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Dein Geschichtspodcast mit Daniel und Solveig

FG072 - Friedrich Barbarossa - Der Kaiser, der kniete

20.08.2026 131 min

Zusammenfassung & Show Notes

Ein Kaiser kniet vor seinem Vasallen, fleht ihn an – und wird trotzdem abgewiesen. Diese Szene aus dem Jahr 1176 gilt spätestens seit dem 19. Jahrhundert als eine der großen Demütigungen der deutschen Geschichte. Guido Knopp nannte sie 2008 „eines der spektakulärsten Ereignisse der Weltgeschichte". Doch genau diese Wahrnehmung – wer sich hier eigentlich blamiert hat – ist der Ausgangspunkt der Folge: Solveig nimmt den sogenannten Kniefall von Chiavenna zum Anlass, ganz grundsätzlich zu fragen, was im Hochmittelalter überhaupt als männlich, ehrenhaft und herrschertauglich galt. Ihre These: Nicht Barbarossas Kniefall war die eigentliche Schande, sondern dass sein Cousin Heinrich der Löwe sich weigerte, Erbarmen zu zeigen. Wer hier also wirklich gedemütigt wurde, hängt ganz davon ab, mit welchem Männlichkeitsbild man an die Quelle herangeht – und das des 19. Jahrhunderts unterscheidet sich fundamental von dem des zwölften.

Der Kniefall von Chiavenna

1176 bittet Friedrich I. Barbarossa seinen Cousin Heinrich den Löwen in Chiavenna um Waffenhilfe gegen den Lombardischen Städtebund – und Heinrich sagt Nein. Wir vergleichen zwei Chroniken aus etwa derselben Zeit: Otto von St. Blasien erzählt nur von einem Streit und Heinrichs Abreise, kein Kniefall. Erst Arnold von Lübeck, rund 30 Jahre nach dem Ereignis, liefert die dramatische Eskalationsstufen-Erzählung: erst Schmeichelei, dann die Erinnerung an geschworene Eide, dann die Bitte als Freund, als Verwandter, als König – und am Ende der Fußfall des Kaisers, den Heinrich unbeeindruckt lässt. Solveig liest das nicht als verlässlichen Tatsachenbericht, sondern als literarisch komponierte Fallgeschichte über Heinrichs Hochmut, geschrieben mit dem Wissen, wie dessen Karriere endet.

Zwei Cousins, ein Doppelherzogtum

Um zu verstehen, worum es in Chiavenna wirklich ging, blicken wir zurück auf die verwickelten Familienverhältnisse der Staufer und Welfen: Barbarossas Mutter Judith und Heinrichs Vater Heinrich der Stolze sind Geschwister, und der Streit ums Doppelherzogtum Sachsen-Bayern zieht sich durch eine ganze Generation, bis Barbarossa 1152 seine Wahl mit dem Versprechen absichert, Heinrich beide Herzogtümer zu geben. Wir folgen den beiden Cousins durch Jahrzehnte gemeinsamer Italienpolitik, durch das Kirchenschisma zwischen Alexander III. und Viktor IV., die verheerende Seuchen-Katastrophe vor Rom 1167 und schließlich zur Schlacht bei Legnano 1176, in der das kaiserliche Heer ohne Heinrichs Unterstützung vernichtend geschlagen wird.

Der Sturz Heinrichs des Löwen

Was danach kommt, erzählen wir chronologisch nach: Heinrichs wiederholtes Fernbleiben vom Hoftag, seine Ächtung 1180, das Exil bei seinem Schwager Heinrich II. von England und sein Feilschen mit Barbarossa um eine mögliche Rückkehr – lieber ein Teil der Herrschaft sofort oder alles später, wenn er mit auf Kreuzzug zieht? Heinrich entscheidet sich für Nein und England, bis hin zum Tod beider Männer und dem Streit um Philipp von Schwaben und Otto IV., der die nächste Generation prägt.

Der vermeintliche staufisch-welfische Gegensatz

Ein eigenes Kapitel widmen wir der Frage, wie aus dieser sehr persönlichen Fehde zweier Cousins im 19. Jahrhundert der große „staufisch-welfische Gegensatz" wurde – eine nationalistische Projektion, die mit dem tatsächlichen Guelfen-und-Ghibellinen-Konflikt in Italien nicht das Geringste zu tun hat, aber bis in die Selbstinszenierung des Kaiserreichs als Gegensatz zwischen Preußen (den „neuen Staufern") und dem Haus Hannover (den Welfen) fortwirkt. Daniel erinnert dabei an die Kaiserdeputation von 1849, die in Braunschweig Abbitte für Heinrichs „Verrat" leistete.

Der maskuline Mann des Mittelalters

Den größten Teil der Folge verwendet Solveig darauf, ihre eingangs aufgeworfene These zu belegen: Das mittelalterliche Männlichkeitsideal des Hochadels war nicht Härte und Unnachgiebigkeit, sondern Demut, Güte, Mäßigung und Milde. Mit Belegen aus dem Nibelungenlied (die Szene um Rüdiger von Bechelaren), einer Ritterschlag-Beschreibung voller Seide und Freigiebigkeit und einem herrlich schlecht gelaunten Text von Bernhard von Clairvaux über eitle, hübsch gemachte Ritter zeichnet sie nach, wie unser heutiges Bild vom „harten" mittelalterlichen Mann eher eine Erfindung der Aufklärung und des 19. Jahrhunderts ist – bei Historiker Knut Görich widerspricht sie dabei in einem Punkt ausdrücklich. Daniel bleibt trotz aller Argumente treu auf der Seite von Heinrich dem Löwen.

Friedrich I. Barbarossa | Römisch-deutscher Kaiser ab 1155, Protagonist der Kniefall-Episode
Heinrich der Löwe | Cousin Barbarossas, Herzog von Sachsen und Bayern
Arnold von Lübeck | Chronist, einzige Quelle für den Kniefall (um 1210)
Lombardischer Städtebund | Bündnis norditalienischer Städte gegen Barbarossas Herrschaftsanspruch
Schlacht bei Legnano | Vernichtende Niederlage des Kaiserheeres 1176
Guelfen und Ghibellinen | Italienischer Parteienkonflikt, oft fälschlich mit Staufern/Welfen gleichgesetzt
Bernhard von Clairvaux | Zisterzienser-Abt, Kritiker höfischer Ritterschaft
Knut Görich | Mediävist, führender Barbarossa-Forscher

Verwandte Folgen
Literatur (in der Folge genannt)
  • Alice Hesselmeier: Hilfsbuch für den Geschichtsunterricht an den unteren und mittleren Klassen der Gelehrten- und Realschulen und verwandten Lehranstalten Württembergs, 1897
  • Otto von St. Blasien: Chronik
  • Arnold von Lübeck: Chronik (entstanden um 1210)
  • Albert von Stade: Chronik
  • Burchard von Ursberg: Chronik
  • Das Nibelungenlied, 37. Aventiure
  • Lambert von Ardres: Historia comitum Ghisnensium (Geschichte der Grafen von Guînes)
  • Jean de Marmoutier: Historia Gaufredi ducis Normannorum et comitis Andegavorum (Geschichte Gottfrieds, Herzog der Normannen und Graf von Anjou)
  • Bernhard von Clairvaux: De laude novae militiae (Lob der neuen Ritterschaft)
  • Knut Görich: Jäger des Löwen oder Getriebener des Fürsten? Friedrich Barbarossa und die Entmachtung Heinrichs des Löwen, in: Staufer & Welfen. Zwei rivalisierende Dynastien im Hochmittelalter, hg. v. Werner Hechberger und Florian Schuller, Regensburg 2009, S. 98–117; sowie Tagungsband 2024 zu Herrschaft und Nichtentscheiden bei Barbarossa
  • Gerd Althoff: Spielregeln der Politik im Mittelalter, 1997


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Transkript

Daniel
00:00:00
Ich habe das Gefühl, du wirst heute wieder einen nationalen Mythos zerstören.
Solveig
00:00:03
Ja, nein.
Daniel
00:00:05
Wobei man auch glaube ich sagen muss, dieser Kaiser, um den es da heute offenbar gehen wird, ist auch nicht mehr so ganz mythologisch aufgeladen, oder? Für die meisten Menschen.
Solveig
00:00:13
Beziehungsweise ich werde eher den Mythos wieder aufbauen.
Daniel
00:00:17
Ach so.
Solveig
00:00:17
Der ist schon zerstört worden, worüber wir heute reden.
Daniel
00:00:20
Das ist aber was ganz Neues. Der Flurfunk Geschichte Mythos des Kaisers. Ja, hallo Solveig.
Solveig
00:00:49
Hallo Daniel.
Daniel
00:00:50
Es ist schön, dass wir wieder da sind.
Solveig
00:00:51
Ja.
Daniel
00:00:52
Und es ist schön, dass du immer eine Folge vorbereitet hast. Denn eigentlich hatte ich ja gesagt, ich möchte mal wieder.
Solveig
00:00:57
Ja.
Daniel
00:00:57
Habe ich großspürig euch natürlich nicht verraten. Erstmal willkommen euch allen. Es ist schön, dass ihr da seid und offenbar Interesse habt an mittelalterlichen Themen. Und es sollte heute eigentlich was fast Tagesaktuelles gehen. Da habe ich Solveig überzeugt, dass ich mal wieder dran sein möchte. Und ich habe es nicht geschafft. Immer wieder völlig versagt, versackt im großen Loch. Ein Buch nach dem anderen aufgeschlagen und kein Ende gefunden. Und heute Morgen habe ich Zorberg gesagt, ich schaffe es nicht. Aber Zorberg gesagt, das ist kein Problem. Ich habe da schon was vorbereitet. Und das ist natürlich auch viel interessanter, glaube ich, für viele von euch.
Solveig
00:01:32
Weiß ich nicht.
Daniel
00:01:33
Ein Kaiser, der schon ab und an mal angeklungen ist bei uns. Du konntest dich gar nicht mehr daran erinnern. Ich musste die Erinnerung rufen, dass wir eine wenig beachtete Folge gemacht haben. Die ist auch schon was älter. Es ist, glaube ich, Folge Nummer 11. Oh, wie schön ist Goslar. Und da taucht tatsächlich auch dieser Kaiser mit dem italienisch klingenden Namen. Barbarossa. Schau mal auf, ich glaube, das kann ich verraten, weil es wahrscheinlich im Titel dieser Folge auch stehen wird. Ein Mann mit Sprengkraft offensichtlich, denn das ist ja unser Motto, das wir über dieses Jahr gestellt haben.
Solveig
00:02:06
Ja, aber, da muss ich dir schon gleich reingrätschen, der Mann mit Sprengkraft ist nicht Barbarossa.
Daniel
00:02:12
Ach so.
Solveig
00:02:13
Sondern es ist der andere.
Daniel
00:02:14
Der Löwe?
Solveig
00:02:15
Das ist der Löwe. Ah. Das ist der Heinrich, der Löwe Heinrich. Der hat ein bisschen was gesprengt.
Daniel
00:02:21
Müsste der da nicht eigentlich im Titel stehen?
Solveig
00:02:22
Nein.
Daniel
00:02:23
Okay.
Solveig
00:02:23
Weil das, was Barbarossa getan hat oder getan haben soll, was ebenfalls im Titel steht, denn diese Folge heißt, wenn ich meinen Willen bekomme.
Daniel
00:02:32
Aber du kannst bitte frei entscheiden, wie du deine Folge nennen möchtest.
Solveig
00:02:36
Dann heißt sie nämlich Barbarossa, beziehungsweise Friedrich Barbarossa, der Kaiser der Kniete. und wir werden gleich darauf eingehen, was das eigentlich ist. Warum er gekniet hat, ob er gekniet hat. Und das ist ein großes Thema gewesen. Und in dem Sinne ist das natürlich auch mit Sprengkraft verbunden. Hat er jetzt gekniet? Warum hat er gekniet? Was hat es bedeutet, dass er kniet? Aber eigentlich ist der Mann, der wirklich ein bisschen Zunder gemacht hat, ist Heinrich der Löwe.
Daniel
00:03:02
Okay, über den weiß ich so gut wie gar nichts. Um die beiden geht es heute. Sehr gespannt und ich hoffe, ihr auch. Und womöglich habt ihr auch wegen des Themas zum ersten Mal eingeschaltet. Wer weiß, dann könnt ihr gerne unsere Kapitelmarken nutzen, um direkt dann ein bisschen weiter zu sprengen. Denn erst bevor wir in dieses Thema einsteigen, müssen wir noch über die Post sprechen, die wir bekommen haben. Und uns natürlich bedanken bei all denen, die seit der letzten Folge entschieden haben, dass sie Flur von Geschichte so sehr mögen, dass sie uns auch finanziell unterstützen wollen über Steady. Oder vielleicht einfach Bock auf den Nachklapp haben, den es in jeder Folge dort noch zu hören gibt. Vielen Dank Karin. Willkommen Jan und Karimann und Angelika und Akiko und Emanuele und Sarah und Corinna. und ja, wer auch immer uns gar nicht unbedingt regelmäßig unterstützen möchte oder nicht kann, aber ab und zu mal auf diese Art und Weise seine Liebe ausdrücken möchte zu uns, kann das auch mal mit einem Kaffee auf Kofi tun und das hat Ludmilla getan, vielen Dank Ludmilla und n.g. aus m. Ich glaube, es handelt sich um die gleiche Person, die uns auch Post geschrieben hat.
Solveig
00:04:08
Ich kann mir vorstellen, wer das ist.
Daniel
00:04:09
Womöglich, aber das ist ja gut, wenn wir das wissen.
Solveig
00:04:12
Ja.
Daniel
00:04:12
Auf jeden Fall vielen Dank an euch und wenn ihr unseren Podcast mögt, aber jetzt nicht unbedingt Geld übrig habt und nicht wollt und denkt, wir haben sowieso schon genug, dann freuen wir uns natürlich trotzdem, wenn ihr uns liked und so viele Sterne verteilt, wie es geht oder bei YouTube auch mal folgt und da die Glocke läutet. Denn es gibt dort ja auch Videos von Solvike und eins ist noch vor gar nicht allzu langer Zeit rausgekommen.
Solveig
00:04:36
Es kommt auch bald wieder eins.
Daniel
00:04:37
Und wird auch in einer Post angesprochen. Aber natürlich gab es vor allem eine Reaktion auf die letzte Folge und man konnte es sich denken. Ich war klar, dass das passieren würde, denn der Komponist, um den es ja eigentlich auch ging, die Folge heißt anders, aber es ging viel auch um den Vater von Siegfried Wagner, also den berühmten Richard Wagner und seine problematischen Einstellungen. Aber es ist natürlich ohne Zweifel, dass es sehr viele Menschen gibt, die die Musik sehr schätzen und ich glaube, wir haben es im Nachklapp stärker gemacht als in der Originalfolge. Wir haben natürlich grundsätzlich kein Problem damit, wenn ihr die Musik gerne hört. Uns hat halt mehr interessiert, was Wagner in einem bestimmten Buch geschrieben hat und was für eine Geisteshaltung und wie das eigentlich zustande kam und welche Auswirkungen das noch auch in der weiteren Familiengeschichte hatte und überhaupt. Und natürlich wollen wir niemandem vorschreiben, welche Musik man hören darf oder nicht. Problem ist einfach dabei, wir mögen sie beide nicht besonders, glaube ich. Oder hörst du die Wagner mal ab und an zu Hause an?
Solveig
00:05:43
Hin und wieder wird das ja mal zur Untermalung von Filmen benutzt. Also zehn Minuten kann ich mir das schon mal anhören. Aber ich habe eh nicht so eine Aufmerksamkeitsspanne, was Opern oder klassische Musik angeht. Das ist auch für Daniel immer schon sehr enttäuschend.
Daniel
00:05:57
Weil ich mit meinem Mendelssohn-Bartoldi auch nicht durchdringe.
Solveig
00:05:59
Nein, ich habe da, das ist nicht meine Musik und da habe ich keine Geduld für und da kann ich mich auch nicht darauf einlassen.
Daniel
00:06:06
Ich muss sagen, ich mag es, ich mag auch Zeit lang das Pathetische das dann oft da so drin vorkommt und weswegen die Musik ja dann auch entsprechend eingesetzt wurde zeitweilig Ich mag es halt nicht, wenn die singen, Also ich mag Barock-Opern, das ist eher so meine Zeit und ich mag Wagner-Musik manchmal hören, wenn die Stimmung entsprechend ist aber wenn die anfangen zu singen.
Solveig
00:06:26
Dann mache ich aus Ich verstehe sie dann auch immer nicht, weil ich sie nicht geübt bin und Operngesang ist auch, also ich. Ich kann natürlich auch verstehen, gerade auch so im 19. Jahrhundert, diese Musik war bahnbrechend, das war was ganz anderes. Auch dieses Konzept mit dem Gesamtkunstwerk, da haben wir dann ja glaube ich danach nochmal privat drüber gesprochen, dass das ja im Grunde auch so Filme vorweg nimmt, also dass man Szenenbilder hat, dass man Kostüme hat und dann mit der Musik untermalt. Das sind wir mittlerweile gewohnt aus Filmen, aber im 19. Jahrhundert ist das natürlich was bahnbrechendes gewesen, nur darum ging es mir halt nicht. Und ich kann es leider nicht trennen, wie das andere können, wenn ihr das trennen könnt, Kunst vom Autor, dann ist das ja auch in Ordnung und ich nehme auch niemandem irgendwas weg und ich will auch niemandem, ich will auch ihm, sein Schaffen nicht absprechen, nur ich kann es eben nicht trennen und ich habe dann eben keinen Spaß dran. Und ich finde eben schon, dass es eben sehr wichtig ist, darüber zu reden, was ja auch die Familie Wagner mittlerweile wichtig findet, denn mittlerweile hat ja die Premiere stattgefunden und Michelle Friedmann war auf dem grünen Hügel, und hat sich dort sehr plakativ mit Katharina Wagner auch präsentiert und fotografieren lassen. Und auch Katharina Wagner hat das sehr deutlich gemacht, zumindest für mich, dass ihr das sehr, sehr wichtig ist, diesen Aspekt der Familiengeschichte auch, zu besprechen und zu bearbeiten. Und in dem Sinne ist das ja auch positiv zu sehen. Und es muss halt trotzdem besprochen werden. Und irgendwie finde ich es dann eben auch, für mich persönlich reicht es eben nicht zu sagen, ja, aber ich höre mir nur die Musik an und es geht mir nur um die Musik. Es ist eben nicht nur die Musik gewesen. Also ich kann das eben nicht trennen, Autor von Kunstwerk, aber ich spreche das niemandem ab. Wenn ihr damit zufrieden seid und wenn euch das glücklich macht, dann ist das eure Entscheidung.
Daniel
00:08:16
Was in dem Kommentar, der auf unserer Website komplett zu lesen ist, gab es dann noch die Frage, die du, glaube ich, damit beantwortest hast. Glaubt ihr denn wirklich, alle Wagner-Fans sind schwärmerische, dummvölkische Antisemiten und nur ihr habt es gerafft.
Solveig
00:08:29
Ja.
Daniel
00:08:29
Das ist, glaube ich, sehr in einem emotionalen Moment geschrieben worden. Ich weiß nicht, um wie viel Uhr. Das habe ich mir nicht angeschaut. Aber ich glaube nicht, dass wir diesen Eindruck erweckt haben in der Folge, dass wir Wagner-Fans für Antisemiten halten. Wir halten Wagner für einen Antisemit.
Solveig
00:08:44
Und seine Familie.
Daniel
00:08:45
Und diese Person hat uns ja später noch eine E-Mail geschrieben, weil er auch gemerkt hat, dass der Ton sehr engagiert war in dem Kommentar. Und da selbst sagt die Darstellung dieses dumm völkischen antisemitischen Sumpfes, der Bubble war absolut angemessen. Also insofern hoffe ich, dass es doch richtig verstanden wurde, was wir sagen wollten und ja, also uns, Es ging nicht um Schwarz-Weiß, sondern es ging um Wagners Aussagen, die er getroffen hat. Und über die Musik haben wir nicht gesprochen, außer dass wir halt persönlich vom Geschmack her anderes bevorzugen. Wer in Bayreuth sitzen möchte oder in einem anderen Opernhaus, dem nehmen wir das nicht übel. Und wir halten die Person dann auch nicht für Antisemiten.
Solveig
00:09:26
Und das war ja genau der Punkt, was wir mit dieser Folge zum Ausdruck bringen wollten, anhand von Siegfried Wagner. dass man da eben auch in diesem Denken drinnen hängt und dass man eben nicht in Gut und Böse und Schwarz-Weiß unterscheiden kann und man eben nicht sagen kann, der war Widerstandskämpfer und der war überzeugter Nazi, sondern, es ist wie so oft ein Spektrum, auf dem man sich dann irgendwie individuell bewegt. Und ein Siegfried Wagner hat sich eben dort bewegt in den Möglichkeiten, die er hatte.
Daniel
00:09:53
Ich muss nur sagen, mir ist aufgefallen jetzt, als ich die Namen nochmal nachgeschaut habe, wer uns in letzter Zeit da unterstützt hat. Also zwei Personen haben sich nach dem Erscheinen der Wagner-Folge entschieden, ihre Unterstützung einzustellen. Ich hoffe, es interessiert mich, ob es an dieser Folge liegt. Sagt es uns doch gerne. Oder ob es vielleicht andere Gründe gibt, warum ihr das nicht mehr wollt. Wenn es nur das Finanzielle ist, dann klar. Aber wenn es irgendwie mit unserem Podcast zu tun hat, dass wir euch auf irgendeine andere Art und Weise enttäuscht haben oder uns zu sehr verändert haben, dann warnt uns doch bitte auch gerne, wenn es da besondere Gründe für Kündigungen gibt. Ich habe jetzt irgendwie die Sandwich-Methode falsch angewendet. Also wir beginnen mit etwas Negativerem. Jetzt kommen ein paar positive Post-Zusendungen und dann kommt nochmal was Kritischeres am Ende. Aber nicht so schlimm. Vielen Dank, Christina, für deine kurze Nachricht, dass sie uns natürlich sofort jede Folge hört, hat sie geschrieben. Und dass wir der einzige Podcast sind, wo sie auch alte Folgen mehrfach sich wieder anhört. Zum Beispiel die Nibelungen, das mag ich. Das kann ich nachvollziehen, weil das ist auch eine der Folgen, die ich selber am meisten höre, weil ich das einfach immer wieder liebe, wie du diese Geschichte nacherzählst. Und Sizilien. Also Sizilien ist irgendwie so ein Dauerbrenner tatsächlich. Meistens natürlich in der Reisezeit erreichen uns öfter nochmal Nachrichten, dass Leute uns gerade über die Sizilien-Folge gefunden haben und sie das im Urlaub begleitet. Das ist genau das, wie wir uns das vorgestellt haben und wie das sein sollte. Dieses Jahr brechen wir mit dieser kleinen Tradition, die wir hatten. Also bis jetzt haben wir noch nichts Italienisches, vielleicht heute ein bisschen, aber so weit runter ist er nicht, ne? Können wir uns seinem Enkel nochmal gedenken oder seines Enkels gedenken.
Solveig
00:11:23
Wer hat denn die Hochzeit mit Konstanz arrangiert?
Daniel
00:11:26
Ja, okay. Also damit ist Sizilien dieses Jahr für sich abgehakt. Und dann hat uns Mattes geschrieben. Das war auch eine sehr liebe Nachricht, wo ich jetzt hier nicht so viel von vortragen möchte. Ich fand es interessant, dass die Person Friedrich Wilhelm III. als sein Boy bezeichnet. Und offenbar, dass es sich um einen Preußen-Fan handelt, der normalerweise lieber Hörbücher hört. Aber bei unserem Podcast, das geht auch, weil wir so unterhaltsam sind und so gerne lachen. Das ist schön, dass es Menschen gibt, die das mit uns auch gerne tun möchten. Und seine Lieblingsfolge ist der Nonnenfähnrich. Das ist schon auch sehr speziell.
Solveig
00:12:05
Ja.
Daniel
00:12:05
Ja, das ist ebenso wie, welche Folge hatte ich gerade noch angesprochen? Hier hat er unsere Barbarossa-Folge. Goslar, genau. Oh, wie schön ist Goslar. Und Nonnenfähnrich sind ungefähr so die am wenigsten nachgefragten Folgen. Dankwürdig. Die Farbe Lila könnte man auch noch dazu nehmen, habe ich vorhin nochmal nachgeguckt. Also vielleicht Nonnenfähnrich, wenn euch das gerade nichts sagt, dann ist das der Zeitpunkt, da auch nochmal reinzuhören auf jeden Fall. Und was aber das allercoolste ist, Mathis hat geschrieben, also KI-Bilder mag er ja gar nicht, beabsichtigt aber natürlich uns bei SETI zu unterstützen. Und da gibt es ja für die verschiedenen Tarife verschiedene Brotbäume in verschiedenen Größen. Das ist auch aus einer Folge abgeleitet übrigens, falls euch das irgendwie wundern sollte. In heiliger Armut heißt die Folge. Da hat Zorbeck sich mal versprochen. Und wir haben es gleich aufgegriffen mit den Brotbäumen. Und KI-Bilder sind aber irgendwie, ja, immer ein bisschen komisch. Finde ich auch. War halt der schnellste, einfachste Weg, so einen Brotbaum zu verwirklichen. Ich kann es nicht zeichnen, aber Mattes scheinbar. Ja, Mathis hat deshalb vorgeschlagen, er könnte für uns KI-Bäume zeichnen, Brotbäume zeichnen als Vorschlag. Und wenn uns das gefällt, dass wir die dann benutzen. Das würden wir sehr gerne tun. Ja, bitte macht das und schickt es uns. Da sind wir sehr gespannt. Das benutzen wir natürlich dann auch gerne, setzen wir gerne ein. Und außerdem hat Noah uns geschrieben, ein Schüler, der unser Jahresthema aufgegriffen hat, den Männer mit Sprengkraft. Und er hatte noch vorgeschlagen, ob wir nicht über Bernhard Gui sprechen könnten. Guy. Guy, Entschuldigung. Guy. Guy.
Solveig
00:13:37
So heißt er nur im Namen der Rose.
Daniel
00:13:40
Genau, das ist auch der Punkt, woher ich den kenne. Mehr sagt er mir nicht. Du hast ihn vielleicht schon mal angesprochen in der Inquisitionsfolge wahrscheinlich.
Solveig
00:13:48
Deswegen, also vielleicht nochmal in die zwei Folgen, beziehungsweise die eine war nur Inquisition, die andere war dann spanische Inquisition. Da mal reinhören, da reden wir tatsächlich über Bernard Guy und auch ein bisschen über Innozenz den Dritten.
Daniel
00:14:02
Das war nämlich der zweite Vorschlag von ihm.
Solveig
00:14:05
Und über die möchte ich nicht mehr so viel reden. Sorry. So viel gibt es über die jetzt nicht Spannendes zu erzählen, meiner Meinung nach. Dass wir für die nochmal eine extra Folge machen.
Daniel
00:14:17
Auf jeden Fall kann ich mich an Albigenser Kreuzzug erinnern. Das hast du schon erzählt.
Solveig
00:14:21
Genau, also das mit Innozenz dem Dritten und seinem Pech mit Kreuzzügen. Und Bernagi haben wir alles in den Inquisitionsfolgen gemacht. Also da kann man gerne nochmal reinhören.
Daniel
00:14:31
Also falls du noch nicht das gehört hast, hörst du dir mal an und dann schreibst du uns nochmal.
Solveig
00:14:35
Ob dir das reicht.
Daniel
00:14:37
Ob dir das reicht, genau. Und was du davon hältst. Nora hat uns noch geschrieben und gefragt nach einem längeren Text, aber ich fand die Frage interessant, wie recherchieren wir eigentlich so schnell? Und ob wir auch KI dazu benutzen? Nein.
Solveig
00:14:50
Nein? Ich benutze keine KI.
Daniel
00:14:51
Nein. Ich muss zugeben, ich benutze KI. Ja, ich frage einfach eine KI mit einem französisch klingenden Namen. Ich möchte diese Folge machen, schreib mir ein Skript zu dem. Nein, das tue ich natürlich nicht. Aber wenn ich tatsächlich so eine Frage habe, ich suche das Zitat so und so oder hat die Person zu dem Thema irgendwas gesagt, dann frage ich die KI. Und ich habe im Hintergrund, also kann man eine Einstellung machen, dass sie halt keine Annahmen mal treffen soll, ohne dafür irgendwie eine Quelle vorzuweisen. Und insofern, das macht es dann schon wieder ein bisschen zuverlässiger. Und vor allem geht es mir dann darum, dass die das einfach schneller findet, Wenn es eine Quelle zu einem bestimmten Thema oder einer Aussage gibt und dann kann ich halt selber nochmal gucken in dieser Quelle, ob ich das da wieder finde. Also dafür benutze ich das durchaus. Und da mache ich mir jetzt auch keinen Kopf, dass ich da irgendwelche privaten Informationen der KI übergebe. Also im Grunde benutze ich die für Recherchen und inhaltlich für Dinge, die wir sowieso nachher publizieren. Also da denke ich jetzt nicht drüber nach, dass ich denen irgendwelche Geheimnisse an die KI verrate und die uns da irgendwie rein hackt nachher. So, und jetzt kommen wir nochmal zu dem letzten kleinen Kritikpunkt, auch eines Unterstützers von uns, nämlich Florian. Hallo Florian, vielen Dank für deine Unterstützung. Florian hat uns geschrieben, es war ihm ein bisschen zu quellenlastig in letzter Zeit. Also wenn wir erzählen und uns unterhalten, ist alles top. Aber wenn wir anfangen, Quellen vorzulesen, dann schläft er quasi ein. Das hat er so nicht geschrieben. Aber so habe ich es ein bisschen verstanden, vor allem mit der Paulskirche, sei es ganz arg, ja, das ist so, lieber Florian, da wird sich dann allerdings auch tatsächlich nichts dran ändern, also die Paulskirche ist einfach so. Es ist nur mein Nerd-Podcast.
Solveig
00:16:26
Es tut mir leid.
Daniel
00:16:27
Das muss man wollen. Und ja, wir hatten, glaube ich, auch letztes Mal, oder du hast ja vielmehr selber gesagt, das sind etwas längere Qualen.
Solveig
00:16:35
Ja, bei Alexander.
Daniel
00:16:36
Ja, es ist vielleicht ein bisschen umfassend geworden, aber so ganz ohne kommen wir natürlich nicht klar. Also das haben wir von Anfang an gesagt, als wir im fünften Anlauf unseren Teaser damals vor über vier Jahren aufgenommen haben, dass du gleich gesagt hast, ja und natürlich lesen wir Quellen. Wir wollen ja die Zeit hier erschließen. Also ganz ohne wird es nicht gehen. Und manchmal, gerade wenn es so Päpste sind, die schreiben halt so einen Satz, der ist eine halbe Seite lang und man kann das irgendwie so schlecht einkürzen. Und was mir auch aufgefallen ist, und das haben wir im Nachklapp zum Kleopatra-Video auch angesprochen, dass du da ein bisschen gestresst warst. Echt? Bist du mir so klar haben, wie es vielleicht nicht gesagt? Aber ich weiß, dass Solberg gestresst war, vor allem bei dem ganzen Video, dass alles ein bisschen gehetzt war, weil sie nur einen Akku hatte. Und sie musste durchkommen, bevor der Akku leer ist. So stelle ich es mir vor.
Solveig
00:17:30
Und ich wollte sagen, ja, also... Jetzt sind wir ja eh im Laber-Podcast. Wer ins Thema will, hat sich schon übersprungen. Ich habe das auch an einem Tag produziert. Ich habe morgens angefangen und ich wollte irgendwann auch fertig sein. Ich wollte auch irgendwann müde. Und das Skript war sehr kompliziert und sehr komplex. Und wenn man eine Stunde da sitzt und am Ende aus diesen einen Stunden fünf Minuten geschnitten hat, dann wisst ihr, wie lange das gedauert hat. Und irgendwann ist man auch müde und irgendwann redet man sehr schnell, weil man es einfach hinter sich anpasst. Ich rede auch insgesamt sehr schnell, das ist mir schon bewusst. Ich versuche darauf zu achten. Es ist aber auch so ein bisschen Teil meines Stils. Mein Papa hat gesagt, es war nicht so schnell für ihn.
Daniel
00:18:16
Na dann. Das ist die letztgültige Autorität, Florian. Was kann ich da machen? Ich werde sie ermahnen, wenn die Quellen zu lang sind. Oder wir stoppen zwischendurch mal.
Solveig
00:18:24
Ich kann schon verstehen. Es ist auch Gewohnheitssache. Mir fällt es auch auf, wenn ich unsere Erfolgen höre.
Daniel
00:18:30
Das ist immer mehr wert.
Solveig
00:18:31
Nee, dass es auch einfach wirklich schwierig ist, wenn man sich darauf eingestellt hat, einen freigesprochenen Podcast zu hören und auf einmal switcht der Ton. Dass wir da vielleicht ein bisschen drauf achten. Aber ich möchte nicht auf meine Quellen verzichten.
Daniel
00:18:44
Das können wir auf keinen Fall. Versuchen das kürzer zu machen. Unterbrechen wir öfter. Ich muss ja auch ab und zu, wenn ich selber lese, dann höre ich mir ja immer sie nicht zu. Wenn ich die Quellen vorlese, dann muss ich ja unterbrechen und nochmal nachfragen. Was habe ich da eigentlich gerade gelesen? Auf jeden Fall sagt Florian am Ende auch nochmal, er will uns ja eigentlich gar nicht kritisieren, das ist wirklich nur so ganz klein, sondern immer nur feiern. Dankeschön, Florian. Und danke, Nora. Und danke, Mathis und Noah und Christina und Kufi, dass ihr uns geschrieben habt. Und natürlich nehmen wir auch Kritik gerne an. Wir können aber nicht immer alles umsetzen, weil manche Dinge machen wir unabsichtlich und manche dann doch eher mit Absicht.
Solveig
00:19:20
Ja, und manche Dinge sehen wir auch anders.
Daniel
00:19:22
Ja. So, jetzt ist die Kapitelmarke hoffentlich erreicht, dass wir in das eigentliche Thema einsteigen und es geht in Solveigs absolute Kernkompetenz.
Solveig
00:19:35
Jetzt verkauft es nicht so groß.
Daniel
00:19:36
Na komm, Mittelalter, du nennst dich doch mit ihr Wisstin, oder nicht?
Solveig
00:19:40
Nicht mehr.
Daniel
00:19:40
Nicht mehr, okay, hat sich verlaufen. Aber komm, also das ist doch jetzt hier wirklich ein absolutes Top-Thema. Ein Wunder, dass wir den noch nie hatten, weil du andere Boys hast.
Solveig
00:19:51
Ja, ich finde ihn langweilig.
Daniel
00:19:52
Die anderen Staufer sind alle netter.
Solveig
00:19:54
Interessanter. Die sind nicht netter, aber die sind einfach cooler.
Daniel
00:19:57
Wieso hast du dich dann entschieden, heute doch den Barbarossa zu holen? Weil du eigentlich über Heinrich den Löwen sprechen möchtest?
Solveig
00:20:02
Weil, ich habe es ja eben schon angesprochen, es kommt demnächst wieder ein Video. Und vielleicht ist ja euch schon aufgefallen, haben wir auch schon angesprochen. Die sind ja thematisch immer so ein bisschen an die Podcast-Folgen gekoppelt. Jetzt ist ein bisschen was schiefgelaufen in der Planung. Ich habe mich nämlich thematisch vertan. Eigentlich sollte das Thema, was wir heute machen, im September kommen. Und das Thema, was wir im September machen, im August kommen.
Daniel
00:20:24
Gut, das wissen die Leute ja nicht.
Solveig
00:20:25
Deswegen, das war mein Fehler. Ich habe da ein bisschen falsch geplant.
Daniel
00:20:29
Aber es gibt ein Video.
Solveig
00:20:30
Es gibt ein Video, da wird es um Mittelalterbilder gehen. Da wird es um Männlichkeitsvorstellungen gehen. Und dann dachte ich, machen wir doch eine Folge dazu über Männlichkeitsvorstellungen im Mittelalter.
Daniel
00:20:39
Okay. Klingt nach einem Thema, das wir schon öfter mal hatten, oder nicht?
Solveig
00:20:44
Weil ich bin halt die Gender-Tante. Und... Und in dem Video geht es um Maskulinitätsvorstellungen der Gegenwart, die wir auch auf das Mittelalter drauf projizieren. Und heute in dieser Folge geht es um Männlichkeitsvorstellungen des Mittelalters, die nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was wir heute denken, wie man Männlichkeit im Mittelalter gedacht hat. Und deswegen habe ich mir das Beispiel genommen, den sogenannten Kniefall in Kiewenna.
Daniel
00:21:13
Weil das nicht zu dem gehört, wie wir uns einen männlichen Kaiser vorstellen, dass er niederkniet. Er reitet hoch erhoben zu Ross in glänzender Rüstung, Schwert schwingend.
Solveig
00:21:22
Genau. Und er herrscht in absoluter Gehorsams Erwartung.
Daniel
00:21:28
Absolut.
Solveig
00:21:29
Absolut. Und wir gucken uns heute mal an, wie dieser Kniefel von Kiewenner, wie der beschrieben wird, ob er stattgefunden hat, wie er im 19. Jahrhundert bewertet wurde, wie er heutzutage bewertet wurde. Und dann gucken wir uns eben an, was wir darüber schließen könnten, wie das wirklich im Mittelalter dann wahrgenommen wurde, dieser eventuelle Kniefall. Und damit steigen wir direkt ein. Also wir haben Chiavenna, das ist eine kleine Stadt im Süden, ich glaube in der heutigen Schweiz. Ich habe es jetzt exakt nochmal nachgeguckt. geguckt.
Daniel
00:21:59
Auch Tomasche von Italien ausgegangen.
Solveig
00:22:00
Ja, bei dem Namen, aber ich glaube es ist in der Schweiz. Und wir sind im Jahr...
Daniel
00:22:04
Auch einen italienischen Teil.
Solveig
00:22:06
Wir sind im Jahr 1176 und Friedrich I., auch genannt Barbarossa, weil er so einen roten Bart gehabt haben soll, bittet... Seinen Cousin, den Herzog von Sachsen und Bayern, Heinrich den Löwen, ihn doch bitte in Chiavenna zu treffen. Der ist da unten nämlich, weil er sich auf einen Kriegszug vorbereitet. Barbarossa ist er. Barbarossa, ja genau. Aber Heinrich kommt auch. Der kommt nach Chiavenna, weil Barbarossa möchte einen weiteren Krieg oder Streitzug, wie auch immer man das nennen möchte, gegen den Lombardenbund führen. und dafür braucht er die Hilfe von Heinrich dem Löwen und bittet ihn jetzt um Hilfe. Und ich habe zwei Quellen, die sind ungefähr in der gleichen Zeit entstanden, Anfang des 13. Jahrhunderts und du kannst einmal vorlesen, was so knapp 20 Jahre später über dieses Ereignis erzählt wird.
Daniel
00:23:02
Der Kaiser aber in die Enge getrieben, entsandte Boten nach Germanien, Berufsergänzung des Heeres. und zugleich in den Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen, den Sohn seines Ohrheims, damit er zu einer Unterredung in Kirwena mit ihm zusammentreffe. Als dieser kam, eilte er ihm entgegen und war demütig, mehr als es für die Kaiserliche Majestät ziemlich war, dass er dem gefährdeten Reiche zur Hilfe komme. Der Herzog Heinrich nun, der fast allein durch seine Macht und seinen Reichtum um diese Zeit zur Unterstützung des Reichs geeignet war, forderte dafür Goslar, die reichste Stadt Sachsens, unter Lehenrecht als Geschenk. Der Kaiser aber, der es für schmachvoll erachtete, sich ein solches Lehen ohne seinen Willen abpressen zu lassen, versagte seine Einwilligung. Darüber erzürnt, verließ ihn Heinrich in der Gefahr und kehrte heim. Oh mein Gott, Goslar. Das ist aber auch eine Dreistigkeit. Das ganze Erz aus dem Berg.
Solveig
00:23:58
Das ist ja schon Teil des Herzogtums Sachsens. Also das ist, soweit ich es gesehen habe, der älteste Bericht über diesen Streit, den Barbarossa und Heinrich der Löwe in Kirwena führen. Was fehlt hier?
Daniel
00:24:10
Der Kniefall.
Solveig
00:24:10
Ja.
Daniel
00:24:11
So, war es jetzt hier so aufgebaut? Der Kniefall, der Kniefall, der Kniefall. Und wir wollten jetzt wissen, warum, wer kniet, vor wem, warum. Und jetzt passiert es gar nicht.
Solveig
00:24:19
Genau. Und das ist nämlich so der Punkt. Also das ist aus der Chronik von Otto von St. Blasien. Und der erzählt nur, dass die beiden Streit haben, dass Heinrich ihn nicht unterstützt in diesem Kriegszug und dass er einfach wieder geht. Tschüss. Und jetzt haben wir 1210, ich vermute, das ist nach Otto von St. Blasien, haben wir Arnold von Lübeck, der ebenfalls eine Chronik schreibt und da darfst du jetzt auch nochmal vorlesen.
Daniel
00:24:45
Das ist jetzt schon wieder ziemlich lang geworden.
Solveig
00:24:47
Ja, ich kann es doch nicht ändern.
Daniel
00:24:49
Da Friedrich Barbarossa nämlich aus Erfahrung wusste, wie furchtbar sich Heinrich den Lombarden gezeigt hatte, so erklärte er, ohne dessen persönliches Mitwirken gegen dieselben durchaus nichts ausrichten zu können. Der Herzog dagegen gab vor, er sei durch die vielen Strapazen und Feldzüge, die er sowohl in Italien als auch sonst in Unzahl bestanden habe, nun, da er auch schon ein Greis sei, an Kräften erschöpft, und versicherte, er werde der kaiserlichen Majestät, was Gold und Silber und die sonstigen Erfordernisse zur Bildung eines Heeres Anlange bereitwilligst dienen. Eigener Person aber erklärte er mit Bestimmtheit nicht kommen zu können, ohne jedoch des Kaisers Gnade verscherzen zu wollen. Darauf antwortete der Kaiser, der Herr des Himmels hat dich erhöht unter den Fürsten und dich vor allem mit Reichtum und Ehren begnadigt. Die ganze Stärke des Reiches beruht auf dir, so ist es billig, dass du, um die Arme aller zu diesem Werke zu kräftigen, dich an die Spitze stellest, damit das Reich, welches jetzt zu wanken beginnt, durch dich, der bisher anerkannter Maßen dessen vorzüglichste Stütze war, sich kräftig wieder erhebe. Wir bitten dich daran zu denken, dass wir dir nie einen Wunsch abgeschlagen haben und stets bereit gewesen sind, dich in allen deinen Ehren und Würden zu fördern, dass wir deinen Feinden stets Feind waren und keinen dir gegenüber mächtig werden ließen, Ohne also deines Wortes und deiner Eide zu gedenken, welche du dem Reich geschworen hast, wollen wir dich jetzt nur an unsere Verwandtschaft, wodurch du uns vor allen nahestehst, erinnern, damit du in der gegenwärtigen Not uns, der wir zugleich dein Neffe, dein Herr und dein Freund sind, zu Hilfe kommen, und dafür in Zukunft in allem, was du wünschest, unseres Wohlwollens dich versichert halten mögest. Da jedoch der Herzog sich noch immer weigerte und sich zwar zu jeglicher Dienstleistung bereitwilligst erbot, in eigener Person aber nicht kommen zu können, erklärte, so erhob sich der Kaiser von seinem Throne und fiel von Angst überwältigt, ihm zu Füßen. Der Herzog geriet über einen so unerhörten Vorfall, dass der unter dessen Füßen der Erdkreis sich beugt, erniedrigt am Boden lag, in große Bestürzung, und hob ihn so schnell wie möglich empor, willigte aber doch nicht in sein Begehren. Oha. Da liegt der Kaiser im Staub vor ihm, bettelt ihn an und er macht einfach dann trotzdem weiter.
Solveig
00:27:08
Genau. Wir besprechen gleich mal die, also.
Daniel
00:27:12
Also sehr schön fand ich den Teil, wo er sagt, ich möchte dich ja nicht an deine Eide erinnern.
Solveig
00:27:18
Weil nicht, dass hier gleich wieder eine Beschwerde kommt, dass die Quelle so lang war. Es hat einen Grund. Wir gehen die nämlich gleich mal Schritt für Schritt durch die Eskalationsstufen. Aber bevor wir das machen, möchte ich einmal auf die Bewertung dieses Ereignisses eingehen, wie wir das seit dem 19. Jahrhundert finden mit dem Einsetzen der Geschichtswissenschaft, wie die das so sehen und dann gehen wir das einmal durch. Da haben wir nämlich Alice Hesselmeier beispielsweise aus dem Hilfsbuch für den Geschichtsunterricht an den unteren und mittleren Klassen der Gelehrten- und Realschulen und verwandten Lehranstalten Württembergs von 1897.
Daniel
00:27:57
Diesem entzog sich jedoch der mächtigste der deutschen Großen, Heinrich der Löwe, dem seine Sonderinteressen mehr galten als seine Pflichten gegen Kaiser und Reich. Anmerkung. Dass Barbarossa bei einer Begegnung mit dem Welfen in Chiavenna oder Patenkirchen vor diesem einen Kniefall gemacht und von ihm eine höhnische Antwort erhalten habe, ist eine schöne Sage aus dem 13. Jahrhundert. Das geht ja auch nicht.
Solveig
00:28:19
Also, wir haben hier schon mal Heinrich den Löwen mit seinen Sonderinteressen.
Daniel
00:28:22
Stellt sich gegen Kaiser und Reich.
Solveig
00:28:24
Gegen Kaiser und Reich. Und dann haben wir Guido Knopp.
Daniel
00:28:27
Ach nein.
Solveig
00:28:27
Der in Die Deutschen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert im Jahr 2008 über den Kniefall von Kiewenner schrieb.
Daniel
00:28:34
Der Kniefall von Kiewenner gilt als eines der spektakulärsten Ereignisse der Weltgeschichte.
Solveig
00:28:39
So. Meine Güte.
Daniel
00:28:42
Gibt es auch was dazwischen?
Solveig
00:28:44
Wenn wir jetzt schon die Autorität befragen. Gucken wir uns doch mal diesen Kniefall nochmal an von Arnold von Lübeck, denn tatsächlich ist das die einzige Beschreibung davon, dass Barbarossa wirklich dort niedergeformiert ist.
Daniel
00:28:58
Also immerhin gibt es einen Text darüber, ist das als Sage zu bezeichnen, ist dann doch ein bisschen gewagt.
Solveig
00:29:03
Ja, also man muss natürlich auch bedenken, dass die, da kommen wir auch nochmal zu, aber im 19. Jahrhundert sind die ja sehr positivistisch unterwegs. Also die analysieren die Quellen unter der Fragestellung, wer lügt und wer sagt die Wahrheit. Und das machen wir heute nicht mehr so. Aber damals geht es eben darum, die bewerten dann, okay, dem können wir glauben, der erzählt die Geschichte richtig und dem können wir nicht glauben, der hat das sich ausgedacht.
Daniel
00:29:29
Machen wir das nicht so ähnlich?
Solveig
00:29:30
Ja, aus anderen Aspekten, wie gesagt, da kommen wir nachher nochmal zum Schluss zu. Aber hier, die prüfen halt wirklich, ist das ein Fakt, ist das Fiktion? Und heute wird eher geguckt, warum haben wir diese Fiktion? Was möchte der Autor uns damit erzählen? Und in diesem Zusammenhang sagt er, ist eine nette Sage, die der Arnold von Lübeck da erzählt, aber das stimmt nicht. Wir gucken uns heute an, warum erzählt denn der Arnold das und was will er uns damit sagen? Und Ergen-Gito-Knopf war einfach großartig. Das spektakulärste Ereignis der Weltgeschichte, was nicht passiert ist wahrscheinlich. Also der Kaiser der Kniete, das große Ding, die große Demütigung Heinrichs des Löwen, ein großes Inbild.
Daniel
00:30:16
Das ist so Barbarossa, meinst du?
Solveig
00:30:17
Ja, also Heinrich demütigt ihn, weil Barbarossa ja vorher niederkniet. Und der große staufisch-welfische Gegensatz, der da hat, die zwei Kräfte, die da gegeneinander arbeiten. Und das gucken wir uns heute an. Eben zum einen war das wirklich eine Demütigung, die Barbarossa da erlebt hat. Und was hat es mit diesem staufisch-welfischen Gegensatz zu tun? Wir haben schon öfter über Staufer gesprochen. Staufer ist halt so mein Kompetenzgebiet. Ich habe noch nie von den Welfen geredet. Woran liegt denn das vielleicht?
Daniel
00:30:47
Das kam auch schon mal. Aber mit so einer Papstgeschichte, glaube ich. Mit einer richtigen Krone am richtig falschen Ort und umgekehrt. Da waren die Welfen, glaube ich, auch dabei.
Solveig
00:30:55
Genau, also wir kommen zu den, aber wenn das so ein großes Thema wäre, hätten wir da vielleicht schon mal ausführlich drüber gesprochen, haben wir nicht, darum soll es heute eben so insgesamt gehen. Und jetzt habe ich gesagt, wir gehen mal diesen Text von Arnold von Lübeck mal durch, weil wir hier Eskalationsstufen haben. Also Barbarossa kommt nicht sofort und kniet vor ihm nieder und sagt, mein Herr und Meister, sondern wir haben hier ein Argument. Barbarossa möchte Heinrich für diesen Feldzug gewinnen. Was sagt Heinrich am Anfang, erinnerst du dich noch?
Daniel
00:31:23
Ich gebe dir gern Geld, aber ich selber, ich kann nicht mehr, ich bin alt.
Solveig
00:31:26
Ich bin alt, ich bin müde. Die sind ungefähr gleich alt übrigens.
Daniel
00:31:31
Was ist denn als Greis? Wie alt war er denn da und bezeichnet sich selbst als Greis?
Solveig
00:31:35
Oh, ich weiß nicht, jetzt habe ich es gar nicht.
Daniel
00:31:36
Ich habe ja den Punkt ver...
Solveig
00:31:37
Ich glaube 50.
Daniel
00:31:37
Punkt erwischt, wo sie nicht nachgeguckt hat.
Solveig
00:31:40
Doch, ich habe es natürlich gesehen, aber ich habe es mir nicht gemerkt, spontan im Kopf. Warte kurz. Ich würde sagen, um die 50 ist der jetzt.
Daniel
00:31:45
Okay, das ist fortgeschritten.
Solveig
00:31:47
Naja, also er lebt auch noch eine Weile. Also 20 Jahre lebt er noch.
Daniel
00:31:50
Das ist also gar nicht so...
Solveig
00:31:52
Nee.
Daniel
00:31:53
Nicht so, wie man sich Mittelalter immer vorstellt. Dass er mit 30, 35 umkippen und dann war es vorbei.
Solveig
00:31:58
Nee, also er ist ja auch hoch, hoch, hochadliger. Also der ist gut versorgt, aber er ist jetzt schon... Er sagt eben, ich bin alt, ich bin müde. Ich bin krank. Ich möchte nicht. Und was sagt Barbarossa?
Daniel
00:32:08
Das geht nicht ohne dich. Weil du bist Motivator quasi. So habe ich es verstanden. Wir brauchen dich vorne an der Spitze, damit die anderen motiviert sind. Geld reicht nicht.
Solveig
00:32:19
Der Herr hat dich unter allen Fürsten erhöht am meisten. Ist dir nämlich schon mal aufgefallen? Inwiefern hat er dich erhöht? Ist dir das aufgefallen?
Daniel
00:32:29
Der Herr hat ihn erhöht?
Solveig
00:32:32
Heinrich der Löwe hat etwas, Was es danach nicht mehr gibt, wenn ich es jetzt nicht irgendein Speziellen bestimmt.
Daniel
00:32:37
Dann war es nicht die heilige Lanze.
Solveig
00:32:39
Das ist wahrscheinlich eben nicht aufgefallen, weil man das so hört. Der hat zwei Herzogtümer.
Daniel
00:32:45
Ach so.
Solveig
00:32:45
Der ist Herzog von Sachsen und Bayern, das geht eigentlich nicht.
Daniel
00:32:48
Das ist ja später nicht mehr so ungewöhnlich.
Solveig
00:32:50
Du darfst nicht doppelt sein. In dieser Zeit, also darfst du schon, aber eigentlich wollen die das nicht. Also er ist doppelt erhöht, weil er doppelt Herzog ist. Und dann sagt er, du hast zwei Herzogtümer, du hast genug Möglichkeiten.
Daniel
00:33:04
Dann tu auch was dafür.
Solveig
00:33:05
Tu was dafür. Und vor allem kommen wir auch gleich noch, ich werde gleich noch was über das Leben von Heinrich erzählen und wie er zu diesen zwei Herzogtümern gekommen ist. Da hatte Barbarossa auch schon viel mit zu tun, dass er diese zwei Titel hat. Und Heinrich sagt, nö. Dann sagt er, um die Arme aller zu stärken, weil du das Reich stützt. Du bist der Mann. Und er sagt immer, nö.
Daniel
00:33:27
Weil ich der Mann bin.
Solveig
00:33:28
Braucht er nicht. Das kommt nachher noch. Dann sagt er, aber du hast Eide geschworen.
Daniel
00:33:34
Nein, das sagt er ja nicht. Ich möchte dich nicht an deine Eide erinnern.
Solveig
00:33:36
Ja, ja, ja. Ich möchte ja nicht sagen.
Daniel
00:33:39
Also ich möchte jetzt da nicht dran erinnern müssen.
Solveig
00:33:41
Aber das ist ja schon die nächste Eskalationsstufe. Erst schmeicheln wir ihm. Sagen, ja, aber du bist doch so mächtig und du bist so reich und du bist so stark. Wir brauchen deine Hilfe, weil du einfach so wichtig bist. Und er sagt nein. Ja gut, aber du hast halt schon geschworen.
Daniel
00:33:55
Aber jetzt frage ich dich als Freund und Verwandter.
Solveig
00:33:57
Erst frage ich dich als Freund, dann frage ich dich als Verwandter, dann frage ich dich als König und er sagt immer noch nein. Und das Letzte, was zumindest wie Arnold berichtet, wirft er sich ihm vor die Füße. Und was sagt Heinrich?
Daniel
00:34:12
Das muss nicht sein, steh bitte auf, aber ich kann trotzdem nicht.
Solveig
00:34:16
Er sagt trotzdem nein. Und das ist die eigentliche Demütigung. Also nicht, dass Barbarossa niederkniet, dazu kommen wir noch, wann ein Herrscher niederknien darf, sondern dass Heinrich sagt, nein, trotzdem. Also Friedrich Barbarossa zieht das letzte Ast, das er hat und es ist trotzdem nein.
Daniel
00:34:35
Also eigentlich konnte man davon ausgehen, wenn der Herrscher niederkniet, um eine Bitte auszudrücken, dann kannst du nicht mehr anders, als dem zu folgen. Das hatten wir, glaube ich, beim Nibelungenlied.
Solveig
00:34:45
Genau, da kommen wir nämlich heute nochmal drauf zurück. Die Geschichte geht nämlich noch weiter bei Arnold.
Daniel
00:34:49
Als er nun sah, dass ihm Ruhe beschieden war, so berief er, sobald die Umstände es erlaubten, die Fürstern des Reiches und begann vieles gegen Herzog Heinrich vorzubringen. Er gab ihm nämlich Schuld aus Stolz und Hochmut, Kaiser und Reich in dem Grade verächtlich behandelt zu haben, dass er, als der Kaiser, sich zu einem Fußfalle vor ihm erniedrigte, doch ohne Erbarmen zu fühlen und ohne dessen bedrängte Lage zu berücksichtigen, sich gar nicht herbeigelassen habe, ihn zu erhören, sondern das Wohl des Staates hintansetzend und die Hoheit der kaiserlichen Majestät für nichts achtend ihm jede Hilfe voll Hartnäckigkeit verweigert habe.
Solveig
00:35:29
Da haben wir es nämlich nochmal. Also was ist der Vorwurf gegen Heinrich den Löwen? Was hätte er tun müssen?
Daniel
00:35:34
Er hätte ihm folgen müssen für Kaiser und Reich.
Solveig
00:35:37
Nee, er hätte was anderes müssen.
Daniel
00:35:38
Entschuldigung.
Solveig
00:35:40
Also nein, du hast natürlich recht. Aber in diesem Moment, wenn Barbarossa vor ihm wieder geht.
Daniel
00:35:44
In dem Moment, wo er ihn aufhebt zu sagen, ja natürlich, ich bin an deiner Seite.
Solveig
00:35:48
Also das wäre nämlich Unterstützung und Erbarmen. Es wird ja gesagt, ohne Erbarmen zu fühlen und ohne die bedrängte Lage zu berücksichtigen. Also er hätte eigentlich Mitleid zeigen müssen, er hätte sagen müssen, oh natürlich, wenn es dir so wichtig ist, dann bricht es mir das Herz, dann muss ich natürlich. Das finde ich nämlich ganz interessant, eben mit so Bildern, Vorstellungen vom Mittelalter, auch eben von Männlichkeit im Mittelalter. Das, was Heinrich hier zum Vorwurf gemacht ist, dass er zu hart war. Ihm wird eine zu große Härte unterstellt. Er hätte eigentlich Mitleid zeigen müssen, er hätte weich sein.
Daniel
00:36:22
Das ist kein guter Christenmensch, weil wenn der Kaiser vor ihm niederkniet und ihn um Hilfe anfläht, das allerletzte Mittel, dann müsste er als guter Christ ja eben Erbarmen zeigen.
Solveig
00:36:32
Und natürlich ist das hoch manipulativ und ja, es ist toxisches Verhalten, wie man es heute sagt. Aber das ist, was erwartet ihr.
Daniel
00:36:41
Aber das macht man eben so auch.
Solveig
00:36:42
Macht man so. Und darum geht es nämlich heute auch so ein bisschen, welche maskuline Härte oder maskuline Weichheit man denn dann so im Mittelalter eigentlich gefühlt hat. Und warum wir vielleicht gewisse Vorstellungen vom Mittelalter haben, die nicht so korrekt sind. Aber jetzt gehen wir mal zurück. Ich habe dich ja direkt mal wieder so schön als Cold Opener in so Inmedias Res hineingeworfen. Du hast mich schon gefragt, wie alt ist denn eigentlich? Und was machen die überhaupt in Chiavenna und was ist eigentlich dieser gottverdammte Lombardenbund gegen den Barbara-Wassala-Kirch?
Daniel
00:37:15
Das habe ich nicht gefragt. Ich weiß, aber das ist sowieso immer so kompliziert, ist mir völlig wurscht.
Solveig
00:37:19
Das werden wir jetzt aber erstmal machen. Also es geht jetzt in diesem Kapitel.
Daniel
00:37:23
Das sind halt diese italienischen Städte wieder.
Solveig
00:37:25
Die wieder. Um den staufisch-welfischen Gegensatz in Anführungszeichen, was das eigentlich ist und wohin das möchte. Unter der Leitfrage, was macht Heinrich in Chiavenna und was will Friedrich Barbarossa von ihm? Bisschen so, um Kontext zu geben, seit 1155 ist Friedrich Barbarossa römisch-deutscher Kaiser, ist 1152 gewählt worden, nachdem sein Onkel Konrad der Dritte gestorben ist. Und er ist dann eben auch noch in dem Jahr gekrönt worden, das ging alles ganz reibungslos. Tatsächlich ist Friedrich statt des Sohnes Konrads gewählt worden. Also wir haben natürlich keine dynastische Thronfolge vom Vater auf den Sohn im römischen Reich, also im römisch-deutschen Reich, weil die das nicht möchten. Also die Fürsten wollen das immer schon noch mitbestimmen.
Daniel
00:38:19
Aber die Erwartungshaltung ist schon da.
Solveig
00:38:21
Genau, also wir haben jetzt die Salier, wir haben dann auch jetzt mit den Staufern geht das eigentlich immer vom Vater auf den Sohn. Aber der Sohn von Konrad ist noch minderjährig und da sagen die Fürsten, nee, wir wollen einen Erwachsenen, dann nehmen wir den Neffen.
Daniel
00:38:34
Macht Sinn.
Solveig
00:38:35
Die sind massiv gegen Minderjährigkeitsregierungen, werden wir nachher auch noch zu kommen, warum. Und deswegen kriegt eben Friedrich den Zuschlag. Und er konnte diese Wahl auch absichern, weil er zwei Menschen, zwei sehr wichtigen Personen auf seine Seite ziehen konnte. Das war am Anfang noch nicht so klar. Und so diese zwei Personen sind zum einen eben Heinrich der Löwe, das ist sein Cousin, und Welf der Sechste, das ist sein Onkel und es ist auch der Onkel von Heinrich dem Löwen. Also wir haben Welf, den Sechsten, der hat einen Bruder und der hat eine Schwester. Der Bruder ist Heinrich der Stolze, das ist der Vater von Heinrich dem Löwen.
Daniel
00:39:17
Da wissen wir, wo es herkommt.
Solveig
00:39:20
Und er hat eine Schwester namens Judith und diese Schwester ist die Mutter von Barbarossa. Also die sind sehr eng alle miteinander verwandt. Und das ist auch aus dynastischen Gründen, weil dieser stolze Heinrich hatte sich schon mit Konrad verworfen, mit Konrad dem Dritten. Da ging es auch schon um diese zwei Herzogtümer, Sachsen und Bayern. Und die sind dem stolzen Heinrich entzogen worden, weil er sich so stark mit Konrad dem Dritten gestritten hat, dass man gesagt hat, das geht so nicht. Und um diesen Konflikt quasi zu belegen, also zu beenden, hat man eben Barbarossas Vater mit der Schwester von dem stolzen Heinrich verheiratet, um so diesen Familienzwist ein bisschen. Also worum es mir hier geht ist, die streiten sich schon eine Weile, aber nicht, weil sie jetzt die Staufer und die Welfen sind, sondern weil es um dieses Doppelherzogtum geht. Denn, wie ist er da jetzt dran gekommen? Der stolze Heinrich, Herr Herzog von Sachsen, durch seine Ehe hat er einen Erbanspruch auf das Herzogtum Bayern gehabt. Dieser Erbanspruch ist eingetreten. Er hat eben Bayern geerbt und hatte dann zwei Herzogtümer. Und das ist in der Zeit eigentlich nicht üblich.
Daniel
00:40:30
Aber das muss doch öfter mal passiert sein. Das passiert ja nachher ständig, gefühlt.
Solveig
00:40:33
Ja, aber das mögen die nicht. Wir sind ja noch in seiner sehr frühen Zeit, Wo sich das alles überhaupt erst auch dieser Reichsgedanke formiert und wir haben einfach diese sehr mächtigen Familien, die das nicht möchten. Also wenn du Herzog bist, kannst du ja wählen, also kannst du den römisch-deutschen König wählen. Und die wollen das nicht koppeln.
Daniel
00:40:57
In Bayern haben wir keine Stimme.
Solveig
00:40:59
Doch, zu der Zeit schon. Es ist noch vor der Goldenen Buche.
Daniel
00:41:02
Ach so.
Solveig
00:41:02
Noch haben alle Stimme. Sicher? Alle, die am Hof sind, haben Stimme. Da ist noch, wer da ist, darf.
Daniel
00:41:11
Okay, aber ist ja nur einer da.
Solveig
00:41:13
Nee, also wir haben ja noch, also genau, aber das ist genau der Punkt. Also die wollen nicht, dass die Herrschaft gebündelt wird, sondern jedes Herzogtum soll von einem alleine, darf immer nur einer. Und deswegen kommt es dann eben auch zum Streit zwischen Conrad dem Dritten und so weiter. Und Conrad sagt ihm dann auch wirklich, du musst dich jetzt für eins entscheiden. Es geht nicht beides. Und der stolze Heinrich sagt, nö. Und dann sagt Conrad der Dritte 11.38, ja dann hast du keines mehr.
Daniel
00:41:42
Okay.
Solveig
00:41:43
So. Und jetzt ist es so, dass Heinrich der Stolze halt im Jahr drauf stirbt. Und jetzt eben drüber gestimmt.
Daniel
00:41:52
Hat es bis an dein Lebensende geschafft, das zu behalten.
Solveig
00:41:55
Nee, dass es ihm entzogen wird.
Daniel
00:41:57
Aber haben sie es geschafft, bis dahin, ihm das wegzunehmen? Er hat gesagt, nö.
Solveig
00:42:00
Ja, aber es ist ja schon umverteilt worden.
Daniel
00:42:02
Achso, ja gut.
Solveig
00:42:02
Er wohnt da nachher.
Daniel
00:42:03
Das muss man ja auch durchsetzen.
Solveig
00:42:04
Es reicht ja nicht.
Daniel
00:42:05
Seine Urkunde auszustellen. Man muss ja da schon auch noch ein Heer formieren, dahin gehen und ihm Sachsen wegnehmen. Oder Bayern.
Solveig
00:42:10
Ja, aber da waren sie ja gerade dabei. Also das wurde dann ja dem Welf dem Sechsten gegeben. Und der sagt jetzt, ja, dann ist das ja meins.
Daniel
00:42:18
Okay.
Solveig
00:42:18
Und jetzt haben wir nämlich, dass der Sohn vom stolzen Heinrich, der Löwenheinrich, sagt, ja dann habe ich ja jetzt beides wieder.
Daniel
00:42:26
Achso, wo kommt der denn da drauf?
Solveig
00:42:28
Also er, weil es ja vom Vater nicht durchgesetzt, also gegen den Vater nicht durchgesetzt wurde.
Daniel
00:42:34
Du hast gerade gesagt, hier Welf-Dings da hat.
Solveig
00:42:36
Ja, und der sagt nämlich auch, naja, Bayern gehört jetzt mir. Und also der Löwenheinrich kann im Herzogtum Sachsen sitzen. Das wird ihm dann auch zurückgegeben, das wird geregelt. Aber jetzt ist Bayern.
Daniel
00:42:47
Also Sachsen muss man vielleicht nochmal sagen, das ist nicht Dresden und Leipzig.
Solveig
00:42:50
Das ist Braunschweig. Das ist Niedersachsen. Und jetzt hat der Löwen Heinrich Ärger mit seinem Onkel, diesem Welf VI., weil der sagt, nee, Bayern ist jetzt weit. Also das haben sie mir jetzt gegeben. Also ich sitze jetzt in Bayern und du sitzt eben in Sachsen, wir teilen uns das. Und Heinrich der Löwe sagt, nee, ich will schon so wie mein Papa beides. Und jetzt kommt eben Friedrich Barbarossa, der möchte 1152 gewählt werden und der verspricht Heinrich dem Löwen, wenn du mich wählst, gebe ich dir Bayern auch dazu. Dann hast du wie dein Vater beide, wenn du mich wählst. Dann sagt Heinrich der Löwe, okay.
Daniel
00:43:28
Hätte noch dazu sagen müssen, wenn du mich wählst und mir mit deiner Armee dienst.
Solveig
00:43:33
Hat er ja scheinbar, also er hat dir was geschworen. Du leistest schon Eide, Schutz und Schirpen. Ein Handgang hat schon. Auf jeden Fall sagt Barbarossa, du kriegst Bayern auch dazu. Und daran hält er sich. Also es ist jetzt nicht so, dass Barbarossa sagt, denn wirklich, er gibt Heinrich dem Löwen beides. Er kriegt Sachsen und es wird ihm dann auch Bayern gegeben. Und dadurch ist eben Heinrich der Löwe, so wie es auch Arnold von Lübeck beschrieben hat, der mächtigste Mann im Reich, weil er einfach über zwei Herzögtümer regiert, und alle anderen haben halt nur eins, wenn überhaupt. Viele haben auch gar keins.
Daniel
00:44:15
Ich habe keins.
Solveig
00:44:16
Ich habe auch keins. Die verstehen sich auch super. Also das sind richtig gute Freunde, die sind ja auch ungefähr gleich alt, die sind auch zusammen aufgewachsen, alles gar kein Problem. Die arbeiten zusammen. Jetzt lässt sich Barbarossa auch zum Kaiser krönen, der geht dann nach Rom für, es funktioniert alles wunderbar, es könnte alles so schön sein. Wenn es jetzt nicht diese blöden Städte in Norditalien gäbe und diesen komischen Mann in Rom mit seinem komischen Hut.
Daniel
00:44:47
Was hat der denn wieder gemacht?
Solveig
00:44:48
Der hat sich doppelt wählen lassen.
Daniel
00:44:51
Wie doppelt?
Solveig
00:44:52
Genau, weil denn der Papst, der Barbarossa gekrönt hat, stirbt. Und es kommt zur Wahl. Haben wir auch schon mal drüber gesprochen, wie gewählt wird.
Daniel
00:45:05
In welchem Zusammenhang? Bei dem staufischen Natterngeschlecht?
Solveig
00:45:08
Nee, ich glaube, das war bei der Leichensynode. Irgendwann haben wir auf jeden Fall mal über das Papstwahldekret gesprochen.
Daniel
00:45:13
Das war dann aber im Konklave-Folge.
Solveig
00:45:16
Genau, in der Konklave. Wie so eskaliert ist. Ja, ja, genau. Da war das so. Also, jetzt kommt es zu einer schismatischen Wahl. Die Kardinäle können sich mal wieder nicht entscheiden. Es wird auf der einen Seite Viktor IV. gewählt und auf der anderen Seite von ein paar anderen Abweichlern Alexander III. Und Barbarossa sagt sich so, okay, Viktor IV., das ist mein Mann, der stammt auch so irgendwie aus dieser Partei des vorherigen Papstes, der ihn auch gekrönt hat, also er steht loyal an dieser Seite. Es ist ja immer so, wenn es zu Doppelwahlen kommt, dann weil es an der Kurie, verschiedene Parteien gibt, die nicht miteinander sich arrangieren wollen. Und aus dieser Viktor IV. Partei, das war eben der vorherige Papst auch Teil davon. Das heißt, Friedrich unterstützt einfach den Status Quo in diesem Sinn. Und die Abweichler sind dann eben unter Alexander III. formiert. Und das sind auch gar nicht so viele und man geht davon aus, das wird sich irgendwie auch regeln und Victor der Verte setzt sich durch. Ähm, wird er nicht. Wenn sich Alexander III. durchsetzt. War eine dumme Idee von Barbarossa, aber ich finde, man kann das auch irgendwie verstehen. Wir gehen mit der Mehrheit, wir gehen mit denen, aber wird ihm Ärger bereiten, diese Entscheidung für Victor IV. Und ein paar Jahre später haben wir die norditalienischen Städte Genua, Lucca, Pisa, Mailand, Pavia, Cremona, Lodi, Venedig und Florenz. Die sich zum Lombardenbund zusammenschließen, weil sie keinen Bock auf den Kaiser haben. Weil Barbarossa ist da sehr interessiert an Italien, was jetzt die Kaiser davor nicht so stark waren. Das sind alles norditalienische Städte, das sind norditalienische Kommunen vor allem. Und da ist eben nochmal ganz wichtig, das gehört ja eigentlich Norditalien zum Reich. Das subalpine ehemalige Königreich Italien, was dann zu Reichsitalien wird. Aber die Städte hatten da eigentlich in den letzten Jahrhunderten ihre Ruhe, weil kein Kaiser wirklich….
Daniel
00:47:25
Und sich schon so republikanisch entwickelt.
Solveig
00:47:26
Ja, ja, weil die hatten alle keine Muße, da runter zu kommen und dann müssen sie ja auch im Reich noch regeln und dann lassen sie Norditalien… Und wenn fahren.
Daniel
00:47:33
Sie durch bis Rom.
Solveig
00:47:34
Genau, also das ist eigentlich auch egal. Und Barbarossa hat aber diesen sehr starken Reichsgedanken, also das kam auch schon in der Arnold-von-Lübeck-Quelle durch, das macht er auch in seinen Urkunden sehr stark, er spricht immer von der Ehre des Reiches, von dem Reich und der Macht und er ist da auch sehr stark, würde ich mal behaupten, an so einer, römischen Reichsidee interessiert. Also er sieht sich sehr stark im Erbe der wirklichen römischen, der echten römischen Kaiser, also von Augustus an bis zu ihm. Also er ist so wirklich der Nachfahrer der Cäsaren. Und in dem Sinne will er natürlich auch Italien haben, weil ein richtiger römischer Kreiser regiert über Italien. Und da sagen jetzt die Norditaliener, nee, das machen wir alleine.
Daniel
00:48:17
Wir haben uns da jetzt schon anders eingerichtet.
Solveig
00:48:19
Wir haben uns da jetzt dran gewöhnt auch und das möchten wir nicht. Gerade Mailand ist auch die mächtigste und größte Stadt. Die sagen eben entschieden nein und sind dann eben auch wirklich der größte Gegner Barbarossas. Also die fangen auch immer wieder an und provozieren nicht, aber sie treiben auch die anderen Städte an, gegen den Kaiser zu sein. Und es kommt immer wieder zu Feldzügen gegen diese norditalienischen Städte, weil es ist ein Bund, das heißt, wenn eine Stadt angegriffen wird, dann schicken die anderen Truppen. Also das ist diese, haben wir ja später auch im Reich, diese typischen Städtebünde.
Daniel
00:48:57
Das ist ja auch im Reich.
Solveig
00:48:59
Ja, im Hauptreich. Und es kommt immer wieder zu Kampfhandlungen und 1167 haben wir eine massive Niederlage für Barbarossa, beziehungsweise ist in dem Sinne keine Niederlage. Er belagert da Rom und Rom im Sommer zu belagern ist eine richtig dumme Idee. Also auch heutzutage Römer sind im Juli und August nicht in Rom und heute haben die eine Kanalisation und fließen Wasser. Das war damals anders und Rom ist im Hochsommer Seuchengebiet. Die haben Malaria und alles, weil es ist alles ein bisschen kaputt gegangen, was die Römer mal gebaut haben. Das ist für Rom wirklich nicht so gut. Und es bricht eine massive Ruhe-Epidemie aus im Lager von Barbarossa, bei der wirklich auch viele Adelige sterben. Ich habe das einfach mal rausgeschrieben. Also, der Seuche erlagen die Bischöfe Konrad von Augsburg, Alexander von Lüttich, Daniel von Prag, Eberhard von Regensburg, Gottfried von Speyer und Hermann von Verden, der Kölner Erzbischof Reinhard von Dassel, die Herzöge Friedrich von Rothenburg und Welf der Siebte, Theobald von Böhmen, Berthold von Pullendorf, mehrere Konsulen aus den Verbündeten Kommunen, darunter der Lodezer Chronist Acapus Moreno und 2000 Ritter.
Daniel
00:50:17
Du meine Güte.
Solveig
00:50:18
Das sind sehr viele Titel.
Daniel
00:50:19
Das ist schon das Halbereich, irgendwie die Führung weg.
Solveig
00:50:22
Ja, und das sind auch große, also Reinhard von Dassel war auch so einer der führenden Berater von Barbarossa. Also der hat wirklich viel verloren. Welf der Siebte, das ist der Sohn Welfs des Sechsten gewesen. Der Welf der Sechste war auch schon gerade gestorben. Und das bedeutet, das sind wirklich eben hohe Titel, die jetzt alle Erbfolgeprobleme haben, beziehungsweise wo jetzt überall ein dynastischer Wandel passiert ist. Und ein paar Jahre später, 1175, sagt Barbarossa, lass es nochmal machen.
Daniel
00:50:51
Nein. Aber das heißt, der ist jetzt hingezogen, die sind verreckt und dann haben sie gesagt, das war's, ciao.
Solveig
00:50:57
Wir gehen wieder nach Hause.
Daniel
00:50:58
Was ist das?
Solveig
00:50:59
Ich glaube, Barbarossa ist auch selbst sehr schwer krank geworden, wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe. Also die haben dann den Feldzug abgebrochen, und jetzt eben hat man ein paar Jahre sich erholt und jetzt sagt Barbarossa, wir machen es nochmal. Und dann kann man schon verstehen, dass Heinrich der Löwe so vehement Nein sagt. Wenn er sagt, das ist beim letzten Mal schon so massiv schief gegangen. Sein Neffe ist da gestorben. Ist jetzt für ihn nicht schlecht, weil jetzt ist niemand mehr da, der ihm beianstreitig macht. Aber der weiß, es kann halt wieder katastrophal werden.
Daniel
00:51:32
Ich möchte nicht dabei sein.
Solveig
00:51:33
Ich möchte nicht dabei sein. Ich möchte nicht in der Hitze verrecken. Und das ist halt wirklich dieser Gedanke, also klar, die führen Krieg, aber im 12. Jahrhundert und auch noch im 13. Jahrhundert führen die ja anders Krieg als dann später im Spätmittelalter. Die töten sich hier ja nicht absichtlich. Da ist ja der Krieg eigentlich, wir kämpfen so lange, bis der andere sich ergibt, ich ihn gefangen nehmen kann und ihn dann für Lösegeld nach Hause verkaufe. Später, wenn die dann auch viel mehr Niederadlige in ihren Heeren haben, auch viel Bauern in ihren Heeren haben, dann fangen die wirklich an zu töten.
Daniel
00:52:05
Dann ist es egal.
Solveig
00:52:06
Weil da brauche ich nichts nach Hause verkaufen. Aber Hochadelige werden gefangen genommen. Und dass diese Hochadeligen jetzt alle gestorben sind in diesem Feldzug, war in dem Sinne nicht erwartbar für die. Was für uns heute ein bisschen absurd klingt. Ja, ihr seid doch in den Krieg gegangen, ihr müsstet doch mit rechnen, dass die sterben. Nö, ich hatte jetzt schon 100.000 Goldmark beiseite gelegt, um das Kind wieder frei zu kaufen. Das war die Konsequenz. Also da sagt er eben nein und Barbarossa muss aber aus seiner Perspektive diesen Krieg führen, weil der Lombardenbund mit Alexander III. ein Bündnis hat. Also Mailand und Papst Alexander III. gehen zusammen gegen ihn. Und er sagt, ich muss hier mich behaupten.
Daniel
00:52:46
Was heißt denn, dass sie gehen gegen ihn? Sie wollen einfach nur freie Städte sein oder die machen aktiv irgendwas gegen Barbarossa?
Solveig
00:52:53
Ja, also für Barbarossa machen die was aktiv gegen Barbarossa, wenn sie freie Städte sein wollen.
Daniel
00:52:58
Ja, gut. Aber es ist jetzt nicht, dass sie da expandieren wollen oder irgendwas erobern oder so. Sie stellen halt sein Kaisertum in Frage.
Solveig
00:53:07
Also das muss man eh sagen, im 13. Jahrhundert wird nicht expandiert. Außer wenn man Normanne ist, dann erobert man halt hin und wieder was, aber die sind komisch, das sind Wikinger. Aber eigentlich...
Daniel
00:53:20
Deswegen irritieren die dann auch so.
Solveig
00:53:21
Ja, deswegen weiß auch niemand, was man mit denen machen soll. Ihr könnt nicht einfach kommen und irgendwas erobern und sagen, das gehört euch dann. Also ihr dürft einen Titel erwerben oder ihr könnt einen Titel erhalten.
Daniel
00:53:29
Oder vom Papst geschenkt bekommen.
Solveig
00:53:30
Vom Papst dann, ja. Also das ist dann ja der Deal, dass der Papst, ja, war immer schon Königreich, ja, ja, ja, hier, ihr dürft es jetzt. Also man kann nicht einfach irgendwo hingehen und das erobern und sagen, das ist jetzt meins, sondern du musst schon sagen, naja, diesen Titel habe ich erworben oder ich habe ein Anrecht auf diesen Titel.
Daniel
00:53:44
Diese schöne Regel, könnte man eigentlich wieder so mittelalterliche Grundsätze wieder einführen.
Solveig
00:53:48
Also es gibt, also das Königreich Frankreich hat seine klaren Regeln, das Reich hat seine klaren Regeln und Grenzen und ich kann König von Frankreich werden, ich kann auch dann römisch-deutscher König gleichzeitig sein, aber diese Reiche sind trotzdem getrennt, also das sind diese Personalunionsgedanken. Man kann das nicht zusammenführen, um da ein neues Reich zu machen. Und deswegen expandieren die norditalienischen Städte nicht, die wollen einfach ihre Ruhe haben, die wollen ihre Autonomie haben. Und Barbarossa sagt, nein, es ist Reichsitalien, ich habe einen Anspruch darauf, den will ich jetzt haben. Und der Papst unterstützt eben die Autonomie der Lombarden, weil es ist Lombardenbundes. Und Friedrich sagt eben, ich muss die jetzt erobern, damit ich meine Macht durchsetzen kann. Heinrich sagt, nein, ich gebe dir nichts. Es kommt dann trotzdem zum Feldzug ohne Heinrich. Es kommt zur Schlacht von Leniano 1176. Und das kaiserliche Heer wird hier vernichtend geschlagen. Diese Niederlage ist so groß, dass Barbarossa nachgibt, sich mit Alexander III. versöhnt, der ihn übrigens exkommuniziert hat die ganze Zeit.
Daniel
00:54:53
Ja gut, das gehört ja zum Kreis.
Solveig
00:54:55
Ja, seit Heinrich IV. ist das irgendwie auch schick. Und er macht einen Frieden mit dem Lombardenbund und sagt, na okay, dürft. Ich bin zwar irgendwann noch, aber...
Daniel
00:55:03
Aber reicht es denen nicht, so freie Reichsstadt zu sein? Sowas gibt es doch schon.
Solveig
00:55:07
Nein, weil, also das hätte Barbarossa ja auch nur gewollt. Aber das wollen die nicht, weil sie sagen, nein, wir sind freie Stadt. Wir wollen unseren Protestat selbst machen, also unseren Stadtherrn. Wir wollen das alleine machen. Und Barbarossa kommt hin und sagt, nee, den Protestat bestimme ich, weil ich bin ja der Kaiser. Ich mache das. Und die sagen, nein, wir machen das selber und darüber streiten sie sich. Es ist jetzt eben durch diese Niederlage bei Lignano ist diese Italien-Politik von Barbarossa eben gescheitert. Also Alexander III. muss akzeptiert werden. Und es kommt dann eben auch mit diesen, so eine Einigung mit Mailand und den anderen Städten, wird unter Friedrich II. wieder losbrechen, weil auch Friedrich II. sagt, ist doch eigentlich meins. Aber Friedrich II. ist eh eine ganz andere Nummer. Und ich habe so das Gefühl, dass zum einen Arnold von Lübeck das denkt. Und ich glaube, auch Barbarossa denkt das, dass Heinrich die Schuld an der Niederlage von Leniano gibt.
Daniel
00:56:05
Ja, klar.
Solveig
00:56:05
So, wärst du mitgekommen, hätte ich gewonnen und dann hätte ich den Papst haben dürfen.
Daniel
00:56:09
Den ich wollte. Zwei große Reiche für Herzogtümer, die nicht mit dabei sind.
Solveig
00:56:15
Und dann hätten wir den Papst gekriegt, den ich wollte und Mailand würde mir jetzt gehören.
Daniel
00:56:19
Ja.
Solveig
00:56:20
Aber es ist nicht passiert und das ist natürlich auch so eine, das mag vielleicht wirklich so eine Demütigung sein für Barbarossa. und jetzt nimmt sich Heinrich der Löwe und vielleicht ist er jetzt auch im Alter in seinen 50ern, Wird da auch ein bisschen rebellisch.
Daniel
00:56:39
Hochmütig.
Solveig
00:56:40
Denn er fängt jetzt nämlich irgendwie Streit an. Und zwar erst mal mit dem Ulrich von Halberstadt. Da geht es darum, also Ulrich von Halberstadt unterstellt, Heinrich dem Löwen, der würde mit den Sachsen so grob umgehen. Also der wäre so gemein zu den Leuten, die in Sachsen leben.
Daniel
00:56:58
Okay.
Solveig
00:56:58
Daraufhin sagt Barbarossa ja, okay, nee, das ist ja jetzt doof, wenn der so gemein zu denen ist. Der soll mal im Januar 79, soll der mal hier zum Hoftag nach Worms kommen und dann reden wir da mal drüber und klären das, was denn da los ist. Und dann soll er sich mal verteidigen gegen diese Ansprüche, die dieser Ulrich von Halberstadt da erhebt. Der ist der Typ. Ja, der wohnt da auch in Sachsen und der will auch gewisse Gebiete haben, die Heinrich der Löwe für sich beansprucht. Die will er auch haben und wahrscheinlich in dem Zusammenkommen. Da ist zu den Sachsen auch voll gemein, also gib mir das lieber. Und jetzt sagt Barbarossa, ja, ich kümmere mich drum, ist ja auch mein Job, ich bin ja auch der König, ich muss Streit regeln. Aber Heinrich kommt nicht nach Worms, obwohl er eingeladen wurde. Und dann sagt Barbarossa, naja, okay, das kann ja auch mal passieren.
Daniel
00:57:46
Hat den Brief nicht gekriegt.
Solveig
00:57:47
Hat den Brief nicht gekriegt und ich meine, der Weg von Sachsen nach Worms ist ja auch weit, da kann man sich auch mal vertun. Dann laden wir ihn doch nochmal ein zum nächsten Hoftag, da kommt er auch nicht. Aber okay, dann laden wir ihn noch mal zum nächsten Hoftag ein.
Daniel
00:58:03
Das ist aber das letzte Mal.
Solveig
00:58:05
Da kommt er auch nicht. Und im März 1180 sagt auch Barbarossa, jetzt reicht es. Also dreimal eingeladen werden und gar nicht erscheinen. Bei solchen Vorwürfen, das kann ich auch meinem Cousin nicht durchgehen lassen. Schon gar nicht, wenn der mich da in Leniano im Stich gelassen hat. Es reicht jetzt mal.
Daniel
00:58:22
Das ist eine Reichsexekution.
Solveig
00:58:24
Und er entzieht Heinrich alle Titel.
Daniel
00:58:26
Oh wow.
Solveig
00:58:27
Weil er sagt, es reicht jetzt. Wir haben dich dreimal angepingt, du hast dreimal nicht reagiert.
Daniel
00:58:32
Du tauscht einfach mit Ulrich von Halberstadt.
Solveig
00:58:37
Und es passiert genau das, was du eben schon angesprochen hast, dass beim stolzen Heinrich, auch der Löwe Heinrich sagt, nö, das ist trotzdem meins, ich bewege mich hier gar nicht weg, ich muss mich hier raushauen.
Daniel
00:58:46
Du hast ja jetzt keine mehr übrig da aus Italien.
Solveig
00:58:48
Und das macht dann Barbarossa auch mit allen anderen Fürsten. Die mögen ihn nämlich auch nicht. Also Heinrich benimmt sich scheinbar auf eine Art, dass die auch die anderen Fürsten sagen, wisst ihr was, eigentlich so geht es halt auch nicht. Heinrich verliert diesen Krieg und im Juli 82 muss er gehen.
Daniel
00:59:03
Wie gehen?
Solveig
00:59:03
Raus muss er.
Daniel
00:59:05
Wohin denn?
Solveig
00:59:06
Raus. Er hat eine gute Ehepartie gemacht. Er ist nämlich mit der Schwester des englischen Königs verheiratet.
Daniel
00:59:12
Okay.
Solveig
00:59:13
Mit der Mathilde. Und die Mathilde ist die Frau vom Heinrich. Und jetzt gehen wir nach England.
Daniel
00:59:18
Okay.
Solveig
00:59:19
Es ist eh schöner. Die haben mehr Kultur.
Daniel
00:59:22
Was?
Solveig
00:59:23
In der Zeit angeblich schon. Steht überall in der Literatur. Die Mathilde und ihre englische Kunst und Kultur hat Braunschweig ausgewertet. Und jetzt sitzt er in England mit seiner Frau und seinen Kindern. und sein Besitz wird unter allen anderen aufgeteilt. Ulrich von Halberstadt hat jetzt wahrscheinlich auch noch die Mühle gekriegt, die er haben wollte.
Daniel
00:59:44
Was der da aufgelöst hat.
Solveig
00:59:48
Und jetzt setzt sich aber Heinrich II. von England für seinen Schwager ein und redet mal mit Barbarossa und sagt, kann man da nicht irgendwie? Und Barbarossa sagt, ja okay, da kann man schon ein bisschen was regeln. Und 1185 darf Heinrich zurück ins Reich. Er kriegt seine Titel nicht zurück, aber er darf sich wieder auf dem Boden des Reiches aber wozu denn? Weil er Heimweh hat, ich weiß es nicht. Weil das Wetter in England doch nicht so geil ist.
Daniel
01:00:15
Warum lässt er ihn denn?
Solveig
01:00:17
Weil Barbarossa, ja, da kommen wir zu.
Daniel
01:00:19
Ist das einfach so nett?
Solveig
01:00:20
Da kommen wir zu, warum Barbarossa hier ist. Und nochmal drei Jahre später lädt Barbarossa ihn wieder zum Hoftag ein. Und meint, hey, du bist ja jetzt wieder hier. Wie geht's dir denn so? Hast du dich wieder eingelegt?
Daniel
01:00:36
Aber wo wohnt er denn dann, wenn er da, er kann ja nicht nach Hause, wenn da jetzt jemand anders Herzog von Sachsen und Bayern ist. Wer hat denn das gekriegt?
Solveig
01:00:42
Das habe ich mir jetzt nicht rausgeschrieben, wer das jetzt gekriegt hat, aber es wird schon irgendwer ihm ein Zimmer geben. Also der darf da irgendwo, ich glaube irgendwo in Braunschweig wohnt der trotzdem. Also das ist jetzt, das ist ein geringstes Problem. Genau, wir waren beim Hoftag und Barbarossa zu ihm sagt, so hättest du nicht gern deine Herrschaft wieder. Wie ist es denn so? Wie fühlst du dich? Und dann sagt er, pass auf, ich habe einen Kreuzzug vor, weil der Saladin hat ja jetzt hier gerade Jerusalem und so erobert. Da würde ich gern mal hin.
Daniel
01:01:16
Also der Barbarossa würde gehen.
Solveig
01:01:18
Ja, genau. Barbarossa möchte jetzt auf den Kreuzzug gehen. Also wir machen einen Deal. Du darfst dich entscheiden. Also entweder gebe ich dir einen Teil deiner Herrschaft jetzt. Also du kriegst nicht alles zurück. Das kann man jetzt nicht machen. Aber du kriegst ein paar Mühlen zurück. Vielleicht ist es auch Braunschweig. und dann ist gut oder du kommst mit mir auf den Kreuzzug und dann kriegst du alles zurück. Na, hast du Bock? Und dann sagt Barbara, für eins musst du dich entscheiden, weil sonst musst du wieder raus. Dann musst du zurück nach England. Also eins, entweder den Teil jetzt oder alles später. Und wenn nichts davon, dann musst du wieder gehen. Dann sagt Heinrich, eiskalt, nö, dann gehe ich wieder. So, ich habe keinen Bock, mich zu entscheiden.
Daniel
01:02:07
Du liest noch ein bisschen die englische Kultur.
Solveig
01:02:10
Weil, pass auf, also irgendwie, ich habe die Quelle auch noch da, lesen wir nachher rein, aber es ist so ein schöner Satz. Nö, ich habe keine Lust, mich mit dem Wenigen zufrieden zu geben und irgendwo hinzureisen, wo ich gar nicht hin will. Ich bin nicht auf dem Kreuzzug, ich habe kein Bar dahin, das ist mein Heiligland. Dann gehe ich halt wieder nach England. So, und dann geht er wieder nach England. Und Barbarossa geht auf den Kreuzzug, stirbt dort, kommen wir im Nachklapp zu.
Daniel
01:02:33
Okay.
Solveig
01:02:36
Sein Ende im Kreuzzug, wie er transportiert wird, das schauen wir uns im Nachklapp an.
Daniel
01:02:39
Aber Entschuldigung, ich denke, da hat Mailand erobert und da die Heiligen Drei Könige geklaut.
Solveig
01:02:44
Ja, zwischendurch mal. Aber dann hat Mailand wieder gesagt. Okay. Das hat mir schon mal einer in meinem, ich habe mal vor Ewigkeiten Seminare an der Uni gegeben. Da hatte ich auch mal so einen Studenten, der mir dann sagte, ja, Barbarossa hat doch über Mailand gewonnen. Ja, und dann hat zwei Jahre später hat Mailand einen Mittelfinger gezeigt und gesagt, so, wir haben es uns wieder anders überlegt.
Daniel
01:03:04
Ja, aber die Heiligen Drei Könige sind jetzt in Köln.
Solveig
01:03:08
Dann kennen die Mailänder nichts. Heute unterwerfen wir uns, morgen stehen wir wieder auf. Das ist doch scheißegal.
Daniel
01:03:14
So wie Heinrich der Löwe.
Solveig
01:03:16
Die sind da nicht so, also im Mittelalter. Ja, was interessiert mich der Vertrag, den ich gestern unterschrieben habe.
Daniel
01:03:20
Treulose Menschen.
Solveig
01:03:23
Du bist nur deiner Familie gegenüber. Der Rest ist verhandlungshaft. So, kommen wir jetzt aber schon wieder von Hexchen auf Stöckschen. Also Heinrich ist im Hexil, Barbarossa ist auf dem Kreuzzug und stirbt. Jetzt übernimmt Heinrich VI. die Herrschaft, der ist ja schon mit der Konstanze verheiratet, da haben wir auch schon mal drüber gesprochen. Also hier sehen wir auch diese Italien-Politik von Barbarossa, also der kümmert sich eben nicht nur um Norditalien, der will auch Süditalien haben, weil als guter römischer Kaiser herrscht man über Italien. Und Heinrich VI. holt nicht Heinrich den Löwen zurück, der kommt einfach heimlich wieder zurück zurück.
Daniel
01:04:00
Er hat so kurz aufs Boot gesetzt.
Solveig
01:04:01
Ein bisschen rausgerudert.
Daniel
01:04:04
Die Barbarossa dreht sich um und dann Boot langsam wieder zurück.
Solveig
01:04:07
Das kommt sogar ganz schnell zurück. Also Heinrich ist unerlaubterweise einfach wieder zurück nach Braunschweig gekommen, aber irgendwie hat es auch niemanden so herkommen. Der Kaiser ist gerade auf dem Kreuzzug, der ist gerade auf dem Kreuzzug gestorben und Heinrich VI. muss das irgendwie übernehmen. Ist eigentlich auch gerade mit Sizilien beschäftigt, also der ist auch gar nicht da im Reich, sondern unten und führt da Krieg. gegen Tancred von Letsche und den Papst zwischendurch auch noch ein bisschen. Also Heinrich kommt halt einfach nach Hause, zieht er in Braunschweig in den Palast und niemand ist da, dem es auffällt irgendwie. Und 1194 meldet sich Heinrich VI. so, warte mal, was ist hier eigentlich los? Der ist, das ist auch noch kurz vor seinem Tod, der ist ja auch 1194 gestorben, Heinrich VI., söhnt sich dann aber irgendwie mit Heinrich aus und ist okay. Okay und Heinrich der Sechste stirbt dann auch 1195 in Braunschweig und dann hat sich das erledigt. Jetzt haben wir so gerade die Geschichte von Heinrich dem Löwen erzählt, es ist ein bisschen kompliziert, ich verstehe das mit diesen ganzen Familien und hier und da und Besitz und nicht Besitz und entzogen und durchgesetzt. Aber das war es im Grunde. Barbarossa ist tot, Heinrich der Löwe ist tot, Heinrich VI. ist auch sehr schnell tot. Und jetzt haben wir das Interregnium, weil Friedrich II. ist eben auch erst drei Jahre alt und seine Mutter Konstanze herrscht in Sizilien noch für ein paar Jahre. Und Friedrich ist auch in Sizilien und jetzt muss man halt irgendwie gucken. Es kommt dann zu einer Doppelwahl, weil wie gesagt, die Minderjährigkeitsregierung, da haben die überhaupt keinen Bock drauf, also übergehen sie Frieden, also den späteren Frieden, den zweiten und sie wählt die eine Partei, die große Partei, wählt Philipp von Schwaben. Das ist ein Sohn von Barbarossa, das ist ein Bruder von Heinrich dem Sechsten, und der ist auch recht gut und da, ich habe es auch nicht nochmal rausgekriegt, aber das ist das mit am richtigen Ort, mit den falschen Insignien, beziehungsweise er hat die richtigen Insignien, ist aber am falschen Ort und sein Gegenkandidat, ich glaube das ist der Neffe von Heinrich dem Löwen, Otto, wird gewählt, am richtigen Ort, aber mit den falschen Insignien. Also wir haben jetzt eben den Philipp von Schwaben und Otto IV., die als Gegenkönige gegeneinander stehen, aber auch hier Otto wird eigentlich von einer Minderheit unterstützt und kann sich auch erstmal gegen Philipp von Schwaben nicht so gut durchsetzen. Er setzt sich dann durch, er hat die Nummer und nicht Philipp, weil Philipp wird ermordet. Und man weiß bis heute nicht, war das eine Intrige von den Welfen oder von der welfischen Seite, um Philipp aus dem Weg zu räumen? War das eine interne Streitigkeit wegen irgendeiner gefühlten Ehrverletzung und hatte damit nichts zu tun? Das weiß man nicht, aber Philipp von Schwaben wird eben ermordet und dadurch kann sich dann Otto durchsetzen. Und das war es dann aber auch. Also die Welfen kommen dann nicht mehr.
Daniel
01:07:07
Die gibt es doch noch.
Solveig
01:07:08
Ja, da kommen wir eben.
Daniel
01:07:09
Die Staufer gibt es nicht mehr.
Solveig
01:07:10
Ja, aber die spielen jetzt in den nächsten Königswahlrunden keine Rolle mehr in dem Sinne. Also Otto IV. setzt sich durch, hat dann da auch eine Herrschaft, wird auch vom Papst unterstützt. Aber als Friedrich II. dann erwachsen ist, haut er den ja relativ schnell weg. Und trotzdem wird in der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert, und das zieht sich eben bis heute auch bis in die Populärwissenschaft, deswegen habe ich Guido Knopp nochmal angeführt, dieser Staufisch-Welfische Gegensatz, dieser Gegeneinander, dieses Ringen, dieser zwei Familien. Aber das ist eigentlich nur ein Typ und zwar Heinrich der Löwe. Und der ringt auch nicht gegen die anderen, sondern der hat halt einfach seine eigenen Interessen, die er umsetzen möchte. Und das ist am Anfang, wenn er noch mit Barbarossa sich versteht, auch im Interesse von Barbarossa und nachher geht das eben auseinander. Auseinander, aber soweit man das sehen kann, hat Heinrich auch nie irgendwie Interesse da gehanden gehabt, irgendwie Barbarossa auszuschalten und sich selbst zum König zu krönen. Beziehungsweise, das wollen alle. Also alle Herzogsfamilien, alle großen Familien im Reich träumen davon, die Wahl zu gewinnen und selber König zu werden. Das ist jetzt nicht, oh, oh, oh. Also wir haben es hier nicht mit Game of Thrones zu tun, mit den Targaryens, die dann von den Baratheons irgendwie abgelöst werden.
Daniel
01:08:32
Das ist aber cool.
Solveig
01:08:33
Natürlich ist das cool, aber das hat leider mit der Realität dieser Zeit nichts zu tun. Und wenn wir es so deuten, kommen wir halt nicht an die Realität, also kommen wir nicht daran, wie diese Menschen wirklich gedacht haben und können es nicht verstehen, warum diese Menschen so handeln. Und da kommen wir jetzt nämlich zu diesem Punkt. Im 19. Jahrhundert wird das nämlich so genommen, dieser Konflikt zwischen Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Und das hat eben schon dieser erste, aus diesem Schulbuch, das so angedeutet, als dieser große Widersatz. Also wir haben die Staufer mit ihrer Italienpolitik, das nehmen die denen im 19. Jahrhundert auch massiv übel. Oh, der hat das Reich im Stich gelassen. Barbarossa erst und dann auch Friedrich. Die haben uns allein gelassen.
Daniel
01:09:16
Friedrich wollte das Reich einen.
Solveig
01:09:18
Nein, der war immer in Italien und hat sich überhaupt gar nicht um uns gekümmert.
Daniel
01:09:21
Ach so.
Solveig
01:09:22
Der hat uns im Stich gelassen. Er hat sich viel lieber um die anderen, mit denen lieber gespielt als mit uns.
Daniel
01:09:27
Sagen die Italiener.
Solveig
01:09:28
Nein, sagen die Deutschen.
Daniel
01:09:29
Aber der ist doch der große Nationalkaiser hier nachher.
Solveig
01:09:32
Friedrich II.
Daniel
01:09:33
Ach, Friedrich II. Wie bist du jetzt? Ich bin doch bei Barbarossa eigentlich.
Solveig
01:09:36
Ich weiß, aber weil sie das Friedrich II. vorwerfen, dass der lieber in Sizilien war und sich mit Italien beschäftigt hat.
Daniel
01:09:42
Das ist ja der italienische Kaiser.
Solveig
01:09:43
Und Barbarossa ist halt schuld, weil er den ganzen Quatsch angefangen hat. Der hätte dann auch mal Reichsitalien in Ruhe lassen sollen. Und der hätte dann auch den Papst in Ruhe lassen sollen. Und das mit den Normannen da in Sizilien hätte er auch mal lassen sollen. Die haben sich immer... Die haben sich immer... Und dann wird dann eben Heinrich der Löwe aufgebaut. Ja, Heinrich der Löwe, der hat Slavenkreuzzüge geführt.
Daniel
01:10:05
Aber das ist doch der Verräter. Wir haben doch gerade im Schulbuch noch gelernt, dass der Verräter ist.
Solveig
01:10:08
Nein.
Daniel
01:10:08
Und Barbarossa ist der, der hier, also Heinrich der Löwe hat sich gegen Kaiser und Reich gestellt. Und ich meine, 19. Jahrhundert, was ist denn schöner als Kaiser und Reich?
Solveig
01:10:16
Ja, aber schau, Barbarossa hat das Reich im Stich gelassen, weil er sich nicht um das Reich gekümmert hat, sondern um Italien. Der ist weggegangen. Der hat uns im Stich gelassen.
Daniel
01:10:24
Weil er das Reich einen wollte.
Solveig
01:10:26
Aber das hat er nicht hingekriegt.
Daniel
01:10:28
Ja, geschenkt. Aber trotzdem, er ist der Kaiser.
Solveig
01:10:31
Nein, aber er hat's.
Daniel
01:10:32
Er sitzt doch im Kiffhäuser nachher.
Solveig
01:10:34
Ja, aber. Wird das mit dem Kreuzhäuser?
Daniel
01:10:37
Haben wir schon geklärt.
Solveig
01:10:38
Aber, pass auf, hätte er das hingekriegt, hätte Friedrich Italien wirklich, wäre die Unio Regnia at Imperium gekommen, hätten die das im 19. Jahrhundert natürlich so erzählt. Ah, wer hat's gereinigt? Aber sie haben es ja nicht klar hingekriegt. Friedrich II. stirbt 1250, ist als Kaiser abgesetzt worden vom Papst. Und danach haben wir bis Rudolf von Habsburg, also 30 Jahre, die sogenannten kleinen Könige. Bezeichnung kommt aus dieser Zeit, aus dem 19. Jahrhundert. Das heißt, das Reich ist schwach, das Reich ist nicht mächtig. Dann haben wir Frankreich, die sich als neue Schutzmacht, in Anführungszeichen, für das Papsttum etablieren.
Daniel
01:11:15
Schuld ist doch Heinrich der Löwe.
Solveig
01:11:16
Naja, warte, warte. Und der Grund ist, jetzt habe ich den Vater nicht verschuldet. Der Frankreich ist die neue Schutzmacht für den Papst. Und der Grund, warum es keine Reichseinigung gibt, der Grund, warum wir den Flickenteppich haben, warum dann 1806 überhaupt die deutsche Identität verloren geht, das schieben sie alles auf die Italienpolitik der Staufer. Die hätten sich aufs Reich fokussieren müssen. Italien, das sind andere, das ist eine andere Kultur, das ist eine andere Sprache, das ist ein anderes Volk. Die haben ihr Volk verraten, sie hätten sich auf ihr eigenes Volk konzentrieren müssen. Also so weit sind die im Nationalismus im 19. Jahrhundert. Und hätten die das gemacht und hätte sich Friedrich um seine Heimat gekümmert, dann hätten wir auch schon im 13. Jahrhundert einen Nationalstaat gehabt, dann wäre die deutsche Geschichte ganz anders gelaufen. So, und jetzt kommt Heinrich, der seine Slavenkreuz zugeführt. und dadurch so eine gewisse Osterweiterung schafft, das natürlich auch im 19. Jahrhundert sehr interessant ist, im 20. Jahrhundert noch viel interessanter werden wird. Und da sagen sie, das hätte Barbarossa tun müssen, der hätte Heinrich dort unterstützen müssen, der hätte nicht da im Süden irgendeinen Quatsch machen sollen, sondern hier, das war wirklich, da war Heinrich der Löwe.
Daniel
01:12:31
Die hätten ja zusammen Italien mal schnell erledigen können und dann neue Projekte in Angriff nehmen.
Solveig
01:12:36
Ja, aber so denken die ja im 13. Jahrhundert nicht.
Daniel
01:12:38
Aber ich muss trotzdem daran denken, dass die Kaiserdeputation 1849 auf dem Weg zum erwählten deutschen Kaiser nach Berlin auch in Braunschweig einen Stopp gemacht hat. Sie sind ausgestiegen dort. Sie wurden empfangen von einer Bürgerdelegation, die ihnen versicherte mit Bezug auf Heinrich des Löwen Verrat am Kaiser, dass so etwas nie wieder passieren wird und dass Braunschweig für immer treu an der Seite des künftigen Kaisers stehen würde. Also es ist zumindest klar, wie die Bewertung 1849 war.
Solveig
01:13:10
Ja, es ist auch da wieder natürlich, nicht alle denken das so, aber es gibt dann trotzdem diese Stimmen, die dann eben sagen ... Also beziehungsweise sie das dann eben auch aufgreifen, also Heinrich der Löwe quasi so wird so als Vertreter der Kleindeutschenlösung aufgebaut und Barbarossa ist der Vertreter der Großdeutschenlösung und das ist dann eben, also und das ist dann auch so, die Projektion auf diesen staufisch-welfischen Gegensatz, der eben in der Gegenwart gerade gelebt wird. Die einen sagen, nee, wir wollen die großdeutsche Lösung mit Österreich und dem Balkan.
Daniel
01:13:44
Und Italien.
Solveig
01:13:46
Und es gibt die, die sagen, nein, Kleindeutsch ist besser. Und dann sagen sie, wie Heinrich und Barbarossa damals schon. Also das ist diese Projektion darauf. Das hat mit den Ereignissen im 12. Jahrhundert nichts zu tun, sondern das ist, wie die in dieser Zeit wahrgenommen werden. Und das ist das Gleiche mit diesem staufisch-welfischen Gegensatz. Du hast ja schon gesagt, die Welfen gibt es ja noch. Och, die Welfen gibt es bis heute.
Daniel
01:14:10
Der Pinkelprinz.
Solveig
01:14:11
Ja. Aber im 19. Jahrhundert sind sie auch noch etwas anderes bekannt. Und zwar, was sind sie nämlich?
Daniel
01:14:20
Im 19. Jahrhundert?
Solveig
01:14:22
Nicht mehr, aber.
Daniel
01:14:23
Ja, okay, dann werden sie über Großbritannien herrschen. Da, wo sie sowieso hinwollten.
Solveig
01:14:27
Ja, wo er ja auch schon so gute Connections hatte, der Heinrich schon. Hat damals schon begonnen, die England-Connection.
Daniel
01:14:33
Also die Hannoveraner sitzt da.
Solveig
01:14:35
Genau, also wir haben das Haus Hannover, das eben die englischen Könige seit, einiger Zeit stellt. Seit Viktoria ist das ein bisschen schwierig, aber das ist diese Verbindung.
Daniel
01:14:45
Also sie hat sich obendant, aber sind immer noch die Hannoveraner.
Solveig
01:14:50
Aber Viktoria durfte dann ja nicht mehr in Hannover herrschen, so war das.
Daniel
01:14:53
Ja, okay, die Hannoveraner wollten sie nicht mehr haben, aber in England sind sie immer noch da.
Solveig
01:14:57
Und das wird dann eben auch so genommen, dass wir halt die Preußen so ein bisschen als sich als neue Staufer verstehen oder dass die Preußen jetzt die Hohenzollern... schon so ein bisschen als die neuen Staufer gesehen werden. In diesem Sinne sind ja auch da aus Schwaben da unten weg.
Daniel
01:15:14
Baba Blanca.
Solveig
01:15:15
Baba Blanca.
Daniel
01:15:16
Also Wilhelm I., der in Kieferhäuser da rausreitet, wo der Barbarossa drin sitzen bleibt.
Solveig
01:15:23
Wir haben Goslar, wo die zwei nebeneinander stehen. Wir haben hier ganz klar, und das heißt, wir haben eben die Welfen, das sind die Engländer. Und wir haben jetzt die Preußen, das sind die Staufer.
Daniel
01:15:35
Kommt natürlich noch mit dazu, dass hier 1866, dass Hannover eben weg ist. Genau.
Solveig
01:15:39
Und da wollte ich jetzt nicht drauf zukommen. Also das ist immer noch ganz klar rezipiert. Also die Welfen sind die Engländer und die Preußen sind die neuen Staufer. Und jetzt mögen die Preußen und die Hannoveraner sich ja nicht, weil sie ja 1866 Krieg gegeneinander geführt haben und Preußen einfach mal Hannover geschluckt hat. Und also auch hier so ein bisschen, okay, der Barbarossa hat sich durchgesetzt gegen Heinrich den Löwen. Also wir haben hier immer noch so eine gewisse Rezeption eines Gegensatzes, Der dann auf die Vergangenheit projiziert wird und dann so als der alte Gegensatz. Schon früher haben sie sich nicht verstanden und jetzt verstehen sie sich auch wieder nicht. Aber das ist eben eine ganz klare Konstruktion. Das ist eine Konstruktion des 19. Jahrhunderts, die ihre eigenen Themen jetzt auf das 12. Jahrhundert projizieren, auf diesen Streit zwischen diesen beiden Männern. Und da kommen wir dann auch mit diesem Kniefall von Chiavenna wieder rein. Diese große Demütigung, die Heinrich der Löwe dem Barbarossa zugefügt hat, wird natürlich nochmal stärker gefühlt von einem Preußen, wenn der sich selbst mit Barbarossa identifiziert und gerade über die Wölfen in einem Krieg gewonnen hat. So, wir haben es gerecht.
Daniel
01:16:49
Genau, wir haben es den Haien gezahlt.
Solveig
01:16:51
Haben es den Haien gezahlt.
Daniel
01:16:52
Haben es nie vergessen und endlich ist es soweit.
Solveig
01:16:55
Und das ist aber, wie gesagt, fingiert. Es gibt aber einen welfisch-staufischen Gegensatz, und über den haben wir auch schon mal gesprochen, in unserer Sizilien-Folge zumindest, haben wir ihn angesprochen. Und zwar in Italien.
Daniel
01:17:11
Okay, das sind diese Guelphen und die Gebelinen.
Solveig
01:17:14
Genau, das sind die Guelphen und die Gebelinen.
Daniel
01:17:16
Das habe ich auch schon wieder verdrängt.
Solveig
01:17:17
Ja, deswegen erzähle ich noch.
Daniel
01:17:18
Auch wieder diese Städte, zwei Bünde. Das erzählst du jetzt nochmal, wieso das denn?
Solveig
01:17:22
Ganz kurz, ganz kurz noch.
Daniel
01:17:24
Wegen des Gegensatzes.
Solveig
01:17:25
Einfach, weil es gibt Inhalt tatsächlich, aber das ist nicht im Reich, das ist nicht zwischen diesen zwei Familien. Die sind einfach eine übliche Familie, eine übliche Adelsfamilie. Wie gesagt, man ist seiner Familie gegenüber treu. Das Interesse ist, das hat eben schon Tywin Lannister sehr schön in Game of Thrones aufgemacht, the only thing that matters is family. Es geht um die Familie, um das Haus, um die Hausmacht, die muss gestärkt werden, und alles andere ist hinten dran. Und deswegen gibt es nicht diese großen Blutsfäden, wie das so aufgebaut wird, die über Generationen dann geführt werden, sondern heute ist es ein Vorteil, mit denen ein Bündnis zu schließen und schließen wir ein Bündnis mit denen. Morgen ist es von Vorteil, das Bündnis zu brechen, dann brechen wir das Bündnis. Und das machen die Städte und das machen auch alle Adelsfamilien. Und das ist tatsächlich, ist nervig, aber das ist nicht irgendwie moralisch verworfen, dass man dann sagt, mit dem können wir nie wieder, weil der hat uns schon zehnmal verraten. Ja, dann vertrauen wir ihm halt ein elftes Mal. Diesmal wird er es machen. Wie gesagt, also dieser Guellfisch-Gebelinische Gegensatz, den gibt es. Das ist eben, habe ich schon angesprochen, das sind die Welfen gegen die Staufer. Die Italiener übernehmen, nennen sich selber so. Niemand weiß überhaupt, warum. Habt ihr keine eigenen Familien, müsst ihr die nehmen.
Daniel
01:18:45
Aber das sind dieselben Städte, die gerade noch um ihre Freiheit gekämpft haben, die sich dann in zwei Gruppen aufteilen und die einen für die und die anderen für die anderen?
Solveig
01:18:52
Also es geht anders los. Die Städte, die um ihre Freiheit kämpfen oder ihre Autonomie kämpfen, nennen sich Guelfen. Also das hat mit dem Konflikt zwischen dem Papst und den Staufern zu tun. Also vor allem mit Friedrich II., der sich dann ja mit Gregor IX. verkracht und dann auch mit Innozenz IV. verkracht und dann stirbt. Und die Seite des Papstes, und man geht davon aus, das liegt daran, dass der eben Otto IV. unterstützt hat, nennen sich Gwelfen von Welf, also von Otto dem Welf aus der Familie der Welfen. Und die Staufer, weil die eine Stadt namens Weiblingen haben. Ja, also das ist die Erklärung. Niemand weiß, es hat niemand aufgeschrieben, wir nennen uns Gwelfen. Sondern man geht davon aus, dass die sich irgendwie, also Staufer haben die sich selber ja nie genannt, dass die sich irgendwie, ja, das kommt irgendwie erst im 14. Jahrhundert.
Daniel
01:19:45
Keinen Familiennamen?
Solveig
01:19:46
In der Zeit haben die das nicht.
Daniel
01:19:47
Die Welfen haben einen Familiennamen, die Staufer nicht?
Solveig
01:19:49
Nein, Welf ist einfach deren Dynastiename. Also Welf kommt ja ganz oft, die Staufern haben Heinrich und Friedrich als Dynastienamen. Und die sind dann die Herzöge von Schwaben. Und irgendwann im 14. Jahrhundert, 15. Jahrhundert kommt dann auf einmal Staufen, die Staufer.
Daniel
01:20:05
Weil die eine Burg in Hohen Staufen hatten.
Solveig
01:20:08
Und scheinbar haben die sich irgendwie Weiblinger genannt oder wurden Weiblinger genannt und das wurde dann im Italienischen zu Giebelinen. Und das heißt also, wenn du auf der Seite von Friedrich II. in diesem Konflikt stehst, gehörst du zur Seite der Giebelinen. Und wenn du auf der Seite des Papstes stehst, dann gehörst du zu den Guelfen. Und wie gesagt, man geht davon aus, das kommt daher, weil der Papst bei diesem Doppelkönigtum Otto IV. unterstützt hat. Dann ist Friedrich II. tot und dann haben wir Konrad IV. und dann haben wir Manfred und da haben wir weiterhin die Gebelinen gegen die Guelfen. Und dann sind die irgendwann weg und die nennen sich immer noch so. Und dann kommt es eben tatsächlich dazu, was du ansprichst, dann werden diese Bezeichner auch innerhalb der Stadt benutzt. Also dann haben wir in Florenz, haben wir dann eine Familie, haben wir Familien, die gegeneinander gehen. Und dann heißen die eine Familie, die zusammenstehen, nennen sich Gwelfen und die anderen nennen sich Gebelin. Weil das so etabliert ist. Aber das hat längst nichts mehr mit den Staufern und es hat definitiv nichts mit den Welfen zu tun. Das ist einfach nur irgendwie so eine Tradition, die die übernehmen Und dann kommen da irgendwann Farben dazu, dann sind es die Schwarzen und die Weißen. Ja, ist egal. Also so tief in der Materie bin ich auch nicht. Aber hatten wir auch schon mal, als es um Dante geht, der auch gehört dann zu den Schwarzen. Aber daher kommt diese Vorstellung. Und ich glaube, die haben das eben im 19. Jahrhundert gelesen, dass die Italiener das machen und sich dann wie, ja, der Groß hat nie wieder Satz der beiden. Haben wir ja heute noch. Also, es gibt keinen Staufisch, wie heißt der andere? Welfisch. Es gibt keinen Staufisch-Welfischen Gegensatz. Nicht so in dieser Form, wie das im 19. Jahrhundert imaginiert wird. Nicht im 12. Jahrhundert, nicht im Reich. So, Punkt. Jetzt habe ich schon angesprochen, das ist so das eine Thema, es geht um das andere Thema, Ist dieser Kniefall jetzt eine große Demütigung gewesen für Barbarossa?
Daniel
01:22:04
Können wir dich erstmal klären, gab es den jetzt oder nicht?
Solveig
01:22:06
Ja, also wahrscheinlich.
Daniel
01:22:07
Das klang vorhin so durch, als würdest du sagen, das ist Quatsch, der Text ist irgendwie nur so nachträglich verfasst.
Solveig
01:22:12
Ich gehe mal davon aus, dass das nicht passiert ist.
Daniel
01:22:15
Wer ist denn der Autor, du sagst, das ist die einzige Quelle, die davon berichtet?
Solveig
01:22:20
Genau.
Daniel
01:22:20
Wer macht denn das und wie viel Zeit ist dazwischen und auf welcher Seite?
Solveig
01:22:24
Naja, also das ist Arnold von Lübeck. Arnold von Lübeck schreibt 1210. Man geht davon aus, dass diese Chronik 12.10 entstanden ist, also 30 Jahre später. Und das ist eben der Punkt. Also es ist in dieser Sache, also für mich persönlich ist es eigentlich egal, ob Barbarossa wirklich gekniet hat oder nicht. Werden wir eh nie rausfinden können. Und wir können, also außer wir haben irgendwann dann doch mal eine Zeitmaschine, dass wir gucken können, aber das ist eigentlich nicht der Punkt für mich. Der Punkt ist, warum schreibt Arnold von Lübeck das? Und was möchte er damit beschreiben? Wer ist hier der Gedemütigte? Ist es wirklich Barbarossa, wie es dann empfunden wird? Oh, der große Kaiser, der im Staub kniet? Oder ist es nicht doch, wie ich es schon angesprochen habe, Heinrich der Löwe, der hier nicht gesellschaftskonform handelt? Diese Chronik schreibt Arnold von Lübenk 30 Jahre später, beziehungsweise er schreibt natürlich über die Jahre dazu, aber man geht davon aus, das hat er 1210 fertig geschrieben. Warum schreibt er diese Chronik? Er schreibt mit einem Rückblick über die Geschichte Heinrichs des Löwen. Er weiß natürlich, wie die Geschichte ausgeht. Er weiß, dass Heinrich der Löwe ins Exil muss, wiederholt. Dass er wiederholt auch Barbarossa nicht gehorcht und dass ihm seine Titel entzogen werden. Und dass er die bis zu seinem Tod auch nicht so wirklich zurückkriegt. Und Arnold von Lübeck ist ein Geschichtenerzähler. Ja, das ist ein Geschichtsschreiber und er ist ein Chronist und er hat sich der Wahrheit versprochen, klar. Aber er möchte trotzdem für sein Publikum eine interessante Geschichte erzählen, weil er möchte natürlich auch gelesen werden. Also erzählt er uns die Geschichte vom großen Fall des hochmütigen Heinrich. Und da passt natürlich so eine Kniefallgeschichte perfekt rein. Der König ist vor ihm niedergekniet und er hat trotzdem Nein gesagt. Und das ist meiner Meinung nach, warum dieser Kniefall da drin ist. Ob der wirklich passiert ist? Wahrscheinlich nicht, weil wie gesagt, der Otto von Blasen erzählt davon nichts und die anderen erzählen das auch nicht. Aber die anderen erzählen auch davon, wie schockiert sie sind, dass Heinrich Nein gesagt hat. Und Arnold von Lübeck bringt das hier einfach nochmal dramatischer raus. Deswegen eben dieser Punkt, was aber eben im 19. Jahrhundert öffentlich rezipiert ist, ist nicht mehr, er hat Nein gesagt, sondern Papa Hossa hat niedergekniet. Groß Demütigung für den Kaiser und das Reich. Und deswegen habe ich mir gedacht, zum Schluss reden wir, also Anführungszeichen zum Schluss, reden wir nochmal eben darüber, was eigentlich im 13. Jahrhundert wirklich von einem Mann ist, erwartet wird. Und ob das wirklich für Barbarossa diese große Demütigung war, die dann Guido Knopp als das größte Ereignis der Weltgeschichte beschreibt.
Daniel
01:25:08
Spektakulärste.
Solveig
01:25:10
Ich habe dir noch mal ein paar Quellen beigebracht, was andere ungefähr aus der gleichen Zeit, ein bisschen später als Arnold von Lübeck, über diese Geschichte in Kirwena geschrieben haben. Wir einmal Albert von Stade und dann haben wir Burchardt von Ostberg.
Daniel
01:25:28
Um eben dieselbe Zeit rief der Kaiser, durch die Mailänder beleidigt, die Fürsten zur Hilfe und ganz besonders den Herzog Heinrich. Da dieser ihm Schwierigkeiten machte, warf er sich ihm zu Füßen. Der Herzog aber verschmähte es, ihn aufzuheben. Aber die Kaiserin hob ihn auf mit den Worten, erhebet euch, mein Herr, seid eingedenkt dieses Falles, und Gott möge desselben gedenken. Aber das Glück des Herzogs begann von der Zeit an, wo er es verschmäht hatte, den Kaiser aufzuheben, wankend zu werden. Finde ich aber interessant, dass jetzt hier mal plötzlich die Kaiserin auftaucht. Also ist nicht so schlimm, fühlt sich gerade scheiße an, aber Gott merkt sich das und Gott hat jetzt entschieden, der Herzog, das ist kein guter Christenmensch, der wird jetzt bezahlt für seine Barmherzigkeit, was er da getan hat. So, der andere, der Burkhardt von Ursberg. Wie die Menschen berichten, folgte ihm, Heinrich dem Löwen, der Kaiser, kam oberhalb des Komassees zu ihm und ersuchte ihn in großer Demut, ihn nicht im Stich zu lassen, sodass es schien, als wolle er sich für eine solche Bitte zu dessen Füßen werfen, was der Herzog bescheiden zurückwies. Aber ein Ministeriale des Herzogs namens Jordan soll hochmütig gesagt haben, Herr, lasst euch die Kaiserkrone zu Füßen kommen, weil sie ja auch auf euer Haupt kommen wird. noch mehr Hochmut. Okay, aber diese Fußgeschichte zumindest kommt bei beiden vor.
Solveig
01:26:58
Genau. Jetzt habe ich mich falsch erzählt und falsch erinnert gehabt. Da wird dann vermutet, dass die das von Arnold abgeschrieben haben, so rum war es. Aber auch das, wir wissen es halt nicht. Wir können es nicht nachprüfen. Deswegen finde ich es einfach spannender, warum erzählen sie das? Und du hast es eben schon gesagt, wir haben darüber gesprochen, weil man dadurch eben sehr schön diesen Hochmut von Heinrich nochmal beleuchten kann. Und das ist ja, was sie ihm vorwirfen. Also das zieht sich tatsächlich durch alle Quellen. Heinrich ist hochmütig, Heinrich maßt sich etwas an und das ist der Grund, warum er dann später scheitert und all das erlebt.
Daniel
01:27:35
Von Gott verworfen.
Solveig
01:27:36
Genau, er ist von Gott verworfen, weil er sich hier nicht milde genug gezeigt hat. Und das wird aber im 1900 eben umgedreht und auch ganz schnell abgetan. Nein, das ist nur eine Erfindung. Ja, kann gut sein.
Daniel
01:27:46
Das ist eine Sage.
Solveig
01:27:47
Ist eine Sage. Wissen wir nicht. Ja, aber wir wissen auch, weil es kann auch passiert sein. Und da habe ich dann nämlich mal eine Quelle mitgebracht, über die wir gerade eben schon gesprochen haben, wie gerne du auch darüber hörst, wenn ich darüber rede. Ich habe noch mal was aus dem Nibelungenlied mitgemacht.
Daniel
01:28:01
In Mittelhochdeutsch.
Solveig
01:28:03
Nein, immer noch nicht. Aus der 37. Aventüre, denn es gibt ja auch im Nibelungenlied einen Moment, wo gekniet wird von einem Herrscher.
Daniel
01:28:13
Ja, und ich weiß gerade nicht mehr so ganz genau, Der fleht ja auch jemandem an ihm zu helfen, glaube ich.
Solveig
01:28:19
Genau, denn ich habe mir die ganze Passage rausgezogen, aber ich werde das jetzt nicht alles vortragen. Aber Krimhild... hat Rüdiger von Bechelan um die Unterstützung gebeten im Kampf gegen ihre Brüder. Und Rüdiger hatte ja so ein Problem.
Daniel
01:28:37
Er hat zwei Leuten eigentlich versprochen, mit denen befreundet zu sein. Und die sind dann plötzlich Gegner.
Solveig
01:28:43
Ich meine, kann man ja jetzt auch nicht erwarten, wenn er da die Brüder...
Daniel
01:28:45
Und er möchte gerne neutral bleiben.
Solveig
01:28:48
Er hat die Brüder seiner Herrin einfach hergebracht und sich mit denen angefreundet, wie es sich gehört. Weil er denkt natürlich, ja, es ist eine gute Sache, sich mit den Brüdern meiner Herrin gutzustellen. Und jetzt sagt diese Herrin zu ihm, ja, jetzt bringst du die Bitte um. Und da sagt er eben, möchte ich eigentlich nicht.
Daniel
01:29:08
Aber der Gunther kniet dann vor ihm nieder, glaube ich.
Solveig
01:29:10
Ich trage es einmal in Auszügen vor. Sie sprach zu Rüdegern, wie verdient wir das, dass ihr mir und dem König noch mehrt unser Leid. Ihr habt uns, edler Rüdiger, verheißen alle Zeit. ihr wollet für uns wagen, die Ehre wie das Leben, auch hört ich viel der Recken den Preis des Mutes euch geben. Also das ist Krimhild, dann antwortet Rüdiger, das kann ich nicht leugnen, ich schwore euch Königin, die Ehre wie das Leben gäbe ich für euch dahin. Die Seele zu verlieren habe ich nicht geschworen, zu diesem Hofgelage brachte ich die Fürsten wohl geboren. Also ich habe gesagt, ich mache alles, was du möchtest, aber ich mache hier keinen Eindruck. Ätzel der Reiche hub auch zu flehen an, da warfen sie sich beide zu Füßen vor den Mann. Den guten Margrafen man da in Kummer sah, der vielgetreue Recke, jammervoll begann er da. O weh, mir Unselke, muss ich den Tag erleben. Aller meiner Ehren soll ich mich nun begeben. Aller Zucht und Treue, die Gott mir gebot. O weh, Herr des Himmels, dass mir es nicht wenden will, der Tod. Also so Rüdiger...
Daniel
01:30:12
Das ist natürlich Attila, also Etzel, der niederkniet.
Solveig
01:30:15
Beide.
Daniel
01:30:15
Für die Krimhild quasi.
Solveig
01:30:17
Ja, ja. Also eigentlich will er nicht, aber er weiß ganz... Also Etzel kniet vor ihm nieder, bitte tu das. Rüdiger weiß ganz genau, was jetzt von ihm erwartet wird. Und er sagt aber weiterhin, bitte zwing mich nicht. Und Etze sagt, na, aber machen wir doch, wir machen einen Deal. Ich gebe dir Land, du wirst König, es wird super. Ja. Und Rüdiger sagt, nein, pass auf, ich lasse das, ich gehe einfach. Mit meiner Frau, mit meinen Kindern wie Heinrich der Löwe gehe ich nach England ins Exil. Wir werden uns nie wieder sehen. Und auch hier, Etzel gibt nicht nach, verspricht ihm sogar die Königskrone und dann kommt Krimhild dazu. Da sprach wie der Krimhild viel edler Rüdiger, nun lass dich erbarmen unseres Leids beschwer, mein und auch des Königs gedenke wohl daran, dass nie ein Wirt auf Erden so leide Gäste gewann. Da begann der Markgraf zu der Königin her, heute muss ich mit dem Leben entgelten, Rüdiger, was ihr und der König mir Liebes habt getan, dafür muss ich sterben, es steht nicht länger mehr an. Ich weiß, dass noch heute meine Burgen und mein Land euch ledig werden müssen von dieser Heldenhand. So befehle ich euch auf Gnade, mein Weib und mein Kind und all die Heimatlosen, die dazu Bechelaren sind. Nun lohne Gott dir, Rüdiger, der König sprach da so, er und die Königin, sie wurden beide froh. Und seien wohl besonnen, alle Leute dein, auch traue ich meinem Heile, du selber werdest glücklich sein. Jetzt habe ich scheinbar die Stelle rausgenommen, wo auch Krimelt niederkniet. Aber, dass es eben so läuft. Nein, er hat gesagt, ich mach's.
Daniel
01:31:48
Ach so.
Solveig
01:31:49
Also er sagt, passt mal auf, ich werde hier sterben. Kümmert euch um meine Familie und um meine Untertanen. Untertanen sind es nicht, aber meine Vasallen und meine Grundmenschen. Weil ich werde hier sterben. Und die sagen, ja, supi, toll. Also das ist der Lauf, wie es eigentlich geht. Du sollst es eigentlich trotzdem nicht als guter Herrscher so machen, Weil, wie gesagt, das ist manipulativ und toxisches Verhalten.
Daniel
01:32:16
Aber wenn es nicht anders geht.
Solveig
01:32:17
Aber so machst du das. Und das wird auch vom Autor in dieser Geschichte überhaupt nicht angesprochen, wie, oh, das war aber ganz schlimm und demütigend, was der Ärzte hier gemacht hat und die Krim hält, sondern das wird einfach so durchgelaufen. Also das ist der Lauf. Herrscher bittet, du sagst nein, der Herrscher bittet nochmal, du sagst nein, der Herrscher macht einen Deal mit dir, sagst nein, der Herrscher kniet nieder und dann weißt du, okay, jetzt muss ich. Und das ist auch von Heinrich erwartet gewesen. Also wie gesagt, es ist nicht Barbarossa, der sich hier demütigt, sondern es ist Heinrich, der hier mit den Konventionen bricht. Weil, wie gesagt, in dem Lauf der Geschichte soll er eben als hochmütig und stolz wahrgenommen werden. Und ich habe jetzt noch ein paar Auszüge aus der Wissenschaft mitgebracht, aber ich glaube, du glaubst, vertraust mir auch so. Da soll ich nochmal Knut Görig anbringen.
Daniel
01:33:06
Weiß ich nicht, was sagt denn der Knut Görig?
Solveig
01:33:07
Der Knut Görig ist zum einen ein ganz wichtiger Mann, das ist der große Barbarossa-Forscher. Der ist so, der hat das ganze Ding nochmal neu aufgerollt und auch unter diesem Aspekt, Barbarossa agiert hier mit dieser Reichsidee und mit dieser Ehre des Reichs, also da hat er sehr, sehr viel zu gearbeitet und er hat das eben auch nochmal zu dieser Episode gemacht, ich lese jetzt einfach die Forscher vor, Du lest die Küffeligen Geschichtsschreiber vor. Und er hat da eben auch nochmal geschrieben. Etwa 20 Jahre später tauchte erstmals die Erzählung auf, dass Barbarossa 1176 seinen Vetter vergeblich um Unterstützung des Herzogs gegen den Lombardenbund gebeten und sich sogar durch einen Kniefall vor ihm gedemütigt habe, aber trotz dieser Selbsterniederung abgewiesen worden sei. Die Geschichte über Barbarossas Kniefall bewältigte die im Sturz des Vetters offenkundig gewordene Abhängigkeit des Kaisers von den Fürsten und reduzierte die Kollision von Erwartungshaltungen, die in Treue und Verwandtschaftsbindungen gründeten, mit den Normen der neuen gelehrten Rechtskultur auf die eingängige Geschichte von unerhörter Beleidigung und gewaltiger Rache.
Daniel
01:34:09
Ich mag keine Wissenschaftsrexte. Kannst du es nicht einfach erzählen?
Solveig
01:34:14
Schneiden wir es einfach raus.
Daniel
01:34:15
Nein, das schneiden wir nicht raus. Du erzählst es jetzt nochmal.
Solveig
01:34:17
Ja.
Daniel
01:34:18
Was hat der gesagt?
Solveig
01:34:20
Also für Knut Görig ist das eben so eine Konkurrenz. Quasi Barbarossa verlangt hier Familienabhängigkeiten. Quasi wir sind eine Familie, du hast mir einen Eid geschoren, du hast jetzt so zu handeln, wie ich das will. Wie wir eben auch Krimhild und Etzel handeln haben. Und er sieht eben in dem Handeln von Heinrich dem Löwen. Eine Entwicklung, die sich dann eben später durchzusetzen beginnt, laut Görig. dass man eben weniger in Familien- und in Personenbindungen denkt und stärker institutional denkt. Also das hast du ja auch schon angesprochen, dass das später auch mit den Titeln und so alles anders wird. Das haben wir tatsächlich auch im 13. Jahrhundert, dass sich das alles viel stärker institutionalisiert. Die Schriftlichkeit nimmt zu, die Verwaltung nimmt zu. Und das sieht er hier schon in Heinrich drin. Ich habe das mit reingenommen. Zum einen, weil ich auch Wissenschaft mal zitiert haben wollte. Zum anderen, weil er auch, weil Knut Görig die große Autorität ist und ich ihm hier einfach mal widerspreche, weil ich so gesehen einfach in Heinrich dem Löwen eine Person sehe, die tut, was Heinrich der Löwe halt möchte. Es ist ein ganz klassisch agierender Adliger, der die Interessen, der seine eigenen Familieninteressen stärkt, der sehr, sehr mächtig ist und vielleicht einfach auch zum, in Anführungszeichen, Ende seines Lebens den Bogen ein bisschen überspannt. Also der Punkt ist tatsächlich auch in diesen aristokratischen Personalbünden, in denen ja dieses Feudalwesen funktioniert, in denen Herrschaft in dieser Zeit funktioniert, ist einfach sehr anfällig. Das heißt, wenn man sich untereinander versteht, wenn man miteinander redet, funktioniert das. Aber wenn einer von denen einfach durchdreht quasi in Anführungszeichen und sagt, ich mache jetzt, was ich will und ich benehme mich einfach gesellschaftsunkonform, weil ich es kann. Können die relativ wenig dagegen tun. Dann zerbricht dieses ganze System. Und das sehen wir an dem Handeln von Heinrich dem Löwen, wie sich alle Fürsten gegen ihn stellen, weil er auf einmal irgendwie anfängt, ich mache einfach das.
Daniel
01:36:23
Und dann haben sie ihn doch rausgehauen.
Solveig
01:36:25
Ja, und dann hauen sie ihn raus. Aber das destabilisiert trotzdem das ganze Gebilde. Also du kannst jetzt nicht einfach sagen, ich verklage den und dann reden wir das. Sondern das macht eben diese Herrschaft sehr, sehr fragil. Deswegen, das hatte ich dann den Knut Göring, wo ich so dachte, grundsätzlich folge ich ihm ja, aber hier würde ich behaupten, Heinrich der Löwe ist einfach ein bisschen hochmütig geworden zu Ende des Lebens. So wie es die Quellen uns eben auch erzählen. Er hat ein bisschen den Bogen gespannt. Also das ist halt so das Problem. Du hast eine sehr stark ritualisierte Gesellschaft. Also das hat Althoff auch nochmal sehr schön in seinem Buch gemacht, Spielregeln der Gesellschaft. Kommen wir jetzt auch so ein bisschen dazu. Du hast dich auf eine gewisse Art zu verhalten. Aber wenn Leute das nicht machen, hast du sehr wenig Mittel, die sie dazu zu zwingen, es zu tun. Und das ist im Grunde sehr, sehr oft der Grund des Konfliktes überhaupt, dass Leute einfach sagen, nö, ich mach euch aber nicht. So, die Mailänder, nö, wir akzeptieren deine Herrschaft einfach nicht. Wie ihr akzeptiert? Nö, machen wir nicht. Ja, aber dann muss ich Krieg gegen euch führen. Ja, dann ist das so. Da ist dann halt die Gewalteskalation oder die Gewalt ist dann das einzige Mittel, was du nutzen kannst, weil du hast sonst keine anderen Mittel. Und das, finde ich, ist eben ein fragiles System. Wenn das einzige Mittel ist, um jemand anderes dazu zu bringen, das zu tun, was du willst, zu sagen, ja, dann muss ich halt einen Krieg gegen dich führen. Das haben wir alles schon besprochen, deswegen lassen wir das mal weg.
Daniel
01:37:49
Aber ich finde, grundsätzlich sind alle diese Systeme doch fragil. Jetzt nicht nur das Reich, sondern auch unser Rechtssystem im Grunde. Natürlich immer, wenn jemand sagt, nee, mach ich nicht, dann musst du halt Gewalt ausüben, um das durchzusetzen, was vielleicht rechtmäßig eben ist. Dann sind wir ja alle fragil in dem Sinne.
Solveig
01:38:10
Ja, aber auf eine andere Art halt.
Daniel
01:38:12
Ja gut, aber...
Solveig
01:38:15
Es geht halt eben darum, dass Herrschaft, das ist so der Punkt, den ich machen will. Wir sind wieder im 19. Jahrhundert und da wird das dann eben so wahrgenommen, der König, der halt absolut herrscht, der halt dessen Wille gesetzt ist. Der sitzt da auf seinem Thron und an seiner Seite sitzt seine Frau auf dem Thron und dann hat er noch eine Prinzessin auf dem Thron und er sitzt da in seinem Thronsaal und das, was er sagt, ist gesetzt und wird so gemacht und Punkt. Und wenn du das nicht tust, dann richtet er dich hin oder was auch immer. Also du musst das tun.
Daniel
01:38:46
Was wieder die Gewalt ausgeübt hat, natürlich, ja. Aber gut, die Franzosen haben es halt nachher zumindest zeitweilig geschafft, da alle Entscheider so an sich zu binden und in ein System einzuhegen, dass die halt nicht mehr da ausgebrochen sind in der Regel.
Solveig
01:39:00
Ja, aber das hat auch nur einer hingekriegt. Und da sind wir dann auch wieder bei Max Weber und der charismatischen Herrschaft. Nein, also das ist eben aber nicht so. Also dieses absolute Machtbündelung, wie man sich das im 19. Jahrhundert vorstellt, haben wir nicht. Also auch der Herrscher tritt nicht autoritär auf, der tritt nicht hart auf, der tritt nicht sagt, so ihr macht jetzt was ich will, sonst bringe ich euch alle um. Das kann er gar nicht, so viele Leute hat er nicht. Also wir haben das ja schon 1167 gesehen, was passiert, wenn die alle sterben, du hast ein Riesenproblem, du kannst nicht alle hinrichten. Das heißt, du musst irgendwie anders herrschen. Und das haben sie eben auch nochmal sehr schön aufgearbeitet, auch Knut Görig dabei. 2024 erst hatten sie scheinbar eine Tagung und dann ist das in den Tagungsbrand gekommen, wo sie das eben nochmal aufgeschlüsselt haben, dass herrschen im Mittelalter vor allem unter Barbarossa bedeutet, der Herrscher hat zu versöhnen. Der Herrscher hat, und in dieser Tagung ging es auch so ums Herrschen und Nichtentscheiden. Also man sieht nämlich ganz oft auch in den Quellen, dass die nichts machen. Also dass die sagen, hör, das verschieben war. Da reden wir dann nächstes Mal drüber.
Daniel
01:40:10
Ich lade dich beim nächsten Mal ein.
Solveig
01:40:12
Da reden wir auch wieder, beim nächsten Mal reden wir drüber. Also dass dieses Nichthandeln eben auch ein Handeln ist, um zwei streitende Parteien Raum zu geben, das selbst zu lösen.
Daniel
01:40:21
Setzt das sich aus.
Solveig
01:40:22
Vielleicht streiten, kriegen die das irgendwie selber hin. Der Herrscher hat zu versöhnen. Du hast ja eben schon so drüber gelacht, dass Barbarossa Heinrich so oft einlädt, dass er ihm sagt, pass mal auf, ich gebe dir den, wir machen den Deal, du kriegst entweder alle so ein bisschen was jetzt oder du kriegst später alles. Das ist für uns absolut absurd.
Daniel
01:40:39
Ja gut, das war jetzt aber schon die, das fand ich schon eine geniale Idee. Also ich gebe dir jetzt ein bisschen und dann bist du damit wieder zufrieden oder du kriegst alles, wenn du mit mir da auf diesen Kreuzzug gehst. Das fand ich okay. Das komische ist halt überhaupt die Idee, den wieder zurückzuholen. Also scheinbar muss der ja noch Support gehabt haben in Sachsen, in Bayern, dass man das Gefühl hatte, der mag ja da in England sein, aber wenn wir mit dem nicht irgendwie doch wieder eine Lösung finden, dann wird es vielleicht doch problematisch.
Solveig
01:41:11
Nein, nein.
Daniel
01:41:11
Ja, aber warum holt der den dann zurück? Dann gibt es doch schon jemand anderen im Zweifel, der da in Sachsen das übernimmt.
Solveig
01:41:16
Weil das die göttliche Ordnung ist, weil er als König so zu agieren hat, das ist genau der Punkt.
Daniel
01:41:23
Das ist doch sein Lehen, kann er neu verteilen.
Solveig
01:41:25
Aber so kann er nicht auftreten.
Daniel
01:41:27
Aber der ist doch schon weg. Wieso muss er sich jetzt, er hat doch schon gewonnen. Weil es sein göttliches Recht ist.
Solveig
01:41:33
Wir sind in einer Welt, die an den göttlichen Heilsplan glaubt. Die daran glaubt, dass jeder Mensch.
Daniel
01:41:39
Ich glaube nicht, dass der göttliche Heilsplan dir sagt, wer Kürcher von Sachsen ist.
Solveig
01:41:43
Jeder, doch, durch die Geburt. Du bist durch deine Geburt in diesen Platz gesetzt worden von Gott. Barbarossa ist Sohn von Friedrich I. von Schwaben gewesen. Und deswegen ist er durch seine Geburt dazu prädestiniert gewesen, König und Kaiser zu werden. Heinrich der Löwe ist der Sohn von Heinrich dem Stolzen, also ist er dazu prädestiniert gewesen, Herzog von Sachsen zu sein. Und eigentlich auch Herzog von Bayern. Die glauben daran, die glauben wirklich daran, dass das zugehört. Wir haben eben darüber gesprochen, dass sie nicht expandieren. Weil die göttliche Ordnung ist, es gibt das Reich, es gibt Frankreich, es gibt England, es gibt Italien. Das mit den Normanden ist komisch, aber der Papst hat gesagt, ist okay. Das hat so zu sein, weil Gott das so will. Du merkst erst, sind wir wieder bei meinem Protestanten-Bashing, mit diesem Moment, wo die anfangen, den göttlichen Heilsplan zu hinterfragen, wo die anfangen, anders zu denken oder anders darüber zu denken, fangen die auch mit dem Expandieren an. Die gehen alle, als die neue Welt in Anführungszeichen entdeckt wird, die gehen alle nach Nordamerika, weil sie sagen, das ist unverteiltes Land, das ist freies Land, da lebt niemand, weil es aus ihrer Perspektive dort keine Ordnung gibt. Das muss noch von den Christen urbar gemacht werden. Aber da, wo Christen leben, das ist von Gott so gewollt und hat so. Und diese, das hat erhalten zu bleiben. Das heißt, wenn Heinrich der Löwe lebt, dann ist es Gottes Wille, dass Heinrich der Löwe Herzog von Sachsen und von Bayern ist. Und es ist deine Aufgabe als guter Kaiser, der ja im Grunde Stellvertreter Gottes ist, diesen Willen durchzusetzen und immer wieder die Hand auszustrecken und immer wieder zu sagen, hey, ich will deine Rechte bewahren, weil es sind göttliche Rechte. Und das darf man nicht unterschätzen, dass die wirklich so gedacht haben.
Daniel
01:43:39
Das stimme ich dir auch völlig zu. Aber was ist denn auf der anderen Seite die Idee, dass es einen Kaiser gibt, der dich mit einem Lehen ausstattet, weil du dafür ihm Gefolgschaft versprichst?
Solveig
01:43:49
Aber das tun die dem Zeit doch nicht mehr.
Daniel
01:43:50
Das ist nur Fiktion.
Solveig
01:43:51
Das machen doch in der Zeit nicht. Das ist alles.
Daniel
01:43:53
Auch wieder… nachher den Normanen aussagt, sorry, aber ihr seid nicht mehr.
Solveig
01:43:57
Das ist doch auch nur ein Deal. Das ist auch alles Fiktion.
Daniel
01:44:00
Entschuldige bitte, aber der göttliche Heilsplan, dass der jetzt den König von Sachsen beinhaltet.
Solveig
01:44:03
Ist auch Fiktion.
Daniel
01:44:04
Wir kreieren ja keinen neuen Lehn mehr im 13.
Solveig
01:44:05
Jahrhundert. Das ist doch alles, das Land ist verteilt.
Daniel
01:44:08
Trotzdem würde ich doch als Kaiser behaupten, guck her, du hast mit der Gefolgschaft versagt. Du hast dein Eid gebrochen. Das Lehn ist dir entzogen. Ich gebe es jetzt einem anderen Herzog.
Solveig
01:44:18
Ja, aber was, du hast doch eben selber gesagt, als guter Christ, was muss ich dann tun? Was wird von mir erwartet?
Daniel
01:44:25
Dass ich demütig bin? Nicht so wie Heinrich der Löwe?
Solveig
01:44:31
Auf der anderen Seite.
Daniel
01:44:32
Vergeben?
Solveig
01:44:33
Dass du vergibst.
Daniel
01:44:34
Ja, aber der hat ja nichts dafür getan, dieser Heinrich. Also man muss ja wenigstens auch Reue zeigen. Das ist schon Bedingung dafür, dass ich Vergebung erlange.
Solveig
01:44:43
Aber offensichtlich hat Barbarossa das sehr ernst genommen, dass man die Hand ausstreckt und dass man die Hand wieder ausstreckt. Und höchstwahrscheinlich hat er auch die Truppen für ein Kreuzug gebraucht. Aber man sieht daran wirklich, wie wichtig diese Ordnung denen ist. Und dass es einfach von deiner Seite als Herrscher dein Job ist, zu vermitteln und Ausgleich zu finden. Und das tun die wieder und das findest du auch in ihren Urkunden, wenn sie sagen, unsere Aufgabe. Und deswegen, also es ist ganz, ganz wichtig, um das überhaupt auch das Mittelalter, das Hochmittelalter zu verstehen, das Handeln der Adeligen im Reich zu verstehen, um diese Politik zu verstehen, sich klar zu machen, der Kaiser herrscht nicht autoritär, der Herrscher herrscht immer in einer Personalverbindung und die Großen des Reiches, deswegen wird der einfach immer noch gewählt worden. Haben wahnsinnig viel Einfluss und die wirken darauf ein. Also es ist eine Zusammenarbeit zwischen diesen Leuten. Und ich habe jetzt gerade deutlich gemacht, warum. Wegen dieser Vorstellung, weil wir eben von Gott hierher gebracht wurden. Wir haben eine gewisse Vorstellung. Ich habe hier ein Beispiel eben für diese Selbstdarstellung. Wir haben das in einer Urkunde vom 20. Juni 1184, wo Barbarossa eben, also nicht er, aber in seiner Urkunde wird geschrieben. Der Erlauchtheit kaiserlicher Milde gebührt es nämlich, dass sie auf beiden Seiten mittels eines ausgewogenen Vergleichs unter Beipflichtung beider Parteien und der Vermittlung eines guten Mannes die Zivitracht in Eintracht verwandelt und zwischen den eher zum Hass als zur Freundschaft hinneigenden Herzen erneut wahren Frieden und festes Einvernehmen herstellt.
Daniel
01:46:19
Ein Traum.
Solveig
01:46:20
Das, ja.
Daniel
01:46:22
Ja, es ist ein Traum.
Solveig
01:46:23
Es ist nicht nur ein Traum, das ist seine Jobbeschreibung.
Daniel
01:46:26
Ja, okay.
Solveig
01:46:27
So verstehen die ihre Herrschaft. Und ich finde, das hat man wirklich ernst zu nehmen. Das machen wir gerne lächerlich nach dem Motto, ah, das meinen die ja nicht so, die reden nur so daher, um irgendwie sich gut darzustellen. Aber ich bin der festen Überzeugung, die glauben das wirklich. Und weil wir aber so weit weg von denen sind, weil wir so eine ganz andere Vorstellung von der Welt haben, eben komplett, weg sind vom Gottesgnadentum, komplett weg sind davon, dass irgendeine höhere Macht Einfluss auf unser Leben hat, der wir gegenüber Gehorsam zu leisten haben, dass wir das in dem Sinne nicht verstehen, weil wir das nicht ernst nehmen. Für uns ist das alles nur Schischi und Gemache und eigentlich wollen die nur Politik und eigentlich wollen die nur Herrschaft und eigentlich wollen die nur...
Daniel
01:47:14
Ja gut, aber auch Barbarossa hat eine Familie, um die er sich kümmern muss. Natürlich ist er Kaiser, aber er muss ja auch an das denken, was nach ihm passiert und dass seine Familie auch stark genug bleibt, um weiser dieses Kaiseramt beanspruchen zu können.
Solveig
01:47:28
Ja, aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Er sorgt ja für sich, indem er so handelt. Das sind die gesellschaftlichen Normen, nach denen zu handeln wird. Und wenn ich danach handle, dann akzeptiert die Gesellschaft mich und dann kann ich auch. Weißt du, das ist halt dieser Punkt, also die haben einfach eine ganz andere Vorstellung von der Welt und wie die funktioniert und wie die organisiert ist, die wir heute so nicht mehr haben und deswegen ist das für uns alles immer so ein bisschen strange. Ich hatte hier auch nochmal was mitgebracht, wollte ich jetzt weglassen, aber kommen wir doch nochmal dazu. Nochmal von Arnold von Lübeck zu dieser Ritualisierung von Öffentlichkeit, weil Arnold von Lübeck erzählt nämlich, wie, ich muss jetzt überlegen, welcher Kaiser das ist, ich glaube es ist Konrad der Dritte, der trifft sich mit dem byzantinischen Kaiser.
Daniel
01:48:17
Wow, das war ein richtiges Gipfeltreff.
Solveig
01:48:19
Da erzählt nämlich Arnold von Lübeck, wie die sich treffen.
Daniel
01:48:23
Der König der Griechen nämlich, welcher sich aus übergroßem Stolze wegen seiner Reichtümer auch Kaiser nennt, welche Würde er jedoch von Konstantin, dem Gründer jener Stadt, herbekommen hat, hat den abscheulichen Gebrauch, dass er keinem den Kuss des Grußes darbietet, sondern dass jeder, der sein Antlitz zu schauen gewürdigt wird, sich niederbeugen und ihm die Knie küssen muss. Dies aber zu tun, weigerte sich König Konrad in Rücksicht auf die Ehre des römischen Reiches auf das Entschiedenste. Als dann der griechische König da reinwilligte, ihm den Kuss bieten zu wollen, jedoch so, dass er selbst sitzen bliebe, wollte Konrad auch darauf nicht eingehen. Zuletzt gaben die Verständigeren beider Parteien den Rat, beide sollten zu Pferde zusammenkommen, sich aus gleicher Entfernung einander nähern und sich sitzend küssen und begrüßen. was denn auch geschah. Das ist aber schön. Aber ich finde auch schön, wegen seiner Reichtümer nennt er sich auch Kaiser.
Solveig
01:49:23
Aber er hat es nur von Konstantin, das ist nicht so alt wie wir. Wir sind von Augustum. Ja, also zum einen, das ist eben diese ritualisierte Öffentlichkeit, auch diese Inszenierung von Rang. Also hier geht es natürlich darum, um zu zeigen, also Konrad würde sagen, ich bin schon auf dem gleichen Rang wie der. Also ich küsse dem nicht das Knie, ich bin nicht sein Untertan. und dann dieses Gemache, ja okay, dann machen wir das auf dem Pferd und die reiten dann aufeinander zu und dann, das ist ja auch völlig abstrus.
Daniel
01:49:53
Aber warum geht das dann? Warum kann man nicht aufeinander zugehen und sich umarmen oder so? Aber reiten ist dann okay.
Solveig
01:50:00
Ja, weil das ist, es ging glaube ich ums Sitzen.
Daniel
01:50:02
Der Papst hätte sofort gesagt, du steigst jetzt ab und hältst mir hier den Steigbügel.
Solveig
01:50:06
Aber das ist was anderes. Und das ist eine Selbstdemütigung.
Daniel
01:50:10
Das ist okay.
Solveig
01:50:11
Aber hier geht es ja, eigentlich mögen wir uns nicht und erkennen uns gegenseitig nicht an. Und es geht hier, glaube ich, ums Sitzen. Also wir wollen uns beide im Sitzen küssen, aber wenn wir beide sitzen, dann bewegen wir uns ja nicht aufeinander. Also dann müssen wir das auf dem Pferd machen, weil die können sich bewegen. wie gesagt, wenn wir uns heute alles angucken, was war denn das damals mit hier, wie heißt sie denn, von der EU Ursula, die Ursula von der Leyen die auf dem Beisitzersofa genau, die nicht auf dem Sofa sitzen durfte das war auch ein Riesenthema, das ist durch die Presse gegangen wo man heute denkt, ist doch egal es geht doch um Inhalt das ist bis heute so also deswegen muss man da gar nicht mal so drüber lachen natürlich ist es halber mit den Fernen Gangstreitigkeiten gibt, es immer Und das haben wir bis heute nur eben in einer anderen Form.
Daniel
01:50:57
Ich konnte jetzt nur nicht nachvollziehen, warum auf dem Pferd geht es, aber sonst geht es nicht.
Solveig
01:51:01
Weil wir sitzen müssen. Ich glaube, das ist so der Punkt.
Daniel
01:51:03
Also die Herrscher müssen sitzen und sich küssen und gleichzeitig aufeinander zu. Deswegen brauchen wir das Pferd, das sie nahe bringt.
Solveig
01:51:11
Wenn sie beide auf ihren Stühlen sitzen, können wir zusammen wie meiner Leibstag waren. So, also. Wie gesagt, kommen wir nochmal zu diesem Punkt zurück und dann bin ich auch fast am Ende. Ich verhaspe mich heute hier auch so vom Höchstchen auf Stöckstchen.
Daniel
01:51:24
Nö, alles ist tringend.
Solveig
01:51:26
Ich habe, aber es ist gut, wenn du das sagst. Also noch einmal, wir haben darüber gesprochen, was wird von einem Herrscher erwartet. Ein Herrscher soll versöhnen, ein Herrscher soll Frieden stiften, ein Herrscher muss seine Großen irgendwie im Zaum halten, damit die auch das tun, was man will. Sonst sagen die nö und dann hat man halt kein anderes Mittel, als Krieg zu führen und das kann ja jetzt auch nicht im Interesse sein. Und wir haben eben auch einen ganz klar definierten Tugendkanon für adelige Menschen. Also es ist jetzt nicht so klar definiert, wie das gerne mal so bei Wikipedia oder so steht. Also zu erwarten sind, das gibt es nicht. Aber wir haben natürlich Literatur aus der Zeit, in der die Helden sich ganz klar auf eine Art verhalten, wo das auch angesprochen ist. Das ziemte sich für einen Herrn. Und dadurch kann man das eben sehr schön rekonstruieren, wodurch dann solche Listen entstehen, wie sie dann bei Wikipedia stehen. den eine der Herrscher hat, zu sein. Und zu diesen Adelstugenden für Männer, bei Frauen sind die ein bisschen anders, aber im Großen und Ganzen ist das da auch drin, heißt es, ein Mann hat Demut zu zeigen gegenüber Gott und den Menschen, die über ihm stehen. Er hat Güte zu zeigen, er hat Mäßigung zu zeigen und er hat Milde zu zeigen, was Freigiebigkeit heißt.
Daniel
01:52:40
Mhm.
Solveig
01:52:41
Und das ist nicht das, was die Männer im 19. Jahrhundert unter männlichem Verhalten verstanden haben und gewisse Kreise auch heutzutage nicht unter männlichem Verhalten verstehen. Und deswegen zum Abschluss nochmal so ein Bild vom maskulinen Mann des 12. Jahrhunderts.
Daniel
01:52:59
Wie hätte Friedrich Barbarossa ein maskuliner Mann reagiert?
Solveig
01:53:02
Der war ein maskuliner Mann. Das ist der Punkt. Aber er ist für uns heute kein maskuliner Mann. Und ich finde, das könnte man doch mal wieder zurückgehen. Und ich habe noch mal ein paar Beispiele dafür mitgebracht, wie sich so ein maskuliner Mann im Mittelalter verhält. Da kannst du einmal Lambert von Adre lesen, die Geschichte des Grafen von Gien aus dem Jahr 1203.
Daniel
01:53:25
Wie Arnold Ritter wurde. Er rief nämlich seine Söhne, Bekannten und Freunde zusammen an seinen Hof in Gien für den heiligen Pfingsttag im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1181. Da gab er ihm, Arnold, den Ritterschlag, ohne dass er einen Vergeltungsschlag bekommen durfte, und ehrte ihn durch die ritterlichen Riten als vollkommenen Mann. Kaum war Arnold mit der ritterlichen Gewandung eingekleidet, sprang er mitten unter die Leute und stellte die Diener, Spielleute, Taugenichtse, Knappen, Possenreißer, Gaukler und alle, die seinen Namen ausriefen und rühmten, so sehr zufrieden, dass er als Lohn für seine reichen Gaben ihr Lob und ihren Dank empfing. Da er nämlich, was immer er innehaben oder einfordern konnte, mit gleichsam verschwenderischer Hand auf der Freigiebigkeit verteilt hatte, und auf der ersten Seite des Porphyrius sozusagen bei den einfachen und schlichten Einsichten stehen geblieben war, gab er das meiste in kleinen Münzen und verschenkte seine eigene Habe, das ihm von den Seinigen zugesteckte und das von Fremden eingetauschte, sodass er für sich selbst kaum etwas zurückbehielt. Am folgenden Tag wurde auf seinem Gut Ardres in der Kirche mit einem feierlichen Aufzug empfangen. Die Glocken läuteten, Mönche und Kleriker sangen gemeinsam zu seiner Ehre. Freigebigkeit bis zum Get-No.
Solveig
01:54:50
Alles weg. Alles an die Leute, die deinen Namen rühren. Und diese Stelle habe ich auch mal in einem Seminar rausgegeben, um so ein bisschen überfängst. Meine Studenten sind komplett ausgerastet. Das kann doch nicht sein. Der kann doch nicht sein ganzes Geld weggeben. Was soll denn das?
Daniel
01:55:05
Der kriegt ja noch alles. Wer hat ja jetzt Land und Leute, die für ihn arbeiten.
Solveig
01:55:10
Aber da meinte ich dann auch nur so, jetzt seid man nicht so bürgerlich.
Daniel
01:55:12
Also das ist auch so ein... Diese Sparfüchse.
Solveig
01:55:16
Also diese Vorstellung als Adliger immer, deswegen sind die ja auch immer verschuldet, weil sie auch immer, und dann bauen sie so große Sachen, weil sie ja immer, es wird erwartet, dass du dir auch den Armen gibst und dadurch deinen Namen stärkst. Und wir haben hier noch einmal einen Text von die Geschichte des Gottfried, Fürst der Normanen und Graf der Anjou.
Daniel
01:55:37
Am nächsten Tag wurde bei Tagesanbruch ein Bad bereitet, wie es die Gewohnheit bei Aufnahme in die Ritterschaft erfordert. Sobald der König von den Kammerdienern erfuhr, dass der Anjou und die, die mit ihm gekommen waren, aus dem Bad gestiegen waren, befahl er, sie zu ihm zu zitieren. Nach der Reinigung des Körpers stieg Gottfried, der edle Sprössling des Grafen von Anjou, aus dem Bad, wurde mit einem Tuch aus feinem Leinen umhüllt, mit einem golddurchwirkten Gewand und darüber mit einem purpurgefärbten Mantel bekleidet. Dazu wurde er mit seidenen Stiefeln versehen, während seine Füße durch Unterschuhe geschützt wurden, deren Oberfläche kleine goldene Löwenfiguren trugen. Dem Anjou aber wurde ein spanisches Pferd von auffallender Schönheit zugeführt, das, wie man sagt, derart schnell war, dass sogar viele Vögel im Flug langsamer waren. Die spatzen wahrscheinlich. Auch legte man ihm einen Brustpanzer an. Und schließlich wurde er mit einem Schwert aus dem königlichen Schatz gegürtet, das dort von Alter her gekennzeichnet war als ein Schwert, dessen Herstellung dem größten Meister aller Schmiede, Wieland, viel Mühe und Schweiß gekostet haben soll. Jener Ehre und der Fröhlichkeit der Schwertleiter gewidmete Tag verging ganz im Turnierspiel und prächtigen körperlichen Ertüchtigungen. Über volle sieben Tage wurden beim König die festlich fröhlichen Turnierspiele fortgesetzt. Okay, also maskuline Männer tragen Pantoffeln mit Löwen drauf.
Solveig
01:57:03
Ja, der ist ja auch ein Augeot. Ich glaube, das ist sogar der Gottfried ist der Mann von der Mathilde. Das habe ich jetzt nicht mal nachgeguckt, aber ich glaube, das ist der. Also man wird sehr schön eingekleidet, man legt sehr viel Wert auf sein Erscheinen. Man hat schöne Sachen.
Daniel
01:57:19
Adelig.
Solveig
01:57:20
Ja, eben. Das heißt, nö.
Daniel
01:57:22
Wenn nicht in Lumpen rumlaufen. Franz Josef hat Uniform. In so einer Jogginghose.
Solveig
01:57:27
Franz Josef hat sein Leben Uniform getragen.
Daniel
01:57:31
Die haben ja noch keine Uniform. Man kann sich ja schlecht anziehen.
Solveig
01:57:33
Natürlich, die haben ja auch ihre Rüstung. Aber man hat hier so eine gewisse, Weichlichkeit. Diese Weichheit könnte man beschreiben.
Daniel
01:57:43
Baden?
Solveig
01:57:44
Nein, weil sie sich auch sehr schön sein sollen. Also das muss man mir jetzt glauben. Da wird sehr, sehr viel Wert drauf gelegt, dass die auch schön sind, dass sie schönes Haar haben.
Daniel
01:57:54
Das macht der maskuline Mann heutzutage auch.
Solveig
01:57:57
Ja, aber nicht auf schön sein. Die sind, wenn du dir die maskulinen Männer...
Daniel
01:58:01
Sie sind die Augenbrauen.
Solveig
01:58:02
Nein. Ja, auch. Aber da geht es um eine bestimmte, eine Härte zu zeigen. Die pumpen sich ja super hoch und dann das hier hauen sich mit Hämmern ins Gesicht, um diese Härte und diese harten Linien zu bekommen. Und hier geht es wirklich sehr, auch wenn du dir mal die Darstellung in der Kunst anguckst, die haben ein sehr langes Haar, die sind sehr weich dargestellt. Das ist wirklich, es geht darum, eben feminine Schönheit zu präsentieren. Und das ist etwas, was auch Bernhard von Clairvaux anspricht. Und den lese ich jetzt vor.
Daniel
01:58:34
Okay.
Solveig
01:58:35
Das ist meiner. Und da kommt das nämlich richtig durch. Jetzt muss man natürlich sagen, Bernhard von Claveau ist so ein eigener Herr, der eben gerade gegen dieses Ritterideal, das du so schön vorgetragen hast, das findet er nämlich richtig scheiße. Und so schreibt er dann nämlich, Wie seltsam ist doch euer Irrtum, oder vielmehr, wie unerträglich ist eure Wut, o Soldaten dieses Zeitalters, dass ihr mit so viel Mühe und Kosten Krieg führt, nur um dafür mit dem Tod oder mit Sünden belohnt zu werden. Ihr behängt eure Pferde mit seidenen Decken. Ihr bedeckt eure Brustpanzer mit unzähligen Stoffbahnen, die nach allen Seiten herabhängen. Ihr bemalt eure Äxte, eure Schilde und eure Sättel. Ihr verschwendet Gold, Silber und Edelsteine an euren Rüstungen und Sporen. Und in diesem prunkvollen Aufzug eilt ihr mit frecher und schändlicher Wut dem Tod entgegen. Sind das etwa die Kennzeichen des Kriegerstandes? Sind das nicht eher Zierden, die Frauen anstehen? Nimmt das Schwert des Feindes etwa Rücksicht auf Gold? verschont es Edelsteine, könnte es Seide nicht ebenso gut durchbohren. Doch wissen wir nicht aus täglicher Erfahrung, dass der Soldat, der in die Schlacht zieht, nur dreierlei braucht. Lebhaftigkeit, Übung und Geschick im Abwehren von Hieben, Wachsamkeit bei der Verfolgung und Schnelligkeit im Zuschlagen. Dich hingegen sehen wir wie eine Frau, eine Haarmasse pflegen, die dir die Sicht raubt. Du hüllst dich in lange Gewänder, die bis zu den Füßen reichen und verbirgst deine zarten, empfindlichen Hände in Ärmeln, die so weit sind wie ein Umhang. Hinzu kommt noch ein Umstand, der das Gewissen des Soldaten durchaus zu beunruhigen vermag. Ich meine den leichtfertigen und nichtigen Beweggrund, aus dem man die Unvorsichtigkeit begeht, in eine ansonsten so gefahrenreiche Miliz einzutreten. Denn es steht außer Zweifel, dass eure Streitigkeiten und Kriege lediglich aus unbedachten Zornausbrüchen, aus eitlem Ruhmesdrang oder aus dem Verlangen nach irdischen Entoberungen entspringt. Nun kann man aber gewiss nicht mit gutem Gewissen seine Mitmenschen aus solchen Gründen töten.
Daniel
02:00:33
Mhm. Das ist eine interessante Mischung. Also er sagt, der Krieg ist schlecht, dann beschreibt er, wie die sich hübsch machen und wie sie so ein bisschen zu hübsch in den Krieg gehen und das ist dann das eigentliche Problem. Und dann am Ende ist aber doch wieder der Krieg das Problem.
Solveig
02:00:46
Ja, nicht der Krieg ist das Problem. Der Grund für den Krieg ist das Problem.
Daniel
02:00:50
Achso, okay.
Solveig
02:00:51
Weil er ist natürlich mit seinem Text für die neue Ritterschaft. Und er schreibt halt...
Daniel
02:00:57
Die ohne Seide.
Solveig
02:00:58
Ja, er schreibt halt...
Daniel
02:00:59
Die nicht so frauhaft.
Solveig
02:01:00
Für ihn ist die neue Ritterschaft eben die Ritterordner, die Templer, Johanniter, Deutsche Orden. Das sind richtige Ritter. Das sind richtige Männer.
Daniel
02:01:07
Das verstehe ich. Ja, das ist halt so, wie man sie sich vorstellt.
Solveig
02:01:12
Ja, wie ihr heute.
Daniel
02:01:13
Ja.
Solveig
02:01:14
Aber nicht diese weichen... Das ist ein Ritter mit so Seidenklamotten an. Aber das ist die Mehrheit. Das ist ja genau der Punkt. Und ich habe jetzt auch in der Vorbereitung endlich verstanden, warum es mich so ankotzt, wenn moderne Männer über Kreuzfahrer reden und über Templer und doll, ne, ne, ne, ne. Und warum mich das so ärgert? Weil das ist genau dieser Punkt, weil sie eine Ausnahme von der Regel, die Bernhard von Clairvaux hier deutlich macht, als Norm präsentieren und damit weiterhin dieses Bild vom harten, maskulinen Mann und vom harten, maskulinen Ritter, verkaufen als Norm. Aber das ist nicht wahr. Das waren die nicht.
Daniel
02:01:53
Aber offenbar gab es auch Zeitgenossen, die auch als Feminin gelesen haben.
Solveig
02:01:58
Ja.
Daniel
02:01:58
Also es ist nicht die Vorstellung von Maskulinität in dem Sinne, dieses Zeitalters, dass ich mich hübsch mache und Seitenanzüge garanziehe. Nicht für alle.
Solveig
02:02:08
Nicht, nein.
Daniel
02:02:10
Da gäbe es ja nicht Bernhard von Clairvaux, der sagt, du siehst ja aus wie eine Frau.
Solveig
02:02:13
Es ist nie für alle und auch unsere maskuline, also wir machen uns auch über die maskulinen Männer heute lustig.
Daniel
02:02:18
Ja, weil ich der maskuline Mann bin.
Solveig
02:02:20
Weil ich der maskuline Mann bin.
Daniel
02:02:21
Hast du in deinem Reel gepostet. Ich glaube, ich habe es bei Instagram repostet.
Solveig
02:02:25
Ja, aber das ist ja der Punkt, auch wir haben unterschiedliche Männlichkeitsvorstellungen und es gibt auch heute Personen, die sagen, Softmasculinity oder weiche Masculinity ist besser aus den und den Gründen. Und dann gibt es halt die, die sagen, harte Maskulität ist besser aus den und den Gründen. Und so ist das hier auch. Also der Adel sieht das für sich schon als normal an. Also das ist eben der Punkt, den ich machen wollte. Die normalen, die Mehrheit der adeligen Menschen, die natürlich nicht die Mehrheit der Welt sind und der Gesellschaft. Aber Templer, Johanniter, deutsche Orden, diese Ordensritter sind ja noch weniger Mehrheit. Die repräsentieren ja noch weniger die normale Adelsgesellschaft, weil die sich ja aktiv rausnehmen. Die leben ja in Burgen und untereinander nur.
Daniel
02:03:08
Und fahren ins heilige Land.
Solveig
02:03:09
Fahren ins heilige Land und leben da ja auch als Kommune zusammen. Also die haben ja Regeln. Das ist ja nicht normales Leben in diesem Sinne. Und deswegen, aber dadurch, dass die halt immer nur, auch die heutigen Männer, scheinbar gefühlt immer nur auf diese harten maskulinen Templer gucken, Geht das halt unter und dadurch wird dann eben dieser Fokus, den ich gerade mehrere Stunden gefühlt, versucht habe klarzumachen, dass von Barbarossa Weichheit und Vergebung erwartet wird, dann so getan, als ob das nicht so war, sondern der harte Herrscher auf seinem Thron der komplette Autorität verlangt und das stimmt halt eben nicht. Und das habe ich mir jetzt nochmal so als Fazit, ich habe ja noch andere Punkte, aber das heißt, als Fazit muss man sich eben klar halten, wie du es schon zum Einstieg gesagt hast, das männliche Ideal des Mittelalters ist wer?
Daniel
02:04:01
Christus.
Solveig
02:04:01
Ja.
Daniel
02:04:02
Und Maria.
Solveig
02:04:03
Aber vor allem, also du hast dich als guter Christenmann im Grunde wie Jesus zu verhalten oder ihm nachzuleben, also zu versuchen, so nah an ihn heranzukommen, wie es nur geht. Und Jesus ist halt nun mal sehr groß im Vergeben und sagt, man soll seinen Feinden vergeben und liebt eure Feinde und all diese Dinge. Und das wird eben auch von diesen Männern verlangt. Also in diesem Sinne wird dann eben eine für uns... ungewöhnliche Weichheit von ihnen verlangt, zu agieren. Und deswegen vergeben sie sich halt auch immer und sagen, dann machen wir wieder einen Vertrag miteinander, auch wenn du schon zehnmal den Vertrag gebrochen hast. Weil das einfach erwartet wird, dass man sich so zeigt. Und da merkt man dann eben, da komme ich jetzt zum Punkt, wie stark eben auch unser Bild von Geschlecht und von Handeln, in diesen Kategorien männlich-weiblich eben geprägt ist, seit, tatsächlich der Aufklärung, dass alles, was mit Vergebung zu tun hat, mit Nachsicht, mit Aussöhnung als weiblich gelesen wird und damit als unmännlich und als schwach. Das heißt also, seit der Aufklärung bis in die heutige Zeit haben wir, wenn wir Männer zeigen, die eben sehr viel auf ihr Äußeres legen und auf eine gewisse. Weibliche Schönheit legen, auf, ich vergebe meinen Feinden, das sind dann halt irgendwie so Schwächlinge, die man nicht richtig ernst nimmt. Ein richtiger harter Mann, der ist schon, der macht das, was Bernhard von Clair Wugel, der macht hier Kreuzzüge, der macht dies und das und da wird den Feinden nicht vergeben, weil ich bin der maskuline Mann. Und das ist eben, was mich dann wirklich sehr, sehr wütend macht, weil ich dann sage, nein, die Quellen sagen was absolut anderes, aber weil unser Blick durch das 19. Jahrhundert so stark verschoben ist auf das Mittelalter, auf Maskulinität des Mittelalters, sehen die das immer nicht. Und das finde ich schade, weil da würde man meiner Meinung nach viel von gewinnen, wenn man das machen würde. So, jetzt bin ich fertig.
Daniel
02:06:05
Also seid so weich wie Barbarossa.
Solveig
02:06:08
Kniert nieder vor euren Feinden.
Daniel
02:06:10
Ich mag trotzdem Heinrich den Löwen. Ist jetzt nicht besser geblieben als vorhin.
Solveig
02:06:15
So wollte ich ja auch gar nicht erreichen. Ich wollte nur zeigen, dass Barbarossa sich nicht gedemütigt hat, selbst wenn er niedergekniet hat.
Daniel
02:06:22
Das war schon sein letzter Schritt.
Solveig
02:06:25
Spaß hat ihm das nicht gemacht. Aber er hat jetzt nicht die Ehre des Reiches in Gefahr gebracht, wie das behauptet wird. Oder die große jämmerliche Gestalt Barbarossa, sondern Heinrich hat sich hier schlecht verhalten. Aber das verstehe ich trotzdem nicht.
Daniel
02:06:35
Wo kriegst du das her mit dieser jämmerlichen Gestalt Barbarossa? Der ist doch seit dem 19. Jahrhundert ständig der Typ im Kiffhäuser, der wieder aufwachen muss. Er wird das Reich wieder rein.
Solveig
02:06:43
Ja, aber in diesem einen Moment war halt peinlich.
Daniel
02:06:46
Ja, aber es war ja nur eine Sage.
Solveig
02:06:48
Eben. Aber wenn es wahr wäre.
Daniel
02:06:51
Wäre halt peinlich. Weil Barbarossa eben nicht lächerlich sein kann.
Solveig
02:06:54
Genau, und deswegen ist das eine Sage. Ich habe diese Literatur aus dem 19. Jahrhundert gelesen und da kommt es, wenn über Chiavenda gesprochen wird, dann ist man dann doch mal auf der Seite vom Heinrich dem Löwen, weil das ist der maskuline Mann. Kleindeutsche Lösung mit den Schlavenkreuzzügen, hätten wir das mal gemacht. Anstatt mit den Italienern.
Daniel
02:07:14
Ja, hätten wir mal wenigstens Geld genommen einfach. Wir nehmen euer Geld sehr gerne, insbesondere von Karin, Jan, Carmen, Angelika, Kiko, Emanuele, Sarah und Corinna. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Ebenso an Ludmilla und N.G. aus N. Kryptisch. Und einmal möchte ich natürlich immer noch, ich habe mir immer noch keinen neuen Modus überlegt. Vielleicht habe ich es auch gar nicht versucht. Weil ich einfach so gerne einmal die komplette Runde nochmal vortrage und mich bedanke für eure Unterstützung dieses Podcasts Reiches, inklusive Italien und allem, was wir heute mit hineingezogen haben. Hannover ist auch dabei. Wir grüßen alle Menschen in Hannover, die uns hören.
Solveig
02:07:54
Hallo. Und Braunschwein.
Daniel
02:07:55
Und in Marland. Sollte da jemand dabei sein. Liebe Christina, Steffi, Kofi, Sophie, Christoph, Tobias, Beate, Sarah Solberg, Noemi, Henrike, Stefan, Aisha, Isabella, Silvia, Emma, Maike, Marte, Jojo, Cornelia, danke Anne, danke Vera, danke Dennis und Eva und Roland und Caroline und Matthias und Kerstin und Bettina und Klaus und Sascha und Vivian und Florian, Philipp, Claudia, Nina, Michael, Ann-Christin, Michaela, Sandra, Christine, Monika, Theresa, Stefan, Thomas, Bernhard, Heike, Elke, Anja, Stefan, Sabine, Genov, Eva, Daniel, Tino, Monika, Mika, Alexandra, Corinne, Katrin und Katrin und Jan und Hermann und Julia und Leo und Monika und Marianne und Lydia und David und Timo und Michaela und Erik und Stefan und Karolina, Kerstin, Sophie, Ingo, Christina. Juchzt doch bitte! Astrid, Franziska, Markus, Louis, Kira, Katja und Ulrike, Katlin, Martina, Mike, Katrin, Janina, Jörg, Maria, Johannes, Stefanie, Matze, Beate, Fabian, Annette, Miriam, Helena, Julian und Fatou! Dankeschön! Und natürlich unterstützt ihr uns auch sehr, indem ihr diese Folge teilt an Menschen, von denen ihr wisst, dass sie sich für mittelalterliche Themen interessieren oder besonders maskuline Männer sind und ihnen ein alternatives Bild präsentieren möchtet. Doch, natürlich die gerade sollten diese Folge hören und auch kommentieren. Und im Zweifel hilft uns auch ein Shitstorm, aber natürlich dürft ihr uns auch gerne Sterne und gute Bewertungen geben, über die wir uns natürlich viel mehr noch freuen. Aber wir nehmen ja jeden Kommentar dankbar an und widmen im Zweifel auch der nächsten Folge nochmal eine Post-Teil. Auch da nochmal herzlichen Dank natürlich an alles, was ihr uns schreibt. Auch wenn manches vielleicht ein bisschen schwer zu verdauen war. Aber wir nehmen das niemandem übel und ihr hoffentlich uns auch nicht. So, was ist noch im Nachklapp zu hören? Es klang nach der Art und Weise, wie Barbarossa aufs Leben kommt. Das ist doch schnell erzählt, oder? Das ist schnell erzählt. Okay, diesmal nicht so eine ganze Folge im Nachklapp. Das ist eher so der Standardumfang. Den könnt ihr hören, wenn ihr, wie die, deren Namen wir gerade alle aufgezählt haben, uns bei Steady unterstützt. Ich hoffe, dass als nächstes dass ich dann auch nochmal wieder was erzählen kann. Ich gebe mir Mühe. Mach's gut und bis bald.
Solveig
02:10:03
Tschüss. Ich habe noch einen Punkt vergessen.
Daniel
02:10:08
Achso.
Solveig
02:10:09
Nämlich, dass erwartet wird von Männern, dass sie ihren Feinden Verzeihen vermitteln, dass sie nicht prahlen und ihre Erfolge eher verbergen und dass von allem von den Männern erwartet wird, dass sie adlige Frauen respektieren und auf ihren Rat hören und dass sie innerhalb einer Partnerschaft treu sind.
Daniel
02:10:26
Amen.
Solveig
02:10:27
Amen. Wollte ich auch noch mal gesagt haben.