich, das man so kennt, kannte, bis dato regierte. Zumindest ziemlich weit gekommen.
Solveig
00:07:25
Von Griechenland aus. Von Griechenland aus. Wie heißt er denn?
Daniel
00:07:28
Oder Makedonien? Ist das der Alexander?
Solveig
00:07:30
Das ist der Alexander.
Daniel
00:07:31
Der ganz große.
Solveig
00:07:32
Der große Alexander. Und mit dem steigen wir auch ein. 232 stirbt Alexander, nämlich in Babylon. Und jetzt muss man natürlich erstmal klären, was macht der in Babylon, wenn er doch eigentlich König von Makedonien ist. Und deswegen dachte ich, gehen wir einmal ein bisschen die Alexandergeschichte durch, um dann zu verstehen, wo Ptolemaios überhaupt herkommt und warum der auf einmal König ist. Und was die Römer damit zu tun haben, werden wir heute wahrscheinlich nicht schaffen.
Daniel
00:07:56
Achso.
Solveig
00:07:57
Das kommt ja später.
Daniel
00:07:58
Die sind auf jeden Fall da, wenn dann die besagte letzte Antritt.
Solveig
00:08:01
Genau, für sie sind die ein Thema, für Ptolemaios sind die noch kein Thema. Also wie gesagt, 332 vor Christus gibt es Rom natürlich schon. Die sind auch schon dabei, Weltmacht zu werden. Sie haben sich da auch ihr kleines Thema mit Kartago, aber da wo wir jetzt uns aufhalten im östlichen Mittelmeerraum, sind sie noch nicht. Das dauert noch ein bisschen, noch so 150 Jahre ungefähr. Vielleicht zu Alexander. Wie gesagt, wir steigen erstmal mit ihm ein. Und Alexander wird 356 in Pella geboren. Das ist die Hauptstadt von Makedonien. Und sein Vater ist der makedonische König Philipp II. Und obwohl er der Zweite ist, ist er eigentlich der erste richtige mächtige König. Und im Grunde auch so, wie gesagt, nicht der wirkliche Begründer von Makedonien, aber der Begründer dieser großen, dieses Königreich ist, dass die wirklich militärisch auch was darstellen. Vorher war das halt auch so ein Klumpatschladen, aber Philipp hat es halt einmal aufgebaut mit Militärreform etc.
Daniel
00:09:03
Kannst du dann noch mehr zu sagen zu diesem Verhältnis, was ist Makedonien und was ist Griechisch oder so? Das scheint ja heute auch noch ein Thema zu sein, bis dahin, dass man andere Staaten nötigt, ihren Namen zu ändern.
Solveig
00:09:15
Und man ist dann zwar nur Nordmazedonien, aber trotzdem. Genau, Makedonien ist so ein bisschen, das ist so eine Sonderstellung. Also zum einen sind sie Könige, das ist schon besonders im griechischen Raum, das mögen die Griechen nämlich eigentlich gar nicht. Und man ist sich bis heute auch nicht so richtig sicher mit diesem Makedonisch, was die damals gesprochen haben, ob das nur in Anführungszeichen nordgriechischer Dialekt war oder doch tatsächlich eine eigene Sprache, also dass sich das so weit entfernt hatte vom Griechischen, dass sie wirklich als eigene Sprache gilt, das ist nicht so ganz klar. Ich glaube, das liegt daran auch, dass so makedonische Textquellen nicht so vorhanden sind. Wie gesagt, sie sind Königsherrschaft, keine Polis und die Griechen trinken ihren Wein gemischt. Das haben wir schon mal drüber gesprochen.
Daniel
00:09:59
So tut das ein zivilisiertes Volk.
Solveig
00:10:01
Genau, man mischt da Wasser rein, man macht da noch ein paar Gewürze rein und die Makedonen machen das nicht. Die trinken ihren Wein unvermischt, was für die Griechen tatsächlich so ein Riesenthema ist. Und eben warum die Makedonen auch immer so als Halbbarbaren noch abgetan werden. Also sie sprechen nicht richtig Griechisch, sie sprechen so ein komisches Fusselgriechisch und sie trinken ihren Wein unvermischt.
Daniel
00:10:19
Das klingt schon nach Barbaren.
Solveig
00:10:20
Ja, und dann sind sie da auch da im Norden von Griechenland, wo das Wetter jetzt vielleicht auch nicht so warm ist. Also es ist halt, sind auch ein bisschen so an der Peripherie. Also sie sind irgendwie, also im Studium haben sie immer das so schön genannt, das sind halt so die Cousins, die gehören irgendwie dazu, aber so richtig spielen mag man mit denen auch nicht. Also die sind irgendwie strange. Mensch, wie gesagt, die haben bislang auch irgendwie da so vor sich hingemuckelt und jetzt Philipp II. hat eben große militärische und wirtschaftliche Reformen durchgezogen, wodurch Makedonien jetzt tatsächlich als Königreich ein Player geworden ist. Und Philipp II. hat dann eben auch so ein bisschen zur Herrschaftslegitimation, vielleicht auch so ein bisschen, um zu zeigen, wir sind hier auch richtige Griechen und wir machen hier richtig mit, hat einen Perserkrieg versprochen. Weil die Perserkriege unter Xerxes sind so knapp 150 Jahre her. Da sind ja eben persische Booten gekommen. Jeder, der 300 gesehen hat, hat vielleicht jetzt eine gewisse Szene vor Augen. Der Film ist jetzt nicht unbedingt historisch authentisch, aber diese Szene ist glaube ich jedem im Kopf, wie, dieser persische Bote dann in dieses Loch getreten wird also es sind laut Quellen persische Abgesandte gekommen nach Griechenland, nach Athen, nach Sparta und haben gesagt, so, ihr gebt jetzt bitte Wasser und Erde an uns, weil wir werden euch jetzt unterwerfen, und dann müsst ihr halt uns Tribut zahlen weil wir sind die Perser und wir bauen gerade ein Großreich auf.
Daniel
00:11:46
Weil wir sind die Perser Ja.
Solveig
00:11:49
Und die hatten tatsächlich auch schon Kleinasien vollständig erobert und standen jetzt vor der Tür und meinten, also ihr könnt euch jetzt friedlich unterwerfen und einfach Wasser und Erde geben als Symbol und dann zahlt ihr halt alle einmal im Jahr Tribut und ansonsten lassen wir euch in Ruhe. Oder wir machen Krieg. Und da haben die Athener und die Spartiaten und etc. Gesagt, nee, dann machen wir Krieg. Also da gibt es eben diesen schönen Satz aus Sparta angeblich, kommt und holt sie euch. Und das hat Xerxes dann gemacht. Hat dann nicht geklappt, also man hat die Perser dann ja tatsächlich zurückgeschlagen, haben die Perserkriege gewonnen, das ist ja auch so ein Mitbegründer, überhaupt auch der griechischen Identität in dieser Zeit. Aber es gibt eben, man hat sie eben nicht zurückgeschlagen in dem Sinne, sondern hat man einfach, man hat ihre Expansion gestoppt. Das heißt, Kleinasien ist weiterhin persisch. Und jetzt ist das persische Großreich nicht ein zusammenhängender Staat, sondern es ist ähnlich wie Rom in Provinzen aufgeteilt. Die Provinzen heißen nur hier Satrapien. Und eine Satrapie ist eben ein persischer Herrschaftsbereich, wo es dann auch einen Zuständigen gibt. Das ist der Satrap. Und gemeinhin wird das eben beschrieben, dass die relativ wenig vor Ort eingegriffen haben, sondern es ging eigentlich immer nur darum, Tribut nach Babylon zu bringen. Ja, ich würde schon sagen.
Daniel
00:13:10
Es klingt ja so, dass das eigentlich dann wahrscheinlich oft so gelaufen ist, wie das, was sie gerade den Griechen noch angeboten haben. Also ihr könnt eigentlich weiter euer Ding machen. Hauptsache ihr sagt, wir sind Chef und zahlt.
Solveig
00:13:20
Und es wird sicherlich da auch eine Verschmelzung gegeben haben von Kultur und sicher die Elite wird dann auch persisch geworden sein, aber man hat die Leute meistens einfach machen lassen und es hat sich für die Bevölkerung in dem Sinne nichts geändert, nur die Person, an die man jetzt vielleicht Tribut zahlt, ist halt eine andere Person. Und durch dieses Satrapiesystem ist dieses Perserreich einfach auch so gigantisch groß geworden, weil man das eben relativ einfach mit diesen ganzen Satraben dann beherrschen kann. Und Philipp sagt jetzt eben, ja, wir haben jetzt unsere griechischen Brüder in Kleinasien, die sind unterjocht, die müssen wir befreien vom persischen Joch, und das verspricht er zu machen. Und das ist natürlich so ein Legitimierungsmittel, wir als Makedonen, wir befreien jetzt die Griechen, also wir sind freiheitskämpfende Griechen, die hier mitmachen. Jetzt stirbt er allerdings, bevor er das machen kann, weil er 336 ermordet wird. Und das ist auch immer mal so ein Thema. Die sind auch untereinander, nicht immer ganz grün. Vor allem Philipp und Alexander sind sich auch nicht sehr, sehr grün. Das ist natürlich alles, was wir so wissen, ist aus Quellen, die 100, 200, 400 Jahre später entstanden sind. Aber die berichten alle sehr einheitlich, dass die beiden sich nicht so gut verstanden haben. Da gibt es verschiedene Erklärungen dafür. Zum einen, dass Alexander halt schon von Anfang an als junger Knabe wusste, dass er zu großem Auserkoren ist und, vielleicht auch nicht den Vater so akzeptiert hat. Ja, da gibt es diese Geschichte mit diesem Pferd am Bucke Falos. Das scheint es tatsächlich gegeben zu haben. Also es gibt viele Geschichten um Alexander, die definitiv nicht wahr sind. Wie das mit den Amazonen oder dass er diesen gordischen Knoten durchschlagen hat. Aber das mit dem Pferd scheint tatsächlich gestimmt zu haben, dass er nämlich in jungen Jahren mit 17 oder so ein Pferd hat zähmen können oder einreiten können, so nennt sich das. Also er hat schon mit 17, mit jungen Jahren ein Pferd einreiten können, das kein anderer eben einreiten konnte und das ist eben dieser Buckephalos. Soll irgendwie so ein riesengroßes, dunkles Pferd gewesen sein, das allen Angst gemacht hat und Alexander soll eben erkannt haben, nee, das hat einfach nur Angst vor seinem eigenen Schatten.
Daniel
00:15:24
Und.
Solveig
00:15:25
Hat das dadurch.
Daniel
00:15:26
Hat das richtig ausgeleuchtet und dann ging es.
Solveig
00:15:29
Und irgendwie soll dann schon, ich weiß nicht, ob dann Philipp das gesagt hat oder irgendwie am Hof hat dann gesagt, ja schaut, die Welt wird ihm irgendwann zu Füßen liegen. Das gefällt natürlich dem Vater nicht, wenn der sich denkt, aber ich bin doch gerade dabei, ich bin doch hier gerade eine Großmacht am Bauen, wieso denn mein Sohn?
Daniel
00:15:43
Wie weit war denn der Philipp bis dahin überhaupt? Ja, also Also der war jetzt eigentlich nur so eine griechische Regionalmacht oder war der auch schon Irgendwo hatten die Perser von dem schon mal gehört.
Solveig
00:15:54
Vielleicht in einem Briefing. Nein, also er ist wirklich nur noch eine Regionalmacht, muss ja auch erst mal diese makedonischen Fürsten zusammenbringen, weil wie gesagt, auch die... Das mit dem Königtum ist auch immer so eine Sache und auch die Makedonen sehen das eher so primus inter pares. Also du darfst vorne sitzen oder du darfst voran reiten, aber wir dürfen alle schon mitreden, wenn du irgendwelche großen Entscheidungen triffst. Und bei Alexander soll das dann auch ein Thema sein, dass Philipp hatte die Nicht-Makedonin Olympias geheiratet. Und das scheint irgendwie auch so ein Thema am Hof gewesen sein, dass Alexander nicht ganz Makedone war. Also schon voll Grieche, aber halt nicht ganz Makedone. Und da soll es dann irgendwie auch immer zu Streitigkeiten beim Festgekommen sein, dass irgendwer im besoffenen Zustand irgendwie angesprochen hat, Alexander wäre ja nicht ganz, ganz Makedone.
Daniel
00:16:44
Die schreien.
Solveig
00:16:45
Die schreien. Und Philipp hat dann tatsächlich auch Nebenfrauen gehabt, die dann Makedoninnen waren. Und dann hieß es so, ja, wenn der jetzt mit denen Kinder kriegt, dann sind das ja volle Makedonen. Und da soll Alexander sich dann auch beleidigt gefühlt gehabt haben, dass man ihn als Bastard bezeichnen würde. Und dann ist es dann öfter auch mal geknallt. Und das heißt also, die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist eben sehr schwierig. Deswegen ist Alexander vielleicht auch gar nicht so traurig, als Philipp dann ermordet wird. Er ist dann 20 und wie gesagt, er macht dann tatsächlich das, was sein Vater versprochen hat, nämlich diesen Perserfeldzug. 334, also mit 22, bricht er auf und erobert erstmal Griechenland, unter anderem auch griechische Städte wie Theben, Wo er dann die gesamte Bevölkerung, weil Theben sich ihm nicht unterworfen hat, versklaven lässt, haben sie ihm übel genommen.
Daniel
00:17:35
Okay.
Solveig
00:17:37
Und das war dann auch so ein Zeichen gegenüber den Griechen, so okay, so vertrauenswürdig ist er auch nicht, weil er da schon ziemlich entschieden aufgetreten ist, ihr macht das, was ich will und wer sich mir entgegenstellt, wird ihm niedergemacht. Und er kommt dann am Granikos an, das ist so der, nee Quatsch, am Hellespond, so und das ist so der Übergang, ja, ja, ich habe eine Karte für dich dabei, keine Angst. Er kommt am Hellespond an, das ist so der Punkt, wo Asien auf Europa trifft, und soll, ob er es wirklich getan hat, aber es ist eine schöne symbolische Geste, kann schon sein, dass er das ritualistisch gemacht hat, so einen Sperr geworfen haben. So von Europa aus stehend.
Daniel
00:18:14
Einmal über den Bospos.
Solveig
00:18:14
Einmal über den Hellespont rüber.
Daniel
00:18:18
Ist derzeit in der Nähe oder wo ist der? Ja.
Solveig
00:18:24
Der Speer ist dann in Asien geleitet. Ich habe jetzt ihnen den Krieg erklärt.
Daniel
00:18:29
Die Fahne reingesteckt.
Solveig
00:18:31
Und damit geht das eben los. Die erste Schlacht ist eben am Geranikos. Und dann ziehen die immer weiter. Und sie gewinnen auch tatsächlich immer erfolgreich. Und dann 333, kennst du vielleicht den Spruch?
Daniel
00:18:45
Ja, vielleicht auch nicht.
Solveig
00:18:46
Bei Issos Keilerei.
Daniel
00:18:48
Ach das, okay.
Solveig
00:18:49
Das ist die große Schlacht zwischen dem Heer von Alexander und dem persischen König Darius III. Und eigentlich hat Darius da auch schon verloren. Also tatsächlich das persische Heer unterliegt bei dieser Schlacht, wie schon beim Granikos. Der Alexanderfeldzug geht noch weiter, aber da ist es eben eigentlich schon entschieden, weil Daraios unterliegt und fliehen muss. Und zu diesem Zeitpunkt fallen auch schon Satrapen von Daraios ab. Also wir haben schon persische Machthaber, die sagen, dann gehen wir lieber mit Alexander als mit eigentlich unserem Typen, weil wir sehen, der wackelt. Und was eigentlich auch nochmal so ein massiver Power-Move von Alexander ist, der zieht da Raios nicht hinterher, sondern, ich habe hier jetzt einmal die Karte für dich. Hier haben wir Essos, das ist da an der heutigen türkisch-syrischen Grenze. Und da Raios zieht natürlich zurück Richtung Persepolis Babylon ins Kernland des Perserreiches. Und das erste, was Alexander macht, ist jetzt erstmal die Levante Küste bis nach Ägypten runter, um die Satrapien in Besitz zu nehmen. Und das ist natürlich auch so, ich muss ihm gar nicht hinterher, ich kümmere mich erstmal um hier vorne drum, nach dem Motto, lass ihn doch seine Truppen sammeln.
Daniel
00:20:03
Ist ja auch schöner, Mittelmeer, als ins Hinterland zu müssen.
Solveig
00:20:07
Also es war jetzt kein Hinterland. Also das ist schon mal auch so ein Symbol. Dann geht er auch in die Oase Siva, wo ihm dann auch nochmal von, also da befindet sich ein Orakel, das Amon. Und da wird ihm schon mal versprochen, dass er im Grunde die Welt erobern wird. Kommen wir später aber auch nochmal zu, was ihm da im Siva erzählt wird. Und 331 reist er dann tatsächlich Daraios hinterher. Es kommt zur Schlacht von Gargamelar. Hier wird das Perserheer wieder besiegt. Er wieder flieht Daraios. Aber in diesem Zusammenhang kann Alexander eben das gesamte Babylonien in Gesitz geben. Also das ist im Grunde das Kernland des Perserreiches. Und auch die ehemalige alte Hauptstadt Babylon, wo er sich dann eben auch zum König von Asien ausrufen lässt.
Daniel
00:20:53
Ja, warum? Kleinanfang.
Solveig
00:20:54
Genau, also ich meine, die Priester des Ammon haben in Ägypten schon erzählt, dass er der Sohn Ammons ist und die Welt beherrschen wird. Er ist jetzt in Babylon.
Daniel
00:21:03
Das ist so ein bisschen wie wenn heute jemand ins Weiße Haus eingeladen wird und einfach sagt, wie toll der Gastgeber ist.
Solveig
00:21:13
Nur, dass er dann halt der Gastgeber wird.
Daniel
00:21:14
Ja, ja.
Solveig
00:21:16
Und Babylon ist jetzt nicht irgendwie, also das ist schon das antike Babylon mit seinen großen Tempeln und den Sikorats. Also das ist schon ein großes, beeindruckender Ort. Aber es ist zu diesem Zeitpunkt eben nicht mehr Hauptstadt, weshalb Alexander weiter muss. Und er kommt dann im Jahr 330 nach Persepolis. Und Persepolis ist dann jetzt die neue, tatsächliche Hauptstadt des Perserreiches.
Daniel
00:21:39
Und ich muss mir gerade wirklich nochmal klar machen, dass wir rückwärts zählen. Wundertüblich. Hä? Wir waren doch schon drei.
Solveig
00:21:47
Aber auch da ist Daraios mittlerweile schon raus. Aber es ist natürlich wichtig, Persepolis als Regierungssitz, als dort, wo dann auch die Beamten etc. Sitzen, wo die ganzen Regierungsgeschäfte stattfinden, auch dort nochmal einzureiten, nicht einzumarschieren, sondern er kommt natürlich als neuer König und lässt sich dementsprechend huldigen. Daraios ist mittlerweile in Baktrien angekommen. Das ist eine antike Gegend, die im heutigen Afghanistan-Pakistan ungefähr liegt. Also da auch mal vor Augen haben, wo wir uns befinden. Und dort wird Darius schließlich umgebracht von einem Satrapen, weil man sich auch denkt, okay, also Alexander ist mittlerweile nicht aufhaltbar. Er hat Babylon, er hat Persepolis in Besitz genommen. Darius flieht immer weiter, hat überhaupt nichts mehr, was er dem entgegenstellen kann. Also dann wird es doch mal Zeit, sich von ihm zu entledigen. Dann haben wir bestimmt auch bessere Karten bei Alexander. Wenn der dann kommt, kann man ihm ja einfach zeigen, schau, haben wir das nicht schön für dich gemacht? Denkt sich dieser Satrap namens Bessos und im Grunde präsentiert er Alexander bei seiner Ankunft dessen Leiche, und Alexander ist daraufhin fassungslos und trauert um seinen alten Freund Darius, mit dem das so viel verbindet.
Daniel
00:23:04
Ich dachte, er wäre jetzt sauer, dass er selber das nicht machen konnte.
Solveig
00:23:07
Aber man muss natürlich irgendwie Gesicht bewahren und erklärt daraufhin, Darius würdevoll, ruhmreich in Persepolis bestatten zu lassen. Er erklärt sich zu Darius Nachfolger, weil der auch keine erwachsenen Söhne hat. Er erklärt so meinen Vorgänger, mein guter Freund. Er weint ganz große Tränen und erklärt sich jetzt eben als Nachfolger des Darius. Er ist jetzt legitimer Perser-König und lässt jetzt Bessos verfolgen, weil der hat ja da Raios ermorden lassen und den Königsmörder können wir natürlich nicht dulden und verfolgt jetzt mit seinen Truppen Bessos, um ihn zu bestrafen. Also auf einmal ist es eben nicht mehr ein Eroberungsfeldzug, sondern ein Rachefeldzug, den er führt, um eben seine Macht zu legitimieren. Und auch das gelingt ihm und bis 326, er hört einfach nicht auf, er geht immer weiter gen Osten und erreicht damit tatsächlich auch Gebiete, die für die Griechen, und deswegen habe ich dir die Karte mal mitgebracht, wenn wir uns bewusst machen, dass Makedonien hier oben in Nordgriechenland liegt, und er kommt bis nach Indien, bis an den Indus heran, das sind Gebiete, von denen die Griechen zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wirklich wissen, ob die real sind und was da überhaupt ist. Und es gibt dann eben auch so Quellenberichte, dass selbst die Machthaber in Baktrien nicht wirklich wissen, was da in Indien irgendwie ist, weil das war noch nie, keine Ahnung. Und gleichzeitig muss man natürlich sagen, Alexander greift oder übernimmt sehr, sehr schnell die Macht in Persien oder übernimmt das Perserreich sehr, sehr schnell. Also wir sehen das hier auch auf dieser Karte, dass hier so als zusammenhängendes Reich einmal hervorgehoben ist. Da war er natürlich nicht überall und er hat auch nicht jede Satrapie selbst betreten.
Daniel
00:24:50
Ja, aber diese schwarzen Bewegungslinien mit den Jahreszahlen, die sind aber schon ziemlich umfassend. Ja, aber er war nicht in jeder… Größte Teile ist er einmal durchgeritten.
Solveig
00:25:02
Ja, aber eben nur einmal durchgeritten.
Daniel
00:25:04
Aber immerhin kann er nachher sagen, ich habe es gesehen. Er hat es gesehen. Ich weiß, wie die Leute dort aussehen, wie sie fühlen. Ich verstehe euch.
Solveig
00:25:10
Ich weiß nicht, ob er weiß, wie sie fühlen. Denn das ist ja genau der Punkt. Also der Grund, warum er das so schnell erobern kann, ist, weil das Perserreich einfach eben in diesen Sapatrapien unterstellt ist. und diese Satrapen einfach ihm dann jetzt die Loyalität geben und dadurch ist es einfach sehr, sehr schnell erobert.
Daniel
00:25:25
Also man muss eigentlich immer nur so ein bis fünf Personen überzeugen in so einem Laden und dann gehört einem schon wieder ein neues Fünftel.
Solveig
00:25:32
Ja, deswegen, also auch das, wenn dann eben dieses riesen Alexanderreich auch immer auf Karten gezeigt wird, das war gigantisch groß, aber das war eben nicht unbedingt seine Leistung, diese Größe, sondern es geht einfach, weil er das Perserreich hat. Übernommen hat. und dann noch mal so ein bisschen an den Rändern rausgeguckt hat. 326, also wir sind jetzt knapp zehn Jahre unterwegs, fast acht Jahre, ist er eben in Indien oder an der Grenze zum heutigen Indien und schlägt die Schlacht am Hüdaspis. Das ist nahe dem heutigen Islamabad. Und das ist auch seine letzte Schlacht. Er verliert dort, auch sehr verlustreich. Das geht ziemlich schief und es ist... es meutern sehr, sehr viele seiner Truppen darauf hin. Und weil, also man hat es ja vielleicht noch irgendwie verstanden mit diesem Rachefeldzug gegen die Perser und dann kommt man nach Babylon und nimmt irgendwie Asien in Besitz und dann muss man noch dem Daraios hinterher und dann muss man dem Bessos hinterher. Aber jetzt mittlerweile, Entschuldigung, aber was machen wir hier in Indien? Warum sind wir hier? Was hat das noch mit irgendwas zu tun?
Daniel
00:26:41
Niemand spricht Makedonisch.
Solveig
00:26:42
Und da gibt es eben viele, die sagen, jetzt, also jetzt reicht es. Da gibt es dann auch irgendwie diese Geschichte, dass Alexander dann irgendwie einen Tag in seinem Zelt geschmollt haben soll und alle Machthaber und Feldherren in der Sonne hat stehen lassen, um sie passiv-aggressiv zu bestrafen. So, wie könnt ihr denn jetzt hier? Aber er ist dann schließlich doch, hat er dann gesagt, na gut, dann gehen wir wieder zurück. Und dann ist er eben 324 endlich angekommen. Er residiert nicht nur in Babylon, es gibt da verschiedene Residenzstädte.
Daniel
00:27:13
Er ist jetzt wieder in Skopje zurück.
Solveig
00:27:15
Nee, also er ist jetzt in Egbatana ist er eine Weile, in Babylon ist er, also das sind einfach die alten Perser Residenzstädte, da scheint es auch sehr hübsch zu sein, das lohnt sich dann auch. Und was seine Herrschaft ja in der Zeit besonders macht, ist, dass er tatsächlich auf eine, zumindest wenn man sich das so die Quellen sich so durchliest, in Anführungszeichen Ausgleichspolitik setzt. Das heißt, er setzt nicht nur seine Griechen da ein oder seine Makedonen nur ein, sondern er holt auch sehr, sehr viele eben persische Satrapen oder überhaupt persische Machthaber, in seinen engeren Kreis hinein, übergibt denen auch weiterhin Verwaltungsaufgaben, lässt die auch in den Satrapien dann drin. Und das ist für Griechen und sicherlich auch für Makedonen ziemlich hart, weil für die tatsächlich so ein Bild gilt, dass es auch dazu sagen muss, Alexander ist von Aristoteles ausgebildet worden. Und Aristoteles ist so einer von denen, die sehr stark dieses binäre Denken prägen. Also Männer, Frauen, freie Sklaven, Barbaren, Griechen. Und Perser sind für sie die Barbaren schlechthin. Also das ist natürlich auch, entstanden aus diesen Perser-Feldzügen. Die Perser sind die großen Gegner, die sind die Feinde, auf die man alles so projiziert, an denen man ja auch die eigene griechische Identität nochmal als Gegenbild aufbaut. Deshalb die Perser sind eben alles, was man mit den Barbaren verbindet, was auch Schlechtigkeit mit den Barbaren ausmacht. Es gibt so diesen Joke, dass in der griechischen Kunst Barbaren Hosen tragen. Also Griechen tragen keine Hosen, das tun nur Barbaren. Ja, wer trägt Hosen? In der persischen Mode, vor allem auch im persischen Heer ist es üblich, Hosen zu tragen. Also man sieht eben, wie stark das teilweise eben wirklich sich an den Persern abarbeitet. Oder auch diese phrygische Mütze teilweise, das ist ja auch eben… Ach.
Daniel
00:29:11
Ist ja auch von den Persern.
Solveig
00:29:12
Ja, also wird auf jeden Fall auch von den Persern oft getragen. Auch das ist dann so ein Barbarending. Und dass Alexander jetzt sagt, nee, wir inkludieren die in dieser Herrschaft, die bleiben dabei, muss er ja natürlich auch.
Daniel
00:29:28
Das führt dann zum Niedergang der griechischen Kultur.
Solveig
00:29:31
Das führt dann zum Niedergang der griechischen Kultur, aber er muss es natürlich auch, weil er gar nicht genug Männer dabei hat, um überhaupt diese ganzen Posten zu füllen. Es sind zwar sehr viele Perser auch in diesen Kriegen gestorben, aber irgendwie hat er auch einfach nicht die Manpower aus diesem kleinen Makedonien jetzt dieses Großreich zu bedienen. Also muss er natürlich mit Persern zusammenarbeiten und er scheint selbst auch einen Geschmack an Persien gehabt zu haben. Also er soll dann eben nach Babylon eingeritten sein und gesagt haben, nee, das ist alles voll schön, wir machen hier nichts kaputt, weil normalerweise plündert und bant schatzt man ja den Gegner. Und da hat er gesagt, ihr lasst die Finger von den Tempeln, das ist alles hübsch, ihr nehmt das Geld und so von mir aus, aber die Gebäude lasst ihr in Ruhe. Das zeigt so ein bisschen, also gerade wenn das in dieser Zeit in den Historien, also in den Geschichtsschreibungen festgehalten wird, soll das natürlich ausdrücken, wie stark er da beeindruckt war von dieser persischen Kunst und Kultur. Was er dann auch noch macht, das nehmen sie ihm auch übel, die Makedonen zumindest, er inkludiert persisches Hofzeremonial in seiner Selbstdarstellung. Und jetzt hatten wir das ja schon angesprochen, die Makedonen sind so primus inter pares, du hast zwar den Hut auf und du darfst vorne wegreiten, aber wir sind schon noch mit dabei. Und Alexander soll, zumindest ab dem Zeitpunkt, wo er dann in Babylon war oder auch wenn er in Babylon residiert oder auch in Persepolis residiert, soll er die Proskinese ja nicht angeordnet haben, aber empfangen haben. Die Proskinese ist eine sehr starke Demütigung gegenüber einem Herrscher. Das ist am persischen Hof normal. Also der persische König wurde ja auch teilweise oder zeitweise als Gottkönig verehrt. Und das heißt, wenn man sich dem König nähert, muss man eben nicht nur niederknien, sondern man muss sich wirklich mit dem gesamten Körper auf den Boden werfen und dass auch die Stirn den Boden berührt.
Daniel
00:31:22
Und jetzt müssen das die Makedonien auch.
Solveig
00:31:25
Und jetzt müssen das die Makedodonen auch. Beziehungsweise, die werden auch noch teilweise davon ausgenommen. Also das heißt dann, das gilt nur für die Perser und nicht für die Griechen oder die Makedonen. Aber die finden das halt trotzdem.
Daniel
00:31:35
Dann stresst das wieder mit den Persern nachher.
Solveig
00:31:38
Und die finden das insgesamt, weil sie meinen, das hat er nicht verdient, so behandelt zu werden. Sie werfen dem und gucken, er lässt sich jetzt Gott verehren. Gibt es auch so die Geschichte, dass er hinter einem Vorhang sitzen soll. Also auch das ist eben ein persisches Hofzeremoniell, dass der Herrscher eben nicht angesehen wird von den Bittstellern, sondern hinter einem Vorhang sitzt und man dann mit dem Schatten spricht. Das soll er teilweise auch gemacht haben, fanden sie auch nicht geil. Also man mag dieses ganze Persische nicht. Also wir haben hier einen König, der sich immer mehr als Perser präsentiert und das wollen die Makedonen nicht. Also das kommt da eben auch zu Unruhen.
Daniel
00:32:11
Ist er denn zwischendurch nochmal nach Hause gefahren?
Solveig
00:32:13
Wahrscheinlich nicht.
Daniel
00:32:14
Also das halt Makedonien ist doch jetzt eigentlich nur noch so ein kleines Anhängsel von diesem Imperium, was der da hat. Okay, also versteht man schon, dass er sich jetzt auf das Persische konzentriert.
Solveig
00:32:27
Ja, aber es ergibt ja auch Sinn, weil dort hast du wirklich Verwaltung, dort hast du die Struktur und man muss ja diesen ganzen Laden eben irgendwie zusammenhalten. Es gibt dann eben immer wieder Kritik seitens griechischer Machthaber an Alexander und die sollen ja in Anführungszeichen irgendwann gemeutert haben, gesagt haben, ey, wir haben keinen Bock mehr, wie du das hier machst, wir wollen nach Hause. Und wahrscheinlich war damit gemeint, du kommst mit uns jetzt nach Pella zurück und von dort herrschen wir. Und Alexander soll das dann so verstanden haben, ja, dann geht halt nach Hause. Tschüssi, wenn ihr keine Lust mehr habt, könnt ihr gerne gehen. Und hat dann gesagt, okay, ist kein Problem, ihr könnt gehen, eure Ämter übergebe ich dann halt den anderen Persern, ist nicht schlimm. Und dann waren die natürlich so, Entschuldigung, was? Wir werden jetzt hier für Perser entmachtet. Da haben die sich natürlich nochmal gedemütigt gefühlt, Weil eigentlich war ja die emotionale Erpressung, du musst jetzt mit uns kommen, nicht wir gehen jetzt nach Hause ohne dich. Was denn nochmal, also diese weitere in Anführungszeichen Orientalisierung unterstrich, war die Massenhochzeit von Susa, auch so ein Residenzort der persischen Elite. Und dort angeblich, Zahlen sind natürlich immer so eine Sache, auch im Jahr 324, sollen 10.000 Griechen mit persischen Frauen verheiratet worden sein. Und mit mehreren auch gleichzeitig. Also wir sind nicht nur ein Männlein, ein Weiblein, sondern ein Männlein kriegt auch mehrere.
Daniel
00:33:54
Damit die Griechen irgendwann zahlenmäßig die Perser schlagen?
Solveig
00:33:57
Ja, ich vermute, das liegt einfach daran.
Daniel
00:33:59
Oder ein neues Volk zu begründen.
Solveig
00:34:01
So wird das immer gedeutet. so, wir schaffen ein neues Volk, wir verschmelzen uns miteinander. Aber ich vermute, das lag auch daran, dass man einfach auch innenpolitisch die Herrschaft sichern musste, weil ich hatte es schon angesprochen, es sind ja sehr, sehr viele persische Soldaten auch gefallen und auch Machthaber gefallen in diesen Kriegen, dass man da irgendwie auch nochmal dynastische Nachfolge sichern muss. Also das sind ja nicht irgendwelche Frauen, das sind Adelsfrauen, das sind Frauen aus der Elite, dass man da auch irgendwie so Kontinuitäten in der Erbfolge kreiert. Also das wird sicherlich nicht nur so eine Verschmelzungspolitik gewesen sein, sondern auch eine Machtsicherung intern. Aber hat nicht so viel Wirkung, denn Alexander stirbt ein Jahr später und die meisten, die ihn bei dieser Massenhochzeit geheiratet haben, lassen sich von diesen persischen Frauen trennen. Also die hatten alle, also es waren ja vor allem dann auch Machthaber, beispielsweise Ptolemaios ist ja die ganze Zeit mit dabei. Es gehört zu den Feldherren, die mit Alexander hier diesen ganzen Feldzug machen, und der hat auch eine persische Frau bekommen, hatte aber seine eigene makedonische Frau auch noch. Und hat sich dann, als Alexander dann tot war, hat er sich sofort von dieser persischen Frau auch trennen lassen. Das haben die anderen auch alle gemacht. Also war ein Versuch, hat aber nicht geklappt.
Daniel
00:35:24
Wo sind wir denn jetzt in der Jahreszeit?
Solveig
00:35:26
324. Und Alexander selbst hatte zwei Jahre vorher schon die Tochter des baktrischen Fürsten, also seinen Namen habe ich mir jetzt nicht aufgeschrieben, eines baktrischen Fürsten geheiratet. Das ist dieses Gebiet Afghanistan-Pakistan da hinten. Und die hieß Roxane, taucht auch immer auf, wenn es um Alexander geht, in der Alexanderrezeption. Die hat er eben schon vorher geheiratet, hat sich mit der scheinbar auch ganz okay verstanden, weil es aus den Quellen geht. Er heiratet in Susa aber jetzt eben nochmal zwei weitere persische Fürstentöchter, Prinzessinnen. Also er macht das selber auch mit und da sehen wir eben, dass sie nicht nur einzelne Frauen geheiratet, sondern mehrere auf einmal. Und dass es hier sicherlich nicht um irgendwelche Gefühle gab, sondern ich vermute um.
Daniel
00:36:12
Ist das denn eine gängige Praxis im antiken Griechenland, mehrere Frauen zu heiraten? Oder ist das ein makedonisches Spezifikum? Oder ist das einfach nur aus der Not, weil wir in der Fremde sind?
Solveig
00:36:22
Ich glaube sowohl als auch. Also wir sehen das nachher, also bei den Pfeilomäern sehen wir das, dass die zwar immer eine offizielle Frau haben, aber dann auch Nebenfrauen und irgendwelche Konkubinen und so. Wie das im Perserreich war, weiß ich nicht. Ich glaube, da war das eh nicht, dass man mehrere Frauen hat. Und ich würde vermuten, hier ist es eben auch aus der Not geboren. Aber das kann ich dir jetzt so im Detail nicht fest sagen. Aber wir sehen, dass das eben Adelstöchter sind, die da alle geheiratet werden. Und Alexander heiratet zwei persische Prinzessinnen. Eine davon ist Statera, wahrscheinlich eine Vergriechisierung des persischen Namens. Und diese Statere hat eine Schwester namens Tripetis und die wird mit dem General Hephaistion verheiratet. Und Ariane, das ist so der Alexander-Historiker, den es überhaupt gibt, weil er eine sehr verlässliche Biografie von Alexander geschrieben hat. Der hat zwar sehr spät erst geschrieben, erst im, ich glaube im zweiten Jahrhundert nach Christus sogar erst, hat aber noch auf wahnsinnig viele Quellen zugreifen können, die aus der Zeit von Alexander stammten und nennt diese Quellen auch immer. Sodass er relativ verlässlich ist, obwohl er so spät schreibt. Und deswegen bezieht man sich eigentlich immer, wenn man über Alexander spricht, auf diesen Ariane, dass so der wichtigste und verlässlichste Autor ist. Und angeblich soll eben laut Arian Alexander gesagt haben, als er diese zwei Schwestern, also die eine Schwester für sich und die andere für den Hephaestion genommen hat, dass er das tut, denn seine und dessen Söhne, also Alexanders und Hephaestions Söhne sollten Vettern sein. Also es gibt so ein Bedürfnis, seine Familie mit dem des Hephaistions zusammenzubringen. Warum das vielleicht ein heißes Thema ist, dass er hier Familien zusammenbringen möchte, das haben wir im Nachklapp.
Daniel
00:38:17
Achso, das ist schon wieder so ein Thema.
Solveig
00:38:19
Wieder so ein Thema.
Daniel
00:38:20
Dieses Ding.
Solveig
00:38:20
Vielleicht beschweren sie sich deswegen auch. Ja, das kann ich mir vorstellen. Ja, aber man muss ja auch mal mit seinen Funden buchern. Denn um die Beziehung zwischen Alexander und Hephaistion zu sprechen.
Daniel
00:38:30
Ah, da ist das so was ganz Pikantes.
Solveig
00:38:36
Und das machen wir dann nochmal im Nachklapp. Ich hatte es ursprünglich gedacht, hier zu machen, aber eigentlich soll es um Ptolemaios gehen und ich rede jetzt schon die ganze Zeit nur über Alexander. Und wenn wir dann auch noch über Hephaestion reden, kommen wir nie zum Ptolemaios. Deswegen müssen wir den jetzt einmal aussortieren. Aber da gibt es dann noch den Nachklapp. Hephaestion, du weißt, wer du bist. Auf jeden Fall. Da ist ein großer Wunsch für Alexander, scheinbar laut Ariane, diese beiden Familien zusammenzubringen. Aber ich habe es schon angesprochen, Alexander lebt tatsächlich nicht mehr allzu lange nach dieser Massenhochzeit, nur noch knapp ein Jahr. Im Frühjahr 323 stirbt er und Hephaestion ist auch schon kurz vorher gestorben. Also das auch nochmal, diese Beziehung wird auch nicht lange halten, beziehungsweise dieser Plan, die gemeinsame Familie, also die Familien zusammenzubringen, wird nicht aufgehen. Und es ist nicht so richtig klar, woran Alexander gestorben ist. Der ist jetzt erst 32 Jahre alt. Und da gibt es schon...
Daniel
00:39:35
Krass. Mit 20 hat er seinen Vater beerbt. Und da ist er mal eben in den zwölf Jahren hat er mal hier so ein Halbweltreich zumindest erobert. Bis Indien. Hat sich noch rumgekabbelt mit seinen eigenen Leuten. Musste sich da überall durchsetzen und dann kriegst du einen Schlaganfall, was auch immer. Und das war alles für die Katze.
Solveig
00:39:57
Ja, und es ist schon zu Zeitzeugen meinen oder haben die Vermutung, er könnte vergiftet worden sein, weil wie gesagt, er hat sich ja mit seinem Makedon auch immer nicht so ganz verstanden und es wird eben beschrieben, dass er einen Fieber hatte, es wird überlegt, ob er vielleicht, es war ja auch einfach anstrengend, ich meine, das hat er ja nicht nur in zwölf Jahren gemacht, das hat er ja in acht Jahren gemacht und dann ist er ja zurückgekommen und hat dann, im Kern des Perserreiches residiert für ein paar Jahre. Dass es einfach auch Aufzehrung war, dass er einfach seine Lebenskerze an beiden Enden angezündet hat. Und was auch immer wieder in den Quellen durchkommt, und da habe ich jetzt gleich auch noch ein paar für dich dabei, die saufen halt auch einfach massiv viel. Also die saufen wirklich viel. Und da bin ich mir dann nämlich nicht so sicher, ist das vielleicht nur so ein stilistisches Mittel, weil die Makedonen… Aber verdünnt. Nee, eben nicht. Die Makedonen ja eben nicht. Ob das so ein griechischer Topos ist, die Makedonen immer als Säufer darzustellen, weil sie ja unverdünnt saufen. Oder ob die halt wirklich viel saufen.
Daniel
00:40:55
So Dattelschnaps?
Solveig
00:40:56
Nee, schon Wein. Aber ob das auch so ein Teil der Herrscherdarstellung war, wir müssen auch mal als makedonische Männer, müssen wir auch einfach viel saufen. Das haben wir ja bei den Griechen auch. Nur die trinken den halt verdünnt. Aber auch da gibt es diese Männlichkeitsbeweise, wer am meisten trinken kann. Und wir haben das eben in den Quellen in allen. Also es ist nicht nur der eine Mal, der das erzählt, sondern alle erzählen konstant von diesen Trinkgelagen, wo die wirklich auch als Männlichkeitssymbol saufen.
Daniel
00:41:25
Das hat schon Grund, warum bis heute Männer eine niedrigere durchschnittliche Lebenserwartung haben.
Solveig
00:41:30
Und deswegen gibt es so die Überlegung, naja, vielleicht hat er auch einfach seinen Körper, der war am Ende, sein Pferd, der Bucufalus, ist irgendwie schon am Himalaya gestorben. Weiß man auch nicht, ist es verendet, weil es einfach nicht mehr konnte oder war es alt? Aber ich habe dir jetzt einmal eine Quelle mitgebracht, die ist auch tatsächlich recht lang. Es ist einmal nämlich die Beschreibungen, wie Alexander stirbt. Einmal haben wir Diodor. Das ist so ein anderer, sehr wichtiger Alexander-Historiker. Und dann haben wir Diodor. Arian. Wie gesagt, das sind sehr lange Quellen. Du darfst einfach mal anfangen und dann schauen wir mal, wie weit wir das reinschneiden.
Daniel
00:42:10
Im Zweifel. Du hast ja jetzt Übung darin, Griechenvorzeichen. Du hast ja jetzt Übung darin, Griechenvorzeichen, wie man in meiner Generation noch sagt.
Solveig
00:42:16
Aber ich finde es einfach sehr schön, Wellen. Und was sie auch über den Tod beschreiben, fand ich einfach so spannend. Ich wollte es einfach nicht runterkürzen.
Daniel
00:42:24
Alexander hatte den Wunsch gefasst, das große Sumpfgebiet Babyloniens zu besichtigen, und stach mit seinen Freunden in einer Reihe kleiner Boote in See. Einige Tage lang geriet sein Boot von den anderen ab. Er war verloren und allein und fürchtete, er würde den Sumpf niemals liederlebend verlassen. Diese trugen ihm auf, den Göttern im großen Stil und mit aller Eile Opfer darzubringen. Doch dann wurde er von Medios, dem Thessalier, einem seiner Freunde, fortgerufen, um an einem Trinkgelage teilzunehmen. So, jetzt möchtest du zwischendurch kommentieren, warum Freunde in Anführungszeichen steht? Weil es gar nicht sein Freund war oder weil es eine besonders intensive Freundschaft war? Sein bester Freund?
Solveig
00:43:03
Nee, das kann auch daran liegen, dass das aus der Übersetzung kommt, dass das ein Heteiroi war. Und die Heteiroi leitet sich ab, heißt im Griechischen Freunde. Wir hatten ja auch schon mal über die Heterin gesprochen. Das sind die Freundinnen und die Heteiroi sind die Freunde. Meinen aber was anderes. Es sind keine prostituierten Männer, sondern es sind im Grunde seine engsten Ratgeber. Und die Heteirenreiterei ist auch nochmal eine eigene Einheit in seinem Heer. Ich weiß es jetzt selber nicht aber es könnte sein, dass er einfach nur der Herführer dieser hetaieren Reiterei ist.
Daniel
00:43:39
Also auf jeden Fall mit dem ist er jetzt beim Trinkgelage dort trank er reichlich, ungemischten Wein zum Gedenken an den Tod des Herakles, und lehrte schließlich nachdem er einen riesigen Becher gefüllt hatte diesen mit einem einzigen Zug das war auch schon ein Wettbewerb, Trinkspiel ich kann ihn am meisten trinken, Und augenblicklich schrie er laut auf, als sei er von einem heftigen Schlag getroffen worden. Seine Freunde, die ihn an der Hand fassten, führten ihn daraufhin zurück in seine Gemächer. Seine Kämmerer betteten ihn und pflegten ihn aufmerksam, doch die Schmerzen nahmen zu und die Ärzte wurden herbeigerufen. Niemand vermochte ihm wirksam zu helfen und Alexander litt weiterhin unter großem Unbehagen und qualvollen Schmerzen. Als er schließlich am Leben verzweifelte, nahm er seinen Ring ab und reichte ihn per Dickers. Seine Freunde fragten, wem hinterlässt du das Königreich? Worauf er antwortete, dem Stärksten. Daraufhin haben sie dann nochmal ein Trinkgelagel gemacht. Nochmal ein Trinkspiel, wer der Stärkste ist.
Solveig
00:44:40
Nee, und das ist nämlich der Punkt, warum ich diese Quelle mit reingenommen habe. Weil diese Geschichte mit diesem Ring, dass er das dem Perdikas gibt und sagt, hier ist es jetzt mit der Stärkste übersetzt, es gibt auch Übersetzungen, die sagen, dem Besten von euch. Es ist eine Fiktion. Wird aber nachher wichtig, wenn wir uns nämlich diesen Nachfolgekampf angucken, der jetzt ausbricht. Weil das diese Fiktion drumherum sich spinnt. Aber er hat ja gesagt, der Beste soll es werden.
Daniel
00:45:04
Ich muss noch hinzufügen, Diodor macht hier noch so eine Metaebene. Da einige Historiker hinsichtlich des Todes Alexanders unterschiedlicher Ansicht sind und behaupten, dieser sei in Folge eines Giftdrangs eingetreten, erscheint es uns notwendig, auch ihre Darstellung zu erwähnen. Das war die Fußnote.
Solveig
00:45:20
Und warum ich es auch mit reingenommen habe, ist, weil es, keine Ahnung, wie Diodor darauf kommt, diese Geschichte, dass er vorher noch alleine in diesem Sumpf war. Weil das ist nämlich auch eine Überlegung, dass er Malaria bekommen hat.
Daniel
00:45:30
Also eine Mücke gestochen.
Solveig
00:45:30
Dass ihn da irgendwas gestochen hat und daraufhin ist er eben krank geworden. Das ist eine durchaus, kann man, finde ich, eine gute These. Und zum anderen gibt es eben diese These, dass dieser Medios, mit dem er da getrunken hat, dass er ihn vergiftet hat, weil er ja daraufhin sofort, nachdem er diesen Wein getrunken hat, unter Schmerzen zusammengebrochen ist, gab es eben auch die These, die Überlegung, auch schon in dieser Zeit, dass er da irgendwas reingemischt hat.
Daniel
00:45:56
Dann hören wir noch die andere Version.
Solveig
00:45:57
Genau, und Arian gibt dann nochmal, wie es weitergeht. Also wir wissen jetzt, Alexander ist schon mal zusammengebrochen, ihm geht es nicht gut und wir hören das jetzt einmal aus Arians Perspektive.
Daniel
00:46:06
Er schwelgte und trank im Hause des Medius. Dann stand er auf, nahm ein Bad und schlief. Anschließend speiste er erneut im Haus des Medius und trank wiederum bis tief in die Nacht hinein. Nachdem er sich von der Trinkgesellschaft zurückgezogen hatte, nahm er ein Bad. Danach nahm er ein wenig Nahrung zu sich und schlief dort, da er sich bereits fiebrig fühlte. Auf einer Liege wurde er hinaus zu den Opfern getragen, damit er diese gemäß seiner täglichen Gewohnheit darbringen konnte. Nach Vollzug der Heiligen Riten legte er sich im Bankettsaal nieder, bis die Dämmerung hereinbrach. In der Zwischenzeit erteilte er den Offizieren Anweisungen bezüglich des Feldzugs und der Seereise, wobei er jenen, die zu Fuß marschieren sollten, befahl, am vierten Tag bereit zu sein und jenen, die mit ihm segeln sollten, am fünften Tag zur Abfahrt bereitzustehen. Von dort aus wurde er auf der Liege zum Fluss getragen, wo er in ein Boot stieg und den Fluss hinüber zum Park überquerte. Dort nahm er erneut einen Bart und begab sich zur Ruhe. Also wenn ich Fieber hätte, würde ich jetzt nicht so ständig ins Bad steigen.
Solveig
00:47:07
Das ist ja schon so eine, also er geht jetzt zu den Opfern und er badet sich die ganze Zeit. Das ist ja eine übliche, so eine Reinheitsgedanke.
Daniel
00:47:15
Versucht er mit Fieber loszuwerden.
Solveig
00:47:16
Ja.
Daniel
00:47:17
Am folgenden Tag nahm er ein weiteres Bad und brachte die üblichen Opfer da. Anschließend begab er sich in ein Himmelbett, legte sich nieder. Hast du einst so mit Plüsch?
Solveig
00:47:28
Das ist nicht sicher.
Daniel
00:47:31
Das ist ein Himmelbett.
Solveig
00:47:33
Lass ihn doch.
Daniel
00:47:34
Na Mensch.
Solveig
00:47:35
Wenn ihm die Ästhetik gefällt.
Daniel
00:47:39
Legte sich nieder und unterhielt sich mit Medius. Zudem befahl er seinen Offizieren, sich bei Tagesanbruch bei ihm einzufinden. Nachdem er dies getan hatte, nahm er ein leichtes Abendessen zu sich und wurde erneut in das Himmelbett gebracht. Jetzt wird er in das Himmelbett gebracht. Das Fieber wütete nun die ganze Nacht hindurch ohne Unterlass. Am nächsten Tag nahm er ein Bad. Danach brachte er Opfer dar und erteilte Nearchos sowie den anderen Offizieren den Befehl, dass die Seereise am dritten Tag beginnen soll. Am darauffolgenden Tag badete er erneut und brachte die vorgeschriebenen Opfer dar. Das ist jetzt der wievielte Tag? Hast du mitgezählt? Nach Vollzug der heiligen Riten ließ das Fieber bei ihm noch immer nicht nach. Dennoch rief er die Offiziere zu sich und gab ihnen Anweisungen, alles für den Aufbruch der Flotte bereitzuhalten. Am Abend nahm er ein Bart. Danach verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Jetzt hör doch mal auf zu baden, verdammt nochmal.
Solveig
00:48:38
Lass ihn doch, ist das heiß, der muss sich reinigen.
Daniel
00:48:40
Es wird aber doch nicht besser davon. Am nächsten Tag wurde er in das Haus nahe dem Schwimmbad verlegt, wo er die vorgeschriebenen Opfer darbrachte. Obwohl er nun bereits lebensbedrohlich erkrankt war, rief er die ranghöchsten seiner Offiziere zu sich und erteilte ihnen neue Anweisungen bezüglich der Seereise. Am folgenden Tag wurde er unter großen Mühen hinaus zu den Opfern getragen, die er darbrachte. Und dennoch erteilte er den Offizieren weitere Befehle in Bezug auf die Seereise. Am nächsten Tag, obgleich er nun schon schwer, er war gerade schon lebensbedrohlich erkrankt, aber gut, dass er noch schwer erkrankt war, vollzog er die vorgeschriebenen Opfer. Das scheint sehr wichtig zu sein für das, was vielleicht noch kommt. Der Wille der Götter womöglich. Er befahl nun, dass die Generäle in der Halle in Bereitschaft verweilen sollten und die Obersten sowie die Hauptleute vor den Toren blieben. Da sich sein Zustand jedoch mittlerweile als äußerst kritisch erwies, wurde er aus dem Park in den Palast gebracht. Als seine Offiziere das Zimmer betraten, erkannte er sie zwar noch, vermochte jedoch kein Wort mehr hervorzubringen, da er der Sprache beraubt war. Während der darauf folgende Nacht und des Tages, sowie der darauf folgende Nacht und des Tages, litt er unter sehr hohem Fieber. Aber ich muss sagen, ich finde den Ariane ein bisschen, er könnte die Story ein bisschen raffen. Es geht noch weiter. Du möchtest, dass wir das noch weiterhören?
Solveig
00:50:06
Ja, ich möchte, dass wir das noch weiterhören.
Daniel
00:50:08
Okay, folgt bitte. So lautet der Bericht, der im königlichen Tagebuch gegeben wird. Ergänzend dazu heißt es dort, dass die Soldaten sehr darauf erpicht waren, ihn zu sehen. Einige, um ihn noch ein letztes Mal bei lebendigem Leibe zu erblicken. Und andere wiederum, weil das Gerücht umging, er sei bereits tot. Und sie sich einbildeten, sein Ableben werde von den vertrauten Leibwächtern verheimlicht. Eine Annahme, die auch ich meinerseits für plausibel halte. Das ist ja so gerne immer wieder auch bei Päpsten vorgebracht oder bei Stalin oder so. Der ist doch schon längst tot, sonst wird hier was vorgegaukelt.
Solveig
00:50:44
Weil das auch manchmal passiert.
Daniel
00:50:46
Die meisten von ihnen bahnten sich, getrieben von Trauer und Zuneigung zu ihrem König, gewaltsam den Weg zu ihm, um ihn zu sehen. Es wird berichtet, dass er als seine Soldaten an ihm vorüberzogen, nicht mehr sprechen konnte. Dennoch grüßte er jeden Einzelnen von ihnen mit der rechten Hand, wobei er mühsam den Kopf hob und ihnen mit den Augen ein Zeichen gab. Das königliche Tagebuch erwähnt ferner, dass Python, Atalos, Demophon, Heukestas sowie Kleomenes Menidas, und Seleukos im Tempel des Serapis übernachteten und den Gott befragten, ob es für Alexander wohl besser und wünschenswerter wäre, in dessen Tempel getragen zu werden, um dort als Bittsteller von ihm geheilt zu werden. Daraufhin erklang eine Stimme des Gottes, die besagte, er solle nicht in den Tempel gebracht werden, sondern es sei besser für ihn, dort zu verbleiben, wo er sich gerade befindet. Das ist doch mal eine vernünftige Aussage. Das ist mal ein Gott, der verständlich ist und lass das Baden sein.
Solveig
00:51:37
Lass das einfach mal sehen.
Daniel
00:51:40
Als wäre dies nun in der Tat das Bessere gewesen. Weder Aristobulus noch Ptolemaeus haben einen Bericht verfasst, der wesentlich von dem Vorangegangenen abweicht. Einige Autoren jedoch berichten, seine Gefährten hätten ihn gefragt, wem er sein Königreich hinterlasse, das hatten wir gerade, woraufhin er geantwortet habe, dem Tüchtigsten. Andere wiederum behaupten, er habe ergänzend zu dieser Bemerkung geäußert, er sehe voraus, dass zu seinen Ehren ein großer Wettstreit im Rahmen seiner Bestattungsfeierlichkeiten abgehalten werde. Machen wir so ein Ritterturnier und wer am Ende steht noch oder auf dem Pferd sitzen bleibt, der ist es. Mir ist bewusst, dass Historiker zahlreiche weitere Einzelheiten bezüglich Alexanders Tod überliefert haben. Insbesondere die Behauptung, Antipater habe ihm Gift zukommen lassen, an dessen Folgen er schließlich starb. Zudem wird behauptet, das Gift sei von Aristoteles für Antipater beschafft worden.
Solveig
00:52:34
Antipater.
Daniel
00:52:36
Entschuldigung.
Solveig
00:52:37
Das wurde mir im Studium auch eingeprügelt.
Daniel
00:52:40
Keine Betonungszeichen hier und ich bin jetzt kein Muttersprachler. Dieser habe zu jener Zeit aus Furcht um Kalisthenes Grund gehabt, Alexander zu fürchten. Das Gift soll von Kassander, dem Sohn Antipathos, überbracht worden sein. Manche Quellen berichten dabei, er habe es im Huf eines Maultiers verborgen transportiert und sein jüngerer Bruder Eolas habe es dem König verabreicht. Denn dieser war der königliche Mundschenk und hatte kurz vor Alexanders Tod zufällig eine Kränkung durch den König erfahren. Andere wiederum geben an, Medius, der ein Geliebter des Jorlas gewesen sei, habe sie in der Tat beteiligt. Er war es nämlich, der den König zu jenem Trinkgelage angestiftet hatte. Man erzählt, Alexander sei noch während des Trinkens von einem heftigen Schmerzanfall ergriffen worden, woraufhin er sich von dem Gelage zurückgezogen habe. Ein Autor scheute sich sogar nicht zu berichten, als Alexander erkannt habe, dass er wohl nicht überleben würde, habe er sich aufgemacht, um sich in den Euphra zu stürzen. So wollte er den Blicken der Menschen entschwinden und bei den Nachgeborenen die Überzeugung festigen, er verdanke seine Geburt einem Gott und sei nun zu den Göttern heimgekehrt. Doch als er das Haus verließ, blieb er seiner Gemahlin Roxane nicht verborgen. Sie hielt ihn davon ab, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Daraufhin brach er in Klagen aus und sprach, sie missgönne ihm wohl die vollkommene Herrlichkeit, als Spross eines Gottes zu gelten. Diese Berichte habe ich hier lediglich deshalb angeführt, damit nicht der Eindruck entstehe, ich sei mir ihrer Existenz nicht bewusst. Keineswegs jedoch, weil ich sie für glaubwürdig oder auch nur für erzählenswert hielte. Der meint das aber auch ernst.
Solveig
00:54:19
Ja, aber da finde ich, muss man auch mal durch.
Daniel
00:54:21
Aber das ist ja auch der, der jetzt von dir so gelobt wurde, weil er auch andere Leute zitiert, die er eigentlich gar nicht mag.
Solveig
00:54:28
Nee, die wir nicht mehr haben, das ist vor allem der Punkt. Also zum einen musstet ihr da jetzt mal durch, weil das ist historisches Arbeiten, solche Quellen lesen. Und ich finde es eben sehr hilfreich. Wie gesagt, Ariane führt sehr viele Quellen an, die wir heute nicht mehr haben. Dieses königliche Tagebuch, in dem scheinbar der Tagesablauf des Herrschers verzeichnet wurde.
Daniel
00:54:50
Wie viele Opfer und wie viele Bäder.
Solveig
00:54:51
Wann er zum Essen ging und wen er getroffen hat, gibt es heute nicht mehr. Und ich finde aber zu sehen, also einfach nur sich bewusst zu machen, was die damals noch hatten Und was wir heute nicht mehr haben. Also überhaupt auch mal so ein Gefühl für diese Zeit zu bekommen, über deren Organisation, über deren Alltag, auch wie Herrschaft eben organisiert wird, dass wir solche Quellen hatten, finde ich einfach immer nochmal spannend, sich das bewusst zu machen. Und dann Ariane erzählt, Aristobulus hat was geschrieben, Ptolemaios hat was geschrieben, das ist genau der Ptolemaios, um den es hier heute eigentlich geht. Kommen wir gleich noch zu, ein bisschen Geduld. Nur durch Ariane wissen wir überhaupt, dass der ein Buch geschrieben hat, weil das ist weg. Aber er führt ihn eben hier an, führt ihn auch an, dass er relativ glaubwürdig ist und sagt eben, der hat das nicht erzählt, also glaube ich nicht, dass das passiert ist. mit diesem Alexander soll gesagt haben, der Beste von uns und der Beste von euch soll mein Nachfolger werden. Warum sie ihn immer fragen, was jetzt mit der Nachfolge ist, kommen wir ja auch sofort dazu.
Daniel
00:55:49
Eine naheliegende Frage.
Solveig
00:55:50
Ja, muss er regeln, ist nicht so ganz klar. Und was ich auch wichtig finde, dadurch, dass meistens bei, wenn es um den Tod von Alexander geht, Diodor beispielsweise zitiert ist, wo das ja sehr schnell passiert, so er trinkt, hat einen Anfall, ist tot, fand ich es auch sehr hilfreich, ich vielleicht mal Arians Beispiel dazu zu haben. Ja, es ist lang, es ist monoton, aber wir sehen, dass es eben mehrere Tage dauert, dass der scheinbar wirklich krank gewesen ist oder nur leicht vergiftet wurde und es dauert eben. Aber das ist eben nicht von Huf auf einmal, er hat einen Schlaganfall und bricht zusammen, sondern er hat irgendeinen Fieber, irgendeine Krankheit gehabt, und es läuft, man versucht eben noch irgendwie, er organisiert ja nebenbei auch noch eine Kampagne, die er eigentlich vorhatte und scheint die auch nicht aufzugeben und meint so, ich werde wieder gesund und ihr reißt dann schon mal vor und er wird ja eben nicht wieder gesund. Also das finde ich ist einfach so alltäglich. Also so funktioniert Leben. Man wird krank und liegt noch zwei Wochen irgendwie im Bett und muss irgendwie schauen und muss ins Bad.
Daniel
00:56:49
Und am Ende war es eben doch bloß eine Mücke, die dich gestochen hat.
Solveig
00:56:52
Ja, und es ist kein großes Drama. Man geht nicht mit einem großen Knall. Auch ein Alexander geht nicht unbedingt mit einem großen Knall, sondern vegetiert zwei Wochen noch im Bad vor sich hin. Auch mit dem Baden, ich glaube, das ist auch einfach bei denen üblich, dass die morgens und abends baden gehen.
Daniel
00:57:07
Ja, vor allem, wenn sie danach opfern. Das ist ja jetzt auch nichts Ungewöhnliches, dass man sich vor irgendwelchen religiösen Riten reinigt.
Solveig
00:57:13
Es ist auch die Frage, wie weit er involviert ist in die Opfer. Da geht es ja dann auch teilweise um Blutvergießen und da muss man sich vielleicht auch davon sauber machen.
Daniel
00:57:22
Das macht er einfach doch nicht selber.
Solveig
00:57:23
Ja, ist eben die Frage, wie weit er da involviert ist, wenn er da irgendwie noch Blut abbekommt. Das machen die Priester auch manchmal. Und es ist heiß und man möchte vielleicht auch frisch ins Bett, ins Himmelbett. Auf jeden Fall, das war mir jetzt doch mal wichtig, Ariane den Raum zu geben, um auch mal diese nicht ganz so spannende, alltägliche Geschichte von Alexander zu bringen. Nicht ganz so aufgebauschte, dramatische.
Daniel
00:57:50
Ich schaue ein bisschen, was Himmelbett auf Altgriechisch heißt.
Solveig
00:57:53
Das kann ich dir nicht sagen.
Daniel
00:57:55
Und ob es das irgendwo dargestellt auf Vasen gibt. wie das altgriechische Himmelbett ausgeschaut hat.
Solveig
00:58:02
Wie gesagt, wir haben jetzt ausführlich über den Tod von Alexander gesprochen. Wir haben zwei Perspektiven, zwei Erzählungen gehört. Und wir haben gehört, dass sie ihn fragen, wie geht es denn jetzt weiter? Wir haben es schon angesprochen, Alexander ist 32. Der hat Ehefrauen, hatte auch schon Kinder, also hat schon ein Kind bekommen. Entweder ist es, ich glaube, es ist gestorben, sehr schnell nach der Geburt oder ist tot geboren worden. Ich bin mir jetzt gerade nicht sicher. Aber Roxane hatte schon mal einen Sohn geboren. Den gibt es aber nicht mehr. Aber Roxane ist jetzt gerade wieder schwanger. Und jetzt ist eben der Punkt, ja gut, was machen wir jetzt? Also Alexander ist sehr früh gestorben, damit hat eben keiner gerechnet. Er scheinbar auch nicht. Und das mit diesem Ring und der Stärkste soll es machen, wird scheinbar auch später ist aufgekommen sein. Wird auch Sinn ergeben, warum diese Geschichte dann aufkommt. Und man kommt jetzt zusammen und die meisten Herführer sagen, okay, Roxane ist schwanger. Sie scheint auch schon recht fortgeschritten schwanger zu sein. Wir warten dann eben nochmal diese paar Monate ab und gucken, ob sie einen Sohn bekommt. Wenn es ein Sohn wird, dann hat sie natürlich, hat Alexander einen Erben, für den wir das verwalten. Wenn es ein Mädel ist, müssen wir halt weiterschauen. Und bis dahin soll dieser Perdikas, der ist ja schon in der Quelle aufgetaucht, der diesen Ring bekommen hat, soll jetzt im Grunde Reichsverweser sein. Man regelt das auch alles und die meisten herfür, das sind nicht alle, natürlich nicht alle, sind der Meinung, wir warten jetzt darauf, dass ein Baby geboren wird und dann warten wir nochmal 16 Jahre, bis das Kind groß ist. Aber die meisten sagen.
Daniel
00:59:39
Das zerfällt doch alles.
Solveig
00:59:41
Und die meisten meinen, ja, es ist schon sinnvoll, das zusammenzuhalten und Perdikas soll das als Regent machen. Ptolemaius unterstützt Perdikas da auch bei und sagt, ja, das ist eine gute Idee. Aber währenddessen und beziehungsweise und dann wird eben geguckt, wie machen wir das jetzt weiter, Roxane bekommt das Kind, es ist tatsächlich ein Junge und dann sagen sie, okay, das wird dann der neue Alexander, Alexander der vierte Aigoss wird er genannt. Er wird auch sofort in dem Moment, wo er geboren ist, gekrönt als Nachfolger, weil man sagt, wir müssen hier die Herrschaft sichern. An seiner Seite ist der Halbbruder Alexanders Philipp III. Aridaios und bei diesem Aridaios ist es nicht so klar. Also der wird immer als geisteskrank beschrieben. Was genau er hatte, ob er vielleicht irgendwie eine Behinderung hatte oder ob er vielleicht einfach nur irgendwie exzentrisch aufgetreten ist und sie ihn deswegen nicht mochten, ist nicht so ganz sicher. Aber man sagt eben, okay, also die Regierungsgeschäfte, das macht Berdikas weiter, aber den Thron und die Krone, das machen die zwei. Also diesen Philipp Aridaios hatte Alexander auch die gesamte Zeit bei sich an seiner Seite und der ist auch vor Ort und dann sagen wir, gut, er macht das jetzt als Blutsverwandter und dieses Baby ist halt irgendwie auch da. Und um das jetzt alles irgendwie zu regeln, weil Per Dickers ist jetzt sicher auch nicht blöd und er weiß, okay, ich habe jetzt hier lauter Heerführer, die irgendwie auch in ihrem eigenen Charisma irgendwie gesehen werden wollen. Und daraufhin macht er das so, wir behalten das Reich zusammen, aber jeder von euch kriegt eine Satrapie. Und ihr regelt das dann vor Ort. Und Ptolemaios ist da auch sehr schnell dahinter, diese Lösung durchzuziehen. Und Ptolemaios soll auch so mit als Erste gesagt haben, ja, ja, und ich kriege Ägypten. Ich will Ägypten. So, okay. Ich habe schon schöne Sachen gesehen. Ich möchte dahin. Andere kriegen was anderes und es ist dann auch so ein bisschen überraschend, dass er dann so klar Ägypten will eigentlich. Weil Ägypten ist zu diesem Zeitpunkt, was Machtpolitik angeht, nicht sonderlich wichtig. Es ist ein sehr reiches Land. Da gibt es sehr viel Korn.
Daniel
01:01:38
Wer ist denn da bis dahin?
Solveig
01:01:39
Ja, in Ägypten ist immer so ein bisschen schwierig. Aber es ist...
Daniel
01:01:42
Das muss ja schon jemand haben.
Solveig
01:01:44
Ja, es war halt ein persischer Satrap, der da drin saß. Also wer das jetzt genau war, ihr habt mir den Namen nicht aufgeschrieben, war glaube ich ein Grieche, den Alexander da eingesetzt hat und Ptolemaios übernimmt das jetzt. Und die anderen übernehmen andere Gebiete, Siloikos bekommt einen Teil, so in Kleinasien, Irak, also heutiger Irak, Iran, so in dem geben, das geht so an Siloikos. Dann haben wir noch Antipatar, wir haben Antigonos Monomphdalos, der hat nur noch ein Auge, das ist halt dieser Beiname, die teilen sich dann Kleinasien auf. Kassander bekommt Teile von Griechenland, also die kriegen das alles halt aufgeteilt. Aber wie gesagt, es ist nur eine Satrapie. Das Großreich soll weiterhin bestehen. Sie sind nur Verwaltungsbeamte. Und jetzt ist es natürlich so, was immer passiert, wenn wir eine Regentschaft haben, das haben wir auch bei Friedrich dem Zweiten im 13. Jahrhundert, sobald wir so ein kleines Kind da haben und man weiß, das dauert nochmal 10, 15 Jahre, bis das groß ist. In der Zeit kann es nicht ein eigenes Weltbecher schaffen. Vielleicht wird es auch gar nicht groß. Fangen die Leute eben an, eigene Ideen zu entwickeln. Und so ist es auch hier. Und Ptolemaier ist einer der Ersten. Und der wird auch sicherlich schon, als er nach Ägypten gefragt hat, seine Weltmachtidee im Kopf gehabt haben. Ob es eine Weltmachtidee ist, würde ich jetzt nicht sagen. Aber er wollte auf jeden Fall eine Herrschaft etablieren. Und Ägypten zu nehmen, war da eben sehr, sehr schlau. Ägypten ist sehr, sehr reich in dieser Zeit. Und Ägypten ist sehr, sehr leicht zu verteidigen in dieser Zeit. Und es kommt zu einem Bündnis gegen Perdikas. der ist ja immer noch da und will den Laden irgendwie zusammenhalten, aber sie mögen ihn, also es gibt halt Rangeleien und man mag ihn immer weniger. Und eben Antipater, Krateros, Antigonus, Ptolemaios schließen sich zusammen und für einen Krieg gegen ihn. Und es gibt dann unterschiedliche Kriegszüge, das sind jetzt eben, wir gehen da jetzt sehr, sehr schnell durch, das sind die sogenannten Diadochenkriege, das dauert jetzt schon noch ein paar Jahrzehnte, bis die sich wirklich geeinigt haben. Geht auch immer hin und her.
Daniel
01:03:53
Da ist der Sohn ja dann schon erwachsen zwischendrin.
Solveig
01:03:56
Ja, der wird ja zwischendurch umgebracht. Oder hat er es nicht geschafft? Nein, nein, der wird mit sechs Jahren oder so umgebracht, Roxane auch. Also Kassander ist da sehr schnell, der holt die dann nachher nach Griechenland, da werden sie dann unter Hausarrest gestellt und also mit ungefähr sechs ist sowohl Roxane tot wie der Alexander. Und der Philipp Aridaios ist auch ganz schnell weg, also das... Derer entledigt man sich dann doch sehr schnell.
Daniel
01:04:19
Insofern haben sie auch recht gehabt.
Solveig
01:04:21
Ja, nur sie haben es halt selber gemacht. Aber da sind wir jetzt noch gar nicht, sondern wir sind jetzt tatsächlich nur zwei, drei Jahre nach Alexanders Tod. Und es kommt jetzt schon dazu, dass man sich gegen Perdikas erhebt. Perdikas zieht dann selbst in den Kampf gegen Ptolemaios, der eben in Ägypten sitzt. Und du siehst es hier, es gibt im Grunde nur einen Weg nach Ägypten rein und das ist eben über die Levante Küste hier am Sinai vorbei. Das heißt, du musst nur diese eine Ecke mit deinen Truppen absichern und dann bist du raus. Dann kommt niemand in dein Land rein. Und das hat Ptolemaios tatsächlich sehr schnell gesehen und für sich genutzt, weil er im Grunde als einziger kontinuierlich dieses Gebiet für sich behält. Die anderen, da gibt es massive Umschwankungen, mal gehört das eine dem, mal gehört das andere dem, mal werden die erobert. Und er kann es tatsächlich, dieses Ägypten, für sich halten. Er greift dann nochmal in die Kyreneika aus, das ist hier im Westen, so Richtung des heutigen Tunesiens rein. Da erobert er nochmal Zypern, erobert er mal Rhodos, erobert er mal, das wird ihm dann wieder weggenommen. Aber das ägyptische Kernland kann er eben sehr gut halten und dort seine Macht eben etablieren und man geht eben davon aus, dass er das von Anfang an wusste, und zielgesichert danach gegriffen hat, um dort seine eigene Herrschaft aufzubauen, während die anderen Diadochen, das meint eigentlich nur Nachfolger im Griechischen, sich um das ganze Rest wie Hunde reißen. Per Dikas kann eben tatsächlich Ptolemaios nicht aus Ägypten raushauen. Er verliert dort, er stirbt selbst in der Schlacht. Das ist auch nochmal so ein wichtiger Punkt. Diese späteren Könige auch, sind sie jetzt noch nicht, müssen immer mit in den Kampf ziehen und die müssen auch in erster Reihe voran, weil das auch so einen Bezug auf Alexander hat. Also man muss immer mit im Kampf sein, man muss auch immer wieder erobern, das kommt später auch immer. Zur eigenen Herrschaftslegitimierung muss man auch Land erobern, deswegen bringen die sich auch ständig um und führen ständig Krieg gegeneinander und deswegen sterben die auch so oft. Und da haben wir einen sehr schnellen Durchlauf an Herrschern, weil die immer im Krieg fallen, weil sie eben in erster Linie mit müssen und das muss Perdicassier auch und deswegen stirbt er dann, beziehungsweise er wird von seinen eigenen Truppen umgebracht, weil er verliert und sie meutern. Und wie gesagt, es gibt mehrere Diadochenkriege. Ich erspare uns das, weil das auch dann immer hin und her geht. Es sind dann auch für uns relativ fremde Namen, wenn man sich jetzt mit griechischen Namen nicht so auskennt, dass man da auch schnell den Bezug zu verliert. Deswegen habe ich das jetzt rausgenommen. Es ist einfach nur wichtig, Ptolemaios hält Ägypten die gesamte Zeit hindurch. Und 311, also 20 Jahre nach Alexanders Tod, Roxane ist schon umgebracht worden, die Kinder sind, also Alexanders Sohn ist umgebracht worden, kommt es zum Diadochenfrieden. Also man sagt jetzt, okay, wisst ihr was, es reicht jetzt irgendwie langsam, diese Idee, dass wir das Großreich zusammenhalten, ist auch vorbei. Es gab zwischendurch immer mal welche, die zum Beispiel Antipater hat dann gesagt, ich eroberte einfach alles für mich, hat nicht funktioniert und deswegen sagen wir jetzt, okay, jeder kriegt jetzt das, was er hat und dann ist Schluss. Ah ne, genau, ich habe gelogen. Jetzt wird Alexander erst um, also der Alexander Sori wird verschwindet. Jetzt erst. Also zu diesem Diadochenfrieden schließen sie sich zusammen und sagen, ja okay, wir teilen das jetzt auf. Diese Idee, dass wir dieses Großreich zusammenhalten, bis der Junge groß ist, machen wir nicht. Und dann ist er halt auch ganz schnell weg. Also ich glaube 310 ist er dann tot.
Daniel
01:07:53
Sonst geht es ja wieder los.
Solveig
01:07:54
Sonst geht es ja wieder los. Deswegen, also das geht dann ganz praktisch, ist er dann weg. Und es geht dann aber trotzdem immer noch weiter. Wie gesagt, die führen trotzdem immer noch untereinander Krieg. Aber man hat jetzt diese Idee aufgegeben, wir halten das Großreich zusammen, sondern jeder hat so sein Gebiet bekommen. Und 307 lässt sich dann Antigonus Monomphdalos als erster zum König ausrufen. Und das macht Tholomaius dann ganz schnell nach. Beziehungsweise sie rufen sich nicht selbst aus. Sie werden von ihren Truppen natürlich ausgerufen. Akklamation. Man wird erhöht, weil auch hier, die haben ja immer noch so ein gewisses Problem mit Königen. Eigentlich gehört sich das nicht. Und das ist auch irgendwie Pfui.
Daniel
01:08:35
Aber so viele Makedonier können das doch gar nicht mehr sein. Das sind doch nur die Bosse. Ich meine, die Truppen können ja auch nicht alles Makedonier sein. So viele Menschen gab es ja da gar nicht in diesem Land.
Solveig
01:08:44
Aber sie sind schon noch so aus dem griechischen Kulturraum. Also die Eliten, das muss man wirklich dazu sagen, die Eliten, die die Diadochen dann vor Ort etablieren. Vielleicht bei Siloikos, der eben das gesamte ehemalige Perserreich bekommt. Zunächst dann. Das verliert er dann auch zu teilen etc. Da haben wir noch persische Eliten, aber die anderen sind ja alle Griechen. Und da haben wir dann auch zum Beispiel bei den Pölomäern, die Elite ist griechisch. Der hat keine Ägypter bei sich in seinen Führungspositionen. Deswegen geht es hier tatsächlich auch bei den Truppen, das sind irgendwie griechisch geprägte Truppen, die mit dem Königstum irgendwie ist es cool, aber eigentlich gehört es sich nicht und wenn wir jetzt mit den Leuten in Athen reden, dann wollen die auch nicht mit uns reden. Aber sie machen es jetzt eben alle, nach und nach werden sie alle, also sie übernehmen, sie krönen sich nicht. Das ist auch so ein Punkt. Die Diadochenherrscher und dann auch die Dynastien, die aus ihnen hervorgehen, die tragen keine Krone, die tragen das Diadem. Das ist so ein Band. Und wenn man so mal auf die, also wir haben die ganzen Herrscher auf Münzen drauf, daher wissen wir ungefähr, wie die ausgesehen haben. Und die haben immer so ein Haarband. Die haben so ein Stirnband. Und das ist eben ihr Herrschersymbol. Wenn wir jetzt zu Kleopatra gehen, die hat ja auch ihr Gesicht auf Münzen geprägt. Die hat auch immer so ein Band um. Das ist eben kein einfaches Habern, sondern das ist eben ihr Herrschaftszeichen als Königin von Ägypten. Basilea, mit dem kann man sie eben dann erkennen. Aber es ist eben nicht so beeindruckend wie jetzt diese großen Kronen, sondern es ist wirklich nur so ein Bändchen. Also da ist schon so ein Versuch, das Griechische da irgendwie mit reinzubringen. So, wir sind ja nur, wir sind ja keine richtigen Könige. Aber wir sind schon Könige, aber wir sind keine Könige.
Daniel
01:10:27
Was wollte denn das Volk von Ägypten?
Solveig
01:10:29
Das Volk von Ägypten.
Daniel
01:10:30
Hat das sofort gerufen, unser neuer Pharo.
Solveig
01:10:32
Das ist scheißegal. Was sie wollen, ist, Erstmal nicht so wichtig, weil, wie gesagt, wir hatten es jetzt angesprochen, das sind ja alles jetzt Fremdherrscher. Eigentlich war der Gedanke des Großreichs Alexander, Alexander ist der Nachfolger des Daraios gewesen, deswegen hat er diese Herrschaft an sich gehabt. Und eigentlich war es, wir geben die Herrschaft an den Sohn weiter. Jetzt haben wir den Sohn nicht mehr, aus Gründen, für die wir selbst verantwortlich sind. Und jetzt haben wir dieses Großreich einfach aufgeteilt nach dem Motto, ja, jeder kriegt halt das, was er gerade hat. Ist jetzt irgendwie, so geht's.
Daniel
01:11:08
Ist halt pragmatisch.
Solveig
01:11:09
Ja, aber so geht's halt nicht. Du musst ja schon irgendwie deine Herrschaft irgendwie legitimieren. Du kannst nicht einfach irgendwas erobern und sagen, also doch, kannst du schon. Und genau das machen sie. Also sie sagen halt, und deswegen hatte ich die Geschichte mit diesem Speer am Hellespont erwähnt. Diodor hat nämlich diesen Begriff des Speer-gewonnenen Landes aufgebracht. Also Alexander hat mit diesem Speerwurf sein Anrecht auf Persien kommuniziert, hat es dann gewonnen. Und hat es dann gehabt. Und so diese Begrifflichkeit übernehmen die Diadochen jetzt auch und sagen, auch wir haben das Land Speer gewonnen. Also wir haben es erobert und deswegen gehört es uns. Deswegen hatte ich eben schon angeführt, die führen immer Krieg untereinander. Das wird dann Teil ihrer Herrscherlegitimation, dass sie Krieg führen, dass sie Land erobern, damit sie ihre Macht vergrößern, um auch innerhalb ihrer eigenen Königreiche ihre Macht zu behalten. Und deswegen sagen sie dann auch, deswegen haben wir dieses Land auch damals übernommen, als diese Reichsteilung quasi kam, weil das hatten wir mit dem Sperr gewonnen. Also Ptolemaius ist nicht als Satrap von Perdikas da eingesetzt worden, sondern er hat Ägypten erobert.
Daniel
01:12:15
Er ist halt widerstandslos.
Solveig
01:12:16
Er ist da halt hin und er hat es dann mit dem Speer gewonnen. Und das reicht aber noch nicht. Denn jetzt kann man sagen, ja gut, ihr habt das alles gewonnen, aber eigentlich war es ja Alexander. Und was habt ihr jetzt mit Alexander eigentlich zu tun? Ihr seid nicht mit dem Verwandt und ihr habt seinen Sohn umbringen lassen. Warum seid ihr noch hier? Und dann passiert nämlich etwas, die identifizieren sich immer stärker mit Alexander selbst und sagen so, wir sind ja, wir sind die Diadochen von ihm. Wir sind in seiner Nachfolge.
Daniel
01:12:45
Wir sind wiedergeborene, Alexandrin.
Solveig
01:12:48
Und da hat vor allem Ptolemaeus eine sehr schöne Idee. Und die hat er sehr, sehr früh. Wir springen jetzt nochmal zurück, zehn Jahre zurück. Nämlich zwei Jahre, nachdem Alexander in Babylon gestorben ist. Wir haben immer noch Per Dickers als Reichsverweser an der Macht. Und jetzt haben wir natürlich mit dem Tod von Alexander noch so ein anderes Problem. Das kannst du dir vielleicht denken. Der ist ja nicht zum Himmel gefahren. Der ist ja immer noch, seine sterbliche Hülle ist immer noch da.
Daniel
01:13:17
Okay, ja gut. Dass du jetzt in solche Details gehst, hatte ich jetzt nicht erwartet. Ich war jetzt immer noch bei der großen Politik und Kriegsführung. Und dann kommst du jetzt mit einem Beherdigungseuvergang.
Solveig
01:13:27
Ja, aber pass auf, das wird jetzt tatsächlich Teil der großen Politik, denn wo packen wir ihn denn hin?
Daniel
01:13:34
Also wer ihn kriegt, ist der wahre neue Alexander?
Solveig
01:13:37
Wo soll er denn jetzt hin? Kommt er zurück nach Makedonien zu seinen Ahnen. Alexander selbst wollte in der Oase Siva bestattet werden und man hat jetzt einen Plan.
Daniel
01:13:48
Wo ist die Oase Siva?
Solveig
01:13:49
Kommen wir gleich zu.
Daniel
01:13:50
Ist das da, wo das Orakel? Genau, da. In den ägyptischen Raum.
Solveig
01:13:55
Und weil sie ihm dort halt so freundlich begegnet sind.
Daniel
01:13:57
Die gesagt haben, er wird das ganze Weltreich kriegen.
Solveig
01:14:01
Soll er dorthin? Da ist eben dieses große Ammon-Heiligtum, wo es dieses Orakel gibt, wo man ihn eben auch als Sohn des Ammon begrüßt haben soll. Und das sehen wir dann auch auf den Münzen von Alexander, weil er ist so der Erste, der sein Gesicht auf seine Münzen prägen lässt.
Daniel
01:14:17
Mhm.
Solveig
01:14:18
Und er hat dann so Widderhörner. Also er wird manchmal mit so Widderhörnern dargestellt und das ist jetzt nicht, weil er irgendwie vom Teufel besessen ist, sondern er sagt eben, ich bin der Sohn Ammons und das ist das Symbol dafür. Und das ist eben ihm dort in der Oase Siva geweissagt worden. Er scheint auch insgesamt sehr eng mit diesem Orakel verbunden gewesen sein. Ich hatte schon angesprochen, dass Hephaestion ja so eine ganz besondere Beziehung zu ihm hatte und Hephaestion stirbt eben tatsächlich nur ein paar Monate vor ihm. Er ist da sehr, sehr traurig drüber und lässt dann Boten in die Oase Siva schicken, um zu fragen, ob man Hephaestion vielleicht auch als Gott verehren dürfe. Und da sagen die vom Orakel, nee, das ist jetzt nicht. Als Hero darfst du ihn verehren, das ist okay, aber Gott ist er jetzt nicht. Aber Alexander hat da scheinbar immer wieder Verbindungen und die wichtigsten Themen in seinem Leben hat er mit diesem Orakel besprochen und es soll eben so diesen Gedanken gegeben haben, er möchte jetzt in dieser Oase bestattet werden. Und Perdikas denkt sich so, okay, dann kommen wir diesem Wunsch nach, und es soll sich ja auch lohnen, wir sitzen ja jetzt immer noch in Babylon und haben uns jetzt zwei Jahre um diesen Leichnam gekümmert ja, der ist einbalsamiert und mumifiziert und, der ist konserviert und da haben wir einmal die Beschreibung von Diodor, wie sie ihn jetzt in die Oase Siva bringen möchten.
Daniel
01:15:42
Zunächst fertigten sie für den Leichnam einen Sarg von passender Größe an, gefertigt aus gehämmertem Gold. Den Raum um den Körper füllten sie mit Gewürzen, die dazu dienten, dem Leichnam einen wohlriechenden Duft zu verleihen und ihn vor dem Verfall zu bewahren. Auf diesen Sarg wurde ein goldener Deckel gesetzt, der sich ihm aufs Genaueste anpasste und bündig auf seinem oberen Rand auflag. Darüber wurde ein prachtvolles, goldbesticktes Purpurgewand bereitet. Daneben legten sie die Waffen des Verstorbenen nieder. In dem Bestreben, die gesamte Gestaltung in Einklang mit dessen ruhmreichen Taten zu bringen. So dann stellten sie unmittelbar daneben den überdachten Wagen auf, der für den Transport bestimmt war. Auf dem Wagenaufbau erhob sich ein goldenes Gewölbe, acht Ellen breit und zwölf Ellen lang, das mit überlappenden, edelsteinbesetzten Schuppen bedeckt war. Unterhalb des Daches verlief ringsum ein rechteckiges, goldenes Gesims, aus dem in hohem Relief dargestellte Köpfe von Ziegenböcken mit Hirschgeweih hervorragten. Von diesen herab hingen goldene Ringe von zwei Handbreitstärke. Durch diese Ringe wandte sich eine festliche Gelande, die mit leuchtenden Farben aller Art kunstvoll verziert war. An den Enden hingen netzartig geknüpfte Quasten herab, an denen große Glocken befestigt waren, sodass jeder Herannahende ihren Klang schon aus großer Entfernung vernehmen konnte. An jeder der vier Ecken des Gewölbes stand eine goldene Siegesgöttin, die eine Trophäe in den Händen hielt. Die Säulenreihe, welche das Gewölbe trug, bestand aus Gold und war mit ionischen Kapitellen versehen. Im Inneren der Säulenhalle war ein goldenes Netz gespannt, gefertigt aus fingerdicken Schnüren, das vier lange bemalte Tafeln trug. Diese stießen an ihren Enden aneinander, wobei jede einzelne genau der Länge einer Seite der Säulenhalle entsprach. Auf der ersten dieser Tafeln war ein mit Reliefarbeiten geschmückter Streitwagen dargestellt, in dem Alexander saß und ein überaus prächtiges Zepter in den Händen hielt. Den König umgaben Gruppen bewaffneter Begleiter. Eine aus Makedonien, eine zweite aus persischen Leibwächtern, vor denen wiederum bewaffnete Soldaten postiert war. Die zweite Tafel zeigte die für den König gerüsteten Elefanten, die der Leibwache folgten. Sie trugen vorne indische Mahmuts und dahinter Mahuts. Sie trugen vorne indische Mahuts und dahinter vollbewaffnete Makedonier in ihrer regulären Ausrüstung. Die dritte Tafel zeigte Kavalerietruppen, als stünden sie in Schlachtaufstellung, die vierte hingegen Schiffe, die für ein Seegefecht gerüstet waren. Neben dem Eingang zur Kammer standen goldene Löwen, deren Blicke jenen zugewandt waren, die das Innere betreten wollten. Entlang der Mitte jeder Säule zog sich von unten bis zum Kapitel allmählich emporsteigend ein goldenes Acanthus-Ornament. Über der Kammer, genau in der Mitte der Deckenöffnung, unter freiem Himmel, hing ein purpurfarbenes Banner, das mit einem riesigen goldenen Olivenkranz verziert war. Und wenn die Sonne ihre Strahlen darauf warf, sandte es einen so hellen und lebhaften Glanz aus, dass es aus großer Entfernung wie ein Blitzstrahl erschien. Der Wagenkasten unterhalb der überdachten Kammer ruhte auf zwei Achsen, auf denen sich vier persische Räder drehten, deren Narben und Speichen waren vergoldet, der Teil jedoch, der den Boden berührte, bestand aus Eisen. Die überstehenden Enden der Achsen waren aus Gold gefertigt und in Form von Löwenköpfen gestaltet, von denen jeder einen Speer zwischen den Zähnen hielt. Mittig über ihre gesamte Länge verfügten die Achsen über eine Lagerung, die so kunstvoll in der Mitte der Kammer angebracht war, dass die Kammer dank dieser Vorrichtung von Erschütterungen durch unwegsames Gelände unbeeinträcht blieb. Das ist aber gut, sonst wäre es womöglich noch schlecht geworden.
Solveig
01:19:29
Er ist ja schon tot.
Daniel
01:19:32
Es waren vier Deichseln vorhanden und an jeder von ihnen waren vier Gespanne befestigt, wobei jedes Gespann aus vier Maultieren bestand, sodass sich insgesamt 64 Maultiere ergaben, die aufgrund ihrer Kraft und Größe ausgewählt worden waren. Jedes von ihnen trug eine vergoldete Krone, an beiden Wangen hing jedem eine goldene Glocke herab und um ihre Hälse legten sich mit Edelsteinen besetzte Halsbänder. Auf diese Weise war der Wagen konstruiert und verziert. Und er erschien beim Anblick noch prächtiger, als er sich beschreiben ließ. Aufgrund seines weithin reichenden Ruhms zog er zahlreiche Schaulustige an, denn in jeder Stadt, die er erreichte, strömte die gesamte Bevölkerung herbei, um ihn zu empfangen und geleitete ihn anschließend wieder hinaus. Ohne jedes Vergnügens überdrüssig zu werden, ihn zu betrachten. Um dieser Pracht gerecht zu werden, wurde der Wagen von einer Schar von Wegbereitern und Handwerkern sowie von Soldaten begleitet, die zu seinem Schutz abgestellt waren. Nachdem Aridaios fast zwei Jahre mit den Vorbereitungen für dieses Unterfangen verbracht hatte, überführte er den Leichnam des Königs von Babylon nach Ägypten. Ptolemaios wiederum, um Alexander die gebührende Ehre zu erweisen, zog ihm mit einem Heer bis nach Syrien entgegen. Dort nahm er den Leichnam in Empfang und erachtete ihn als würdig der allergrößten Ehrerbietung. Er beschloss ihn vorerst nicht zum Heiligtum des Ammon zu senden, sondern ihn in jener Stadt beizusetzen, die Alexander selbst gegründet hatte, einer Stadt, der nur wenig fehlte, um die ruhmreichste aller Städte der bewohnten Erde zu sein. Dort ließ er eine Grabstätte errichten, die in ihrer Größe und Bauweise der Herrlichkeit Alexanders würdig war. Indem er ihn dort beisetzte und ihm mit Opfern, wie sie Halbgöttern dargebracht werden, sowie mit prachtvollen Spielen ehrte, erfuhr er eine wohlverdiente Belohnung, nicht nur von Seiten der Menschen, sondern auch von den Göttern. Denn die Menschen strömten, bewegt von seiner Güte und seiner Herzens Edelkeit, voller Eifer aus allen Himmelsrichtungen nach Alexandria und ließen sich bereitwillig für den Feldzug anwerben. Dies taten sie, obgleich das Heer der anderen Könige im Begriff stand, gegen das Heer des Ptolemaios in den Kampf zu ziehen. Und wenngleich die Gefahren offensichtlich und groß waren, nahmen sie doch alle bereitwillig und unter Einsatz ihres eigenen Lebens die Gewährleistung der Sicherheit des Ptolemaios auf sich. Auch die Götter retteten ihn, wie der Erwarten, aus größten Gefahren. Und dies um seines Mutes sowie seines aufrichtigen Umgangs mit all seinen Freunden willen.
Solveig
01:22:07
Ich habe hier noch ein Bild für dich.
Daniel
01:22:09
Das können wir auch in die Show Notes packen.
Solveig
01:22:11
Oder? Das ist eine Rekonstruktionszeichnung aus dem 19. Jahrhundert, aber man hat das jetzt nach dem Bericht von Diodore einfach mal nachgezeigt.
Daniel
01:22:18
Das sind viele Maultielere auf diesem Bild, aber es ist auch wahrscheinlich ein schweres Ding gewesen. Ich hätte jetzt fast gedacht, es müsste noch größer sein nach der Beschreibung, aber es ist ja sogar die Maße angegeben gewesen. Ich habe es jetzt nicht behalten.
Solveig
01:22:31
Also zumindest der Kammer innen drin.
Daniel
01:22:34
Ja, es macht bestimmt Eindruck, sich das mal anzugucken.
Solveig
01:22:37
Vor allem als Prozession von Babylon nach Egypten. Und hast du mitgekriegt, was der Ptolemaios gemacht hat mit diesem Wagen?
Daniel
01:22:47
Der hat sich entschieden, das ist jetzt bis zur Oase, ist das dann doch noch zu weit. Und wir haben doch hier eine Stadt, die der Alexander selber gegründet hat. Und das ist eigentlich die schönste von allen Städten. Und da muss er doch dankbar sein, wenn wir ihn da hinbringen.
Solveig
01:23:02
Na ja, die ist so ein bisschen kassiert.
Daniel
01:23:04
Ja, und dann haben sich die anderen gedacht, dann führen wir jetzt den Krieg wieder weiter. Weil es ist ja auch ein bisschen skurril, dass die Könige erst sagen, so ja, schön, wir bringen jetzt den Leichnam des Alexanders zu dir. Und dann waren sie wahrscheinlich schockiert, dass er die nicht in der Oase abgelegt hat. Und sie haben sich gedacht, dann eröffnen wir die Kampfhandlungen. Aber alle waren so begeistert von dem Sarkophag und dem Feiern.
Solveig
01:23:24
Ja, von dem Wegelchen, was ja irgendwie zwei Jahre gedauert hat. Wobei ich finde, das haben die auch schnell zusammengehauen in zwei Jahren. Und das macht Pallomais. Also Theodor schreibt, dass er ihn direkt nach Alexandria bringt. Es gibt noch andere Berichte, dass er ihn erst in Memphis hat beisetzen lassen. Also so in Mittelägypten. Auch noch so eine sehr wichtige Stadt für die ägyptischen Kulte, die ja weiterhin betrieben werden. Also du hattest eben schon ein bisschen gefragt, wer ist eigentlich in Ägypten an der Macht? Das ist so ein bisschen schwierig in Ägypten. Weil, also Ägypten ist tatsächlich schon im siebten Jahrhundert vor Christus in persische Abhängigkeit gekommen, hat sich zwischendurch immer mal wieder da rausgekämpft. Und dann waren sie wieder für eine Weile unabhängig und dann wurden sie wieder Satrapie und dann wurden sie wieder unabhängig. Und das war kurz bevor Alexander kam auch schon passiert. Also man hatte da, irgendwie gerade erst wieder gegen die Perser verloren. Und das heißt, wir haben eine relativ starke ägyptische Elite, vor allem so um die Priesterkulte herum eben in Memphis. Und da versucht man seitens auch von Ptolemaius und später auch den Ptolemäern immer so ein bisschen in Frieden zu halten und die so ein bisschen mit einzubinden. Nicht richtig, aber dass sie sich zumindest respektiert und gesehen fühlen. Und da bringt er scheinbar erst mal den Alexanderwagen hin. Also er nimmt ihn eben direkt in Besitz an der Grenze, so war das scheinbar auch abgesprochen, und er sollte sie dann diesen Wagen bis nach Siva begleiten und lenkt ihn dann aber um und sagt, nö, nö, nö. Und ich hatte es schon angesprochen, Ptolemaius hat ja ein eigenes Werk geschrieben. Und man geht davon aus, dass er in diesem Buch einfach auch sehr ausführlich erzählt, warum er ihn jetzt umgeleitet hat und dass das wichtig war und ganz abenteuerisch und etc. Wir haben diesen ganzen Bericht eben nicht mehr. Aber was eben passiert ist, dass Ptolemaius diese Leiche klaut für seine eigene Herrschaftslegitimation. Also er ist nach Memphis, aber es ist eben klar, dass die dann nach Alexandria kommt. Und das Alexandria in Ägypten ist nicht die einzige Stadt, die Alexander gründet. Das ist auch nicht das einzige Alexandria.
Daniel
01:25:23
Ach so.
Solveig
01:25:24
Überall quasi im Perserreich, wo er hinkommt, gründet er in Alexandria.
Daniel
01:25:27
In jedem Teilgebiet?
Solveig
01:25:29
Es gibt ganz viele, wenn man das mal so guckt. Aber das ist natürlich die berühmteste Stadt, die Alexandria heißt. Hat auch damit zu tun, dass die da eben sehr passend da oben liegt. Auch tatsächlich weit weg von den eigentlichen ägyptischen Städten, die schon seit dem ägyptischen Hochkultur dort existierten, ist tatsächlich eine so komplette griechische Neugründung. Und von dort herrschen die Ptolemäer eben über Ägypten. Und die sind da eben auch sehr klar, also die Haupteliten, also die großen Eliten, die Hauptaufgaben, die Herrschaftsaufgaben, das machen ausschließlich Griechen. Und es gibt dort keinen ägyptischen Einfluss. Ägypter dürfen nicht in Verwaltungsaufgaben arbeiten. Das ist denen rechtlich gesetzlich verboten. Also auch eine Vermischung gibt es nicht. Aber Ptolemaius versucht sich eben sehr, sehr stark über diese Alexanderrezeption seine Herrschaft zu sichern. Also er baut dann eben, lässt dann ein großes Mausoleum in den Alexandria bauen, auch so im Zentrum der Stadt, was dann auch später nochmal weiter ausgebaut wird. Das ist das sogenannte Sema und dort ist er drin. Und das wird dann eben, wie gesagt, weiter ausgebaut. Nebenan, gegenüber gibt es dann eben auch die Grabstätte für die Ptolemaier. Die sind alle dort auch bestattet in Alexandria, eben nicht irgendwo anders in Ägypten, nicht im Tal der Könige, sondern in Alexandria. Das ist so deren Stadt und deren Herrschaftsbereich auch mit. Und es gibt dann später noch den Bericht von Ptolemaius X., also viel, viel später, weil es eben so viele Touristenströme tatsächlich gibt. Das kann man schon als Tourismus bezeichnen.
Daniel
01:27:05
Wallfahrten.
Solveig
01:27:07
Wallfahrten, die eben nach Alexandria kommen, um Alexander zu sehen, um das Grab zu besuchen. Lässt Ptolemaius X. dann auch den ganzen Sarkophag austauschen lässt, wahrscheinlich nicht. Aber Teile des Sarkophages von Alexander entfernen und ihn in einen Glaskasten legen, damit man ihn besser sieht.
Daniel
01:27:26
Klingt katholisch.
Solveig
01:27:26
Ja. Und dieses Grab wird eben auch später noch besucht werden, auch von den Römern. Wir haben da Bericht. Also Cäsar war am Grab Alexanders Augustus, also zum Zeitpunkt noch Octavian.
Daniel
01:27:39
Den haben sie nicht nach Rom geholt.
Solveig
01:27:41
Nee, den haben sie dort gelassen. Es gibt irgendwie so diese Geschichte. Ich habe sie aber nicht mehr gefunden. Das ist so eine Anekdote. Angeblich ist das dann später so eine, wahrscheinlich auch um Augustus irgendwie blöd dastehen zu lassen, dass er ihn angeblich ihm die Nase abgebrochen hatte. Entschuldigung, die Nase. Ja, sie ist aber auch sehr empfindlich bei so einer mumifizierten.
Daniel
01:28:00
Ist doch, also ja gut.
Solveig
01:28:02
Die ist sehr schnell ab, sagen wir so, wenn man drankommt. Das ist noch so eine Anekdötchen, dass als Augustus kam, auch noch die Nase von ihm abgebrochen hat, aber ... Als Augustus kam, war halt von Alexander auch nicht mehr so viel, zumindest von dem Ptolemäern nicht mehr so viel Herrschaft da. Also man sieht, worum es mir geht bei dieser Geschichte um diesen Alexander-Leichnam, der wird eben ganz klar in die eigene Herrscherlegitimation implementiert. Man führt seine eigene Herrschaft auf Alexander zurück. Alexander wird sehr, sehr schnell vergöttlicht. Es ist schon zu Lebzeiten, wenn er sich da als Sohnes Amon darstellt mit Widerhörnern, ist es eben sehr, sehr leicht, ihn dann sehr schnell zu vergöttlichen. Das machen eben auch alle Diadochen. Also Alexander wird zu so einem Gottwesen, von dem sie dann eben spirituell abstammen können. Zwar nicht mit dem Blut her, aber sie sind beauftragt worden von ihm. Und dadurch sind sie eben als Diadochen, als Nachfolger legitimiert. Und Ptolemaios macht das eben einfach nochmal weiter. Beziehungsweise er hat einfach das Glück, dass er diese Leiche klauen kann. Die anderen hätten das bestimmt auch gerne gemacht. Aber er hat es halt im richtigen Moment gekriegt.
Daniel
01:29:07
Dann hat es so dumm, ihn da zu denken, wir bringen es in die Oas. Statt nach Babylon oder woher.
Solveig
01:29:12
Nach Pella hätten sie ihn auch noch bringen können. Da gibt es auch bis heute Diskussionen. Also das Alexandergrab ist nicht mehr da. Man weiß nicht mehr, wo es ist. Noch im Frühmittelalter gibt es Berichte von Pilgern oder Touristen, die erzählt bekommen, hier war es oder denen das gezeigt wird.
Daniel
01:29:30
Ach so, wo es war, aber die haben es jetzt nicht mehr gesehen.
Solveig
01:29:32
Also ja, irgendwie so ein Gebäude haben sie noch gesehen und es wurde ihnen dann gesagt, ob das aber wirklich so stimmt.
Daniel
01:29:37
Ja, das war bestimmt verarschend.
Solveig
01:29:38
Weiß man nicht.
Daniel
01:29:39
Aber es gibt keinerlei Beschreibung so, wie Alexandria damals aufgebaut war und an der Stelle ist das Mausoleum für Alexander. Aber das heißt, man könnte das doch quasi relokalisieren.
Solveig
01:29:49
Ja, aber das ist so ein Punkt, da kommen wir eben auch noch zu, beziehungsweise können wir es auch jetzt machen, Ich wollte später dazu kommen. Alexandria ist mehrmals von schweren Erdbeben heimgesucht worden.
Daniel
01:29:58
Also Alexandria.
Solveig
01:29:59
Genau. Was habe ich gesagt? Ich weiß nicht.
Daniel
01:30:02
Du klangst so wie Alexander.
Solveig
01:30:03
Achso.
Daniel
01:30:04
Der vielleicht auch.
Solveig
01:30:05
Die Stadt Alexandria ist sehr viel, gerade im frühen Mittelalter und im Hochmittelalter auch nochmal, von Erdbeben heimgesucht worden. Es ist ja auch öfter nochmal erobert worden, dadurch auch teilweise zerstört worden bei diesen Eroberungen. Und teilweise sind auch die ehemaligen Ptolemäischen Palastanlagen mittlerweile untergegangen. Also die Unterwasserarchäologie ist gerade in Alexandria sehr, sehr stark ausgeprägt, weil man da eben tauchen muss und da holen sie dann auch regelmäßig nochmal so Kleopatra-Statuen, Ptolemäa-Statuen hoch, aber es ist nicht so leicht und Alexandria ist ja mittlerweile, ich glaube 10 Millionen leben da heutzutage, es ist eine wahnsinnig dicht besiedelte Großstadt. Und die einfach kontinuierlich bebaut wurde und da kann man nicht einfach so graben, wenn da ein Hochhaus heute steht. Dann kann man nur irgendwie hoffen, dass das irgendwann abgerissen wird, um eine Tiefgarage anzulegen und dann kann man schnell kommen und ein bisschen buddeln und dann war es das aber auch schon wieder. Also das ist eben so schwierig. Archäologische Grabungen bei diesen Städten, die einfach kontinuierlich besiedelt sind. Das heißt, man weiß auch nicht mehr so richtig, man weiß es ungefähr, wo es war, aber man hat keine Bausubstanz mehr, um das wirklich nachzuweisen. Das heißt, auch der Leichnam von Alexander ist weg, der war auch schon sehr, sehr schnell weg. Also im Frühmittelalter war der schon weg. Und man weiß eben nicht, wo sie hin ist. Es gibt dann auch Leute, die eben in Pella in Makedonien graben und meinen, nein, nein, hier war er eigentlich. Also sie sind sich alle nicht so wirklich einig, ob er jetzt wirklich in Alexander lag oder dass nur ein Sarkophag war, so ein leerer Sarkophag und eigentlich war er in Pella. also da gibt es...
Daniel
01:31:41
Warum sollte er da sein, wenn die das beschreiben, wie er da mit welchem Aufwand er dann nach Ägypten gebracht wurde?
Solveig
01:31:46
Vor allem, wenn man dann sagt, okay, aber er lag ja in einem Glaskasten und naja, egal. Auf jeden Fall, es gibt da große Thesen, wo er jetzt ist und ob er noch da ist, ob es ihn noch gibt oder ob er zu Staub geworden ist. Aber, noch einmal, der eigentliche Punkt, den ich machen möchte, wie gesagt, dieser Alexander-Leichnam gilt bei Ptolemaus ganz klar in seine Herrschaftsstrategie und wir sehen das von Anfang an, dass er da eine Strategie hat. Also er holt sich Ägypten, weil sich das eben sehr leicht verteidigen lässt, weil das relativ sicher zum Halten ist, weil es sehr reich ist. Dann holt er sich den Alexander noch ganz schnell dazu, residiert in der Stadt, die Alexander hat anlegen lassen. Da gibt es eben auch Beschreibungen, wie die Straßen liegen, damit das Klima richtig ist, damit der Wind da durch die Straßen geht, damit es nicht stinkt und so weiter. Da gibt es schon ausführliche Beschreibungen, wie das man ausgesehen hat. Und er schreibt, wie gesagt, auch nochmal seinen eigenen Lebensbericht, wie er heroisch an Alexanders Seite mitgekämpft hat, wo es auch Vermutungen gibt, dass er seine Rolle ein bisschen größer dargestellt hat.
Daniel
01:32:48
Das sind so Erinnerungen an sich.
Solveig
01:32:51
Also man geht davon aus, dass er im Grunde von den Feldherren Machthabern eher so in der zweiten Reihe war. Der war nicht direkt im direkten Umkreis von Alexander, aber er hat sich eben sehr erfolgreich dann nach dem Tod von ihm an die Front gebracht. Und was er dann aber tut, ich hatte es schon angesprochen, also im Ptolemäischen Ägypten ist eine ganz klare Trennung zwischen Griechen und Ägyptern, aber man versucht doch irgendwie so ein bisschen ägyptische kulturelle Einflüsse mit reinzubringen. Wir haben den Serapis-Kult, den er begründet haben soll. Das ist so eine Verschmelzung der ägyptischen Götter Osiris und Apis und der griechischen Götter Zeus und Hades. Und noch so ein kleiner Funfact, weil mich das auch sehr überrascht hat, als ich das im Studium gelernt habe. Die Namen Osiris und Apis sind schon die griechischen Namen.
Daniel
01:33:41
Ach so.
Solveig
01:33:42
Ja, die heißen im ägyptischen anders. Also das ist auch schon eine Gräkisierung. Also die Griechen passen auch die ägyptischen Namen an und wir haben das übernommen. Also auch Isis ist die griechische Version der ägyptischen Götternamens. Und das wird eben so verschmolzen. Wenn man Serapis googelt, gibt es auch Statuen von ihm. Der sieht im Grunde aus wie so ein Hades. Der hat auch noch so eine Säule auf dem Kopf.
Daniel
01:34:09
Ich weiß nicht, wie hart es aussieht.
Solveig
01:34:11
Also der hat so eine Säule auf dem Kopf.
Daniel
01:34:13
Warum?
Solveig
01:34:13
Ich weiß es nicht.
Daniel
01:34:16
Also du meinst jetzt in den Hieroglyphen? Nein, in der Statue.
Solveig
01:34:20
In griechischen Statuen. Und hat der so eine Säule auf. Und der Serapis hat auch so eine Säule auf. Und er ist einfach nur so ein bärtiger Mann auf. Und das ist halt dann jetzt, und da werden eben so Kulteinflüsse, die im Osiriskult, im Apiskult drin sind, miteinander verschmolzen, was natürlich auch passt, also das ist halt auch Synkretismus, also Osiris ist schon sehr nah und Apis sind sehr nah, an Zeus und Hades in der Mythologie. Es sind auch so Götter, die mit der Unterwelt zu tun haben, die wiedergeboren werden, die über andere Götter herrschen. Also das wird hier einfach so ein bisschen miteinander verschmolzen, um alle irgendwie abzuholen.
Daniel
01:34:58
Das ist ja nett immer.
Solveig
01:34:59
Ja, das ist ganz nett. Es ist insgesamt auch so eine gewisse Kulturpolitik, die Ptolemais betreibt. Es gibt auch noch zwei große Gebäude, für die Alexandria bis heute berühmt ist.
Daniel
01:35:14
Der Leuchtturm.
Solveig
01:35:16
Genau, der Leuchtturm.
Daniel
01:35:17
Und die Bibliothek, wo wahrscheinlich hier das königliche Tagebuch verbrannt ist.
Solveig
01:35:21
Wahrscheinlich, ich meine, weiß das nicht.
Daniel
01:35:23
Und die Publikation, die Ptole Mayers über sein Leben herausgegeben hat.
Solveig
01:35:27
Ich vermute, dass das Tagebuch immer noch in Babylon lag. Aber es gibt diesen Film, Alexander von 2006 mit Jared Leto.
Daniel
01:35:39
Habe ich nicht gesehen.
Solveig
01:35:40
Und wie heißt denn der? Ist auch egal. Also es gibt auf jeden Fall diesen Film von 2006, wo es um Alexander geht. Das ist so, ich glaube, die letzte große Alexander-Verfilmung. Sie sind irgendwie gerade wieder dabei, das zu verfilmen. Aber das ist so die große... Namen habe ich alle gerade vergessen. Auf jeden Fall, da erzählt tatsächlich Ptolemaius die Geschichte und wir sehen ihn, wie er in der Bibliothek sitzt und was schreibt und das ist dann natürlich, sein Geschichtswerk, was er in seiner Bibliothek schreibt, denn er lässt die Bibliothek bauen und er lässt auch den Leuchtturm bauen, also den Pharos lässt er bauen. Ja. Und neben der Bibliothek, beziehungsweise eigentlich ist die Bibliothek nur so ein Außengebäude, was es noch gibt, ist das Museum oder das Museion. Und das ist eigentlich so der Kulturbetrieb, da wo geforscht wird. Also im Grunde Universität und Bibliothek und Universitätsbibliothek ist das so ein bisschen, kann man sich das vorstellen. Und da wird eben geforscht und gearbeitet. Wir haben die Bibliothek, wo eben dann gesammelt wird und ein Außenmagazin dieser Bibliothek im Grunde ist das Serapeum, was ja auch Ptolemaius hat begründen lassen. Und da habe ich nochmal eine kleine Beschreibung, weil das Serapeum gibt es auch nicht mehr, weil du ja gemeint hattest, gibt es nicht Erzählungen, wie das alles mal ausgesehen hat.
Daniel
01:36:54
Außerdem gibt es in Alexandrien sehr hohe Tempel, unter denen sich vorzüglich das Serapeum auszeichnet, von dem ich, so viel es auch durch eine magere Beschreibung verliert, wenigstens so viel bemerke, dass es durch weite, mit Säulengängen umstellte Vorhöfe, durch Bildsäulen zum Sprechen getroffen und andere Kunstwerke in Menge so prächtig verzehrt ist, dass nach dem Kapitol, in dem das ehrwürdige Rom der Ewigkeit trotzt, in der weiten Welt nichts Prächtigeres zu sehen ist. So schön. Indem das ehrwürdige Rom der Ewigkeit trotzt.
Solveig
01:37:29
Ja. Und in Alexandria ist es das Serapäum.
Daniel
01:37:31
Also es ist ein Tempel gewesen. Ja, genau.
Solveig
01:37:33
Es ist eben das Heiligtum des Serapis. Und dort hat man dann eben auch gewisse Bestände der Bibliothek ausgelagert. Also das gehört alles zu, ist quasi so ein großer Campus. Und das ist auch direkt an der Palastanlage dabei. Also es ist so ein Gebäudekomplex.
Daniel
01:37:49
Der Verlust wird immer schmerzlicher.
Solveig
01:37:51
Deswegen erzähle ich es ja, damit wir mal wissen, was wir alles verloren haben. Ja, lies mal Pausanias.
Daniel
01:37:56
Über diesen Campus oder was? Oder wie er da Feuer gemacht hat.
Solveig
01:38:00
Nee, Pausanias ist durch die gesamte antike Welt quasi Gefahren unter Tempel beschrieben und Gebäude beschrieben, die zum Teil zu seinen Lebzeiten schon kaputt waren und die wir gar nicht mehr haben. Also nicht mal mehr in Fundamenten. Also da mal ein Bild zu bekommen, was wir alles mal hatten und was weg ist.
Daniel
01:38:17
Also wir.
Solveig
01:38:18
Wir als Menschheit. Also Ptolemaios macht eine ganz klare Kulturpolitik, der baut Alexandria groß aus, stiftet dieses, Mosaion, stiftet die Bibliothek, er baut den Leuchtturm, der eben zu den sieben Weltwundern gehört, das ist das jüngste von denen, wird um 280, nee Quatsch, also die Bibliothek von Alexandria wird um 280 vor Christus gegründet, also da ist Ptolemaios auch schon am Ende seines Lebens. Und der Leuchtturm wird zwischen 299 bis 279 gebaut. Also das ist wirklich, ob er da überhaupt noch dabei war, ist gar nicht mal klar, aber er soll das eben in Auftrag gegeben haben.
Daniel
01:38:57
Wann wurde eigentlich festgelegt, dass das die sieben Weltwunder sind, weißt du das?
Solveig
01:39:01
Nee.
Daniel
01:39:01
Gibt es da so ein UNESCO-Komitee, das gesagt hat, so die... Wir haben ja noch einen Platz frei und der Leuchtturm ist mindestens so schön wie die Pyramiden. Der kommt da jetzt mit rein.
Solveig
01:39:11
Wahrscheinlich irgendwer ist da wieder rumgefahren, hat das mal beschrieben und dann haben die das gesagt.
Daniel
01:39:17
Von dir genannte Autor, der dann gesagt hat, so nach meiner ganzen Reise, nach der Beschreibung der Tempel, so meine Top 7, das, das, das und das.
Solveig
01:39:25
Ich weiß nicht, ob Pausanias das war, aber irgendwer hat das mal festgelegt und das hat sich dann durchgesetzt. Und man muss auch sagen, der Leuchtturm von Pharaos war bis ins 20. Jahrhundert der höchste Leuchtturm, der gebaut worden ist.
Daniel
01:39:36
Bis ins 20? Also nicht, dass er da noch stand.
Solveig
01:39:38
Nein, nein, er stand da nicht mehr. Aber bis dahin war das der höchste Leuchtturm, den die Menschheit gebaut hat. Mittlerweile nicht mehr. Aber bis dahin hat das eben niemand größer hingekriegt. Von daher finde ich es schon angemessen, das als Weltrunder zu zeichnen.
Daniel
01:39:53
Ja, okay. Ich wollte das überhaupt nicht in Frage stellen. Ich wollte nur fragen, woher der Kanon kam. Falls es jemand von euch weiß, schreibt es bitte in die Kommentare.
Solveig
01:40:02
Und tatsächlich schon im vierten Jahrhundert nach Christus war der Leuchtturm eigentlich nicht mehr. Also der war noch da, aber er war eben sehr schwer beschädigt.
Daniel
01:40:10
Wegen Erdbeben wahrscheinlich.
Solveig
01:40:11
Wegen Erdbeben.
Daniel
01:40:12
Das wäre jetzt echt nicht lang gewesen.
Solveig
01:40:14
Aber wie gesagt, Ägypten, also Abu Simbel ist ja auch schwer beschädigt worden. Also das sind ja in Ägypten sind sehr, sehr viele monumentale Gebäude durch Erdbeben einfach geschädigt worden. Der stand aber auch noch, aber man konnte eben einfach nicht mehr nach ganz oben hoch. Und ich glaube, betrieben worden ist der dann auch nicht mehr so in dem Sinn. Es wird aber eben noch von Reisenden bis ins Mittelalter hinein beschrieben, dass sie ihn gesehen haben. Und es gibt ihn theoretisch auch heute noch. Denn 1477 hat der Marmelukensultan Qayt Bay die Reste, die noch da waren, in seine Zitadelle, das ist die Bay-Zitadelle, umbauen lassen. Um eine Verteidigung gegen die expandierenden Osmanen zu haben. Also er hat das dann als Militärgebäude umgebaut.
Daniel
01:40:59
Als Fundament quasi.
Solveig
01:41:01
Ja, also und die Steine, die noch drum rum lagen, das hat er alles in diese Zitadelle einfügen lassen, um gegen die Osmanen zu gewinnen.
Daniel
01:41:10
Also die Reste sind jetzt Teil irgendeiner Mauer?
Solveig
01:41:12
Nee, also diese Zitadelle gibt es noch.
Daniel
01:41:14
Ja, ja, meine ich ja. Also man kann den Turm als solches da nicht drin erkennen, sondern das Baumaterial wurde wiederverwendet.
Solveig
01:41:21
Es ist halt wie das Schiff des Theseus. Ist es noch das Schiff des Theseus, wenn alle Teile des Schiffes ausgetauscht wurden? Ist es noch der Leuchtturm von Pharaos, wenn er zwar die Form nicht mehr hat, aber mit seinen Steinen es gebaut wurde? Kann man eben so überlegen. Aber nochmal so zu diesen Gebäuden. Also er, nochmal, Ptolemaius, prägt Alexandria massiv, richtet alles, was er kann, auf Alexander aus, um seine eigene Herrschaft zu sichern. Und das gelingt ihm tatsächlich auch. Also die Ptolemäer von allen Diadochen halten sich am stabilsten und auch mit am längsten an der Macht, nämlich knapp 300 Jahre. Nicht ganz, aber ganz grob. Bei den anderen geht das viel, viel schneller vorbei, beziehungsweise da kommt es viel, viel öfter, dass da die Dynastien wechseln, dass dann mal die wieder dahin gehen und die kommen. Aber die Ptolemäer halten sich wirklich diese 300 Jahre, die man so als Diadochenherrschaft bezeichnen kann. Dort in Ägypten sehr fest im Sattel. Die streiten sich untereinander regelmäßig, aber es kommt nur über Ehen jemand anderes mit rein. Also die heiraten schon mal.
Daniel
01:42:32
Heiraten die nicht auch gerne mal untereinander?
Solveig
01:42:34
Genau, da wollte ich jetzt als nächstes mit reinkommen. Also sie holen dann mal so eine Seleukidentochter dazu als Ehepartnerin, aber sie werden nicht erobert. Es sind immer Ptolemäer an der Macht. Deswegen gibt es auch so viele von denen. Es sind insgesamt 15. zumindest werden sie so gezählt also auch da dadurch, dass die immer die heißen halt alle Ptolemaios, das macht es ein bisschen schwierig und dann ist es immer nicht ganz klar wer ist jetzt wer.
Daniel
01:42:55
Alle männlichen Mitglieder der.
Solveig
01:42:56
Familie Ptolemaios die haben dann noch so Beinamen, aber die doppeln sich dann auch irgendwann.
Daniel
01:43:00
Wie Fürst Reus Heinrich in.
Solveig
01:43:03
Thüringen und die kriegen dann immer so einen Beinamen also Ptolemaios I wird dann auch Ptolemaios Sota als Retter bezeichnet, die kriegen immer so einen Ehrennamen dann mit und dann haben wir dann, Ptolemaios Eugetes aber dann kommt irgendwann ein neuer Ptolemäe aus euer Agetis und dann ist es der zweite, und dann haben sie, und sie haben, nee, ist nicht hilfreich, vor allem, weil sie keine Nummern führen.
Daniel
01:43:23
Ach so.
Solveig
01:43:23
Die mussten ihnen, hat also es gibt so einen, Werner Huss ist es glaube ich, der hat die alle mal so durchgearbeitet und da gibt es auch Diskussionen, waren es wirklich 15 Ptolemäer oder waren es nur 14 und es ist alles nicht so klar, weil auch die Quellen nicht da sind. Es ist ganz, ganz viel auch weg, gerade Ptolemäer selbst haben natürlich auch mit Papyri gearbeitet und da ist einfach auch viel, viel weggekommen Deswegen ist es nicht so klar. Ein Punkt noch, wegen diesem, wen sie auch noch heiraten. Ich hatte es angesprochen, da in Memphis haben sie ja mit den Priestern auch immer, müssen sich verstehen. Und sie bauen dann auch Tempel in ägyptischer Form, wo sie sich auch in ägyptischer Form präsentieren, obwohl sie ja eigentlich sich weiterhin als Griechen nach außen präsentieren. Aber in Ägypten selbst präsentieren sie sich auch als ägyptische Gottheiten oder in ägyptischer Stil. Und was dann auch der Sohn von Ptolemaius I. macht, ist, dass man das Prinzip der Geschwister-Ehe übernimmt, was ja die alten Ägypter mal hatten. Also er heiratet seine Schwester. Ich habe das extra nochmal nachgeguckt, weil ich es sehr unvorstellbar fand, dass sie das 300 Jahre durchgezogen haben. Weil wir wissen, was bei den Habsburgern passiert ist nach nur knapp 100 Jahren.
Daniel
01:44:36
Und das waren nicht die Geschwister.
Solveig
01:44:37
Und das waren nicht mal die Geschwister. Und es ist tatsächlich so, dass sie das, ich glaube, nur auf dem Papier gemacht haben.
Daniel
01:44:42
Das ist vielleicht auch so Cousin. Cousine.
Solveig
01:44:45
Nee, das ist schon wirklich, Stammbaum kann man das sehen. Ich bin aber nicht sicher, ob die dann wirklich diese Ehe vollzogen haben oder ob die das nur als Repräsentation gemacht haben. Wie gesagt, die haben ja auch immer noch Nebenfrauen. Da kommt das dann ganz oft auch und die sterben dann auch meistens ohne Nachfolger und dann wird es dann irgendwie doch der Bruder und der hat dann doch eine Seleukiden-Tochter geheiratet und so. Also das ist viel auch Show. Teilweise entstehen Kinder aus diesen Beziehungen, aber nicht konstant Das sind nicht die Targaryens aus Game of Thrones.
Daniel
01:45:17
Klingt so ein bisschen so.
Solveig
01:45:18
Ich glaube, da hat George Martin auch die Idee her. Aber sie ziehen es nicht so konsequent durch, wie man es befürchtet, wenn man es hört, dass sie die Geschwister-Ehe übernommen haben. Cleopatra, die letzte Ptolemäerin, hat ja auch ihre Brüder geheiratet.
Daniel
01:45:32
Da gab es auch mehrere von, oder?
Solveig
01:45:33
Es gab mehrere Cleopatras davon.
Daniel
01:45:34
Da weiß man, wie viele?
Solveig
01:45:36
Sieben? Auch da ist nicht klar, ob Cleopatra die Fünfte und Cleopatra die Sechste zwei verschiedene Frauen sind oder die gleiche Frau sind. Aber man geht gemeinhin aus, Cleopatra die siebte, ist die letzte Ptolemäer-Herrscherin, die war mit zwei Brüdern verheiratet, da sind keine Kinder draus gekommen, die Kinder, die sie hat, hat sie mit anderen Männern gehabt. Also von daher wird das wahrscheinlich eben wirklich auch nur so Show gewesen sein, um so ein bisschen ein altes Ägypten zu präsentieren. Aber wie gesagt, sie übernehmen dann tatsächlich doch so, zumindest für die ägyptische Elite, so ein bisschen ägyptisches Zeremonial.
Daniel
01:46:12
Aber dass das dann 300 Jahre auch noch betrieben wird.
Solveig
01:46:15
Ja.
Daniel
01:46:16
Krass.
Solveig
01:46:17
Ja, wie gesagt, Es ist wirklich schwierig, da einen Überblick zu behalten, wer jetzt da, wer ist, weil sie sich auch die ganze Zeit Krieg gegeneinander führen und dann der Bruder und dann ist wieder der Stiefbruder.
Daniel
01:46:29
Alles klar. Und danach haben dann die Römer gesagt, es reicht jetzt, wir machen das hier alleine.
Solveig
01:46:33
Ja, aber das haben die Römer auch überall anderswo gesagt, weil, und da kommen wir dann vielleicht jetzt zum Ende, also der Punkt, den ich machen wollte mit Ptolemaus I., der ist ganz klar strategisch dran und schafft es eben auch am erfolgreichsten, meiner Meinung nach, seine eigene Herrschaft zu etablieren. Und aus den Früchten, die Alexander gepflanzt hat, die beste Ernte zu ziehen, das am längsten durchzuhalten. Aber, und da ist Ptolemäus dabei, aber da sind auch alle anderen, die ja doch ein Herrscher dabei, die geraten früher oder später alle in römische Abhängigkeit, weil die alle diese dynastischen Probleme untereinander haben, die führen die ganze Zeit internen Krieg. Also wie es bei dem Ptolemäern ist, der Bruder gegen den Bruder und dann kommt die Schwester und dann kommt die Tante. Das ist bei den anderen auch.
Daniel
01:47:16
Aber kommen denn die Römer, die kommen doch nicht bis Babylon, oder?
Solveig
01:47:19
Nee, aber die kommen bis. Oder bis die indische Grenze. Nein, das ist ja auch bald weg. Dann kommen ja auch die Partha.
Daniel
01:47:25
Aber das heißt, wo sind denn die Addochen?
Solveig
01:47:27
Schon ungefähr bis hier.
Daniel
01:47:28
Schon noch bis in das, was nachher noch Persien heißt.
Solveig
01:47:31
Ja, das ist noch Siloikos. Aber dann kommen die Partha und die erobern das. Also die verlieren das ganz schnell. Und dann ist halt dann Syrien. Das heutige Syrien ist so ein bisschen das Schlussgebiet. Also das Römische Reich reicht ja auch nur bis Syrien da ran.
Daniel
01:47:47
Das ist schon die Frage, wo jetzt diese Nachfolger von Alexander sich da dauerhaft noch etablieren konnten.
Solveig
01:47:52
Genau, das schrumpft, aber es dauert eben 300 Jahre, bis es weggeschrumpft ist. Auf jeden Fall, die haben dann eben auch internen Machtprobleme, dein Bruder, der gegen den Bruder geht und meistens suchen sie dann eben militärische Unterstützung bei den Römern, zahlen denen dann Geld und dann schicken die Römer halt so ein paar Legionen, und dann können die da ihre Macht her ersichern, sind dadurch dann aber natürlich von Rom abhängig und dann gibt es eben auch so 170 vor Christus ist so der große Wandel, wo man dann eben sagt, ich glaube, da geht es gegen Pergamon. Das habe ich jetzt nicht recherchiert, das ziehe ich irgendwie so aus den tiefsten meines Gehirns gerade, deswegen kann das auch falsch sein, sagen eben die Römer, ab jetzt sind wir Weltmacht. Ab jetzt ist es nicht mehr die Griechen, sondern ab jetzt sind wir die, die entscheiden und die sagen, weil die eben alle von Rom militärisch abhängig sind. Und auch da kann ich...
Daniel
01:48:48
Da ist eine Legion, da ist noch eine Legion. Also eigentlich...
Solveig
01:48:52
Und das ist das ganze Geld, was ihr uns schuldet. Wenn wir das alles jetzt mal einverlangen würden, wäre eure Wirtschaft am Arsch. Auch da sind die Ptolemäer tatsächlich mit am längsten noch eigenständig. Wie gesagt, das hat natürlich auch damit zu tun, dass Ägypten einfach unfassbar reich ist, dass sie das auch sehr gut wirtschaftlich organisiert bekommen und dadurch einfach auch mit wirklich das reichste Land in dieser Zeit sind. Das endet dann mit Kleopatra VII., da sie es eben nicht mehr schafft, die Unabhängigkeit für ihr Land zu behalten. Aber sie hat es eben mit am längsten noch halten können im Vergleich auch zu anderen Diadochenreichen, die früher gekippt sind, sagen wir es mal so, und Provinz wurden. Das einmal zu dem Ptolemäern. Es war jetzt, glaube ich, viel hin und her.
Daniel
01:49:37
Es war vor allem sehr viel Alexander.
Solveig
01:49:38
Es war sehr viel Alexander, aber ohne Alexander geht es nicht. Also wenn du anfängst mit am Anfang war Napoleon, muss ich anfangen mit am Anfang war Alexander. Ohne Alexander kann man diese Geschichte nicht erzählen, weil sie sich auch eben alle auf ihn zurückführen und überhaupt ihre Herrschaft auf ihn zurückführen. Und ich finde es einfach eine sehr, ich sage immer spannend und interessant, das sind so meine Füllwörter, ist mir auch schon aufgefallen, aber es ist halt einfach eine sehr spannende Zeit, weil sie uns auch, glaube ich, sehr, sehr fremd ist. Gerade diese Epoche zwischen dem klassischen Athen, wo wir alle so eine Idee haben, wie die da auf der Agora standen und philosophiert haben und Rom, das dann da mit seinen Legionen irgendwie erobert hat, diese Zwischenzeit und auch diese, da wo eben jetzt ganz schnülzig gesagt der Orient und der Occident zusammengekommen sind, ganz 19. Jahrhundert, ganz schlimm diese Bezeichnung.
Daniel
01:50:30
Aber es bringt ja.
Solveig
01:50:33
Aber du weißt, dass da auch Ideologie hintersteckt, aber es bringt es meiner Meinung nach so schön zusammen, Und deswegen habe ich halt auch so viele Quellen mitgebracht, was wir mal hatten, was wir nicht mehr haben. Also gerade diese 300 Jahre gelten eben tatsächlich auch als sehr fortschrittlich, da ist sehr viel passiert, auch kulturell starke Entwicklungen gekommen. Und es ist einfach eine sehr schöne Zeit auch, trotz allem.
Daniel
01:50:55
Es war einfach so schön.
Solveig
01:50:56
Es war einfach schön. Ich weiß, Fremdherrscher, die über andere Gebiete geherrscht haben, habe schon sehr oft auch Ärger bekommen, dass ich diese Zeit so positiv bewerte.
Daniel
01:51:05
Aber nicht von unseren HörerInnen.
Solveig
01:51:07
Oder? Nee, aber von anderen Leuten. Und sehe ich durchaus, kann ich akzeptieren.
Daniel
01:51:12
Also man stellt es sich natürlich nicht so vor, dass man versklavt wurde und ein Leben lang dem Hausherrn dienen muss, sondern man stellt sich natürlich in eher einer komfortableren Rolle vor, dass man sich da vielleicht Zeit verbringt in dieser Epoche.
Solveig
01:51:26
Ich stelle es mir auch gar nicht vor, da zu leben, sondern es geht mir einfach darum zu sehen, was dort alles passiert ist, welche Entwicklungen es gegeben hat, wie Wissenschaft und Kultur sich verändert haben.
Daniel
01:51:35
Ach, du würdest doch schon gerne mal in der Bibliothek sitzen.
Solveig
01:51:37
Nö. Ach so, das vielleicht auch noch mit der Bibliothek, weil du das schon meintest. Man geht davon aus, dass die nicht verbrannt ist.
Daniel
01:51:42
Ach so.
Solveig
01:51:43
Also sie ist ein paar Mal gebrannt.
Daniel
01:51:44
Ich dachte, das waren irgendwelche fanatischen Christen, die das niedergebrannt haben.
Solveig
01:51:47
Ja, da ist man sich eben nicht so, also es gibt ja diesen Bericht, dass als Cäsar nach Rom kam, nach Rom kam, ja, als Cäsar nach Alexandria kam, hat er ja gekämpft und dabei sollen Teile der Bibliothek gebrannt haben. Man ist aber nicht sicher, ob sie ganz abgebrannt ist oder es brennt halt hin und wieder mal in diesen Städten. Dann gibt es diese Erzählung, dass während der arabischen Expansion im 6. und 7. Jahrhundert, es einen Herrscher gegeben habe, der gesagt haben soll, all das, was hier drin, also was drin steht und im Koran steht, brauchen wir nicht, weil es steht ja schon im Koran und alles, was nicht im Koran steht, kann verbrannt werden, weil es nicht im Koran steht. Das ist auch noch so eine Geschichte, dass dort eben dann diese Bibliothek absichtlich verbrannt wurde. Auch das geht man mittlerweile davon aus, ist eine Fiktion, die eben viel, viel später erst irgendwie im 13., 14. Jahrhundert entstanden ist, weil man dort quasi die eigenen Bücherverbrennungen legitimieren wollte. Das haben sie früher auch schon gemacht, das machen wir jetzt auch. Man geht eher davon aus, dass die einfach immer mehr aufgeteilt wurde, also dass die Bestände einfach dorthin verlagert wurden und dahin verlagert. Es sind ja auch in Griechenland selbst viele Bibliotheken entstanden, dass dort dann eben auch hingebracht wurde und man einfach irgendwann den Überblick verloren hat, wo die Bestände jetzt sind.
Daniel
01:53:03
Da müssen die doch noch irgendwo sein.
Solveig
01:53:05
Naja, jetzt sind sie nirgendwo mehr. Aber dass die Bibliothek eben nicht mit einem großen Feuer untergegangen ist, sondern dass sie einfach langsam immer weiter zerstückelt wurde und dann in privaten Sammlungen aufgegangen ist.
Daniel
01:53:16
Aber dann geben wir die Hoffnung noch nicht auf.
Solveig
01:53:18
Nee, ist halt wie das Bernsteinzimmer.
Daniel
01:53:20
Wie das Bernsteinzimmer oder wie die verlorenen Kunstschätze hier aus Berliner Museen. Irgendwann taucht es auf einem Foto.
Solveig
01:53:28
Ich auch.
Daniel
01:53:29
Die Blieder auf.
Solveig
01:53:30
Aber auch da wie der Tod von Alexander. Es ist eben nicht mit einem großen Schlag passiert, sondern es ist eben sehr langsam, hat das eingesetzt. Man geht davon aus, die Bestände sind dann teilweise nach Rom gebracht worden oder eben nach Griechenland. Und es ist tatsächlich auch während der Ausschreitungen von militanten Christen im vierten Jahrhundert, wo ja auch Hypatia dann ihr Ende gefunden hat, ist es eben auch zu Schäden gekommen an der Bibliothek. Und man vermutet, dass zu diesem Zeitpunkt die schon sehr zerfleddert war. Also dass sie da zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so diesen großen Bestand hatte wie noch zu anderen Zeiten. Aber es lässt sich natürlich viel schöner die Geschichte erzählen von dem großen Brand, wo das große Wissen alles auf einmal verloren gegangen ist.
Daniel
01:54:10
Wenigstens ist es dann wie einmal das Pflaster abziehen. Tut nur einmal weh, als ich dann... Oder statt sich ständig diese Geschichte des Niedergangs erzählen zu müssen.
Solveig
01:54:22
Aber so ist es ja.
Daniel
01:54:22
Das ist das, was die antike Geschichte einfach bei mir abschreckt.
Solveig
01:54:26
Man blutet halt langsam aus. Es ist nicht mit einem großen Knall, sondern es geht langsam.
Daniel
01:54:32
Deswegen mag ich diese ganzen antiken Kram nicht. Am Ende gedauert ist das so ein ewiger Kampf ums Dasein noch.
Solveig
01:54:39
Ja, aber es ist heute anders. Um die Kultur zu erhalten.
Daniel
01:54:42
Ja, womöglich nicht. Deswegen möchte ich es mir nicht auch noch da antun.
Solveig
01:54:47
Es ist nun mal Menschsein und ich finde es ist schon spannend einfach auch mal, anderes Menschsein zu sehen und andere Herrschaftsformen zu sehen und andere Kulturen zu sehen und damit sich bewusst zu machen, das wo wir drin leben ist nicht Natur gegeben und kann sich verändern und, man kann auch mal Wandel haben und auch Niedergang. Diese Vorstellung, es wird immer alles besser, ist nicht unbedingt wahr.
Daniel
01:55:17
Ich glaube, die werden wahrscheinlich gar nicht mehr so viele Leute haben vielleicht, dass es immer alles besser wird.
Solveig
01:55:22
Man merkt es auch nicht, wenn man es selbst wird.
Daniel
01:55:23
Wir haben oft solche negativen Szenarien, auch in der Geschichte. Und dann, natürlich wissen wir, dann kommt jemand mit Tolle Majus und sagt, ach Mensch, ich bin doch hier der neue Pharao und ich bin Ägypten und Griechenland in einem. Und es wird eigentlich, ich baue eine schöne Bibliothek. Und dann gibt es die Bibliotheken, die untergehen und trotzdem irgendwelche Mönche in Korwei, die das noch rechtzeitig abgeschrieben haben oder was auch immer.
Solveig
01:55:45
Oder es sich herholen. Also genau, das wollte ich nochmal machen. Also ist die Frage, ist es ein Niedergang oder ist es einfach nur eine Veränderung? Und wird dann im Hinblick, im Rückblick zu einem Niedergang erklärt.
Daniel
01:55:53
Naja, trotzdem hast du ja heute auch nochmal betont, was alles nicht mehr da ist, wo man nicht mehr nachlesen kann, weil es einfach der Text verschwunden ist.
Solveig
01:56:00
Stimmt, aber dafür sind halt andere Dinge da. Das ist ja genau der Punkt.
Daniel
01:56:05
Aber nicht, wenn ich etwas mehr über Ptolemaius I. erfahren möchte. Dann ist halt da Ende.
Solveig
01:56:11
Ja, aber dann kann man natürlich fragen, warum muss es denn der sein, warum kann es nicht jemand anderes sein?
Daniel
01:56:15
Ja, du wolltest heute doch über ihn sprechen.
Solveig
01:56:17
Ja, nein, aber es geht ja halt dieses Allgemeine. Wir gucken auf Dinge und erklären dann einen Niedergang, aber sehen nicht, dass es sich einfach nur verändert hat.
Daniel
01:56:26
Ja gut, das ist natürlich, dass ich mit einem bestimmten Fokus da hineingehe. Wenn wir uns heute treffen, um über Ptolemaius I. zu sprechen, kommen wir nicht umhin. Festzustellen, dass ein großer Teil antiker Literatur uns abhandengekommen ist und wir gar nicht so wahnsinnig viel wissen über Detailfragen, woran jemand gestorben ist oder was Prolemaius vielleicht selbst über sein Leben gerne erzählen wollte. Außer es hat nochmal jemand anders zitiert. Aber mit diesem Fokus haben wir halt, ja. Erstmal die Geschichte des Aufbaus und dann stellen wir fest, was alles nicht mehr da ist. Was ich aber auch feststellen möchte ist, dass uns eben immer mehr Menschen folgen und auch dauerhaft unterstützen. Und es ist mir nach wie vor ein Anliegen. Ich weiß, es nimmt auch zunehmend etwas Zeit in Anspruch, wie unsere länger werdenden Zitate. Nichtsdestotrotz habe ich gesagt, bis es 100 werden, nehme ich mir die Zeit und ich nehme eure Zeit dafür. Aber ihr könnt ja alles skippen und weitergehen. Denn Solvay hat ja noch mehr zu erzählen. Aber vorher danke ich nochmal der ganzen Runde. Das sind nämlich Christina, Steffi, Kofi, Sophie, Christoph, Tobias, Beate, Sarah, Solvay, Noemi, Henrike, Stefan, Aisha, Isabella, Silvia, Emma, Maike, Marte, Jojo, Cornelia, Anne, Vera, Dennis, Eva, Roland, Karolin, Matthias, Kerstin, Bettina, Klaus, Sascha, Vivian, Florian, Philipp, Claudia, Nina, Michael, Ann, Christine, Michaela, Sandra, Christine, Monika, Teresa, Stefan, Thomas, Bernhard, Heike, Elke, Anja, Stefan, Sabine, Geno, Fefa, Tom, Daniel, Tino, nee, Tom, nicht mehr. Hält mir gerade auf. Aber trotzdem, fühl dich nochmal gedrückt.
Solveig
01:57:54
Im Herzen.
Daniel
01:57:55
Im Herzen haben wir dich natürlich dabei und uns hoffentlich auch immer noch. Aber dann bleiben noch Dino, Monika, Mika, Alexander, Corinne, Katrin, nochmal Katrin, Jan, Hermann, Julia, Lea, Monika, Marianne, Lydia, David, Demo, Michaela, Erik, Stefan, Carolina, Kirsten, Sophie, Ingo, Christina, Astrid, Franziska, Markus, Luis, Kira, Katja, Ulrike, Kathleen, Martine, Mike. Und jetzt neu dabei Katrin, Janina, Jörg, Maria, Johannes, Claudia, Stefanie, Matze und Corinna. Und ihr werdet dann gleich noch mehr erfahren über die bekannten Geschichten, die da in Alexanders Biografie auftauchen. Aber ich glaube für uns alle könntest du jetzt noch ein bisschen was verraten von dem, was uns, mich nämlich auch, noch erwartet. Und warum du uns vielleicht hier heute mit den, ja zu den Ptolemaiern gelenkt hast. Und auch auf die letzte Herrscherin hin betrachtet und warum ich überhaupt auf diese komische Nasen-Story am Anfang kam.
Solveig
01:58:48
Also das hatte ich ja anfangs schon gesagt, weil es sich gewünscht worden war, beziehungsweise es war sich gewünscht worden, was über die Diadochen zu machen. Und den Kennern ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich ein bisschen wackelig bin, was die Diadochen angeht. Weil der einzige Diadochen, mit dem ich mich beschäftigt habe, eben Ptolemaius war. Und das war dann so, okay, den kann ich noch einigermaßen, alle anderen kriege ich nicht mehr hin.
Daniel
01:59:08
Okay.
Solveig
01:59:09
Und deswegen habe ich dann gedacht, geht, über Ptolemaos können wir was reden und dann dachte ich, naja, wir fangen einfach mal mit ihm an, mit dem ersten Ptolemaos im Podcast und euch erwartet es jetzt, wenn ihr es jetzt direkt bei der Publikation hört, in anderthalb Wochen, wenn ihr es jetzt im Nachgang hört, vielleicht jetzt schon. Auf YouTube ein kleines Geschenk, nämlich ich habe wieder ein Video gemacht und zwar zu Kleopatra, zur letzten Ptolemäerin und ihrem Ende. Deswegen geht es heute nicht darum, also ich dachte, wir steigen im Podcast mit dem ersten Ptolemäer an und enden auf YouTube mit der letzten Ptolemäerin.
Daniel
01:59:44
Und wahrscheinlich vier Rezeptions.
Solveig
01:59:46
Genau, also es geht vor allem auch um die Kleopatra-Rezeption, was aus ihr gemacht wurde und ihrer Nase und was es auch über unsere Gesellschaft so aussagt, was wir von ihr rezipieren und was wir nicht von ihr rezipieren und wie wir sie rezipieren. Deswegen geht es natürlich auch um Kleopatras Geschichte selbst. Da hat Daniel auch nochmal sich sehr in Schale für geworfen.
Daniel
02:00:08
Oh ja.
Solveig
02:00:09
Könnt ihr dann auch euch anschauen. Er ist diesmal nicht nur die Stimme im Off, sondern er wurde auch vor die Kamera gezerrt.
Daniel
02:00:17
Das stimmt ja gar nicht. Ich habe mich da hingedrängt. Du hättest mich gar nicht gewollt.
Solveig
02:00:22
Das ist gar nicht wahr.
Daniel
02:00:23
Ich habe dich genötigt.
Solveig
02:00:24
Nein, wir sind gemeinsam auf diese Idee gekommen.
Daniel
02:00:27
Freut mich, dass du das so siehst.
Solveig
02:00:28
Ja, und deswegen hat er sich da sehr schön auch präsentiert. Ich bin teilweise ein bisschen vom Thema abgekommen, werdet ihr feststellen, aber es geht mir dann doch auch um gewisse allgemeinen Themen. Aber es beginnt mit Kleopatran, es endet mit Kleopatran und zwischendurch gehen wir halt nochmal an andere Orte. Also da muss man sich auch drauf einlassen. Aber ich hoffe ihr habt Spaß dran ich hatte sehr viel Spaß beim ersten Video qualitativ gefällt mir das zweite deutlich mehr aber thematisch war das erste auch sehr unterhaltsam für mich.
Daniel
02:01:02
Ja, wir sind alle sehr gespannt. Ich habe es auch noch nicht gesehen und es fällt mir sehr schwer zu warten. Und vielleicht, wenn ihr diese Folge jetzt direkt am Tag des Erscheins oder kurz danach hört und denkt, oh mein Gott, das dauert jetzt noch eine Woche, bis ich hier die letzte Ptolemaierin auch noch kennenlerne. Es gibt ja Podcasts, die da auch spezialisiert sind. Also wenn ihr es jetzt nicht aushaltet und noch nicht von ihnen gehört haben solltet, es gibt Mammys and Magic und da gibt es ganz viele Ägypten, vor allem in der Populärkultur und da taucht Leopatra natürlich auch schon mal auf. Also das solltet ihr, wenn ihr es noch nicht kennt, euch unbedingt mal anhören und dann werdet ihr womöglich auch bei Solveig dann nochmal viel besser wieder mit und ich auch mit einsteigen können. Wir freuen uns, dass ihr uns hört. Schreibt uns in die Kommentare, was ihr von Alexander haltet und von Ptolemaius und wo ihr glaubt, wo die ganzen Bücher verschwunden sind, die mal in Alexander in der Bibliothek standen. Und wann habt ihr euch eigentlich zum letzten Mal was ausgeliehen aus der Bibliothek? Macht's gut und bis bald.
Solveig
02:01:58
Tschüss. 321. Komm, passiert etwas.
Daniel
02:02:07
Das ist aber schön.
Solveig
02:02:17
Jetzt bin ich vor allem komplett raus, mit welchem Scheißjahr ist denn jetzt Alexander gestorben?